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Veröffentlicht am 26.08.2025

Auftakt der „Fühlen“-Reihe

Fühlen-Reihe / Nicht hören! Fühlen!
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In diesem Buch folgen wir der jungen Soley, die aufgrund ihrer Gehörlosigkeit oft Mobbing und Ausgrenzung erlebt hat. Sie trifft auf Damian, einen Jungen, für den Eroberungen bisher nur Striche auf einer ...

In diesem Buch folgen wir der jungen Soley, die aufgrund ihrer Gehörlosigkeit oft Mobbing und Ausgrenzung erlebt hat. Sie trifft auf Damian, einen Jungen, für den Eroberungen bisher nur Striche auf einer Liste sind. Durch einen Vorfall am ersten Schultag gerät Soley ins Visier von Michael, dem Anführer von Damians Clique. Sie soll Opfer eines gemeinen Plans werden und dafür muss Damian seine Rolle als „Player“ unter Beweis stellen.

Beide Protagonisten spiegeln gut die Realität und die zwei Seiten der Gesellschaft wider: Hörende und Gehörlose/Taube.
Damian ist anfangs unsicher im Umgang und muss viel lernen.
Eine hörende Person kann die Welt nie so wahrnehmen wie eine gehörlose – und umgekehrt genauso.
Dennoch haben beide Gruppen eine Schnittmenge: das Menschsein.
Genau hier müssen wir alle ansetzen, wenn wir ein gutes Miteinander schaffen wollen.

Aus einem anfänglich gemeinen Plan entwickelt sich eine zarte Liebe. Besonders gefällt mir, dass viele Figuren – wie Michael (Cliquenchef), Karla (Dolmetscherin in der Klasse) und im Verlauf auch Jessica (anfangs eher die Zicke) – an Tiefe gewinnen. Die beiden Hauptfiguren Soley und Damian harmonieren sehr gut und ergeben ein glaubwürdiges Paar.

Die Geschichte liest sich flüssig, und die Konflikte werden nicht unnötig in die Länge gezogen, was ich sehr erfrischend finde. Ein schöner Jugendroman und ein gelungener Auftakt einer interessanten Reihe.

Da die Dolmetscherin in manchen Rezensionen kritisiert wird, möchte ich betonen: Das Buch ist Fiktion, keine Dokumentation. Die Autorin versucht, Soley dadurch eine Stimme zu geben und das ist ihre Art der literarische Umsetzung.

Wichtig finde ich auch: Soleys Zurückhaltung entsteht nicht durch ihre Gehörlosigkeit, sondern aus den Traumata und negativen Erfahrungen an den vorherigen Schulen.



❗️❗️❗️Achtung, Spoiler zum Ende:❗️❗️❗️


Das Ende mit der Implantation eines Cochlea-Implantats (CI) ist für mich eine durchaus nachvollziehbare Entscheidung. Soley war nicht von Geburt an gehörlos, sondern konnte in ihrer frühen Kindheit hören. Warum sollte sie diese Fähigkeit nicht zurückerlangen wollen?

Es gibt gehörlose Menschen, die sich für ein CI entscheiden – und andere, die es ablehnen, weil ihre Sprache bereits eine vollwertige Sprache ist und nicht als Behinderung verstanden werden will. Beide Wege sind legitim und Ausdruck persönlicher Entscheidung.

Dass die Autorin diesen Weg für ihre Figur gewählt hat, ist eine künstlerische Entscheidung und Teil ihrer Geschichte. Sie spricht damit nicht der Gehörlosengemeinschaft ihre Existenz ab, sondern zeigt einen möglichen individuellen Wegs.

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Veröffentlicht am 18.08.2025

Krimi, Retro, Nice

Mord in der Charing Cross Road
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In der Buchhandlung an der Charing Cross Road 200 wird ein unbeliebter Kollege mit einem Messer im Rücken gefunden. Während Scotland Yard ermittelt, beginnen auch die Angestellten Sally und Johnny auf ...

In der Buchhandlung an der Charing Cross Road 200 wird ein unbeliebter Kollege mit einem Messer im Rücken gefunden. Während Scotland Yard ermittelt, beginnen auch die Angestellten Sally und Johnny auf eigene Faust zu schnüffeln. Zwischen Gerüchten über Geister, verdächtigen Kunden und Wanderern Auffälligkeiten tasten sie sich Schritt für Schritt an die Wahrheit heran.

Dieser Krimi hat mich vor allem mit seinem stimmungsvollen Bild des Londons der 50er Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg überzeugt. Zwischen verregneten Straßen, der besonderen Höflichkeit jener Zeit und dem Charme eines alten Antiquariats entfaltet sich eine angenehme „Cozy-Crime“-Atmosphäre. Man merkt allerdings, dass die Art der Krimierzählung aus einer anderen Zeit stammt. Sie ist gemächlich, stellenweise ein wenig altmodisch, aber auch mit genau diesem Charme, der heute selten geworden ist.
Ich finde es schön, das Henrietta Hamilton ein Comback bekommen hat.


Wer bei einem Krimi auf gemütliche Spurensuche statt rasanter Action setzt, ist hier genau richtig.

4 von 5 Sterne, da mich doch ein paar Längen beim Lesen kämpfen haben lassen.

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Veröffentlicht am 11.08.2025

Ahoi, ihr Matrosen und Freibeuter! Setzt die Segel und hisst die Jolly Roger!

Yara's Hearts
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„Yara’s Heart“ entführt euch Landratten in die Zeit der klassischen Piraterie, wie wir sie kennen. In der Karibik ist Kapitänin Mary Fulfort auf dem Weg zu ihrem Traum vom Ruhestand. Doch obwohl sie nicht ...

„Yara’s Heart“ entführt euch Landratten in die Zeit der klassischen Piraterie, wie wir sie kennen. In der Karibik ist Kapitänin Mary Fulfort auf dem Weg zu ihrem Traum vom Ruhestand. Doch obwohl sie nicht an Seemannsgarn glaubt, werden ihr Schiff, ihre Mannschaft und ihre Beute Opfer eines Kraken – und seiner geheimnisvollen Herrin: einer Sirene.
Diese Sirene trägt eine tragische Vergangenheit mit sich und versucht, ihre Herkunft und ihren Fluch zu entschlüsseln.
Beide Gegnerinnen – Piratin und Sirene – müssen in dieser rauen, von Männern und Mythen beherrschten See ihren Weg gehen.

Seit ich klein bin, zieht es mich zu Piraten und ihren Abenteuern auf hoher See hin. Lange waren sie im Mainstream jedoch vergeblich zu suchen, bis Fluch der Karibik die Freibeuter neu belebte.
Dieses Buch hatte deshalb sofort meine Aufmerksamkeit, und ich habe mich sehr gefreut, bei der Leserunde auf LovelyBooks dabei sein zu dürfen.

Die beiden Hauptcharaktere sind in all ihren Facetten überzeugend dargestellt, und die Welt um sie herum wirkt sehr authentisch – das hat mir besonders gut gefallen. Die mystischen Elemente verweben sich perfekt mit dem harten Leben auf dem Meer.

Wer Abenteuer, Piraten, Nixen, epische Seeschlachten und eine Prise Romantik mag, ist bei „Yara’s Heart“ genau richtig.
Passt nur auf, dass eure Herzen an der richtigen Stelle bleiben!

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Veröffentlicht am 01.08.2025

Cozy Fantasy

Anis
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Anis und ihre Freunde haben mich sofort in ihre zauberhafte Welt entführt.
Schon auf den ersten Seiten entfaltet sich eine Atmosphäre, die stark an die melancholisch-schöne Magie von Studio Ghibli erinnert: ...

Anis und ihre Freunde haben mich sofort in ihre zauberhafte Welt entführt.
Schon auf den ersten Seiten entfaltet sich eine Atmosphäre, die stark an die melancholisch-schöne Magie von Studio Ghibli erinnert: Naturgeister, Tiere mit Persönlichkeit, zarte Freundschaften und ein unterschwelliger Zauber.

Die Geschichte wirkt gleichzeitig verwunschen und vertraut. Wie bei Mein Nachbar Totoro entsteht dieser „Cozy-Fantasy“-Effekt, der nicht auf Krawall, sondern auf Stimmung, Figuren und Gefühl setzt.

Anis ist eine Herzseherin und kann mit Geistern und Göttern in Kontakt treten.
Besonders ihre Begegnungen mit den Waldbewohnern waren für mich das ein Herzstück der Geschichte.
Ihr stiller, aber entschlossener Kampf gegen die Zerstörung der Natur und das Vergessen der alten, mystischen Wesen macht sie zu einer starken und entschlossenen Heldin.

An wenigen Stellen hätte ich mir etwas mehr erzählerische Tiefe gewünscht, und das Erzähltempo schwankt gelegentlich. Doch der insgesamt positive Eindruck überwiegt bei weitem.

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Veröffentlicht am 31.07.2025

Klassiker des Jugendthrillers

Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast
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Aus purer Nostalgie habe ich dieses Buch gelesen – wie viele andere bin ich mit dem gleichnamigen Film aus den 90ern aufgewachsen, der für mich ein typischer Teenie-Slasher war: spannend, blutig, laut. ...

Aus purer Nostalgie habe ich dieses Buch gelesen – wie viele andere bin ich mit dem gleichnamigen Film aus den 90ern aufgewachsen, der für mich ein typischer Teenie-Slasher war: spannend, blutig, laut. Umso mehr hat es mich überrascht, dass hinter der literarischen Vorlage ein deutlich leiseres, aber zugleich tiefgründigeres Werk steckt.

Lois Duncans Roman erschien ursprünglich bereits 1973 und wurde für diese Neuauflage behutsam modernisiert – mit SMS, Webblogs und anderen kleinen Anpassungen an die heutige Zeit. Diese Modernisierungen wirken nicht störend, sondern machen das Buch für eine neue Generation zugänglich, ohne seinen ursprünglichen Charme zu verlieren.

Statt auf Splatter und Schockeffekte setzt Duncan auf psychologische Spannung und stellt die Frage nach Schuld und Verantwortung in den Mittelpunkt. Die vier Jugendlichen, die in einen tragischen Unfall verwickelt waren und diesen vertuschten, werden nicht nur von einer ominösen Nachricht, sondern vor allem von ihrem schlechten Gewissen verfolgt. Jeder geht anders mit der Last um – und genau darin liegt die Stärke des Buches.

Einzig der etwas sprunghafte Stil an manchen Stellen und der Umstand, dass die modernisierten Elemente manchmal ein wenig künstlich wirken, verhindern die volle Punktzahl. Doch das ist Meckern auf hohem Niveau.

Der Roman ist mehr als nur die Vorlage für einen Horrorfilm – es ist ein feinfühliges, spannendes Jugendbuch über Schuld, Angst und Verdrängung. Ein echter Klassiker, der auch heute noch funktioniert.

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