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Veröffentlicht am 24.10.2021

Das Buch der Menschlichkeit

Das Buch der verschollenen Namen
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Im Jahr 2005 entdeckt Eva Abrams in einer Zeitung ein Foto, dass sie an ihre Vergangenheit erinnert. Es handelt sich um ein von Nazis geraubtes Buch, das ein deutscher Bibliothekar seinen rechtmäßigen ...

Im Jahr 2005 entdeckt Eva Abrams in einer Zeitung ein Foto, dass sie an ihre Vergangenheit erinnert. Es handelt sich um ein von Nazis geraubtes Buch, das ein deutscher Bibliothekar seinen rechtmäßigen Besitzern zurückgeben möchte. Das Buch birgt einen geheimnisvollen Code, dessen Bedeutung sich nicht erschließen lässt. Eva kennt jedoch das Geheimnis des Buches.
Paris im Jahr 1942 – die jüdische Studentin Eva Traube entkommt gemeinsam mit ihrer Mutter aus der Stadt, nachdem ihr Vater verhaftet wurde. Beide finden Zuflucht in der unbesetzten Zone, im kleinen Bergdorf Aurignon. Bald lernt Eva dort neben dem katholischen Priester Pére Clément den jungen Widerstandskämpfer Rémy kennen. Sie beginnt, Ausweispapiere für jüdische Kinder zu fälschen, um ihnen die Flucht in die Schweiz zu ermöglichen. Die Kinder bekommen falsche Namen. Eva möchte aber ihre richtigen Namen bewahren, eine Erinnerung an ihre wahre Identität. Gemeinsam mit Rémy verschlüsselt sie die Namen, den Code kennen nur die beiden. Wenig später wird ihre Widerstandszelle verraten, Rémy verschwindet spurlos und auch Eva gerät in tödliche Gefahr.

Kristin Harmel hat ihren Roman in zwei Zeitebenen angelegt, im Jahr 2005 in den USA sowie in Frankreich während des 2. Weltkriegs. „Das Buch der verschollenen Namen“ ist ein sehr berührender Roman, der neben der persönlichen Geschichte Evas und ihrer Familie den Kampf der Résistance um das Leben jüdischer Kinder, deren Eltern von den Nazis verschleppt wurden, zum Inhalt hat. Die Geschehnisse der Vergangenheit verknüpft die Autorin geschickt mit der Gegenwart. Eva hat immer versucht, die Vergangenheit zu vergessen und vor allem, vor ihrer Familie zu verheimlichen. Nachdem sie das Bild des ihr so bekannten Buches entdeckt hat, bleibt ihr nichts anderes übrig, als ihr Geheimnis zu offenbaren. Kristin Harmel schildert die Not der jüdischen Kinder, die unter von Mitgliedern der Résistance unter Lebensgefahr versteckt werden, sehr eindringlich. Dazu gehört neben Knappheit der Lebensmittel die Enge der Verstecke, innerhalb derer die Kinder leise spielen, immer in Angst, entdeckt zu werden. Mit Eva, Rémy und anderen Widerstandskämpfern hat die Autorin starke Charaktere geschaffen, die entschlossen für die Kinder ihr eigenes Leben aufs Spiel setzen. Besonders beeindruckt hat mich, wie Eva dafür gekämpft hat, die wirklichen Namen der Kinder zu verschlüsseln und die Erinnerung als kostbares Gut zu bewahren. Das Buch wurde einer wahren Geschichte nachempfunden, eine Tatsache, die zugleich berührt und nachdenklich macht. „Das Buch der verschollenen Namen“ ist ein sehr emotionaler Roman, bildhaft und flüssig erzählt, für den ich fünf Sterne vergebe und eine Kaufempfehlung ausspreche.

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Veröffentlicht am 17.10.2021

Berlin 1922 - Schatten einer Glitzerwelt

XXL-Leseprobe: Polizeiärztin Magda Fuchs – Das Leben, ein großer Rausch
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Die Polizeiärztin Magda Fuchs steht vor einem ganz neuen Anfang. Neben ihrer Tätigkeit im Polizeipräsidium eröffnet sie im Haus ihrer Vermieterin in Charlottenburg eine eigene Praxis. Dieser ...


Die Polizeiärztin Magda Fuchs steht vor einem ganz neuen Anfang. Neben ihrer Tätigkeit im Polizeipräsidium eröffnet sie im Haus ihrer Vermieterin in Charlottenburg eine eigene Praxis. Dieser Schritt stellt sie aber bald vor neue Probleme. Auch privat ergeben sich für Magda Veränderungen, sie heiratet wieder. Aber ist es die richtige Zeit, um an Kinder zu denken?
Auch im Leben der Mitbewohnerinnen ihrer Pension bleibt nichts wie es ist. Celia hat begonnen, Medizin zu studieren und lernt den charismatischen Edgar kennen und lieben. Fürsorgerin Ina kümmert sich weiterhin aufopferungsvoll um schutzbedürftige Kinder, was sie an die Grenzen ihrer Belastbarkeit bringt. Journalistin Erika beschränkt sich nicht nur auf ihre Aufgaben als Journalistin. Setzt sich Anwältin Ruth wirklich für Frauenrechte ein? Doris ist ihrem Traum, Schauspielerin zu werden, ein Stück näher gekommen. Dann wird sie Opfer eines Verbrechens und gerät in einen Albtraum. Für Magda und ihren Kollegen, Kommissar Kuno Mehring, ergibt sich die Frage, ob ein Zusammenhang mit anderen Straftaten besteht.

Der Roman „Polizeiärztin Magda Fuchs – Das Leben, ein ewiger Rausch“ ist der gelungene zweite Teil einer Trilogie des Autoren-Ehepaars Helene Sommerfeld. Wie bereits im ersten Teil beschreiben die Autoren das Leben der Menschen in Berlin, nunmehr im Jahr 1922. Im Mittelpunkte stehen wiederum Frauen, die sich in dieser Zeit behaupten müssen, jede auf ihre eigene Weise. Die bereits bekannten Protagonistinnen Magda, Ina, Doris, Erika, Celia und Ruth, leben in sicheren bürgerlichen Verhältnissen. Den krassen Gegensatz hierzu bilden die ärmlichen, zum größten Teil menschenunwürdigen Verhältnisse im Arbeitermilieu, mit denen Magda und Ina immer wieder konfrontiert werden. Dazu zählen Gewalt, Abtreibungen und Morde. Die Verzweiflung der Menschen, besonders der Frauen, wird spürbar. Vor allem auch die Ausweglosigkeit, diesem Dasein zu entrinnen. Im Gegensatz dazu steht das ausschweifende, luxuriöse Leben einer Oberschicht, die anhand von Celia und und ganz besonders von Edgar dargestellt wird. Die Autoren haben aber auch dem zunehmenden Antisemitismus der Bevölkerumg im Allgemeinen sowie der offenen Gewalt seitens der Staatsmacht gegenüber der jüdischen Bevölkerung Berlins Raum gegeben. Ebenso kommen die Anfänge nationalsozialistischer Ideen zum Ausdruck. Helene Sommerfeld ist erneut ein brillant recherchierter, fesselnder historischer Roman gelungen, der das Leben im Jahr 1922 in Berlin eindrucksvoll schildert. Die Leseprobe am Ende des Buches macht neugierig auf den zweiten Band. Ich freue mich schon sehr auf die Fortsetzung, vergebe fünf Sterne und spreche eine Kaufempfehlung aus.

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Veröffentlicht am 08.08.2021

Die spannende Gutsherrin-Saga geht weiter

Die Heimkehr der Störche
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Dora Twardy, ihre Ziehtochter Clara, die Eltern und ihre Schwester sind nach der dramatischen Flucht aus Ostpreußen im Jahr 1952 auf einem Bauernhof in der Lüneburger Heide angelangt. Dora muss ...



Dora Twardy, ihre Ziehtochter Clara, die Eltern und ihre Schwester sind nach der dramatischen Flucht aus Ostpreußen im Jahr 1952 auf einem Bauernhof in der Lüneburger Heide angelangt. Dora muss dort schwer arbeiten und ist den Schikanen der Bäuerin ausgesetzt. Sie hat sich aber entschlossen, ein Studium der Veterinärmedizin an der Humboldt-Universität Berlin zu beginnen und ihre Bewerbung eingereicht. Mit Erfolg, sie wird angenommen und zieht mit Clara nach Berlin. Aufnahme finden sie bei Doras Bruder Erich, der mit Ehefrau Hettie in Ostberlin, in der Villa ihrer Eltern, der Hagemanns lebt. Dora hat in Berlin außer ihrem Studium ein weiteres Ziel vor Augen, sie forscht nach dem Verbleib ihrer großen Liebe, des Fotografen Curt von Thorau. Seine letzte Adresse war Ostberlin und Dora muss zu ihrem Entsetzen feststellen, dass Curt seit vielen Jahren in einem Stasigefängnis inhaftiert ist. Nun kämpft sie um seine Freilassung und muss sich dabei widerwillig mit der Staatssicherheit arrangieren. Doch im Juni 1953 gerät sie zwischen alle Fronten und muss sich entscheiden in Ostberlin zu bleiben, oder neue Wege zu gehen. Wird sie Curt doch noch finden?

Bereits das idyllisch anmutende Cover mit der Frau und dem kleinen Mädchen vor dem Hintergrund eines Sees, das Sehnsucht und Hoffnung verbreitet, hat mich in Bann gezogen.
Auch der zweite Band um Dora, ihre Familie und Freunde beginnt spannend, der Leser befindet sich sofort mitten im Geschehen. Besonders fasziniert hat mich der Optimismus, den Dora trotz der schrecklichen Ereignisse des Krieges und der Flucht nicht verloren hat. Sie kämpft mit aller Kraft für ihren Traum, Tierärztin zu werden. Die fesselnde Erzählung spielt vor den historischen Ereignissen rund um den 17. Juni 1953, dem Aufstand der Bevölkerung in Berlin. Theresia Graw schildert die Ereignisse bildhaft, authentisch und sehr emotional, ihr Schreibstil ist flüssig, die Protagonisten sind überzeugend dargestellt. Der Roman spiegelt nicht nur einen wichtigen Teil Zeitgeschichte wider, sondern auch die Lebensweise der Menschen in Ostberlin. Der Lebensstandard der Bevölkerung ist gering, auf Lebensmittelkarten können oftmals noch nicht einmal die notwendigsten Lebensmittel eingekauft werden. Die Normen für Arbeiter werden ständig erhöht und erreichen unzumutbare Ausmaße. Im Gegensatz dazu genießen SED-Funktionäre zahlreiche Privilegien, was am Beispiel von Erichs Schwiegervater deutlich wird. Besonders beeindruckt hat mich der Mut und die Entschlossenheit von Doris und ihren Freunden, die sich am 17. Juni unter Einsatz ihres Lebens gegen das SED-Regime aufgelehnt haben.
Insgesamt hat mich die Erzählung sehr berührt ich habe gemeinsam mit Dora, ihren Freunden und Curt gebangt. Ich hoffe auf eine Fortsetzung des Romans, vergebe gerne fünf Sterne und spreche eine Kaufempfehlung aus.

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Veröffentlicht am 05.05.2021

Wechselvolle Schicksale vor der Kulisse Islands

Das Mädchen im Nordwind
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Luise, die Tochter eines jüdischen Kaufmanns, lernt 1936 in Lüneburg den Isländer Jónas kennen und lieben. In den folgenden Jahren wird die Situation für die Juden in Nazideutschland immer gefährlicher. ...

Luise, die Tochter eines jüdischen Kaufmanns, lernt 1936 in Lüneburg den Isländer Jónas kennen und lieben. In den folgenden Jahren wird die Situation für die Juden in Nazideutschland immer gefährlicher. Bald schon wird es für Luise und Jónas zur Gewissheit, dass Luise Deutschland verlassen muss, um den menschenunwürdigen Bedingungen zu entgehen und ihr Leben zu retten. Doch was wird dann aus ihren Eltern?
Die junge deutsche Tischlerin Sofie restauriert in Island ein Haus und entdeckt Briefe, die Luise einst geschrieben hat. Dann macht Sofie die Bekanntschaft des eigenwilligen Isländers Björvin und stellt fest, dass er ein Nachkomme von Luise ist. Diese Erkenntnis wirbelt das Leben der beiden kräftig durcheinander.

Der Roman „Das Mädchen im Nordwind“ von Karin Baldvinsson  spielt abwechselnd in zwei Zeitebenen, was der Erzählung Spannung verleiht. Überzeugend verknüpft die Autorin das Schicksal zweier Frauen und damit die Ereignisse aus Vergangenheit und Gegenwart. Die Not der Juden in Nazideutschland, ihr schwerer Alltag, wird mit jedem Abschnitt des Buches spürbarer. Karin Baldvinsson hat ausdrucksstarke, sympathische Protagonisten geschaffen. Luise und Sofie sind starke Frauen, deren Schicksale eng miteinander verbunden sind. Sehr beeindruckt hat mich auch Jónas, der unbeugsam zu Luise steht und unter Einsatz seines Lebens versucht, Luises Eltern zu helfen. Mit Sofie und Björgvin werden die Episoden aus der Vergangenheit abgeschlossen. Für die Menschlichkeit und gegen das Vergessen – ein passender Einsteig in die Erzählung. Das Buch besticht durch die bildhafte Sprache, auch wenn einzelne Ereignisse in Island etwas langatmig gestaltet sind. Insgesamt handelt es sich um einen sehr bewegenden Roman, für den ich vier Sterne vergebe und eine Kaufempfehlung ausspreche.

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Veröffentlicht am 22.03.2021

Tanz auf dem Vulkan

Polizeiärztin Magda Fuchs – Das Leben, ein ewiger Traum
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Die junge Ärztin Magda Fuchs hat ihren Mann unter tragischen Umständen verloren und verlässt kurz darauf ihre Heimatstadt Hildesheim. Sie begibt sich nach Berlin, um im dortigen Polizeipräsidium eine Stelle ...

Die junge Ärztin Magda Fuchs hat ihren Mann unter tragischen Umständen verloren und verlässt kurz darauf ihre Heimatstadt Hildesheim. Sie begibt sich nach Berlin, um im dortigen Polizeipräsidium eine Stelle als Polizeiärztin anzunehmen. Anfangs gehört die Untersuchung Prostituierter in einem Frauengefängnis zu ihren Aufgaben. Schon bald wird sie auch mit der prekären Lage von Arbeiterfamilien konfrontiert, die unter armen Bedingungen ihr Leben fristen. Dort gehören Gewalt und oftmals Mord zum Alltag, worunter vor allem Kinder leiden. Magda lernt aber auch andere junge Frauen kennen, die sich in dieser schwierigen Zeit ebenso behaupten müssen wie sie selbst. Da ist Celia, Tochter aus gutbürgerlichem Haus, die in eine unglückliche Ehe gezwungen wurde und lieber Medizin studieren würde. Die Journalistin Erika und die Verkäuferin Doris wohnen gemeinsam mit Magda in einer Pension und haben sich große Ziele gesetzt. Die unkonventionelle Ruth ist Anwältin und setzt sich für Frauenrechte ein. Mit Fürsorgerin Ina arbeitet Magda im Rahmen ihrer Tätigkeit eng zusammen und bald verbindet die Frauen eine Freundschaft. Aber auch vom jungen Kommissar Kuno Mehring erhält Magda Unterstützung.

Der Roman „Das Leben ein ewiger Traum“ bildet den Auftakt zu einer Trilogie, die das Leben im Berlin der 1920er Jahre zum Inhalt hat.
Helene Sommerfeld ist ein grandioser, milieusicherer Roman vor brisantem historischem Hintergrund gelungen. Die Autorin beschreibt lebendig die Atmosphäre im damaligen Berlin und zeichnet ein bewegendes Zeitporträt. Die Zeit nach dem ersten Weltkrieg ist einerseits von Armut und Hunger für die unteren Schichten geprägt, während die Oberschicht ein Leben in Luxus führt. Die krassen Gegensätze werden sehr anschaulich beschrieben. Es ist aber auch eine Epoche, in der sich Frauen mühselig einige Rechte erkämpft haben. Sie sind berufstätig und haben die Möglichkeit zu studieren. Anhand der Protagonistin Celia fließen die strengen gesellschaftlichen Normen und der Standesdünkel dieser Zeit in die Erzählung ein. So unterschiedlich die Lebenswege der Frauen sind, sie setzen alles daran, ihre Lebensträume zu verwirklichen. Am meisten sind mir Magda und Ina ans Herz gewachsen, die versuchen, Kinder aus ihrer Not zu befreien. Sie organisieren für ihre Schützlinge Nahrung, medizinische Versorgung sowie eine sichere Unterkunft. Alles, was im Berlin der 1920er Jahre nicht selbstverständlich war. Helene Sommerfeld ist ein fesselnder historischer Roman mit starken Charakteren gelungen, der das Leben in dieser Zeit authentisch beschreibt. Das Nachwort rundet den Roman gekonnt ab. Ich vergebe fünf Sterne und spreche eine Kaufempfehlung aus.

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