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Veröffentlicht am 05.01.2026

Jennerwein und die Literatur

Kommissar Jennerwein und der tintendunkle Verdacht
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Weimar im Jahr 1806. Bekannte Autoren aller Epochen flanieren durch die Straßen, alles ist lebensecht. Goethe und Kafka, Schiller und Bert Brecht unterhalten sich über Literatur. Virtual Reality macht ...

Weimar im Jahr 1806. Bekannte Autoren aller Epochen flanieren durch die Straßen, alles ist lebensecht. Goethe und Kafka, Schiller und Bert Brecht unterhalten sich über Literatur. Virtual Reality macht es möglich.
Alle Beteiligten wollen etwas gegen den Niedergang der Lesekultur tun, daher sind sie Mitglieder von Salomes Lesekränzchen. Doch wie Aufmerksamkeit generieren? Unter dem Motto “LESEN HILFT” stellen sie in der Literatur beschriebene Verbrechen nach. Besonders spektakulär agieren dabei drei Influencerinnen, Ene, Mene und Muh. Dass Autor Jörg Maurer den Dreien die Figur des Konfuzius zugeschrieben hat, zeugt von leiser Ironie. Aber auch von Verachtung, denn als die alltäglichen Klarnamen der Foristen, die über die ganze Welt verstreut leben, publik werden, bleiben die drei Frauen weiterhin Ene, Mene und Muh.

Jennerwein spielt in diesem sechzehnten Fall “Kommissar Jennerwein und der tintendunkle Verdacht” eine völlig andere Rolle als in den bisherigen Bänden von Jörg Maurer. Diesmal reist er durch die Welt und hält Vorträge über den “besonderen Blick”, das sofortige Erkennen, was an einem Tatort ungewöhnlich ist. Doch Jennerwein greift ein, als ein Politiker ermordet wird, der die Sprache vereinfachen wollte. Können seine radikalen Ideen das Motiv für den Mord gewesen sein? Keine Groß- und Kleinschreibung mehr? Das geht gar nicht, findet der Autor und ich pflichte ihm bei, denn das kann den Sinn eines Satzes verändern. Zwischen “ich habe liebe Genossen” und “ich habe Liebe genossen” ist ein himmelweiter Unterschied! Und für einen zum Tode verurteilten Delinquenten kann ein Komma lebensrettend sein: "Wartet, nicht hängen!” ist etwas Anderes als “wartet nicht, hängen!”

Jörg Maurer betont in diesem Buch unter den Schlagwort “LESEN HILFT” die Wichtigkeit von Leseförderung und humanistischer Bildung. Der Erhalt der Schönheit der Sprache- wir sind ja das Land der Dichter- sowie ihrer Klarheit und Präzision- wir sind auch das Land der Denker- wird in zahlreichen Appellen betont. Allerdings meine ich, dass die Zielgruppe hier nicht erreicht wird, denn die in virtuellen Lesezirkeln Engagierten lesen sowieso mit Leidenschaft, Literaturverweigerer werden durch die Aufzählung vieler großer Namen, die den Betroffenen wenig sagen, eher abgeschreckt.

Und Jennerwein? Er hat seinen Auftritt vor allem im zweiten Teil des Buches, wo er Indizien sammelt, um den Politikermord aufzuklären. Leider wird sein Team nur in einer kurzen Sequenz erwähnt, die oft humorvollen gruppendynamischen Prozesse bleiben dabei auf der Strecke. Doch es gibt in der virtuellen Welt von Salomes Lesekränzchen humorvolle Szenen. So leidet die Figur des Shakespeare am Tourette-Syndrom und sondert ausschließlich Schimpfwörter ab. Eine künstliche Intelligenz wird ausgeknockt, indem man ihr Entscheidungsfragen stellt. Hinter phantasievollen Schilderungen verbergen sich jedoch ernste Überlegungen zum Zustand des Bildungssystems und zum Einfluss der Technik auf Sprache und Büchermarkt. Dennoch hätte ich mir von diesem Roman gewünscht, dass, wenn Jennerwein draufsteht, auch mehr Jennerwein drin ist.

Witzig ausgesucht sind die Schlussworte des Buches (da kommt sogar Uschi Obermaier zu Wort, die allerdings nur älteren Lesenden bekannt sein dürfte). Jörg Maurer zitiert Georg Christoph Lichtenberg, der Rezensionen als eine Art Kinderkrankheit bezeichnet, die neugeborene Bücher befällt. Der Büchergeburtstag dieses Romanes ist jetzt schon ein bisschen her, daher hoffe ich, dass diese Rezension nicht als Krankheitssymptom, sondern als Placebo verstanden wird, verabreicht von einem wohlwollenden Jennerwein- Fan. Wer Krimis, Literatur und virtuelle Welten mag, hat hier sicher zum richtigen Buch gegriffen.

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Veröffentlicht am 29.12.2025

Hochzeit auf italienisch

Lieber solo als allein
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“Dio mio” eine italienische Hochzeit! Genau darum dreht sich der Liebesroman der bekannten Autorin Tessa Hennig Schon das fröhliche Cover macht Lust, die Protagonisten nach Italien zu begleiten. Doch italienische ...

“Dio mio” eine italienische Hochzeit! Genau darum dreht sich der Liebesroman der bekannten Autorin Tessa Hennig Schon das fröhliche Cover macht Lust, die Protagonisten nach Italien zu begleiten. Doch italienische Familienangelegenheiten haben so ihre Tücken und natürlich geht auch in diesem witzigen Liebesroman nicht alles glatt.

Leonie und Luca wollen heiraten. Leonie kommt aus Deutschland zu den zukünftigen Schwiegereltern nach Italien, die in Perugia ein in die Jahre gekommenes Hotel betreiben. Entspricht das Leonies Vorstellung von ihrer Zukunft? Luca, der aus Perugia stammt, ist ebenfalls hin und her gerissen zwischen der Möglichkeit, das Hotel seiner Eltern zu übernehmen oder mit Leonie noch die Welt zu sehen, denn beide sind Hotelfachleute. Und natürlich darf bei dieser Hochzeit die deutsche Familie nicht fehlen. So reisen Oma Gabriele, Mutter Katrin und Papa Oliver an, allerdings sind Oliver und Katrin bereits länger getrennt.

Tessa Hennig beschreibt die Charaktere der Protagonisten liebevoll und einfühlsam, ohne jedoch in Klischees abzugleiten. Für alle Generationen ist gesorgt: Oma Gabriele, die nach dem Tod ihres Mannes sehr zurückgezogen gelebt hat, blüht wieder auf. Das liegt unter anderem daran, dass ihre Kochkünste wieder gefragt sind, aber da gibt es auch noch Francesco. Katrin hinterfragt ihr Karrierefrau-Image und ist unschlüssig, ob sie Oliver noch liebt. Oliver, der eigentlich zurückhaltend ist, blüht in Italien richtig auf. Lucas italienische Familie hat auch ihre unerwarteten Geheimnisse. Und nicht zuletzt Leonie und Luca, das Brautpaar, dessen Lebensentwurf nicht so klar ist und das eine große Bewährungsprobe bestehen muss, bevor es- natürlich- ein Happy End gibt.

Dieses Buch hat alles, was man sich von einem gelungenen Liebesroman erwartet: Italienisches Temperament, grande amore, familiäre Wirrungen und Verstrickungen, porca miseria! (Das ist ein Schimpfwort und braucht nicht übersetzt zu werden.)

“Lieber solo als allein” ist ein fröhliches und entspannendes Buch, das sich gut lesen lässt. Der Schreibstil der Autorin ist realitätsnah, leichthändig und beschwingt entführt sie die Lesenden nach Perugia, in das sonnige Italien, nach dem die Sehnsucht in der Winterzeit besonders groß ist. Der Liebesroman bietet eine vergnügliche, unterhaltsame Geschichte, daher empfehle ich das Buch gerne weiter.

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Veröffentlicht am 22.12.2025

In den Falten der Zeit

Das Buch der verlorenen Stunden
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“Das Buch der verlorenen Stunden“, der Debütroman der Autorin Hayley Gelfuso, wirft zu Anfang eine philosophische Frage auf, die heute auch Wissenschaftler noch nicht beantworten können: Was geschieht ...

“Das Buch der verlorenen Stunden“, der Debütroman der Autorin Hayley Gelfuso, wirft zu Anfang eine philosophische Frage auf, die heute auch Wissenschaftler noch nicht beantworten können: Was geschieht mit unseren Erinnerungen, kann man sie verändern und manipulieren? Welche sind es wert, erhalten zu bleiben? Diesem interessanten Thema entspricht die hochwertige Ausstattung des Buches mit Goldprägung des Buchumschlages und der Abbildung des Zeitraums, einer Bibliothek, in der die Erinnerungen der Menschheit aufbewahrt werden.

Der Roman hat zwei sehr unterschiedliche Handlungsstränge und Zeitebenen.

Die Geschichte beginnt 1938 in der Reichskristallnacht, als ein jüdisches Mädchen, Lisavet, von ihrem Vater, einem Zeithüter, in den Zeitraum gebracht wird. Dort ist sie vor Verfolgung sicher. Doch dort ist sie auch gefangen, denn der Vater kommt nicht zurück. In dieser Falte der Zeit gelten keine realen Regeln und Bedürfnisse, doch Lisavet gelingt es, in die Erinnerungen anderer Menschen einzutauchen und dort mitzuleben. Nur Zeithüter, meistens Agenten der jeweiligen Regierungen, können den Zeitraum betreten. Sie vernichten unliebsame Erinnerungen, doch Lisavet setzt alles daran, diese Erinnerungen zu retten. Als sie eines Tages einem amerikanischen Zeithüter, Ernest, begegnet, ändert sich Lisavets Leben und sie überlegt erstmals, den Zeitraum zu verlassen.

Im zweiten, 1952 beginnenden Handlungsstrang versucht Moira, eine in Diensten des CIA stehende Agentin und skrupellose Mörderin, ein junges Mädchen, Amelia, zu schützen. Denn Amelia soll im Zeitraum Lisavets gerettete Erinnerungen finden.

Als sich beide Handlungsstränge vereinen, entsteht eine phantastische Geschichte, die jedoch starke Brüche in Sinn und Inhalt aufweist. Der Roman, am Anfang durch die junge Protagonistin durchaus für Jugendliche und junge Erwachsene geeignet, wird zu einem, allerdings nicht mit Bedacht ausgearbeiteten, Agententhriller. Die Wandlung in den Charakteren der Figuren ist schwer nachvollziehbar, eine eingebaute schwierige Liebesgeschichte bringt einen unerwarteten Plottwist. Das Buch nimmt sowohl oberflächlich auf den kalten Krieg Bezug als auch auf historische und wissenschaftliche Fakten, die jedoch zur Erklärung des Geschehens kaum etwas beitragen können.

Haley Gelfuso hat mit “ Das Buch der verlorenen Stunden” einen Roman geschrieben, der mit einer der großen Fragen der Menschheit beginnt, eine schön ausgearbeitete Geschichte, die auf ein jüdisches Schicksal hinweist, ohne jedoch näher auf die Gräueltaten der Nazis einzugehen. Hier zeigt sich die durchaus nachvollziehbare Entwicklung der Figur von Lisavet, die von moralischen und ethischen Grundsätzen in ihren Handlungen geleitet wird. Der Schreibstil der Autorin ist in diesem Abschnitt klug, empathisch und manchmal poetisch, denn Lyrik spielt eine bedeutende Rolle.

Kalte Sachlichkeit und Gewalt prägt den Wechsel des Genres zu einem Agententhriller und zu der Figur von Moira, die dem Charakter von Lisavet diametral entgegengesetzt agiert. Zu unstimmig entwickelt sich die Handlung, zu durchsichtig sind die Argumente, mit denen Moira ihre Taten rechtfertigt.

Auch wenn des Buch einen positiven, versöhnlichen Schluss bietet, der es den Lesenden überlässt, ihn der Fiktion oder der Realität zuzuschreiben, hält für mich dieser Roman in seiner Gesamtheit leider nicht, was der gelungene Anfang der Buches versprochen hat. Doch stimme ich aus vollem Herzen der Autorin zu, die in ihrem Nachwort betont, dieses Buch für all jene geschrieben zu haben, die so gut wie vergessen sind. Daher bewerte ich den Roman mit vier Sternen.

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Veröffentlicht am 18.12.2025

Menschenjagd

Wolfskälte
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Die australische Autorin Laura McCluskey hat mit “Wolfskälte” ihren ersten Roman, einen Krimi, vorgelegt. Das gelungene, stimmungsvolle Cover entführt die Lesenden nach Eilean Eadar, eine einsame Insel ...

Die australische Autorin Laura McCluskey hat mit “Wolfskälte” ihren ersten Roman, einen Krimi, vorgelegt. Das gelungene, stimmungsvolle Cover entführt die Lesenden nach Eilean Eadar, eine einsame Insel vor der Westküste Schottlands.

Ein Todesfall ist ungeklärt, Verbrechen oder Selbstmord? Der achtzehn Jahre alte Alan ist vom Leuchtturm der Insel gestürzt. Die Detective Inspectors Georgina - genannt George- Lennox und Richard Steward, die aus Glasgow vom Festland kommen, sollen die Umstände aufklären. Auf dieser einsamen Insel toben Stürme, die Bewohner sind auf sich selbst und einander angewiesen, vom Festland kommt keine Unterstützung. Alles erscheint wie in alter Zeit.

George und Richard werden von den Inselbewohnern vordergründig höflich aufgenommen, dennoch ist eine starke Abneigung gegen sie spürbar; es kommt zu Verwünschungen und sogar Tätlichkeiten. Dabei hat George genug mit sich selbst zu tun: Bei einem Einsatz vor einigen Monaten wurde sie schwer verletzt und hat jetzt noch an den Folgen zu tragen. Doch sie verbirgt ihre Schmerzen, auch vor ihrem Kollegen, der ihre Dienstfähigkeit mehr und mehr in Zweifel zieht. Verdächtig und verschlossen sind die Inselbewohner, die den Priester, Pater Ross, zu fürchten scheinen. Er tritt als moralische Autorität auf, gibt sich sehr um seine Gemeindemitglieder bemüht, dennoch bleibt seine Rolle undurchsichtig.

Laura McClusky beschreibt eindringlich die düstere und unheilschwangere Atmosphäre auf der abgeschotteten Insel, die von Unwettern heimgesucht wird. Der dort ohne Schule, Arzt und gängige Technik lebende Menschenschlag ist argwöhnisch und hat seine eigenen, uralten Bräuche, die den Priester nicht zu stören scheinen. Als George und Richard versuchen, den Tod von Alan aufzuklären, stoßen sie neben vielen Sagen und Legenden, denen die Dorfbewohner anhängen, auch auf das weit zurück liegende Verschwinden von drei Leuchtturmwärtern. Was ist damals geschehen? Hängt dieses in der Vergangenheit liegende Geheimnis mit Alans Tod zusammen?

“Wolfskälte” ist geprägt von ausgezeichneten Charakterschilderungen der einzelnen Protagonisten. Sowohl die Inspektoren als auch die Dorfbewohner in ihrem mittelalterlichen Aberglauben, ihrer Furcht und ihrer zusammengeschweißten Gemeinschaft, die nach archaischen Regeln lebt, werden realitätsnah dargestellt. Die Lesenden werden schnell in das Geschehen involviert, dennoch erscheint es lange unmöglich, die begangenen Verbrechen aufzuklären.

Vor allem das Verhalten von George steht im Vordergrund, die verbissen darum kämpft, nach ihrer schweren Verletzung im Außendienst zu bestehen. Sie ist ungeheuer willensstark, neigt aber immer wieder zu Alleingängen und bringt sich dadurch oft in Gefahr. Erst spät erkennt George, was der Mensch mit der Wolfsmaske, der sie durch ein Fenster beobachtet, ihr zeigen will. Dann jedoch werden ihre schlimmsten Befürchtungen und Vorstellungen durch die Realität übertroffen. Was bleibt, ist Entsetzen!

Ihr Partner Richard ist als ihr Vorgesetzter älter und gelassener. Er hat die Gabe, Menschen ins Gespräch zu ziehen, doch er ahnt nicht, was wirklich hinter den mysteriösen Todesfällen steckt. Er versucht, Georges Alleingänge zu verhindern, was allerdings nicht gelingen will. So ist es letztlich doch George, die das furchtbare Geheimnis dieser entlegenen Insel und ihrer nach alten Traditionen und Wertesystemen lebenden Bewohner entschlüsselt.

Laura McClusky beschreibt in mitreißendem Erzählstil die Engstirnigkeit und Angst der Inselbewohner sehr plastisch, es gelingt ihr hervorragend, eine beklemmende Atmosphäre zu schaffen. Man wird von Kapitel zu Kapitel neugieriger auf die Auflösung dieser verworrenen Geschehnisse. Der Roman hält den Spannungsbogen bis zum Schluss und bietet eine unerwartete, jedoch glaubhafte Auflösung des Geschehens. Mir hat dieses Buch, das durchaus auch Thrillermomente zu bieten hat, sehr gut gefallen und ich empfehle es allen Krimi- und Thrillerfans gerne weiter.

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Veröffentlicht am 12.12.2025

Das Geheimnis des siebenarmigen Leuchters

Eliot Holtby und das Universum der Vergangenheit
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Der bekannte Autor Marc Rosenberg erzählt mit “Eliot Holtby und das Universum der Vergangenheit” eine Geschichte, die phantasievoll und ungeheuer ideenreich ist. Das schöne Hardcover mit Goldrand sowie ...

Der bekannte Autor Marc Rosenberg erzählt mit “Eliot Holtby und das Universum der Vergangenheit” eine Geschichte, die phantasievoll und ungeheuer ideenreich ist. Das schöne Hardcover mit Goldrand sowie das Lesebändchen betonen die hochwertige Ausstattung des Buches. Am Beginn findet sich ein Personenverzeichnis, das hilfreich ist, denn in dem Jugendroman, der ab 10 Jahren empfohlen wird, wimmelt es von Personen, die sowohl in der realen Welt wie in einem Paralleluniversum beheimatet sind.

Eliot Holtby ist ein dreizehn Jahre alter Junge, der in einem Zirkus bei seinem Ziehvater Hilarius in den Niederlanden aufwächst. Doch dieser dreizehnte Geburtstag ist ein Schicksalstag, denn Hilarius verrät Eliot ein schlimmes Geheimnis: Er muss die Welt vor seiner bösen Tante Euphemia LaCroix, einer Hexe, retten. Eliot hat magische Kräfte, die er von seiner Mutter, einer guten Hexe, geerbt hat. Doch Eliot hofft, dass seine Eltern noch leben.

Eliot betritt in einer Parallelwelt die riesige Stadt Chilverse, die von Toten aller Epochen sowie lebenden Menschen bewohnt wird. Ihn empfängt nach einer etwas missglückten magischen Reise, die er gemeinsam mit seinem blinden Freund Florens und der uralten, weisen und sprechenden Schildkröte Mr. Touchdown gemacht hat, Abigail, ein sehr resolutes Mädchen. Ein blauer Saphir soll den Kindern helfen, die Landkarte des Lichts zu finden. Denn nur wenn Eliot die Lichter findet, die einen siebenarmigen Leuchter in der Kirche in Amsterdam zum Strahlen bringen, ist seine Mission gelungen.

“Eliot Holtby und das Universum der Vergangenheit” beschreibt die erste Prüfung, die Eliot bestehen muss. Bei seiner Aufgabe helfen ihm historische Persönlichkeiten wie Johann Sebastian Bach, der ihm die Vergangenheit zeigt oder Galileo Galilei, der ihn auf eine Sternenkonstellation hinweist. Eliot und seine Freunde treffen Henri de Toulouse-Lautrec in Paris zu Glanzzeiten des Moulin Rouge und besuchen den Louvre, um Antworten zu finden. Auch Jules Verne und ein Fesselballon spielen eine wichtige Rolle. Besonders aber ist die Aussage von Hilarius, dass Eliot in der Kirche in Amsterdam ein Kästchen finden wird, das alle Fragen der Menschheit beantwortet. Wird Eliot diese erste Prüfung bestehen können?

Marc Rosenberg hat mit diesem Roman eine spannende Geschichte geschrieben, die an verschiedenen historischen oder imaginären Schauplätzen spielt. Sowohl verstorbene Menschen wie sprechende, magische Tiere versuchen, Eliot bei seiner gefährlichen Mission zu unterstützen. Das Buch bindet historische Ereignisse ein und versucht auf diese Art, den jungen Lesenden geschichtliche Fakten näher zu bringen. Auch finden sich zahlreiche Anspielungen auf Entdeckungen, Bücher und Filme, die der Zielgruppe wahrscheinlich nicht bekannt sind.
Die Geschichte ist ungeheuer ideenreich und phantasievoll auch in einzelnen Details, was aber bedingt, dass der Fokus auf das eigentliche Thema des Buches- die Rettung der Welt- manchmal ins Hintertreffen gerät. So brauchen die Leser und Leserinnen eine Portion Geduld und Neugierde, wenn sie Eliot auf seiner schwierigen Reise begleiten, denn das Buch umfasst über 500 Seiten. Ich hätte mir hier eine stärkere Konzentration auf das Hauptthema gewünscht.

Das Buch lebt von gut gezeichneten Charakteren und zeigt, wie wichtig Freundschaft vor allem in schwierigen Lebenssituationen ist. Detailliert werden die Herausforderungen beschrieben, denen sich die Kinder zu stellen haben und die sie nur mit Mut, Köpfchen und Zusammenhalt bestehen können. In gut lesbarem und ungeheuer einfallsreichem Schreibstil werden Abenteuer geschildert, die zeigen, dass der Kampf gegen das Böse nicht vorbei ist. Für die leichte Lesbarkeit sorgt auch die angenehme Schriftgröße, die unterschiedliche Kapitellänge ist nicht wirklich störend.

Insgesamt kann ich das Buch für junge Lesende empfehlen, die magische Welten mögen und die mysteriöse Geschichten mit realen Elementen lieben. Denn der Kampf um die Rettung der Menschheit ist noch lange nicht vorbei!

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