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Veröffentlicht am 25.02.2017

Zwischen Recht und Gerechtigkeit ...

Wer Furcht sät
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Selbstjustiz - ein ebenso brisantes und interessantes Thema, geradzu perfekt für einen Krimi oder Thriller. Ähnlich hat Autor Tony Parsons gedacht und die Frage der Gerechtigkeit zum Thema des neuen Falls ...

Selbstjustiz - ein ebenso brisantes und interessantes Thema, geradzu perfekt für einen Krimi oder Thriller. Ähnlich hat Autor Tony Parsons gedacht und die Frage der Gerechtigkeit zum Thema des neuen Falls von Detective Max Wolfe. In London nimmt eine Gruppe Erwachsener das Gesetz in die eigene Hand, film ihre Taten und stellt diese online. Schon bald werden sie von der Öffentlichkeit gefeiert und zum "Club der Henker" getauft. Sie töten den Abschaum der Gesellschaft - Mörder, Pädophile, Hassprediger, Junkies. Und nur Vollständigkeit halber möchte ich die Rechtfertigung des ersten Angeklagten zitieren:

Huren, sagte er. Billige Huren, die Schnaps und Drogen wollten. Schlampen, die sich selbst zur Schau stellten. Mädchen, die Männer mögen. Viele Männer. Typische Mädchen dieses Landes. (S. 14)

Man wird als Leser sofort in den Konflikt zwischen Recht und Gerechtigkeit geworfen. Ja, ich wollte Mahmud Irani hängen sehen, weil es mir gerecht erscheint. Ich Recht bin ich deswegen nicht. Ich verurteile Selbstjustiz in jedem Fall aufs Schärfte. Gerade der Anfang von Wer Furcht sät war gut geschrieben, die Spannung dicht und die Thematik stürzte mich in den ersten Gewissenskonflikt. Nach diesem starken Anfang verflog die Euphorie jedoch. Das Thema Selbstjustiz wurde für meinen Geschmack zu oberflächlich behandelt, nahm viel zu wenig wirklichen Raum ein, um die Charaktere und mich als Leser wirklich in eine tiefer gehende Auseinandersetzung zu zwingen, zu hinterfragen, was ist Recht und Gesetz, was Gerechtigkeit? Und schon bin ich mit der Tür ins Haus gefallen ...

... und mache direkt weiter: Auch die Charakter haben in Bezug auf das Thema viel zu wenig über ihre Handlungen nachgedacht und diese reflektiert. Es kam mir so vor als habe Tony Parsons auf Biegen und Brechen versucht, Detective Wolfe dazu zu bringen, am eigenen Leib zu erfahren, wie schmal der Grat zwischen der Ausübung von Recht und Gesetz und der Selbstjustiz ist - und das ist auf ganzer Länge misslungen, sei es nun die Gerichtsverhandlung im ersten Kapitel, bei der drei Jugendliche beinahe nur verwarnt werden, die einen Mann zu Tode prügelten oder die Tatsache, dass der Sohn von Max' Chefin durch eine Attacke in einem Club erblindet ist und der Täter straffrei davongekommen ist. Die Grundlage - die Ereignisse und die Konflikte waren ohne Frage da, wurden aber nicht aufgegriffen: Ist das Gleichgewicht zwischen Verbrechen und Strafe gerechtfertigt und ausgeglichen? Was spricht für und was gegen die Todesstrafe? Die Stimmung der Bevölkerung und der Politik deren Meinungen zu den Morden und dem Thema sind zudem vollkommen unter den Tisch gefallen.

Wenden wir unseren Blick nun den Ermittlern im Fall des "Clubs der Henker" zu: Detective Max Wolfe wirkte auf mich in seinem privaten Leben sehr authentisch und liebenswert. Er ist eher ein Durchschnittstyp und ein allein erziehender Vater. Wie er mit seiner Tochter Scout umgegangen ist und sich darüber freute, dass sie beide das erste Schuljahr unbeschadet überstanden haben, war sehr süß und sympathisch. Ich hätte sehr gene mehr Vater-Tochter-Momente erlebt. Sobald Max jedoch in seiner Arbeitswelt als Ermittler auftritt, verblasst er gerade zu. Rückblickend kann ich noch nicht einmal sagen, was Max großartig zur Ermittlung beigetragen hat.

Um ihn herum wuselten gefühlt tausende Kollegen umher die mich schlichtweg einfach überforderten. Hier ein Kollege, dort eine Kollegin und hier eine Stimmenanalytekerin, die mir als einzige langfristig im Gedächtnis geblieben ist, dort der Rechtsmediziner, ein Psychologe, Historiker, PR-Agentin, und noch mehr Kollegen und Kolleginnen, die alle mehr oder weniger gleichzeitig im Ermittlungsraum herumstanden, angestrengt auf ihre Laptops starrten und praktisch nichts zu Tage förderten. Wurde da überhaupt ermittelt? Auch meine liebste Figur, Tara, die Stimmenanalytekerin hat nichts zur Aufklärung des Falls beigetragen. Sie war, so schien es mir, nur als kleiner Love Interest für zwischendurch eingeplant. Dabei war sie das Interessanteste am ganzen Buch.

Der Schreibstil war besonders zu Anfang sehr gewöhnungsbedürtig. Man merkt, dass Tony Parsons früher als Journalist gearbeitet hat. Er schreibt sehr kühl und distanziert, wenig detailliert, was entschieden dazu beigetragen hat, dass weder Charaktere noch Schauplätze wirklich hängen bleiben. Unterhaltsam, wissenswert und durchweg gelungen war die Einflechtung der zahlreichen Informationen zu Londons historischen und blutigen Vergangenheit in die Handlung des Buches.

Fazit: Wer Furcht sät arbeitet mit einer interessanten und brisanten Grundthematik, die jedoch nur oberflächlich behandelt wurde. Die Charaktere blieben unterstützt durch den kühlen distanzierten Schreibstil blass, die Handlung hatte mit einigen Logiklücken, nicht nachvollziehbaren Aktionen der Figuren und Ermittlungen zu kämpfen, die nicht voran kamen. Tony Parsons wird seinem eigenen Anspruch, einen Kriminalroman mit Herz, Gefühl, Lachen und Tränen, Spannung und Nervenkitzel zu schreiben, nicht gerecht. Es hapert dafür an zu vielen Ecken.

2,5 von 5 Sternen

Veröffentlicht am 25.02.2017

Hochspannung im Hochsicherheitsgefängnis!

Ich bin der Zorn
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Das Gefängnis der Zukunft: Die Bewohner können sich in einem bestimmten Gebiet frei bewegen. Ein Kontrollsystem hat sie immer im Blick, Puls, Körpertemperatur ... alles wird überwacht und erfasst. Kommt ...

Das Gefängnis der Zukunft: Die Bewohner können sich in einem bestimmten Gebiet frei bewegen. Ein Kontrollsystem hat sie immer im Blick, Puls, Körpertemperatur ... alles wird überwacht und erfasst. Kommt einer der Bewohner auf die Idee einen anderen zu attackieren, verpasst das System dem Angreifer einen Elektroschock. Einfach, präzise, zuverlässig. In genau diesem Gefängnis erschießt ein Wärter vier Häftlinge... und ruft damit die Shepherd Organization auf den Plan. Eine Spezialeinheit unter der Leitung von Special Agent Marcus Williams, die sich um besonders grausame Fälle kümmert. Im Mittelpunkt stehen dabei Marcus und sein Bruder Francis Ackerman jr., einer der gefährlichsten Serienkiller der Gegenwart.

Vorab muss ich sagen, dass ich die vorherigen drei Bände - Ich bin die Nacht, Ich bin die Angst und Ich bin der Schmerz - nicht gelesen habe und bin somit mitten in der Reihe quer eingestiegen (was ich normalerweise bei Reihen nicht mache, aber für die Mörderische Ermittlung wird da eine Ausnahme gemacht). Und obwohl ich die Charaktere während den ersten Ermittlungen (noch) nicht begleiten konnte, bin ich überraschend gut in die Geschichte eingestiegen und hatte keine Probleme mit Wissenslücken, die sich logischerweise ergeben. Die Hinweise auf die Ereignisse der vorherigen Bände haben keine großen Fragezeichen hinterlassen, sondern mich auf die anderen Bücher neugierig gemacht. Dafür allein muss man Ethan Cross fünf Sterne verleihen! :D

Aber nun zurück zur Geschichte von Ich bin der Zorn: Kurz zusammengefasst, sie ist spektakulär, actionreich, extrem spannend und immer wieder überraschend. Es treffen gleich mehrere "Masterminds" aufeinander und man fragt sich ständig, wer hier wie mit wem zusammenhängt. Die unterschiedlichen Handlungstränge und -orte sorgen dabei für Abwechslung, kleinere und größere Cliffhanger, die das Tempo und die Spannung stets auf hohem Niveau halten, sodass man das Buch eigentlich nicht aus der Hand legen möchte. Immer wieder durchbricht Ethan Cross die eigentliche Handlung mit Tagebucheinträgen des Judas-Killers und gewährt so einen tiefen Einblick in die Abgründe und den Werdegang des Charakters, der bis zum Ende ein Phantom im Schatten bleibt, bis er sich letztendlich offenbart.

Aber nicht nur der Judas-Killer ist eine interessante Figur, sondern auch Francis Ackerman jr., eine faszinierende Persönlichkeit, die trotz des Bösen, das in im verborgen ist, unheimlich sympathisch ist. Ich hatte sofort Joe Goldberg aus YOU denken, der ebenfalls ein Sympathieträger war, obwohl er ein Stalker ist. Aber warum sollte ein Psychopath nicht sympathisch und attraktiv sein? Schließlich ist es sein Ziel, andere durch Manipulation zu täuschen und für seine Zwecke zu benutzen. Durch seine überhebliche Art und seine innere Zerrissenheit polarisiert Ackerman und sorgt dadurch für die eine oder andere amüsante Szene und treibt die Ermittlungen auch kräftig voran. Er ist hochintelligent, extrem gefährlich und hat mich trotzdem komplett für sich eingenommen, sodass ich ihn eher als Special Member des Einsatzteams sehe denn als Serienkiller. Ethan Cross hat einen wirklich außergewöhnlichen und einzigartigen Protagonisten geschaffen, den ich gerne in die Reihe meiner Lieblingscharaktere aufnehme.

Agent Marcus Williams ist der passende Gegenpart zu seinem Bruder, etwas impulsiver und spontaner in seiner Art zu Handeln. Zudem ist Marcus näher an dem normalen Durchschnittsbürger als es Ackerman als Serienkiller ist und dient natürlich als zentrale Identifikationsfigur. Besonders gelungen waren für mich Marcus' Zweifel über seine Qualitäten als Vater und die Gespräche, die er mit dem Gefängnisdirektor Powell darüber führt. Obwohl sein Sohn während der Ermittlungen verständlicherweise nie vor Ort war, war er dennoch präsent und hat einen Ankerpunkt zum Alltäglichen zwischen all den Grausamkeiten geboten. Der einzige Charakter, den ich am wenigsten leiden konnte, war Maggie, Kollegin und Freundin von Marcus. Sie ging mir den großen Teil der Geschichte mit ihrer herablassenden Art, ihrer unkompetenten Art zu Handeln und ihrem überschätzten Eindruck von sich selbst, dass jeder Kerl ihr hinter gucken muss, auf die Nerven. Vielleicht ändert sich meine Einschätzung zu ihr mit den anderen Bänden.

Der Schreibstil ist einfach fesselnd, locker und flüssig, allerdings auch nichts für schwache Nerven, denn es geht hart und schonungslos zur Sache, was Ethan Cross sehr bildgewaltig beschreibt und damit diesen durch und durch gelungenen Thriller perfekt abrundet.

Fazit: Ich bin der Zorn ist ein rasanter und vielschichtiger Thriller, in dem nicht nur die Figuren manipuliert werden, sondern auch die Leser. Eine Geschichte, die unheimlich fesselt, die man schwer aus der Hand legen kann, in der die Charaktere versuchen mit Humor, unerlaubten Methoden und Strategie den Killer zu enttarnen und zu fassen. Ein absoluter Page-Turner!

5 von 5 Sternen

Veröffentlicht am 25.02.2017

Episch und märchenhaft

Der Winter der schwarzen Rosen
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Tajann und Liljann sind Zwillingsschwestern, die unterschiedlicher nicht hätten sein können und durch Liebe und Hass gleichermaßen miteinander verbunden sind. Liljann ist sanft und genügsam, aber auch ...

Tajann und Liljann sind Zwillingsschwestern, die unterschiedlicher nicht hätten sein können und durch Liebe und Hass gleichermaßen miteinander verbunden sind. Liljann ist sanft und genügsam, aber auch furchtsam und unschlüssig ob sie den ihr vorgezeichneten Weg, der sie in das unwirtlichen und gefährliche Grauland führen wird, wirklich gehen soll. Die begabte Jägerin Tajann dagegen weiß genau, was sie will: Den Platz an der Seite ihrer Fürstin einnehmen, den einst auch ihre Mutter hatte. Liljann steht ihr im Weg, denn der Kodex ihrer Welt besagt, die Erstgeborenen müssen gehen, damit die Zweitgeborenen frei sein können. Als die beiden Mädchen von Fürstin Jamala zum Fest der Roten Nacht eingeladen werden, ahnen sie noch nicht, dass jede von ihnen auf einen Mann treffen wird, der ihr Leben verändern und ihre Loyalität zueinander und sich selbst auf eine harte Probe stellen wird.

Der Winter der schwarzen Rosen bezaubernd - nicht nur durch sein wunderschön gestaltetes Cover - von der ersten Seite an mit einem märchenhaften und detailreichen Schreibstil und liebevoll gestalteten Charakteren. Liljann war mir auf Anhieb sympathisch, ihre liebevolle und fürsorgliche Art ließ ihr mein Herz zufliegen - Tajann konnte mich erst nach und nach für sich gewinnen. Liljann liebt ihre Heimat und die Sagen und Mythen, die ihr von den Einheimischen erzählt werden und muss gleichzeitig ihre eigene Gabe verstecken. Sie setzt dabei jedoch ein grundsätzliches Vertrauen in die Welt und die Menschen, dass jeder Verrat an ihrer zarten Seele schmerzt. Und ich gebe zu, ich habe Tajann in der ersten Hälfte des Buches gehasst. Ihre durchtriebene, egoistische und selbstgerechte Art, mit der sie ihre Ziele erreichen möchte. Auch die männlichen Haupfiguren sind ebenso vielschichtig und liebevoll ausgearbeitet wie unsere beiden Heldinnen. Janeik ist ebenso ein charmanter Liebhaber wie ein aufbrausender junger Lord. Volok ebenso stark und unbeugsam wie ein Angst einflößendes Monster. Naveen ebenso ein romantisch und liebenswert wie eine in Ketten dunkle Macht alter Zeiten.

Es gibt diesen Moment, wenn das Schicksal des Hirsches besiegelt ist. Da wissen wir es beide - das Tier und ich. Wir wissen, wer sterben wird und wer siegt. Ich wusste nur nicht, dass es bei Menschen genauso ist. S. 138

Voller unerwarteter Wendungen, magischer Momente und rätselhaften Ereignissen, die sich zu einer außergewöhnlichen und einzigartigen Geschichte zusammenfügen, hat mich atemlos gemacht und fasziniert hat, und mich auch noch Tage, nachdem ich das Buch ausgelesen hatte, meine Gedanken gefesselt hat. Die unglaubliche Dynamik, die die Autorin durch den Perspektivwechsel geschaffen hat, zieht einen unaufhörlich tiefer in die Geschichte. Abwechselnd erzählen Tajann und Liljann ihren Teil der Geschichte. So fügt sich schließlich Stück für Stück die Geschichte am Ende zu einem epischen Märchen zusammen. Auch das Ende fügt sich harmonisch in die gesamte Handlung ein, auch es für meinen Geschmack dann doch ein wenig zu überzogen und kitschig wirkte.

Fazit: Nina Blazon hat mit Der Winter der schwarzen Rosen eine märchenhafte sowie epische Geschichte über Magie, Liebe und Verrat erschaffen. Ein Roman, der vielschichtig und zugleich einfach ist. Ein Roman, der begeistert mit tiefgründigen Figuren, einem zauberhaften Schreibstil und spannender Handlung. Der Winter der schwarzen Rosen ist die ideale Lektüre für einen verschneiten oder regnerischen Wintertag, bei dem man sich mit einer heißen Tasse Tee und dieser magischen Geschichte einkuscheln und abtauchen kann, in Liljanns und Tajanns Schicksal. Klare Leseempfehlung für diesen beeindruckenden Roman.

4,5 von 5 Sternen

Veröffentlicht am 25.02.2017

Nicht so gut wie erwartet ...

Elanus
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Nachdem mich Erebos, mein erstes Buch aus der Feder von Ursula Poznanski, mitreißen und fesseln konnte, konnte ich bei ihrem jüngsten Werk nicht widerstehen: Jona besitzt einen außergewöhnlichen Begleiter, ...

Nachdem mich Erebos, mein erstes Buch aus der Feder von Ursula Poznanski, mitreißen und fesseln konnte, konnte ich bei ihrem jüngsten Werk nicht widerstehen: Jona besitzt einen außergewöhnlichen Begleiter, Elanus, eine Drohne. Klein, leise und mit einer messerscharfen Kamera ausgestattet. Damit rückt Jona seinen Gegenspielern auf den Leib - und davon hat Jona eine Menge, denn er ist nicht gerade der umgängliche Typ. Ganz auf meine Kosten bin allerdings bei Poznanskis neuem Jugend-Krimi nicht gekommen.

Jona ist ein Anti-Held, wie er im Buche steht. Er ist mürrisch, arrogant und teilweise schon respektlos gegenüber denjenigen, die er für weniger intelligent hält als sich selbst. Soziale Kompetenz ist definitiv nicht Jonas Fachgebiet, es sei den jemand ist ihm von Nutzen, dafür kennt er sich umso besser in Technomathematik aus. Jona ist eine kratzbürstige Variante von Sheldon Cooper. Schon an seinem ersten Tag stürzt Jona mit der Nase voran ins Fettnäpfchen. Als er auf dem Campus Linda begegnet und er sich Hals über Kopf in sie verliebt, kommen die Ereignisse ins Rollen. Es beginnt mit einem eigentlich harmlosen Flug mit der Drohne und endet (vorerst) mit einem Selbstmord, und Jona beginnt zu ermittelt.

Jona bekommt bald Hilfe von seinem Nachbarn Pascal und seiner Kommilitonin Marlene, und die beiden sind wirklich cool. Pascal ist im selben Alter wie Jona, geht noch zur Schule und ist nicht der größte Mathe-Crack wie Jona, dafür ziemlich aufgeweckt und lockt Jona aus seiner mürrischen Reserve. Marlene ist ein kluges und sympathischen Mädchen, das es in jeder Hinsicht mit Jona aufnehmen kann. Jona entwickelt sich mit ihrer Hilfe zu einem umgänglicheren und netteren Menschen. Dabei ist seine Entwicklung sehr authentisch dargestellt. Mit jedem neuen Hinweis im Fall "Lichtenberger", den er mit Marlene und Pascal diskutiert, bringt es ihn menschlich und charakterlich weiter. Am Anfang noch recht kindisch und pubertär ist Jona erwachsender und reifer geworden. Die anderen Charaktere, angefangen bei Jonas Pflegefamilie über Linda bis hin zu den Nebenfiguren sind für mich sehr blass geblieben.

Und wären wir schon bei der großen Schwäche des Buches: Der Plot. Alles beginnt mit einem kleinen Streich, dem Jona einigen Studenten spielt. Am nächsten Tag wird einer der Dozenten tot aufgefunden. Was steckt dahinter? Zuerst fand ich die Idee eines Jugend-Krimis grandios, vor allem weil ich erwartet hatte, dass man hier das Thema Drohnen, Überwachung und Manipulation - wie es ja auch im Klappentext steht - super gut einbauen kann. So wirklich kam von der Seite allerdings nichts. Elanus dreht zwar einige Runden über der Stadt, aber wirklich große Erkenntnisse kamen dabei nicht herum. Die Handlung war an sich schlüssig und hat gut mit allem anderen gut zusammen gepasst. Die Auflösung des Rätsels hat mich dann leider enttäuscht. Ich hatte einen riesengroßen Knall erwartet. Mir waren zu viele Leute in die Sache verwickelt und es wurde zu viel Dramatik in die Sache gelegt.

Fazit: "Elanus" ist trotz einiger kleinen und großen Schwächen ein unterhaltsamer Jugendroman. Dank des flüssigen Schreibstils fliegen die Seiten nur dahin. Für mich war der Plot einfach zu dünn, die Auflösung des großen, dunklen Geheimnisses zu banal und die meisten Nebencharaktere zu blass. Ursula Poznanski kann definitiv mehr, das hat sie schon oft bewiesen.

3 von 5 Sternen

Veröffentlicht am 25.02.2017

Vincit qui patitur. - Es siegt wer erduldet.

Das unendliche Meer
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! Hierbei handelt es sich um die Rezension zum zweiten Band einer Reihe !


Nachdem Cassie ihren Bruder mit Hilfe von Zombie und seinem Team aus der Militärbasis retten konnte, sind sich die Verbündeten ...

! Hierbei handelt es sich um die Rezension zum zweiten Band einer Reihe !


Nachdem Cassie ihren Bruder mit Hilfe von Zombie und seinem Team aus der Militärbasis retten konnte, sind sich die Verbündeten wider Willen uneinig, wie es jetzt weitergehen soll. Cassie wartet auf Evans Rückkehr und möchte die Möglichkeit nicht in Betracht ziehen, dass er tot sein könnte. Ringer möchte nach einem sicheren Unterschlupf suchen. Zombie sitzt zwischen den Stühlen. Als Ringer dann schließlich aufbricht, kommt sie einer Wahrheit auf die Spur, die schockierender nicht sein könnte ...

Ich wiederhole mich, aber: Was. Für. Ein. Buch. Vincit qui patitur. - Es siegt, wer erduldet. Das ist das Motte des zweiten Bandes, der grausamer, hässlicher und tiefgehender ist als sein Vorgänger. Dabei erzählt Rick Yancey weiterhin aus der Sicht von Cassie und Zombie, wobei die beiden eher in den Hintergrund treten und Ringer, die unterkühlte steife bissige Ringer, den Part der Protagonistin in diesem Band übernimmt.

Die Seiten flogen nur so vorbei - doch wirkt das Buch vermeintlich leichter als es in Wahrheit ist. Der Schreibstil von Rick Yancey ist, hat man ihn erst einmal kennen gelernt, etwas Besonderes. Es ist voller intelligenter Parabeln und wundervoller Metaphern. Die Charaktere werden mit solch einer Liebe zum Detail dargestellt - jeder hat eine Geschichte, Ziele, Träume und Prinzipien. Und in diesem Band lernt man Ringer (endlich) besser kennen. Sie entwickelt sich von dem coolen Nebencharakter aus Band eins zu einer wahren Heldin. Man merkt schnell wie klug sie ist und - anders als Cassie, die eher nach dem Sinn des Überlebens fragt und nicht nach dem warum - alles hinterfragt und genau unter die Lupe nimmt. Es war spannend und überraschend die Welt durch ihre Augen zu sehen, was sie bewegt und ihr wirklich bedeutet, wie sich durch die Apokalypse kämpft. Und das war großartig! Ich liebe Ringer! :)

So gut ich es fand, dass ich Ringer besser kennen lernen konnte und sie auf ihrem Weg begleiten durfte, so schade fand ich es, dass Zombie, Sammy, Cassie, Evan und die anderen mehr oder weniger unter den Tisch gefallen sind. Besonders Cassies Verhalten hat mir hier so gar nicht gefallen. Sie wurde fast auf Evans Existenz reduziert, indem sie eigentlich nur darauf wartet, dass er zurück kommt, wie er es ihr versprochen hat. Wenn die anderen anmerken, dass er vielleicht tot sein könnte, reagiert sie stur und zickig. Sie war in diesem Band sehr ich-bezogen und wenig kooperativ, misstraut allem und jedem und kümmert sich nicht um die Interessen der Gruppe, möchte aber trotzdem den Tod angeben. Sie streitet regelmäßig mit Ringer darüber und Zombie sitzt zwischen den beiden und versucht zu schlichten.

Neben Zombie und Sammy ist auch Evan seinem Charakter treu geblieben und hat wenige, dafür aber starke Auftritte. Trotzdem dachte ich mir bei dem kleinen Showdown im Hotel: "Nicht schon wieder!" Die zarte, tiefe und schöne Liebe zwischen Cassie und Evan stand von Anfang an auf wackeligen Beinen und scheint hier langsam zu zerbröckeln, denn die beiden verkommen hier zu "Prinzessin-in-Not" und "Zu-Hilfe-eilender-Ritter". Da hat sich Rick Yancey stark an seinen Kolleginnen orientiert und das hätte er mal lieber bleiben lassen sollen. Ringer ließ mich die verkorkste Beziehung von Cassie und Evan schnell vergessen. Sie erlebt ihre ganz eigenen Hochs und Tiefs. Gespannt und bewegt verfolgt man ihren Weg, der sie auf die Spur zu neuen Erkenntnissen über die Anderen, Schockmomenten und Herzklopfen bringt. Und ich frage mich: Was hält das Finale für die Figuren und den Leser bereit?

Fazit: "Das unendliche Meer" verspricht (und hält) genauso viel Spannung und Grübeleien wie schon der erste Band. Die Vorfreude auf das Finale wächst und man fiebert mit den Charakteren, mit denen man zusammen im Dunkeln tappt und das Gewirr an Geheimnissen und Lügen langsam zu lösen beginnt. Auch wenn einige der Figuren an den Rand gestellt wurden, steht Eines fest: Wer Ringer mag wird in "Das unendliche Meer" voll auf seine Kosten kommen!

4,5 von 5 Sternen