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Veröffentlicht am 13.04.2021

Elben-Empowerment

Elbendunkel 2: Kein Weg zu dir
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Inhalt:


Ash hat in Erfahrung bringen können, dass nicht Hernandez, sondern vielmehr Dusk, der Anführer der Dunkelelben-Rebellen, ihr wahrer Vater ist. Gemeinsam mit Darel ist sie nun in dessen Lager ...

Inhalt:


Ash hat in Erfahrung bringen können, dass nicht Hernandez, sondern vielmehr Dusk, der Anführer der Dunkelelben-Rebellen, ihr wahrer Vater ist. Gemeinsam mit Darel ist sie nun in dessen Lager angekommen. Doch es bleibt ihr nicht viel Zeit zur Ruhe zu kommen. Denn die Dunkelelben empfangen sie mit wenig Begeisterung.

Hinzu kommt: Sollte Dusk herausfinden, dass Ash - entgegen ihrer Behauptung - keinerlei Informationen über Jago Hernandez Ruiz besitzt, dann würde er sie nicht weiter im Lager dulden, da ist sich Ash sicher. Doch Ash möchte unbedingt mehr über das Volk wissen, dessen Blut sie in sich trägt. So äußert sie den Wunsch, sich zur Kämpferin ausbilden zu lassen, um Rache an Jago Hernandez Ruiz nehmen zu können. Sie schafft also einen Grund, um ihr in den Augen ihres Vaters Bedeutung zu geben und umschmeichelt ihn zugleich mit der Aussage, dass sie ihn besser kennen lernen wolle.

Spätestens als Darel dies hört, merkt er, dass ihm die Dinge entgleiten. Ash handelt ständig anders, als er es sich wünscht, und seine Absicht, seine Schwester zu beschützen, führt oft ins Chaos. Als Kämpferin würde sie sich einem vermutlich düsteren Schicksal ausliefern, das weiß er als Sohn von Dusk nur zu genau. Am Liebsten würde er Ash entführen und zu der freien Dunkelelbin Ranobal bringen.



Meinung:


Während Ash und Darel im Lager der Dunkelelben-Rebellen Tag für Tag versuchen, den Schein zu wahren, und jeder Schritt wie der Gang über ein Minenfeld anmutet, haben auch Ash Ex-Freund Niall und ihre beste Freundin Kelly mit Problemen zu kämpfen.

Geschickt webt Rena Fischer den Auftakt ihrer Elbendunkelsaga weiter. Bereits der erste Teil bot dem Leser eine Vielzahl an Verstrickungen und Charakteren sowie eine komplexe Geschichte. Auch der Abschlussband der Dilogie fordert die Aufmerksamkeit des Lesers ein. Ein Verzeichnis der wichtigsten Personen und ein Sachverzeichnis helfen aber einen Überblick zu behalten.

In der Fortsetzung gliedert die Autorin ihre Geschichte in drei Erzählstränge. Zum einen verfolgt man die Erzählung aus der Sicht von Darel und Ash, die versuchen sich im Dunkelelbenlager durchzuschlagen. Und das ist wirklich nicht einfach, denn hier kämpft jeder seinen eigenen Kampf, jeder verfolgt seine eigenen Ziele und jeder ist bereit, den anderen zu hintergehen und ihn, im Falle des Falles, an den Anführer auszuliefern.

Der zweite Erzählstrang berichtet über Niall, Ashs Ex-Freund, auf dessen Kopf von der Elb Liberation Organisation mittlerweile eine Belohnung von 50.000 Dollar ausgesetzt wurde. Man wirft ihm vor, dass er Luz und deren Chauffeur entführt hat. Das angebliche Geiseldrama gipfelte laut den Fake-Medien darin, dass Luz und ihre Mutter diesem zum Opfer fielen, als ihr Van über die Klippen ins Meer stürzte. Nach einem Ausflug zum Mexikaner wird Niall Opfer einer Entführung. Er hat also mit seinen ganz eigenen Problemen zu kämpfen.

Der dritte und letzte Erzählstrang wird aus der Sicht von Ashs bester Freundin, Kelly, erzählt, die gemeinsam mit dem Dunkelelben Adrasel bei Ranobal, einer freien Dunkelelbin, untergetaucht ist. Langsam lernen sich die beiden kennen und entdecken ihre Liebe zur Musik.

Auch in diesem zweiten Teil lässt Rena Fischer ihre Liebe zu Poety Slam und Musik einfließen. Song- und Slamtexte werden geschickt in die Geschichte eingewoben.

Alle Freunde haben, neben den persönlichen Interessen, die sie verfolgen, ein gemeinsames Ziel. Sie wollen die Unterdrückung der Elben beenden. Hernandez steht voll hinter dem Konzept den Dunkelelben weiterhin Tyrium zu verabreichen. Dabei handelt es sich um ein Mittel, das den Dunkelelben gespritzt wird und bei Steigerung des Aggressionslevels dafür sorgt, dass der entsprechende Elb den sofortigen Tod findet. Auch die Lichtelben müssen seit Jahren ein Leben als Sklaven führen. Der Leiter der Lichtelbeninstitute, Leif Hweitasil, der den Rat der Lichtelbenältesten mittlerweile autoritär beherrscht, hat derweil seine eigenen teuflischen Pläne.

Der Kampf jeder gegen jeden schafft ein Gleichgewicht, wenn auch ein fatales.



Fazit:


Auch der zweite und finale Teil der Elbendunkelsaga ist nicht fürs schnelle Lesen geschrieben, sondern zwingt den Leser zur Konzentration. Das Buch ist von der ersten bis zur letzten Seite ein gekonnt durchkomponiertes Verwirrspiel. Richtig ist, dass Rena Fischers Geschichte ins Genre Fantasy einzuordnen ist, doch ist dies keine ausschließliche Reise durch eine Fantasy-Welt, sondern beleuchtet das Facettenreichtum der Thematik Herkunft und Identität.

Eine derart komplexe Geschichte mit so vielen Charakteren in einem zufriedenstellenden Finale gipfeln zu lassen, scheint schier unmöglich, ist es aber nicht. Wer geduldig genug ist, den Roman zu Ende zu lesen, wird vielmehr mit einem Paukenschlag belohnt.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 07.04.2021

Vom Experten für Kenner, die Ästhetik des Authentischen

Vom Präsident zum Hartz IV
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Inhalt:

Mark Filatov, einem breiten Publikum besser als Slavik Junge bekannt, ein kreativer Kopf und ein Tausendsassa der Unterhaltungsformen, ist unter die Autoren gegangen. Mit “Vom Präsident zum Hartz ...

Inhalt:

Mark Filatov, einem breiten Publikum besser als Slavik Junge bekannt, ein kreativer Kopf und ein Tausendsassa der Unterhaltungsformen, ist unter die Autoren gegangen. Mit “Vom Präsident zum Hartz IV“ legt er eine fiktive Autobiografie vor.

In dieser beantwortet er die Frage, was wäre, wenn ein Mitglied des Prekariats, dem Zufall oder Schicksal geschuldet, plötzlich Präsident von Kasachstan ist. Jemand, der kein milieuspezifisch angeeignetes kulturelle Kapital mitbringt, der kein Geld, keine politische Bildung, dafür aber Jogginghose und Adiletten besitzt. Jemand, der streetsmart und nicht booksmart ist.

Von dem Moment an, als er bei seiner Geburt die Krankenschwester angepisst hat („das roch schon damals nach Erfolg, Blyat!“) zeigt der Gang des Lebens, was ihm von Geburt an vorbestimmt ist: Erfolg.

Ein Leben, das von gefälschten Adiletten, über Meetings mit Wladimir Putin, zum E-Shisha rauchen mit der Queen führt.



Meinung:

Den Streit gibt es wohl schon so lange wie es Bücher gibt. Die einen verachten Dichtung als Legenden, die vorsätzlich Unwahres verbreiten, die anderen bewundern sie als fantasievolle Kunst.

Mark Filatov, 2020 Gewinner Deutscher Comedypreis für die beste Comedy-Serie für Slavik – Auf Staats Nacken, nimmt diese Differenzierung zwischen Wirklichem und Möglichem in seinem Erstlingswerk bewusst auf die Hörner. In “Vom Präsident zum Hartz IV“ bleibt am Ende nichts unklarer als die Grenze der Fiktion.

Als Mark Filatov im vergangenen Jahr den Preis erhielt, nahm er ihn im Jogginganzug entgegen. „Um ein Zeichen zu setzen, dass man die Leute, die anders sind, nicht sofort verurteilen muss. Und dass die auch mich sehen, in diesem Jogginganzug – und verstehen, das kannst du auch schaffen.“

Das Buch spiegelt diese Philosophie. Am Ende läuft es im Leben meistens auf eine sehr einfache Wahrheit hinaus: Der Gewinner gewinnt, der Verlierer verliert. Wenn einem das Glück von Beginn an weniger hold ist, dann kann man generell in unser Gesellschaft nur sehr wenig dagegen machen. Man hat sich dem ungewollten Ausgang zu fügen. Das sind die Spielregeln, das ist der Lauf der Dinge in unser Gesellschaft.

Denkste! Durch den durchaus gelungenen Dreh der Story stellt Mark Filatov klar, dass es nicht so sein muss.



Fazit:


Geht man davon aus, dass Kunst keinen unmittelbaren Zweck erfüllt und immer nur auf sich selbst verweist, kann „Vom Präsident zum Hartz IV“ als authentische Groteske überzeugen. Will man hingegen diesem Werk eine zentrale These entnehmen, so wird man auch nicht enttäuscht. Viele gehen davon aus, dass Sozialverbände aus strukturellen Gründen immer zu einer Elitenbildung führen. Ob diese Annahme stimmt, hinterfragt Mark Filatov auf humorvolle Weise.

Bevor Sie zu dem Buch greifen, noch ein Wort der Warnung: Im besten Fall teilt man den Humor des Verfassers. Auch die linguistische Rebellion des Autors, der harte Worte für schwierige Zeiten liefert, könnte Normdeutsch gewöhnten Lesern die Lust am Buch verderben. Die ästhetische, sprachliche und soziale Verortung des Werks stellt eine Einstiegsbarriere dar.

  • Cover
  • Erzählstil
Veröffentlicht am 31.03.2021

Eine gelungene Mischung aus Krimi, Thriller und Sozialdrama

Searching Lucy
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Inhalt:

Mittlerweile geht es Amber ganz einfach von der Hand. Sie hat das richtige Werkzeug und beherrscht die Griffe, die es möglich machen, eine Balkontür zu öffnen. Mittels Tracker und Spionage ermittelt ...

Inhalt:

Mittlerweile geht es Amber ganz einfach von der Hand. Sie hat das richtige Werkzeug und beherrscht die Griffe, die es möglich machen, eine Balkontür zu öffnen. Mittels Tracker und Spionage ermittelt sie, wann die Nachbarn und Bekannten unterwegs sind. Innerhalb weniger Minuten ist sie in das Haus eines Fremden eingebrochen. Sie schaut sich an, wie der Besitzer lebt. Mutmaßt, was ihn so herumtreibt, versucht, ihn näher kennenzulernen. Der Gang durchs Haus endet immer im Keller. Denn dort könnte sich Lucy befinden. Ambers Schwester, die kurz nach dem Verschwinden des Vaters ebenfalls spurlos vom Erdboden verschwunden war.



Meinung:

Amber ist sich sicher, dass ihre Schwester nicht tot ist. Sie muss einfach noch leben! Es geschah kurz nach Taylors Party: Eine verbale Auseinandersetzung, beide Schwestern sind im Disput auseinandergegangen und dann war Lucy weg und wurde nie wieder gesehen. Gewaltverbrechen werden oft von Menschen aus dem näheren Umfeld begangen. Das weiß Amber. Sie ist sich sicher, dass irgendwer das Mädchen entführt haben muss. Vielleicht wurde sie geschändet. Vielleicht wird sie gequält. Die Zeit rennt.

Die oberste Priorität des Polizeiapparates ist nicht die Suche nach der Schwester. Vielmehr scheint man zu erwarten, dass die Missetäter vor den Füßen der Polizei abgeladen werden.

Amber beginnt daher eine eigene Suche und bricht hierfür in die Wohnungen der Nachbarn und Bekannten ein.

Neben dem Schicksal von Lucy verstehen es vor allem Ambers Besuche in fremden Häusern für Spannung zu sorgen. Jederzeit könnte etwas schief gehen. Ein kleiner Fehler, eine verfrühte Heimkehr des Hausbesitzers. Was dann?

Jeder könnte der Täter sein. Als Leser versucht man gemeinsam mit Amber zu ermitteln. Wer erscheint verdächtig? Taylor, der stets von sich überzeugt war, und seine Freundinnen nicht gerade vorbildlich behandelt hat? Oder der Neue, Jamie, der immer so schweigsam ist und der irgendetwas zu verbergen scheint? Oder doch vielleicht einer aus der Lehrerschaft? Es gibt so viele Verdächtige.

Amber zeigt oft das psychoanalytische Profil einer paranoiden Persönlichkeit. Oft kommt sie in Konflikt mit moralischen Grundwerten. All dies ist aber in ihrer Biografie überzeugend begründet.

Die Geschichte wird höchst dramatisch, ja beklemmend spannend bis zu ihrem Ende vorangetrieben.



Fazit:

Searching Lucy ist eine gelungene Mischung aus Krimi, Thriller und Sozialdrama. Diesen Zutaten verdankt das Werk seine Dichte, die den Leser tatsächlich bis zum Ende um das Schicksal seiner Figuren bangen lässt. Das Buch entwickelt eine zum Ende hin schier unerträgliche Spannung, die den Leser komplett vereinnahmt. Während sich vieles im Fortschreiten der Geschichte peu à peu erhellt, verdichten sich andere Mysterien und das mitunter paranoid. Realismus war allerdings nicht das oberste Ziel der Autorin.

Wer einen fesselnden und gruseligen Thriller sucht, ist mit diesem Buch gut bedient.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.03.2021

Spannung, die nicht bricht

Ghostwalker
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Inhalt:


Hamburg im Jahr 2047. Jonas ist einer der Besten auf seinem Gebiet. Als Ghostwalker schlägt er sich Tag für Tag durch die virtuellen Welten der Firmen. Er transportiert Datenpäckchen seiner Auftraggeber ...

Inhalt:


Hamburg im Jahr 2047. Jonas ist einer der Besten auf seinem Gebiet. Als Ghostwalker schlägt er sich Tag für Tag durch die virtuellen Welten der Firmen. Er transportiert Datenpäckchen seiner Auftraggeber von A nach B und versucht diese vor ungewollten Einblicken und Datendieben zu schützen.

Als Jonas eines Tages einen Auftrag erhält, bei dem ihm ein Salär von 100.000 Eurodollar winkt, ist er erst einmal skeptisch. Nicht nur, dass diese Summe schon viel zu hoch für einen gewöhnlichen Transport erscheint, auch ist es nicht üblich von Auftraggebern mitten auf der Straße angesprochen zu werden. Denn eigentlich ist er in der virtuellen Welt anonym unterwegs. Doch sein Gegenüber weiß nicht nur ziemlich viel über ihn, er erwähnt auch Jonas verstorbenen Vater, der für die auftraggebende Firma gearbeitet haben soll. Es ist also nicht nur das Geld, sondern auch die Neugierde, die Jonas antreibt, das Angebot anzunehmen.

Dies war ein großer Fehler, wie sich bald herausstellt. Denn bald schon hängt Jonas in der virtuellen Welt „Golem City“ mit einem Datenpaket fest, an dem unter anderem die japanische Mafia interessiert ist. Jonas muss um sein Leben fürchten und sich bald fragen, in was sein Vater zu Lebzeiten verwickelt war.



Meinung:


Nach dem Selbstmord seines Vaters musste Jonas schnell lernen, sich alleine durchzuschlagen. Die Mutter ist erst in eine Depression verfallen und hat ihn dann, ohne eine Nachricht zu hinterlassen, ebenfalls verlassen. Um nicht in die Fänge der staatlichen Obhut zu geraten, gaukelt Jonas seinem Umfeld und insbesondere der Schule vor, dass seine Mutter aufgrund psychischer Erkrankung nicht in der Lage ist, das Haus zu verlassen. Eine noch vorhandene Aufzeichnung auf dem Anrufbeantworter, ein gefälschter Brief, eine Ausrede hier und da, haben ihm bislang geholfen, diese Lüge aufrecht zu erhalten.

Um den Kühlschrank zu füllen und Rechnungen zu bezahlen, verdient sich Jonas Geld als Ghostwalker. Er transportiert für auftraggebende Firmen wichtige Datenpakete durch deren individuell gestaltete Welten.
Der neueste Auftrag kommt ihm da gerade Recht: 100.000 Eurodollar sind eine Menge Geld. Damit könnte Jonas sich seinen Traum erfüllen. Er könnte endlich das von ihm verhasste Hamburg verlassen und nach Kalifornien auswandern. Doch nicht nur der hohe Lohn, auch der Auftritt seines Auftraggebers lassen ihn stutzen. Sein Gegenüber weiß viel zu viel über Jonas Leben und gibt keinerlei Informationen preis, über das, was er in Golem City letztendlich erledigen soll. „Du wirst es dann schon sehen“, ist die dürftige Antwort, die Jonas neben einer kleinen Figur, einer begehrten Nachbildung der Protagonistin aus dem Anime „Kim Uriel“, auf seine Nachfragen erhält.

Rainer Wekwerth führt seine Geschichte Schritt für Schritt weiter, und jedem dieser Schritte folgen wir mit großer Neugierde und Spannung. Gemeinsam mit Jonas sind wir ständig auf der Flucht. Sei es in der virtuellen Welt oder auch im „analogen“ Hamburg.

Drei virtuelle Welten lernt der Leser gemeinsam mit Jonas in diesem Buch kennen. Ein Setting erinnert an Games of Throne, mittelalterliche Nordmänner verfolgen den Ghostwalker durch einen düsteren Wald. Eine liebevoll gestaltete japanische Umgebung und letztlich Golem City, eine Stadt voller Hochhäuser umgeben von einem schlammartigen Fluss, in der die Figuren aus Jonas Lieblingsanime „Kim Uriel“ beheimatet sind.

Bereits zu Beginn erfährt der Leser, dass ein Job als Ghostwalker auch Tücken mit sich bringt. Um in die virtuelle Welt einzutauchen, muss Jonas in seinen VR-Anzug schlüpfen und sich in einem speziellen Stuhl festschnallen. Wenn er sich erst einmal eingeloggt hat, dann gibt es nur noch drei Möglichkeiten die Welt des Auftraggebers zu verlassen: Entweder er erleidet virtuelle Verletzungen, solange, bis der Körper schlapp macht, was nicht selten mit Schmerzen – hierfür sorgen die 10.000 Nanomarker seines VR-Anzuges – verbunden ist. Eine weitere Option ist der Tod. Die effektivste und beste Möglichkeit jedoch, einen Ausweg aus dem Szenario zu finden, ist die Erfüllung des Auftrages. Diese drei Möglichkeiten verhindern einerseits, dass sich Datendiebe schnell einloggen und allzu leicht mit sensiblen Daten aus dem System ausloggen können. Sie sorgen jedoch im Falle von Jonas neuestem Auftrag für allerlei Komplikationen. Denn bald schon muss dieser nicht mehr nur darum bangen, dass ihm das Jugendamt auf die Schlichte kommt. Vielmehr enthält Jonas Datenpaket überaus sensible Daten, an denen unter anderem auch die japanische Mafia Interesse zeigt.



Fazit:


Mit „Ghostwalker“ präsentiert Rainer Wekwerth einen rasanten Cyberthriller, in dem technologische Fortschritte gleichermaßen euphorische Visionen wie apokalyptische Ängste erzeugen. Wekwerth stellt die im Zusammenhang mit Cyber-Utopien entstandenen Konzepte von Entstofflichung und entgrenzter Körperhülle im virtuellen Cyber-Space vom Kopf auf die Füße.

Was das Buch wertvoll macht, ist die Art und Weise, wie es mit den Themen umgeht: Die Ernsthaftigkeit, mit der künstliche Intelligenz in all ihren praktischen und philosophischen Facetten beleuchtet wird.

Wunderbar spannend und zugleich äußerst intelligent gemacht.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.03.2021

Kurzweilige Erzählung, die mit starken Charaktermomenten besticht.

Stolen 2: Verwoben in Verrat
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Inhalt:


Bastian hatte Abby geküsst und sich ungefragt an ihrer Seele bedient. Im Gegenzug hatte diese ihm allerdings seinen Seelenring gestohlen und dieser befindet sich nun in den Händen von Cross. ...

Inhalt:


Bastian hatte Abby geküsst und sich ungefragt an ihrer Seele bedient. Im Gegenzug hatte diese ihm allerdings seinen Seelenring gestohlen und dieser befindet sich nun in den Händen von Cross. Ohne den Seelenring ist Bastian nicht mehr in der Lage, das Wüten in sich unter Kontrolle zu halten. Er muss also schleunigst handeln. Doch mit seinem Seelenring war Cross so viel stärker und ihm haushoch überlegen.

Hilfe könnte Bastian vielleicht seine vormalige Liebe Skye bieten. Denn schließlich war auch sie eine Ringhüterin. Sie besitzt auch noch den Herzring. Selbst wenn Skye ihm helfen würde, so müsste Bastian auch noch ihre zwei Schwestern überzeugen. Und eine davon ist so gar nicht gut auf ihn zu sprechen.

Währenddessen hat Abby ganz andere Sorgen. Seit Bastians Übergriff liegt ihr Fokus auf ihren Gefühlen, ihrer Kontrolle, Mäßigung, Unterdrückung oder Entfachung. Sie kann nicht leugnen, dass sie sich immer noch zu beiden Brüdern hingezogen fühlt.



Meinung:


Auch im zweiten Band der Stolen-Reihe bildet die Ménage-à-trois zwischen den beiden Tremblay-Brüdern, Bastian und Tristan, sowie Abby den Mittelpunkt der Handlung.

Abby sticht zwischen ihren Mitschülern hervor. Denn ihre Weben tragen nicht die „normalen Farben“. Ihre Seele ist von einer absoluten Schwärze umgeben. Etwas, wonach sich beide Brüder sehnen. Abbys Weben sind unglaublich stark. Und während Bastian durch den Ring in der Lage war, die Kraft neu in sich aufgenommener Weben zu kontrollieren, verhielt es sich bei Tristan anders. Doch nun ist Bastian ohne Ring und hat Abby zudem mit seinem ungebetenen Übergriff auf ihre Seele stark enttäuscht.

Während Bastian sich ohne Ring kaum noch in der Lage sieht, das Beben in sich zu kontrollieren, und allein Abbys Nähe ihn dazu bringen könnte, sich erneut an ihrer Seele zu bedienen, gelingt es Tristan sich weitestgehend zu beherrschen.

Beide Jungen umwerben Abby und beide werden im Verlauf der Geschichte nicht müde zu betonen, wie schwierig es ihnen fällt, nicht erneut von ihrer Seele zu kosten. Auch Abby kann sich nur schwer entscheiden, welchen der Tremblay-Brüder sie favorisiert. Bastian hat sie enttäuscht und Tristan ist stets an ihrer Seite. Tristan verhält sich allerdings wie ein absoluter Draufgänger, Bastian hingegen erscheint durchdachter.

Neben der Frage, für wen sich Abby letztlich entscheiden wird, widmet sich die Geschichte der Jagd nach dem Seelenring. Spannung will sich dabei durchaus einstellen, zumal die Figuren nicht nur ihre Queste bewältigen, sondern auch noch ihre Dreiecksbeziehung auflösen müssen.

Auch bekommt der Leser weitere Informationen über die Ringträger und ihre Ringe sowie deren Geschichte geliefert.



Fazit:

Auch die Fortsetzung von Stolen legt wieder den Fokus auf die Tremblay-Brüdern und Abby, dem Mädchen mit den schwarzen Weben. Als Leser kommt man den Figuren so nah, dass sich aus der Ménage-à-trois schließlich vermutlich eine Ménage-à-quatre entwickelt.

Der Fokus richtet sich auf die Charaktere, die ihr Herz ausschütten. Das launige Zusammenspiel der Figuren trägt zum Unterhaltungswert des Buches bei, bremst aber die Handlung aus.

Diese Buch funktioniert allerdings trotzdem gut, weil dem Leser die involvierten Figuren doch auf irgendeiner Art und Weise mittlerweile am Herzen liegen und wir uns gut in ihre Lage hineinversetzen können.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere