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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 22.10.2025

Ohne ein glückliches Ende

DUNKEL - Die Todgeweihten von Temeswar
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Sich in eine kriminelle Organisation einschleusen zu lassen, ist ein sehr ungesundes Vorhaben. Denn man muss sich bedingungslos auf die verlassen können, die über einem stehen. David Flugt ist so eine ...

Sich in eine kriminelle Organisation einschleusen zu lassen, ist ein sehr ungesundes Vorhaben. Denn man muss sich bedingungslos auf die verlassen können, die über einem stehen. David Flugt ist so eine eher tragische Figur. Wer einmal ins kriminelle Milieu gekommen ist, an dem bleibt immer etwas hängen. Dass das so ist, konnte man bereits im ersten Band erkennen. Jetzt, im dritten Band, muss Flugt damit zurechtkommen, dass sein Alias aufgeflogen ist.

Leider zieht er daraus die falschen Schlussfolgerungen, denn er glaubt zu wissen, dass er zurück an den Ort seiner Einschleusung fahren muss, um dort völlig auf sich gestellt den Boss der kriminellen rumänischen Truppe umzubringen. Sonst würde er wohl nie zu Ruhe kommen können.

Natürlich geht sein Plan am Ende auf, denn kaum ein Autor lässt seinen Haupthelden sterben. Doch Flugt braucht jede Menge glücklicher Fügungen und Zufälle, um die vielen Planänderungen zu überstehen. Und er ist umzingelt von korrupten Polizisten. Obendrein muss er nicht nur sinnbildlich in der Kloake wühlen.

Kurzum: Das ist eine recht unappetitliche Fortsetzung, die nicht unbedingt Lust auf mehr macht. Und schließlich endet sie recht düster und ohne ein wirkliches Happy End.

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Veröffentlicht am 22.10.2025

Ziemlich umfassend, aber oberflächlich

Immunsystem Hacks
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Vielleicht glaubt der eine oder andere Leser, das Befolgen der zahlreichen Tipps aus diesem Buch würde sein Immunsystem stärken. Messen wird sich das nicht lassen. Natürlich helfen viele der Anregungen ...

Vielleicht glaubt der eine oder andere Leser, das Befolgen der zahlreichen Tipps aus diesem Buch würde sein Immunsystem stärken. Messen wird sich das nicht lassen. Natürlich helfen viele der Anregungen irgendwie. Schließlich umfassen sie das ganze bekannte Spektrum von Experten-Empfehlungen, die fast immer auf Studien beruhen, die allerdings meistens statistisch im strengen Sinne nicht haltbar sind.

Öfter mal fasten, selbstverständlich nicht rauchen, viel rohes Gemüse und Obst essen, sich viel bewegen und dabei möglichst singen, nicht viel durch den Mund atmen, Yoga treiben, Tai Chi erlernen und so weiter und so fort.

Jede dieser Empfehlungen umfasst ungefähr eine Buchseite. Das sagt dann schon viel. Quellenangaben fehlen. Ich möchte die Problematik an einem Beispiel erläutern. Der Autor empfiehlt die Wim-Hof-Methode. Sie kann man erlernen, wenn man genug Mut besitzt, denn sie besteht aus einer Gewöhnung an Kälte und einer speziellen Atemtechnik. Nach einer Woche bei Wim Hof sollte man in der Lage sein, eine Winterwanderung in kurzen Hosen und mit freiem Oberkörper zu unternehmen. Dagegen ist ein kurzes Eisbaden eine Kleinigkeit.

Im Buch wird diese Methode jedoch nicht erklärt. Man braucht also wie fast bei jedem Tipp weiterführende Literatur oder spezielle Kurse. Tai Chi oder Yoga erlernt man eben auch nicht an einem Wochenende.

Insofern hat man es hier mit einem Anregungsbuch zu tun, das schnell in der Corona-Zeit verfasst wurde.

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Veröffentlicht am 22.10.2025

Eine Segelkreuzfahrt durch die Ostsee in wunderbaren Bildern

Mare Balticum
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Wenn ein Mensch segeln und sehr gut fotografieren kann, kommen Bilder zustande wie man sie in diesem dicken und großformatigen Bildband bewundern kann. Allein aus diesem Grund eignet sich dieses Buch wunderbar ...

Wenn ein Mensch segeln und sehr gut fotografieren kann, kommen Bilder zustande wie man sie in diesem dicken und großformatigen Bildband bewundern kann. Allein aus diesem Grund eignet sich dieses Buch wunderbar als Geschenk für jeden Segler.

Aufgeteilt nach der Geografie der Ostsee erschließen sich die Autoren bildlich das Meer von West nach Ost. Natürlich fehlt mit St. Petersburg eine der östlichen Perlen. Schuld der Autoren ist das sicher nicht.

Dafür findet man die meisten anderen bedeutenden Städte an den Ufern der Ostsee. Es war offenbar aber nicht das Ziel der Autoren den Spuren der großen Kreuzfahrtschiffe zu folgen, auch wenn sich das natürlich nicht ganz vermeiden ließ. Vielmehr ging es ihnen um die Verbindung zwischen dem Segeln eines verhältnismäßig kleinen Bootes und den Schönheiten der Ostsee. Nur mit einem solchen Boot kommt man auch in die Nähe sehr kleiner Inseln, die den Blicken gewöhnlicher Touristen verborgen bleiben.

Das Buch beinhalten zahlreiche Drohnenbilder, die einen zusätzlichen phantastischen Eindruck hinterlassen. Wer viele der vorgestellten Orte kennt, wird sich über die Fotografien freuen, fast durchweg wunderschön und transportieren das Flair und das Wesen der einzelnen Orte.

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Veröffentlicht am 22.10.2025

„… gekonnte Prosa auf der Höhe der Zeit“ ?

In einem Zug
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Das steht so als Zitat aus einer Zeitung im Klappentext. Waren Autoren aus der Vergangenheit, derer man sich heute noch erinnert, eigentlich immer auf der Höhe der Zeit? Oder waren sie nicht ihrer Zeit ...

Das steht so als Zitat aus einer Zeitung im Klappentext. Waren Autoren aus der Vergangenheit, derer man sich heute noch erinnert, eigentlich immer auf der Höhe der Zeit? Oder waren sie nicht ihrer Zeit voraus? Ich kann mich solchen vermeintlichen Lobpreisungen auf dem Klappentext nicht anschließen. Aus meiner Sicht handelt es sich hier um einen ziemlich durchschnittlichen Roman mit einer eher seltsamen Geschichte. Und die geht so:

Eduard Brünhofer leidet seit Jahren unter einer Schreibblockade. Der einst gefeierte Autor von Liebesromanen kann seinen Vertrag für ein neues Buch nicht erfüllen. Allerdings hat er schon einen heftigen Vorschuss kassiert, der inzwischen verbaut wurde. Nun muss er zum Rapport beim Verlag in München antreten. Im Zug trifft er auf eine ansehnliche Frau, viel jünger als er, mit der er ein Gespräch anfängt, das nach und nach immer intensiver und seltsamer wird.

Die Dame gibt sich als Psychotherapeutin aus und beginnt Brünhofer nach seinem Liebesleben und seiner Haltung zu Beziehungen auszufragen. Jeder einigermaßen geistig rege Mann wäre schnell misstrauisch geworden. Nicht so Brünhofer, denn der erklärt brav seine Haltung. Im Grunde geht es dabei um die Frage, ob eine Liebesbeziehung nicht doch die persönliche Freiheit einschränkt. Wenigstens daraus ergeben sich einige leidlich interessante Dialoge.

Für den Leser jedoch kulminiert das Ganze in einer ganz anderen Frage, nämlich der, worum es hier eigentlich geht. Oder wie dieses Gespräch, das durchaus auch gewisse Längen hat, denn nun endet. Und dieses Ende stellt sich dann als kurios heraus, wobei man sich wirklich fragt, ob nicht Glattauer auch ein wenig Brünhofer ist und unter einer gewissen Blockade leidet.

Denn in meinen Augen ist das ein ziemlich krampfiges Werk mit einem blödsinnigen Ende.

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Veröffentlicht am 21.10.2025

Paradox, verwirrend, aber dennoch tiefgründig, wenn auch nur für wenige Menschen

Was ist Meditation?
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Zunächst einmal: Dieses Büchlein hat Jiddu Krishnamurti nicht verfasst. Vielmehr haben irgendwelche Menschen Auszüge aus dessen Vorträgen und Büchern unter diesem Titel zusammengestellt. Es soll erklären, ...

Zunächst einmal: Dieses Büchlein hat Jiddu Krishnamurti nicht verfasst. Vielmehr haben irgendwelche Menschen Auszüge aus dessen Vorträgen und Büchern unter diesem Titel zusammengestellt. Es soll erklären, was Meditation sei. Oder besser, was Krishnamurti darunter versteht.

Wer sich mit diesem Thema beschäftigt hat oder gar selbst meditiert, den wird es zunächst erheblich verwirren. Denn mehrfach betont Krishnamurti, dass das gar keine Meditation ist, sondern eine Illusion. Und in den meisten Fällen wird er da wohl recht behalten. Moderne Menschen sind auf zielgerichtetes Handeln getrimmt, ob sie das nun merken oder nicht. Sie kontrollieren sich, wollen wissen, wie weit sie schon gekommen sind. Wer das macht, zerstört von Anfang an alles. Jedenfalls dann, wenn man sich von allen Anhaftungen befreien möchte. Anhaftungen, so Buddha, sind die Ursache allen Unglücks. Sie fesseln den Geist und stören die Wahrnehmung.

Und nun wird es kompliziert, denn Krishnamurti benutzt Begriffe anders als das Menschen kennen, die sich mit der Materie etwas befasst haben. Er benutzt zum Beispiel das Wort Anhaftung nicht. Man liest stattdessen: „Meditation erfordert Freiheit vom Messen und bedeutet Freiheit von der Zeit.“

Und kurz danach folgt so etwas wie eine Definition: „Meditation ist die Umwandlung des Geistes, eine psychische Revolution, damit Sie im Alltag – nicht in der Theorie oder im Ideal, sondern in jeder Bewegung des Lebens – mit Mitgefühl, Liebe und jener Energie leben können, die Sie über die Kleinlichkeit und Enge, die Oberflächlichkeit des von Ihnen geführten Lebens hinauswachsen lassen. Wenn der Geist ruhig ist, wirklich still, nicht zum Verstummen gebracht durch Verlangen oder Wille, dann ist da diese vollkommen andere Bewegung, die nicht aus der Zeit kommt. Der Versuch, sie zu beschreiben, wäre absurd, einfach nur eine Beschreibung in Worten, nichts Wahres.“

Dieses kurze Zitat kann das ganze Büchlein ersetzen. Der letzte Satz zeigt, wie paradox das alles ist, denn schließlich sind alle Texte von Krishnamurti genau der Versuch das Unerklärliche zu erklären, obwohl er genau weiß, dass das gar nicht geht. Was vor diesem Satz steht, nennen andere Gurus „Erleuchtung“, aber nicht Mediation. Das ist unnötig verwirrend.

Man kann die „Umwandlung des Geistes“ auch durch Meditation im üblichen Sinne erreichen, wenn man damit nicht dieses Ziel verbindet, sondern immer wieder nur sitzt und zum Beispiel seinen Atem beobachtet und Abschweifungen nicht bewertet, sondern danach einfach weiter macht. Das aber ist sehr schwer, weil es einen Kulturbruch darstellt und wir ganz anders konditioniert sind. Deshalb zweifelt Krishnamurti auch daran, dass das, was er Meditation nennt, von vielen Menschen erlebt werden kann. Und da hat er mit Sicherheit recht.

Dennoch bewerte ich das Buch mit fünf Sternen, weil es sich zwar an den Geist wendet und ihn beschäftigt, aber es gibt eben auch plötzliche Erkenntnisse, die aus einer solchen Beschäftigung erwachsen und diesen zwanghaften Geist wirklich verändern. Das steht übrigens auch in diesem Buch.

Fast jeder hat schon einmal wenigstens kurzzeitig erlebt, was Krishnamurti unter Meditation versteht. Wenn man zum Beispiel im Sommer auf einer Wiese liegt und ein Insekt beobachtet, dass Nektar aus einer Blume saugt, dann ist der eigene Geist plötzlich völlig unbemerkt total leer, also gedankenfrei. Das ist es.

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