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Veröffentlicht am 03.06.2020

Ein düsteres Meisterwerk

Der bittere Trost der Lüge
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Inhalt:

Die mutmaßliche Babymörderin Mary wurde im Alter von neun Jahren zu sechs Jahren Haft verurteilt. Ihr wurde vorgeworfen, das Baby einer Bekannten ihrer Mutter misshandelt und getötet zu haben. ...

Inhalt:

Die mutmaßliche Babymörderin Mary wurde im Alter von neun Jahren zu sechs Jahren Haft verurteilt. Ihr wurde vorgeworfen, das Baby einer Bekannten ihrer Mutter misshandelt und getötet zu haben. Mittlerweile ist sie Teil eines Jugendhilfeprojekts, bei dem straffällige und gewaltbereite Jugendliche resozialisiert werden. Sie trägt eine Fußfessel und darf das Haus gelegentlich verlassen. In der Woche leistet sie fünfundzwanzig Sozialstunden in einem Pflegeheim ab. Dort trifft Mary auf Ted, einem Probanden auf Bewährung, der zu ihrem einzigen Fixpunkt im Leben werden wird. Ted bietet Beistand und Zuflucht. Er versucht nicht, hinter ihre Geheimnisse zu blicken.

In der Wohngruppe hat man sich bis auf Beschimpfungen, Spott und Häme hingegen nichts zu sagen. Prügel und Mobbing gehören zum Alltag. In ihrer generellen Überforderung ziehen sich die Betreuerinnen aus jedem Ärger zurück.

Der Spagat zwischen Vergangenheit und Gegenwart wird endgültig zum Spießrutenlauf, als Mary erfährt, dass sie schwanger ist. Eine Kindsmörderin darf ihr Baby nicht behalten. Sie muss es abtreiben oder nach der Geburt zur Adoption freigeben. Doch Mary möchte nichts lieber, als „die Bohne“, wie sie den Fötus liebevoll nennt, zu behalten. Sie möchte mit ihm und Ted eine Zukunft aufbauen.



Meinung:

Mit „Der bittere Trost der Lüge“, ist das zweite Buch in der neuen All-Age-Sparte des Festaverlages erschienen. Das Buch ist ein Mix aus authentischem Coming-of-Age-Sozialdrama und Milieustudie.

Beginnen wir mit der Protagonistin Mary. Mit fünfzehn Jahren hat das Mädchen ihre Strafe abgesessen. Jeden Tag denkt sie an das, was damals passiert ist. Jede Nacht plagen Mary Albträume. Wenn Mary ihre kurze Jugend resümiert, gibt es nur wenige schöne Erinnerungen. Ihr Stiefvater hat sie jahrelang missbraucht, ihre Mutter ist psychisch erkrankt. Gewalttätigkeit, Putzzwänge, Depressionen, all das lässt sich nur leidlich mit Tabletten eindämmen. Auch an einem normalen Tag wirkt die Mutter überdreht und nicht in der Lage sich mit Problemen auseinanderzusetzen.

Marys Mutter ist kein leichter Charakter. Zwar besucht sie ihr Kind unregelmäßig, und damit zeigt sie sich im Vergleich zu den Müttern der anderen Mitbewohnerinnen der Wohngruppe sogar noch relativ fürsorglich, doch während ihrer Besuche verhält sie sich distanziert. Sie spricht von ihrem nunmehr perfekten Leben, berichtet von ihrem neuen Ehemann, einem reichen Diakon. Sobald Marys Sorgen durchklingen, blockt sie ab. Marys Mutter ist eine scheinheilige Kirchgängerin, die sich als Unsympathin vor dem Herren präsentiert.

Marys Leben war nie ein mit Rosenblättern bedeckter Weg gewesen; die geraubte Kindheit, die lebenslange Scham. Schon früh musste sie lernen, dass sich niemand um sie kümmert, stattdessen musste sie selbst alles tun, um für die Mutter zu sorgen.

Das Buch schafft es, mit dieser realistisch wirkenden Protagonisten zu einer spannenden Charakterstudie zu werden. Die Autorin zeigt ein tiefergreifendes Interesse an der Psyche von Tätern und ihren Opfern sowie an den darin begründeten Ursachen sowie den schwerwiegenden Folgen.

Die Figuren des Buches begegnen sich fast ausschließlich in existenziellen Situationen. Das Buch ist Thriller und Moralstücke in einem. Jenseits von Schwarz und Weiß.

Obwohl Ermittlungen oder verzwickte Handlungen nicht die Hauptrolle spielen, zeichnet die Erzählung eine unglaubliche Spannung aus. Hauptsächlich liegt das an der Genauigkeit, mit der soziale Kontexte der Figuren und ihres Umfeldes mitgeteilt werden.



Fazit:

Tiffany D. Jackson schreibt mit, „Der bittere Trost der Lüge“ ein düsteres Meisterwerk, das Genregrenzen überwindet und eine präzise Charakterstudie darstellt.
Freilich bekommt der Leser nichts geschenkt. Es wird ihm einiges abverlangt: Eine Tour de Force durch ein Dickicht einer beängstigenden Familiendramatik.

Frei von Sentimentalität und Moralisierung legt Tiffany D. Jackson ein Brennglas über das Leben wirklich gestrafter Menschen. Nie nimmt sie ihre Leser bei der Hand und führt sie behutsam und mit direkten Verweisen unterstützend auf die „richtige Spur“. Vielmehr muss - ähnlich wie im wahren Leben - der Leser auch hier selbst über das Geschehen urteilen.

Das Buch ist in vielerlei Hinsicht lesenswert.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 27.05.2020

Ein Highlight

Lips Don't Lie
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Inhalt:

Riley ist mit ihrem Vater nicht das erste Mal umgezogen. Doch noch nie ist ihr der Neuanfang so schwergefallen, wie in Millers, Arkansas. Der Junge, der beim Entladen spontan mit anfasst, ist ...

Inhalt:

Riley ist mit ihrem Vater nicht das erste Mal umgezogen. Doch noch nie ist ihr der Neuanfang so schwergefallen, wie in Millers, Arkansas. Der Junge, der beim Entladen spontan mit anfasst, ist ihr aber auf den ersten Blick sympathisch. Doch als Riley ihren Helfer, der sich als Tristan vorgestellt hatte, einige Zeit später auf dem nahegelegenen Basketballplatz wiedertrifft, zeigt dieser ihr die kalte Schulter.

Doch Riley ist nicht der Typ, der sich schnell von anderen Menschen abwimmeln lässt. Sie ist hartnäckig, stur und weiß, dass das Leben einem nichts schenkt. Ihre große Leidenschaft gilt dem Basketball und dieser Sport macht am meisten Spaß, wenn man ihn in einem Team spielt. Bislang hat Riley es immer geschafft, Anschluss zu finden. Egal, wie hart die Initiationsrituale waren.

Doch Tristan und seine Freunde scheinen anders zu sein. Riley wird konsequent ignoriert und bald schon erhält sie auch erste Warnungen. In dieser Gegend sollte man nicht nur seine Haustür immer abschließen, sondern sich auch von Typen wie Tristan und seinen Freunden tunlichst fernhalten.



Meinung:

Lips Don't Lie ist kein Ersatzteillager der Klischees. Die Geschichte spielt zwar auf den ersten Blick mit diesen: Bad Boy trifft auf zierliches Mädchen, beide verlieben sich ineinander, stehen einige Konflikte aus, bevor sie zusammenkommen und dann gibt es ein Happy End. In ihrem Verlauf erfährt die Geschichte jedoch eine neue Pointe und unglaubliche Tiefe.

Bereits auf den ersten Seiten überzeugt das Buch durch bildhafte Sprache. Wir lernen Tristan kennen, einen Jungen, der seit dem Verlust seines Vaters unter der Obhut von dessem bestem Freund und Anführer der gefährlichsten Gang in Millers, den FiftySevens, aufgewachsen ist. Als Ziehsohn ist Tristan auch zugleich Dubs Vertrauensperson und rechte Hand. Was nicht heißt, dass er von Dubs Launen und Übergriffen verschont bleibt. Denn dieser ist ein wahrer Psychopath. Er scheut sich nicht davor, seinen eigenen Männern zu drohen und diese zu verletzen. Gerade dann, wenn er alkoholisiert ist oder unter Drogen steht, geht man ihm besser aus dem Weg, das hat Tristan schnell gelernt. Ein Fehltritt kann also verheerende Folgen mit sich bringen. Ein Ausstieg aus den FiftySevens endet so gut wie immer mit dem Tod. Tristans Aufgabe ist es aufzuräumen, Kampf- und Blutspuren entfernen, Leichen und Tatwaffen entsorgen.

Und dann gibt es da noch Riley, das Mädchen, das neu in der Stadt ist. Sie ist ein klein wenig verrückt und trägt ihr Herz am rechten Fleck. Sie ist sich der Tatsache bewusst, dass die Gegend, in der sie nun lebt, eine hohe Kriminalitätsrate aufweist. Dennoch kann sie sich nicht daran gewöhnen, die Wohnungstür oder die Tür ihres Autos abzuschließen. Warnungen vor den Konsequenzen belächelt sie auch gerne. Ihr Kampfeswillen und ihre Ideale wurden früh entwickelt und sind stärker als jede Repression. An einem Ort wie Millers ist Angst eine Schwäche, die man sich nicht leisten kann.

Als Tristan und Riley sich das erste Mal begegnen, merken beide, dass die Chemie stimmt. Riley ist auf der Suche nach Anschluss, nach Freunden. Tristan hingegen empfindet die Art, mit der Riley ihm begegnet, als erfrischend. Doch so sehr Riley sich anstrengt, Tristan für sich zu gewinnen, so sehr versucht Tristan auch, sich Riley zu entziehen. Denn eins ist klar: Ein Mädchen wie Riley gehört nicht in eine Gegend wie diese und noch viel weniger in seine Nähe. Doch Tristan ist durchaus gewillt, sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen.

Die Protagonisten des Buches haben eins gemeinsam: Die Liebe zum Basketball. Damit lassen sich Hindernisse überwinden – wovon es in der Geschichte einige gibt...



Fazit:

Lips Don't Lie führt in eine Welt der Armut und des Existenzkampfes, in ein Universum voller Kriminalität.

Mit Riley und Tristan erschafft die Autorin Lebens- und Überlebenskünstler in der Kälte ihrer Umwelt. Gegensätze ziehen sich auch hier an, bis sie mit voller Wucht aufeinanderprallen.

Ginger Scott beschreibt ihre Figuren aus deren Position heraus äußerst glaubwürdig. Eine besondere Tiefe erreicht das Buch immer an den Stellen, an denen es um das Gang-Milieu geht. Diese Passagen sind die authentischsten – und man wird sie nicht schnell vergessen können.

Bewundernswert ist auch die Sensibilität, mit der hier Emotionales auf Papier gebracht wird. Lips Don't Lie mit seinen unerwarteten Wendungen und Protagonisten gibt immer wieder Anlass zum Staunen und Mitfiebern. Eine absolute Leseempfehlung.


  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 13.05.2020

Gänsehautmomente

Battle
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Inhalt:

Amelies Leidenschaft ist das Tanzen. Ihr großer Traum ist es, nach der Schule eine Ballettschule besuchen zu dürfen. Zu Hause nimmt sie Tag und Nacht ein brutales Training auf sich. Solange, ...

Inhalt:

Amelies Leidenschaft ist das Tanzen. Ihr großer Traum ist es, nach der Schule eine Ballettschule besuchen zu dürfen. Zu Hause nimmt sie Tag und Nacht ein brutales Training auf sich. Solange, bis sich an ihren Füßen Blutergüsse und Blasen bilden. Selbst die Trainerin Birgitta, die nur selten ein lobendes Wort verliert, hat scheinbar ein Auge auf das talentierte Mädchen geworfen.

Amelies Vater unternimmt alles, um die Wünsche seiner Tochter zu erfüllen. Sein gutbezahlter Job ermöglicht beiden ein Leben im Luxus. Teure Shoppingausflüge mit den Freundinnen, eine Abkühlung am Nachmittag im eigenen Pool. All diese Möglichkeiten machen sie zu einem Fixstern innerhalb ihres Cliquen-Kosmos.

Von einem Tag auf den anderen gerät Amelies Leben jedoch völlig aus den Fugen. Als es an der Tür klingelt, erwarten Vater und Tochter nichts Schlimmes. Doch die Polizei und der Gerichtsvollzieher belehren beide schnell eines Besseren. Nur wenige Sachen dürfen sie einpacken und dann muss das Haus verlassen werden.

Kurze Zeit später findet sich Amelie in einer verdreckten Wohnung in einer Hochhaussiedlung wieder. Hier gibt es keine großen Räume, in denen man tanzen könnte. Neue Jazzschuhe? Die wird es in naher Zukunft nicht geben. Wie soll Amelie ihren Freunden erklären, dass sie sich teure Shoppingausflüge nicht mehr leisten kann?

Amelie stürzt in ein seelisches Tief. Sie fühlt sich verlassen, verraten und verkauft. Doch dann lernt sie Mikael, den talentierten Breakdancer kennen. Kann Mikael eine Brücke über den Abgrund schlagen, der sich vor Amelie auftut?



Meinung:

Nachdem ich die Netflixverfilmung von Battle gesehen und gehört hatte, dass das Buch in Neuauflage herausgebracht werden würde, war ich Feuer und Flamme. Ich habe bereits zahlreiche Tanzfilme angesehen, aber noch kein einziges Buch zum Thema gelesen. Ich muss zugegeben, dass ich anfangs skeptisch war: Ist es überhaupt möglich, die dem Sport immanente Leidenschaft zwischen zwei Buchdeckeln zum Leben zu erwecken?

Maja Lunde hat meine anfänglichen Bedenken schnell zerstreut. Die Autorin setzt auf präzise platziert Gänsehautmomente. Ich hatte Bilder der Tanzsequenzen vor Augen und habe das Knistern zwischen den Paaren gespürt, wenn sie mit voller Leidenschaft gemeinsam alles gegeben haben, um gut abzuliefern. Erwähnenswert ist, dass Maja Lunde nur vereinzelt Fachbegriffe am Anfang ihres Buches benutzt, die beim Lesen nicht weiter ins Gewicht fallen. Somit macht sie die Tanzszenen auch für Laien, die ansonsten nicht viel mit Ballett & Co. zu tun haben, greifbar.

Maja Lundes Werk ist ein dünnes Buch, in dem aber jeder Satz trägt. Alles wirkte rund, es gab genügend Höhen und Tiefen, nichts wirkte wie gestrichen. Auch Längen gab es an keiner Stelle. Chapeau an die Autorin, die diese unglaublich intensive Geschichte erzählt.

Zu den Figuren: Mit Amelie erschafft die Autorin eine Protagonistin, die von einem Tag auf den anderen aus ihrem gewohnten Lebensumfeld gerissen wird. Amelie hatte es schon zuvor nicht einfach. Durch Clique und Freund ist sie vielfachen Klischees, Erwartungen und Rollenzwängen ausgesetzt.

Beim Lesen des Klappentextes habe ich festgestellt, dass viel von der Geschichte, die den Leser zwischen den Buchseiten erwartet, bereits erzählt wird. Wie bereits erwähnt, hatte ich auch selbst schon den Film zum Buch gesehen. Ich empfand dieses Wissen zu keinem Zeitpunkt als störend, denn Maja Lunde gelingt es, über die Länge des Buches hinweg keinerlei Langeweile aufkommen zu lassen. Sie spielt mit den Emotionen des Lesers, sie sorgt für Spannung, ja Herzrasen. Kurzum: Die Leidenschaft, die die Figuren ihres Buches versprühen, springt beim Lesen direkt auf den Leser über.



Fazit:

Maja Lunde hat mit Battle ein Buch vorgelegt, das unerwartet berührend ist und zahlreiche Gänsehautmomente in sich trägt. Es gelingt ihr den Leser beinahe körperlich in die Qualen und Freuden ihres Personals zu involvieren. Man kauert sich in seinen Lesesessel bei jedem Rückschlag, den Amelie einstecken muss, man schnappt zischend nach Luft, wenn sie über den Tanzboden schwebt.

Jetzt, wo ich diese Rezension schreibe, will ich das Buch sofort nochmal lesen.

Unbedingte Leseempfehlung für alle Tanzinteressierten und Romantiker - und wer zählt sich nicht dazu?

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 11.05.2020

Nicht nur für Fans der Selectionreihe

Promised
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Inhalt:

Hollis ist es gelungen, die Aufmerksamkeit des begehrtesten Junggesellen des Reiches zu wecken. Sie zog das Interesse des Königs auf sich. Bis jetzt konnte sich König Jameson jedoch nicht dazu ...


Inhalt:

Hollis ist es gelungen, die Aufmerksamkeit des begehrtesten Junggesellen des Reiches zu wecken. Sie zog das Interesse des Königs auf sich. Bis jetzt konnte sich König Jameson jedoch nicht dazu durchringen, sich öffentlich zu Hollis zu bekennen. Zuvor muss sie sich in seinem königlichen Hofstaat etablieren. Es gilt beispielsweise die Gunst der Lords gewinnen, die am Hofe einiges mitzureden haben. Jeder neue Tag kommt mit einer weiteren Herausforderung daher.

Jameson konkretisiert seine Pläne und Hollis bekommt eine Einsicht in Machtrituale und royale Rollenzwänge. Als dann ein ausländischer Regent zu Besuch kommt, überschlagen sich die Ereignisse. Hollis darf sogar in die Räume der Königin einziehen. Wobei sich „sei vorsichtig, was du dir wünschst“ als Prämisse auf das Leben am Hofe anwenden lässt. Das unbeschwerte Leben, die verrückten Ideen, die ihr stets in den Sinn kommen, all das muss sich Hollis aus ihrem Tagesablauf streichen, wenn sie eine würdige Begleitung für den König sein möchte.

Hollis muss sich überlegen, ob und wie sie den Ansprüchen, die an sie gestellt werden, gerecht werden kann.



Meinung:

Schöne Kleider, das Leben am königlichen Hof, die Gunst des Herrschers für sich gewinnen. Eigentlich ist es doch der Traum von jedem Mädchen, einmal im Leben eine Prinzessin zu sein.

Kiera Kass begab sich bereits mit der Selection-Reihe in eine differenziert kritische Debatte zum Thema. Ihre Bücher erfreuen sich gerade bei weiblichen Lesern größter Beliebtheit und haben es sogar auch schon auf die Bestsellerlisten geschafft.

Mit Promised ist nun der heißersehnte Auftakt einer neuen Buchreihe auf dem Markt erschienen. Was die Story selbst angeht, scheint sich ein altbewährtes Muster zu wiederholen: Ihre Protagonistin Hollis stammt aus einer Adelsfamilie und hat bereits das erreicht, wofür die Charaktere der Selection-Reihe viele Seiten kämpfen mussten. Sie hat die Aufmerksamkeit des Königs für sich gewinnen können.

König Jameson ist ein ewiger Junggeselle, unentschlossen, wer seine Traumfrau sein soll. Sein gutes Aussehen und seine liebenswürdige Art haben es ihm nie schwer gemacht, geeignete Bewerberinnen zu finden. Doch gerade das Mädchen, das oft die Etikette missachtet, aus einem Affekt heraus eine Beerenschlacht anzettelt und soviel Lebensfreude an den Tag legt, hat sein Interesse wecken können. Hollis passt nicht in das Bild der klassischen Königin, dafür gelingt es ihr, dem König ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern.

Neben der interessanten Charakterkonstellation bietet das Buch auch den Blick auf wechselseitige Missverständnisse und Konflikte.

Ab der Hälfte des Buches ereigneten sich einige Wendungen, die ich so nicht vorhergesehen hätte. Ich empfehle, den Klappentext des Buches nicht vorab zu lesen. Er enthält einen Spoiler, den ich gerne ignoriert hätte. Aber auch die Leser des Klappentextes können beruhigt sein. Kiera Cass hält für ihre Charaktere noch einige weitere Überraschungen parat und liefert zudem auch genügend Stoff für eine vielversprechende, spannende Fortsetzung.

Zu erwähnen ist noch, dass ich Charakterentwicklung und Handlungsführung nicht immer nachvollziehbar fand. Hier darf man auf den Folgeband hoffen. Promised kann meiner Meinung nach auch unabhängig von der Selectionreihe gelesen werden, da Vorwissen nicht erforderlich ist.



Fazit:

In Promised kommen Fans der Selectionreihe voll auf ihre Kosten. Was die Story selbst angeht, scheint Kiera Cass ein altbewährtes Muster zu wiederholen: Diese Mischung aus Liebe, Intrigen und Thronansprüchen. Im Vergleich zu der Selectionreihe gibt es jedoch auch einige Neuerungen.

Die Autorin entwirft in diesem Roman ein realistisches Sittenbild des Königshofes. Das wirkt sehr durchdacht und ist etwas, wofür man die Autorin loben muss.

Ein durchdachtes, manchmal düsteres Sittenbild und ein unvergleichliches Lesevergnügen.

  • Cover
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Veröffentlicht am 01.05.2020

Eine Mischung aus Romance und Thriller

Der Bodyguard
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Inhalt:

Als der Personenschützer Maik den Auftrag erhält, das Escortmädchen des reichen Industriellen Peter van Holland zu bewachen, ahnt er noch nicht, was ihn erwartet. Bereits ein kurzes Zusammentreffen ...

Inhalt:

Als der Personenschützer Maik den Auftrag erhält, das Escortmädchen des reichen Industriellen Peter van Holland zu bewachen, ahnt er noch nicht, was ihn erwartet. Bereits ein kurzes Zusammentreffen mit Lynn reicht aus, um Maiks Gefühlswelt gründlich durcheinanderzuwirbeln. Die junge Frau wirkt tough und lässt sich nichts sagen. Sie macht Maik schnell klar, dass nicht alles so laufen wird, wie Peter van Holland es gerne hätte.

Statt brav zu Hause zu sitzen, verabredet Lynn sich mit Freundinnen zu Partys. Oft ist sie schwerer zu hüten als ein Sack Flöhe. Maik und sein Team haben alle Hand damit zu tun, die kleinen Geheimnisse des Mädchens zu schützen, und zugleich ihrem Job so gut es geht nachzukommen.

Bald schon merkt Maik, dass seine Gefühle für Peter van Hollands Liebling nicht nur oberflächlicher Natur sind. Auch wenn Lynn vielleicht nicht auf seine Anweisungen hört, so scheint sie doch mehr für ihn zu empfinden. Es beginnt ein gefährliches Spiel, das zu eskalieren droht, als die junge Frau entführt wird.



Meinung:

Mit Maik stellt die Autorin dem Leser einen Protagonisten vor, dem es die Frauen sehr leicht machen. Trifft er auf jemanden, der Hilfe benötigt, so kann er nicht die Augen verschließen. Er schreitet ein. Diese Hilfsbereitschaft hat ihm schon des Öfteren ein Date eingebracht. Doch Maik weiß, dass sein Job nicht viel Freizeit zulässt. Zudem gerät er immer wieder an die falsche Sorte Frau.

Kurz nachdem Maik seinen neuen Job als Personenschützer bei der Familie van Holland in einem Team von fünfzehn weiteren Bodyguards angetreten hat, lernt er durch einen Zufall die Frau kennen, für deren Schutz er demnächst verantwortlich sein soll. Lynn reagiert auf dieses zufälliges, intimes Zusammentreffen im Bad der Familie van Holland eher locker. Schnell spüren beide einen Draht zueinander.

Stunden später geht Maik Lynn nicht mehr aus dem Kopf. Bei einem gemeinsamen Treffen mit seinen engsten Freunden in einer Bar kommt es zu einem „Notfall“. Eine junge Frau wird von ihrem Date gedemütigt. Der alkoholisierte Mann scheint gewaltaffin. Maik steigt als weißer Ritter ein, deeskaliert die Situation und rettet Andrea, so der Name, der in Not geratenen Frau, den Abend. Den gewonnenen Heldenstatus will Maiks beste Freundin nutzen, um die beiden zu verkuppeln.
If you can't be with the one you love; love the one you are with. Doch kann Andrea Lynn wirklich ersetzen? Diesem Gefühlschaos muss sich der Personenschützer im ersten Drittel des Buches stellen.

Jede Geschichte braucht eine Exposition. Sonja Rüthers Buch nimmt sich viel Zeit, um die Figuren langsam und bedachtsam zu entwickeln. Äußerst rasant entwickelt sich allerdings der "Glücksschock", den die Liebe auf den ersten Blick auslösen kann. Maiks Gefühle für seine Schutzbefohlene entwickeln sich schon atemberaubend schnell. Positiv zu erwähnen ist, dass das Buch hierüber selbst kritisch reflektiert.

Nach und nach kommt heraus, dass Lynn Geheimnisse hat, über die sie nur ungern spricht. Nach dem ersten Drittel des Buches webt die Autorin dann erste Thrillerelemente in ihre Geschichte ein. Ab der Hälfte des Buches wird es an Spannung nicht mehr fehlen. Allein schon dadurch, dass das Buch auf einmal viel mehr Geschichte zu erzählen hat. Die Figuren bekommen eigene Plots. Die Anlage des Buches wird dadurch erstmals wirklich multiperspektivisch.

Zu den großen Stärken des Buches zählen seine Figuren. Bei denen es viel Entwicklung gibt. Und der Leser oft überraschende Seiten entdecken kann.



Fazit:

Der Bodyguard deckt ein breites Feld von Genres ab: Action, Thriller, Romantik.

Der Protagonist Maik ist neu in einem Team Personenschützer, die für einen reichen Industriellen arbeiten, und verliebt sich in seine Schutzbefohlene.

Ob die "Bodyguard"-Geschichte neu geschrieben werden musste, sei dahingestellt. Sonja Rüther schreibt jedenfalls gekonnt. Effektvoll werden Vorausdeutungen und Rückblenden eingesetzt, die Aufmerksamkeitsspanne des Lesers wird nie überdehnt. Die Geschichte ist äußerst lebendig und kurzweilig, was die Lektüre spannend macht.

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