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Hannicake

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 28.02.2020

Auch nach einem schweren Verlust ist das Leben noch nicht vorbei

Verloren sind wir nur allein
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Noch immer trauert Sky über ihren Vater, der vor über zwei Jahren plötzlich verstorben ist. Sie trägt schwarze Kleidung, hat sich von ihren Freunden und Mitmenschen isoliert und lässt keine Freude in ihrem ...

Noch immer trauert Sky über ihren Vater, der vor über zwei Jahren plötzlich verstorben ist. Sie trägt schwarze Kleidung, hat sich von ihren Freunden und Mitmenschen isoliert und lässt keine Freude in ihrem Leben zu. Deswegen kommt es ihr einem Verrat gleich, als ihre Mutter mit ihr in einen anderen Bundesstaat zu einem anderen Mann zieht. Sie ist sauer und möchte sich weiterhin isolieren, keine Menschen an sich heranlassen und das letzte Highschooljahr schnell hinter sich bringen, um dann wieder in ihre Heimat ziehen zu können - zurück in ihr altes Leben und zum Grab ihres Vaters.
Als der anscheinend immer gut gelaunte Jeff auf der Ranch, wo Sky jetzt wohnt, auftaucht und sich als ihr Mitbewohner vorstellt, ist sie zuerst genervt und möchte nichts mit ihm zu tun haben. Doch schon bald merkt sie, dass ihr das nicht gelingt, sich ihr ganzes Leben ändert und nichts nach ihrem ursprünglichen Plan läuft.

Die Geschichte ist größtenteils aus der Perspektive von Sky geschrieben. Der Leser erfährt so, gestützt durch Tagebucheinträge, auf authentische Weise ihre Trauer und ihren Schmerz. Sie lässt einen an ihren Gedanken und Gefühlen teilhaben, die zumeist authentisch sind und somit verstanden werden und nachempfunden werden können.

Es gibt dezent gesetzte Passagen aus der Sicht von Jeff. Diese sind zu Beginn des Buches eher kurz, bauen aber viel Spannung auf, da Andeutungen gemacht werden, diese aber erst viel später aufgelöst werden. Schnell wird jedoch klar, dass auch Jeff sein eigenes Päckchen trägt und ein dunkles Geheimnis hütet. Der Leser kann im Verlauf immer wieder Vermutungen entwickeln, der wahre Gegenstand dieses Geheimnisses wird jedoch erst später im Verlauf ersichtlich.

Neben diesem Geheimnis gibt es viele weitere und zum Teil unerwartete Wendungen in der Geschichte, die Spannung erzeugen und den Leser mit den Protagonisten mitfühlen lassen. Es werden nicht nur positive Emotionen und zwischenmenschliche Beziehungen vermittelt, sondern auch Rückschläge und Erinnerungen aus der Vergangenheit, die einem beim Lesen Tränen in die Augen treiben.

Der Schreibstil sorgt für die Perspektivenwahl sowie durch den Einsatz von "Alltagssprache" dafür, dass das Buch angenehm zu lesen, fesselnd und ergreifend ist.
Durch detaillierte Beschreibungen des Settings gelingt es dem Leser, sich den Ort des Geschehens sowie die Handlung bildlich vorzustellen und selbst fast ein Teil der Handlung zu sein, sei es nur als außenstehender Beobachter.
Das Schicksal der wichtigsten Charaktere ist sehr ergreifend und kommt zum Teil unerwartet, wenn der Leser nicht damit rechnet. Umso emotionaler ist es, wenn bestimmte Entwicklungen offen dargelegt werden.

Es passiert des Öfteren in diesem Buch, dass man die Charaktere, unter anderem auch Sky, fassungslos ansieht und schütteln möchte, aber dann gibt es Momente, in denen man von dem fast schon erwachsenen Verhalten, vor allem von Jeff und Sky´s Freunden, gerührt ist und tiefen Respekt zeigen würde. Die Figuren sind sehr unterschiedlich in ihrem Charakter und in ihren Wesenszügen. Über einige erhält der Leser detaillierte Informationen, während andere nur im Hintergrund auftauchen und beinahe blass erscheinen. Auf diese könnte jedoch somit in einem möglichen weiteren Band der Fokus gesetzt werden. Dieses Buch bietet somit sehr viel Potential und neue Anknüpfungspunkte.

Typische Stereotypen werden in die Geschichte mit eingepflochten und sind fest in die Handlung integriert, jedoch sind diese nicht weiter störend und dem Leser auch nur an manchen Stellen präsent.

Besonders gelungen ist ebenfalls, dass der Titel in die Geschichte aufgenommen und wortwörtlich von einem der Protagonisten gesagt bzw. gedacht wird. Somit wird diesem eine besondere Bedeutung zuteil.

Das Buch ist sehr zu empfehlen, da es durch den lockeren Schreibstil und die Fähigkeit, von einem Moment zum anderen komplett verschiedene Emotionen beim Leser auszulösen, überzeugen kann. Der Fokus liegt nicht auf besonderen Spannungselementen, sondern auf Emotionen, zwischenmenschlichen Beziehungen und charakterlichen Entwicklungen der jugendlichen Protagonisten.

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  • Charaktere
  • Atmosphäre
Veröffentlicht am 26.02.2020

Spannende wahre Geschichte über eine erfolgreiche Spionin des Zweiten Weltkrieges

Die Spionin
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"Jetzt tun wir, was wir immer getan haben - wir folgen ihrem Beispiel."

Nancy Wake, alias die "Weiße Maus", ist ein aktives Mitglied der französischen Resistance - der Widerstandskämpfer gegen die deutsche ...

"Jetzt tun wir, was wir immer getan haben - wir folgen ihrem Beispiel."

Nancy Wake, alias die "Weiße Maus", ist ein aktives Mitglied der französischen Resistance - der Widerstandskämpfer gegen die deutsche Besatzung im Zweiten Weltkrieg. Ihre Aufgabe als Fluchthelferin und Botin übernimmt sie dabei so präzise, dass es den Deutschen nicht möglich ist, sie zu fangen und außer Gefecht zu setzen. Zu Beginn gehen diese zudem davon aus, dass es sich bei der Weißen Maus nur um einen Mann handeln kann, und schöpfen so keinen Verdacht.
Nancy´s Mann Henry unterstützt den Untergrund der Widerstandsbewegung mit Geldleistungen - so lange, bis er von den Deutschen gefangen genommen und von der Gestapo gefoltert wird. Nancy flieht indes nach England, um wenig später nach ihrer dortigen Ausbildung in Frankreich als Agentin tätig zu werden und eine führende Rolle einzunehmen.

Diese Geschichte, die aus der Sicht von Nancy erzählt wird, ist flüssig zu lesen. Der Schreibstil ist in heutiger Alltagssprache verfasst und durch die Mischung aus vielen Dialogen und Nancy´s Gedanken abwechslungsreich.
Durch detaillierte Beschreibungen bekommt der Leser einen groben Überblick über die Lebensbedingungen der einfachen Bevölkerung während der Deutschen Besatzung Frankreichs. Es wird schnell ersichtlich, dass nicht jeder dazu bereit ist, Nancy und die Alliierten zu unterstützen. Die Widerstandskämpfer können sich nie zu hundert Prozent sicher sein, wem sie trauen können und wer auf ihrer Seite steht oder wer ein Spitzel für die Deutschen ist. Das steigert neben vielen überraschenden Wendungen die Spannung.

Die Thematik ist ernst, aber zumeist auf humorvolle Weise umgesetzt. Es gibt mehrere Passagen, in denen der Leser schmunzeln muss und sich über die Schlagfertigkeit der Protagonistin amüsieren kann.
Es wird nicht einseitig oder voreingenommen erzählt, sondern es werden die Erfolge wie auch die Niederlagen zur Sprache gebracht. Das sorgt für mehr Authentizität und der Leser kann sich besser in die ungewisse Situation der Figuren hineinversetzen.

Nancy musste klassischen Stereotypen bzw. Vorurteilen entgegentreten. "Frauen sind nicht fähig, im Krieg zu kämpfen oder gar eine Truppe anzuführen" ist nur ein Beispiel von vielen. Diese Voreingenommenheit wird in der Geschichte thematisiert und dem Leser wird dargestellt, dass viele Schwierigkeiten damit einhergehen. Es wird ersichtlich, dass ohne diese Vorurteile die ein oder andere gefährliche Situation hätte vermieden werden können.

Beschrieben werden nicht nur die Entwicklungen des Krieges und der Besatzung Frankreichs, sondern auch die persönliche Entwicklung von Nancy und ihren Männern sowie die Entwicklung im Umgang miteinander sowie des Respektverhältnisses der Protagonistin gegenüber.

Die bewegende Geschichte von Nancy Wake beruht auf wahren Fakten und Begebenheiten und ist ein wichtiger Teil der Geschichte, da Frauen wie sie nur selten eine so tragende und führende Rolle im Zweiten Weltkrieg gespielt haben.
Abweichungen von biographischen Inhalten oder wahren Begebenheiten werden aus Respekt vor Nancy und den anderen realen Personen am Ende in einem Schlusswort aufgelistet und korrekt dargestellt. Zudem wird weitere Literatur im Schlusswort aufgelistet, die sich um die gleiche Thematik und um die selben Personen handelt, sodass der Leser weiß, wo er weiterführende Informationen und Geschichten finden kann.

Es ist ein spannendes und zu empfehlendes Buch, welches Einblicke in das Leben der Bevölkerung sowie in den Einsatz von Frauen zur Zeit des Zweiten Weltkriegs liefert, jedoch muss man sich beim Lesen stets bewusst sein, dass es sich um einen historischen Roman mit genretypischen Elementen handelt.

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Veröffentlicht am 16.02.2020

Erschreckend, aber humorvoll umgesetzt

Post von Karlheinz
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Der Journalist Hasnain Kazim - Deutscher mit indisch-pakistanischen Wurzeln - schreibt gesellschaftskritische Texte, in denen zumeist auch politische Aspekte eine Rolle spielen. Für seine Arbeit bekommt ...

Der Journalist Hasnain Kazim - Deutscher mit indisch-pakistanischen Wurzeln - schreibt gesellschaftskritische Texte, in denen zumeist auch politische Aspekte eine Rolle spielen. Für seine Arbeit bekommt er viele kritische Nachrichten, die keineswegs neutral, sondern vielmehr hasserfüllt sind. Viele solcher Kommentare oder E-Mails beschimpfen ihn als Ausländer und fordern, dass er zurück in sein Heimatland soll, jedoch die Tatsache ignorierend, dass er in Deutschland geboren und aufgewachsen ist.
Vor einigen Jahren hat der Autor beschlossen, die Wutmails nicht auf sich sitzen zu lassen, sondern auf diese zu antworten.

In diesem Hörbuch werden indirekt viele wichtige Themen angesprochen, wie z.B. (religiöse) Toleranz, Gleichberechtigung und aktuelle politische Entwicklungen, die gegen die Grundsätze eines freien und gleichberechtigten Lebens aller Menschen stehen. Der Autor wirkt dabei keineswegs belehrend, sondern möchte lediglich zum Nachdenken anregen und die Meinung einiger kritischen und beschimpfenden Menschen abbilden.
Mehr als einmal schüttelt der Hörer den Kopf und fragt sich, wie einige Menschen solche rassistischen oder menschenverachtenden Ansichten haben und auch noch stolz auf diese sein können.

In diesem Hörbuch spricht der Autor von seinem Leben als Journalist mit ausländischen Wurzeln, welcher Hass ihm entgegengebracht wird, aber auch was für ein positives Feedback er bekommt. Die Reaktion der Leser auf seine Texte sind unterschiedlich, doch negative E-Mails überwiegen - Ermutigungen oder Wertschätzungen seiner Arbeit bekommt er von Lesern seltener entgegengebracht.

Es werden echte E-Mails und Kommentare vorgelesen, die der Autor erhalten hat. Gesprochen werden diese von verschiedenen Sprechen, angepasst an den jeweiligen Absender der E-Mails. Kommen diese von einer Frau, werden diese auch von einer Frau nachgesprochen. Kommen diese von einem Mann, werden diese dementsprechend von einem Mann vorgetragen. Es ist sehr gut inszeniert und humorvoll vorgetragen. Der Autor spricht selbst die Antworten, die er diesen zurückgesendet hat. Zum Teil erfolgte nach der Antwort des Autors keine Reaktion, manchmal kann der Hörer dieses Hörbuchs aber auch einen Schlagabtausch beider Seiten hören. Die Antworten des Autors sind allesamt sehr humorvoll gehalten, sodass es trotz der ernsten Thematik amüsant ist, weiter zuzuhören.

Das Hörbuch ist durch die vorgelesenen E-Mail-Konversationen sowie durch diverse Kommentare des Autors zu verschiedenen Themen sehr kurzweilig und abwechslungsreich. Es ist sehr zu empfehlen, auch wenn man oft beim Zuhören nicht anders kann, als den Kopf zu schütteln und sich zu fragen, was einige Menschen für Ansichten vertreten. Zugleich regt es sehr zum Nachdenken über das eigene Verhalten an und ermöglicht eine andere Sicht auf die Dinge, da man direkt aus der Perspektive des Empfängers solcher Hassbotschaften erfährt, wie sich diese fühlen und was diese ertragen müssen.

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Veröffentlicht am 10.02.2020

Eine Reise in die Vergangenheit des Autors

Eine kurze Geschichte vom Fallen – Was ich beim Sterben über das Leben lernte
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Als bei dem Autor eine seltene Motoneuron-Krankheit diagnostiziert wird, die körperliche Einschränkungen und einen frühzeitigen Tod bedingt, nutzt er die Gelegenheiten, die wichtigsten Fakten und Erlebnisse, ...

Als bei dem Autor eine seltene Motoneuron-Krankheit diagnostiziert wird, die körperliche Einschränkungen und einen frühzeitigen Tod bedingt, nutzt er die Gelegenheiten, die wichtigsten Fakten und Erlebnisse, die seine Krankheit mit sich bringt, aber auch Erfahrungen aus seinem Leben, aufzuschreiben - unter anderem, um seinen beiden jungen Söhnen nach seinem Tod etwas von ihm zu hinterlassen.

Es ist ein Sachbuch über den Verlauf der seltenen Krankheit, das vielmehr autobiographische Elemente des Autors enthält. Auf ehrliche, offene, unverblümte, aber auch auf humorvolle Art erzählt er dem Leser von den Hoch- und Tiefpunkten seines Lebens und von den vielen Einschränkungen, mit denen er nun leben muss. Stets präsent ist der Gedanke, dass seine Selbstständigkeit schon ziemlich früh nach der Diagnose abgenommen hat und dass der Tod schon bald eintreten kann. Angefangen mit plötzlichen unmittelbaren Stürzen begleitet der Leser den Autor auf eine Reise in seine Kindheit, Jugend sowie in seine aktuelle Lage, in der er Vater von zwei kleinen Söhnen ist, die, früher als ihm lieb ist, ohne ihren Vater aufwachsen müssen.

Der Schreibstil lässt sich zumeist gut und flüssig lesen. Es werden viele sprachliche Bilder verwendet, die das Buch auf sprachlicher Ebene qualitativ sehr wertvoll und sehr gelungen machen. Der Leser darf sich jedoch nicht davon abschrecken lassen, dass manche Metaphern nicht sofort verstanden werden, sondern konzentriert drüber nachgedacht werden muss. Im Allgemeinen sind diese jedoch anschaulich und leicht verständlich.
Der Schreibstil sorgt zumeist dafür, dass die Seiten nur so dahinfliegen. Zugleich beinhaltet er sehr tiefgründige, philosophische Gedanken und Weisheiten. Es werden viele Aspekte vermittelt, die den Leser zum Nachdenken über das Leben und die eigene Verhaltensweisen anregen. Des Öfteren kommt es vor, dass das Leben und die Welt aus einem anderen Blickwinkel betrachtet werden. Die Themen, die angesprochen werden, sind sehr facettenreich. Von alltäglichen Erlebnissen, Einschränkungen durch seine Krankheit, religiösen Aspekten, traumatischen aber auch schönen Erinnerungen ist so ziemlich alles dabei, wobei zwischenmenschliche Beziehungen an vielen Stellen im Vordergrund stehen.
Besonders gut und authentisch ist, dass keineswegs nur die schönen Seiten des Lebens oder nur die schlechten Seiten durch seine Krankheit erwähnt werden. Es ist eine gelungene Mischung aus verschiedenen Emotionen. Ebenfalls gelungen ist, dass kein Blatt vor dem Mund genommen wird. Der Autor verschweigt keine Aspekte oder umschreibt sie in angenehmer klingenden Worten, sondern stellt offen dar, was für Probleme und Nachteile er hat und wie die Krankheit auf sein Leben wirkt. Es wird deutlich, dass er versucht die Krankheit so gut es geht zu bezwingen, aber es wird nicht verschwiegen, dass sie dennoch an ihm nagt und es ihm nicht immer leicht fällt, positiv nach vorne zu schauen.

Am Anfang jedes neuen Kapitels ist ein Bild des Autors, zum Teil mit seiner Familie, zu sehen. Dies sorgt dafür, dass sich der Leser auch bildlich besser vorstellen kann, um wessen Leben das Geschilderte geht und dass es eine wahre Geschichte ist. Zudem baut es eine Nähe zum Autor auf und es wird eine fast schon persönliche Ebene erreicht, was dadurch verstärkt wird, dass der Leser so viele Einblicke in das Leben des Autors erhält.

An einigen Stellen ist es ein wenig mühsam, weiterzulesen und den Gedanken des Autors zu folgen. Es ist schade, dass vergleichsweise wenig über die Krankheit und die damit einhergehenden Beeinträchtigungen zu lesen ist. Vielmehr rekapituliert der Autor sein bisheriges Leben, was ebenfalls spannend und interessant ist, allerdings werden durch den Klappentext andere Erwartungen aufgebaut.

Nichtsdestotrotz ist das Buch zu empfehlen, jedoch sollte man sich bewusst sein, dass der Schwerpunkt nicht nur auf der Krankheit liegt, sondern es ebenfalls von Tod und dem Leben im Allgemeinen handelt. Das Buch ist auch dazu geeignet, sein eigenes Leben aus einer anderen Perspektive zu betrachten und die eigenen Verhaltensweisen zu überdenken.

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Veröffentlicht am 31.01.2020

Wahres Gefühlschaos - sehr emotionale Geschichte, bei der kein Auge trocken bleibt

Zurückgeträumt
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Emily besitzt in der Altstadt Langenbergs ein kleines gemütliches Lesecafé. Die Resonanz ist gut, sodass sie es schafft, sich mit den Einnahmen jeden Monat aufs Neue über Wasser zu halten. Unterstützt ...

Emily besitzt in der Altstadt Langenbergs ein kleines gemütliches Lesecafé. Die Resonanz ist gut, sodass sie es schafft, sich mit den Einnahmen jeden Monat aufs Neue über Wasser zu halten. Unterstützt wird sie in vielerlei Hinsicht von ihrem Verlobten Tom. Die beiden sind sehr glücklich zusammen und die Hochzeit steht in naher Zukunft bevor. Doch ein Traum eines Nachts lässt Emily zweifeln und kalte Füße bekommen. Der Traum zeigt ihr eine romantische Szene zusammen mit ihrer ersten großen Liebe Chris. Um sich im Hinblick auf die bevorstehende Hochzeit über ihre Gefühle für Tom im Klaren zu sein, reist sie zu Chris, um sich zu beweisen, dass es nichts weiter als ein Traum war und sie ihre Gefühle von damals hinter sich gelassen hat. Wieder zurück in Langenberg holt die Realität sie jedoch mit einer schockierenden Nachricht ein, die ihre ganzen Zukunftspläne über Bord wirft. Schafft sie es nach diesem Ereignis ihr Leben weiterzuleben und wieder nach vorne zu schauen?


Die Protagonistin Emily erzählt diese Geschichte aus der Ich-Perspektive. Der Leser erfährt so auf unmittelbare und authentische Weise, welche schwierige Zeit sie durchmachen muss und wie sie damit umgeht. Er sieht, wie sie immer wieder verzweifelt ihren Gefühlen freien Lauf lässt, aber auch wieder aufzustehen versucht.

Der Schreibstil ist angenehm zu lesen und mit vielen Details versehen, sodass der Leser sich die Orte, die Handlung sowie die Atmosphäre bildlich vorstellen kann und sich somit dem Geschehen mehr verbunden fühlt. Das Geschehen wird greifbar und nachvollziehbar.

Zu Beginn ist die Geschichte verwirrend und an einigen Stellen wenig nachvollziehbar. Diese Verwirrung legt sich jedoch ziemlich schnell und der Leser erfährt, dass die Protagonistin genauso verwirrt und dem eigentlichen Geschehen gegenüber ungläubig erscheint. Geschildert wird die Situation so, wie Emily es wahrgenommen hat. Sie kann das Erlebte nicht richtig einordnen und es nicht verstehen. Diese anfängliche Verwunderung baut somit Nähe und Verständnis zu Emily auf, unter anderem weil der Leser und die Protagonistin auf dem gleichen Wissenstand sind.
Es lohnt sich auf jeden Fall weiterzulesen, um zu erfahren, was wirklich passiert ist. Auch wenn das reale Geschehen schnell klar zu sein scheint, werden im Laufe der Geschichte immer wieder neue Details eingeflochten, die die vom Leser entwickelte Theorien wieder umwerfen und erschütternde Wahrheiten ans Licht bringen.

Übermittelt werden viele Gefühle und Emotionen - sowohl positive als auch negative, angesichts der schwer zu verarbeitenden Situation. Trotz der dramatischen traurigen Situation spiegelt dieses Buch also keineswegs nur depressive Momente und Stimmungen wieder, sondern lässt auch positive Emotionen wie Hoffnung, Zuversicht, Freude und Liebe mitschwingen.

Dieses Buch ist mit der wichtigen Message versehen, dass auch in schwierigen Momenten des Lebens, in denen sich die Sonne hinter dichten Wolken zu verstecken scheint, nicht aufgegeben werden darf, sondern nach vorne geblickt werden muss. Denn mit jeder Tür, die sich schließt, auch wenn durch tragische überraschende Ereignisse, öffnet sich eine neue Tür. Das Leben ist zu kurz, um in Trauer zu versinken und sich jedem Funken von Glück und neuer Lebensfreude zu verschließen.


Ein empfehlenswertes Buch, welches ein wahres Gefühlschaos beim Leser auslöst und kein Auge trocken bleibt. Zwischenmenschliche Gefühle stehen dabei im Vordergrund.

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