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Veröffentlicht am 29.09.2020

Sogar noch besser als der Reihenauftakt

Vortex – Das Mädchen, das die Zeit durchbrach
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Für Leserinnen und Leser, die den Reihenauftakt „Vortex – Der Tag, an dem die Welt zerriss“ noch nichts gelesen haben, beginnt diese Besprechung mit einem Spoiler.

Inhalt:

Nachdem Bale und Elaine einen ...

Für Leserinnen und Leser, die den Reihenauftakt „Vortex – Der Tag, an dem die Welt zerriss“ noch nichts gelesen haben, beginnt diese Besprechung mit einem Spoiler.

Inhalt:

Nachdem Bale und Elaine einen Großteil der Zonengebiete geöffnet und die Vermengten freigelassen hatten, waren die umliegenden Städte nicht mehr sicher. Bale und Elaine hatten in Sanktum Schutz vor dem Kuratorium und dessen Leiter Hawthorne gesucht.

Hawthorne wollte den Urvortex vernichten und so den Lauf der letzten achtzig Jahre auf den Kopf stellen, was die Existenz aller Vermengten aus der Zeitlinie gestrichen hätte.

Durch einen Stick, der in die Hände der Grunder gelangt ist, und auf dem sich eine Aufzeichnung einer Konferenz der Kuratoriumsleiter befand, erfahren Elaine und ihre Freunde nunmehr von einem mysteriösen Projekt namens Aeolus und der Weiterentwicklung der Nullsensoren.

Das Kuratorium scheint einen neuen Plan zu haben, die Zeitlinie zu ihren Gunsten zu verändern und die Existenz der Vermengten auszulöschen.



Meinung:

Nach der Freilassung der Vermengten, haben sich die verschiedenen Gruppierungen noch weiter radikalisiert. Das Grüne Beben plant genauso wie Der Rote Sturm einen Schlag gegen die Menschen, die sie über die Jahre hinweg unterdrückt hatten.

Aber auch das Kuratorium hat weiter an seinen Plänen gearbeitet. Die Informationen, die sich auf dem Stick befinden, verraten, dass sich mittlerweile alle Kuratoriumsleiter Hawthorne angeschlossen haben. Die Situation hat sich soweit zugespitzt, dass ein Krieg unvermeidbar erscheint.

Die Geschichte wird weiterhin aus der Perspektive von Elaine erzählt, einer Läuferin, die einst für das und nunmehr gegen das Kuratorium kämpft. Elaine ist ein selbstloser Charakter. Sie zögert nicht, ihr Leben für diejenigen aufs Spiel zu setzen, die ihr am Herzen liegen.
Per se - eine wunderbare Charaktereigenschaft, die sich im zweiten Band oft manifestiert.

In Band zwei bricht Elaine gemeinsam mit Luka, Bale, Susie und Fagus auf, um Hawthornes Pläne zu vereiteln. Das Buch hält sich lange mit der Etablierung der Gruppendynamik auf und schenkt dem Leser hier einige schöne Lesemomente. Anna Benning gelingt es erneut komplexe Charaktere in den Mittelpunkt der Geschichte zu stellen.

Lag der Fokus im ersten Teil dieser Reihe noch auf den Grundern, so stellt uns Anna Benning in Band zwei das „Wasservolk“ - die Schwimmer – genauer vor. Auch die neuen Figuren sind bis zur Unwichtigsten von ihnen minutiös und detailliert ausgearbeitet, ohne dass dabei die Fortführung der Geschichte aus dem Fokus gerät.

Hier gibt es z.B. Mikoorganismen, die sich an den Körper eines Lebewesens heften und je nach Stimmung des Trägers ihre Farbe verändern. Ein Schauspiel, das - ich zitiere Elaine – an das Verhalten eines Stimmungsrings erinnert.

Im weiteren Verlauf der Geschichte müssen Elaine und ihre Freunde erneut in der Zeit reisen. Dieser „Ausflug“, soviel kann ich verraten, wird zwar abenteuerlich verlaufen, aber tragisch enden.

Gerade im letzten Teil des Buches beobachte man die Figuren auf ihrem Leidensweg, ehe das Chaos ausbricht - und das an gleich an mehreren Fronten.



Fazit:

"Vortex – Das Mädchen, das die Zeit durchbrach" treibt den durch den Vorgänger ohnehin bereits bis zum Anschlag gespannten Spannungsbogen noch weiter.

Anna Benning Buch ist für ihre Leser eine tour d'horizon durch ihre Fantasywelt, für ihre Figuren allerdings eine tour de force.

Es bringt den Leser zum Staunen und Mitleiden. Kein schwaches Mitleiden, sondern echte Anteilnahme, die einen das Buch nicht mehr aus der Hand legen lässt.

Die Geschichte endet mit einem kinoreifen Cliffhanger, der einen mit dem Wunsch einer Zeitreise zum Erscheinungsdatum des dritten Bandes (Frühjahr 2021) zurücklässt.



Buchzitate:

Meine Mutter hatte früher immer zu mir gesagt, ein richtiger Nachthimmel, der nicht vom Smog der Großstadt überlagert war, sehe aus, als hätte ein Maler jeden Millimeter mit weißen Farbspritzern bedeckt.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 23.09.2020

Ein besonderes Buch

Immer ist ein verdammt langes Wort
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Inhalt:

Als Rena nach einem längeren Klinikaufenthalt endlich wieder nach Hause entlassen wird, wird sie sogleich mit neuen Probleme konfrontiert. Renas Mutter, deren psychische Instabilität einen weiteren ...

Inhalt:

Als Rena nach einem längeren Klinikaufenthalt endlich wieder nach Hause entlassen wird, wird sie sogleich mit neuen Probleme konfrontiert. Renas Mutter, deren psychische Instabilität einen weiteren dramaturgischen Höhepunk erreicht, hat nicht nur ihren Job, sondern auch die gemeinsame Wohnung verloren.

Während Rena also versucht, die vorgefundene Lage zu konsolidieren und die gemeinsame Zukunft zu sichern, muss sie sich auch noch mit den Schmerzen, die mit dem Einsetzen einer künstlichen Hüfte als Folge eines Motorradunfalls verbunden sind, auseinandersetzen.

Hinzu kommt, dass Rena sich an ihren Unfall kaum noch erinnern kann. Immer wieder erinnert sie sich an einzelne Szenen, die jedoch keinerlei Sinn zu ergeben scheinen und einander widersprechen.

In anderen Worten: Ihr Leben entgleist. Dann folgt ein Plot-Twist, als sich der Junge aus dem nächsthöheren Stockwerk vorstellt. Kick gelingt es mit Humor und seiner beständigen, anpackenden Art Renas Herz für sich zu gewinnen.



Meinung:

In „Immer ist ein verdammt langes Wort“, lernt der Leser auf den ersten Seiten die Protagonistin Rena kennen, die nach einem langen Klinikaufenthalt mit diversen Problemen konfrontiert wird. Eigentlich kann sie sich den Herausforderungen der Alltagsbewältigung nicht stellen, geschweige denn, für ihre Mutter sorgen. Denn neben chronischen Schmerzen hat Rena auch mit Erinnerungslücken und Flashbacks zu kämpfen.

Nach dem Umzug in eine neue Wohnung reicht das Geld nicht mal mehr fürs Essen und dann gibt es da noch diese Gruppe voller Tunichtgute, die Rena das Leben schwer machen.

Einzig der Junge, der über ihr wohnt, ist ein Lichtblick. Kicks Augen scheinen ständig vor Freude zu leuchten. Auf jedes Problem hat er eine Lösung. Mit ihm wird der schwierige Alltag plötzlich viel leichter.

Sabine Schoder erschafft mit Kick und Rena zwei Figuren, die perfekt zusammenpassen. Nicht nur, dass es Rena und Kick gemeinsam gelingt, mit Schwierigkeiten fertigzuwerden. Auch macht es Spaß, die Gespräche der beiden, die vor spitzen Bemerkungen und zynischem Humor nur so sprühen, mitzuverfolgen.

Spannung zieht der Roman in erster Linie aus der Frage, was in der einen Nacht, in der Renas Leben innerhalb kürzester Zeit aus den Fugen geraten ist, wirklich passiert ist. Man kann das Werk durchaus dem Krimi-Genre zuschlagen.

Sabine Schoders Buch hat einen ungemein stringent konstruierten und durchdachten Aufbau und dennoch Logiklücken, die aber vernachlässigt werden können.



Fazit:

Es gibt Autoren, zu deren Büchern man greifen kann, ohne sich vorab den Klappentext durchgelesen zu haben. Qualität verkauft sich schließlich von selbst. Man weiß einfach, dass die Geschichte funktionieren wird. Sabine Schoder gehört hier her.

"Immer ist ein verdammt langes Wort" – ist ein Buch, welches die Aufmerksamkeit des Lesers einfordert. Es liegt in dessen Verantwortung, zwischen Realen und Irrfahrten einen Sinn zu finden.

Sabine Schoder schafft es, dem Leser psychische Krankheiten so nahe zu bringen, dass auch der Leser selbst zwischenzeitlich an der eigenen Vernunft zweifelt.

Das Buch scheint ein Puzzle zu sein, bei dem sich schlussendlich die vielen Einzelteile perfekt zusammen fügen lassen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 03.09.2020

Positive Überraschung

Insel der Waisen
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Inhalt:

Jinny lebt gemeinsam mit acht weiteren Kindern auf einer kleinen paradisischen Insel.

Exotische Früchte hängen an den Bäumen, es gibt keine gefährlichen Tiere, jeder Bewohner hat seine Aufgabe, ...

Inhalt:

Jinny lebt gemeinsam mit acht weiteren Kindern auf einer kleinen paradisischen Insel.

Exotische Früchte hängen an den Bäumen, es gibt keine gefährlichen Tiere, jeder Bewohner hat seine Aufgabe, die zum täglichen Überleben der Gemeinschaft beiträgt. Kurzum: Ein kleiner Garten Eden, dessen Gesellschaft jedoch einmal im Jahr in ihren Grundfesten erschüttert - und gefordert wird.

An diesem einen Tag im Jahr legt ein grünes Boot mit einem Kind an Bord am Strand an. Das ist der Zeitpunkt, an dem es für einen der Inselbewohner – nämlich den Ältesten der Gruppe - Abschiednehmen heißt. Ein Austausch findet statt, bei dem ein neuer Ältester gekürt wird, der sich fortan um das in eben diesem Boot angespülte Kleinkind kümmern muss.

In diesem Jahr ist Jinny an der Reihe ihren Job als Mentor anzutreten. Als sie das erste Mal einen Blick auf das weinende Mädchen, das sich kurzerhand als Ess vorstellt, wirft, überkommen sie ihre Emotionen. Nicht nur, dass sie den Verlust ihres besten Freundes zu beklagen hat, auch muss sie nun, selbst noch ein Kind, die Verantwortung für eine andere Person übernehmen.



Meinung:

Laurel Snyder greift in ihrem Buch „Insel der Waisen“ einige sehr interessante Themen auf. Erzählt wird die Geschichte aus Sicht von Jinny, die von einem Tag auf den anderen lernen muss, wie es ist, sich um ein kleines Kind kümmern zu müssen. Die kleine Ess wirkt bei ihrer Ankunft verstört, verwirrt und verängstigt. Hinzu kommt, dass sie die wichtigsten Regeln, die jeder Inselbewohner kennen sollte, noch nicht verinnerlicht hat. Jinny muss dem Kind also einiges beibringen und gerät dabei nicht selten an die Grenzen ihrer Belastbarkeit.

Der Fokus des Buches liegt ganz eindeutig auf der Thematik Kindererziehung. Jinny durchlebt während der Erziehung ihres Mündels jedoch ebenfalls eine innere Entwicklung. Sie lernt ihre eigene Ungeduld zu zügeln und somit zugleich auch über sich hinauszuwachsen. Das alles arbeitet Laurel Snyder schlüssig und gut nachvollziehbar heraus.

Laura Snyder beleuchtet das Motiv des „Abschied-Nehmens“ aus verschiedenen Perspektiven. So muss Jinny sich fragen, ob sie bereit ist, ihrem Mentor Deen (der Letzte, der gegangen ist) nachzueifern. Möchte sie die Menschen, die sie liebgewonnen hat, verlassen oder bleiben. Letzteres um den Preis, die vorgegebenen Regeln, die auf der Insel herrschen, zu durchbrechen. Welche Folgen könnte solch eine Entscheidung mit sich bringen? Jinny muss das Für und Wider ihrer Handlungsalternativen abwägen.

Während der Erziehung von Ess lernt Jinny, dass vor allem Freundschaft, Mitgefühl, Willensstärke und Teamwork wichtig für eine gute Gruppe sind. So wird Jinny stets von ihren Freunden begleitet, die immer dann einspringen, wenn das Mädchen an ihre Grenzen gerät.

Letztendlich überzeugen auch bei diesem Buch die sympathische Charaktere.

Die zielorientierte und pragmatisch denkende Joon, der stoische Ben. Und über allen, die kleine Ess, die vor allem durch ihren liebenswerten Charakter begeistert.

Mit dem Ende des Buches setzt Laurel Snyder ein Highlight, der das Buch zu einem Schatz im Bücherregal werden lässt.



Fazit:

Laurel Snyder schreibt mit „Insel der Waisen“ ohne religiösen Tenor eine moderne Variante der biblischen Vertreibung aus dem Paradies. Dabei schafft es die Autorin, nicht nur glaubhafte und sympathische Charaktere zu zeichnen, sondern auch authentisch Gruppendynamiken zu thematisieren.

Das Ende ist von unglaublicher Eindringlichkeit, die nachwirkt und festhält.

Für mich eine Empfehlung für Menschen, die sich für frühkindliche Entwicklung interessieren oder mit dem Thema Abschiednehmen konfrontiert sind.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 12.08.2020

Eine Geschichte mit einem düsteren Verlauf

Luftschlösser sind schwer zu knacken
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Inhalt:


Jonas ist allein zu Haus, als er des Nachts durch Geräusche aus dem Haus geweckt wird. Schubladen werden herausgezogen, Schränke geöffnet. Jonas Mutter ist zu Besuch bei seinem Vater in der Karibik, ...

Inhalt:


Jonas ist allein zu Haus, als er des Nachts durch Geräusche aus dem Haus geweckt wird. Schubladen werden herausgezogen, Schränke geöffnet. Jonas Mutter ist zu Besuch bei seinem Vater in der Karibik, sie kann es nicht sein, da ist er sich sicher.

Kurze Zeit später wagt sich Jonas in die Küche und ertappt die Einbrecherin auf frischer Tat. Doch dem jungen Mädchen gelingt die Flucht. Erst kurz danach begreift Jonas, dass ihm etwas Wichtiges abhanden gekommen ist: Sein Handy.

Nika arbeitet für das organisierte Verbrechen. Sie ist es, die von ihrem Onkel vorgeschickt wird, um in Wohnungen einzubrechen und dort die Autoschlüssel der Eigentümer zu klauen, damit sich ihre Cousins daraufhin deren Autos bemächtigen können. Meistens geht alles glatt, doch an diesem einen Tag war die Wohnung nicht leer, wie von ihren Auftraggebern vermutet. Dieses Mal wurde sie auf frischer Tat erwischt. Nika flieht mit dem erbeuteten Handy und obwohl sie weiß, dass ihr Onkel das Einbehalten von Diebesgut nicht duldet, unterschlägt sie dieses eine Mal ihre Beute.

Ein großer Fehler, wie sich herausstellt. Denn Jonas gelingt es sein Handy zu orten und kurze Zeit später begegnen sich Täterin und Opfer wieder ...


Meinung:

Antje Leser präsentiert mit „Luftschlösser sind schwer zu knacken“ laut Verlagsangabe eine Geschichte für Leser/innen zwischen 14 und 17 Jahren.

Mit Jonas und Nika erschafft sie zwei selbstbewusste Charaktere, deren Leben wohl niemals entspannt, sorglos oder müßig war, die sich aber dennoch nicht scheuen, Risiken einzugehen. Beide finden durch den Wohnungseinbruch zueinander. Vielleicht wäre es bei einem flüchtigen Zusammentreffen geblieben, hätte Nika nicht das Handy geklaut, auf dem Jonas selbstkomponierte Songs abgespeichert waren. Jonas bemüht das Ortungssystem seines Smartphones und nimmt die Verfolgung der Banditin auf. Immer wieder kommt es zu kurzen Zusammentreffen, diese erlauben einen Blick hinter die Fassaden. Dieser offenbart die dunklen Geheimnisse aller Beteiligten, die tief ins organisierte Verbrechen verstrickt sind.

Aus dieser Konstellation erhellt sich, was Antje Leser im Sinn hat: Eine Liebesgeschichte. Diese wird realistisch, greifbar, aber auch witzig und charmant dargestellt.

Sehr gefallen hat mir hier auch das Ende des Buches. Klug, hart und realistisch ...



Fazit:


Antje Leser hat ein Talent für realistische Milieustudien und interessante Charakterkonstellationen.

"Luftschlösser sind schwer zu knacken" ist ein Buch mit viel Tempo, Spannung und unterhaltsamen Wendungen.

Bücher aus dem Hause Magellan haben nicht selten etwas vom Öffnen einer genialen Wundertüte. Man greift hinein - und weiß bis zum Ende nie so genau, was man bekommt.

Ab der Hälfte des Buches nimmt die Geschichte auch hier eine sehr düstere Richtung. Antje Leser lässt den Leser einen Blick hinter die Kulisse werfen, in deren Abgründen es nach kleinen Schimmern von Katharsis zu suchen gilt.

Leseempfehlung!

  • Cover
  • Erzählstil
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Veröffentlicht am 29.07.2020

Eines der besten Bücher, die ich in diesem Jahr gelesen habe

Girl running, Boy falling
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Inhalt:

Reseys Alltag ist mehr durchgetaktet denn je. Sie arbeitet bei Woolworth, spielt die Hauptrolle in einem Musical und die erste Klarinette im Schulorchester. Sie liest gerne Gedichte, backt mit ...

Inhalt:

Reseys Alltag ist mehr durchgetaktet denn je. Sie arbeitet bei Woolworth, spielt die Hauptrolle in einem Musical und die erste Klarinette im Schulorchester. Sie liest gerne Gedichte, backt mit großer Kunstfertigkeit und hilft in der Mensa aus. Sie ist jemand, die alle Rollen in sich vereint. Sie ist der Footballfan, die beste Freundin und die Nichte. Doch hinter all diesen Facetten verbirgt sich eine Jugendliche, die sich nach der Aufmerksamkeit der Mutter sehnt, die sie verlassen hat.

Wenn Resey auf der Arbeit ist, dann versteht sie sich gut mit ihren Kollegen. Sie hat Freunde, die zu ihr stehen und eine Tante, die vielleicht ein wenig verrückt ist, aber alles tun würde, um Resey glücklich zu machen. Und dann gibt es da noch diesen Jungen, Wally, den Footballstar an der Schule. Der Junge, der ihr damals das Versprechen abgenommen hat, dass sie sich fortan um ihn kümmern würde.

Mit Wally ist die Welt ein wenig anders. Er ist der ewig begehrte und niemals erreichbare Footballstar, hinter dessen Fassade nur sie blicken kann. Ihr gegenüber zeigt er sich als Feingeist mit Gespür für die schönen Künste. So teilt er mit Resey seine Vorliebe für Gedichte. Und Resey verliebt sich nach und nach immer mehr in ihn.

Resey hat sich noch nie getraut aus ihrer Komfortzone auszubrechen. Spaß zu haben, etwas Verrücktes zu machen. Dann gibt es diesen einen Kuss im Schuppen und Resey glaubt, dass Wally sie auch liebt. Doch die Tage darauf meldet er sich nicht bei ihr und dann passiert das Schlimmste, was Resey sich jemals hätte vorstellen können: Tante Kath holt sie von der Schule ab und ihr Blick ist voller Mitleid und Trauer. Und dann spricht sie das aus, was Resey den Boden von einer Sekunde zur anderen unter den Füßen wegreißen wird: Wally hat sich das Leben genommen.



Meinung:

Kate Gordon hat ein wunderbares Gespür für skurrile Figuren, die einem schnell ans Herz wachsen. Resey hat eine Menge Freunde, die ihr zur Seite stehen und so ungewöhnlich wie erfrischend daherkommen.

Es gibt hier zum Beispiel Melody, ihre beste Freundin, die als bekennende Feministin versucht andere zu missionieren und die leidenschaftlich gerne ihre Mitmenschen therapiert. Es gibt Rhino, Reseys Arbeitskollegen, der ihr ständig mit Tigerwitzen in den Ohren liegt. Und Roz, die sich zu Hause den strengen Regeln ihrer Eltern unterordnen muss und nur bei ihren Freunden ein Stück weit „loslassen“ und sich entspannen kann.

Es gibt diese Bücher, zu denen „Girl running, Boy falling“ gehört, deren Brillanz eine Leseerfahrung ist, die durch eine Inhaltsangabe nicht transparent werden kann.

Kate Gordon gelingt es in „Girl running, Boy falling“ den Leser auf eine Achterbahnfahrt der Gefühle mitzunehmen. Denn die Geschichte legt, sofern es überhaupt möglich ist, ab dem großen Wendepunkt erst richtig los. Ab diesem Moment greift die Autorin das Thema Trauerbewältigung auf. Sie vermittelt dem Leser mit ihrer Geschichte, die Botschaft, dass Menschen unterschiedlich auf ein einschneidendes Ereignis reagieren können und dass das auch gut so ist. Man muss nicht diesen einen Weg gehen, der sich für viele bewährt hat, um wieder in den Alltag zurückzufinden und auf eine Weise wieder glücklich zu werden. Zugleich greift Kate Gordon in ihrem Buch das Thema Freundschaft auf. Resey begegnet in ihrem Leben unglaublich vielen tollen Menschen und jeder ist auf seine eigene Art einzigartig und besonders.

Neben Trauerbewältigung behandelt Girl running, Boy falling außerdem das Thema Depressionen. Besonders gefreut habe ich mich über die Auflistung an Hotlines und Hilfeseiten am Ende des Buches, an die sich Jugendliche mit ähnlichen Problemen wenden können.



Fazit:

„Girl running, Boy falling“ ist so vieles: Traurig, lustig, ein Umgang-mit-Trauer- und Depression Buch, vor allem aber ist es unglaublich berührend. Die Story geht ans Herz und scheint aus dem "wahren Leben" zu kommen.

All die Figuren, die Resey durch ihr Leben begleiten, sind liebevoll gestaltet und kommen mit ihren Schrulligkeiten unglaublich originell daher.

Kate Gordons Geschichte gleicht einer Achterbahnfahrt der Gefühle: Zwischen lachen, weinen und staunen.

Mich hat „Girl running, Boy falling“ auf so vielen Ebenen berührt. Diese Geschichte ist so facettenreich wie ihre Figuren. Es ist auch erstaunlich, wie viel an Erkenntniswert in dem schmalen Buch enthalten ist Dieses Buch sollte in jedem Buchregal stehen. Eines der besten Bücher, die ich in diesem Jahr gelesen habe.



Buchzitate:

Du bist immer noch ein Kind, Tiger. Du hast es nur vergessen.

Du siehst deprimiert aus. Aber keine Sorge. Wenn ich groß bin, werde ich Psychologin. Ich krieg dich schon wieder hin.

Melody isst, wie sie lebt – sie pflückt alles auseinander und untersucht die Einzelteile, dann zieht sie eine Schicht nach der anderen ab und schaut, was sich darunter verbirgt.

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