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Veröffentlicht am 15.09.2016

Prickelnde Histo-Erotik in Frankreich spielend ...

The Comte - Das gefesselte Herz
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Comte Gaspard Toussaint ist ein Spion und wurde von seinem Auftraggeber mit Besitz und Titel bedacht. Allerdings gibt es auch einen gewaltigen Haken an der Sache- der Besitz war schon vorher hochverschuldet ...

Comte Gaspard Toussaint ist ein Spion und wurde von seinem Auftraggeber mit Besitz und Titel bedacht. Allerdings gibt es auch einen gewaltigen Haken an der Sache- der Besitz war schon vorher hochverschuldet und so ist es nun an Gaspard, diese Schulden abzutragen, was eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit ist. Es sei denn, er heiratet eine reiche junge Dame. Doch die dürften sich dank seines Rufes kaum für ihn interessieren, denn alle Welt glaubt, Gaspard wäre homosexuell; dabei hat er sich diese Maskerade einst nur zulegen müssen, weil sie seinen Spionagetätigkeiten dienlich waren.

Außerdem ranken sich weitere dunkle Geheimnisse um seine vorgebliche Schwäche für Männer, die er jedoch vor anderen unbedingt geheim halten muss. Als er eines Tages jedoch in einem Ballsaal die junge Claudia Pascale sieht, die Halbfranzösin und Enkelin eines einst äußerst gewitzten französischen Spions, der jedoch untergetaucht ist, glaubt Gaspard endlich die Lösung für all seine Probleme vor sich zu haben. Obwohl Claudia unverhohlenes Interesse an Gaspards Freund Sabien Purvis zeigt, nutzt Gaspard die Gunst der Stunde, verführt die Schönheit mit einem Sprachfehler und macht sie verliebt in sich. Bei ihren wilden und leidenschaftlichen Liebesspielen, verschwimmt jedoch dann bald die Grenze zwischen Lehrer und Schüler und Gaspard, der glaubte, niemals jemanden lieben zu können, ist zutiefst verwirrt von seinen Gefühlen zu Claudia…

„The Comte- Das gefesselte Herz“ sorgte allein schon von der Ausgangssituation dafür, dass ich unglaublich neugierig auf diesen Roman war. Zudem liebe ich Historical Romances mit französischem Setting und mag auch Spionageplots, wenn sie denn etwas ausgefeilt und spannend dargebracht werden. Leider wusste ich nicht, dass es sich hier in erster Linie um einen erotischen Roman handelt. Zwar hat die Autorin sich sehr viel Mühe mit einem interessanten Plot gegeben, doch fand ich die Ausführung und die Auflösung des Ganzen dann leider nicht so unterhaltsam wie gehofft, weil den Figuren, trotz ihrer seelischen Pein, die sie in sich tragen, einfach etwas mehr Tiefgang gut getan hätte. Statt dass sie sich zunächst einmal besser kennenlernen, entschied sich die Autorin dazu, wie es in erotischer Lektüre zumeist so ist, ihr Paar lediglich von einer zur anderen sehr explizit geschriebenen Liebesszene zu treiben. Sämtliche Probleme und Missverständnisse, die sich zwischenzeitlich auftun, werden also im Bett geklärt.

Zugeben, die Liebesszenen in diesem Roman sind sehr erotisch und ansprechend geschrieben, so dass Fans dieses Genres sicher hier auf ihre Kosten kommen werden, doch alle diejenigen, die sich auf eine „normale“ Historical Romance mit Handlung und Figuren mit Tiefgang gefreut haben, könnten nach dem Lesen dieses ersten Teils der „Bourbon Boys“enttäuscht sein. Vielleicht wäre es in Zukunft besser, wenn man rein erotische Lektüre, entsprechend auf dem Buchdeckel deklarieren würde.

Abgesehen von meinen Kritikpunkten, lässt sich Edie Harris Roman jedoch durchaus gut lesen. Hätte sie ihren Figuren und Spionen ein wenig mehr Ecken und Kanten und der Story mehr Spannungselemente verschafft, wäre meine Bewertung sicherlich viel besser ausgefallen. Besonders schade fand ich es, dass Claudia und Gaspard sich nicht ein wenig mehr über ihre Sorgen und Nöte austauschen. Zwar kommt es gegen Ende des Romans zu einer kleinen Aussprache bezüglich Gaspards trauriger Vergangenheit, doch war mir das etwas zu wenig. Auch fehlten sämtliche Interaktionen zwischen Claudia und ihren lieblosen Eltern. Eindeutig hätte die Einbeziehung dieser, eine etwas spannendere Situation zu Tage gefördert, in der Claudia sich dann endlich mal ihren Eltern gegenüber hätte behaupten können. Überhaupt wirkt Claudia über weite Strecken einfach zu naiv; dass sie noch nicht einmal begreift, dass Gaspard sie allein mit seinem Finger entjungfert, war mir persönlich dann doch etwas „too much“. Zudem sie jedoch begierig alle möglichen Spielarten annimmt, zu denen Gaspard sie motiviert und das dann alles plötzlich so ganz ohne Scham und Naivität, was irgendwie nicht so wirklich ins Bild passte. Dennoch möchte ich diese Serie noch nicht aufgeben, weil es viel zu selten Historicals mit französischem Setting in deutscher Übersetzung in die Buchläden schaffen und hoffe sehr, dass sich die Autorin mit dem zweiten Teil der Serie steigern wird.
Kurz gefasst: Prickelnde Histo-Erotik in Frankreich- interessante Ausgangssituation, jedoch wirkten mir die Figuren zu blass beschrieben. 3.5 von 5 Punkten.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Achtung Lachfältchengefahr! Umwerfend witziger 4. Teil der „Billionaire Boys Club“ Reihe, der mir viel Lesespaß bereitet hat

Perfect Passion - Feurig
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Was habe ich damals den Film “Pretty Woman” geliebt, in dem, mit einer Prostituierten und einem reichen Geschäftsmann ein Paar zusammen fand, das unterschiedlicher nicht hätte sein können. So ähnlich verhält ...

Was habe ich damals den Film “Pretty Woman” geliebt, in dem, mit einer Prostituierten und einem reichen Geschäftsmann ein Paar zusammen fand, das unterschiedlicher nicht hätte sein können. So ähnlich verhält es sich auch in Jessica Clares aktuellem Roman “Perfect Passion- Feurig”. Maylee ist jedoch keine Prostituierte, sondern ein waschechtes Südstaatenmädel, das nicht nur mit äußerst breitem Dialekt redet und so, wie ihr der Schnabel gewachsen ist, sondern auch völlig natürlich und unaffektiert durchs Leben geht. Sie stammt aus bürgerlichem Elternhaus, lebt in Brooklyn in einem winzigen, gemieteten Zimmer und freut sich zunächst wie wahnsinnig, als sie erfährt, dass der Freund ihres Arbeitgebers händeringend eine Assistentin sucht, die ihm für ein paar Tage zur Hand geht bei Terminabsprachen. Und alles wird äußerst gut bezahlt! Sie ahnt zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht, dass ihr neuer Chef ein Viscount ist, der so steif wirkt, als ob er laut Freundin seines Kumpels, “einen Stock im Allerwertesten hat”.

Viscount und Milliardär Griffin Verdi braucht Maylees Dienste, weil er zu der königlichen Hochzeit seiner Cousine reisen muss und das alles ohne Butler! Da er noch nicht einmal eine Krawatte selbstständig binden kann… wo käme man da schließlich hin! … braucht er dringend Unterstützung, der alte Snob. Als er Maylee aber zum ersten Mal begegnet, fällt er aus allen königlichen Wolken. Dass sie ein echtes Landei ist und völlig unpassende Kleidung dabei hat, stößt ihm sauer auf. Aber Maylee könnte ihm dennoch äußerst gefährlich werden, da ihre erfrischende und offene Art gepaart mit ihrer Attraktivität, sein Herz schnell höher schlagen lässt.

So weit zum Inhalt. Mit „Perfect Passion- Feurig“ hat Jessica Clare, den nun bereits 4. Teil ihrer erotischen Romanserie um eine Reihe von reichen Geschäftsmännern, die miteinander befreundet sind, abgeliefert. Und obwohl es zwar schön sein mag, wenn man die Bücher in der richtigen Reihenfolge liest, kann man jedoch auch jederzeit neu einsteigen; will sagen, jedes der Bücher kann auch als „stand alone“ gelesen werden.
Diesmal bringt die Autorin nun, wie oben erwähnt ein Paar zusammen, das so unterschiedlich gestrickt ist, dass man kaum fassen kann, dass sie überhaupt jemals zusammenfinden könnten. Während Maylee anfangs ein wenig naiv erscheint, glaubt Griffin, er stände über allen Dingen und Personen. Zwar hat er keine Lust darauf, dass all zu großes Gewese um ihn gemacht wird, doch genießt er im Grunde schon einige seiner Privilegien, was ihm erst durch Maylees Fingerzeige bewusst wird. Überhaupt gelingt es Maylee immer wieder auf ihre natürliche und offene Art, ihm seine Fehler unangenehm unter die Nase zu reiben, was mir einige Lacher beim Lesen entlockt hat.

Es ist auch zu schön, wenn Griffins steife und schnöselige Weltanschauung durch Maylee gehörig durcheinander gewirbelt wird. Zugegeben, er hat eine verletzende schroffe Art, aber er sieht seine Fehler zumeist schnell ein, was ihn letztendlich dann doch sympathisch für die Leser macht.
Es knistert jedoch von Beginn an ordentlich zwischen den beiden, was dann auch in, typisch für einen erotischen Roman, sehr sexy und prickelnd beschriebenen Liebesgeschichten gipfelt. Dennoch gerät die Handlung hier zu keiner Zeit zur Nebensache, was mir besonders gut gefallen hat. Und auch der lesetechnisch gesehene Ausflug in königliche Gefilde, hat mir viel Spaß bereitet. Für die meisten humorigen Szenen sorgen jedoch Maylee und Griffin selbst. Ihre Dialoge sind einfach köstlich zu lesen und überhaupt sorgt Jessica Clares eingängiger und unterhaltsamer Schreibstil dafür, dass man viele Freude an dem 4. Teil der Reihe haben wird. Hier könnte ich mir sogar zu späterer Zeit ein Re-Reading des Buches vorstellen. Etwas, das mir ganz selten passiert.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Ansprechender, niveauvoller Liebesroman, für Fans prickelnder Softerotik

Die Professorin
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Esther ist gut in ihrem Job. Sie arbeitet in einer gut gehenden Kunsthandlung. Als ihr betagter Chef sich bei einem Sturz das Bein bricht, beauftragt er sie an seiner Stelle dazu, nach Italien zu reisen, ...

Esther ist gut in ihrem Job. Sie arbeitet in einer gut gehenden Kunsthandlung. Als ihr betagter Chef sich bei einem Sturz das Bein bricht, beauftragt er sie an seiner Stelle dazu, nach Italien zu reisen, um dort dem reichen Conte Robert d’Albertis vor Ort zu treffen. Sie soll dem Conte ihre fachliche Unterstützung bei einem Bilderkauf angedeihen lassen und zudem einige Bilder restaurieren. Als Esther dann vor dem Conte steht, ist sie überrascht, denn Roberto sieht aus, wie der Mann aus ihren erotischen Träumen. Jedoch ist er kein Kostverächter. Als sie in der Nacht von einem Geräusch geweckt wird und über die Terrasse hinaus, über das Grundstück läuft, überrascht sie Roberto mit einer heißblütigen jungen Frau beim Liebesakt. Peinlich berührt, aber auch interessiert, verfolgt sie versteckt von weiteren möglichen neugierigen Augen, das Geschehen, ahnt jedoch nicht, dass Roberto sie bereits bemerkt hat.
Am nächsten Morgen ist er jedoch wieder ganz der nüchterne Arbeitgeber, der allerdings durchblicken lässt, dass er einem sexuellen Intermezzo zwischen ihnen beiden nicht abgeneigt wäre. Eine Herausforderung, der Esther nicht widerstehen kann, zumal es in ihrem Liebesleben mehr als mau aussieht. Doch nach dem Liebesakt spürt Esther, dass sie mehr will von Roberto. Erwidert er ihre Gefühle, oder ging es ihm nur darum, sie ins Bett zu bekommen?

Lara Hills erotischer Roman hat mich erst einmal positiv überrascht, denn auch wenn er mit zahlreichen Liebesszenen bestückt ist, hat die Autorin dem Heldenpaar dieser Story durchaus auch eine runde Hintergrundgeschichte auf den Leib geschrieben.
Da wäre zum einen die bislang von der Liebe enttäuschte Esther, die in ihrer Heimat stets etwas zurückhaltend war, aber in Italien, durch Robertos Bemühungen zu einer sexuell aufgeschlossenen Frau aufblüht und zum anderen Roberto, ein attraktiver, reicher Blaublütiger mit einem sagenhaften Frauenverschleiß; ein richtig schlimmer Finger, glaubt man zunächst, der aber dann im Laufe der Geschichte eines Besseren belehrt wird, denn natürlich gibt es einen (glaubwürdig vermittelten) Grund für sein Verhalten und seine Bindungsangst.

Die Liebesszenen sind etwas für Leser, die der Softerotik in all ihren verschiedenen Spielarten zugeneigt sind. Die Liebesakte sind dazu sehr explizit ausformuliert, allerdings in einem ansprechenden und vor allem niveauvollen Rahmen, so dass die Autorin mit ihrem Roman hier keine Wünsche offen lässt. Einzig manche Formulierungen bzw. Bezeichnungen für die Geschlechtsteile fand ich nicht so wirklich prickelnd, wie etwa „Rute“. In einem Contemporary verwandt, nicht so ganz passend, denke ich. Und auch die Nebenhandlung um Esthers weiblichen Freundeskreis, hätte ich mir etwas ausführlicher geschildert gewünscht.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Beschwingte, humorvolle Historical Romance die einer guten Hollywood Screwball Komödie gleich, zu unterhalten versteht

Wie wird man einen Herzog los in zehn Tagen
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Lady Lucy Upton und ihre Freundinnen Lady Jane Lowndes und Lady Cassandra Monroe, gehören im ton zu den sogenannten Mauerblümchen. Das liegt weniger an ihrem Aussehen, denn alle drei sind auf ihre Art ...

Lady Lucy Upton und ihre Freundinnen Lady Jane Lowndes und Lady Cassandra Monroe, gehören im ton zu den sogenannten Mauerblümchen. Das liegt weniger an ihrem Aussehen, denn alle drei sind auf ihre Art äußerst attraktiv. Während Lady Cass mit einer großen Schüchternheit geschlagen und unglücklich verliebt in einen Mann ist, der bereits seit Kindertagen einer anderen versprochen ist, zieht es Lady Jane lieber in gut gefüllte Bibliotheken. Sie hat einfach nichts übrig für dumme Männer, die nicht mit ihrer Intelligenz umgehen können. Auch Garrett, Lady Lucys Cousin, liebt es Lady Jane zu necken, doch kann sie ihn etwas besser ertragen.

Lady Lucy dagegen hat ein überaus freches Mundwerk. Sie ist gewitzt, abenteuerlustig und über alle Maßen schlagfertig. So ist es dann auch kein Wunder, dass Cass ausgerechnet Lucy darum bittet ihr beizustehen, wenn sie dem frischgebackenen Duke of Claringdon, Derek Hunt eine Abfuhr erteilt, denn Cass fürchtet sich vor dem großen, attraktiven Mann und Kriegshelden, der so überaus dominant wirkt und es sich in den Kopf gesetzt hat, Cass zu heiraten. Obwohl Lucy alles ihr nur mögliche versucht, Derek davon abzuhalten, Cass weiterhin den Hof zu machen, erweist dieser sich als stur und hartnäckig und bringt sie mit seinem trockenen Humor regelrecht zur Weißglut. Was Cass und Lucy nicht ahnen, ist, dass Derek auf Bitten eines im Sterben liegenden Freundes handelt. Und weil weder Lucy noch Derek nachgeben wollen, kreuzen die beiden Kampfhähne weiterhin die Klingen, während Cass sich nicht so recht traut, aus ihrem Schneckenhaus herauszukommen…

Ich war voller Vorfreude, als ich sah, dass eine Historical Romance von Valerie Bowman ins Deutsche übersetzt würde, aber auch sehr gespannt, da ich bislang lediglich englische Leseproben der Autorin kannte, die sich jedoch sehr vielversprechend lasen.
Nun, nachdem ich vorhin „Wie wird man einen Herzog los in 10 Tagen“ ausgelesen habe, bin ich sehr froh darüber, der Autorin eine Chance mit ihrer „Playful Brides“ Reihe gegeben zu haben, denn sie konnte mich mit ihrer Historical Romance mehr als nur überzeugen. Ich war sehr angetan vom beschwingt leichten Unterton, der in diesem Roman vorherrscht, der mich ein wenig an Julia Quinns alte Romances erinnert hat, wenn auch die Ausdrucksweise der Protagonisten und auch ihr Verhalten, hier und da ein wenig moderner wirkt. Normalerweise stört mich so etwas, doch in diesem Fall war es anders, da mich die amüsanten Dialoge der Protagonisten und auch ihr Umgang mit Freunden und Bekannten so begeistern konnten.

Zwar tragen sowohl Lucy als auch Derek kleine seelische Altlasten mit sich herum, doch werden sie nicht in epischer Breite ausgewalzt- es kommt an passender Stelle zur Sprache und damit ist es auch gut, was ich als sehr positiv empfand. Sowieso ist das Heldenpaar erfrischend normal gestrickt. Beide stehen mit beiden Beinen im Leben; haben nur eine Schwäche, die man jedoch eigentlich als Stärke auslegen müsste. Ihre Freunde nämlich, die es ihnen zunächst scheinbar unmöglich machen, zueinander finden zu können.
Zwischen dem Paar wider Willen sprühen von Anfang an die Funken und es hat mir viel Lesespaß bereitet, wie sie sich zunächst versuchen gegenseitig auszutricksen. Dereks Wette mit Lucy inklusive, auf die ich an dieser Stelle nicht näher eingehen möchte, um nicht zuviel zu verraten.

Im ersten Teil ihrer „Playful Brides“ Reihe, macht Valerie Bowman ihre Leser bereits mit einigen ihrer Hauptakteure der weiteren Bände bekannt, und da sie genauso sympathisch und liebeswert beschrieben werden, wie auch Lucy und Derek, möchte ich unbedingt dran bleiben an der Serie und hoffe sehr, dass Bastei Lübbe weitere Bücher der bislang fünfteiligen Reihe übersetzen wird. Denn ich bin schon sehr neugierig darauf wie es weitergeht und vor allem, ob Lady Cass ihren Julian dann doch noch bekommen wird.

Kurz gefasst: Beschwingte, humorvolle Historical Romance die einer guten Hollywood Screwball Komödie gleich, zu unterhalten versteht und mich bezaubert hat.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Bildgewaltiger, atmosphärisch dichter Historienroman; jedoch nichts für zarte Gemüter!

Krieg der Rosen: Winterpilger
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Der Mönch Thomas wird eines Nachts unsanft aus dem Schlaf gerissen. Er soll einen, in die Falle gegangenen Fuchs aufspüren, töten und zum Kloster zurückbringen. Thomas ist alles andere als begeistert, ...

Der Mönch Thomas wird eines Nachts unsanft aus dem Schlaf gerissen. Er soll einen, in die Falle gegangenen Fuchs aufspüren, töten und zum Kloster zurückbringen. Thomas ist alles andere als begeistert, denn es ist so klirrend kalt, dass normalerweise kein Mensch freiwillig einen Fuß vor die Tür setzen möchte und zum anderen hasst er das Töten.
Doch ihm bleibt keine Wahl, auch wenn er diesen Befehl als Schikane von Seiten seines Priors ansieht.

Die beiden Nonnen Katherine und Alice befinden sich ebenfalls, nur wenig später, mit einem recht unschönen Auftrag im Gepäck, außerhalb ihrer Klostermauern. Ausgerechnet auf dem Rückweg, kurz bevor sie durch die Toren des Klosters schreiten können, werden sie von einer Horde Männern überfallen: Bruder Thomas, der sich ebenfalls auf dem Rückweg befindet, gelingt es in letzter Sekunde einzugreifen, so dass die beiden Frauen in die schützende Sicherheit des Klosters entfliehen können.

Doch einer der Männer, die von Thomas schwer verletzt wurden, ist ausgerechnet der Sohn des Adligen, Sir Riven. Und Sir Riven schwört Thomas und den Nonnen Rache! Selbst als Rivens Sohn die Nacht übersteht, bleibt er unbeirrbar und drängt auf einen Zweikampf mit Thomas.
Währenddessen sind auch Katherine und Alice in die Bredouille geraten, denn die Priorin glaubt, als sie von dem Vorfall erfährt, die Frauen hätten Unzucht mit Bruder Thomas getrieben, schließlich sei ihnen der Umgang mit Männern strengstens untersagt.
Trauriger Höhepunkt am Ende des Tages ist, dass Alices Tod zu beklagen ist, und dass sich Katherine, die sich mit Alice Mörderin einen Kampf lieferte, der für die Mörderin tödlich endete, nun zusammen mit Thomas, der überraschenderweise den Zweikampf mit Sir Riven überlebt hat, auf der Flucht befindet.
Ihr Plan: Sie wollen zusammen nach Canterbury, wo ihr Fall von einem Kirchenoberhaupt begutachtet werden soll. Doch unterwegs laufen sie Kämpfern des Earl of Warwick in die Hände, die beide rekrutieren wollen. Katherine, die in Männerkleidern steckt, ist zunächst starr vor Angst, doch ihr und Thomas bleibt nichts anderes übrig, als gute Miene zum bösen Spiel zu machen. Während Thomas zum Bogenschützen und Kämpfer ausgebildet wird, entdeckt Katherine ihre Fähigkeiten in der Heilkunst. Canterbury scheint ferner, als je zuvor…

Der Autor dieses Romans, Toby Clements, gibt an, schon immer ein großes Interesse an der Zeit der Rosenkriege gehabt zu haben. Und in der Tat mutet seine Hintergrundrecherche überaus akribisch an. Man sieht durch die Augen der beiden Hauptfiguren Katherine und Thomas, die Gräueltaten, die ein Krieg mit sich bringt, erfährt mehr über die politischen Hintergründe und die unruhigen, unglücklichen Zeiten, die während der hier noch andauernden Herrschaft des passiven Königs Henry VI. in England herrschten. Was mir aber besonders gut gefallen hat, ist der Umstand, dass in diesem Roman auch die einfachen Menschen eine Stimme haben und man nicht allein die Ränkeschmiede des Adels beim Lesen verfolgen darf.

In Toby Clements historischem Roman geht es sehr realistisch zu, daher würde ich „Krieg der Rosen: Winterpilger“ keinem Leser empfehlen, der etwas zart besaiteter ist. Die Schlachten werden nicht nur mit äußerster Brutalität geschlagen, sondern auch in aller Deutlichkeit vom Autor geschildert, so dass man beinahe selbst glaubt, das viel vergossene Blut riechen zu können. Auch sollte man sich nicht über die Unflätigkeit der Soldaten mokieren oder sich über die heute auf uns recht seltsam wirkenden Ansichten der Menschen damaliger Zeit, wundern. Durch die Tatsache, dass der Autor seinen Roman in der Gegenwartsform geschrieben hat, glaubt man beim Lesen fast, einen packenden Historienbericht vor sich liegen zu haben, was mir ebenfalls gut gefallen hat, auch wenn ich ansonsten lieber Romane, die in der Vergangenheitsform geschrieben sind, bevorzuge. Hier passt es jedoch perfekt!

Involviert in die Geschehnisse wird man durch die oben schon erwähnten Hauptfiguren des Romans, Katherine und Thomas. Ich fand es interessant zu lesen, wie aus zwei recht unbedarften, anfangs recht naiven jungen Menschen, im Laufe der Geschichte, abgeklärte und gewitzte Personen wurden, die fähig waren, sich den äußeren Gegebenheiten anzupassen und über sich selbst hinauszuwachsen. Im Zuge des ersten Teils, der als Trilogie angelegten neuen Reihe von Toby Clement, erfährt man jedoch ansonsten noch nicht allzu viel über die beiden, weil der Autor das Schlachtengetümmel ein wenig mehr in den Fokus gestellt hat, was mir, bei allem Lob für diesen opulenten Historienroman, ein wenig missfallen hat.
Aber abgesehen von meinem Kritikpunkt ist „Krieg der Rosen: Winterpilger“ ein empfehlenswerter, atmosphärisch dichter Historienroman; informativ und spannend zugleich.