Verkorkste Seelen im irischen Nebel
DARKROOMS"Darkroom"s hat mich mit seinem düsteren Cold‑Case‑Versprechen sofort neugierig gemacht. Ein abgelegenes Dorf an der irischen Küste, ein verschwundenes Mädchen, zwei Frauen, die zwanzig Jahre später noch ...
"Darkroom"s hat mich mit seinem düsteren Cold‑Case‑Versprechen sofort neugierig gemacht. Ein abgelegenes Dorf an der irischen Küste, ein verschwundenes Mädchen, zwei Frauen, die zwanzig Jahre später noch immer in den Schatten der Vergangenheit feststecken – eigentlich genau die Art Stoff, die ich liebe. Und doch blieb ich beim Lesen immer wieder hängen.
Die irische Kulisse, die viele vielleicht als atmosphärisch empfinden, war für mich eher eine Hürde. Dieses raue, feuchte, ständig bedrückende Setting hat mich nicht richtig erreicht – vielleicht, weil es so schwer greifbar beschrieben wurde, dass ich mich eher verloren als hineingezogen fühlte.
Auch die Charaktere… puh. Verkorkst trifft es gut. Caitlin und Deedee tragen beide schwere Päckchen, aber statt mich emotional mitzunehmen, wirkten sie auf mich oft unnötig kompliziert, fast schon sperrig. Für mich war diese Ambivalenz eine Distanz, die ich irgendwie nicht überwinden konnte.
Die Handlung selbst hat definitiv Potenzial: ein ungelöster Vermisstenfall, alte Geheimnisse, ein Dorf, das mehr weiß, als es zugibt. Doch obwohl immer wieder Andeutungen gestreut werden und man spürt, dass unter der Oberfläche etwas Dunkles brodelt, hatte ich das Gefühl, dass man aus dieser Grundidee viel mehr hätte herausholen können. Einige Fäden verlaufen im Sand, manche Wendungen wirken eher konstruiert als überraschend.
Am schwierigsten war für mich jedoch der Schreibstil. Viele Lesejury‑Stimmen beschreiben ihn als atmosphärisch, bildhaft oder sogar mitreißend – ich dagegen kam überhaupt nicht hinein. Die Sprache fühlte sich für mich kantig an, manchmal unnötig verschachtelt, manchmal zu knapp. Ich konnte keinen Rhythmus finden, und das hat mir das Lesen streckenweise wirklich schwer gemacht.
Trotzdem: Die Grundstimmung ist stark, der Fall bleibt interessant, und das Finale bringt die Fäden solide zusammen. Für mich reicht es am Ende für vier Sterne, weil die Idee trägt und die psychologische Tiefe spürbar ist – auch wenn Stil, Setting und Figuren mich persönlich nicht ganz überzeugen konnten.