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Veröffentlicht am 22.05.2018

Stadt ohne Gott

Stadt ohne Gott
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In Beirut treffen vier ganz unterschiedliche junge Erwachsene aufeinander. Die Berlinerin Rosie ist eigentlich auf der Suche nach ihrem verschollenen Freund als die Liebe sie findet. Daoud entkommt seiner ...

In Beirut treffen vier ganz unterschiedliche junge Erwachsene aufeinander. Die Berlinerin Rosie ist eigentlich auf der Suche nach ihrem verschollenen Freund als die Liebe sie findet. Daoud entkommt seiner Familie, aber nicht seiner Erziehung. Rafik plant eine große Karriere in der Modebranche, findet aber gar keinen rechten Einstieg.

Auf zwei Zeitebenen bringt uns der Autor das Geschehen um Rosie, Daoud, Rafik und den anderen näher. Also versucht er, ich habe bis zum Schluss zu keinem der Figuren irgendeine Art von Beziehung aufgebaut. Alle wirken unnahbar und je weiter ich las, desto mehr waren sie mir irgendwann egal. Sicherlich nicht die vom Autor gewünschte Wirkung ; ) Jeder von ihnen kämpft um sein persönliches Stückchen Glück, jeder schwelgt in Erinnerungen, keiner von ihnen weiß so recht wohin mit sich. Dieses Hin und Her ohne rechtes Vorwärtskommen fand ich bald sehr ermüdend, die Figuren (naja, der Autor somit) macht es einem sehr schwer alle Intentionen zu verstehen. Die Handlung selbst verschwindet fast unter diesem Berg von Gefühlen und Gedanken undundund, sodass mir als Leser ein bisschen der rote Leitfaden und damit Sinn und Zweck des Ganzen abhanden gekommen ist. Die immer mal wieder aufflackernden Kämpfe rund um Beirut, sowie die Darstellung des Alltags unter diesen Bedingungen selbst, sind dem Autor hingegen gut gelungen. Dadurch und auch durch die sprachliche Gestaltung war ich dann doch wieder ein bisschen mit „Stadt ohne Gott“ versöhnt. Unterm Strich reicht das aber nicht aus, um viele Fragezeichen und das Gefühl zu vertreiben, dass der Autor diesen Roman sicherlich zielgenau für irgendjemanden geschrieben hat. Nur halt nicht für mich.

Veröffentlicht am 21.05.2018

Für neugierige Macher

Puff! Platsch! Peng! Mit 52 Experimenten durch das Jahr
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Von Klassikern wie der Kartoffelbatterie über kulinarische Experimente (wie macht man eigentlich Quark?) bis hin zur eigenen Minibiosphäre: in diesem Buch findet man für jeden Geschmack und jede Wetterlage ...

Von Klassikern wie der Kartoffelbatterie über kulinarische Experimente (wie macht man eigentlich Quark?) bis hin zur eigenen Minibiosphäre: in diesem Buch findet man für jeden Geschmack und jede Wetterlage einen spannenden Versuch. Diese sind kindgerecht erklärt, meist gut bebildert und liefern zusätzlich immer noch ein bisschen Wissen für obendrauf. Versuche, bei denen sicherheitshalber ein Erwachsener helfen sollte, sind entsprechend gekennzeichnet, es gibt jedoch auch genug Experimente, mit denen man Kinder guten Gewissens alleine werkeln lassen kann. Die Aufmachung kommt bunt und quietschig daher, mir hat der Stil der Figuren leider überhaupt nicht gefallen (ich glaube als Kind hätte ich sie auch nicht gemocht). Da es sich immer um Illustrationen im Comicstil handelt, sind manche Schritte auf den Bildern nicht ganz gut zu erkennen, da bin ich mir nicht sicher, ob jedes Kind sofort versteht was gemeint ist.
Unterm Strich fand ich das Buch recht gelungen, die Experimente machen Spaß und sorgen ganz spielerisch für einen Wissensgewinn, auch wenn an manchen Stellen noch etwas Verbesserungsbedarf vorhanden ist.

Veröffentlicht am 13.05.2018

Ewiges Eis?

Das Eis
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Bei einer spektakulären Gletscherkalbung in Spitzbergen wird plötzlich die Leiche des seit Jahren vermissten Umweltschützers Tom Harding frei. Sein alter Freund Sean Cawson war dabei als Tom den Tod bei ...

Bei einer spektakulären Gletscherkalbung in Spitzbergen wird plötzlich die Leiche des seit Jahren vermissten Umweltschützers Tom Harding frei. Sein alter Freund Sean Cawson war dabei als Tom den Tod bei einer gemeinsamen Besichtigung einer Eishöhle fand. Nun werden alte Wunden wieder aufgerissen und langsam tritt die Wahrheit ans Licht.

Ich hatte von der Autorin bereits „Die Bienen“ gelesen und hier wie da stellt sich bei mir dasselbe Fazit ein: tolle Grundidee, sehr gut recherchiert, spannende Fakten… und trotzdem springt bei mir der Funke einfach nicht über. Aber der Reihe nach. Die Grundthematik von ewigem Eis unter dem Einfluss des Klimawandels fand ich sehr interessant. Die Autorin hat wirklich informative und anschauliche Fakten zusammengetragen und verknüpft diese hervorragend mit der fiktiven Geschichte. Das Thema Umweltschutz nimmt somit ebenfalls viel Raum ein, jedoch ohne belehrend zu wirken. Ebenfalls sehr spannend fand ich Auszüge aus Forschungs- und Reiseberichten vergangener Tage, die die Autorin zwischen den Kapiteln wiedergibt. Bei der fiktiven Handlung rund um Tom und Sean hat mir dann doch ein bisschen was gefehlt, hier zu verworren erzählt, da zu langatmig geraten. Erst in der zweiten Hälfte wurde das etwas besser, das konnte für mich das Ruder aber nicht mehr endgültig herumreißen. Viele der Nebenfiguren fand ich etwas blass und unklar, oft werden sie auf eine Eigenschaft reduziert und zeigen wenig Entwicklungspotential. Die Beschreibungen der arktischen Landschaft sind der Autorin da viel besser gelungen, schon auf den ersten Seiten des Buches spürt man die beißende Kälte und wird von glitzernden Eisbergen beeindruckt. Auch sonst hat mir der Erzählstil recht gut gefallen, auch wenn dieser die z.T. langatmige Handlung nicht immer aufzupeppen vermag. Insgesamt also ein eher etwas durchwachsener Roman, der aber durchaus mit starken Momenten zu punkten vermag.

Veröffentlicht am 07.05.2018

Vom Professor zum Ermittler

Corpus (Ein Thomas-Wilde-Roman 1)
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1936 hält Europa den Atem an: in Spanien tobt ein Bürgerkrieg, in Deutschland regieren die Nazis mit harter Hand, und in England sieht man sich ebenfalls in einer Krise, will doch der König allen Ernstes ...

1936 hält Europa den Atem an: in Spanien tobt ein Bürgerkrieg, in Deutschland regieren die Nazis mit harter Hand, und in England sieht man sich ebenfalls in einer Krise, will doch der König allen Ernstes eine Geschiedene ehelichen. In Cambridge wird das Leben des Geschichtsprofessor Thomas Wilde ebenfalls erschüttert; Nancy, eine alte Freundin seiner geschätzten Nachbarin Lydia wird tot aufgefunden. Was auf den ersten Blick wie ein Selbstmord durch eine Überdosis aussieht, sorgt bald bei Lydia und Thomas für Zweifel.

Ich hatte von Rory Clements bisher noch nichts gelesen (sollte ich dringend nachholen), der Klappentext von Corpus hat mich jedoch sofort angesprochen. Enttäuscht wurde ich nicht. Corpus ist ein sehr lesenswerter Historien-/Polit-/Spionagethriller, der mich schon nach den nächsten Bänden schielen lässt. Thomas und Lydia sind ein interessantes Paar. Er, Amerikaner an einer britischen Eliteuni, verwitwet und mit seinem Außenseiterlos mittelmäßig zufrieden. Sie, Herausgeberin von Lyrikbänden, Single und ein unangepasster Freigeist. Ich mochte beide sofort und bin ihnen gerne durch die Geschichte gefolgt. Die entwickelt sich sehr spannend, sowohl die historischen Entwicklungen als auch die fiktiven sind mehr als brisant. Der Autor versteht es ganz hervorragend, diese zu verknüpfen und eine fesselnde Geschichte zu stricken. Der Schreibstil ist locker und flüssig, sodass manch trockener politischer Hintergrund trotzdem sehr gut zu lesen ist.
Corpus hat mir ausnehmend gut gefallen, ein spannender Politithriller, der mich an den Seiten hat kleben lassen.

Veröffentlicht am 05.05.2018

Nette Geschichte mit ernstem Hintergrund

Liebe und der erste Blick
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Will ist von Geburt an blind und hat sein bisheriges Leben v.a. in einem Internat für Blinde verbracht. Jetzt will er endlich ein „normales“ Leben führen und geht auf eine öffentliche Schule. Doch direkt ...

Will ist von Geburt an blind und hat sein bisheriges Leben v.a. in einem Internat für Blinde verbracht. Jetzt will er endlich ein „normales“ Leben führen und geht auf eine öffentliche Schule. Doch direkt an Tag eins tappt er unbeabsichtigt in ein Fettnäpfchen und beschämt seine Mitschülerin Cecily. Trotz allem werden die beiden dicke Freunde. Als Will jedoch die Chance erhält, sein Augenlicht durch eine experimentelle OP zu erlangen, ändert sich plötzlich alles.

Ich bin eigentlich kein großer Jugendbuchleser und nur zufällig an dieses Buch geraten. Umso erstaunter war ich dann, dass mir die Geschichte recht gut gefallen hat. Eine kurzweilige Geschichte über einen sehr sympathischen Teenie, der als humorvoller Ich-Erzähler fungiert. Will mochte ich wirklich gerne, aber auch seine Freunde und speziell Cecily haben mir gut gefallen. Der Autor vermittelt auf sehr lockere Art erstaunlich viel Wissen zum Thema Sehen, Alltag als Blinder, operative Möglichkeiten etc. Die Handlung selbst ist etwas einfach gestrickt, hat aber trotzdem einige Highlights. Gerade Cecilys Art mit Will Behinderung umzugehen, hat mir sehr imponiert. Sie versucht ihm Kunst und Fotografie nahe zu bringen, erklärt ihm vieles auf derart einfache aber geniale Art, dass ich mir durchaus vorstellen kann, dass das für einen Sehbehinderten hilfreich ist. Manches ist sicherlich vereinfacht oder auch nicht ganz realistisch (warum ist Cecily beispielsweise der erste Mensch in 16 Jahren, der Will all das erklärt?), aber das war relativ gut zu verschmerzen. Der „dramatische“ Höhepunkt war mir etwas zu überzogen, passt aber für das Genre ganz gut. Insgesamt eine nette Geschichte, die unerwartet viel Tiefgang hat und mich gut unterhalten hat.