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Veröffentlicht am 20.02.2018

Viele Blicke zurück

Totenweg
3 0

Frida Paulsen bereitet sich auf die Abschlussprüfung an der Polizeiakademie vor, als sie ein Anruf ihrer Mutter erreicht. Ihr Vater wurde brutal zusammengeschlagen und liegt im Krankenhaus im Koma. Obwohl ...

Frida Paulsen bereitet sich auf die Abschlussprüfung an der Polizeiakademie vor, als sie ein Anruf ihrer Mutter erreicht. Ihr Vater wurde brutal zusammengeschlagen und liegt im Krankenhaus im Koma. Obwohl sie nichts in ihre alte Heimat zieht, muss sie ihrer Mutter beistehen. Da kommen die Erinnerungen an die Jugend zurück. Ihre beste Freundin Marit, damals 14 Jahre alt, wurde in Deichgraben in einem alten Schuppen am Totenweg ermordet; ihr Mörder nie überführt. Aber Frida hat dem damals ermittelnden Kommissar Bjarne Haverkorn nicht alles erzählt. Nun treffen sie hier wieder aufeinander. Haverkorn, der seinen ersten Fall als leitender Ermittler nie hat abschließen können, hadert noch immer damit, dass genau dieser Fall ihn an seinem Fortkommen gehindert hat.

Der intensive, mitreißende, trotzdem leicht zu lesende Schreib- und Erzählstil von Romy Fölck hat es mir sehr schwer gemacht, den Krimi immer mal wieder aus der Hand zu legen. Ich bin schnell mittendrin in der etwas düsteren Gemeinschaft der kleinen Gemeinde Deichgraben in der Elbmarsch und lerne die kleinen Geheimnise, die jeder mit sich trägt, kennen.
Die 31-jährige Frida ist mir von Anfang an sympathisch, obwohl sie etwas verschlossen wirkt. Ich bewundere sie, wie sie die Geschäfte des Apfelhofes in die Hand nimmt um ihren Heimathof zu retten. Durch sie und ihre Gedanken, die immer wieder in die Vergangenheit wandern, lerne ich einige Personen des Dorfes noch näher und besser kennen. Wobei ich alle Handelnden sehr gut ausgearbeitet und menschlich gut dargestellt und für mich vorstellbar empfinde.
Mit dem wortkargen, eigenbrödlerischen Bjarne hatte ich anfangs meine Schwierigkeiten, die sich aber schnell gelegt haben. Er ist ein, wie ich es empfinde, sehr einfühlsamer Mann, der sich an seinen privaten Problemen, die er übrigens schnellstens lösen sollte, aufreibt.
Der Spannungsbogen wird von Anfang an sehr hoch gespannt und hält sich, auch wenn es mal etwas ruhiger zugeht, sehr gut bis zum Schluss. Obwohl Bjarne wegen des Überfalls auf Fridtjof Paulsen in der Elbmarsch ist, zielt doch alles auch auf den Cold Case von vor 20 Jahren zurück. Ich bekomme immer wieder Informationen, die mich auf falsche Wege leiten. Eine weitere Leiche taucht auf, die wieder in eine andere Richtung weist. Ich hatte selten so viele Fragen, die sich schlussendlich alle nach und nach aufgelöst und zu meiner Zufriedenheit geklärt haben.
Obwohl die Landschaft und die Umgebung keine sehr goße Rolle spielen, habe ich die vielen Apfelbäume auf den verschiedenen Höfen vor Augen und den Duft der Äpfel in der Nase.

Ich habe einen spannenden, interessanten Krimi lesen dürfen, bei dem mich einige Wendungen immer wieder verwirrt haben. 3 Fälle konnten gelöst werden und ich habe fleißig mit rätseln und spekulieren können.
Und nachdem ich die LP zum nächsten Fall habe lesen können, bin ich schon voll gespannter Vorfreude auf die weitere Zusammenarbeit von Bjarne Haverkorn und Frida Paulsen.

Veröffentlicht am 27.12.2018

Auch der 5. Fall für Käfer und Schneidmann absolut lesenswert

Kälter als die Angst
2 0

Die ehemalige Opernsängerin Carla Dellbrück wird erschlagen in der Schreinerei ihres Mannes
Klaus aufgefunden. Sie erhielt Drohbriefe, die aber niemand ernst genommen hat. Genau solche Briefe bekommt ...

Die ehemalige Opernsängerin Carla Dellbrück wird erschlagen in der Schreinerei ihres Mannes
Klaus aufgefunden. Sie erhielt Drohbriefe, die aber niemand ernst genommen hat. Genau solche Briefe bekommt auch Katrin Ortrup, die mit ihren Söhnen Leo und Finn in diesem Mehrfamilienhaus in Münster-Hiltrup, wo auch Charlotte früher gelebt hat, ein neues Leben beginnen will. Sie wendet sich direkt an Kommissarin Charlotte Schneidmann, die sie vom Entführungsfall ihres Sohnes kennt. Charlotte versucht sie vorerst zu beruhigen.
Kommissar Peter Käfer und die im Außendienst zurückberufene Charlotte Schneidmann beginnen im Mordfall Carla Dellbrück zu ermitteln und stoßen dabei auf einen längst verjährten Fall. Till Brönne, der heute als geläuteter Frauenmörder ein Buch geschrieben hat und dieses jetzt gekonnt promotet, hat seine Frau vor dreißig Jahren gleich der Leiche Dellbrück versucht zu verbrennen.


Dies ist nun schon der 5. Fall, in dem ich mit Peter Käfer und Charlotte Schneidmann zusammen ermitteln darf. Da alle Fälle in sich abgeschossen sind, sind es nur Kleinigkeiten, die mir hier fehlen würden, würde ich die anderen Bücher nicht gelesen haben. Ich finde es allerdings sehr interessant, die Entwicklung der Ermittler bzw. des Teams ab des ersten Falles miterleben zu können.

Spannung baut sich ab der ersten Seite auf und steigert sich kontinuierlich bis zum Schluss. Die Geschichte kommt ohne die Beschreibungen großen Blutvergießens aus, was mir als Leserin sehr zugute kommt. So kann ich viele Szenen in meinem Kopfkino selbst in Szene setzen. Überhaupt habe ich nach kurzer Zeit den Lesestoff in meinem Kopf in Bilder umgesetzt und bin nun noch mehr im Geschehen drin. Ich kann mit rätseln und mit ermitteln, komme jedoch immer wieder an einen Punkt, wo ich meinen Verdächtigen laufen lassen muss, weil es eine neue Wendung oder neue Erkenntnisse gegeben hat.

Christine Drews verwebt die Handlung, die Akteure und die Handlungsorte so gekonnt, dass ich immer weiter lesen will. Sie schafft es mit Leichtigkeit mich am Ball zu halten und immer mehr wissen zu wollen. Sie schreibt sehr leicht, gut verständlich und flüssig mit einer oft sehr bildhaften Beschreibung. Sogar eine Prise Humor fließt hier und da mit ein.
Die Charaktere haben ihre Ecken und Kanten, sind manchmal tiefgründig und nicht zu fassen. Zum Schluss, nach der schlüssigen und gut nachzuvollziehenden Auflösung, war ich jedoch erst mal perplex. Der Täter hat mich ganz schön an der Nase herum geführt und überrascht.

Auch diesmal kann ich jedem, der spannende, gut ausgearbeitete Krimis mag, dieses Buch empfehlen. Es hat mir einige interessante und unterhaltsame Stunden geschenkt.

Veröffentlicht am 04.02.2019

Verzerrte Familienidylle

Der dunkle Garten
1 0

Toby Hennessy, 28, wird in seiner Dubliner Wohnung von zwei Einbrechern brutal zusammengeschlagen. Als er nach einem längeren Krankenhausaufenthalt körperlich wieder einigermaßen hergestellt ist, erreicht ...

Toby Hennessy, 28, wird in seiner Dubliner Wohnung von zwei Einbrechern brutal zusammengeschlagen. Als er nach einem längeren Krankenhausaufenthalt körperlich wieder einigermaßen hergestellt ist, erreicht ihn der Anruf seiner Cousine Susanna, dass er sich doch bitte um den gemeinsamen Onkel Hugo kümmern möchte. Da Toby psychisch noch einiges aufzuarbeiten hat, ziehen er und seine Freundin Melissa für eine Weile bei Onkel Hugo, der an einem Gehirntumor leidet, ein. Bei einem gemeinsamen Familienessen stößt der kleine Sohn von Susanna auf menschliche Schädelknochen. Und nun müssen sich alle Mitglieder der Familie Hennessy ihrer gemeinsamen Vergangenheit stellen.

Dies war mein erstes Buch, das ich von Tana French gelesen habe. Und ich habe mich anfangs etwas schwer getan mit den verschachtelten Sätzen, mit endlosen Längen, die mich in der Geschichte nicht weitergebracht haben. Aber nach einer Weile war ich doch mitten drin im Geschehen.

Sehr gut finde ich, dass ich die einzelnen Familienmitglieder bzw. alle Protagonisten sehr deutlich und ausgefeilt auch mit ihren Gedanken beschrieben bekomme. Ich hatte schnell von jedem Einzelnen ein klares Bild vor Augen. Durch die zahlreichen Dialoge komme ich den einzelnen Familienmitgliedern noch näher. Ich leide mit Toby, der sich seiner absolut nicht sicher ist; bewundere Hugo und Susanne, dass sie das Augenscheinliche so gut verdrängen; und ich frage mich immer wieder, was die Nervosität bei Leon auslöst. Bis zu einem Punkt, wo sich das alles dreht und es für mich keinen Sympathieträger, außer vielleicht Onkel Hugo, mehr gibt.
Genau so toll beschrieben finde ich den Garten des Efeuhauses, bei dem es mir in der Seele weh getan hat, als er total umgegraben und sogar ein alter Baum gefällt werden musste.
Genau so klar werden mir die verschiedenen Stimmungen im Haus durch die Autorin nahe gebracht.

Ich habe mich direkt in das Geheimnis, das der Baum zutage gebracht hat, reinziehen lassen. Hatte immer neue Ideen, was damals passiert sein könnte. Aber der Auflösung bin ich nicht sehr nahe gekommen.

Auch wenn der Roman anfangs einige Längen hat und mich erst ab ca. der Mitte fesseln konnte, hat sich das Lesen gelohnt. Ein interessanter Sprachstil, eine aussergewöhnliche Familiengeschichte und ein junger Mann, der mich durch seine Art beim Lesen gehalten hat.

Veröffentlicht am 03.07.2018

Tödliche Videospiele

Todeswoge
1 0

Emma Klar, ehemalige Polizistin und jetzt Privatdetektivin in Wismar, wird von der Hamburger Juwelierin Lilo Eichborn engagiert, ihren ehemaligen Schulfreund Ingo Beyer zu suchen, der zuletzt in Grewesmühlen ...

Emma Klar, ehemalige Polizistin und jetzt Privatdetektivin in Wismar, wird von der Hamburger Juwelierin Lilo Eichborn engagiert, ihren ehemaligen Schulfreund Ingo Beyer zu suchen, der zuletzt in Grewesmühlen gelebt hat. Bei ihren Recherchen stößt die Privatdetektivin auf Polizeiberichte eines Prozesses wegen Kindestötung, wo Beyer als Täter vor Gericht stand. Er wurde damals freigesprochen. Nun ist in der Nähe von Grewesmühlen wieder ein 10-jähriges Mädchen verschwunden. Hat Beyer damit etwas zu tun und ist deswegen untergetaucht? Emma gelingt es sowohl BKA als auch LKA davon zu überzeugen, dass an diesem Fall viel mehr unklar ist, als das Verschwinden von Ingo Beyer. Gemeinsam geht man auf Spurensuche, die weit in die Vergangenheit zurück geht.

Dies ist der 3. Fall für die sympathische Privatdetektivin aus Wismar. Und auch diesmal wurde ich wieder sehr gut unterhalten.

Katharina Peters stellt mir in diesem Fall ganz besonders zwei Männer vor, Ingo Beyer und Kilian Eichborn, Freunde seit Jugendtagen, bei denen vor allem bei einem der Beiden die Brutalität und vor allem der Wahnsinn, mit dem er seine Taten begeht, schwer vorstellbar sind. Alles getarnt durch Videospiele, sowohl legal als auch im Darknet. Bis einem der Beiden der Andere plötzlich zuviel wurde. Beim Lesen hatte ich mehr als einmal Gänsehaut. Wenn ich mir vorstelle, dass es vielleicht solche Menschen mit solchen Fantasien, die diese auch verwirklichen wollen, tatsächlich geben könnte, stellen sich mir die Haare auf.

Die Spannung ist wegen der ausgiebigen Ermittlungen diesmal nicht ganz so hoch. Trotzdem habe ich mitgefiebert und mit gelitten, bis man dem oder den Tätern endlich auf der Spur war. Und ich hatte Angst, dass es vielleicht ein weiteres Opfer geben könnte. Gut dass Emma sich auf ihren Freund Christoph immer verlassen kann und der auch die kleinsten Hinweise zu deuten vermag.

Ihr habt Lust auf einen spannenden, vor allem sehr interessant aufgebauten Ostsee-Krimi? Dann seid ihr hier genau richtig.

Veröffentlicht am 10.06.2018

Unglaublich und erschütternd

Gleis der Vergeltung
1 0

Lynn-Elisabeth von Raaben und Benedikt Hallbach wollen die Gäste zu ihrer Hochzeit am 06. Mai 2010 schockieren. Sie planen, anstatt mit einer weißen Limousine mit einem Roller beim Standesamt vorzufahren. ...

Lynn-Elisabeth von Raaben und Benedikt Hallbach wollen die Gäste zu ihrer Hochzeit am 06. Mai 2010 schockieren. Sie planen, anstatt mit einer weißen Limousine mit einem Roller beim Standesamt vorzufahren. Doch zu dieser Hochzeit soll es nicht kommen. Benedikt verunglückt auf dem Weg zu seiner Braut tödlich.
7 Jahre später meldet sich bei Lynn eine Frau, die den Unfall gesehen haben will. Sie behauptet, es sei kein Unfall gewesen und sie kenne die beiden Männer und die Frau, die für den Tod von Benedikt verantwortlich seien.
Und Lynn, die seit damals in einem Loch der Trauer gefangen scheint, entwirft zusammen mit genau dieser Frau einen entsetzlichen Racheplan. Dabei merkt sie nicht, dass sie zum Spielball in einem perfiden Spiel wird.

Das Interesse für dieses Buch hat schon das Cover geweckt. Es zieht mich magisch an und ich habe mich gefragt: Was hat es mit der jungen Frau im Brautkleid auf den Gleisen auf sich?

Der Einstieg ins Buch war für mich nicht ganz einfach. Ich musste mich erst auf die verschiedenen Zeitebenen und den unterschiedlichen Schauplätzen zurecht finden. Das ist mir aber schnell gelungen. Jedes Kapitel wird mit Namen eingeleitet, so dass ich immer genau weiß, um wessen Geschichte es sich hier gerade handelt.
Astrid Korten hat es sehr schnell geschafft meine absolute Aufmerksamkeit auf die Geschichte zu lenken, mich regelrecht an das Buch gefesselt und darin gefangen. Schnörkellos und ohne Wertung erzählt sie von einer nach aussen scheinbar tadellosen Familie, von Scheidungskrieg, von Demenz, von sexuellem Missbrauch und sie lässt mich tief in die Seelen und Abgründe der Protagonisten schauen.
Die gesamte Geschichte dreht sich hauptsächlich um Benedikt und um die Rache, mit der sich Lynn auseinanderzusetzen hat, bis sie merkt, dass sie gerade wieder zum Opfer wird. Dazu kommen diverse Nebenschauplätze, die sich alle lückenlos und nachvollziehbar in die Hauptgeschichte einfügen.
Die Protagonisten sind so detailliert beschrieben, dass ich sie mir sehr gut vorstellen kann. Die Autorin macht es mir leicht, mich auch in das Gefühlsleben der meisten Personen hinein denken zu können. Manches ist allerdings so ungeheuerlich, dass es wirklich kaum zu glauben ist. Schlimm wird es für mich immer dann, wenn ich mir vorstelle, dass dies alles auf einem wahren Kriminalfall beruht. Da stockt mir immer wieder der Atem und auf meinen Armen stellen sich die Haare auf.
"Gleis der Vergeltung" macht mich sprachlos, geht mir unter die Haut, berührt mich sehr und wird mich noch lange beschäftigen. Und ich hoffe, dass sich noch viele Leserinnen und Leser diesem immer noch totgeschwiegenen Thema annehmen und das Buch lesen werden.
Meine absolute Leseempfehlung für das beste Buch, das ich seit langem gelesen habe!