Botanische Gärten
Ein Ort, der bleibtMünster im Jahr 1933, der jüdische Professor und Botaniker Alfred Heilbronn verliert seine Stelle an der Universität Münster und darf auch den Botanischen Garten nicht mehr betreten. Ihm, seiner ...
Münster im Jahr 1933, der jüdische Professor und Botaniker Alfred Heilbronn verliert seine Stelle an der Universität Münster und darf auch den Botanischen Garten nicht mehr betreten. Ihm, seiner Frau Magda sowie Sohn Hans und Tochter Agnes gelingt die Flucht vor den Nationalsozialisten. Sie finden am Bosporus eine neue Heimat. Dort begegnen sie der jungen Botanikerin Mephare, die Alfreds Assistentin wird. Einige Jahrzehnte später gelangt die Stadtplanerin Imke Voigt nach Istanbul. Sie soll ein Gutachten über die Zukunft des Botanischen Gartens erstellen und begibt sich dabei auf die Spuren von Alfred, Magda und Mephare.
Sandra Lüpkes hat in gewohnter Weise die historischen Gegebenheiten in Deutschland sowie in der Türkei sorgfältig recherchiert und eindrucksvoll in ihrer Erzählung widergespiegelt. Ihr flüssiger, bildhafter Schreibstil hat mich sofort in Bann gezogen. Der jüdische Professor Alfred Heilbronn ist Botaniker aus Überzeugung und kämpft für seine Ideen. Gegen die Nationalsozialisten hat er jedoch keine Chance und begibt sich mit seiner Familie ins Exil. Seiner Frau Magda fällt es anfangs schwer, sich in der neuen Heimat am Bosporus einzuleben. Dabei hilft ihr die junge Botanikerin Mephare vor allem der Botanische Garten mit seiner beeindruckenden Vielfalt an unbekannten exotischen Pflanzen.
Zwischen beiden Frauen entwickelt sich eine Freundschaft. Jahrzehnte später begibt sich die Stadtplanerin Imke im Rahmen ihrer Tätigkeit über den Botanischen Garten auf die Spuren der beiden anderen Frauen.
Die Autorin erzählt sehr emotional von Flucht und Neubeginn und wie schwer es Menschen fällt, in einer völlig neuen, fremden Welt Fuß zu fassen. Dennoch haben ihre sympathischen und sehr authentischen Protagonisten nie die Hoffnung verloren. Sandra Lüpkes orientiert sich in ihrem neuen Roman an historischen Gegebenheiten und Personen. Alfred Heilbronn, seine Frau Magda, die Kinder Hans und Agnes sowie Mephare haben wirklich gelebt. Imke Voigt hingegen ist eine fiktive Figur, mit der ich nicht so richtig warm werden konnte. Insgesamt vergebe ich für das Buch vier Sterne und spreche eine Leseempfehlung aus.