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Veröffentlicht am 18.11.2020

Emotional und stark

Trümmermädchen – Annas Traum vom Glück
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Inhaltsangabe:

Inmitten des zweiten Weltkrieges wächst Anna bei ihrem Onkel Matthias und ihrer Tante Marie auf, einem Bäckerehepaar.
Als erst Matthias eingezogen wird und dann Köln durch Luftangriffe ...

Inhaltsangabe:

Inmitten des zweiten Weltkrieges wächst Anna bei ihrem Onkel Matthias und ihrer Tante Marie auf, einem Bäckerehepaar.
Als erst Matthias eingezogen wird und dann Köln durch Luftangriffe massiv zerstört wird, rücken die beiden Hinterbliebenen noch enger zusammen und werden dabei von Joseph unterstützt, einem Zwangsarbeiter aus Polen, der ihnen ein guter Freund wird.
Angetrieben durch ihren eisernen Willen, ihre Nichte Anna und ihren in einer Bombennacht geborenen kleinen Sohn durchzubringen, verliert sie nicht die Hoffnung, dass ihr Liebster eines Tages zu ihnen zurückkehrt. Gemeinsam mit ihrer Nichte sagt sie sich, die Bäckerei eines Tages wieder aufzubauen.


Meine Meinung:

Ich war von der ersten Sekunde an, in der ich die ersten Worte der Leseprobe von Lilly Bernsteins Roman "Trümmermädchen - Annas Traum vom Glück" laß, gefesselt von Anna, ihrer Familie und deren Geschichte.
Ich fühlte mich direkt in dieser kleinen und liebenswerten Familie willkommen, Lilly Bernstein schreibt von Beginn an so gekonnt, dass man als Leser mittendrin ist. Ich hatte beim Lesen den Geruch vom frischgebackenen Brot in der Nase und kannte die Bäckerei und ihre Räume, als würde ich Anna regelmäßig besuchen.
Diese sehr schwunghafte und kunstvolle Sprache hat mir sehr gefallen, da ich selbst auch so schreibe. So war es schon fast etwas persönliches dieses Buch zu Lesen.
Allgemein passte der Schreibstil auch sehr gut zur Geschichte.
Diese wird abwechselnd aus der Sicht von Anna, 1946 16 Jahre alt, und Marie erzählt. So wird die Geschichte aus den verschiedenen Gefühlsfäden der beiden Charaktere gesponnen, ergänzt durch weitere Charaktere.
Bernstein schafft es auch so geschickt zu schreiben, dass die Textpassagen der zunächst etwa 10-jährige Anna zwar ermöglichen, uns als Leser in das Mädchen hineinzuversetzen, dabei jedoch nicht kindlich wirken. Bernstein hat also die Balance zwischen der Gedanken- und Handlungswelt der Charaktere und dem Adressaten gefunden, so dass das Buch, meiner Meinung nach, sowohl für Jugendliche zum Lesen geeignet ist, als auch für junge und ältere Erwachsene.
Allgemein sind der Autorin die Charaktere wunderbar gelungen, besonders Marie ist mir sofort ans Herz gewachsen!
Das einzige, was mir persönlich aufgefallen war, ist dass inhaltlich ein ziemlicher Sprung von 1942 zu 1946 gemacht wird. Dieser Sprung hatte mich kurz verwirrt. Eben wurde Köln noch im Bombenhagel zerstört und im nächsten Moment ist der Krieg schon knapp ein Jahr vorbei. Und der kleiner Karl ist schon vier Jahre alt.
Ich brauchte kurz, um mich in die neue Situation hineinzufinden.
Im Nachhinein kann ich aber verstehen, warum Lilly Bernstein sich für diesen Zeitsprung entschieden hat und so war er nun doch für mich passend an der Stelle.
Abschließend möchte ich aber noch eine Sache hervorheben: Bernstein hat Fachbegriffe so geschickt in ihre Geschichte eingebaut und wenn nötig innerhalb der Geschichte erklärt, dass man sie auch ohne Vorwissen verstehen konnte.

Mein Fazit:

Dieses Buch ist eine Perle der Romane, die von großen Krisen schreiben und Charakteren, die die Hoffnung nicht aufgeben, weil sie an dem Wertvollsten, was sie haben, festhalten: Einander.
Gerade in so schwierigen Zeiten, wie wir sie gerade erleben, ein Roman, der besonders berührt und einem, durch die starken Charaktere, Kraft und Hoffnung schenkt.
Bildhaft und emotional.
Alles in allem schenkt dieses Buch einem wunderbare Lesestunden.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere