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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.04.2026

Mehr als nur ein Krimi

Die Totenklägerin
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Zum Inhalt:
Mathilda Rizzo ist Trauerrednerin aus Überzeugung und hat ein besonderes Gespür für Ungereimtheiten. Sie sieht sich als Verteidigerin der Verstorbenen und es wäre nicht das erste Mal, dass ...

Zum Inhalt:
Mathilda Rizzo ist Trauerrednerin aus Überzeugung und hat ein besonderes Gespür für Ungereimtheiten. Sie sieht sich als Verteidigerin der Verstorbenen und es wäre nicht das erste Mal, dass sie Hinterbliebene mit einer schmerzhaften Wahrheit konfrontiert. Bei ihrem neuesten „Fall“ sieht sie jedoch vorerst keine Unstimmigkeit, bis die zwölfjährige Jackie ihr von einer ungewöhnlichen Beobachtung berichtet. Auch wenn Matilda ihr nicht sofort glaubt, bleibt das Mädchen hartnäckig und es gelingt ihr schließlich die Trauerrednerin davon zu überzeugen, dass es beim Todesfall der betagten Resi nicht mit rechten Dingen zuging. Die beiden beginnen gemeinsam nachzuforschen und werden mit Geheimnissen, Schuld und Stillschweigen konfrontiert. Auch für Mathilda bleiben die Recherchen nicht ohne Folgen. Sie sieht sich immer intensiver mit ihrer eigenen Vergangenheit konfrontiert und muss sich selbst einer unbequemen Wahrheit stellen.

Meine Gedanken zum Buch:
Es ist schon ein paar Tage her, seitdem ich dieses Buch beendet habe und ich wollte die Geschichte etwas sacken lassen. Denn gleich vornweg: „Die Totenklägerin“ ist ein besonderes Buch, das mich in mehrfacher Hinsicht positiv überrascht hat und für mich weit mehr als einfach nur ein Krimi ist. Die Kurzbeschreibung hatte meine Neugier sofort geweckt und im Grunde kann ich gar nicht so richtig benennen, was ich genau erwartet hatte. Schon alleine die Idee, dass die Trauerrednerin die Ermittlungen durchführen würde, fand ich ungewöhnlich. Und dennoch spürte ich nach den ersten Seiten umso deutlicher, dass dies alles andere als ein Standard-Krimi ist. Die Geschichte geht so viel tiefer und wirft Themen und entsprechende Fragen auf, die zum Nachdenken anregen.

Trotz aller Ernsthaftigkeit fehlen auch nicht die gesunde Prise Humor und intensive zwischenmenschliche Momente. Der Plot ist etwas ungewöhnlich, für mich jedoch originell und spannend aufgebaut und bleibt auch bis zum Schluss in sich schlüssig. Sobald man sich auf diese spezielle Erzählweise eingelassen hat (die man nicht einfach beschreiben kann, sondern selbst erleben muss), werden einem tiefgründige, belangvolle, unterhaltsame und auch spannende Lesemomente geschenkt.

Es würde mich sehr freuen, wenn wir Matilda eine einem weiteren Buch wiedersehen würden. Jedenfalls halte ich definitiv Ausschau nach Greta Jungs nächsten Büchern.

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Veröffentlicht am 20.04.2026

Der besondere Politthriller

Im Sog der Zersetzung
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Zum Inhalt:
Carlo Reinardy, bereits zermürbt von den Erlebnissen durch seine Arbeit als Kriegsreporter, muss einen schweren Schicksalsschlag hinnehmen. Der Tod seiner Frau bricht ihn endgültig und er flieht ...

Zum Inhalt:
Carlo Reinardy, bereits zermürbt von den Erlebnissen durch seine Arbeit als Kriegsreporter, muss einen schweren Schicksalsschlag hinnehmen. Der Tod seiner Frau bricht ihn endgültig und er flieht in die Stille der schwedischen Schäreninseln. Als er allmählich neue Pläne fasst und sich auf einen Segeltörn bis ins Mittelmeer vorbereitet, erreicht ihn ein verzweifelter Anruf, der ihn in die kalte Realität seines alten Lebens zurückkatapultiert. Obwohl er befürchten muss, in einen gefährlichen Strudel aus Politik und hybrider Kriegsführung zu geraten, verschiebt er aus Loyalität einem alten Freund gegenüber, der unter mysteriösen Umständen ums Leben gekommen ist, seinen Segeltörn. Schon bald erkennt er die tatsächliche Brisanz und Tragweite des Wespennests, in das sein Freund gestochen hatte und auch ihn das Leben kosten könnte.

Meine Gedanken zum Buch:
Wer Dieter Neumanns Bücher kennt, kennt auch sein Talent eine Geschichte zu erzählen. Und das kommt schon direkt am Anfang dieses Buches wieder sehr gut zur Geltung. Mich hatte der krasse Gegensatz zwischen den Ereignissen und der Atmosphäre im Prolog, in dem man den Protagonisten Carlo bei seiner Arbeit als Kriegsreporter begleitet, und der Stille in den schwedischen Schären, in die er sich flüchtet, sehr berührt. Und durch den intensiven Erzählstil versteht man bald, was Carlo in die Einsamkeit getrieben hat.

Mit dem Thema der hybriden Kriegsführung hatte ich mich bis dahin noch nicht sehr ausführlich auseinandergesetzt. Umso gespannter war ich auf dieses Buch. Allerdings nahm für meine Begriffe dieses hochaktuelle Thema eine kleinere Rolle ein, als ich erwartet hatte. Aber auch wenn ich mir aufgrund des Klappentextes eine etwas andere Geschichte vorstellte, gefällt mir der Plotaufbau und insbesondere Carlos Entwicklung sehr gut. Man ahnt immer mehr, wie sehr er für seinen alten Job gebrannt hat und wie schwer es für ihn ist, ins Leben zurückzukehren. Aber auch die Thrillermomente fehlen nicht und der Spannungsbogen wird kontinuierlich angezogen, ohne überdramatisch zu werden.

Für mich ist „Im Sog der Zersetzung“ kein typischer Politthriller, der hauptsächlich auf Action aufgebaut ist. Es sind hier gerade die leisen Töne zwischen den Zeilen, die meiner Meinung nach dieses Buch mit seiner für das Genre besonderen Mischung ausmachen.

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Veröffentlicht am 12.03.2026

Genauso, wie ich historische Romane mag :-)

Töchter der verlorenen Heimat
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Zum Inhalt:
Paula hat sich ihren Platz als Ärztin an einer Münchner Klinik hart erkämpft. Doch im Jahr 1961 ist die Welt dann doch noch nicht bereit für Frauen in Führungspositionen und so wird sie bei ...

Zum Inhalt:
Paula hat sich ihren Platz als Ärztin an einer Münchner Klinik hart erkämpft. Doch im Jahr 1961 ist die Welt dann doch noch nicht bereit für Frauen in Führungspositionen und so wird sie bei der Beförderung übergangen – ein Rückschlag, der sie an ihrem zukünftigen Weg zweifeln lässt. Eine Auszeit käme ihr gerade recht. So zögert sie auch nicht, mit ihrer Mutter die Fahrt von München nach Südtirol auf sich zu nehmen, um an der Beerdigung ihres bislang unbekannten Großvaters teilzunehmen. In ihrem Heimatdorf angekommen, stoßen die beiden Frauen auf Ablehnung und einer Mauer des Schweigens. Paula entdeckt ein schwerwiegendes Familiengeheimnis, das auch Leben und ihre Zukunft beeinflusst.

Meine Gedanken zum Buch:
Die Autorin Eva Grübl-Widmann nimmt uns mit nach Südtirol – für mich bis dahin noch ein unentdecktes Setting – und erzählt auf eindringliche Weise eine Geschichte über Frauen, Familie und die Suche nach Wahrheit und Identität in einer traditionellen Gesellschaft. Ich muss gestehen, dass ich sehr wenig über die historischen Hintergründe des Südtirols kannte, und dieses Buch hat mich auf interessante Art und vor allem auch durch starke Bilder an den Südtirol-Konflikt herangeführt. Man spürt die fundierte Recherchearbeit der Autorin und das macht das Buch neben der eindrucksstarken Familiengeschichte zusätzlich spannend.

Auch wenn ich die Hauptfiguren zeitweilig als unnahbar empfand, passte das perfekt zur Geschichte. Mit der Zeit versteht man ihr Verhalten und ihre Distanziertheit immer besser. Ich konnte mich jedenfalls immer intensiver in sie hineinfühlen.

Eva Grübl-Widmanns flüßiger Erzählstil, der spannend und gefühlvoll, aber nie überladen ist, hat mich zusätzlich begeistert.

Ich muss bestimmt nicht mehr betonen, wie gut mir das Buch gefallen hat. Aber ich möchte trotzdem unbedingt eine Leseempfehlung aussprechen für alle, die gerne historische Romane lesen.

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Veröffentlicht am 11.01.2026

Absolute Leseempfehlung

Die Psychoanalytikerin
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Zum Inhalt:
Hamburg, 1920: Vera übernimmt nach dem Tod ihres Mannes seine Praxisräume, um als Psychoanalytikerin zu arbeiten. Die meisten ihrer Patienten tragen schwere seelische Wunden aus dem Ersten ...

Zum Inhalt:
Hamburg, 1920: Vera übernimmt nach dem Tod ihres Mannes seine Praxisräume, um als Psychoanalytikerin zu arbeiten. Die meisten ihrer Patienten tragen schwere seelische Wunden aus dem Ersten Weltkrieg. Plötzlich sterben mehrere dieser Patienten unter mysteriösen Umständen und bei Vera keimt der Verdacht auf, dass es eine Verbindung zwischen den verschiedenen Todesfällen gibt. Auch Kommissar Bender vermutet einen Zusammenhang und tut sich mit Vera zusammen, um auch die psychologischen Aspekte in die Ermittlungen einfließen zu lassen. Als Willi Schuster, ebenfalls ein Kriegsveteran und Ehemann einer von Veras Patientinnen ebenfalls verschwindet, erhärtet sich die Vermutung, dass es jemand gezielt auf die Mitglieder eines bestimmten Regiments abgesehen hat.

Meine Gedanken zum Buch:
Die Kurzbeschreibung und vor allem die Tatsache, dass Melanie Metzenthin die Autorin ist, haben mich schnell neugierig auf dieses Buch gemacht. Und genauso schnell war ich beim Lesen mitten im Hamburg der 20er Jahre angekommen. Die Autorin versteht es einfach, die damalige Zeit lebendig werden zu lassen. Auch ihre Figuren sind lebensnah gezeichnet und jede hat ihre Ecken und Kanten, was alles noch realistischer erscheinen lässt.
Dass sich die Geschichte zu einem intensiven und spannenden Kriminalfall entwickelt, hatte ich so nicht erwartet. Der Plot entwickelt sich auf jeden Fall in sich schlüssig und die Autorin hat das Zusammenwirken der Polizeiarbeit mit Veras Kompetenz in Sachen Psychoanalytik absolut glaubhaft dargestellt.
Die Geschichte ist in sich abgeschlossen. Ich kann mir aber sehr gut vorstellen, dass das Ermittlertrio, das sich hier zusammengefunden hat, auch weiterhin gut zusammen funktioniert und ich würde mich jedenfalls auf ein Wiedersehen mit Vera und Co. freuen.
Von mir gibt es für „Die Psychoanalytikerin“ eine begeisterte Leseempfehlung für alle, die gerne historische Romane und Krimis lesen.

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Veröffentlicht am 09.11.2025

Ein besonderes Krimi-Erlebnis

HEN NA IE - Das seltsame Haus
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Zum Inhalt:
Vor dem Kauf eines Hauses, wendet sich der potenzielle Käufer an einen jungen Autor mit einer Affinität für das Okkulte, mit der Bitte, sich den Grundriss des geheimnisvoll anmutendes Hauses ...

Zum Inhalt:
Vor dem Kauf eines Hauses, wendet sich der potenzielle Käufer an einen jungen Autor mit einer Affinität für das Okkulte, mit der Bitte, sich den Grundriss des geheimnisvoll anmutendes Hauses anzusehen und zu beurteilen. Dabei fällt ihm ein versteckter, sprich "eingeschlossener" Raum ins Auge. Da ihm dieses Detail keine Ruhe lässt, kontaktiert er seinen Bekannten Kurihara, der als Architekt arbeitet. Zusammen finden sie immer mehr Hinweise darauf, dass in dem besagten Haus ein oder gar mehrere Verbrechen geschehen sein könnten. Je länger sie sich mit dem Grundriss beschäftigen, umso näher scheinen sie dem Geheimnis des versteckten Raumes auf die Spur zu kommen. Kann es sein, dass ein Kind dort eingesperrt wurde? Und hatte dieses Kind gar mehrere Morde begangenen?

Meine Gedanken zum Buch:
Die Kurzbeschreibung und die Aufmachung des Buches versprachen einen Krimi, der aus dem Genre-Standard heraussticht. Und da ich über Uketsus "Seltsame Bilder" schon so viel Gutes gehört hatte und dann die Möglichkeit bekam, "Das seltsame Haus" zu lesen, konnte ich nicht widerstehen. Und von Anfang an wurde meine Erwartung nach einer "ewas anderen und originellen Lektüre" erfüllt. Der Erzählstil ist in der Tat sehr eigen - durchaus auf positive Art. Die Geschichte wird in Form eines Dialogs erzählt und besticht vor allem in einer einfachen, aber dennoch eindringlichen Weise. Ich hatte das Gefühl zusammen mit dem Protagonisten und seinem Bekannten Kurihara an einem Tisch zu sitzen und den beiden ganz gebannt zuzuhören.

Es faszinierte mich, was die beiden alles aus dem Grundriss rauslesen konnten. Und auch wenn die Theorie, den versteckten Raum betreffend, auf den ersten Blick abstrus und von weit hergeholt erschien, blieb es auf fesselnde Weise plausibel und man konnte sich das beim Lesen gut vorstellen.

Die erste Hälfte las sich dadurch auch sehr flott, was natürlich auch an der eher ungewöhnlich kleinen Seitenzahl lag. Zudem wurde der Grundriss immer wieder mit abgedruckt, was ein wenig als "Seitenfüller" empfunden werden könnte. Für mich als Ebook-Leserin war das jedoch hilfreich, da man sich so die Theorien der beiden "Ermittler" immer wieder selbst anhand des Grundrisses vor Augen führen konnte.

In der zweiten Hälfte hat mich der Autor dann leider nicht mehr ganz so überzeugt. Ich hätte mir da die eine oder andere zusätzliche Überraschung gewünscht. Das hätte das Gefühl, einen Thriller zu lesen, bestimmt intensiviert. Stattdessen ging für mich die Spannung etwas verloren. Dennoch blieb sich der Autor mit seinem Erzählstil durchgehend treu, was mich auch weiterhin über die Seiten hat fliegen lassen. Für mich als Nicht-Japan-Expertin kam jedenfalls die Mentalität und die asiatische Zurückhaltung in diesem Buch sehr gut zur Geltung, was es für mich zusätzolich besonders macht.

Auch wenn die Begeisterung im zweiten Teil der Geschichte einen Dämpfer erlitten hat, habe ich das Buch sehr gerne gelesen. In der Zwischenzeit habe ich auch erfahren, dass "Das seltsame Haus" Uketsus eigentliches Debüt war. Daher freue ich mich umso mehr auf die Lektüre von "Seltsame Bilder", da er sich bei diesem zweiten Buch gesteigert zu haben scheint.

"Das seltsame Haus" ist für mich auf jeden Fall ein besonderes Leseerlebnis, das ich allen gerne weiterempfehle, die auch gerne Mal aus den üblichen Genre-Standards "ausbrechen" möchten.

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