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Veröffentlicht am 27.04.2018

Ich bin klein - und gemein?

Das Böse in deinen Augen
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Ich bin klein, mein Herz ist …

„Das böse in deinen Augen“ dreht sich im Wesentlichen um Imogen Reid und die Bewältigung ihrer eigenen Vergangenheit. Es sollte ein Neuanfang für sie und ihren Mann Dan ...

Ich bin klein, mein Herz ist …

„Das böse in deinen Augen“ dreht sich im Wesentlichen um Imogen Reid und die Bewältigung ihrer eigenen Vergangenheit. Es sollte ein Neuanfang für sie und ihren Mann Dan werden; die Rückkehr ins Dorf Gaunt, in das Haus ihrer unglücklichen Kindheit.
Sie bekommt eine neue Stelle bei Place2B, einer Organisation, die sich um Kinder kümmert, die Hilfe brauchen. Dabei lernt sie die elfjährige Ellie Atkinson kennen, die bei der Pflegefamilie Jefferson wohnt. Ellie fühlt sich anders. Sie ist einsam und sie hat Probleme mit anderen Menschen, die sie drangsalieren, wie die zwölfjährige Naomi Harper, oder die Angst vor ihr haben, wie die Lehrerin Hannah Gilbert, die später unter mysteriösen Umständen umkommt. Und Ellie quälen Albträume, in denen sie schreckliche Dinge sieht.
Ellie weckt den Beschützerinstinkt in Imogen, obwohl vieles darauf hindeutet, dass mit Ellie etwas nicht stimmt. Vorfälle deuten darauf hin, dass Ellie mit der Kraft ihrer Gedanken Böses bewirken kann. Andererseits verbreiten sich Gerüchte schnell in einem Dorf und es gibt immer auch eine natürliche Erklärung für die Geschehnisse.
Wohl in dem Wissen, dass es schon einmal furchtbar geendet hat, baut Imogen in den psychologischen Sitzungen mit Ellie eine starke Bindung zu ihr auf, die jede beruflich erforderliche Distanz vermissen lässt, denn außer Mary, der 15jährigen Tochter der Jeffersons, die für Ellie wie eine große Schwester ist, scheint Imogen die Einzige zu sein, die an Ellie glaubt. Gleichzeitig quälen Imogen ihre eigenen Dämonen der Vergangenheit.
Als Imogen von der Betreuung von Ellie entbunden wird, überschlagen sich die Ereignisse. Ein persönlicher Schicksalsschlag lässt auch sie nun auch an Ellies Unschuld zweifeln. Ein Baby gerät in Gefahr und Imogen macht im Hause der Jeffersons eine folgenschwere Entdeckung.

Jenny Blackhursts dritter Psychothriller ist ein kleines psychologisches Kammerspiel. Der Leser leidet und teilt die Ängste und Befürchtungen der Protagonisten. Immer wenn man glaubt, es ist wie es ist, ist es nicht so wie es scheint. Schritt für Schritt kommt man den Personen näher und lernt zu verstehen warum sie sich so verhalten, wie sie es tut, wobei genügend Zweifel für Spekulationen bleiben.
Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Es ist ein leises Buch, das ohne Schießereien und grausam verstümmelten Mordopfern auskommt und sich dadurch erfrischend aus der Masse hervorhebt. Stattdessen weiß es durch Blicke in die Gedankenwelten der Personen zu fesseln – und zu manipulieren. In positiven Sinne.
Mich haben die Charaktere überzeugt, auch wenn kleinere Ungereimtheiten bleiben. Die Geschichte wird langsam aufgebaut und als Leser wird man immer im Unklaren darüber gelassen, was wirklich geschehen ist. Dadurch ist die Spannung bis zum Ende – und darüber hinaus – vorhanden. Wenn es etwas zu kritisieren gibt, dann ist es das Cover. Da hätte ich mir etwas passenderes gewünscht als einen Käfig. Ich befürchte, dass manch einer deshalb gar nicht erst den Klappentext lesen wird.

Eine Geschichte, die sich so zugetragen haben könnte. Gekonnt und handwerklich gut erzählt. Mir hat sie viele vergnügliche und spannende Stunden beschert. Ich kann das Buch bedenkenlos weiterempfehlen.

Veröffentlicht am 23.01.2018

Wolfe ermittelt in einem Sozialkrimi

In eisiger Nacht
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Das vorliegende Buch ist der 4. Fall mit DC Max Wolfe. Auch ohne die anderen Geschichten gelesen zu haben ist es nicht schwer der Story zu folgen, die der Autor Tony Parsons gewoben hat. Und darum geht ...

Das vorliegende Buch ist der 4. Fall mit DC Max Wolfe. Auch ohne die anderen Geschichten gelesen zu haben ist es nicht schwer der Story zu folgen, die der Autor Tony Parsons gewoben hat. Und darum geht es:
In einer Winternacht steigt die junge Hana in Belgrad in einen Lkw. Ihr Ziel ist ein besseres Leben in London zu beginnen. Doch zusammen mit 11 anderen Frauen wird sie den Trip nicht überleben. Eine weitere Frau bleibt verschwunden. Das ruft DC Wolfe und seine Kollegin Edie Wren auf den Plan. Ihre Ermittlungen zu den mysteriösen Todesfällen führen sie zu den Triaden Londons, in die Vergangenheit großer Gangsterdynastien, zu radikalen Organisation IMAGINE und zu Ginger Gonzalez, einer Bekannten Max‘, die eine Partnervermittlung betreibt. Schnell wird klar, dass hier Menschenhandel im großen Stil betrieben wird. Spuren werden ausgewertet und Erkenntnisse gesammelt. Als ein Hauptverdächtiger bei einer Brandstiftung umkommt und die vermisste Frau auftaucht, überschlagen sich die Ereignisse. Max und Edie entgehen nur knapp einer Katastrophe. Aber letztendlich führt sie sie eine heiße Spur zu einer Seniorenresidenz…

Das Cover wirkt trist und hat mich nicht angesprochen. Jedoch passt es zum melancholischen Grundtenor, der die Geschichte begleitet.
Der Handlungsrahmen könnte nicht von größerer Aktualität sein: Menschenhandel, Schleuserbanden und das Geschäft mit Hoffnung, Not und Elend. Der Autor legt seine Finger in eine gesellschaftliche Wunde und zeichnet ein trostloses Bild, in dem sich die Akteure bewegen.
Die erzählerische Ich-Perspektive ist gewöhnungsbedürftig. Sie hätte mehr Gelegenheit für persönliche Gedanken des Protagonisten gegeben, die leider zu kurz kamen. Mit Ausnahme von Max sind mir die Figuren zu blass geblieben. Es mag daran liegen, dass sie in den anderen Bänden der Serie ausreichend beschrieben wurden. Vielleicht liegt es aber auch daran, weil über manche schwerwiegende Veränderungen, wie der Verlust von Menschen, wie beläufig hinweggegangen wurde. Zum Beispiel treibt die unbarmherzige DCI Whitestone ihre Beamten an und geht dabei buchstäblich über Leichen – was sie nicht gerade sympathisch macht.
Max scheint in Edie mehr als eine Kollegin zu sehen, auch wenn er sich seiner Gefühle nicht bewusst ist. Wie er sich um sie sorgt und Andeutungen zu ihrer Beziehung zu einem verheirateten Mann lassen reichlich Platz für Spekulationen und machen einen gewissen Reiz beim Lesen aus.
Die schriftstellerischen Stärken liegen meiner Meinung nach bei den den gefühlvollen Momenten, wie Hanas Sterbeszene oder Max‘ Zweifel daran, etwas ausrichten zu können, und bei der Vermittlung der Stimmung einer Szene, wie z. B. In Ost-London und Dünkirchen.
Das Buch wurde flüssig geschrieben und ist leicht zu lesen. Die Geschichte ist gut erzählt, wobei die Auflösung des Falles ein wenig holprig und konstruiert daherkommt. Nicht alles erscheint plausibel: Warum erzählt Max nicht, wer für ihre Rettung verantwortlich war? Warum interessiert sich niemand für den sich illegal im Land aufhaltenden Bruder Hanas? Warum hat Ginger nicht bei der ersten Begegnung die wichtige Information über Madame Theresa preisgegeben? Und letztendlich war die Wandlung des Täters für mich nicht nachvollziehbar.

Für mich ist es ein durchschnittlicher Roman. Ungereimtheiten und das Ende trüben den Lesespaß. Die Figuren bleiben seltsam zweidimensional und blass. Das hat es mir schwer gemacht mit ihnen mitzufiebern.
Mein Ratschlag lautet, erst die anderen drei Bücher zu lesen. Vielleicht hilft es, die Figuren in einem anderen Kontext zu sehen.

Veröffentlicht am 18.10.2017

Feuer und Flamme für den Geisterjäger

Brandmal
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Beim vorliegenden Roman handelt es sich um eine Geschichte aus der John Sinclair Reihe.
John Sinclair ist ein Geisterjäger, dessen Geschichten in den 70er Jahren einen kometenhaften Aufstieg in den „Groschenroman“-Himmel ...

Beim vorliegenden Roman handelt es sich um eine Geschichte aus der John Sinclair Reihe.
John Sinclair ist ein Geisterjäger, dessen Geschichten in den 70er Jahren einen kometenhaften Aufstieg in den „Groschenroman“-Himmel feierten und sich heute noch einer unangefochtenen Beliebtheit erfreuen.
Aber gerade deshalb könnten Fans der ersten Stunde auch ein Problem haben, denn der Roman wurde nicht von Jason Dark verfasst. Aber, so viel sei vorweg genommen: Das Autorenduo Mark Benecke und Florian Hilleberg machen ihre Sache gut.

Eine pfiffige Idee war es, Mark Benecke als Kriminalbiologe als Teil der Handlung einzuweben. Zusammen mit Marks Kollegin Tina Baumjohann unterstützt er die deutschen Ermittlungsbehörden bei der Aufklärung bizarrer Fälle spontaner Selbstentzündung.
Auch in England gehen Menschen urplötzlich in Flammen auf, als sie mit den Sonnenstrahlen in Berührung kommen. Das ruft schon bald John Sinclair auf den Plan. Ging es mit rechten Dingen zu oder hatten dunkle Mächte ihre Hände im Spiel? Zusammen mit seiner alten Weggefährtin Jane Collins, die Augenzeugin gewesen ist, macht er sich auf den Weg, denn eine heiße Spur führt zu einem Badesee in der Slowakei. Dort, in der Nähe der kleinen Karpaten, treffen sie auf Mark und Tina, die es auch an diesen Ort verschlagen hat, in dem Menschen verschwinden oder krank werden und sich seltsam verhalten.
Sie drehen gemeinsam jeden Stein um und schon sehr bald reagiert Johns Kreuz...

Das Cover ist, im wahrsten Sinne des Wortes, ergreifend. Für mich klar in der Top 10 der beliebtesten Titelbilder.
Die Story hat mir gut gefallen. Im ersten Abschnitt verloren die Autoren sich manchmal in Beschreibungen, so dass es ein wenig brauchte, um in Fahrt zu kommen. Im Mittel- und Schlussteil wurde dies dann aber mehr als wett gemacht. Der Parallelstrang, der mit dem Epilog eingeführt wurde, hat mich zunächst ratlos zurück gelassen. Im weiteren Verlauf erkannte ich aber dann die Notwendigkeit für die Storyline.
Der Schreibstil der Autoren ist natürlich anders wie der eines Jason Dark, was aber nicht negativ zu verstehen ist. Der Text ist verständlich geschrieben und leicht zu verstehen. Immer wieder schöne Cliffhanger am Kapitelende mit Schwenk auf eine andere Szenerie, um die Spannung aufrecht zu halten. Manchmal wird es ein wenig blutig, aber im Vergleich zu dem, was jungen Medienkonsumenten heute vorgesetzt wird, bleibt alles im vertretbaren Rahmen.
Gefallen haben mir die Querverweise auf ältere Geschichten der Reihe, wie z. B. Jane Collins Vergangenheit. Auch die „Therapiestunde“ von Mark und Jane über Janes Beziehung zu John Sinclair ist eine meiner Highlight-Szenen. Überhaupt sind die zwischenmenschlichen Aspekte ein großes Plus der Geschichte. Ernsthafte Gespräche und Frotzeleien zwischen Mark und Tina wurden an den richtigen Stellen in die Story integriert, um auf der einen Seite die Anspannung zu mindern, die durch die wachsende Bedrohung größer wird, und auf der anderen Seite die Neugier zu steigern.

Die Mitstreiter aus Deutschland bilden mit ihrer rationell wissenschaftlichen Herangehensweise einen schönen Kontrast zu den beiden Geister-Profis. Trotz der vielen Arbeit, die auf das Team zukommt, ist es das Miteinander im Team um, das die Geschichte trägt. Leider kam Johns Partner Suko zu kurz.

Die Autoren spielen mit den verschiedenen Möglichkeiten herum, die Auslöser für das Geschehen sein können und regen den Leser so an, seine eigenen Schlussfolgerungen zu ziehen. Und auf dem Ende haben sie noch eine Überraschung platziert, die wie ein dunkler Schatten drohend auf der Zukunft liegt.

Unterhaltsam bis zur letzten Seite. Wer John Sinclair gerne liest, wird nicht enttäuscht. Die richtige Lektüre für die kommenden Herbsttage – allein bei Kerzenschein...