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Gisel

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 22.10.2025

Deutsch-japanische Familiengeschichte

Onigiri
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Aki ist die Tochter einer japanischen Mutter und eines deutschen Vaters. Als sie erfährt, dass ihre Großmutter mütterlicherseits gestorben ist, fliegt sie mit ihrer dementen Mutter nach Japan – ein letzter ...

Aki ist die Tochter einer japanischen Mutter und eines deutschen Vaters. Als sie erfährt, dass ihre Großmutter mütterlicherseits gestorben ist, fliegt sie mit ihrer dementen Mutter nach Japan – ein letzter Besuch für Keiko in ihrer japanischen Heimat. Bei dieser Reise ist Aki hin und hergerissen zwischen der Hilfsbedürftigkeit ihrer Mutter durch die Demenz, und deren früheren Stärke, die immer wieder aufblitzt. Immerhin hat sich Keiko ganz allein ein Leben in ihrer neuen Heimat Deutschland aufgebaut, hat allein zwei Kinder groß gezogen.

Dieser Roman erzählt die Geschichte einer deutsch-japanischen Familie zwischen zwei Kulturen. Durch die Reise nach Japan taucht die Erzählerin Aki in die Geschichte ihrer Familie ein und erlebt ihre Mutter ganz neu, als lebenshungrige junge Frau mit ihren ganz eigenen Träumen und Wünschen. Viele Fragmente dieser Lebensgeschichte schließen sich letztendlich wie ein Puzzle zu einem gesamten Bild zusammen. Dabei entsteht eine leise Annäherung von Mutter und Tochter, wie sie ohne diese Reise nicht hätte geschehen können. Ein Glossar ergänzt die Erzählung, denn im Text tauchen viele japanische Begriffe auf, die den meisten Lesern unbekannt sein werden. Man muss sich auf den Schreibstil des Buches einlassen können, auf die vielen kleinen Teilchen, die sich erst im Verlauf der Geschichte zu einem einheitlichen Bild zusammentun, dann allerdings hat man eine interessante Migrationsgeschichte vor sich.

Mich hat diese Geschichte einer deutsch-japanischen Familie sehr angesprochen. Sehr gerne empfehle ich das Buch weiter und vergebe 4 von 5 Sternen.

Veröffentlicht am 22.10.2025

Äußerst skurril

Die Probe
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Zwei Menschen treffen sich zu einem Mittagessen in einem Restaurant in Manhattan. Doch was auf den ersten Blick klar erscheint – sie eine gefeierte Schauspielerin, die sich mit einem viel jüngeren Gespielen ...

Zwei Menschen treffen sich zu einem Mittagessen in einem Restaurant in Manhattan. Doch was auf den ersten Blick klar erscheint – sie eine gefeierte Schauspielerin, die sich mit einem viel jüngeren Gespielen trifft -, erhält eine überraschende Wendung: Xavier behauptet, er wäre ihr Sohn, dabei hat sie nie Kinder bekommen. Da taucht auch noch der Ehemann der Erzählerin im Restaurant auf. Eine explosive Mischung braut sich da zusammen...

Es ist schon eine interessante Ausgangsposition, die sich auf den ersten Seiten des Buches zeigt: drei Menschen, die plötzlich was miteinander zu tun haben sollen. Pikant wird die Situation umso mehr, als der junge Mann, Xavier, Teil der Schauspielertruppe der Erzählerin wird. Doch das ist nicht der letzte skurrile Moment in dieser Geschichte. Im zweiten Teil dieses Romans musste ich mich mit völlig überraschenden Gegebenheiten auseinandersetzen. Ich muss gestehen, hier hat mich die Geschichte aus dem Geschehen hinauskatapultiert. Das klingt für mich überhaupt nicht nachvollziehbar. Spätestens hier konnte ich mich nicht mehr in die Gedankenwelt der Charaktere hineinversetzen und habe die Geschichte mit viel Skepsis weitergelesen.

So wirklich überzeugen konnte mich dieses Buch nicht. Ich kann es deshalb auch nicht wirklich weiter empfehlen und vergebe 3 von 5 Sternen.

Veröffentlicht am 22.10.2025

Nichts für mich

Ja, nein, vielleicht
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Mit über 50 könnte sich die Erzählerin dieser Geschichte endlich frei fühlen, nachdem die Kinder aus dem Haus sind. Doch die ersten Gesundheitsprobleme kündigen sich an. Ihre Wohnung wird von ihrer Schwester ...

Mit über 50 könnte sich die Erzählerin dieser Geschichte endlich frei fühlen, nachdem die Kinder aus dem Haus sind. Doch die ersten Gesundheitsprobleme kündigen sich an. Ihre Wohnung wird von ihrer Schwester besetzt. Als sie sich in ihr Haus auf dem Land zurückzieht, trifft sie eine alte Jugendliebe wieder. Ist sie überhaupt bereit für eine neue Liebesbeziehung?

Die Erzählerin, die nie bei ihrem Namen genannt wird, muss sich mit ihrer eigenen Endlichkeit auseinandersetzen, muss überlegen, ob sie neue Weichen in ihrem Leben stellen möchte. Das ist gar nicht so einfach. So nehmen ihre Reflexionen einen großen Teil des Buches ein. Doch viele Geschehnisse in ihrer Erzählung erschöpften sich für mich in Kleinigkeiten, die viel zu sehr breitgetreten wurden. Mit der Erzählerin bin ich nicht richtig warm geworden. Sehr oft hätte ich sie am liebsten mal geschüttelt, damit sie sich nicht heillos in Belanglosigkeiten verliert. Das Buch lädt eigentlich dazu ein, diese Belanglosigkeiten mal näher anzugucken, zudem versteckt sich auch eine gute Prise Humor in dieser Erzählung. Allerdings ist dies definitiv kein Buch für mich.

Deshalb kann ich dieses Buch auch nur verhalten weiter empfehlen. Ich vergebe 3 von 5 Sternen.

Veröffentlicht am 22.10.2025

Satirisches Lesevergnügen

Das Geschenk
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In Berlin tauchen Elefanten auf, mitten in der Großstadt und in großer Anzahl. Was auf den ersten Blick ganz spannend klingt, wird bald zu einem Problem. Die Tiere sind ein Geschenk des Präsidenten von ...

In Berlin tauchen Elefanten auf, mitten in der Großstadt und in großer Anzahl. Was auf den ersten Blick ganz spannend klingt, wird bald zu einem Problem. Die Tiere sind ein Geschenk des Präsidenten von Botswana, es ist seine Antwort auf die Entwicklungspolitik Deutschlands gegenüber seinem Land: 20 000 Elefanten hat er nach Deutschland geschickt. Bedingung ist, dass sie frei leben dürfen im Land, so wie es Deutschland gegenüber Botswana verlangt hat. Und sie dürfen auch nicht gejagt werden.

Ich habe zunächst gelächelt über das Geschenk des Präsidenten von Botswana, finde ich es doch eine echt passende Aufgabe, die er mit den Elefanten den deutschen Politikern übergibt. Doch nach dem Lächeln kam das Nachdenken darüber, was Entwicklungspolitik bewirken soll und wie unüberlegt oder gar weltfremd sie doch manchmal ist. Die satirische Überzeichnung der Geschichte ist bestens gelungen und entführt den Leser in die Tiefen des politischen Alltags. So entsteht beste Unterhaltung, die nicht nur äußerst witzig ist, sondern auch sehr zum Nachdenken anregt.

Dieser satirische Roman hat mich bestens unterhalten können. Sehr gerne empfehle ich das Buch weiter und vergebe alle 5 möglichen Sterne.

Veröffentlicht am 21.10.2025

Recherchen über eine traumatische Vergangenheit

Der Sommer am Ende der Welt
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Die Journalistin Hanna will Urlaub machen auf Borkum, zusammen mit ihrer Teenie-Tochter Katie. Dabei will sie allerdings journalistisch tätig sein, sie recherchiert über die traumatischen Erfahrungen früherer ...

Die Journalistin Hanna will Urlaub machen auf Borkum, zusammen mit ihrer Teenie-Tochter Katie. Dabei will sie allerdings journalistisch tätig sein, sie recherchiert über die traumatischen Erfahrungen früherer Verschickungskinder, denn auch ihre Mutter hat auf einer solchen Kinderkur einst schlimme Erfahrungen gemacht. Auf Borkum bringt man ihr recht schnell Widerstand entgegen, denn ihre Recherchen könnten so manch gutgehendes Haus in den Ruin treiben. Inselarzt Ole allerdings steht ihr zur Seite, die beiden verlieben sich Hals über Kopf. Hanna muss sich irgendwann entscheiden, welchen Weg sie weitergehen möchte, denn einerseits möchte sie die Missstände aufdecken, andererseits erkennt sie, welche Auswirkungen ihr Artikel haben könnte.

Der Roman stützt sich auf die teils schlimmen Erfahrungen, die viele tausend Kinder in Kinderkuren machen mussten. Hanna ist eine gute Journalistin, sie lässt nicht locker, ist aber auch offen für die Überlegungen, welche Folgen ihre Recherchen haben könnten. Spannend wird es, weil sie von unbekannter Seite aus Hilfe bei ihren Nachforschungen erhält. Was sie aufdeckt, ist äußerst spannend, aber äußerst bedrückend. Es ist gut nachvollziehbar, dass viele Kinder von einer solchen Kur mit traumatischen Erfahrungen zurückgekehrt sind. Die Autorin Eva Völler kann sich dabei auf Erzählungen aus ihrer eigenen Familie stützen, das macht die Lektüre noch belastender.

Mich hat dieser Roman von der ersten Seite aus fesseln können. Sehr gerne empfehle ich das Buch weiter und vergebe 4 von 5 Sternen.