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Veröffentlicht am 15.09.2016

Atmosphärisch dichter 4. Teil der Schneidmann/Käfer Reihe, der auf ganzer Linie überzeugen kann

Denn mir entkommst du nicht
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Beim Joggen hört Antonio Gomez plötzlich jemanden, der leise seinen Spitznamen ruft. Irritiert schlägt er sich ins Gebüsch und überrascht dabei eine vermummte Gestalt, die vor ihm davonläuft. Als er vorangeht, ...

Beim Joggen hört Antonio Gomez plötzlich jemanden, der leise seinen Spitznamen ruft. Irritiert schlägt er sich ins Gebüsch und überrascht dabei eine vermummte Gestalt, die vor ihm davonläuft. Als er vorangeht, findet er eine Frauenleiche vor, die schrecklich zugerichtet wurde. Nachdem er dann auch noch erkennen muss, dass es sich dabei um eine frühere Bekannte handelt, mit der Antonio einst befreundet war, ist er erst recht erschüttert. Anonym ruft er die Polizei, doch diese findet im Zuge der Ermittlungen schnell heraus, wer der unbekannte Anrufer war, da Antonio sich in der Nähe der Leiche erbrechen musste. Mittlerweile ist auch noch eine weitere Frau getötet aufgefunden worden.
Schnell glaubt die Polizei, in Antonio ihren Täter gefunden zu haben, da seine DNA nicht nur am ersten, sondern auch an einem Beweisstück am zweiten Tatort aufgefunden wurde. Antonio beteuert jedoch seine Unschuld.

Und irgendwie hat die Ermittlerin Charlotte Schneidmann ein seltsames Bauchgefühl, dass ihr sagt, dass sie ihre Ermittlungen auch in andere Richtungen ausweiten müssen. Das bedeutet jedoch auch jede Menge an Überstunden. Überstunden, die für sie und ihre junge Familie etwas ungelegen kommen. Währenddessen versucht ihr Kollege Peter Käfer zusammen mit seiner Frau für Nachwuchs zu sorgen, doch der will sich leider nicht so einfach einstellen'

Der bereits vierte Teil der Münsteraner Krimireihe um das Ermittlerduo Schneidmann und Käfer beginnt sogleich sehr spannend. Diesmal müssen die beiden zwei Frauenmorde aufklären, die die gleiche Handschrift des Täters tragen. Doch könnten die beiden Opfer unterschiedlicher nicht sein. Während das erste Opfer eine stadtbekannte Prostituierte war, handelt es sich bei der zweiten ermordeten Frau um eine junge Mutter, die aus einem völlig normalen und glücklichen Umfeld gerissen wurde. Ein Verdächtiger wird zwar schnell gefunden, doch der Leser weiß ja bereits von Beginn an, dass sich die Tätersuche nicht so einfach gestalten wird. Die Autorin legt dann auch viele Finten und falsche Fährten, so dass man genau wie das Ermittlerduo lange Zeit im Dunklen tappt, was den Roman sehr interessant macht.

Überhaupt fand ich 'Denn mir entkommst Du nicht', noch viel packender und straffer geschrieben, als den Vorgängerband. Zudem streut die Autorin diesmal ein wenig mehr familiären Hintergrund des Ermittlerduos ein, was die Figuren für mich nun greifbarer machte. Gegen Ende des Romans zieht die Autorin dann gewaltig die Spannungsschraube an; war 'Denn mir entkommst Du nicht', zuvor nur ein interessanter Krimi, der die akribische Ermittlungsarbeit auf unterhaltsame Art in den Fokus stellte, bekam er dann gegen Ende die Züge eines atemberaubenden Thrillers, der in einem vor Dramatik nicht mehr zu überbietenden Showdown gipfelte. Den Cliffhanger jedoch hat es in sich, so dass man sich nun wohl oder übel bis zum nächsten Teil der Reihe gedulden muss, auch wenn der Kriminalfall als solches abgeschlossen wird.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Für mich leider nur ein mittelmäßiges Lesevergnügen, auch wenn die Story durchaus Potential hatte

Das Geheimnis von Carlisle
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Nachdem Evas Mutter Flora Selbstmord begeht, verändert sich von einem auf den anderen Tag das Leben für die junge Frau, denn nun erfährt sie, wieso sie von ihrem Vater niemals Liebe und Anerkennung erhielt, ...

Nachdem Evas Mutter Flora Selbstmord begeht, verändert sich von einem auf den anderen Tag das Leben für die junge Frau, denn nun erfährt sie, wieso sie von ihrem Vater niemals Liebe und Anerkennung erhielt, wohingegen ihre Geschwister diese zuhauf bekamen. Er ist nicht ihr leiblicher Vater und er lässt sie seine Abneigung nun auch geballt spüren, als er ihr eröffnet, dass ihre Mutter ihr ein Haus in London vererbt hat. Eva begreift, dass ihre Abwesenheit nicht mehr erwünscht ist und zieht zunächst in eine kleine Wohnung zum Übergang, wo sie einen netten jungen Mann kennen lernt, der sie über ihren ersten Schmerz hinwegtröstet. Doch Tod möchte sich nicht auf eine Frau allein festlegen und so ergreift Eva abermals die Flucht bei Nacht und Nebel und bezieht schließlich die ihr hinterlassene Wohnung in London, die baufälliger nicht sein könnte.

Doch Eva hat Glück im Unglück- als sie eines Tages von einem Handtaschenräuber überfallen wird, entpuppt sich der Verfolger des Diebes als ihr Retter in Not. Phil bringt die erschrockene Eva zurück in ihre Wohnung und bietet, als er den Zustand des Hauses sieht, sogleich seine Hilfe an. Eva freut sich darüber, endlich jemanden gefunden zu haben, der ihr freundschaftlich unter die Arme greifen möchte, doch die Frage nach ihrer Herkunft lässt sie nicht mehr los. Zu gerne würde sie endlich erfahren, wer ihr Vater war und welche Geheimnisse ihre Mutter verbarg. Denn warum diese sich umbrachte, kann Eva einfach nicht verstehen…

Nachdem ich vor einiger Zeit schon einmal einen Roman von Lesley Pearse las, der mir außerordentlich gut gefallen hat, der jedoch Teil einer Serie war, ( Am Horizont ein helles Licht) wollte ich auch unbedingt ihren neuen Roman, der allerdings ein Einzeltitel ist, lesen. Schon die Covergestaltung stieß mir positiv ins Auge; zudem liegen Romane in denen die Protagonisten Rätsel ihrer Herkunft ergründen müssen, oder ähnliches, genau in meinem Lesebeuteschema.
Zunächst ließ sich die Geschichte auch hochdramatisch und spannend an. Man lernt Eva kennen, die Heldin des Romans, deren Leben von einem auf den anderen Tag umgekrempelt wird und die plötzlich alles in Frage stellen muss, was sie bislang von ihrer Familie glaubte. Man wird als Leser schnell warm mit Eva und leidet ob ihrer Schicksalsschläge mit ihr mit.

Und bis zur Mitte des Romans, konnte mich „Das Geheimnis von Carlisle“ auch durchaus in seinen Bann ziehen. Doch immer mehr störte es mich dann, wie schablonenhaft die Nebenfiguren gezeichnet waren. Ob Evas Stiefvater, der keine freundliche Nuance an sich hatte, oder Evas egozentrische Geschwister; selbst Tod, der erst ein freundliches Naturell zeigte und plötzlich ohne Vorwarnung zu einem gewissenlosen Fremdgänger mutierte- dazu völlig grundlos und schon nach zwei kurzen Wochen der angeblichen großen Liebe. All das wirkte mir leider zu konstruiert und auf ein sehr künstlich wirkendes Drama hochstilisiert. Auch die Suche nach Evas Vater gestaltete sich dann leider nicht so spannend, wie ich es mir im Vorfeld erhofft hatte und dazu neigte Eva dazu, fast jedem Menschen in ihrer Umgebung Vertrauen zu schenken, auch wenn sie ihn gerade erst kennen gelernt hatte, was mich befremdete, denn solch ein naives Verhalten, dass die Heldin an den Tag legte, passte eher zu einer Romanfigur aus einem Historienroman.

Auch fand ich, dass sich die Protagonisten nicht wirklich zeitgemäß ausdrückten. Wir haben es hier mit einem Roman zu tun, der in der Gegenwart spielt, doch manche Dialoge klingen leider regelrecht altbacken, als stammen sie aus einer bereits lange vergangenen Zeitepoche, was mich sehr irritiert hat, beim Lesen.
Vielleicht liegt Lesley Pearse auch einfach das Schreiben von historischen Romanen mehr? Aber egal, woran es auch lag, all diese aufgeführten Kritikpunkte sorgten letztendlich dafür, dass ich mich durch die letzten 200 Seiten etwas durchquälen musste, so leid es mir für die Autorin und ihren Roman auch tut.

Veröffentlicht am 15.09.2016

„Die rubinrote Kammer“ bietet eine unterhaltsame Mischung aus historischem Krimi und Romance

Die rubinrote Kammer
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Victoria Bredon ist eine junge Dame aus gutem Hause, die eine recht unkonventionelle Art des Lebens vorzieht, damit aber auf nicht viel Gegenliebe von Seiten ihrer Familie stößt. Nur zu gerne, würden ihre ...

Victoria Bredon ist eine junge Dame aus gutem Hause, die eine recht unkonventionelle Art des Lebens vorzieht, damit aber auf nicht viel Gegenliebe von Seiten ihrer Familie stößt. Nur zu gerne, würden ihre versnobten Verwandten, Victoria unter ihre Fittiche nehmen, um ihre Bemühungen im Kampf um das Wahlrecht für Frauen im Keim zu ersticken. Doch gottlob war Victorias verstorbener Vater, ein Gerichtsmediziner, so geistesgegenwärtig, die Vormundschaft für Victoria auf einen guten Freund zu übertragen, der Victoria so schalten und walten lässt, wie sie es denn möchte.
So lebt Victoria zusammen mit dem Butler ihres Vaters, Hopkins, in recht bescheidenen Verhältnissen. Doch Hopkins und Victoria können ihre beschränkten finanziellen Mittel durch ihre Arbeit für eine Zeitung aufbessern. Während Victoria Fotografien abliefert, schreibt Hopkins unter Pseudonym Artikel für Hausfrauen, die überaus beliebt sind.

Als Victoria eines Tages während einer Suffragetten-Demonstration bedrängt wird, eilt ihr der Journalist Jeremy Ryder, der sich zufällig ebenfalls vor Ort aufhält, zur Hilfe.
Nachdem ein Mann ermordet wurde, der Victoria während eines Balls belästigte, gerät sie ins Visier der Ermittler und beschließt schließlich zusammen mit Hopkins selbst Licht ins Dunkel zu bringen, da ihr die Bemühungen der Polizei unzureichend erscheinen.
Außerdem hat sie ein weiteres persönliches Interesse daran zu ergründen, wer Sir Francis ermordete, weil dieser ihr vor seinem Tod eine überaus rätselhafte Geschichte erzählte, die mit ihrem Kindheitstrauma von einst zusammenhängt, welche Victorias Vater in ein schlechtes Licht rückt.
Jeremy klingt überaus interessiert, als er von Victorias Detektivarbeit erfährt und sucht auch weiterhin sehr oft ihre Nähe, was Victoria stutzig macht. Ist Jeremy wirklich nur ein einfacher Journalist, oder steckt mehr hinter seiner Neugier?
Aber Victoria hat auch noch weitere Sorgen. Ausgerechnet ihre Cousine scheint es auf Victorias heimlichen Schwarm Randolph abgesehen zu haben...

Der Roman „Die rubinrote Kammer“ bildet den Auftakt zu einer neuen historischen Krimireihe, in deren Fokus die selbstbewusste Victoria Bredon steht. Hinter dem Pseudonym Pauline Peters, steckt übrigens die Autorin Beate Sauer, die nun eine Serie am Start hat, die den Leser in die Zeit kurz nach der viktorianischen Ära entführt. Eine Zeit des Umbruchs, in denen die Frauen begannen, den Männern die Stirn zu bieten und sich ihr Wahlrecht erkämpften. Als moderne Frau steht auch Victoria auf Seiten der Suffragetten und setzt sich gegen fragwürdige und eingestaubte Moralvorstellungen der Gesellschaftsschicht zur Wehr, was ihr einiges an Ärger beschert.

Obwohl mir Victorias unerschrockene, aufgeschlossene Art sehr gefallen und imponiert hat, fand ich, dass sie ab und an dann doch mal etwas über das Ziel hinausgeschossen ist. Bei allem Verständnis für ihren Drang, sich nichts vorschreiben zu lassen, ging sie dennoch etwas zu leichtfertig um mit ihrem Ruf; was mir ein wenig zu unrealistisch erschien, für eine Frau ihrer Zeit. Und auch für die deutsche Berufsbezeichnung „Zugehfrau“, hätte ich mir lieber eine englische Bezeichnung gewünscht, da der Roman schließlich in England spielt.
Ansonsten war ich aber angenehm überrascht von dem Roman der Autorin, die das historische Zeitgefühl gut in ihre Geschichte zu transportieren, und unterhaltsam zu schreiben vermochte. Ein wenig kamen mir beim Lesen Assoziationen zu Brenda Joyces Francesca Cahill Reihe, die ich ebenfalls sehr mochte und ich hoffe nun sehr, dass Victoria in Zukunft auch weiterhin spannende Fälle aufklären wird. Die Weichen dazu sind, wie ich finde, perfekt gestellt Wir haben eine moderne, intelligente Heldin, einen scharfsinnigen Butler, der ebenfalls gerne kriminalisiert und mit Jeremy einen interessanten Mann in Victorias Leben, selbst wenn das wichtigste Rätsel um Victorias Mutter in diesem Band bereits gelüftet wurde.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Eine außergewöhnlich gute Historical Romance Serie. Empfehlenswert!

Verboten sündig
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Die gute Seele der ehemaligen Jungs von der Straße, Frannie, betätigt sich in Jack Dodgers Etablissement als Buchhalterin. Auch sie, eine angebliche Waise, wuchs bei dem Taschendieb und Gauner Feagan auf, ...

Die gute Seele der ehemaligen Jungs von der Straße, Frannie, betätigt sich in Jack Dodgers Etablissement als Buchhalterin. Auch sie, eine angebliche Waise, wuchs bei dem Taschendieb und Gauner Feagan auf, der aus den Kids, die ihm unterstanden, Kleinkriminelle machte. Doch Feagan hatte auch eine fürsorgliche Art, die dafür sorgte, dass Frannie und die übrigen Kids niemals seelisch an ihrem Leben zerbrachen. Dennoch wurde Frannie als Kind Opfer einer Vergewaltigung, was ihre Jungs auf den Plan rief, die sie fortan auf Schritt und Tritt beschützten, woran sich auch später nichts mehr änderte.

Seitdem sind viele Jahrzehnte vergangen und Frannie ist nun bereits dreißig Jahre alt. Ihr größtes Anliegen ist es, Kinder von der Straße zu holen, damit sie niemals für ihren Unterhalt stehlen müssen oder sie in die Fänge von gewissenlosen Menschenhändlern geraten.
Auf der Hochzeit von Lady Catherine Mabry und Lucian Langdon, dem Earl of Claybourne, lernt Frannie, die als beste Freundin von Lucian natürlich ebenfalls eingeladen ist, Lady Catherines charismatischen Bruder, Sterling Mabry kennen. Auch er ist fasziniert von der rothaarigen Schönheit und bietet ihr eine Affäre an. Obwohl Frannie durchaus Interesse an Sterling hat, ist sie sich für ein, wie sie zunächst glaubt, einmaliges Beisammensein zu schade und weist seinen Vorschlag mit Bedauern, aber rigoros ab.
Sterling lässt jedoch nicht so leicht locker und bekommt es daher mit Frannies Beschützern zu tun, die ihm schlagkräftige Argumente liefern, damit er sich Frannie aus dem Kopf schlägt. Doch je mehr Sterling über Frannie erfährt, um so stärker verliebt er sich in sie, obwohl er eigentlich genau weiß, dass eine Ehe zwischen einer Bürgerlichen und eines Mannes von Stand keinesfalls in Frage kommen sollte. Als Frannies Bemühungen, sich für die Jungs von der Straße einzusetzen, sie in Lebensgefahr bringen, ist Sterling zur Stelle. Kommt sein Einsatz jedoch rechtzeitig?

In „Verboten sündig“ erzählt Lorraine Heath nun die Geschichte von Frannie Darling, die bereits in den Vorgängerbänden kleine, aber bedeutsame Auftritte hatte. Frannie gehörte bereits von Anfang an zu meinen Lieblingscharakteren der Serie und so hoffte ich, dass die Autorin ihr einen passenden Romanhelden zur Seite stellen würde. Catherines Bruder Sterling, wirkte jedoch anfangs schwer zugänglich, versnobt und arrogant, so dass man sich an ihn zunächst gewöhnen musste.

Natürlich hat auch Sterling einen Grund für sein Verhalten. Er hat eine Augenkrankheit, die eine schleichende Erblindung zur Folge hat. Wie lange Sterling noch Sehvermögen haben wird, ist ungewiss, doch ein wenig klingen die Beschreibungen diesbezüglich so, als habe er mit einer Form des grünen Stars zu kämpfen. Seine Entscheidung den Kontinent zu bereisen, um möglichst viele Länder und Menschen kennenzulernen und Abenteuer zu erleben, stieß nicht unbedingt auf viel Gegenliebe bei seinem, hier nun bereits verstorbenen Vater, der ihn stattdessen zwingen wollte, sich eine Frau zu suchen und für Nachwuchs zu sorgen, bevor sein „Makel“ im ton bekannt würde. So kam es schließlich dazu, dass Sterling und sein Vater sich entzweiten und er nun, als Titelerbe, ein wenig mit seinem Schicksal hadert. Doch Frannies Offenheit und Freundlichkeit entwaffnen Sterling, der anfangs verbal wild um sich schlägt und ich fand es wunderschön zu lesen, wie sich die beiden nicht nur langsam annäherten, sondern auch ineinander verliebten.

Hier ließ Lorraine Heath ihrem Heldenpaar dann auch viel Zeit sich kennenzulernen, so dass ich gut nachvollziehen konnte, wieso sich Frannie und Sterling zueinander hingezogen fühlten, was mir besonders gut gefallen hat.

Zugegeben, zwischenzeitlich hätte ich Sterling gerne mal kräftig durchgeschüttelt, wenn er sich selbst bedauerte und sein Leiden, wie ich fand, etwas zu oft von der Autorin in den Fokus gestellt wurde, doch ab der Mitte des Romans wuchs er dann langsam über sich selbst hinaus und war eindeutig lernfähig, so dass ich hier auf einen Punktabzug verzichtet habe.
Der dritte Teil der „Scoundrels of St.James“ Reihe, konnte mich genauso sehr überzeugen, wie auch die Vorgängerbände, jedoch hätte ich mir eigentlich gewünscht, dass der Showdown gegen Ende des Roman etwas anders und nicht so unspektakulär ausgefallen wäre, wie es hier der Fall war. Doch dafür hat mir der anschließende Epilog (aus dem Tagebuch von Frannie) dann wieder einige Tränchen der Rührung entlockt und dafür gesorgt, dass ich „Verboten sündig“ mit einem zufriedenen Lächeln beendet habe. Und selbst ein kleiner Gastauftritt von Charles Dickens persönlich erwartet den Leser in „Verboten sündig“.

Kurz gefasst: Wunderschöner, dritter Teil der Scoundrels of St. James Reihe, den ich genauso stark und atmosphärisch dicht geschrieben fand, wie die Vorgängerbände. Eine außergewöhnlich gute Historical Romance Serie. Empfehlenswert!

Veröffentlicht am 15.09.2016

„Zwei Engel für Poldi“- Poldi kriminalisiert zum zweiten Mal mit viel Herz, Neugier und großer Klappe. Herrlich!

Tante Poldi und die Früchte des Herrn
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Tante Poldis Neffe ist immer noch schwer mit seinem Buchprojekt beschäftigt und so kommt ihm die erneute Anfrage seiner besorgten weiblichen Verwandten gerade recht, die ihn gen Italien zitieren, damit ...

Tante Poldis Neffe ist immer noch schwer mit seinem Buchprojekt beschäftigt und so kommt ihm die erneute Anfrage seiner besorgten weiblichen Verwandten gerade recht, die ihn gen Italien zitieren, damit er Tante Poldi beisteht, die mental eine nicht so günstige Phase durchlebt. Doch als er am Ziel angelangt ist, überrascht ihn Poldi mit einer neuen Geschichte, die sich jüngst ereignet hat und in der Poldi mal wieder schwer kriminalisiert hat.

Alles begann mit dem Mord an einem unschuldigen, kleinen Hund, den Tante Poldi unbedingt aufklären wollte, da es der Hund ihrer Freundin war. Doch ehe sie sich versah, pflasterten weitere, diesmal menschliche Leichen, ihren weiteren Ermittlungsweg und so kam sie wieder einmal ihrem Lieblings-Commissario Montana in die Quere, der es verständlicherweise gar nicht gut aufnahm, dass Poldi erneut die Hobby-Detektivin spielen wollte. Auch die schwierige, aber leidenschaftliche Affäre zwischen Poldi und Montana stand plötzlich auf sehr dünnem Eis, als Poldi fürchten musste, dass sie sich „im Suff“, auf eine heiße Nacht mit einem anderen Mann eingelassen hatte. Doch Poldi wäre nicht Poldi, hätte sie sich von diesen kleinen Nichtigkeiten abhalten lassen zu kriminalisieren und so brachte sie sich plötzlich in große Gefahr, obwohl ihre beiden Mitstreiter beim Ermitteln; ein gottesfürchtiger Pfarrer und eine nette alte Dame, Poldi tatkräftig unterstützten. Konnte Poldi dennoch Licht ins Dunkel bringen und die verzwickten Mordfälle aufklären?

Und gelingt es ihrem Neffen schließlich doch, sein Buch fertig zu stellen?

Nach dem vergnüglichen ersten Teil um die schrullige Tante Poldi mit bajuwarischen Wurzeln, die es über alles liebt Kriminalfälle zu lösen, einen über den Durst zu trinken, tiefschürfende Lebensweisheiten von sich zu geben und strammen Mannsbildern; möglichst in Uniform, nachzustellen, geht es nun weiter mit Poldi, ihrem Neffen und all den anderen, zum Teil auch recht schrägen Nebenfiguren, die sich in Poldis Nachbarschaft tummeln. Einmal mehr lässt Mario Giordano seine Leser teilhaben, an der sizilianischen Lebensweise, aber auch an den liebeswerten Schrullen seiner Romanfiguren und in solchen Momenten fand ich diesen humorigen Cosy Krimi besonders unterhaltend. Aber auch bei Poldis Begegnung mit dem Tod (ein mürrischer Mitarbeiter der Jenseitsfraktion, der jedoch eine Schwäche für Poldis grantige Art zu besitzen scheint) blieb bei mir, beim Lesen dieser Romanpassagen, kein Auge trocken.

Jedoch, so sehr ich Tante Poldi und ihre verrückte Art mag, umso weniger kann mich mittlerweile ihr Neffe erreichen. Seine schriftstellerischen Ergüsse, die er zwischenzeitlich zum Besten gab, trafen leider nicht meinen persönlichen Lesernerv und ansonsten blieb er in diesem zweiten Teil recht blass. Überhaupt fungierte er lediglich noch als Stichwortgeber, wenn Poldi ihren jüngst erlebten Kriminalfall schilderte, was ich sehr schade fand. Auch der Kriminalfall als solcher, entpuppte sich als recht gemütliche Angelegenheit; ab und an hätte ich mir vielleicht ein wenig mehr Spannungselemente gewünscht, auch wenn jedem Leser, der zu diesem Roman greift, klar sein sollte, dass es sich hier in erster Linie um einen humoristischen Roman handelt und man hier keine beinharten düsteren Mordszenarien erwarten kann.
Und dennoch täte der Serie, meiner Meinung nach, ein klein wenig mehr „Action“ nur gut. Klasse hingegen fand ich jedoch, dass Poldis Liebesleben mehr in den Fokus gerückt wurde und ich bin schon gespannt darauf, wie sich Poldis Liebschaft mit Montana weiterentwickeln wird, bzw. ob sie sich überhaupt weiterentwickelt, denn der Cliffhanger gegen Ende des Romans lässt viel Raum für Spekulation diesbezüglich.

Wem könnten die „Tante Poldi“ Krimis gefallen? Auf jeden Fall Lesern, die schräge, sehr humorige Romane mögen, sich nicht am bajuwarischen Dialekt stoßen und womöglich ein Faible für Serien wie „Hubert und Staller“ oder Pfarrer Braun“ haben. Serien, die humoristisch ebenfalls auf meiner Wellenlänge liegen, so dass ich mich, trotz erwähnter kleiner Kritikpunkte wieder prächtig mit Poldis zweitem Fall amüsiert habe.

Kurz gefasst: „Zwei Engel für Poldi“- Poldi kriminalisiert zum zweiten Mal mit viel Herz, Neugier und großer Klappe. Herrlich!