Platzhalter für Profilbild

Enzian

Lesejury Profi
offline

Enzian ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Enzian über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 25.04.2026

Botanische Gärten

Ein Ort, der bleibt
0

Münster im Jahr 1933, der jüdische Professor und Botaniker Alfred Heilbronn verliert seine Stelle an der Universität Münster und darf auch den Botanischen Garten nicht mehr betreten. Ihm, seiner ...

Münster im Jahr 1933, der jüdische Professor und Botaniker Alfred Heilbronn verliert seine Stelle an der Universität Münster und darf auch den Botanischen Garten nicht mehr betreten. Ihm, seiner Frau Magda sowie Sohn Hans und Tochter Agnes gelingt die Flucht vor den Nationalsozialisten. Sie finden am Bosporus eine neue Heimat. Dort begegnen sie der jungen Botanikerin Mephare, die Alfreds Assistentin wird. Einige Jahrzehnte später gelangt die Stadtplanerin Imke Voigt nach Istanbul. Sie soll ein Gutachten über die Zukunft des Botanischen Gartens erstellen und begibt sich dabei auf die Spuren von Alfred, Magda und Mephare.

Sandra Lüpkes hat in gewohnter Weise die historischen Gegebenheiten in Deutschland sowie in der Türkei sorgfältig recherchiert und eindrucksvoll in ihrer Erzählung widergespiegelt. Ihr flüssiger, bildhafter Schreibstil hat mich sofort in Bann gezogen. Der jüdische Professor Alfred Heilbronn ist Botaniker aus Überzeugung und kämpft für seine Ideen. Gegen die Nationalsozialisten hat er jedoch keine Chance und begibt sich mit seiner Familie ins Exil. Seiner Frau Magda fällt es anfangs schwer, sich in der neuen Heimat am Bosporus einzuleben. Dabei hilft ihr die junge Botanikerin Mephare vor allem der Botanische Garten mit seiner beeindruckenden Vielfalt an unbekannten exotischen Pflanzen.

Zwischen beiden Frauen entwickelt sich eine Freundschaft. Jahrzehnte später begibt sich die Stadtplanerin Imke im Rahmen ihrer Tätigkeit über den Botanischen Garten auf die Spuren der beiden anderen Frauen.
Die Autorin erzählt sehr emotional von Flucht und Neubeginn und wie schwer es Menschen fällt, in einer völlig neuen, fremden Welt Fuß zu fassen. Dennoch haben ihre sympathischen und sehr authentischen Protagonisten nie die Hoffnung verloren. Sandra Lüpkes orientiert sich in ihrem neuen Roman an historischen Gegebenheiten und Personen. Alfred Heilbronn, seine Frau Magda, die Kinder Hans und Agnes sowie Mephare haben wirklich gelebt. Imke Voigt hingegen ist eine fiktive Figur, mit der ich nicht so richtig warm werden konnte. Insgesamt vergebe ich für das Buch vier Sterne und spreche eine Leseempfehlung aus.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 12.04.2026

Signora Portalettere

Die Briefträgerin
0

Die Eheleute Anna und Carlo Greco kommen 1934 mit ihrem kleinen Sohn Roberto nach Lizzanelleo in Süditalien. Das kleine Dorf ist die Heimat von Carlo, der glücklich ist, wieder in daheim zu sein. ...

Die Eheleute Anna und Carlo Greco kommen 1934 mit ihrem kleinen Sohn Roberto nach Lizzanelleo in Süditalien. Das kleine Dorf ist die Heimat von Carlo, der glücklich ist, wieder in daheim zu sein. Für die Norditalienerin Anna gestaltet sich der Neuanfang schwieriger. Auch wenn sie in die Familie ihres Mannes aufgenommen wird, fühlt sich Anna fremd und unverstanden. Anna widersetzt sich den strengen Konventionen, die in dem kleinen Dorf herrschen und wird Briefträgerin. In ihrem Privatleben muss sie sich bald eingestehen, dass sie für den Bruder ihres Mannes Gefühle empfindet, die über das verwandtschaftliche Verhältnis hinausgehen.

Das schön gestaltete, zum Inhalt des Buches passende Cover hat mich sehr angesprochen. Vom Inhalt des Buches bin ich dann auch nicht enttäuscht worden.
Francesca Giannone hat ihre Erzählung in Süditalien der Jahre von 1934 bis 1961 angesiedelt. Inspiriert zu diesem historischen Roman wurde die Autorin durch das Leben ihrer Urgroßmutter, der ersten Postbotin Italiens. In ihrer Erzählung übernimmt diese Rolle sehr überzeugend Anna Greco. Der Roman beginnt mit dem Tod von Anna und findet seine Fortsetzung mit der Ankunft Annas, ihres Ehemannes sowie des kleinen Sohnes im Dorf Lizzanello. Die Autorin überzeugt durch ihren klar verständlichen, emotionalen und überaus bildhaften Schreibstil.

Sie hat sämtliche Figuren der Handlung sehr authentisch dargestellt. Die Familiengeschichte der Grecos nimmt dabei eine zentrale Stelle ein. Eindrucksvoll schildert Francesca Giannone das freundschaftliche Verhältnis der Brüder Carlo und Antonio, das durch nichts zu trüben ist. Auch die übrigen Familienmitglieder und ihre teilweise schwierige Situation im Leben nehmen einen Platz ein. Bewundernswert ist die Rolle Annas, die keine Anstellung als Lehrerin findet. Sie lässt sich nicht entmutigen und entscheidet sich gegen Widerstände für die Stelle der ersten Briefträgerin des Ortes. Sie ist nun für die Bewohner des Ortes die Signora Portalettere. Darüber hinaus engagiert sie sich für mittellose Frauen und gründet für diese ein Haus. Hier sind die Frauen nicht nur sicher untergebracht, sondern haben auch die Möglichkeit zu lernen. Die Zeit des Krieges wird von der Autorin nur kurz angeschnitten.

Neben der Familiengeschichte zeichnet die Autorin ein lebendiges Bild der damaligen gesellschaftlichen Verhältnisse in Süditalien. Francesca Giannone ist ein lesenswerter Roman mit Tiefgang und großen Gefühlen gelungen. Das Buch wird mir noch lange in Erinnerung bleiben. Ich vergebe gerne fünf Sterne und spreche eine Leseempfehlung aus.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 21.03.2026

Die Zeit zurückdrehen

Der Sommer, der uns blieb
0



Die Erzählung hat das Leben dreier Jugendfreunde zum Inhalt: Martin, Britta und Pia. Abwechselnd wird aus der Vergangenheit und Gegenwart der Protagonisten erzählt. Sie leben in einer Kleinstadt ...



Die Erzählung hat das Leben dreier Jugendfreunde zum Inhalt: Martin, Britta und Pia. Abwechselnd wird aus der Vergangenheit und Gegenwart der Protagonisten erzählt. Sie leben in einer Kleinstadt inmitten idyllischer Natur mit Wald und Seen. Die drei Freunde erleben zunächst einen harmonischen Sommer, bis sich plötzlich alles zwischen ihnen ändert. Sie verlieren sich in der Folge aus den Augen. Bis sie zwanzig Jahre später alle wieder aufeinander treffen. Können sie die Zeit zurückdrehen und wieder zu ihrer einstigen Freundschaft finden?

Das schön gestaltete Cover versprüht die Leichtigkeit des Sommers und doch geht ein Riss hindurch. Der sachliche, aber doch eindringliche Schreibstil der Autorin Greta Herrlicher Autorin hat mich überzeugt. Die Hauptfiguren der Erzählung, Britta, Pia und Martin kommen in Kapiteln abwechselnd zu Wort und erzählen von sich und ihrem Schicksal. Dabei erfolgt ein Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Die mehr oder weniger sinnhaften Sprichwörter über den Kapiteln haben mir zugesagt. Zunehmend war ich gespannt darauf zu erfahren, woran ihre frühere Freundschaft zerbrochen ist.

Pia kehrt nach langer Abwesenheit wieder zurück in ihre Heimat. Es ist mit jeder Zeile spürbar, wie schwer ihr das fällt. Aber ihre Lebenszeit geht zu Ende und ihr bleibt keine andere Wahl. Die Autorin macht verständlich klar, was das Leben ausmacht und was Freundschaft letztendlich bewirken kann. Pia entschließt sich nach vielen Jahren die Wahrheit darüber zu sagen, was früher geschehen ist. Eine Wahrheit, die das Leben des Trios verändert. Die Autorin hat ihre Charaktere sehr authentisch und vielschichtig dargestellt. Dennoch hätte ich mir stellenweise etwas mehr Tiefe gewünscht. Auch die Corona-Krise mit ihren schwerwiegenden Folgen vor allem für Menschen in Krankenhäusern und Seniorenheimen nimmt einen Rahmen in der Erzählung ein.

Das sehr schön mit Liebe zum Detail gestaltete Cover mit Farbschnitt und halbdurchsichtiger Seite zum Ende des Buches hin hat mich begeistert. Aber die Gestaltung ist nicht alles. Ich vergebe für das Buch vier Sterne und spreche eine Leseempfehlung aus.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.03.2026

Im Moor

Moorland. Die Zwillinge
0

Die Zwillinge Nike und Jana verschwinden nach einem Ausflug ins Moor spurlos. An der Suche nach den beiden beteiligen sich zahlreiche Bewohner des nahe gelegenen kleinen Ortes. Die Suche bleibt ...

Die Zwillinge Nike und Jana verschwinden nach einem Ausflug ins Moor spurlos. An der Suche nach den beiden beteiligen sich zahlreiche Bewohner des nahe gelegenen kleinen Ortes. Die Suche bleibt zunächst erfolglos. Später taucht eine Kamera auf, mit Bildern der Zwillinge auf ihrem TikTok-Kanal. Kommissarin Malia Gold, einst selbst in der Gemeinde wohnhaft, übernimmt den Fall.

Das düster gestaltete Cover stimmt so richtig auf diesen Thriller ein. Andreas Winkelmann hat mit dem ersten Band seiner neuen Moorland-Reihe erneut ein kriminalistisches Meisterwerk geschaffen.

Mit Kommissarin Malia Gold schickt der Autor eine engagierte, wenn auch an sich selbst zweifelnde Persönlichkeit, ins Rennen. Malia war 15 Jahre nicht mehr in ihrer Heimat, immer irgendwie selbst auf der Flucht. Sie hat Probleme mit ihrer Mutter Ruth, deren Lösung ihr angesichts der vermissten Zwillinge keine Zeit lässt. Der Fall verlangt die gesamte Aufmerksamkeit sowie Erfahrung der Kommissarin.

Der Autor überzeugt in gewohnter Weise von der ersten Seite an durch Spannung. Er zeichnet eine so unheimliche und düstere Atmosphäre der Moorlandschaft sowie des gesamten Geschehens, dass die Kälte und Einsamkeit sofort in das Bewusstsein des Lesers gerät. Zudem hat Andreas Winkelmann interessante Charaktere geschaffen. Dazu zählt neben Malia und ihren Kollegen vor allem ihre Mutter Ruth, die das Moor so gut kennt, wie kein anderer Bewohner des Ortes.

Zweifel und Vorurteile der Bewohner gegenüber Menschen, die erst vor kurzem in den Ort gezogen sind, nehmen auch einen Raum ein. Es ist aber gerade der Zugezogene, der nach und nach Malias Vertrauen gewinnt und sich aktiv in den Fall einbringt. Der Autor erzählt aus verschiedenen Perspektiven der unterschiedlichen Figuren, was die Spannung zusätzlich steigert. Er baut sehr viele Wendungen ein, die atemlos machen. Ich konnte den Thriller kaum aus der Hand legen. Es handelt sich um einen grandiosen Pageturner, für den ich fünf Sterne vergebe und eine deutliche Leseempfehlung ausspreche.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 31.01.2026

Verhängnisvoll

Das Signal
0

Die junge Innenarchitektin Viola Decker wacht im Krankenhaus auf und stellt erschrocken fest, dass ihr ein Bein fehlt. Sie erfährt, dass sie im Weinkeller ihres Mannes einen Unfall hatte. Ihr ...

Die junge Innenarchitektin Viola Decker wacht im Krankenhaus auf und stellt erschrocken fest, dass ihr ein Bein fehlt. Sie erfährt, dass sie im Weinkeller ihres Mannes einen Unfall hatte. Ihr Mann Adam, ein bekannter Meinungsforscher, scheint sich bestens um sie zu kümmern. Ohne Viola um ihre Meinung zu fragen, engagiert er eine Pflegerin. Nun befindet sich Viola mit der verschlossenen Pflegerin in Erdgeschoss ihres Hauses. Der Umbau des alten Gemäuers geht nicht voran. Zudem sind für die junge Frau plötzlich wichtige Utensilien nicht mehr auffindbar. Ihr Misstrauen ist geweckt, sie besorgt sich digitale Tracker. Damit beobachtet sie neben ihrem Ehemann bald auch weitere Personen und ist geschockt.

Bereits das raffiniert in Violett gestaltete Cover signalisiert Alarm.
Die beklemmende Atmosphäre, in der sich Viola befindet, hat Ursula Poznanski zunächst sehr authentisch dargestellt. Zweifel an ihrem Ehemann Adam und seinem Verhalten kommen für mich noch im Krankenhaus auf. Die Situation für Viola im Haus, von einem Zuhause möchte ich nicht reden, ist ebenso beängstigend. Was zunächst vor allem an ihrer distanzierten, sehr undurchsichtigen Pflegerin liegt, die Viola mehr überwacht als betreut. Aber auch ihr Mann verstrickt sich zunehmend in Unwahrheiten über seinen Alltag. Sie ist den beiden nahezu schutzlos ausgeliefert, was sie bald ändert.

Die Idee der Autorin, Tracker in den Ablauf des Thrillers zu bringen, war für mich neu und hat mich zunächst interessiert. Die technischen Detail dazu wurden verständlich erklärt. Nun kann Adam kaum noch einen Schritt tun, ohne dass Viola ihn überwacht. Aber geht es ihr dadurch besser? Ich denke nicht, da sie nicht den Mut aufbringt, ihren Mann direkt auf ihren Verdacht anzusprechen. Auch ihre Freundinnen sind für ihre Psyche keine große Hilfe.

Zur Mitte des Buches wird die Handlung aus meiner Sicht unnötig in die Länge gezogen, die Spannung ließ nach. Die Szenen lieferten teilweise keine neuen Erkenntnisse. Das Ende des Buches wirkte an den Haaren herbeigezogen. Mit Ausnahme des Nachbarsohnes Benno besaßen auch die Nebenfiguren keine überzeugende Tiefe. Ich vergebe für den Thriller, der mich nicht überzeugen konnte, daher nur drei Sterne.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere