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FranziskaBo96

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 10.02.2024

Countdown zum Tod

Notizen zu einer Hinrichtung
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Ansel Packer hat nur noch 12 Stunden zu Leben - denn er wartet auf seine Hinrichtung. Wir begleiten ihn in seinen letzten Stunden, die geprägt sind von Frust, Reue, Trauer und Enttäuschung. Aus der Sicht ...

Ansel Packer hat nur noch 12 Stunden zu Leben - denn er wartet auf seine Hinrichtung. Wir begleiten ihn in seinen letzten Stunden, die geprägt sind von Frust, Reue, Trauer und Enttäuschung. Aus der Sicht von drei Frauen aus seinem Umfeld erfahren wir im Laufe des Buches, welche Taten überhaupt dazu geführt haben, dass Ansel im Todestrakt sitzt und welche Wellen sein Verhalten bzw. auch das anderer Menschen in seinem Leben gezogen hat.

Was für ein Buch - "Notizen einer Hinrichtung" wird mir sicher noch lang im Gedächtnis bleiben. Auf nicht mal 350 Seiten werden so viele spannende Problematiken angesprochen, ohne dass das Buch irgendwie zu vollgepackt wirkt. Gewisse Krimi-Elemente sorgen zusätzlich dafür, dass es richtig schwerfällt, es aus der Hand zu legen.

Besonders beeindruckend fand ich, wie gut die Autorin es schafft, verschiedene Perspektiven aus Ansels Leben zu präsentieren. Wir fühlen mit ihm mit, bemitleiden ihn oft auch, obwohl (oder vielleicht auch weil) wir immer mehr merken, was für ein Monster er eigentlich auch ist. Seine Taten werden nicht entschuldigt, trotzdem wird unheimlich gut aufgezeigt, wie Trauma und psychische Krankheiten einen Menschen zu einem Straftäter machen können. Das Buch ist ein Plädoyer gegen die Todesstrafe, wird aber auch nicht müde, die Problematik von Gewalt gegen Frauen zu unterstreichen. So macht Kukafka extrem gut deutlich, wie wichtig es ist, auch die Geschichten der Opfer zu erzählen.

Eine unglaublich mächtige Geschichte, die mich so schnell nicht mehr loslassen wird!

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Veröffentlicht am 05.02.2024

Der ostdeutsche Forrest Gump

Heinz Labensky - und seine Sicht auf die Dinge
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Heinz Labensky blickt auf ein langes Leben zurück, in dem er vielleicht nie Ostdeutschland verlassen, aber trotzdem so einiges erlebt hat. Als er unerwartet einen Brief der Tochter seiner Jugendliebe Rita ...

Heinz Labensky blickt auf ein langes Leben zurück, in dem er vielleicht nie Ostdeutschland verlassen, aber trotzdem so einiges erlebt hat. Als er unerwartet einen Brief der Tochter seiner Jugendliebe Rita erhält, steigt er in einen Flixbus von Erfurt nach Rostock, um diese zu treffen. Unterwegs lässt er seine Mitreisenden und somit auch die Leser durch sein illustres Leben reisen, in dem er immer wieder die Wege mit Persönlichkeiten der Geschichte kreuzen durfte.

Die Grundidee, die Forest Gump-Handlung auf ein ostdeutsches Setting zu übertragen, ist definitiv nicht schlecht und in diesem Buch eigentlich auch ziemlich gut umgesetzt. So sind die verschiedenen Episoden in Labenskys Leben nicht nur unterhaltsam, sondern vermitteln teilweise auch interessante Aspekte der deutschen Geschichte (wobei man sich hier natürlich auch über ausgedachte Elemente im Klaren sein muss). Vor allem die Suche nach dem Bernsteinzimmer fand ich sehr interessant. Auch der Humor hat mir an vielen Stellen gut gefallen.

Leider zieht sich die Geschichte an vielen Stellen sehr stark und vor allem Labenskys fehlende Intelligenz wurde mir an einigen Stellen ein bisschen zu sehr ausgeschlachtet und hinterlies in mir oft die Frage, ob es angemessen ist, sich über solches lustig zu machen. Das Buch hätte definitiv mit 100 Seiten weniger auskommen können.

Letztendlich muss man auch zugeben, dass das, was die Geschichte so spannend macht, ja gar keine originelle Idee, sondern einfach nur ein Abklatsch von Forrest Gump ist - wenn auch sehr gut gelungen.

Heinz Labenskys Geschichte ist ein interessanter Ausflug in die deutsche Geschichte mit einer spannenden Grundidee, die aber leider ihre Längen hatte.

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Veröffentlicht am 07.01.2024

Rückwärts durch die Zeit

Lichtungen
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In "Lichtungen" lernen wir Lev kennen, einen jungen Mann aus Rumänien, der kurz nach der Wende das westeuropäische Ausland entdeckt. Im Verlauf des Buches tauchen wir in seine Kindheit ein, die vor allem ...

In "Lichtungen" lernen wir Lev kennen, einen jungen Mann aus Rumänien, der kurz nach der Wende das westeuropäische Ausland entdeckt. Im Verlauf des Buches tauchen wir in seine Kindheit ein, die vor allem von seiner Kindheitsfreundin Kato, Fragen um seine eigene Identität und den Zwängen des Sozialismus geprägt ist.

"Lichtungen" begeistert nicht nur mit einem wunderbar entschleunigenden und poetischen Schreibstil, sondern überrascht auch mit einem interessanten erzählerischen Kniff: Die Handlung wird chronologisch umgekehrt erzählt. Die Geschichte beginnt also mit Erlebnissen Mitte der 90er und geht dann immer weiter zurück in die Jugend und Kindheit von Lev. Diese Erzählstruktur hat mich anfangs ehrlich gesagt etwas verwirrt, doch wenn man sich einmal daran gewöhnt hat, weiß man zu schätzen, wie genial die Geschichte eigentlich aufgebaut ist.

Alles in allem fand ich die Erzählweise wirklich wunderbar, der Schreibstil ist sicher nicht für jeden und für jede Gemütslage etwas, aber ich fand diese Lektüre wirklich außerordentlich entschleunigend. Auch die angesprochenen Themen, vor allem die Frage um Katos Identität zwischen Deutsch und Rumänisch fand ich sehr spannend.

Gegen Ende verlor mich die Geschichte jedoch leider etwas. Die im Klappentext als zentral angedeutete Beziehung zwischen Kato und Lev verliert in der zweiten Hälfte des Buches immer mehr an Bedeutung und so war mir gegen Ende nicht mehr so wirklich klar, was das zentrale Thema des Buches sein sollte bzw. welche Lehren ich daraus ziehen sollte.

Trotzdem ist das Buch eine große Empfehlung für alle, die auf der Suche nach etwas tiefsinnigerer Lektüre sind!

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Veröffentlicht am 29.12.2023

Die gute Schwester

Die gute Schwester
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Auch wenn sich die eineiigen Zwillinge Leah und Megan zum Verwechseln ähnlich sehen, ist ihr Verhältnis alles andere als gut. Schon als Teenager spannt Leah Megan regelmäßig die Freunde aus und als sie ...

Auch wenn sich die eineiigen Zwillinge Leah und Megan zum Verwechseln ähnlich sehen, ist ihr Verhältnis alles andere als gut. Schon als Teenager spannt Leah Megan regelmäßig die Freunde aus und als sie Jahre später dann auch noch die dramatische Familiengeschichte in einem Bestseller verarbeitet, bricht Megan den Kontakt komplett ab. All das ändert sich jedoch, als diese ein Foto ihrer Zwillingsschwester auf dem Handy ihres Mannes findet. Sie will Leah zur Sprache stellen, verletzt diese dabei aber tödlich und versucht nun, den Mord zu vertuschen, indem sie sich an einem Doppelleben versucht.

Eins muss man dem Buch lassen: Es ist ein absoluter Pageturner. Ein Plottwist jagt den nächsten und man fliegt förmlich durch die Seiten. So konnte ich das Buch in zwei Tagen beenden, auch wenn mir so einige Sachen nicht gefallen haben. Wer also einen spannenden Thriller sucht, wird hier auf jeden Fall bedient.

Leider war die wilde Handlung auch genau das, was mich oft gestört hat. Bei so mancher absurden Wendung musste ich schon ein wenig mit dem Kopf schütteln. Auch das Pacing der Geschichte gefiel mir nicht so richtig, da vor allem gegen Ende schon relativ früh ziemlich viel von der Spannung aus der Geschichte genommen wird.

Alles in allem ist "Die gute Schwester" ein spannender Thriller, auch wenn er mir an vielen Ecken etwas zu absurd wurde.

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Veröffentlicht am 20.12.2023

Die Macht der Bücher

Die Buchbinderin von Oxford
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In "Die Buchbinderin von Oxford" lernen wir Peggy kennen, die, nun ja, Bucherbinderin in Oxford ist. Das Buch nimmt uns nicht nur mit in ihren Arbeitsalltag während des Ersten Weltkriegs mit, sondern wir ...

In "Die Buchbinderin von Oxford" lernen wir Peggy kennen, die, nun ja, Bucherbinderin in Oxford ist. Das Buch nimmt uns nicht nur mit in ihren Arbeitsalltag während des Ersten Weltkriegs mit, sondern wir erfahren auch, wie sie es als Vollwaise schafft, für sich und ihre geistig behinderte Schwester Maude auf einem Hausboot zu sorgen, lernen die illustren Charaktere des Stadtteils Jerichos kennen und erleben, wie sich Peggy verliebt. Doch eigentlich will Peggy noch so viel mehr, da sie nicht nur Bücher bindet, sondern diese auch gern liest und ihr größter Wunsch darin besteht, zu studieren. Das ist aber in der damaligen Zeit so gut wie unmöglich für ein Mädchen aus ihren Verhältnissen...

Selten habe ich so lange gebraucht, um in ein Buch reinzukommen. Dabei ist die Geschichte eine wahre Liebeserklärung an Bücher, das Lesen, aber auch an das Buchbinden. Wer sich für letzteres interessiert, wird die sehr detaillierten Beschreibungen, die vor allem am Anfang des Buches sehr oft auftreten, sicher mögen... aber für alle anderen ist es sicher zu langwierig. Auch wenn mir das Buch definitiv eine Wertschätzung für den Prozess des Buchbindens gegeben hat, habe ich jedoch immer ziemlich schnell Interesse an der Geschichte verloren, wenn es zu sehr ins Detail ging. Allgemein versucht die Autorin auch extrem viele Themen unterzubringen, die zusätzlich dafür sorgen, dass das Buch unnötige Längen hat.

Das ist wirklich sehr schade, denn vor allem im letzten Drittel hatte das Buch es dann doch geschafft, dass mir die Charaktere am Herzen lagen und ich total mit ihnen mitgefiebert habe.

Wer also mehr über das Buchbinden und Oxford während des Ersten Weltkrieges erfahren möchte, wird sicher viel Freude mit diesem Buch haben. Für mich war "Die Buchbinderin von Oxford" eine Geschichte, die locker auch mit 100 bis 200 Seiten weniger ausgekommen wäre.

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