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Veröffentlicht am 10.12.2023

Gefährliche Einsamkeit

Kant und das Leben nach dem Tod
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Gefährliche Einsamkeit

Im Hofoldinger Forst wird nahe der Autobahn A8 der abgetrennte Arm eines Mannes gefunden. Der Befund der Rechtsmedizin ergibt, dass der Arm längere Zeit tiefgekühlt war. ...

Gefährliche Einsamkeit

Im Hofoldinger Forst wird nahe der Autobahn A8 der abgetrennte Arm eines Mannes gefunden. Der Befund der Rechtsmedizin ergibt, dass der Arm längere Zeit tiefgekühlt war. Alles sehr rätselhaft für Kommissar Kant und sein Team. Die Spuren führen in eine Münchner Hochhaussiedlung im Stadtviertel Hasenbergl. Keiner der Nachbarn will das Opfer gekannt oder in letzter Zeit gesehen haben. Außerdem ist der alte Mann nicht der Einzige aus der Siedlung, der vermisst wird. Zeitgleich hat die junge Antonia ihre Heimat Portugal verlassen und befindet sich in der Wohnsiedlung Hasenbergl. Sie ist bei ihrem Großvater, den sie zuvor noch nie gesehen hat und seiner Lebensgefährtin untergekommen.

Vorliegend handelt es sich um den ersten Krimi, den ich von Marcel Häußler gelesen habe. Es wird mit Sicherheit nicht mein letzter sein. Der Autor erzeugt von der ersten Seite an fesselnde Spannung. Der Krimi gewinnt sehr schnell an Tempo, was nicht zuletzt auch an den glaubhaften Charakteren und den vielschichtigen Handlungen liegt. Sämtliche Schauplätze sind so authentisch beschrieben, dass der Leser sich sofort in die jeweilige Situation hineinversetzen kann. Der Plot ist klug konstruiert mit einem Hauch feinem Humor versehen. Die Protagonistin Antonia habe ich sofort ins Herz geschlossen. Das Privatleben des sympathischen Kommissars Joachim Kant und seiner netten Tochter Frida kommt auch nicht zu kurz, nimmt aber nicht zu viel Raum ein. Der Krimi weist durchaus gesellschaftskritische Aspekte auf, was die Einsamkeit älterer Menschen betrifft. Wenn auch damit nicht zwangsläufig Morde verbunden sein müssen. Die bedrückende Atmosphäre in den Wohnungen des anonymen Häuserblocks kann durchaus deprimieren. Ich vergebe für diesen Krimi fünf Sterne und spreche eine Leseempfehlung aus.

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Veröffentlicht am 27.11.2023

Der Schein trügt

Monster (Ein Bodenstein-Kirchhoff-Krimi 11)
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Die 16-jährige Larissa Böhlefeld wird an einem eiskalten, schneereichen Wintertag erdrosselt vorgefunden. Pia Sander, Oliver von Bodenstein sowie das gesamte Team nehmen die Ermittlungen auf. Unter Verdacht ...

Die 16-jährige Larissa Böhlefeld wird an einem eiskalten, schneereichen Wintertag erdrosselt vorgefunden. Pia Sander, Oliver von Bodenstein sowie das gesamte Team nehmen die Ermittlungen auf. Unter Verdacht gerät ein abgelehnter afghanischer Asylbewerber, der erst aus der U-Haft entlassen wurde und eigentlich seine Unterkunft nicht verlassen darf. Dennoch konnte er untertauchen. Kurz darauf wird auf einer Landstraße ein Mann von einem Auto erfasst und stirbt. Der Tote weist Bisswunden auf, kann durch seine Fingerabdrücke aber dennoch identifiziert werden. Es handelt sich um einen kürzlich aus der Haft entlassenen Straftäter, der eine schwangere Frau getötet hat. Im Zuge der Ermittlungen ergeben sich für Pia und Oliver immer neue Fälle vermisster Personen, die sie vor ein Rätsel stellen. Auch innerhalb des Teams ist plötzlich nicht mehr alles stimmig.

Der neue Taunus-Krimi von Nele Neuhaus ist an Spannung kaum zu überbieten. Der Krimi zeichnet sich durch einen ungehinderten Lesefluss aus, es wird sofort Spannung erzeugt. Der Krimi ist in zwei Erzählstränge aufgeteilt, zum einen der Mord an Larissa, zum anderen der Tote auf der Landstraße sowie weitere rätselhafte Vermissten- und Todesfälle. Sämtliche Protagonisten sind authentisch dargestellt. Ganz besonders konnte ich mich in die Eltern von Larissa hineinversetzen, ihre Verzweiflung war greifbar. Pia und Oliver ermitteln fieberhaft, kommen aber zunächst nicht weiter. Während nach der Mitte des Buches für mich klar war, wer für die Vermisstenfälle verantwortlich ist, stellt sich erst zum Ende des Krimis heraus, wer Larissas Mörder ist. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen, vergebe fünf Punkte und spreche eine unbedingte Leseempfehlung aus.

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Veröffentlicht am 20.10.2023

Geraubte Kindheit

Das einzige Kind
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Jugoslawien im Oktober 1940, der 5-jährige Djoko lebt mit seiner Familie unter ärmlichen Bedingungen in einem abgelegenen Dorf. Seine Mutter ist streng, sein Vater liebt ihn über alles. Dann wird das Dorf ...

Jugoslawien im Oktober 1940, der 5-jährige Djoko lebt mit seiner Familie unter ärmlichen Bedingungen in einem abgelegenen Dorf. Seine Mutter ist streng, sein Vater liebt ihn über alles. Dann wird das Dorf von der faschistischen Ustascha-Armee überfallen und Djoko überlebt mit schweren Verletzungen als einziger seiner Familie. Er begibt sich zunächst mitten im eiskalten Winter ganz allein auf die Flucht. Der kleine Junge trifft dabei stets auf Menschen, die ihm helfen. Er wird von diesen aber wieder getrennt und gerät zwischen die Fronten des Krieges. Sein gefahrvoller Weg führt ihn bis nach Österreich.

Auch dieser neue Roman von Hera Lind beruht auf einer wahren Begebenheit. Der nunmehr 88-jährige Djoko erzählt seine Geschichte, sein Schicksal. Das Leben ist für Djoko und seine Familie im Jugoslawien des Jahres1940 schwer genug, der fünfjährige Junge besitzt noch nicht einmal eine Hose, keine Schuhe. Als dann nach einem Überfall durch faschistische Brigaden seine gesamte Familie vernichtet wird, steigert sich das Leid für den kleinen Jungen auf unvorstellbare Weise. Es war herzergreifend zu lesen, wie Djoko zwar immer wieder Menschen findet, die ihm auf seiner gefährlichen Flucht begleiten. Dazu gehören Partisanen ebenso wie deutsche Soldaten, Ärzte und Krankenschwestern. Alle Protagonisten sind authentisch und auf ihre Weise sympathisch. Leider verliert er diese Menschen immer wieder auf tragische Weise. Aber Djoko behält selbst unter widrigsten Bedingungen immer Hoffnung. Er beweist, dass er ein kleiner Kämpfer ist, der alles daran setzt, zu überleben. Als Djoko Österreich erreicht, nimmt sein Leben endlich eine Wendung zum Guten.
Die Geschichte von Djioko ist tragisch und widerspiegelt ein Schicksal von tausenden Kriegswaisen des 2. Weltkrieges. Leider ergeben sich angesichts der Kriege der Gegenwart in der Ukraine und nun auch in Israel furchtbare Parallelen.
Hera Lind schreibt sehr emotional und versteht es, ihre Leser von der ersten Seite an zu fesseln und zu berühren. Ich vergebe für das Buch fünf Sterne und spreche eine Leseempfehlung aus.

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Veröffentlicht am 05.10.2023

Kalt knisternde Spannung am Polarkreis

Tief im Schatten
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Bereits das Cover spiegelt die raue Landschaft am Polarkreis wider und die eisige Atmosphäre stimmt perfekt auf den Krimi ein.
Unweit von Åre wird eine schwer misshandelte Männerleiche aufgefunden. Es ...

Bereits das Cover spiegelt die raue Landschaft am Polarkreis wider und die eisige Atmosphäre stimmt perfekt auf den Krimi ein.
Unweit von Åre wird eine schwer misshandelte Männerleiche aufgefunden. Es handelt sich um den bekannten ehemaligen Weltklasse-Skifahrer Johan Andersson, der allseits beliebt war und keine Feinde hatte. Hanna Ahlander und und ihr Kollege Daniel Lindskog nehmen die Ermittlungen auf. Parallel dazu lernt der Leser Rebecka kennen, die Frau des freikirchlichen Pastors Ole Nordhammar. Rebecka wirkt alles andere als glücklich und als sie plötzlich verschwindet, beginnt für die Ermittler ein Wettlauf gegen die Zeit. Denn die junge Frau ist schwanger und benötigt dringend Medikamente.

Mit „Tief im Schatten“ legt Viveca Sten endlich ihren zweiten Polarkreis-Krimi mit der Ermittlerin Hanna Ahlander vor. Ich liebe skandinavische Krimis und jene von Viveca Sten ganz besonders. Für die liebenswert chaotische Hanna und ihren sympathischen Kollegen Daniel gibt es keine ruhigen Winterferien. Erst eine männliche Leiche, dann eine verschwundene Frau, die beiden haben mehr als genug zu tun. Die verschneite, eisige Winterlandschaft bildet erneut eine tolle Kulisse für diesen neuen Fall. Wieder versteht es die Autorin meisterhaft, Spannung von der ersten Seite an zu erzeugen. Neben den komplizierten Ermittlungen kommt auch das Privatleben der beiden Ermittler nicht zu kurz. Vor allem Daniel hat es schwer, die Polizeiarbeit mit den Interessen seiner kleinen Familie in Übereinstimmung zu bringen. In einem weiteren Erzählstrang wird am Beispiel Rebeckas und Oles die überholte Denkweise einer sektenartigen Glaubensgemeinschaft verdeutlicht.
Hanna und Daniel gehen verschiedenen Spuren nach und ich glaubte, den Täter zu kennen. Dabei habe ich mich getäuscht, das Ende des Krimis war nicht vorhersehbar und völlig überraschend. Für diesen Krimi mit Suchtfaktor vergebe ich fünf Sterne und spreche eine Kaufempfehlung aus.

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Veröffentlicht am 01.10.2023

Dramen der Nachkriegszeit

Helle Tage, dunkle Schuld
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Das Cover, eine dunkel gekleideten Frau vor hellem Hintergrund, hat sofort meine Beachtung gefunden.
Essen im Jahr 1948, Carl Bruns ist endlich wieder Kriminalbeamter, nachdem er während der Zeit des Nationalsozialismus ...

Das Cover, eine dunkel gekleideten Frau vor hellem Hintergrund, hat sofort meine Beachtung gefunden.
Essen im Jahr 1948, Carl Bruns ist endlich wieder Kriminalbeamter, nachdem er während der Zeit des Nationalsozialismus vom Dienst suspendiert wurde. Er ermittelt im Mordfall an einer Hausbesitzerin, deren Sohn ein flüchtiger SS-Verbrecher ist. Im Rahmen der Ermittlungen erfährt Carl von einem entsetzlichen Verbrechen, das sich zum Kriegsende ereignet hat. Er ist sogleich bemüht, beide Verbrechen aufzuklären, als sich weitere Morde ereignen. Carl begegnet der Krankenschwester Anne wieder, einer Freundin aus vergangener Zeit. Diese lebt mit ihrer Schwester Frieda und ihrem Sohn Emil zusammen, hütet ein Geheimnis und ist selbst bald in großer Gefahr.

Eva Völler hat mit diesem Roman nach der Ruhrpott-Saga und der Dorfschullehrerin ihren ersten Krimi vorgelegt. Dieser spielt wiederum im Ruhrgebiet. Der Schreibstil der Autorin ist flüssig, der Leser befindet sich mitten im Geschehen. Die Autorin hat die Handlung im Jahr 1948 angelegt, als die deutsche Polizei sich von Nazis in ihren Reihen getrennt hat. Diese streben aber wieder eine Neueinstellung an. Die Tragik des Geschehens wird am Beispiel Carls deutlich. Als Enkel eines Juden wurde er aus dem Polizeidienst entfernt und musste in einem Tagebau arbeiten. Es ist nachvollziehbar, wie entsetzt er war, als er wieder mit seinem alten Nazi-Vorgesetzten konfrontiert wird. Aber auch Anne wird mit der Vergangenheit immer mehr konfrontiert. Nachdem der Krimi spannend begonnen hat, zieht er sich stellenweise langatmig dahin. Carl und Anne sind zwar authentische Protagonisten, richtig warm werden konnte ich jedoch mit ihnen nicht. Ich vergebe für das Buch dennoch vier Sterne.

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