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Veröffentlicht am 05.05.2021

Zart, unaufdringlich und intensiv

Die Telefonzelle am Ende der Welt
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Darum geht‘s:
Die Radiomoderatorin Yui hat beim Tsunami von 2011 ihre Mutter und ihre kleine Tochter verloren. Ein paar Jahre später hört sie von einer Telefonzelle, die in einem Garten am Meer steht. ...

Darum geht‘s:
Die Radiomoderatorin Yui hat beim Tsunami von 2011 ihre Mutter und ihre kleine Tochter verloren. Ein paar Jahre später hört sie von einer Telefonzelle, die in einem Garten am Meer steht. Sobald man den Hörer abnimmt, hört man den Wind und wenn man ganz genau lauscht, kann man auch die Stimmen der verstorbenen Angehörigen hören und mit ihnen sprechen. Auch Yui macht sich auf den Weg zu dieser Telefonzelle, ohne selbst zu wissen, was sie von der Reise erwartet. Dort trifft sie den Arzt Takeshi, der auch mit Schatten aus der Vergangenheit zu kämpfen hat. Die beiden sind sich auf Anhieb sympathisch und sie beschließen, regelmäßig zusammen den Garten zu besuchen. Gemeinsam finden sie einen Weg, wieder Lebensmut zu schöpfen. Als ein Unwetter droht den Garten und die Telefonzelle zu zerstören, zögert Yui nicht lange und macht sich auf, um das Telefon des Windes zu retten.

So fand ich‘s:
Das ist jetzt mein dritter Anlauf, meine Gedanken zu „Die Telefonzelle am Ende der Welt“ zu formulieren. Obwohl dieses Buch mich tief berührt hat - oder vielleicht auch gerade deswegen – tue ich mich schwer, die richtigen Worte zu finden, um diese Geschichte zu beschreiben.

Angefangen hat meine Reise ans „Ende der Welt“ mit dem Cover, das mich in seiner Schlichtheit und seinen zarten Farben quasi hypnotisiert hat und mir das Gefühl gab, dass ich dieses Buch unbedingt lesen möchte. Aufgrund der Kurzbeschreibung und vor allem des Fakts, dass es diese Telefonzelle tatsächlich gibt, freute ich mich umso mehr auf die Lektüre.

Laura Imai Messinas Schreibstil ist genauso unaufdringlich wie das Cover und besticht durch leise, aber intensive Töne. Das Erzähltempo ist sehr gelassen und hat mich immer wieder Mal aus dem Alltagstrott rausgeholt, um inne zu halten. Für mich ist das also kein Buch, das ich in einem Rutsch durchlesen konnte.
Obschon man vom Seelenleben der Figuren so manches mitbekommt, bleibt man als Leser auf respektvoller Distanz. Da ich mich sonst immer sehr gerne in die Protagonisten hineinversetze, war das für mich eine ungewohnte, aber trotzdem sehr schöne Leseerfahrung. Kleine Aussagen und Einsichten haben mich oftmals dazu eingeladen, meine eigenen Gedanken schweifen zu lassen.

Ich kann mir gut vorstellen, dass dieses Buch den richtigen Zeitpunkt braucht und man die Geschichte nicht immer gleich empfinden würde. Meiner Meinung nach ist das ein Buch, das für den Leser selber sehr persönlich werden kann. Für mich hat es zurzeit tatsächlich perfekt gepasst und mir sehr schöne Momente geschenkt – Momente in denen persönliche Trauer, aber auch Lebensfreude und Hoffnung ihren Platz gefunden haben.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.04.2021

Ein Buch wie ein Überraschungskuchen

Darf ich dich jetzt behalten?
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Darum geht‘s:
Eigentlich von der Liebe schwer enttäuscht, lässt sich Lil dennoch auf den Vorschlag ihrer besten Freundin ein und meldet sich auf einer Dating-App an. Es dauert nicht lange und sie hat ein ...

Darum geht‘s:
Eigentlich von der Liebe schwer enttäuscht, lässt sich Lil dennoch auf den Vorschlag ihrer besten Freundin ein und meldet sich auf einer Dating-App an. Es dauert nicht lange und sie hat ein Match mit einem recht süßen Typen und verabredet sich mit ihm. Die Chemie stimmt, die Funken fliegen. Am anderen Morgen ist Max, der Bergsteiger (mehr weiß sie nicht von ihm), verschwunden und meldet sich auch nach Tagen nicht wieder. In der Zwischenzeit hat sie erfahren, dass ihr Date der Sohn eines Lords und einer der begehrtesten Junggesellen Englands ist. Umso verrückter erscheint Lil ihr Rendezvous. Und die Nacht bleibt auch nicht ohne Folgen und sie muss eine Entscheidung treffen, die ihr ganzes Leben auf den Kopf stellt. Und wie erklärt man dem One-Night-Stand, dass man in anderen Umständen ist?

So fand ich‘s:
Wenn man vom Cover und von der Kurzbeschreibung ausgeht, stellt man sich einen typischen Liebesroman vor: Die Protagonistin verliebt sich in einen Adligen. Aufgrund seiner Herkunft kommt es zu Komplikationen und Missverständnissen und am Ende sind alle glücklich bis ans Ende ihrer Tage. Doch ganz so einfach macht es Sophia Money-Coutts ihren Lesern nicht. Und genau das macht für mich dieses Buch so liebens- und lesenswert.
Hin und wieder greife ich sehr gerne zu Liebesromanen. Das ist dann für mich Seelenfutter, das mir gerade in dem Moment guttun soll. Und mit diesem Buch hat das auf ganzer Linie geklappt. Es war für mich wieder Mal so ein Buch, bei dem man ich es im Alltagstrott nicht erwarten konnte, endlich weiterzulesen.

Allen voran habe ich die Protagonistin Lil schnell in mein Herz geschlossen. Sie ist ein richtiger Kumpeltyp und man kann sie sich sehr gut als Freundin vorstellen. Obwohl sie auch romantisch veranlagt ist, verliert sie nie den Sinn für die Realität. Ihre herzliche Art und trockener Humor machen aus ihr eine Buchfigur, mit der man gerne zusammen lacht, aber auch mitleiden kann. Gerade auch die Szenen, in denen man sie in ihrem Beruf als Lehrerin einer Privatschule erlebt, habe ich sehr gerne gelesen.

Die Autorin scheint sich gut in Promi- und Adelskreisen auszukennen und es macht ihr sichtlich Spaß, die entsprechenden Klischees amüsant in Szene zu setzen. Auch die Fettnäpfchen, in die Lil regelmäßig hineingerät, sorgen für manche lustige Begebenheiten, aber immer, ohne in Slapstick abzurutschen.

Wie in diesem Genre üblich, ahnt man worauf die Geschichte hinausläuft. Im Grunde wünscht man sich beim Lesen solcher Bücher ja ein Happyend. Die Autorin hat hier aber zusätzlich überraschende Twists eingebaut, so dass die Spannung nie verloren geht.

Ich habe beim Lesen sehr viel gelacht, bin öfters ein bisschen dahin geschmolzen, musste mich hin und wieder über gewisse Personen ärgern und habe die Geschichte einfach nur in mich aufgesogen.

Man könnte das Buch auch sehr gut mit einem Überraschungskuchen vergleichen: von außen betrachtet eine süße Versuchung in Pastellfarben und innen drin knallige Farben und Brausepulver für den Knistereffekt. Man lässt keinen Krümel davon übrig… und auf der letzten Seite ist man sogar ein bisschen traurig, dass man das Buch endgültig zuklappen muss.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 26.04.2021

Ein quirliges Lesevergnügen

Akademie Fortuna - Wenn Wahrsagen so einfach wäre
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Darum geht‘s:
Anniversary Fortune, Sorry genannt, freut sich darauf, endlich an der Akademie Fortuna aufgenommen zu werden. Allerdings bereitet ihr die Aufnahmeprüfung etwas Sorgen und sie befürchtet, ...

Darum geht‘s:
Anniversary Fortune, Sorry genannt, freut sich darauf, endlich an der Akademie Fortuna aufgenommen zu werden. Allerdings bereitet ihr die Aufnahmeprüfung etwas Sorgen und sie befürchtet, den Anforderungen ihrer Mutter, die gleichzeitig die Schulleiterin ist, nicht zu genügen. Doch die Prüfung läuft anders ab als erwartet und eine alte Fehde zwischen den Wahrsagerfamilien flammt wieder auf, als der geheimnisvolle Ben sich als Schüler bewirbt. Als Sorrys Schwester auf der Schultreppe geschubst wird, steht Ben schnell unter Verdacht. Doch Sorry zweifelt an dieser Theorie und macht sich auf die Suche nach der Wahrheit.

So fand ich‘s:
Die Idee, Geschichten auf einer Wahrsagerschule spielen zu lassen, hat mich sofort gereizt. Es ist Mal eine Abwechslung zu den Zauberschulen und ich war sehr gespannt, wie die Autorin das Thema umgesetzt hatte. Bereits bei den Namen der Figuren zeigt sie jedenfalls schon sehr viel Originalität. Doch ganz ohne Englischkenntnisse findet man möglicherweise nicht so einen leichten Zugang dazu und für die jungen Leser wäre es von Vorteil, bereits über entsprechende Sprachkenntnisse zu verfügen. Beim vor- oder gemeinsamen Lesen, zu dem sich das Buch meiner Meinung nach auch gut eignet, könnte man speziell darauf eingehen.

Sie sind schon ein buntes Völkchen, diese Wahrsager, und die Charakterzüge der verschiedenen Wahrsagerfamilien sind amüsant dargestellt, so dass man sich das auch alles sehr gut vorstellen kann. Für aufmerksame Leser birgt der Plot nicht allzu viele Überraschungen. Trotzdem hat es mir viel Spaß bereitet, zusammen mit Sorry und ihren neuen Freunden, in den Hallen der Akademie zu wandeln und Pläne auszuhecken.

Ab und an habe ich mich zwar gefragt, warum die Wahrsager gerade dieses oder jenes nicht wussten oder nicht rausfinden konnten. Ich kann aber gut verstehen, dass das Wahrsagerthema in solchen Fällen tatsächlich nicht so konsequent durchgezogen werden kann, ohne dadurch zu viel von der Spannung zu verlieren. Man darf es also hier nicht allzu eng sehen mit den in sich schlüssigen Entwicklungen. Wenn man es als eine quirlige und märchenhafte Geschichte nimmt, kann man in der Akademie Fortuna einige vergnügliche Lesestunden verbringen.

Und auch wenn ich kein Mitglied einer berühmten Wahrsagerfamilie bin, kann ich schon voraussehen, dass mir der zweite Band bestimmt auch wieder viel Spaß bereiten wird. 😊

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 21.04.2021

Fröhlich, witzig und kurzweilig

Sex für Wiedereinsteiger
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Darum geht‘s:
Mit dem Älter-werden verändert sich so vieles, auch das Sexleben. Das müssen auch die vier Protagonistinnen feststellen: Die Endvierzigerin Andrea fühlt sich in ihrem Hausfrauenleben gefangen. ...

Darum geht‘s:
Mit dem Älter-werden verändert sich so vieles, auch das Sexleben. Das müssen auch die vier Protagonistinnen feststellen: Die Endvierzigerin Andrea fühlt sich in ihrem Hausfrauenleben gefangen. Maren, 46, Journalistin, hat mit ihren Neurosen zu kämpfen während Anja, 51, es nicht schafft, aus ihrem verklemmten Single-Dasein auszubrechen. Auch die 43-jährige Iris, die von ihrer Mutterrolle zunehmend gestresst ist, sucht Lösungen für ein glücklicheres und befriedigenderes Leben. Und so treffen sich die vier Frauen beim Volkshochschulkurs „Sex für Wiedereinsteiger“, von dem sich alle Hilfe erhoffen. Die Lektionen haben es auch in sich und bringen so einiges ins Rollen…

So fand ich‘s:
Während ich hier sitze und überlege, wie ich dieses Buch beschreiben könnte, muss ich schon wieder lachen. Es fallen mir sofort Begriffe ein wie witzig, fröhlich, kurzweilig und absolut wahr. Denn bei allem Spaß erkennt man schon bald, dass die beiden Autorinnen, die das Buch unter dem gemeinsamen Pseudonym Mila Paulsen herausbrachten, so manches aus dem Leben gegriffen haben. Und als Leserin kommt einem doch auch öfter Mal etwas sehr bekannt vor.

Der Erzählstil ist unkompliziert und flüssig und so fliegen die Seiten nur so dahin. Wie der Titel es schon verspricht, geht es hauptsächlich um - wie es so schön heißt - die schönste Sache der Welt. Der Humor steht aber immer im Vordergrund. Man spürt den Spaß, den die Autorinnen beim Schreiben gehabt haben müssen, zwischen den Zeilen. Ich habe mich jedenfalls über die Beschreibungen und Vergleiche köstlich amüsiert.

Das Buch kommt also genauso daher, wie es auf dem Buchumschlag versprochen wird. Auf dem hinteren Innendeckel steht: „Und nun los! Erlebt Geschichten, die für rote Ohren und glänzende Augen sorgen! Macht es gut, macht es euch schön – Macht Liebe!“ … und ich ergänze: und lest unbedingt dieses Buch!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 21.04.2021

Lebendige Geschichte

Die Buchhändlerin
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Darum geht‘s:
Der 2. Weltkrieg ist vorbei und hinterlässt tiefe Wunden. Auch Christas Familie wurde schwer vom Schicksal getroffen. Der Vater ist verschollen und Onkel Martin, der in einem Lager interniert ...

Darum geht‘s:
Der 2. Weltkrieg ist vorbei und hinterlässt tiefe Wunden. Auch Christas Familie wurde schwer vom Schicksal getroffen. Der Vater ist verschollen und Onkel Martin, der in einem Lager interniert war, kehrt zwar zurück, ist aber nicht mehr derselbe Mensch. Dennoch blickt Christa hoffnungsvoll in die Zukunft und beginnt voller Elan ein Germanistikstudium. Ihrem Professor sind Frauen an der Universität ein Dorn im Auge und Christa muss schweren Herzens ihr Studium wieder abbrechen. Ihr Onkel bietet ihr an, ihm beim Wiederaufbau seiner Buchhandlung zu helfen. Sie liebt die Literatur und alles, was mit Büchern zusammenhängt und arbeitet sich schnell ein. Was als Übergangslösung gedacht ist, wird zu einem festen Bestandteil ihres Lebens und beschert ihr einige wertvolle Begegnungen. In dieser Zeit des Aufbaus schweben jedoch auch immer noch die Schatten des Krieges über der Familie und Christas Kampf für das eigene Glück beginnt gerade erst.

So fand ich‘s:
Als Büchernarr konnte ich an dem Titel „Die Buchhändlerin“ nicht einfach vorbei gehen, ohne mir Ines Thorns neuestes Werk genauer anzuschauen. Mal in den Händen, wollte ich es dann auch nicht mehr hergeben. Und es war auf jeden Fall die richtige Entscheidung.

Für mich sticht dieses Buch etwas aus der Masse der historischen Romane heraus. Die Protagonistin Christa steht zwar im Vordergrund. Doch die Geschichten rund um die anderen Figuren nehmen nicht viel weniger Raum ein, was dem Leser einen breiteren Blickwinkel auf die damalige Zeit ermöglicht.

Das Erzählte geht dadurch nicht immer allzu sehr in die Tiefe und es gab hie und da Situationen, die ich mir gefühlsmäßig intensiver hätte vorstellen können. Aber obwohl ich sehr gerne in die Gefühlswelten der jeweiligen Protagonisten eintauche, hat mir in diesem Buch gerade die etwas distanziertere Betrachtungsweise gut gefallen. So konnte vor meinem inneren Auge ein vollständigeres Bild der damaligen Zeit entstehen, was unter Umständen aus der konzentrierten Sichtweise einer einzelnen Figur nicht möglich gewesen wäre.

Ines Thorn hat mit viel Einfühlungsvermögen von den Problemen der Nachkriegsgeneration erzählt und mir so die Zeit des Wiederaufbaus nach dem 2. Weltkrieg nähergebracht – eine Zeit, über die ich bis dato noch nicht so viel gelesen hatte.

Sehr gut gefallen haben mir auch die Abschnitte, in denen der Leser einiges über die damalige Verlagswelt erfährt. Besonders berührend fand ich es zu sehen, wie hungrig die Menschen nach dem Krieg nach Literatur waren.

Es wird eine Fortsetzung zu diesem Buch geben. Ich freue mich auf das Wiedersehen mit Christa und Co. und bin gespannt, wie es ihnen weiter ergangen ist in der Zeit des Aufbaus und Umbruchs. Ich werde jedenfalls nach dem zweiten Band Ausschau halten, um ihn dann schnell lesen zu können. Hoffentlich muss ich nicht zu lange warten.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere