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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.05.2026

Verkorkste Seelen im irischen Nebel

DARKROOMS
2

"Darkroom"s hat mich mit seinem düsteren Cold‑Case‑Versprechen sofort neugierig gemacht. Ein abgelegenes Dorf an der irischen Küste, ein verschwundenes Mädchen, zwei Frauen, die zwanzig Jahre später noch ...

"Darkroom"s hat mich mit seinem düsteren Cold‑Case‑Versprechen sofort neugierig gemacht. Ein abgelegenes Dorf an der irischen Küste, ein verschwundenes Mädchen, zwei Frauen, die zwanzig Jahre später noch immer in den Schatten der Vergangenheit feststecken – eigentlich genau die Art Stoff, die ich liebe. Und doch blieb ich beim Lesen immer wieder hängen.

Die irische Kulisse, die viele vielleicht als atmosphärisch empfinden, war für mich eher eine Hürde. Dieses raue, feuchte, ständig bedrückende Setting hat mich nicht richtig erreicht – vielleicht, weil es so schwer greifbar beschrieben wurde, dass ich mich eher verloren als hineingezogen fühlte.

Auch die Charaktere… puh. Verkorkst trifft es gut. Caitlin und Deedee tragen beide schwere Päckchen, aber statt mich emotional mitzunehmen, wirkten sie auf mich oft unnötig kompliziert, fast schon sperrig. Für mich war diese Ambivalenz eine Distanz, die ich irgendwie nicht überwinden konnte.

Die Handlung selbst hat definitiv Potenzial: ein ungelöster Vermisstenfall, alte Geheimnisse, ein Dorf, das mehr weiß, als es zugibt. Doch obwohl immer wieder Andeutungen gestreut werden und man spürt, dass unter der Oberfläche etwas Dunkles brodelt, hatte ich das Gefühl, dass man aus dieser Grundidee viel mehr hätte herausholen können. Einige Fäden verlaufen im Sand, manche Wendungen wirken eher konstruiert als überraschend.

Am schwierigsten war für mich jedoch der Schreibstil. Viele Lesejury‑Stimmen beschreiben ihn als atmosphärisch, bildhaft oder sogar mitreißend – ich dagegen kam überhaupt nicht hinein. Die Sprache fühlte sich für mich kantig an, manchmal unnötig verschachtelt, manchmal zu knapp. Ich konnte keinen Rhythmus finden, und das hat mir das Lesen streckenweise wirklich schwer gemacht.

Trotzdem: Die Grundstimmung ist stark, der Fall bleibt interessant, und das Finale bringt die Fäden solide zusammen. Für mich reicht es am Ende für vier Sterne, weil die Idee trägt und die psychologische Tiefe spürbar ist – auch wenn Stil, Setting und Figuren mich persönlich nicht ganz überzeugen konnten.

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  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Spannung
Veröffentlicht am 30.03.2026

Wenn der Plot größer ist als die Idee

Doppelspiel
6

Doppelspiel von Arne Dahl und Jonas MOSTRÖM ist ein rasanter Thriller, der von Anfang an hohes Tempo macht. Die Handlung zieht einen durch ständige Spannung und neue Wendungen schnell in den Bann – ich ...

Doppelspiel von Arne Dahl und Jonas MOSTRÖM ist ein rasanter Thriller, der von Anfang an hohes Tempo macht. Die Handlung zieht einen durch ständige Spannung und neue Wendungen schnell in den Bann – ich habe das Buch in wenigen Tagen beendet. Trotzdem bleibt bei mir am Ende ein zwiespältiger Eindruck zurück.


Die Grundidee – eine kleine Gruppe plant unter dem Deckmantel des Klimaschutzes eine gelenkte Diktatur – ist originell und gesellschaftlich brisant. In der Ausführung wirkt das Ganze jedoch überdimensioniert und stellenweise konstruiert.

Und dass ein Schriftsteller eine Schreibblockade hat und schlussendlich in den Anfängen seines neuen Buches landet, ist auch nicht besonders originell. Ich würde sogar soweit gehen zu sagen, dass Arne Dahl alleine bessere Triller hinbekommt, also bitte kein weiteres Doppelspiel.

Die Verschwörung erscheint zu mächtig, um wirklich glaubwürdig zu sein.

Auch die Figur Tom überzeugt mich nicht ganz: Er ist der perfekte Mann für jede Situation, ein Spezialist in allen Lebenslagen – das wirkt zu glatt und lässt wenig Raum für echte Entwicklung. Dazu kommen klassische Thriller-Elemente wie Erpressung und familiäre Bedrohung, die zwar Spannung erzeugen, diesmal aber etwas überzogen und fast surreal wirken.

Während sich die Suche nach der Wahrheit durchaus fesselnd liest, fehlt mir am Ende ein stärkerer Nachklang. Die Auflösung erklärt zwar die Hintergründe, aber sie bleibt im Gesamtbild oberflächlich. Die Konsequenzen des großen Plans werden kaum beleuchtet.

Insgesamt ein temporeicher Thriller, der spannend geschrieben ist und mitreißt, dessen Auflösung aber nicht das Niveau des Aufbaus hält. Unterhaltsam, aber für mich kein Highlight.

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  • Erzählstil
  • Charatere
  • Cover
  • Spannung
Veröffentlicht am 30.03.2026

Wenn Vertrauen zur Gefahr wird

Die Ärztin – Gefährlicher Besuch
7

Inhalt:
Ein Jahr nach den schrecklichen Ereignissen in Bremen hofft Gynäkologin Dr. Eva Mares auf einen ruhigen Neuanfang auf dem Land. Doch schon bald gibt es neue Probleme.
Als eines Nachts ein Mann ...

Inhalt:
Ein Jahr nach den schrecklichen Ereignissen in Bremen hofft Gynäkologin Dr. Eva Mares auf einen ruhigen Neuanfang auf dem Land. Doch schon bald gibt es neue Probleme.
Als eines Nachts ein Mann mit seiner hochschwangeren Tochter vor Evas Tür steht, scheint sich ihr ärztlicher Alltag kurz zu überschlagen – doch der Besuch endet mit einer verstörenden Bitte um Hilfe, hinterlassen auf einem Badezimmerspiegel. Am nächsten Tag sind beide verschwunden. Während die Polizei ermittelt, folgt Eva einer gefährlichen Spur, die sie in ein Netz aus Angst, Gewalt und Lügen führt.

Meine Meinung:
Auch ohne den ersten Band gelesen zu haben, kommt man super in die Geschichte rein – die Charaktere sind sofort greifbar und die Handlung zieht einen direkt mit.

Besonders Eva, die Gynäkologin und starke Protagonistin, hat mir richtig gefallen. Sie ist klug, einfühlsam und trägt die Story mit Bravour. Besonders interessant fand ich, dass ihre tägliche Arbeit und das gesamte Aufgabenfeld als Ärztin so detailliert beschrieben wurden – das macht die Figur authentisch und nahbar.

Im Kontrast dazu fand ich Mina und Frauke weniger interessant – sie blieben etwas blass. Dafür hat mir Evas Familienumfeld total gefallen, vor allem die herzerwärmende Geschichte um Nelly, den Hund, den sie gekauft haben. Das bringt eine schöne emotionale Tiefe rein.

Der zentrale Fall lebt von Gewalt und einer unheimlichen Spannung, die einen nicht loslässt. Das Setting passt perfekt dazu und unterstreicht die düstere Atmosphäre ideal.

Insgesamt ein packender Psychothriller, der auch ohne Band 1 gut lesbar ist – klar empfehlenswert!

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Spannung
Veröffentlicht am 15.12.2025

Kalte Insel, starke Figuren

Wolfskälte
0

Ich habe Wolfskälte als dichten, atmosphärischen Krimi gelesen. Die einsame Insel bestimmt alles. Wetter, Wege, Misstrauen. Die Stimmung ist von Anfang an mystisch und bedrückend. Das Cover trifft diesen ...

Ich habe Wolfskälte als dichten, atmosphärischen Krimi gelesen. Die einsame Insel bestimmt alles. Wetter, Wege, Misstrauen. Die Stimmung ist von Anfang an mystisch und bedrückend. Das Cover trifft diesen Ton sehr gut und passt zur Geschichte.

Die Ermittler George und Richie haben mich interessiert. Beide wirken kantig und eigenständig. Ihre Dynamik im Team hat mich jedoch nicht ganz überzeugt. Sie bleiben oft nebeneinander statt miteinander. Trotzdem tragen sie die Geschichte und geben dem Fall Tiefe.

Der Plot ist schlüssig aufgebaut. Hinweise greifen ineinander, Motive bleiben nachvollziehbar. Mich hat gestört, dass sich fast alles nur auf dieser einen Insel abspielt. Das Setting fühlt sich mit der Zeit eng an und lässt wenig Raum für Abwechslung.

Trotzdem bleibt die Spannung hoch. Die Kälte, die Isolation und das Misstrauen erzeugen einen eigenen Sog. Wolfskälte ist ein stimmungsvoller Krimi mit starken Figuren und klarer Atmosphäre, auch wenn mir etwas mehr Weite im Setting gefehlt hat. Vier Sterne.

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  • Cover
  • Spannung
Veröffentlicht am 03.11.2025

Spannend, fundiert und mit einer starken Heldin

Die Chemie des Verbrechens - Die Fährte
4

In Die Chemie des Verbrechens – Die Fährte eröffnet Sabine Weiss eine neue Krimireihe um die Anwältin und Molekularbiologin Dr. May Barven. Ein über 20 Jahre alter Cold Case wird durch neue DNA-Spuren ...

In Die Chemie des Verbrechens – Die Fährte eröffnet Sabine Weiss eine neue Krimireihe um die Anwältin und Molekularbiologin Dr. May Barven. Ein über 20 Jahre alter Cold Case wird durch neue DNA-Spuren wieder aufgerollt, und plötzlich steht ausgerechnet Ruben Rickleffs, der Sohn eines reichen Unternehmers, im Fokus. May, die sich zwischen juristischer Pflicht und forensischer Wahrheit bewegt, gerät in ein Netz aus alten Lügen, Schuld und familiären Verstrickungen.

Der Roman überzeugt durch seine glaubwürdige Darstellung moderner Forensik und eine Hauptfigur, die mit Fachwissen und Integrität punktet. Weiß schreibt präzise, sachlich und dennoch atmosphärisch dicht – besonders die norddeutsche Kulisse ist gelungen. Das Tempo bleibt durchgehend hoch, die forensischen Details wirken realistisch, ohne überladen zu sein.

Leichte Abzüge gibt es, weil einige Wendungen vorhersehbar sind und Nebenfiguren etwas blass bleiben. Dennoch bietet der Auftakt viel Potenzial für die Reihe und macht neugierig auf weitere Fälle mit May Barven.

Ein kluger, handwerklich sauberer Krimi mit realistischem Cold-Case-Flair – spannend, wenn auch nicht immer überraschend.

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