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Veröffentlicht am 06.10.2019

Spannender historischer Roman aus Hamburg

Die Hafenschwester (1)
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Das Cover des Romans zieht sofort die Blicke auf sich und passend hervorragend zu dem Titel. Der neue Roman von Melanie Metzenthin spielt in Hamburg zwischen 1892 und 1898. Martha, die Protagonistin ...

Das Cover des Romans zieht sofort die Blicke auf sich und passend hervorragend zu dem Titel. Der neue Roman von Melanie Metzenthin spielt in Hamburg zwischen 1892 und 1898. Martha, die Protagonistin des Romans, lebt mit ihrer Familie im Gängeviertel, dem Viertel des einfachen und mittleren Arbeiters. Martha feiert 1892 ihren vierzehnten Geburtstag, doch der Tag ihres Geburtstages endet tragisch, erst erkrankt ihre kleine Schwester an der Cholera, kurz darauf ihre Mutter und damit ändert sich Marthas Lebensweg auf dramatische Art und Weise…
Der Roman beginnt fesselnd und so spannend, dass man ihn am liebsten überhaupt nicht mehr aus der Hand legen möchte und vor meinem geistigen Augen erschienen anhand der sehr detailgetreuen Schilderungen das alte Hamburg., die Menschen und auch die unterschiedlichen Stimmungen. Flüssig und leicht lesbar auf sehr gutem Niveau geschrieben beschreibt die Autorin sehr lebendig und nachvollziehbar die Geschichte von Martha, die es nach vielen Unwägbarkeiten schafft, sich von einer einfachen Krankenwärterin zu einer sehr geachteten Anstellung als Krankenschwester bei den Erika-Schwestern hochzuarbeiten. Während dieser Zeit nimmt auch das politische Geschehen seinen unabänderlichen Lauf, denn obwohl der Hamburger Hafen boomt, hungern und verarmen die Hafenarbeiter immer mehr und streiken deshalb für bessere Arbeitsbedingungen, vor allem feste und kürzere Arbeitszeiten, und mehr Geld und auch die Frauen schließen sich in der Frauenbewegung zusammen.
Martha, die einerseits unbeirrbar ihren Weg vor Augen hat, schließt sich ebenfalls der Frauenbewegung an und erlebt nicht nur während ihres Aufstiegs zu den Erika Schwestern von Intrigen über Rivalität, Zusammenhalt und Freundschaft bis hin zur Liebe viele verschiedene Gefühlsfacetten die nachvollziehbar und absolut authentisch geschildert werden und den Leser durch verschiedene Gefühlskarussells schicken.
Gleichberechtigung, Emanzipation und dem Kampf der Arbeiter für bessere Lebensbedingungen, die sozialistische Bewegung, die die Arbeiter unterstützt, ist einbettet in Marthas Geschichte, die auch mit den geschichtlichen Ereignissen in Hamburg verknüpft ist und einen sehr stimmigen Roman bildet, bei dem der Leser traurig ist, dass das Ende schon erreicht ist. Die Autorin versteht es wie keine andere, Wissen sowohl medizinischer als auch historischer Art wunderbar harmonisch zusammenzufügen.
Von mir eine Leseempfehlung für einen spannenden historischen, aber auch politischen Roman mit einer starken Protagonistin, die die Herzen der Leser erobert. Ich freue mich schon jetzt auf die Fortsetzung des Romans.

Veröffentlicht am 06.10.2019

empfehlenswert

Eine Familie in Deutschland
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Peter Prange – für mich ein Garant empfehlens,- und lesewerter Literatur.
Der zweite Teil zur Familie Ising und Fallersleben entführt uns in die Zeit des zweiten Weltkrieges, als nicht nur Deutschland, ...

Peter Prange – für mich ein Garant empfehlens,- und lesewerter Literatur.
Der zweite Teil zur Familie Ising und Fallersleben entführt uns in die Zeit des zweiten Weltkrieges, als nicht nur Deutschland, sondern bald auch fast die ganze Welt in den unglaublichen Wirren des zweiten Weltkrieges versinkt. Während Horst, der ein glühender Anhänger des Nationalsozialismus ist, hat sein Bruder Georg, der als Ingenieur bei Porsche arbeitet, keinerlei politische Ambitionen, sondern entwickelt mit Herzblut Kraftfahrzeuge und frönt den Frauen. Wlli, der Nachzügler der Familie, wird immer mehr zum Sorgenkind und die beiden Töchter, Charly und Edda haben auch nicht ganz einfache Schicksale. Während Charly einen nicht ganz einfachen Weg als Ärztin geht, geht Edda ebenfalls einen sehr problematischen Weg. Wie werden ihrer aller Wege gerade in dieser sehr schwierigen und unwägbaren Zeit enden?
Wechselnd erzählt er die Erlebnisse der einzelnen Protagonisten und schwenkt immer dann, wenn die Spannung den Leser zu übermannen droht, zu einem anderen der Protagonisten, so entsteht eine Grundspannung, der den Leser beim Lesen nicht innehalten lässt. Der Roman ist dabei flüssig, leicht lesbar und wunderbar recherchiert und nimmt den Leser von Beginn an mit in eine der dunkelsten Epoche der deutschen Geschichte, die Peter Prange so packend und fesselnd erzählt, dass man als Leser das Gefühl hat, dabei gewesen zu sein, man spürt die Stimmungen der einzelnen Personen und auch der damaligen Zeit. Faszinierend ist für mich die hervorragende Recherche zum Thema, wenngleich in manchen Kapiteln ein paar wenige Längen sind, die meines Erachtens der Geschichte geschuldet waren, denn neben Leni Riefenstahl, Göring, Porsche und Anton Piëch, der das VW-Werk leitet lässt er auch Dietrich von Choltitz, der Stadtkommandant von Groß-Paris war, gelungen mit in dieses historische Epos einfließen. Er schildert aber auch die panische Angst der Juden in Arbeitslagern, auf den montäglichen Deportationslisten nach Auschwitz zu stehen und den absolut menschenverachtenden Umgang der Wärter mit den dort ankommenden Juden schonungslos.
Für mich einer der herausragenden Romane des Jahres 2019 mit einer klaren Leseempfehlung für jeden geschichtlich interessierten Leser.

Veröffentlicht am 06.10.2019

Lesenswert und Mut machend

Das Leben ist großartig – von einfach war nie die Rede
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Mit „Das Leben ist großartig-von einfach war nie die Rede“ ist der zweite Roman von Gaby Köster nach ihrem Schlaganfall vor 10 Jahren erschienen und ist genau wie Gaby Köster, ehrlich, offen, mit dem Herzen ...

Mit „Das Leben ist großartig-von einfach war nie die Rede“ ist der zweite Roman von Gaby Köster nach ihrem Schlaganfall vor 10 Jahren erschienen und ist genau wie Gaby Köster, ehrlich, offen, mit dem Herzen auf dem rechten Fleck, dennoch macht es den Leser auch nachdenklich, denn sie beschreibt sehr anschaulich ihr Leben nach dem Schlaganfall – alle die Tücken und Hindernisse – und was noch viel wichtiger ist, sie hat nie den Mut verloren, sondern sie macht Mut: „Wir können einiges rocken, auch wenn es manchmal harte Brocken sind, die im Weg liegen.“
Mir hat der Roman gut gefallen, Gaby Köster spricht, wie ihr der Schnabel gewachsen ist, wirkt auf mich absolut authentisch und genauso hat ihr Freund Till Hoheneder alles zu Papier gebracht. Ich finde es sehr beeindruckend, wie sie den Weg des Lebens meistert, sich trotz „Handicap“ nicht versteckt, sondern versucht, pragmatisch damit umzugehen, wie sie sich in New York weitere Freiheiten erarbeitet und mit ihrem „Gabybmobil“ noch mehr Lebensqualität zurückerobert.
Mir hat der Roman sehr gut gefallen und ich zolle ihr Respekt, sie lässt sich nicht unterkriegen, sie hat auch mal schlechte Tage - allem zum Trotz hat sie ihren Lebensmut nicht verloren hat – und damit macht sie vielen Menschen Mut – nicht aufgeben…

Veröffentlicht am 29.09.2019

Lachen – Schmunzeln- Anekdoten aus dem Schulalltag

Nenne drei Streichinstrumente: Geige, Bratsche, Limoncello
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Dies ist nach "Nenne drei Nadelbäume: Tanne, Fichte, Oberkiefer" und "Nenne drei Hochkulturen: Römer, Ägypter, Imker" das dritte Buch aus der Feder der beiden Autorinnen. Doch diesmal werden nicht nur ...

Dies ist nach "Nenne drei Nadelbäume: Tanne, Fichte, Oberkiefer" und "Nenne drei Hochkulturen: Römer, Ägypter, Imker" das dritte Buch aus der Feder der beiden Autorinnen. Doch diesmal werden nicht nur die Ausreden der Schüler aufs „Korn“ genommen, sondern auch Sprüche der Lehrer, von skurril bis witzig.
Von „Luther Matthäus“ der 95 Thesen an die Schlosskirche in Wittenberg genagelt hat bis zum Schädel, der hier im Buch ganz andere Organe schützt, als das Gehirn, ist alles dabei, manchmal kam allerdings auch der Gedanke, oh je, armes Deutschland….
Ich habe mich beim Lesen jedoch köstlich amüsiert, manchmal herzhaft aufgelacht, aber auch den Kopf geschüttelt und mir so meine Gedanken gemacht, trotzdem haben mich die Anekdoten und auch die Sprüche der Lehrer unterhalten.
Eine absolut gelungene „Zwischendurch“ Ablenkung mit tollen Stilblüten aber zwischen den Zeilen auch ein versteckter Hinweis an unser Schulsystem, zu überdenken und vielleicht sich auch neu auszurichten.
Gelungene Unterhaltung für zwischendurch, zum Abschalten und auch ein sehr schöne Geschenkidee.

Veröffentlicht am 28.09.2019

Tagebuch gegen das Vergessen

Wann wird diese Hölle enden?
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Das Tagebuch von Mary Berg (Miriam Wattenberg) beginnt sie an ihrem 15. Geburtstag zu schreiben, kurz bevor sie mit Ihrer Familie zwangsweise ins Warschauer Ghetto interniert wird. Es ist ein authentisches ...

Das Tagebuch von Mary Berg (Miriam Wattenberg) beginnt sie an ihrem 15. Geburtstag zu schreiben, kurz bevor sie mit Ihrer Familie zwangsweise ins Warschauer Ghetto interniert wird. Es ist ein authentisches Zeitzeugnis aus einer der dunkelsten Epoche der deutschen Geschichte. Sie beschreibt das Leben im Warschauer Ghetto, was zu Beginn noch von positiven Gedanken geprägt ist, die sich im Laufe der Zeit allerdings immer mehr verdüstern, genau wie die Repressalien der Nazis, die sich immer aggressiver und menschenverachtender gebärden. Doch Mary hat gegenüber den anderen inhaftierten Jungen gegenüber einen großen Vorteil, ihre Mutter ist Amerikanerin und gehört damit zu den doch sehr privilegierten Juden, die einen sogenannten Schutzstatus genießen. Ihre Familie muss nicht in den Löchern hausen, ihre Familie erhält Lebensmittel und ihre Mutter hat ihre amerikanische Visitenkarte an die Tür der Wohnung geheftet und so bleiben sie von den marodierenden Nazihorden zwar verschont, erleben jedoch hautnah die tägliche Brutalität und das Grauen der Nazi-Schergen. Doch es gibt auch einige wenige Lichtblicke, gegenseitige Unterstützung und Mut, durchzuhalten, doch der Tenor der Tagebucheintragungen liegt auf den Gräueltaten, der medizinischen Unterversorgung, den katastrophalen hygienischen Bedingungen, der Typhus ausbrechen lässt, Hunger, tägliche Gewalt, immer geballt zu jüdischen Festtagen, die Verlegung in ein Internierungslager und schlussendlich die Flucht per Schiff.
Die Autorin schreibt ein wenig distanziert, trotzdem packend und unter die Haut gehend. Die geschilderten Verbrechen lassen den Leser nicht kalt, sie gehen unter die Haut – lassen schaudern und fragen, waren das noch Menschen, die anderen Menschen solches Leid zufügen konnten? Vor allen Dingen vertiefen sie die bislang bekannte Geschichte des Warschauer Ghettos und lassen uns innehalten.
Das Tagebuch wird eingeleitet von einer Danksagung und einem sehr wichtigen Vorwort, das dieses Sachbuch ergänzt.
Dieses Sachbuch über den Holocaust ist ein sehr wichtiges Zeitzeugnis und gegen das Vergessen, damit diese menschenverachtenden Szenarien nie mehr wiederholen, denn leider sind die Rassisten stetig auf dem Vormarsch, Rechtspopulisten in Europa genauso wie mordende Rechtsradikale.
Wir alle müssen dem Einhalt gebieten, damit sich die Geschichte nicht wiederholt!