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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 07.10.2019

Surrealistischer Fantasy-Krimi

Die Ewigkeit in einem Glas
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Den Kriminalroman "Die Ewigkeit in einem Glas" von Jess Kidd habe ich eher zufällig als beabsichtigt gewonnen. Trotdem habe ich mich gefreut. Das Buch erscheint am 08. November 2019 beim Dumont-Verlag ...

Den Kriminalroman "Die Ewigkeit in einem Glas" von Jess Kidd habe ich eher zufällig als beabsichtigt gewonnen. Trotdem habe ich mich gefreut. Das Buch erscheint am 08. November 2019 beim Dumont-Verlag und umfasst 370 Seiten.

Christabel, ein junges Mädchen mit außergewöhnlichen Eigenschaften, wird entführt. Mit der Suche nach dem Mädchen wird aber nicht die Polizei, sondern die merkwürdige Detektivin Bridie Devine beauftragt. Diese fühlt sich von ihrem neuen Begleiter Ruby - der zwar schon tot ist, aber wen stört das schon - beschützt. Plötzlich taucht ein tot geglaubter Widersacher auf und wird ihr größter Gegner bei der Suche nach dem verschwundenen Mädchen.

Zugegeben, das Cover erscheint für einen Kriminalroman eher unpassend. Anfangs dachte ich, dass es sich hierbei um ein Jugend-Fantasy Buch handelt, denn die Gestaltung mit dem geschliffenen Edelstein, der fliegenden Kutsche und dem Big-Ben im Hintergrund wirkt auf mich eher nach einer Art Märchen oder Abenteuer.

Da ich von der Leseprobe durchaus angetan war, ging ich davon aus, dass die Geschichte ähnlich spannend fortgeführt werden würde. Allerdings wurden meine Erwartungen nicht erfüllt. Gefreut hatte ich mich auf einen spannenden London-Krimi, der im 19. Jahrhundert spielt, zu lesen bekommen habe ich allerdings tatsächlich einen Fantasy-Roman, wobei ich diesem Genre gar nichts abgewinnen kann. Am Schreibstil habe ich nichts auszusetzen, im Gegenteil, der hat mir sehr gefallen: ansprechend und detailreich, so wird auch die Atmosphäre des Schauplatzes hervorragend beschrieben und man fühlt sich zeitlich tatsächlich in das Viktorianische Zeitalter zurück versetzt, allerdings bin ich mit der Geschichte als solche nicht warm geworden. Es wird zwar eine mystische Spannung aufgebaut, die mir allerdings zu fantastisch erschien. Die Charaktere empfand ich alle recht merkwürdig, überzogen skurril bis unsympathisch und die Handlung völlig surreal.

Fantasy-Fans werden bestens unterhalten, eingefleischte Krimi-Fans wie ich werden nicht auf ihre Kosten kommen. Trotzdem vergebe ich 4 Sterne, weil der Schreibstil wirklich lobenswert ist und ich die positiven Pressestimmen wirklich nachvollziehen und bestätigen kann. Einen Punkt ziehe ich ab, weil mich die Geschichte nicht begeistern konnte.

Veröffentlicht am 06.10.2019

Selbstoptimierung auf australisch

Neun Fremde
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Mit dem Buch „Neun Fremde“ hat die Erfolgsautorin Liane Moriarty einen hervorragenden Psychologie-Roman auf den Markt gebracht.

Der australische Winter ist der Ausgangspunkt dieser Geschichte, in der ...

Mit dem Buch „Neun Fremde“ hat die Erfolgsautorin Liane Moriarty einen hervorragenden Psychologie-Roman auf den Markt gebracht.

Der australische Winter ist der Ausgangspunkt dieser Geschichte, in der es um neun Wellness-Resort-Urlauber geht. Fünf Frauen und vier Männer. Alle wollen sich optimieren. Dies verspricht der Werbetext auf der Tranquillum-House-Webseite.
Welch manipulatives Geschäft sich dahinter verbirgt, mag man nur erahnen. Die Gäste fassen dies unterschiedlich auf, der eine ist eingeschnappt, der andere nimmt es gelassen hin. Die Gastgeberin Masha benimmt sich wie ein Guru und schafft es tatsächlich, ihre skeptischen Gäste zu überzeugen. Das böse Erwachen ist unausweichlich, denn auch sie hat Geheimnisse.

Frances, die Hauptfigur in dieser Geschichte, ist Autorin und schreibt Liebesromane, die jedoch auf der Verkaufs- und Beliebtheitsskala fallen. Sie sieht im Gegensatz zu allen anderen jedoch keinen Anlass, an ihrem Gewicht oder irgendetwas anderes zu optimieren. Ihr Leben verläuft in geregelten Bahnen, und darum stellt sie eine echte Herausvorderung für Masha dar. Doch das täuscht, denn ein Nervenzusammenbruch während der Anreise zeigt, dass es mit ihrer Gesundheit nicht gut bestellt ist. Ausgerechnet ein anderer Gast beobachtet sie dabei und bietet ihr seine Hilfe an, doch Frances steht tapfer und offensiv ihre Schande durch. Dann gibt es da die Familie, die um den Sohn und Bruder trauert. Ein attraktiver und erfolgreiche Anwalt, der Angst vor der Verantwortung hat. Ein übergewichtiger Typ, den Frances zunächst gar nicht ausstehen kann und dessen Vergangenheit sich für viele als große Überraschung entpuppt. Die junge Mutter, die von ihrem Ehemann für eine noch Jüngere verlassen wurde und immer meint, sie sei zu dick. Oder das reiche Pärchen, dessen Liebe tatsächlich von zu viel Glück zerstört wird. In ständigem Perspektivwechsel, geschildert von einem allwissenden Erzähler, erhalten wir interessante Einblicke in die persönlichen Geschichten der Protagonisten. Geschichten, die nur sie selbst kennen und die sie mit niemandem teilen würden. Im Verlauf stellen sich immer wieder neue Fragen, müssen unvermeidliche Vorurteile über Bord geworfen werden. Dies versetzt uns Leser in eine vermeintlich reizvolle Position, haben wir doch so einen Wissensvorsprung vor allen anderen. Doch das meinen wir nur, denn die Geschichte schlägt immer wieder einen überraschenden Haken und zeigt, dass jeder das Potenzial hat, besser und glücklicher zu werden. Moriarty spielt geschickt mit den Vorurteilen ihrer Figuren und den Erwartungen der Leser. Jeder denkt, die Schwächen des anderen erkannt zu haben. Dabei liegen die Geheimisse viel tiefer:

Liane Moriarty versteht es, gut einstudierten Rollenmuster und Äußerlichkeiten auf humorvolle Weise Stück für Stück zu demontieren. So stattet sie ihre nichts ahnenden Protagonistenjeden mit sehr menschlichen und sympathischen Eigenschaften aus. Glaubwürdig wechselt die Autorin zwischen amüsanten Passagen und den ernsten Stellen. Als Leser fühlt man sich den orientierungslosen Protagonisten und dem Geschehen sehr nahe. Die Autorin stellt interessante und greifbare Charaktere vor, legt falsche Fährten und holt den Leser nah an das Geschehen heran. Am Ende sind aus den neun Fremden neun Freunde geworden.

Absolut lesenswert!

Veröffentlicht am 30.09.2019

Fantastisch

Hotel Cartagena
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Hotel Cartagena ist der neunte Fall der Staatsanwältin Chastity Riley, aber ein in sich abgeschlossener Roman, den man problemlos auch ohne Vorkenntnisse der vorherigen Bücher lesen kann.

Inhalt
Staatsanwältin ...

Hotel Cartagena ist der neunte Fall der Staatsanwältin Chastity Riley, aber ein in sich abgeschlossener Roman, den man problemlos auch ohne Vorkenntnisse der vorherigen Bücher lesen kann.

Inhalt
Staatsanwältin Chastity Riley und ihre Kollegen treffen sich in einer Hotelbar am Hamburger Hafen, um den 65. Geburtstag ihres Kollegen zu feiern. Es soll ein schöner Abend werden, doch dann betreten mehrere schwer bewaffnete Männer das Lokal und bringen die Truppe in ihre Gewalt. Parallel dazu wird die Geschichte von Henning, der in den 1980er Jahren von Hamburg nach Kolumbien in die Hafenstadt Cartagena reiste, um sich dort ein neues Leben aufzubauen, geschildert.

Schreibstil
Dies ist mein erster Kriminalroman der in Hamburg lebenden Autorin Simone Buchholz. Obwohl ich zuerst nichts mit dem Cover anfangen konnte, erkannte ich nach eigener Internet-Recherche den Wiedererkennungswert. Das Titelbild ist dem Retro-Look der 1980er Jahre nachempfunden und reiht sich stilistisch perfekt in die Reihe ein. Der facettenreiche und sehr eigenwillige sowie teilweise auch derbe Schreibstil hat mich überzeugt. Die Ausdrucksweise ließ mich das geistige Niveau der Charaktere nachempfinden.

Meinung
Situationen, Atmosphäre, Gedanken sowie die Schauplätze werden anschaulich und einfühlsam beschrieben. Obwohl das Buch nur ca. 200 Seiten umfasst, wird die Geschichte kurzweilig aufgebaut und hält sich bis zum Ende konstant spannend. Die zahlreichen Rückblenden, Wendungen und unterschiedlichsten, authentisch wirkenden Charaktere habe ich als sehr ansprechend und zugleich auch als Herausforderung betrachtet. Der sehr eigenwillige Schreibstil hat dazu beigetragen, dass ich das Buch in einem Rutsch gelesen habe. Ich werde mir garantiert noch den einen oder anderen Fall vornehmen. Nicht umsonst wurden die Bücher mehrfach mit Krimi-Preisen ausgezeichnet.

Fazit
Eine absolut kurzweilige Pflichtlektüre für alle Krimi-Fans.

Veröffentlicht am 16.09.2019

Chapeau!

Meine wunderbare Frau
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"Meine wunderbare Frau" von Samantha Downing ist ein Psychothriller aller erster Güte.

Wie bereits der Klappentext verrät, wird die Geschichte aus der Ich-Perspektive erzählt. Der Schreibstil erinnert ...

"Meine wunderbare Frau" von Samantha Downing ist ein Psychothriller aller erster Güte.

Wie bereits der Klappentext verrät, wird die Geschichte aus der Ich-Perspektive erzählt. Der Schreibstil erinnert mich an "Something in the Water - Im Sog des Verbrechens". Das spannende an diesem Debüt-Psychothriller ist, dass dem Leser die Interpretation überlassen wird. Um diesen Page-Turner verstehen und rezensieren zu können, darf man keinen Absatz außer Acht lassen. In jedem von ihnen sind zahlreiche Hinweise zur Auflösung versteckt. Am Ende fällt es einem wie Schuppen von den Augen.

Meinung:
Dies ist ein raffinierter und sehr intelligent ausgetüftelter Psychothriller, wie ich ihn noch nie zuvor gelesen habe. 460 Seiten in einem Rutsch durchgelesen. Am Ende habe ich doch tatsächlich in die Hände geklatscht. Das passiert mir selten. Der namenlose Protagonist lädt den Leser zum Zuhören und Verweilen ein, gewinnt sein Vertrauen und sogar seine Sympathie. Er gibt sich zunächst als harmlosen, liebenden und seine Ehefrau bewundernden Ehemann aus. Nach wenigen Kapiteln bewegt man sich als fünftes Familienmitglied in seinem Haus und seinem Leben. Die Spannung steigt von Seite zu Seite bis schier ins Unermessliche. Ähnlich wie in jenem Werbespot, in dem ein Pkw eine Skisprungschanze hochfährt.

Der Leser wird hier zum Vertrauten, aber auch - das merkt man leider erst zum Schluss, und das ist das Faszinierende an diesem Thriller - zum Spielball, oder ganz krass ausgedrückt: Der Leser wird zum Gehörnten. Der Ich-Erzähler ist nämlich in Wahrheit eine faule Sau und überlässt die Drecksarbeit seiner akkuraten (kleinkarierten=Millicent) Ehefrau. Im Stillen lacht er sich über sie kaputt und ich denke, dass wir es hier mit einem pathologischen Lügner (Pseudologen) zu tun haben, der mit der Gutgläubigkeit seiner Leser spielt

Der Protagonist ist mit allen Wassern gewaschen und will den Leser glauben lassen, dass seine Millicent zwar ganz wunderbar ist, in jeder Hinsicht. Zunächst sind die Sticheleien seiner Frau gegenüber kaum zu bemerken, aber in Wahrheit macht er sich nicht nur in Sachen Ernährung und Essen über sie lustig. Sie will alles 1000%ig richtig machen. Nur er selbst hält sich nicht an die Regeln. Er lässt sie und den Leser in dem Glauben, dass sie die Oberhand hat. Genauso lästert er über jeden und alles, ohne dass der Leser es merkt. Das wurde mir erst später klar. Sehr glaubhaft und charmant schiebt er seiner Ehefrau die Schuld in die Schuhe ...

Das Ende lässt zweierlei Interpretationsmöglichkeiten zu:

1 . Millicent ist die Böse. Das behauptet schließlich der Ehemann.
2 . Der Ich-Erzähler ist der Böse, denn mich erinnert das Ende zu stark an den Blockbuster aus dem Jahre 1997 "Im Auftrag des Teufels" mit Al Pacino in der Hauptrolle.

Fazit
"Ein Volltreffer. Der Perfekte Page-Turner" (Publishers Weekly) - Dem ist nicht zu widersprechen und auch nichts hinzuzufügen!

Ich bedanke mich ganz herzlich bei vorablesen.de, beim Goldmann-Verlag und auch beim Übersetzer Rainer Schmidt für die gelungene und super spannende Übersetzung.


© 09/2019 Frau.mit.Hut

Veröffentlicht am 03.09.2019

Ein modernes Märchen

Die schönste und die traurigste aller Nächte
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»Mein Name ist Victor. Vermutlich haben Sie schon jede Menge Liebesgeschichten wie diese gelesen, aber ich versichere Ihnen, es waren alles Geschichten. In meinem Fall, so unglaublich es klingt, ist alles ...

»Mein Name ist Victor. Vermutlich haben Sie schon jede Menge Liebesgeschichten wie diese gelesen, aber ich versichere Ihnen, es waren alles Geschichten. In meinem Fall, so unglaublich es klingt, ist alles wahr. (...)«

Dem brasilianischen Autor Maurício Gomyde ist mit "Die schönste und die traurigste aller Nächte" ein modernes Märchen gelungen. Er erzählt glaubhaft und realistisch, dass man als Leser keine Zweifel hegen braucht. Der Schreibstil ist zwar aktuell, aber auch melodisch, romantisch und einfühlsam, aber nicht kitschig. Im Gegenteil, ich habe ihn sehr genossen, denn er hat mich zutiefst berührt. Besonders viel Spaß gemacht hat mir die optische Aufbereitung des Buches. Sie hat zur Wohlfühlatmosphäre beigetragen. Dennoch muss ich gestehen, dass ich nach Zweidrittel des Romans langsam nervös wurde, weil es mir dann einfach zu viel des Guten wurde. Ich will nicht sagen, dass sich der Autor verzettelt hat, aber irgendwie franste die Story langsam aus, das war mir zu viel Gefühlsduselei, zu viele Briefe, zu viele Wiederholungen. Auf den letzten Seiten hat Gomyde noch einmal ganz elegant die Kurve genommen und das Buch zu einem gelungenen Abschluss gebracht.

Wer auf romantische Liebesgeschichten und moderne Märchen steht, dem kann ich dieses wunderschöne Buch nur wärmstens empfehlen.