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Veröffentlicht am 24.03.2021

Spannung, die nicht bricht

Ghostwalker
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Inhalt:


Hamburg im Jahr 2047. Jonas ist einer der Besten auf seinem Gebiet. Als Ghostwalker schlägt er sich Tag für Tag durch die virtuellen Welten der Firmen. Er transportiert Datenpäckchen seiner Auftraggeber ...

Inhalt:


Hamburg im Jahr 2047. Jonas ist einer der Besten auf seinem Gebiet. Als Ghostwalker schlägt er sich Tag für Tag durch die virtuellen Welten der Firmen. Er transportiert Datenpäckchen seiner Auftraggeber von A nach B und versucht diese vor ungewollten Einblicken und Datendieben zu schützen.

Als Jonas eines Tages einen Auftrag erhält, bei dem ihm ein Salär von 100.000 Eurodollar winkt, ist er erst einmal skeptisch. Nicht nur, dass diese Summe schon viel zu hoch für einen gewöhnlichen Transport erscheint, auch ist es nicht üblich von Auftraggebern mitten auf der Straße angesprochen zu werden. Denn eigentlich ist er in der virtuellen Welt anonym unterwegs. Doch sein Gegenüber weiß nicht nur ziemlich viel über ihn, er erwähnt auch Jonas verstorbenen Vater, der für die auftraggebende Firma gearbeitet haben soll. Es ist also nicht nur das Geld, sondern auch die Neugierde, die Jonas antreibt, das Angebot anzunehmen.

Dies war ein großer Fehler, wie sich bald herausstellt. Denn bald schon hängt Jonas in der virtuellen Welt „Golem City“ mit einem Datenpaket fest, an dem unter anderem die japanische Mafia interessiert ist. Jonas muss um sein Leben fürchten und sich bald fragen, in was sein Vater zu Lebzeiten verwickelt war.



Meinung:


Nach dem Selbstmord seines Vaters musste Jonas schnell lernen, sich alleine durchzuschlagen. Die Mutter ist erst in eine Depression verfallen und hat ihn dann, ohne eine Nachricht zu hinterlassen, ebenfalls verlassen. Um nicht in die Fänge der staatlichen Obhut zu geraten, gaukelt Jonas seinem Umfeld und insbesondere der Schule vor, dass seine Mutter aufgrund psychischer Erkrankung nicht in der Lage ist, das Haus zu verlassen. Eine noch vorhandene Aufzeichnung auf dem Anrufbeantworter, ein gefälschter Brief, eine Ausrede hier und da, haben ihm bislang geholfen, diese Lüge aufrecht zu erhalten.

Um den Kühlschrank zu füllen und Rechnungen zu bezahlen, verdient sich Jonas Geld als Ghostwalker. Er transportiert für auftraggebende Firmen wichtige Datenpakete durch deren individuell gestaltete Welten.
Der neueste Auftrag kommt ihm da gerade Recht: 100.000 Eurodollar sind eine Menge Geld. Damit könnte Jonas sich seinen Traum erfüllen. Er könnte endlich das von ihm verhasste Hamburg verlassen und nach Kalifornien auswandern. Doch nicht nur der hohe Lohn, auch der Auftritt seines Auftraggebers lassen ihn stutzen. Sein Gegenüber weiß viel zu viel über Jonas Leben und gibt keinerlei Informationen preis, über das, was er in Golem City letztendlich erledigen soll. „Du wirst es dann schon sehen“, ist die dürftige Antwort, die Jonas neben einer kleinen Figur, einer begehrten Nachbildung der Protagonistin aus dem Anime „Kim Uriel“, auf seine Nachfragen erhält.

Rainer Wekwerth führt seine Geschichte Schritt für Schritt weiter, und jedem dieser Schritte folgen wir mit großer Neugierde und Spannung. Gemeinsam mit Jonas sind wir ständig auf der Flucht. Sei es in der virtuellen Welt oder auch im „analogen“ Hamburg.

Drei virtuelle Welten lernt der Leser gemeinsam mit Jonas in diesem Buch kennen. Ein Setting erinnert an Games of Throne, mittelalterliche Nordmänner verfolgen den Ghostwalker durch einen düsteren Wald. Eine liebevoll gestaltete japanische Umgebung und letztlich Golem City, eine Stadt voller Hochhäuser umgeben von einem schlammartigen Fluss, in der die Figuren aus Jonas Lieblingsanime „Kim Uriel“ beheimatet sind.

Bereits zu Beginn erfährt der Leser, dass ein Job als Ghostwalker auch Tücken mit sich bringt. Um in die virtuelle Welt einzutauchen, muss Jonas in seinen VR-Anzug schlüpfen und sich in einem speziellen Stuhl festschnallen. Wenn er sich erst einmal eingeloggt hat, dann gibt es nur noch drei Möglichkeiten die Welt des Auftraggebers zu verlassen: Entweder er erleidet virtuelle Verletzungen, solange, bis der Körper schlapp macht, was nicht selten mit Schmerzen – hierfür sorgen die 10.000 Nanomarker seines VR-Anzuges – verbunden ist. Eine weitere Option ist der Tod. Die effektivste und beste Möglichkeit jedoch, einen Ausweg aus dem Szenario zu finden, ist die Erfüllung des Auftrages. Diese drei Möglichkeiten verhindern einerseits, dass sich Datendiebe schnell einloggen und allzu leicht mit sensiblen Daten aus dem System ausloggen können. Sie sorgen jedoch im Falle von Jonas neuestem Auftrag für allerlei Komplikationen. Denn bald schon muss dieser nicht mehr nur darum bangen, dass ihm das Jugendamt auf die Schlichte kommt. Vielmehr enthält Jonas Datenpaket überaus sensible Daten, an denen unter anderem auch die japanische Mafia Interesse zeigt.



Fazit:


Mit „Ghostwalker“ präsentiert Rainer Wekwerth einen rasanten Cyberthriller, in dem technologische Fortschritte gleichermaßen euphorische Visionen wie apokalyptische Ängste erzeugen. Wekwerth stellt die im Zusammenhang mit Cyber-Utopien entstandenen Konzepte von Entstofflichung und entgrenzter Körperhülle im virtuellen Cyber-Space vom Kopf auf die Füße.

Was das Buch wertvoll macht, ist die Art und Weise, wie es mit den Themen umgeht: Die Ernsthaftigkeit, mit der künstliche Intelligenz in all ihren praktischen und philosophischen Facetten beleuchtet wird.

Wunderbar spannend und zugleich äußerst intelligent gemacht.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.03.2021

Kurzweilige Erzählung, die mit starken Charaktermomenten besticht.

Stolen 2: Verwoben in Verrat
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Inhalt:


Bastian hatte Abby geküsst und sich ungefragt an ihrer Seele bedient. Im Gegenzug hatte diese ihm allerdings seinen Seelenring gestohlen und dieser befindet sich nun in den Händen von Cross. ...

Inhalt:


Bastian hatte Abby geküsst und sich ungefragt an ihrer Seele bedient. Im Gegenzug hatte diese ihm allerdings seinen Seelenring gestohlen und dieser befindet sich nun in den Händen von Cross. Ohne den Seelenring ist Bastian nicht mehr in der Lage, das Wüten in sich unter Kontrolle zu halten. Er muss also schleunigst handeln. Doch mit seinem Seelenring war Cross so viel stärker und ihm haushoch überlegen.

Hilfe könnte Bastian vielleicht seine vormalige Liebe Skye bieten. Denn schließlich war auch sie eine Ringhüterin. Sie besitzt auch noch den Herzring. Selbst wenn Skye ihm helfen würde, so müsste Bastian auch noch ihre zwei Schwestern überzeugen. Und eine davon ist so gar nicht gut auf ihn zu sprechen.

Währenddessen hat Abby ganz andere Sorgen. Seit Bastians Übergriff liegt ihr Fokus auf ihren Gefühlen, ihrer Kontrolle, Mäßigung, Unterdrückung oder Entfachung. Sie kann nicht leugnen, dass sie sich immer noch zu beiden Brüdern hingezogen fühlt.



Meinung:


Auch im zweiten Band der Stolen-Reihe bildet die Ménage-à-trois zwischen den beiden Tremblay-Brüdern, Bastian und Tristan, sowie Abby den Mittelpunkt der Handlung.

Abby sticht zwischen ihren Mitschülern hervor. Denn ihre Weben tragen nicht die „normalen Farben“. Ihre Seele ist von einer absoluten Schwärze umgeben. Etwas, wonach sich beide Brüder sehnen. Abbys Weben sind unglaublich stark. Und während Bastian durch den Ring in der Lage war, die Kraft neu in sich aufgenommener Weben zu kontrollieren, verhielt es sich bei Tristan anders. Doch nun ist Bastian ohne Ring und hat Abby zudem mit seinem ungebetenen Übergriff auf ihre Seele stark enttäuscht.

Während Bastian sich ohne Ring kaum noch in der Lage sieht, das Beben in sich zu kontrollieren, und allein Abbys Nähe ihn dazu bringen könnte, sich erneut an ihrer Seele zu bedienen, gelingt es Tristan sich weitestgehend zu beherrschen.

Beide Jungen umwerben Abby und beide werden im Verlauf der Geschichte nicht müde zu betonen, wie schwierig es ihnen fällt, nicht erneut von ihrer Seele zu kosten. Auch Abby kann sich nur schwer entscheiden, welchen der Tremblay-Brüder sie favorisiert. Bastian hat sie enttäuscht und Tristan ist stets an ihrer Seite. Tristan verhält sich allerdings wie ein absoluter Draufgänger, Bastian hingegen erscheint durchdachter.

Neben der Frage, für wen sich Abby letztlich entscheiden wird, widmet sich die Geschichte der Jagd nach dem Seelenring. Spannung will sich dabei durchaus einstellen, zumal die Figuren nicht nur ihre Queste bewältigen, sondern auch noch ihre Dreiecksbeziehung auflösen müssen.

Auch bekommt der Leser weitere Informationen über die Ringträger und ihre Ringe sowie deren Geschichte geliefert.



Fazit:

Auch die Fortsetzung von Stolen legt wieder den Fokus auf die Tremblay-Brüdern und Abby, dem Mädchen mit den schwarzen Weben. Als Leser kommt man den Figuren so nah, dass sich aus der Ménage-à-trois schließlich vermutlich eine Ménage-à-quatre entwickelt.

Der Fokus richtet sich auf die Charaktere, die ihr Herz ausschütten. Das launige Zusammenspiel der Figuren trägt zum Unterhaltungswert des Buches bei, bremst aber die Handlung aus.

Diese Buch funktioniert allerdings trotzdem gut, weil dem Leser die involvierten Figuren doch auf irgendeiner Art und Weise mittlerweile am Herzen liegen und wir uns gut in ihre Lage hineinversetzen können.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 11.03.2021

Science fiction vom Feinsten

Aurora erwacht
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Inhalt:


Hätte Tyler doch nur den Notruf ignoriert, der ihn auf das manövrierunfähige Raumschiff geführt hatte. Dort fand er sich zwischen herumschwirrenden Kyrokapseln, in denen Leichen kryanischer Eingefrorener ...

Inhalt:


Hätte Tyler doch nur den Notruf ignoriert, der ihn auf das manövrierunfähige Raumschiff geführt hatte. Dort fand er sich zwischen herumschwirrenden Kyrokapseln, in denen Leichen kryanischer Eingefrorener verborgen waren, wieder. Dumm vor allem, da der Nachwuchsoffizier unter erheblichen Terminstress leidet und droht, die “Auslese“ zu verpassen. Bei dieser handelt es sich um einen Draft, bei dem Tyler gerne die besten Pics für sein Team gemacht hätte. Eine Überlebende auf dem Schiff zurückzulassen, ist für ihn dennoch keine Option. Also wird er sich für sein Team aus den Übriggebliebenen bedienen müssen.

Der erste Auftrag an das neu zusammengestellte Team lautet medizinische Hilfsgüter und Ausrüstung an geflüchtete Syldrathi auszuliefern. Eine Aufgabe, die selbst für Tylers Team machbar erscheint. Doch womit keiner gerechnet hatte, ist der blinde Passagier, der sich ebenfalls an Board der Longbow befindet und der innerhalb kürzester Zeit für weitere ungeahnte Verwicklungen sorgen wird. Denn irgendwer scheint es auf diesen ungebetenen Reisegast abgesehen zu haben und schon bald muss Tylers Team gemeinsam eine folgenschwere Entscheidung treffen.



Meinung:


Was am Ende des Tages übrig bleibt...

Kalis, ein Syldrathi, neigt zu oft unprovozierten, spontanen Aggressionen. Man kann das aggressive Verhalten aber auch unter notwendigem taktischen Vorgehen verbuchen. Ein klassisches Krieger-Modell.

Scarlett, Tylers Schwester, ist als Diplomatin klasse. Wenn Kommunikation und emotionale Intelligenz gefragt sind, ist sie die erste Wahl.

Zila, die Wissenschaftlerin im Team, redet kaum, bleibt in wirklich jeder Krisensituation ruhig und scheint nichts und niemanden zu fürchten.

Cool, cooler, Cat, die Pilotin. Fliegen oder schießen zu können ist das eine, aber auch noch in jeder Situation einen coolen Spruch auf Lager zu haben, das ist eine Kunst.

Finian ist in seiner Rolle als Techniker ebenfalls stets unterhaltsam. Er leidet unter Nervenschäden sowie Muskelschwäche und ist daher für Tyler übriggeblieben. Das künstliche Exoskelett, dass er trägt, hilft ihm allerdings dabei, alltägliche Probleme ohne fremde Hilfe erledigen zu können.

Als ich hörte, dass ein neues Buch von Amie Kaufman und Jay Kristoff erscheinen würde, war für mich klar, dass ich es würde lesen müssen. Ich hatte Hoffnungen, ja Erwartungen, die nicht enttäuscht wurden. Der Reihenauftakt ist rasant, fesselnd und packend erzählt, wie dies eben ein Buch dieses Duos zu sein hat.

Was Tylers Team nicht fehlt, ist Diversität. Er versucht den versammelten Individualisten zu vermitteln, dass Gemeinwohl nicht ohne Gemeinsinn zu erreichen ist.

Während Tyler also versucht, Ordnung in seine chaotische Gruppe zu bringen, beschäftigen Aurora, die einzige Überlebende der Hadfield, ganz andere Sorgen. Nicht nur, dass sie auf einen Schlag all die Personen verloren hat, die ihr im Leben wichtig waren. Sie ist im besten Wortsinn aus der Zeit gefallen. Nach der aktuellen Zeitrechnung wäre sie 237 Jahre alt. Schon bald aber wird sie die Handlung tragen.

Bei Amie Kaufman und Jay Kristoff gibt es selten vorhersehbaren Pointen. Basierend auf cool unangepassten Heldinnen, die sich knallharte Dialoge liefern, wird die Handlung wieder rasant vorangetrieben. Nie passiert den Autoren Coolnesskitsch. Die Momente von Auflehnung, Ausbruch und Selbstbehauptung, die ihre Heldinnen haben, sind davon frei. Die Figuren durchschauen so etwas, auf einer Höhe mit den Autoren.



Fazit:

Science fiction vom Feinsten.

Wenn man mich ab heute bittet, ein Beispiel für ein erfolgreiches Team zu nennen, wird mir nunmehr sofort Tylers Squad in den Sinn kommen. Aus Einzelgängern werden über die Seiten Teamplayer, die sich auf ein gemeinsames Ziel ausrichten. Dieses gemeinsame Ziel wird für die Figuren zunehmend zu einer Trennwand. Dahinter ist alles versteckt, was sie vorher aufgehalten und isoliert hat. Jede Figur hat Schwächen. Schwächen, die im Team plötzlich zu Stärken werden.

Aurora erwacht hat also ein interessantes Milieu und einen raffinierten Plot, auch fehlt es den Autoren, für Fans sicherlich nicht überraschend, nicht an sprachlicher Finesse. Der Zufall ist kaum ein Faktor in diesem Roman. Der Plot ist vielmehr komplex, durchdacht und sauber konstruiert.

Das Ganze ist zwar intelligent anlegt, erfüllt aber zugleich die wichtigste Regel des Sciencefictiongenres, nämlich kurzweilig zu sein. Das Buch ist daher eine absolute Empfehlung.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 07.03.2021

Horizonterweiternde Lektüre die ans Herz geht

Zwischen uns tausend Bilder
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Inhalt:

Seit ihre Mutter verstorben ist, hat sich in Sannas Leben einiges geändert. Ihr Vater blickt nur noch durch sie hindurch. Niemand unterstützt sie bei den Herausforderungen der Alltagsbewältigung. ...

Inhalt:

Seit ihre Mutter verstorben ist, hat sich in Sannas Leben einiges geändert. Ihr Vater blickt nur noch durch sie hindurch. Niemand unterstützt sie bei den Herausforderungen der Alltagsbewältigung. Kochen, Wäsche waschen, Aufräumen, all das bleibt an ihr hängen. Einzig das Schreiben scheint Sannas Vater noch etwas zu bedeuten. Das und die Musik, die er damals mit der Mutter gemeinsam gehört hat.

Durch einen Zufall findet Sanna im Kleiderschrank ihrer Mutter ein Geschenk, dass diese kurz vor ihrem Tod für ihre Tochter gekauft hatte. Es handelt sich um eine Kamera mit Objektiv, daneben ein Zettel mit Glückwünschen darauf. Ein sehr persönliches Geschenk, denn Sannas Mutter wollte damit ihre eigene Leidenschaft für das Fotografieren direkt an die Tochter weitergeben. Schon damals war ihr Rat an Sanna: Du darfst nie vergessen, die Schönheit der Welt zu sehen.

Sanna macht sich die Worte ihrer Mutter zu eigen. Doch hat sie keinerlei Ahnung, was und wie sie fotografieren soll. Hilfe findet sie ausgerechnet bei dem neuen Jungen in der Schule. Yousef sieht nicht nur unglaublich gut aus, er findet auch sofort Anschluss und er hat ein unschlagbares Instagramprofil. Seine Bilder erzählen Geschichten und er möchte Sanna unbedingt helfen.



Meinung:

Neda Alaei schreibt mit „Zwischen uns tausend Bilder“ eine unglaublich intensive und zugleich berührende Geschichte über ein junges Mädchen, das früh gelernt hat, für sich und ihren Vater zu sorgen. Dessen Stimmung kann innerhalb einer Sekunde umschlagen und kein Fixpunkt in ihrem Leben sein.

Tag für Tag muss Sanna funktionieren und den Laden am Laufen halten. Doch all das macht sie gerne. Sie tut alles, um ihrem Vater zu helfen, dem großen Schwarzen Loch zu entkommen.

In der Schule läuft es mehr schlecht als recht. Die beste Freundin Mie hat sich abgewandt und hängt nun mit der coolen Mitra rum. Mitra ist der beliebte lokale Social-Media-Star. So nimmt es kein Wunder, dass ihr Bild auch ziemlich schnell im Instragramprofil von Yousef, dem neuen Jungen in der Klasse, auftaucht. Immer wieder checkt Sanna vergebens ihre Socialmediakanäle. Sie bleibt unerkannt.

Ziemlich schnell erkennt der Leser die Anziehungskraft, die Yousef auf Sanna ausübt. Nicht nur, dass ihn vom ersten Tag an alle mögen, er kleidet sich ziemlich cool und er macht einzigartige Fotos. Als Sanna das Päckchen im Kleiderschrank entdeckt, findet sie einen Zugang zu ihrer verstorbenen Mutter. Die Fotografie war ihre Leidenschaft und auch Sanna möchte sich so gerne in diesem Hobby verlieren.

Yousef spricht Sanna an, er könne ihr helfen. Er fragt nicht wie viele andere in der Klasse, was Sanna beschäftigt, was sie bewegt. Er nimmt das Mädchen an, wie sie ist, schätzt sie um ihrer selbst willen und ob des gemeinsamen Hobbys.

Doch auch andere Menschen in Sannas Leben meinen es gut mit dem Mädchen. Beispielsweise die Lehrerin Trine mit den Grübchen und dem schönen Lächeln.

Und dann gibt es da noch den Kater Sven von nebenan. Sanna hätte so gerne eine Katze, doch bei ihrem Vater stößt sie mit diesem Wunsch auf taube Ohren. Anhand des Zusammenspiels von Sven und Sanna merkt man einmal mehr, dass Sanna sich nach jemandem sehnt, mit dem sie reden kann, der für sie da ist. Jemand, der keinerlei Probleme mit sich bringt und ihr Zuneigung schenkt.

Auch mit Yousef findet Sanna das Leben im Hier und Jetzt. Eines Tages bringt Yousef eine Einwegkamera mit. Ein Spiel beginnt. Immer abwechselnd darf jemand ein Stück seines Alltags darauf festhalten. Jedes Bild ist auf seine Art besonders. Yousef bringt Sanna bei, Bilder für sich sprechen zu lassen.



Fazit:

„Zwischen uns tausend Bilder“ ist eine poetische Verdichtung der Wirklichkeit.

Die Autorin zeigt mit viel Einfühlung auf, welch großen Schock der Tod der Mutter bei Sanna und ihrem Vater auslöst. Ersterer hat das Schicksal die Kindheit gestohlen und die Jugend geraubt.

Sanna muss Verantwortung übernehmen: Für sich und ihren Vater, der immer mehr die Kontrolle über sein Leben verliert.

Neda Alaei lässt Worte fließen und hinterlässt damit beim Leser unglaublich intensive Bilder. Sie zeigt, dass das Leben selbst in schwierigen Stunden lebenswert sein kann. Achtsamkeit kann helfen, den Blick auf die Welt zu ändern. Das Buch bringt Fotografie und Achtsamkeit in Verbindung. Beide animieren einen dazu, neugierig zu sein und eine andere Sichtweise einzunehmen.

Gerade die Vielfalt der Perspektiven macht dieses Buch zu einer horizonterweiternden Lektüre und gibt Lesern neben vielen Antworten vor allem das Rüstzeug mit auf den Weg, sich schwierigen Lebenslagen zu stellen. Von mir gibt es eine Leseempfehlung.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
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Veröffentlicht am 03.03.2021

Innovative Fantasy ohne Längen

Das Reich der Schatten, Band 1: Her Wish So Dark
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Inhalt:

Laire hat es sich zum Lebensziel gemacht, ihren Verlobten Desmond aus den Fängen des Daemalords zu befreien. Eile ist geboten, denn die Zeit im Reich des Lords verändert ihn. Fortschreitende Entmenschlichung ...

Inhalt:

Laire hat es sich zum Lebensziel gemacht, ihren Verlobten Desmond aus den Fängen des Daemalords zu befreien. Eile ist geboten, denn die Zeit im Reich des Lords verändert ihn. Fortschreitende Entmenschlichung droht, ihn zu einem fürchterlichen Wesen, einem Daema, zu verwandeln. Doch die Reise ins Reich der Schatten ist alles andere als einfach. Alleine die Grenze zum Daemareich zu überschreiten, gelingt nur den wenigsten. Dort herrscht düsterste Magie. Illusionen und Wesen, die einem innerhalb kürzester Zeit das Leben nehmen können, lassen jeden schnell realisieren, wie lebensgefährlich ein Aufenthalt ist.

Man könnte meinen, dass das plötzliche Auftauchen von Alaric ein wahres Geschenk darstellt. Alaric erscheint wie aus dem Nichts und bietet Laire und ihren Gefährten, ihrer treuen und besten Freundin Vika und derem ehemaligen Leibwächter, einem ausgebildeten Paladin, Jero, an, ihnen einen schnellen Weg ins Daemareich zu zeigen. Diese Hilfe können Laire und ihre Freunde gut gebrauchen, denn eine weitere Gruppe ist ihnen voraus. Ist das Tor erst mal durchschritten, so schließt es sich und ist für längere Zeit nicht mehr passierbar.

Laire würde lieber einen Kessel voll Teer trinken, als Alarics Hilfe anzunehmen. Denn beide verbindet eine gemeinsame Vergangenheit, die die junge Frau hinter sich lassen möchte. Es gab diesen wundervollen Sommer, diese gemeinsame Zeit. Doch dann, ohne jeden ersichtlichen Grund, hat Alaric Laire nicht nur verraten, sondern auf übelste Weise gedemütigt.

Auch Alaric läuft nicht einfach unmotiviert ins Leere. Er hat einen Grund, warum er unbedingt ins Daemareich muss. Er muss seine Schwester wiedersehen, die sich seit Jahren nicht aus den Fängen des Lords lösen kann. Zehn Mal muss er sein Leben opfern, dann bekommt er diese zurück. Nun hat er seine letzte Aufgabe vor der Brust. Und um diese zu erfüllen, muss er ins Schattenreich. Koste es, was es wolle.



Meinung:

Fans von „One True Queen“ freuen sich vielleicht darüber, dass auch „Her Wish so Dark“ erneut auf dem Kontinent spielt, dem auch das Land Lyaske angehört. Dieses Mal legt die Autorin ihr Augenmerk auf Nemija. Einen Ort, der seit jeher vom Lord der Schatten heimgesucht wird. Es kostet nur einen ausgesprochenen Fluch und schon verschwindet ein Mensch im Daemareich. Von hier wieder fortzukommen, scheint unmöglich. Ausgebildete Paladine werden gelegentlich in dieses Reich geschickt, um Verfluchte wieder freizubekommen. Doch die meisten kehren nie wieder zurück.

Der Leser bekommt die Geschichte aus der Perspektive von Laire, einer jungen Frau, die ein großes Geheimnis mit sich trägt, erzählt. Sie kann Magie erspüren. Eine Fähigkeit, die kriminalisiert wird und die Laire seit ihrer Kindheit geheimzuhalten versucht.

Laire hat es nicht einfach, denn ihre Mutter ist schwer erkrankt. Einst war diese die Frau des Fürsten. Doch als dieser einen Betrug witterte, verbannte er sie ins Exil. Laire, die fortan als Bastard verrufen war, folgte ihrer Mutter.

Das Schicksal meinte es aber gut mit Laire: Sie lernte den Sohn und Erben des obersten Ministers kennen, Desmond. Die beiden verbindet mehr als eine Vernunft- und Versorgungsehe. Es sind echte Gefühle im falschen Leben.

Als Desmond vom Daemalord in sein Reich entführt wird, bricht für Laire eine Welt zusammen. Sie würde alles tun, um ihn zu befreien. Gut, dass sie auf ihrem Weg Hilfe bekommt: Ihre beste Freundin Vika, eine quirrlige und treue Gefährtin und deren ehemaligen Leibwächter, den Paladin Jero mit seinem robusten Pferd, das ihn durch jede schwierige Situation begleitet. Dumm nur, dass der Erfolg der Mission ausgerechnet von Alaric abhängt.

„Das Reich der Schatten – Her Wish So Dark“ zeichnet sich durch eine grandios durchdachte Konzeption aus, die sich auch in den meist ausgezeichnet ausgearbeiteten Figuren niederschlägt.
Gerade zwischen Alaric und Laire gibt es allerhand Geheimnisse und mannigfaltige Gefühle. Doch auch Jero ist ein interessanter Charakter. Er weiß durch seine Ausbildung viel über das Reich des Daemalords und verrät nur das Nötigste. Er ist ein guter Kämpfer und hat ebenfalls ein paar Geheimnisse. So stellt sich zum Beispiel früh die Frage, warum er von seiner ehemaligen Hand (eine feste Gruppe an Paladinen, die sich ewige Treue geschworen haben) ausgestoßen wurde. So etwas gab es bislang noch nie. Und dann gibt es da noch Vika, die beste Freundin von Laire, die dieser treu zur Seite steht. Die beiden Freundinnen wissen fast alles übereinander und kennen sich seit Kindheitstagen. Doch einige Dinge hat Laire selbst vor Vika geheimgehalten. Z.B. die Geschichte rund um Alaric. Sollte Vika von dessen Verrat erfahren, so ist sich Laire sicher, würde sie „den Abtrünnigen“ eigenhändig umbringen und zwar auf die qualvolle Art.

Um noch einmal auf das Worldbuilding zurückzukommen. Leser von One True Queen kennen das Setting bereits. Eine magische Welt, in der alles auf den ersten Blick schön erscheint. Doch kaum hat man sich ein wenig zurechtgefunden, lauert an jeder Ecke die Magie und mit ihr die Gefahr. In Nemija ist Magie strengstens verboten und dennoch gibt es sie. Gelangt man in das Herrschaftsgebiet des Daemalords, verhält sich die Magie frei und zügellos. Sie ist düster und gefährlich und steckt voller Illusionen.



Fazit:

„Das Reich der Schatten - Her Wish so Dark“ ist der Auftakt einer neuen Reihe der Autorin Jennifer Benkau. Diese Geschichte spielt zwar auf dem gleichen Kontinent wie „One True Queen“, kann jedoch unabhängig hiervon gelesen werden.

Erneut zeigt die Autorin, wie innovative Fantasy aussieht – und das ohne Längen.

Es ist fast schon ein kleines Phänomen: „Das Reich der Schatten - Her Wish so Dark“ baut einfach auf keiner Seite ab. Die Geschichte ist nicht nur konstant gut, sie wird von Seite zu Seite – bis zum grandiosen Finale hin - auch noch besser.

Das Buch hat zunächst eine fantastische Dynamik. Jennifer Benkau ist eine großartige Autorin, die die verschiedenen Stränge ihrer Geschichte meisterhaft kombiniert und ein großes Figurenensemble, in der jeder mit jedem harmoniert und jede Charakterkombination ihren eigenen, speziellen Charme hat, präsentiert.

Man kann getrost davon ausgehen, dass Jennifer Benkau schon bald mehr als ein Geheimtipp sein wird.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere