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Veröffentlicht am 20.01.2025

Liebesträume und Liebeswirren

PS: Du bist ein Traum! (PS: Du bist die Beste! 5)
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Im fünften Band der Reihe “PS: Du bist die Beste” hat die bekannte Spiegel- Bestsellerautorin Nathalie Buchholz wieder ein wunderbares Buch über Freundschaft, Familie und Teenagerträume vorgelegt. Das ...

Im fünften Band der Reihe “PS: Du bist die Beste” hat die bekannte Spiegel- Bestsellerautorin Nathalie Buchholz wieder ein wunderbares Buch über Freundschaft, Familie und Teenagerträume vorgelegt. Das fröhlich- bunte Hardcover zieht mit seinen phantasievollen Illustrationen von Inka Vigh sofort die Blicke auf sich und nicht nur jugendliche Leser*innen werden neugierig zu diesem Buch greifen.

Wer die Reihe nicht kennt, findet schon auf den ersten Buchseiten eine Beschreibung der Figuren, ihrer Hobbys und Charaktereigenschaften. Hauptpersonen sind aber wie in den vorangegangenen Bänden die beiden Herzfreundinnen Lore und Emma, und was bei einer so tiefen Freundschaft nicht verwundert, auf beide Mädchen warten neben Liebeswirren auch große Überraschungen.

Zeitgleich schreiben die Freundinnen einander einen langen Brief, denn Lore lebt in Kiel und Emma in Rosenheim. Und beide sind an diesem Tag nicht in der Schule. Lore hatte einen seltsamen Traum, den sie nicht deuten kann, nicht einmal, als ihr ihre Mutter ein Buch über Traumdeutung gibt, das Siegmund Freud, der Begründer der Psychoanalyse, geschrieben hat. Sehr hilfreich ist es aber nicht. Daher will Lore ihren Traum für Emma aufschreiben. Lore hat von Sternbildern und ihrem Schwarm Aiko geträumt und von einem festlich gedeckten Tisch. Als ihr Vater sie zum Mittagessen ruft, verspricht er ihr eine große Überraschung. Wer steht da in der Küche? Ist das alles ein Traum oder doch real?

Auch Emma steckt im Gefühlschaos, denn sie ist in Alex verliebt, aber sie sind kein Paar. In der Vergangenheit hat Alex Emmas Vertrauen missbraucht, aber Emma hat ihm längst verziehen. Jetzt versucht Emma mit witzigen Situations- Auswirkungs- Emotions- Skizzen Ordnung in ihre Empfindungen zu bringen. Doch was Emma nicht weiß: Leon-der-beste-Stiefbruder-ever hat eine Überraschung für sie vorbereitet. Und wer steht in der Küche vor einem festlich gedeckten Tisch? Alles ist fast wie ein Traum. Oder ist es doch real?

Beide Mädchen wissen jedoch auch, dass Familie nicht immer einfach ist. Lores Eltern sind getrennt, aber sie hat einen süßen kleinen Bruder und eine Katze, die Katze heißt. Emma hingegen hat mit Ruth die beste Stiefmutter-ever und mit Leon den besten Stiefbruder. Leider ist Leon unglücklich verliebt und Emma kann hier nicht helfen, sondern nur trösten.

In diesem witzigen und flott geschriebenen Buch für Jungen und Mädchen ab elf Jahren finden sich verwirrte Gefühle und Situationskomik genau so wie einfühlsame Szenen über die Schwierigkeiten, die die Liebe mit sich bringt. Bildhaft und heiter wird sowohl die Verunsicherung, aber auch die überschäumende Freude beschrieben, wenn sich Träume erfüllen. Und über allem steht natürlich das Wissen, dass man seiner Traumfreundin alles anvertrauen kann.

Langeweile kommt hier niemals auf, denn Emma und Lore berichten im Tagebuchstil, in Chats oder in Briefform von ihren Gedanken und Gefühlen. Wunderbar unterstützt wird dieser lebhafte Austausch durch die gelungenen Illustrationen von Inka Vigh, die diese Geschichte leicht lesbar machen und damit beitragen, dass dieses modern gestaltete Buch zu einem Lieblingsstück im Regal werden wird. Daher eine absolute Leseempfehlung von mir und verdiente fünf Sterne.

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Veröffentlicht am 19.01.2025

Der Tod zahlt keine Zeche

Salute - Der letzte Espresso
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Mit seiner neuen Krimireihe, “Salute,. der letzte Espresso” entführt der durch seine “Tischler” Kriminalromane bekannte Autor Friedrich Kalpenstein die Leser*innen diesmal an den Gardasee. Dort hat der ...

Mit seiner neuen Krimireihe, “Salute,. der letzte Espresso” entführt der durch seine “Tischler” Kriminalromane bekannte Autor Friedrich Kalpenstein die Leser*innen diesmal an den Gardasee. Dort hat der ehemalige Münchner Kriminalhauptkommissar Paul Zeitler ein Café eröffnet und sich bereits bestens in Bardolino eingelebt.

Doch statt zu bezahlen, wird sein letzter Gast umgebracht. Natürlich erwacht hier auch in Zeitler der ehemalige Kriminalist und er ermittelt neben Kommissar Lanza, dem zuständigen italienischen Beamten. Was diesem gar nicht recht ist, denn für ihn zählt der Kollege außer Dienst zu den Verdächtigen. Also muss Zeitler seine Unschuld beweisen, aber als er sich in seiner näheren Umgebung umsieht, kommt ihm bereits ein schlimmer Verdacht- welchen ungebetenen Besuch bekommt der befreundete Restaurantbesitzer nebenan? Und wieso hat ein bekannter Journalist in einem reißerischen Artikel alles getan, um den Verdacht auf Zeitler zu lenken?

Dieses Buch von Friedrich Kalpenstein ist nicht so blutrünstig, wie das wunderbar zur Geschichte passende rote Cover suggeriert. Es ist flüssig und angenehm zu lesen, nur sehr selten kommt Hektik auf. Vor allem vermittelt uns der Autor italienisches Lebensgefühl durch die Beschreibung freundlicher Menschen, von gutem Wein und hervorragendem Essen, natürlich kommt auch die wunderbare Landschaft nicht zu kurz. Der Krimi bietet mit dem nunmehrigen Barista Paul oder Paolo, wie er von den Einheimischen genannt wird, als Hauptfigur einen Mann in den besten Jahren, der sich mit seinem Café einen Lebenstraum verwirklicht hat. Auch Kommissar Lanza ist ein interessanter Charakter, mürrisch und misstrauisch, aber ein guter Ermittler. Allerdings weiß er auch, im richtigen Moment die Augen zu verschließen, wenn es um die Interessen des Fremdenverkehrs geht.

Ein wenig dürfen wir an Zeitlers früherem Privatleben teilhaben, seine Ex-Frau hat es auch nach Bardolino verschlagen, sie macht dort Urlaub- und nicht allein. Jedoch warum genau Zeitler München verlassen und seinen Beruf aufgegeben hat, können wir nur erahnen- er wollte wohl nichts mehr mit Leichen zu tun haben. Und doch ist er es, der der Polizei den entscheidenden Hinweis auf den Täter liefern kann.

Dieser Gardasee-Krimi überzeugt mit einem sehr sympathischen Ex-Kommissar Zeitler, der es versteht, mit allen seinen italienischen Nachbarn wunderbar auszukommen, ohne auch nur im Ansatz italienisch zu sprechen. Ein wenig wird auch die schreibende Zunft beleuchtet, und es mag verwundern, was Journalisten alles tun mögen, um ihren Artikel auf die Titelseite zu bekommen. Da das Buch nicht viele Verdächtige anbietet, kommt die Lösung dieses Kriminalfalles nicht ganz unerwartet. Trotz einer gelungenen Geschichte- ich habe hier ein wenig den Humor vermisst, der mir bei den anderen Büchern das Autors so gut gefallen hat. Aber “Salute, der letzte Espresso” bietet wunderbare Leseentspannung und ich kann diesen Roman allen empfehlen, die sich schon jetzt in den sonnigen Süden träumen wollen.

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Veröffentlicht am 11.01.2025

Berührend und bestürzend: Wer ist hier Täter, wer ist Opfer?

Schon immer tot
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In ihrem Thriller hat die erfolgreiche Autorin T.M. Paine ein Szenario beschrieben, das die Lesenden in einen Konflikt stürzt und sie immer wieder zwingt, die Täter- und Opferrolle zu hinterfragen. Schon ...

In ihrem Thriller hat die erfolgreiche Autorin T.M. Paine ein Szenario beschrieben, das die Lesenden in einen Konflikt stürzt und sie immer wieder zwingt, die Täter- und Opferrolle zu hinterfragen. Schon das gelungene Cover hat “blutrot” als Signalfarbe, und genau so entspinnt sich auch die Handlung.

Ein Mord ist geschehen, ohne Leiche. So muss es wohl sein, denkt DI Sheridan Holler, als sie den Cold Case zum Fall Daniel Parks wieder aufnimmt. Es gibt viele ungeklärte Fragen, der Vater von Daniel war zwar des Mordes angeklagt, wurde aber freigesprochen. Und Daniels Schwester Jennifer hat diesen Prozess akribisch verfolgt.

Nunmehr versuchen Sheridan und ihre Kollegin Anna neue Spuren zu finden, wieder geraten die Eltern ins Visier, doch sie können nicht mehr viel beitragen, denn sie werden selbst Opfer- grausam ermordet. Und Jennifer leidet. Sheridan Holler kennt diesen Zustand, denn auch ihr Bruder wurde vor Jahrzehnten ermordet, der Täter nicht gefunden. Daher verbeißt sich Sheridan in diesen Fall, bei dem sich bald ein Verdächtiger, ein Freund der Familie, heraus kristallisiert. Aber ist er wirklich der Täter?

Im Laufe dieses flüssig und spannend erzählten Thrillers zeigt sich, dass Täuschung und Manipulation eine große Rolle spielen. Und dass im Verborgenen, in der Familie der Ermordeten, furchtbare Verbrechen begangen wurden, die es den Lesenden nicht einfach machen, die Täter- und die Opferrollen eindeutig zuzuordnen. Hin und hergerissen zwischen Ekel, Abscheu und Mitleid verfolgt man als Leser*in gebannt das Geschehen, bringt Verständnis für die Täter auf, die selbst Opfer waren. Und muss sich entscheiden, ob man dem Recht oder der Gerechtigkeit den Vorzug geben möchte.

Der Roman “Schon immer tot” lebt von starken Frauencharakteren und dem erzählten Schicksal dieser Figuren:

Sheridan ist eine geschickte und durchsetzungsfähige Ermittlerin, die niemals den Versuch aufgeben wird, den Tod des eigenen Bruders aufzuklären. Ihr ist wenigstens persönliches Glück an der Seite ihrer Partnerin Sam vergönnt.

Anna, Sheridans Freundin und Kollegin, die in ihren Beruf engagiert und konsequent handelt, zögert in ihrem Privatleben aber lange, die Konsequenzen aus dem verbrecherischen Handeln ihres Ehepartners zu ziehen. Lange erhält sie die Maske des persönlichen Glücks aufrecht und das Buch findet für diese Figur noch keinen befriedigenden Abschluss.

DCI Hill Knowles, die Chefin von Sheridan und Anna, gibt sich abweisend und sarkastisch. Spät erkennen Sheridan und Anna die Gründe für dieses Verhalten und versuchen, das Arbeitsklima zu verbessern. Außerdem läuft eine Wette im Revier: Heißt sie wirklich Hill?

Jennifer, die Schwester von Daniel Parks, die augenscheinlich alles tut, um der Polizei bei ihren Nachforschungen zu helfen, gerät immer mehr ins Visier der Ermittlerinnen. Sie scheint nach den Morden an den Mitgliedern ihrer Familie seelisch gebrochen, dennoch ist Sheridan Holler zunehmend überzeugt, dass sie nachhaltig in die schrecklichen Geschehnisse verstrickt ist. Welche Rolle spielt Jennifer wirklich in diesem Drama? Und welche Rolle spielt ihr Bruder Daniel in ihrem Leben?

Die gute Lesbarkeit dieses Thrillers ist auch den sehr kurzen Kapiteln geschuldet, die es einfach machen, der Handlung zu folgen. Und erst spät im Fortgang des Geschehens erschließt sich die Wahrheit über so viele abscheuliche Verbrechen. Wer sich nicht scheut, hinter die Fassade einer angeblich heilen Familie zu blicken und zu überlegen, ob die Täter hier Sympathie oder doch die Rache der Justiz verdienen, dem empfehle ich dieses gut geschriebene, manchmal berührende und oft auch verstörende Buch- eine spannende Lektüre zum Nachdenken!

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Veröffentlicht am 01.01.2025

Kluftinger will in die Politik

Lückenbüßer (Kluftinger-Krimis 13)
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Mit ihrem neuen Kluftinger- Krimi haben die Autoren Volker Klüpfel und Michael Kobr einen Roman vorgelegt, der wieder alle Anforderungen für Fans von Klufti erfüllt. Das umlaufende, erhaben geprägte Cover ...

Mit ihrem neuen Kluftinger- Krimi haben die Autoren Volker Klüpfel und Michael Kobr einen Roman vorgelegt, der wieder alle Anforderungen für Fans von Klufti erfüllt. Das umlaufende, erhaben geprägte Cover scheint sehr idyllisch, denn es zeigt eine von Kluftingers Lieblingsbeschäftigungen, das Pilzesuchen. Aber der Schein täuscht und in diesem Roman geht es um mehr.

Noch immer ist Hauptkommissar Kluftinger Leiter des Dezernats für Verbrechen gegen Leib und Leben bei der Kripo Kempten und natürlich steht ihm noch immer das bewährte Team zur Verfügung. Bei einer Antiterrorübung, die ins chaotische abgleitet, wird aus der Übungssituation bitterer Ernst, ein Polizist wird ermordet aufgefunden. Die Nachforschungen ergeben, dass der Mann mit rechten Kräften sympathisiert hat und immer mehr versucht hat, gegen den Staat zu agitieren.

Neben diesem Kriminalfall hat der Interims-Polizeipräsident Kluftinger aber auch andere Interessen, er kandidiert für den Gemeinderat. Zuerst auf einem aussichtslosen Listenplatz als Lückenbüßer, später aber möchte er wirklich politisch aktiv werden. Großen Anteil an seinem Sinneswandel hat sein “Freund” (“der Langhammer ist nicht mein Freund”) Dr. Langhammer. Nach allen Regeln der politischen Kunst versuchen die beiden Kontrahenten, einander auszustechen und Wählerstimmen zu gewinnen. Doch dann schlägt dieses eigentlich harmlose Duell in Hass gegen Dr. Langhammer um. In den Sozialen Medien wird der Doktor bedroht und beschimpft. Und Kluftinger erkennt, dass er sich auf schwieriges, vielleicht sogar zerstörerisches Terrain begeben hat und die politische Gegnerschaft zu Langhammer tritt in den Hintergrund.

Bei der Lösung des Mordes an ihrem Polizeikollegen wird das Team von Kluftinger sowohl mit der rechten wie der autonomen Szene konfrontiert. Letztlich führt eine alltägliche Begebenheit zur Lösung dieses undurchsichtigen Falles.

Mit Lückenbüßer haben Klüpfel und Kobr diesmal auch eine Bestandsaufnahme der aktuellen gesellschaftlichen Probleme vorgelegt. Sehr witzig wird einerseits der Wahlkampf der beiden Kontrahenten Kluftinger und Langhammer dargestellt, daran knüpft sich aber auch eine Abrechnung mit den sozialen Medien und dem Hass, der dort anonym verbreitet wird. Neben der Corona Pandemie, den Staatsverweigerern und den Identitären wird versucht, den Wurzeln rechten, aber auch autonomen Gedankenguts auf die Spur zu kommen. Manchmal tritt der eigentliche Kriminalfall dadurch in den Hintergrund.

Für Fans von Kluftinger ist “Lückenbüßer” wieder ein absolut lesenswerter Roman, auch wenn diesmal gesellschaftliche Entwicklungen und Probleme großen Raum einnehmen. Dem Buch fehlt es nie an Lokalkolorit und es “menschelt” in gewohnter Manier, sodass man den Figuren- treuen Lesern natürlich wohlbekannt- gerne durch den Ablauf der Handlung folgt. Schwungvoll wird der Spannungsbogen bis zuletzt aufrecht erhalten, Humor und leichte Ironie dominieren die Dialoge. Für Kluftinger-Fans ist auch dieses neue Buch natürlich eine “Pflichtlektüre”, allerdings tritt für meinen Geschmack der eigentliche Kriminalfall zu sehr in den Hintergrund. Trotzdem ein rundum gelungenes Buch, dass ich gerne weiterempfehle, aber für Klufti- Fans gibt es sowieso keine Alternative- dieses Buch müssen sie lesen!

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Veröffentlicht am 30.12.2024

Spannende Verbrecherjagd im viktorianischen London

Der tote Antiquar von Limehouse
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Mit ihrem historischen Kriminalroman ”Der tote Antiquar von Limehouse” hat die bekannte Autorin Ann Granger bereits das neunte Buch ihrer im viktorianischen London spielenden Krimiserie über Inspector ...

Mit ihrem historischen Kriminalroman ”Der tote Antiquar von Limehouse” hat die bekannte Autorin Ann Granger bereits das neunte Buch ihrer im viktorianischen London spielenden Krimiserie über Inspector Benjamin Ross und Lizzie Martin vorgelegt. Schon das hervorragend zum Thema passende Cover vermittelt die düstere Atmosphäre des übel beleumdeten Stadtteiles Limehouse, Wohnsitz des Antiquars Jacob Jacobus.

Dieser Händler steht im Ruf, mit gestohlenen Wertgegenständen zu handeln und zu anderen Gaunerbanden ein gutes Verhältnis zu unterhalten. Doch er gibt manchmal Scotland Yard Tipps, nicht aus Menschenfreundlichkeit, sondern aus Eigennutz. Denn mit Amateurdieben will Jacobus nichts zu tun haben, sie stören nur sein Geschäft.
Inspector Benjamin Ross besucht Jacobus, es gab Einbrüche in wohlhabende Haushalte. Ross ist überzeugt, dass Jacobus Diebsgut verkauft, doch konnte dem Händler bisher nichts nachgewiesen werden. Gerade jetzt ist ein wertvolles Smaragd-Collier von Lady Roxby verschwunden. Aber Jakobus kann dazu nichts sagen, denn er ist tot.

Besteht ein Zusammenhang zwischen den Verbrechen? Das Collier ist unauffindbar, auch wenn die Nichte und der Neffe von Lady Roxby des Diebstahls verdächtigt werden. Neffe Harry hat Schulden und schon mehrmals kleine Kostbarkeiten bei Jacobus versetzt. Zudem gibt es eine weitere Leiche. So verzweifelt Benjamin Ross auch die Lösung seiner Fälle sucht, alles ist anders, als es auf den ersten Blick erscheint. Auch die gesellschaftlichen Verbindungen seiner Ehefrau Lizzie bringen manchen wertvollen Tipp und tragen dadurch wesentlich zur Aufklärung der Geschehnisse bei.

Mit “Der tote Antiquar von Limehouse” hat Ann Granger ein gut recherchiertes Sittenbild der gesellschaftlichen Zustände in London im späten neunzehnten Jahrhundert vorgelegt. Die Kluft zwischen Arm und Reich wird am Antiquar Jacobus gezeigt, der ein wohlhabender Gauner ist und nicht nur sein Wohnhaus, sondern auch die beiden Nebenhäuser mit einer Gaststätte und einem Eisenwarenladen besitzt. Die dort arbeitenden Menschen sind ihrem Dienstherrn ergeben und kümmern sich um ihn und seine Besucher. Aber nicht jeder kann der Gelegenheit widerstehen, dem toten Jacobus seine Taschenuhr zu stehlen. Und ein fürstliches Trinkgeld bleibt armen Leuten lange in Erinnerung- und trägt letztlich auch zur Ausforschung des Mörders bei.

Die Oberschicht wird in der Figur der Lady Roxby greifbar, die arrogant und unhöflich glaubt, über die Polizei und ihre Ermittlungsmethoden bestimmen zu können. Doch nach und nach kommen Familiengeheimnisse ans Licht, die nicht nur das verschollene Smaragdcollier betreffen.

Die Kapitel des Buches werden abwechselnd von Benjamin Ross und seiner Frau Lizzie in Ich-Form erzählt. Damit erkennt man gut die unterschiedlichen Sichtweisen der Eheleute, es ergeben sich liebevolle Dialoge, bei denen auch der typisch britische Humor nicht zu kurz kommt. Doch nicht nur Lizzie und Benjamin sind an dem Fall interessiert, auch ihr neugieriges Hausmädchen lauscht gerne an der Türe. Was sie so nicht herausbekommt, erzählt ihr ihr Freund, der mit Inspector Ross den Fall bearbeitet.

Dieser angenehm flüssig zu lesende heitere Kriminalroman überzeugt mit authentischen Dialogen und präzise gezeichneten Charakteren, die dazu einladen, die Figuren in das historische London zu begleiten. Die Sprache ist der Zeit gut angepasst und obwohl sich nie Hektik einstellt, ist das Buch spannend und birgt manche überraschende Wendung, die die Lesenden dazu anregt, selbst immer wieder neue Theorien zur Lösung der Fälle zu entwickeln. Ann Granger ist eine Meisterin darin, stets andere Verdächtige und mögliche Szenarien anzubieten, die dann doch wieder ins Leere laufen. Fans von Miss Marple oder Hercule Poirot werden von diesem Buch begeistert sein. Daher von mir eine absolute Leseempfehlung und verdiente fünf Sterne.

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