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Veröffentlicht am 15.08.2017

Sommerroman mit Nachdenkpotential

Meeresblau & Mandelblüte
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Die Protagonistin des Romans, Leonie ist eine erfolgreiche Firmensaniererin, die für ihre Arbeit lebt, wenig Freizeit hat und noch weniger Freunde. Als ihre Tante stirbt, reist sie kurzfristig nach Mallorca, ...

Die Protagonistin des Romans, Leonie ist eine erfolgreiche Firmensaniererin, die für ihre Arbeit lebt, wenig Freizeit hat und noch weniger Freunde. Als ihre Tante stirbt, reist sie kurzfristig nach Mallorca, um dort vor Ort zu erfahren, dass sie ein kleines Agrotourismus-Hotel geerbt hat. Sie plant schon in Gedanken den Verkauf, als sich so ganz nebenbei herausstellt, dass vier Rentner dort ihren Altersruhesitz haben und das Testament auch noch Überraschungen für sie bereithält. Sie muss um planen, was ihr überhaupt nicht gefällt. Als dann auch noch Niklas, ein Sohn einer der Bewohnerinnen auftaucht, gerät ihr Leben ganz langsam völlig aus den Fugen…
Elke Beckers Schreibstil ist leicht und flüssig lesbar; der Roman spielt abseits der Touristenhochburgen in einem kleinen Agrotourismus-Hotel. Sie beschreibt die Landschaft so eindrucksvoll, dass diese vor dem Auge des Betrachters sichtbar wird, den ungetrübten Blick aufs Meer und die zerklüfteten Felsen genau vor Augen. Der Leser spürt die Atmosphäre des kleinen, ein wenig renovierungsbedürftigen Hotels und riecht den Duft der Mandelblüte, der Leser steht als stiller Betrachter mitten im Geschehen. Die Charaktere der vier Rentner sind völlig unterschiedlich und sehr authentisch, eine eingeschworene Gemeinschaft, die in einer heute noch völlig untypischen Wohngemeinschaft zusammenlebt .Neben den Rentnern leben eine Reihe tierische Mitbewohner auf der Finca, die einen ebenso eigenwilligen wie ausgefallenen Charakter haben und den Leser mit der einen oder anderen Episode humorvoll unterhalten und zum Lachen bringen. Eine sehr gelungene Mischung.
Schaut man mit einem zweiten Blick hinter die Kulissen und lässt vor seinem inneren Auge die Geschehnisse Revue passieren, wird einem bewusst, dass diese vier Rentner sicherlich auch ein sehr glückliches Rentner Dasein führen. Sie leben selbstbestimmt und relativ autark in ihrer Gemeinschaft und sitzen nicht einsam in „Seniorenresidenzen“ und machen so dem Leser klar, dass es in der heutigen Zeit auch alternative Formen des Zusammenlebens im Alter gibt, über die man nachdenken sollte, weil sie in meinen Augen durchaus nachahmenswert sind.
Es war ein Sommerroman, wundervoll emotional erzählt, mit Hindernissen und nicht immer eitlem Sonnenschein und ein Roman, der auf den zweiten Blick zum Nachdenken über das Leben im Alter anregt.

Veröffentlicht am 10.07.2017

Liebesgeschichte mit Tiefgang

Wildblumensommer
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Klappentext: Ein unvergesslicher Sommer in Cornwall Zoe steht vor einer schweren Entscheidung: Eine hochriskante OP soll ihr Leben retten. Spontan beschließt sie noch einmal nach Cornwall zurückzukehren, ...

Klappentext: Ein unvergesslicher Sommer in Cornwall Zoe steht vor einer schweren Entscheidung: Eine hochriskante OP soll ihr Leben retten. Spontan beschließt sie noch einmal nach Cornwall zurückzukehren, denn dort erlebte sie vor vierzehn Jahren ihr größtes Glück - und ihren schlimmsten Albtraum. Nun endlich will sie die Geheimnisse jenes Sommers klären. Erneut trifft sie auf ihre große Liebe Jack, erneut schöpft sie Hoffnung auf ein Leben an seiner Seite. Aber die Schatten der Vergangenheit drohen auch ihre Zukunft zu zerstören ...

Der Roman Wildblumensommer von Kathryn Taylor hat ein wunderschön romantisch anmutendes Cover, luftig und leicht, was mir sofort ins Auge gefallen ist. Mein erster Gedanke assoziierte eine wunderbare Liebesgeschichte Doch dieser Roman ist mehr als das, eine spannende Geschichte, einen alten Familienalptraum aufzulösen. Die Geschichte beginnt mit dem von Zoe erlebten Drama voller Emotionen und fesselt von der ersten Seite.
Zwei unterschiedliche Haupterzählstränge Zoe als Protagonistin des einen und Jack des anderen Erzählstranges, außerdem zwei Nebenerzählstränge über Rose, die Zoe seit ihrer Kindheit kennt und des Anwaltes Simon, wechselnd erzählt und voller Spannung. Die zwischendurch eher schnellen Schauplatzwechsel geben dem Roman mehrere gut eingepasste Spannungsbögen, die den Leser zu fesseln verstehen und voller Neugierde weiterlesen lassen und sind dabei emotional und spannend.
Die Geschichte ist flüssig und leicht lesbar erzählt, ebenso die Rückblicke in die Vergangenheit sind sehr klar und vermitteln dem Leser ein tieferes Verständnis der Erzählung. Der Leser fühlt mit Zoe, wenn er ihr Handeln zu Beginn auch nicht unbedingt versteht, fiebert mit Rose, die ihre familiären Geheimnisse versteckt und doch entdeckt werden und hat Mitleid mit Jacks Sohn William, der seine Mutter verloren hat. Alle Charaktere haben ihren eigenen Charme, ohne perfekt zu sein und wirken dadurch sehr authentisch.
Humor, Spannung, Emotionen, romantische Passagen wechseln einander ab und verstehen es, den Leser von der ersten Seite an zu fesseln, in seinen Bann zu ziehen, es ist keine seichte Liebeskomödie, denn auch ernste Themen, die in unserer Gesellschaft heute immer noch gerne totgeschwiegen werden, haben in der Erzählung ihren Platz und machen ihn dadurch empfehlenswert.
Ich bedanke mich bei dem Verlag, dass ich an der Leserunde teilnehmen konnte.

Veröffentlicht am 21.09.2017

Zigeuner unter Verdacht

Das Mädchen im schwarzen Nebel
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Weißenberg - Oberlausitz anno 1816
In seinem Kohlermeiler, der nicht wie geplant abgebrannt ist, findet der junge Köhler Lorenz eine bis zur Unkenntlichkeit verbrannte Leiche. Sofort fällt der Verdacht ...

Weißenberg - Oberlausitz anno 1816
In seinem Kohlermeiler, der nicht wie geplant abgebrannt ist, findet der junge Köhler Lorenz eine bis zur Unkenntlichkeit verbrannte Leiche. Sofort fällt der Verdacht auf den Köhler, doch der beteuert vehement seine Unschuld und hat in Dr. Cornelius Waldeck einen Fürsprecher, der auf eigene Faust die Ermittlungen aufnimmt, denn genau drei Jahre zuvor waren Zigeuner in der Nähe und einer von ihnen kam damals zu Unrecht zum Leben und zeitgleich mit dem Fund der Leiche sind sie nun wieder in der Gegend…
Der Roman wird in zwei unterschiedlichen Handlungssträngen erzählt, dem Handlungsstrang des Jahres 1816 und dem, der genau drei Jahre zuvor beginnt. Beide sind spannend und packend erzählt und fügen sich am Ende harmonisch zusammen.
Rosana, eine junge Zigeunerin, die Protagonistin des Romans, ist eine toughe junge Frau, die den Tod ihres Vaters vor drei Jahren gesühnt haben möchte. Sie hat den Brauer Oswald seit damals in Verdacht, der ihnen damals ein Winterquartier gegen Arbeit gegeben hat, aber auch Rosana nachgestellt und auch sonst Dreck am Stecken hat. Sie versucht, auf Biegen und Brechen seine Schuld zu beweisen, von der sie überzeugt ist und gerät dabei unversehens in Lebensgefahr.
Zigeuner waren damals wie heute Menschen, die am Rande der Gesellschaft leben mussten, sie wurden diskriminiert und stigmatisiert. Eben diese Problematik bringt die Autorin Ivonne Hübner in ihrem Roman sehr gut zum Ausdruck, wie die Verachtung der Gesellschaft vor den „Fremden“. Aber auch die Köhler waren damals eine Bevölkerungsgruppe, die am Rand der Gesellschaft lebten, nicht geachtet, nur geduldet, ebenso wie die Gruppe der Liliputaner, die sich als Bergleute verdingten. Auch die damals ausgeübten Berufe, wie der des Köhlers werden anschaulich dargestellt, ebenso wie das Handlesen der Zigeuner, die unter andrem damit ihren Lebensunterhalt verdienten.
Die Charaktere des Romans beschreibt die Autorin sehr detailliert und lässt Raum für Entwicklungen, einzig Dr. Cornelius Waldeck war mir persönlich ein wenig zu emotionslos, beim Lesen spürt man außerdem, dass die Autorin mit der Oberlausitz tief verbunden ist, verwurzelt, wie man so schön sagt. Die detaillierten Landschaftsbeschreibungen holen den Leser ab und machen neugierig.
Die von Beginn an spannende und fesselnde Handlung hielt den Spannungsbogen bis zum Ende und das Ende war entsprechend völlig überraschend.
Eine spannender historischer Kriminalroman, der mir gut gefallen hat.

Veröffentlicht am 20.09.2017

Mythos Brennerpass

Nachts am Brenner
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Ein neuer brutaler Mord für Commissario Grauner in Südtirol am Brennerpass:
Dort ist ein alter Mann von einem Pferd zu Tode geschleift worden. Als kurze Zeit später ein weiterer Mord passiert, das Opfer ...

Ein neuer brutaler Mord für Commissario Grauner in Südtirol am Brennerpass:
Dort ist ein alter Mann von einem Pferd zu Tode geschleift worden. Als kurze Zeit später ein weiterer Mord passiert, das Opfer ist ebenfalls ein alter Mann, der wie das andere Opfer zu einer Runde von Kartenspielern gehörte und dann bei der Spurensuche eine Cannabisplantage entdeckt wird, vermuten die Ermittler Zusammenhänge. Kurze Zeit später findet Commissario Grauner eine Visitenkarte, die auf Spuren aus der Vergangenheit weist, auf eine Zeit, die in Zusammenhang steht, mit den ungelösten Mordfällen an seinen Eltern….
Wie schon die beiden Vorgängerbücher ist auch hier die Landschaft sehr eindrucksvoll beschrieben und die Stimmung des Romans ist ein wenig melancholisch, betrübt und gedrückt. Der Schreibstil ist flüssig, leicht lesbar und holt den Leser von Beginn an ab. Lenz Koppelstädter versteht es wie auch schon in den anderen Kriminalromanen, die Eigenarten und die teilweise sonderlichen Bewohner, ebenso wie die teilweise recht abgeschieden gelegenen Höfe und Dörfer so detailliert und authentisch zu beschreiben, dass man sie als Leser direkt vor Augen hat; nicht zuletzt geht er auch auf die interessante Geschichte und die unterschiedliche Bedeutung des Brennerpasses kurz nach Beendigung des 2. Weltkrieges ein.
Ein außergewöhnlicher Krimi mit einem überraschenden Finale und so spannend, dass man ihn nicht mehr aus der Hand legen möchte.

Veröffentlicht am 18.09.2017

Freiheit - unbezahlbar

Sami und der Wunsch nach Freiheit
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Klappentext: Die unglaubliche Geschichte von Sami und seinem abenteuerlichen Leben in den Gassen von Damaskus. Geschichten um Geschichten reihen sich aneinander. Sie alle erzählen von einer innigen Freundschaft, ...

Klappentext: Die unglaubliche Geschichte von Sami und seinem abenteuerlichen Leben in den Gassen von Damaskus. Geschichten um Geschichten reihen sich aneinander. Sie alle erzählen von einer innigen Freundschaft, der Sehnsucht zweier Jungen nach Freiheit und dem Ausbruch der syrischen Rebellion
Rafik Schami hat einen sehr emotionalen Roman über eine Freundschaft zweiter Jungen geschrieben, die in Damaskus aufwachsen, unzertrennlich sind, sich wie Brüder fühlen, einen alten sehr weisen Postboten zum Freund haben und deren Wege sich nach dem Aufstand in Daara trennen müssen, da sie in den Untergrund abtauchen müssen. Er erzählt die Geschichte von Scharif und seinem Freund Sami… Die beiden Freunde jedoch gehen erst einmal ihren Weg, machen Abitur, studieren Informatik und teilen viele Erlebnisse, traurige, lustige und mutige miteinander. Nachdem Aufstand müssen beide Freunde untertauchen und hier verliert sich Samis Spur….
In 34 kleinen Episoden erzählt Scharif über sein und Samis Aufwachsen in einem armen christlichen Viertel in Damaskus, der Schule, in der die Kinder vom ersten Schuljahr an indoktriniert wurden, in den ersten Kapiteln spürt man Zuversicht, Hoffnung und die Lebensfreude beide Freunde. Von Kapitel zu Kapitel spürt der Leser, wie sich Bespitzelungen durch Spione des Geheimdienstes, Repressalien gegenüber Andersdenkenden, willkürliche Verhaftungen und Unterdrückungen immer mehr zuspitzen, bis zum Aufstand in Daara, im März 2011. Die beiden Freunde jedoch gehen erst einmal ihren Weg, machen Abitur, studieren Informatik und teilen viele Erlebnisse, traurige, lustige und mutige miteinander. Nachdem Aufstand müssen beide Freunde untertauchen und hier verliert sich Samis Spur….
Dieser Roman ist ein sehr bewegender und eindrücklicher Roman über die syrische Gesellschaft, eine Gesellschaft, unterdrückt und geknechtet durch ein diktatorisches Regime, in Schach gehalten durch die Allmacht der Geheimdienste, die über der regierenden Baath Partei stehen. Ein Regime, das keine Widerstände duldet und mit Verhaftungen, Folter und Hinrichtungen reagiert, ein Regime, vor dem Tausende Syrer in den letzten Jahren geflüchtet sind, ihres Lebens nicht mehr sicher.