Ich wollte das Buch wirklich mögen...
Shadow DesireNeele Green hebt die Sage um die bekannteste Gorgone in ein modernes, jedoch geteiltes und von drei namhaften Führungskräften kontrolliertes Athen. Während sich Poseidon Hafen und Küste unter den Nagel ...
Neele Green hebt die Sage um die bekannteste Gorgone in ein modernes, jedoch geteiltes und von drei namhaften Führungskräften kontrolliertes Athen. Während sich Poseidon Hafen und Küste unter den Nagel riss, regiert Zeus das Zentrum. Hades, in dessen Einflussbereich Medusa lebt, hat seine Augen und Ohren in der Vorstadt. Die Regeln sind klar: Jeder bleibt in seinem Gebiet. Und so ist Poseidon gezwungen, einen Getreuen nach Petroupolis zu entsenden, um ein Gerücht in die Realität und sich seine Rache zu holen …
Erzählt wird aus wechselnder Perspektive – so lernen wir die Studentin Medusa kennen, die, mehr oder weniger versteckt, bei ihren beiden Schwestern aufwuchs. Doch Euryale und Stheno sind nur selten anwesend, gehen sie doch im Untergrund fragwürdigen, oft geheimen und gefährlichen Aktivitäten nach, um ihrer jüngsten Schwester ein Zuhause und eine unbescholtene Zukunft zu ermöglichen. Medusas Angst, den letzten Rest Familie zu verlieren, und ihre Schuldgefühle waren ebenso präsent wie ihre Einsamkeit. Denn innige soziale Kontakte, ausführliche Interaktionen – Freundschaften und Beziehungen – sind ihr strengstens untersagt. Dass sich Euryale und Stheno bei ihrem letzten Coup einen Feind gemacht haben, der größer und schwerer abzuhängen ist als gedacht, drängt die beiden dazu, unterzutauchen, wägen sie ihr liebstes Geheimnis doch in Sicherheit. Dabei ist die dritte Gorgonenschwester längst kein Mythos mehr …
Endlich bekommt Perseus die Gelegenheit, sich zu beweisen, in Poseidons Ansehen aufzusteigen und sich einen festen Platz in dessen innerem Kreis zu sichern. Dass er dafür möglichst unauffällig Hades Einflussbereich unterwandern und den seriösen Studenten mimen muss, ist noch der einfache Teil – denn wie soll er ein Mädchen finden, von dem niemand weiß, ob es wirklich existiert?!
Nun, was soll ich sagen? Ich hatte etwas anderes erwartet: eine mythische Story, in der die Figuren mehr mit ihren NamensgeberInnen gemein haben, einen Hauch düstere Fantastik, Mystik, Dunkelheit und Gefahren. Leider konnte mir „𝐒𝐡𝐚𝐝𝐨𝐰 𝐃𝐞𝐬𝐢𝐫𝐞“ kaum etwas davon geben. Insgesamt zieht sich der Verlauf, verliert sich in irrelevanten Ausführungen und wirkt u. A. dadurch monoton und langweilig. Hinzu kommt ein – für mich – nicht mitreißender Stil: Dialoge lasen sich gestellt, Fehler und Wiederholungen schlichen sich in den Text, es mangelte an Spannung und einer greifbaren zwischenmenschlichen Entwicklung – romantische und vertrauensvolle Empfindungen waren einfach da. Binnen Sekunden ist Medusa für ihren Häscher kein Auftrag mehr – spätestens ab hier ging für mich jegliche Glaubhaftigkeit verloren.
Die Aufteilung von Athen und die Regeln der drei Herrscher gaben der Geschichte zumindest unterschwellig etwas Interessantes, schenkten ihr eine Andeutung gefährlicher Mafia-Vibes. Wenn das „Worldbuilding“ wie auch die Nebenfiguren insgesamt eher zu kurz kamen, blitzten hier und da Verzweiflung, etwas Beklemmendes, Schweres auf.
Medusa leidet unter der Verschwiegenheit ihrer Schwestern, unter den Verboten, die einer Gefangenschaft gleichkommen. Dass die junge Frau weder die Gründe für das seltsame Verhalten von Euryale und Stheno kennt, macht die Situation nur schwieriger. Mir fehlte es in ihrem Wesen an Feuer, an Beharrlichkeit, an dem Drang, vehement zu hinterfragen und für sich einzustehen. Zumindest vollzieht Medusa im Verlauf eine deutliche Veränderung, die sie in Abgründe führt, nicht nur in die, die die Stadt tragen, sondern auch in jene ihres eigenen Selbst. Perseus' Vergangenheit tritt nach und nach zutage. Bevor uns Green mit einer Offenbarung überrascht, bekommen wir Einblicke in seine Sorgen und Kämpfe, solche, die ihn Tag für Tag neu herausfordern.
Ob er es wirklich schaffen kann, sich Poseidon und seinen skrupellosen Schergen zu widersetzen und Medusa zu retten? Oder braucht es dazu letztlich keinen Mann?
Abgesehen von den kritischen Kommentaren meinerseits möchte ich erwähnen, dass die Autorin in ihrer seichten Romance wichtige, aktuelle Themen anspricht – bspw. die merklich um sich greifende Armut, Perspektivlosigkeit und Zukunftsängste, die steigende Rate von Kriminalität und Suchterkrankungen sowie die Fesseln einer toxischen Beziehung. Aber auch Familie, Selbstfindung und -akzeptanz haben einen Platz. Das sind Punkte, die sich hervorragend in das zwielichtige und heruntergekommen wirkende Setting schmiegen.
Die Story ist abgeschlossen, jedoch sind weitere Bände geplant. Für mich aber bleibt es bei der Geschichte von „𝐌𝐞𝐝𝐮𝐬𝐚 & 𝐏𝐞𝐫𝐬𝐞𝐮𝐬“.