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Veröffentlicht am 28.06.2019

Ein ⭐⭐ Piemont-Krimi

Lago Mortale
1

Inmitten der flirrenden Augusthitze träumt der ehemalige Polizeireporter Simon Strasser von nichts weiter als einem erfrischenden Bad im Lago d’Orta und einem Regenschauer. Doch dann entdeckt er auf einer ...

Inmitten der flirrenden Augusthitze träumt der ehemalige Polizeireporter Simon Strasser von nichts weiter als einem erfrischenden Bad im Lago d’Orta und einem Regenschauer. Doch dann entdeckt er auf einer herrenlosen Yacht die Leiche eines einflussreichen Fabrikantensohns. Simons alte Instinkte sind geweckt, doch an diesem beschaulichen See scheint jeder ein Geheimnis zu haben, das um jeden Preis gewahrt werden muss.

Lago Mortale von Giulia Conti habe ich im Rahmen einer Buchverlosung im Januar 2019 auf vorablesen.de gewonnen. Obwohl mich das Cover zunächst so rein gar nicht ansprach, haben mich dagegen Titel, Inhaltsangabe und vor allem der Schauplatz Piemont in Norditalien neugierig gemacht. Also nutzte ich die Gunst der Stunde, bewarb mich und siehe da, ich gewann ein Exemplar.

Umschlaggestaltung
Wie es sich für einen ordentlichen Regionalkrimi gehört, ist auch hier auf dem Cover der Schauplatz der Geschichte abgebildet: die idyllische Ortschaft Ronco. Auf mich wirkt das Bild allerdings deprimierend. Im Vordergrund die trübe, fast schmutzig wirkende Wasseroberfläche des Lago d’Orta, rechts schippert ein halbes Segelboot ins Bild, in der Mitte ist eine bunte, aber schattige Häuserfassade zu sehen, umrahmt von dunklen Hügeln und der von düsteren Wolken verhangene Himmel geben dem Bild den Rest. Auch das weiße Hexagon empfinde ich deplatziert und missglückt. Das Titelbild erinnert mich weder an Sommer noch an Urlaub.

Schreibstil
Nachdem ich mich voller Elan ins Lesevergnügen gestürzt hatte, musste ich leider auch bei diesem Krimi bereits nach wenigen Kapiteln feststellen, dass mich der Schreibstil langweilte. Die Ausdrucksweise ist zwar einer Journalistin und Reisebuchautorin gerecht, aber wenig unterhaltsam und die Charaktere sind für meine Begriffe widersprüchlich und daher unsympathisch und wenig authentisch. Die Kapitel sind recht kurz, die Schrift schön groß, so dass sich die 288 Seiten dennoch zügig lesen lassen.

Meinung
Land und Leute werden ausführlich beschrieben, haben bei mir aber keine Euphorie oder gar Fernweh ausgelöst. Viele belanglose Nebensächlichkeiten, die zwar wissenswert sind, aber in keinster Weise zur Lösung des Falls beitragen, wurden in die Geschichte eingebaut. Im Mittelpunkt steht der ehemalige Polizei- und Gerichtsreporter Simon Strasser aus Frankfurt. Auf mich wirkte diese Figur melancholisch und widersprüchlich. Einerseits stürzt er sich ungefragt in die Ermittlungen, als wolle er sich und dem Rest der Welt etwas beweisen oder jemanden (den Leser? seine Nachbarn?) beeindrucken, andererseits benimmt er sich in zwischenmenschlichen Beziehungen distanziert und macht auf mich einen emotional gestörten, unbeholfenen und unentschlossenen Eindruck. Einige Male habe ich mich wirklich gefragt, was dieser Knilch eigentlich will. Da führt er eine Fernbeziehung, gleichzeitig scheint er in die attraktive Polizistin verliebt zu sein, dann existiert noch eine Ziehtochter. Also mich persönlich hat dieses ungeordnete Privatleben enorm gestört und hat nur vom Fall abgelenkt, weshalb die Geschichte dahin dümpelte. Erst im letzten Viertel überschlugen sich plötzlich die Ereignisse. Es kam sogar ein wenig Spannung auf, als hätte die Autorin unter Zeitdruck gestanden und wäre vom Verlag zur Abgabe gedrängt worden.

Fazit
Meiner Meinung nach hat Giulia Conti mit ihrem Piemont-Krimi Lago Mortale einen unspektakulären Auftakt zu einer neuen Krimi-Reihe vorgelegt. Von mir gibt es keine Lese- und keine Kaufempfehlung. Sorry!


© 2019 Frau.mit.Hut

Veröffentlicht am 13.07.2019

Fünf Sterne für Konrad - Null Sterne für Pia

Fünf Sterne für dich
0

Fünf Sterne für Dich von Charlotte Lucas ist zwar von der Grundidee ganz ok, konnte mich aber leider nicht überzeugen. Das mag daran liegen, dass ich einfach schon zu alt bin, um die angesprochenen Probleme ...

Fünf Sterne für Dich von Charlotte Lucas ist zwar von der Grundidee ganz ok, konnte mich aber leider nicht überzeugen. Das mag daran liegen, dass ich einfach schon zu alt bin, um die angesprochenen Probleme wirklich nachvollziehen zu können. Die Thematik ist zwar aktuell, aber die Protagonisten handeln allesamt wie verzogene Kinder und die Kinder benehmen sich wie altkluge Erwachsene.

Konrad, der seinen Lebensunterhalt mit dem Schreiben von Rezensionen verdient, fand ich vom Charakter her sehr sympathisch und auch nachvollziehbar. Dank des flotten Schreibstils bin ich auch gut in die Geschichte rein gekommen und war anfangs sogar überrascht, wie humorvoll man ernste Themen wie Mobbing und Pubertät miteinander kombinieren kann - aber letztendlich sind es Probleme, mit denen jeder von uns im Laufe seines Lebens schon einmal konfrontiert worden ist. Von daher war das jetzt nichts Aufrüttelndes oder Weltbewegendes.

Leider konnte ich mit der jungen Pia, der Lehrerin von Mathilda, so rein gar nichts anfangen. Die legte einfach ein schwachsinniges Benehmen an den Tag. Deshalb war sie mir zutiefst unsympathisch. Was die Aktion mit der Telefonnummer-Liste sollte, habe ich nicht verstanden. Stehen die denn nicht im Klassenbuch? Dass Konrad auf so einen dümmlichen Trick reinfallen konnte, werde ich nie begreifen, weil ich das Buch an dieser Stelle abgebrochen habe - ich fühlte mich schlicht und ergreifend für blöde verkauft.

1 Stern für den Schreibstil, mehr bin ich nicht gewillt zu vergeben