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Veröffentlicht am 29.03.2023

Ein Plädoyer an Geschichten

Die Bibliothek der Hoffnung
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Die Bibliothek der Hoffnung ist ein Plädoyer für Geschichten! Der Roman zeigt wie wichtig Bücher, Bibliotheken, das (Vor-)Lesen und das Zuhören sind und das auf so vielen Ebenen.
Es geht um die Bethnal ...

Die Bibliothek der Hoffnung ist ein Plädoyer für Geschichten! Der Roman zeigt wie wichtig Bücher, Bibliotheken, das (Vor-)Lesen und das Zuhören sind und das auf so vielen Ebenen.
Es geht um die Bethnal Green Library in London, die zu Beginn der Blitzkriegs in die noch nicht eröffnete U-Bahnstation umziehen musste, in der auch viele Bewohner des Londoner Stadtteils Zuflucht suchten. Die leitende Bibliothekarin, aus Ermangelung eines anwesenden Mannes, macht es sich zur Aufgabe, den Menschen zu helfen und ihnen Ablenkung, Trost und Hoffnung zu schenken. Sie liest Kindern vor, gründet einen Lesezirkel und hat ein offenes Ohr und eine Buchempfehlung für alle Menschen die zu ihr kommen.
Eine wunderschöne Idee war für mich die Rahmenhandlung, bei der eine alte Mutter in der Coronapandemie durch Schilder in der U-Bahnstation an diese Zeit erinnert wurde und sie ihren Kindern davon erzählt. Zu einer Zeit in der das "Ende der Zeitzeugenschaft" eingeläutet wird, zeigt diese Rahmenhandlung, wie wichtig es ist, den wenigen Verbliebenen zuzuhören und daraus zu lernen. Aber auch die Geschichte rund um die Bibliothek in er U-Bahnstation, die auf wahren Begebenheiten beruht, ist schön zu lesen und trotz der düsteren Thematik oft erheiternd und hoffnungsspendend. Gegen Ende hin, wurde es mir jedoch zu sehr in die Länge gezogen und der Fokus war teilweise zu sehr auf den zwei großen Liebesgeschichten.

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Veröffentlicht am 20.03.2023

Herzzerreißend gut

Unsichtbar
1

Unsichtbar ist ein wunderschönes und gleichzeitig grausames Kinderbuch und gleichzeitig ein absolutes Highlight meiner ganzen Lesehistorie.
Ein Junge, der gemobbt wird, flüchtet in seine Fantasie und denkt ...

Unsichtbar ist ein wunderschönes und gleichzeitig grausames Kinderbuch und gleichzeitig ein absolutes Highlight meiner ganzen Lesehistorie.
Ein Junge, der gemobbt wird, flüchtet in seine Fantasie und denkt er entwickelt die Superkraft unsichtbar zu sein. Denn wieso sollte ihm sonst niemand helfen? Wieso sagt niemand etwas? Wieso greift niemand ein, wenn andere ihn ärgern? Fragen, die sich vermutlich jeder einmal gestellt hat, der gemobbt wurde, der dringend Hilfe benötigt hätte und alle haben einfach weggesehen... Ein Umstand, der in unserer Gesellschaft leider schon zur Gewohnheit wurden. Viel zu oft ignorieren wir Menschen, denen wir eigentlich helfen sollten.
Eloy Moreno schafft durch einen Kunstgriff noch etwas ganz Besonderes, denn sein Protagonist und sein Antagonist hat keinen Namen. Sowohl der leidende Junge, als auch der Junge, der ihn mobbt, sind namenlos und so können die Leser:innen besser ihre eigenen Erfahrungen und Gefühle auf die Charaktere legen. Für jemanden, der selbst Mobbingerfahrung gemacht hat, wekt das Buch dadurch schmerzhafte Erinnerung und zeigt einem aber auch gleichzeitig, wie stark man dadurch geworden ist. Was andere Bücher auch oft ignorieren, Moreno aber bewusst eingebaut hat, sind die verschiedenen Perspektiven. Was passiert im Privatleben des Mobbers? Wieso greift der beste Freund des Gemobbten nicht ein und wie fühlt er sich danach? Wieso ignoriert der Lehrer, der alles mitbekommt, die Vorfälle einfach?
Ein rundum gelungenes Buch, das Jede:r lesen sollte und das einem wieder vor Augen führt, wie egoistisch und kalt unsere Welt geworden ist.

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Veröffentlicht am 06.03.2023

Nostalgie pur

Morgen, morgen und wieder morgen
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Mit "Morgen, morgen und wieder morgen" präsentiert und Gabrielle Zevin einen ganz besonderen Roman. Die Geschichte rund um die Freundschaft zwischen den beiden Spieleentwickler:innen Sadie und Sam ist ...

Mit "Morgen, morgen und wieder morgen" präsentiert und Gabrielle Zevin einen ganz besonderen Roman. Die Geschichte rund um die Freundschaft zwischen den beiden Spieleentwickler:innen Sadie und Sam ist so stimmig und gefühlvoll erzählt, dass sie nicht nur Gamer:innen und Kinder der 90er berührt.
Zevin zeichnet zwei spannende Charaktere, die die Meinungen der Leser:innen spalten. Man wird sich nicht wirklich einig, wer hauptsächlich für die Probleme zwischen den Beiden verantwortlich ist und am Ende ist es doch die fehlende Kommunikation. Und nicht nur die zwischenmenschlichen Interaktionen sind überzeugend geschildert, auch all die anderen Steine, die den Protagonist:innen in den Weg gelegt werden, wirken, als würde die Autorin aus ihrem eigenen Leben erzählen.
Am Ende bleibt ein Roman, der vielleicht nicht die spannendste oder überraschendste Handlung hat, dafür aber ganz nah ans Herz geht, eben weil sie wie aus dem Leben gegriffen wirkt und nicht nur um der Sensation willen übertreibt!

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Veröffentlicht am 25.02.2023

Saubere Erzählung ohne Ecken und Kanten

Saubere Zeiten
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"Saubere Zeiten" ist als Roman eine typische Familiengeschichte. Andreas Wunn hat sich durch seine eigenen Großeltern inspirieren lassen und erzählt hier nun die Geschichte des Vaters und Großvaters des ...

"Saubere Zeiten" ist als Roman eine typische Familiengeschichte. Andreas Wunn hat sich durch seine eigenen Großeltern inspirieren lassen und erzählt hier nun die Geschichte des Vaters und Großvaters des Ich-Erzählers. Im Roman heißt die Familie Auber und der Großvater erfindet zur Wirtschaftswunderzeit ein neuartiges Waschmittel, durch das die Familie reich wird. Die Leser:innen erfahren, wie der Großvater dazu kam Waschmittel zu machen, wie er erfolgreich wurde und wie sein Erfolg endete. All das erzählt der Sohn, dessen Vater, zu dem er nie eine enge Beziehung hatte, ins Krankenhaus kommt und im Koma liegt.
Wunn hat einen schönen Roman geschaffen, der die Leser:innen durch eine Reise durch die Jahrzehnte mitnimmt und auch immer die Probleme der Zivilbevölkerung der Zeit erzählt. Der Autor schafft ein Stückchen Alltagsgeschichte, auch wenn genau diese Geschichte nie passiert ist. Wichtige historische Ereignisse werden in den Roman eingebaut und deren Bedeutung für die Familie, die Firma werden besprochen. Als Historikerin gefällt mir dieser Aspekt des Romans sehr gut. Sonst ist es für mich ein durchschnittlicher Roman, den man auch lesen kann, wenn die Aufmerksamkeit nicht allzu hoch ist. Wirklich gefesselt hat er mich nie, aber ich wollte ihn auch nicht frühzeitig beenden und das Ende konnte mich dann doch überraschen (vielleicht aber auch nur, da ich mir keine großen Gedanken über das Ende gemacht habe).

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Veröffentlicht am 06.02.2023

Shuggie Bain 2

Young Mungo
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Der neue Roman von Douglas Stuart konnte mich anfangs nicht wirklich überzeugen. Ich habe lange gebraucht, um mich an den Protagonisten Mungo zu gewöhnen und all die Charaktere gut genug kennenzulernen. ...

Der neue Roman von Douglas Stuart konnte mich anfangs nicht wirklich überzeugen. Ich habe lange gebraucht, um mich an den Protagonisten Mungo zu gewöhnen und all die Charaktere gut genug kennenzulernen. Auch die unangekündigten Zeitsprünge zwischen manchen Kapiteln haben den Lesefluss, und somit auch das Lesevergnügen, nicht gerade erleichtert, denn ich musste mich in jedem Kapitel neu orientieren, "wann" wir uns jetzt befinden.
Anfangs hat sich der Roman nicht stark von seinem Vorgänger Shuggie Bain, der mir sehr gut gefallen hat, unterschieden, was ich sehr schade finde, denn eigentlich möchte ich ja ein neues Buch lesen und nicht wieder das gleiche Buch mit anderen Namen für die Charaktere. Doch nach und nach haben sich die Alleinstellungsmerkmale dieses Romans herausgestellt und Mungo wurde fassbarer. Im letzten Drittel wurde das Buch für mich interessant und ich fieberte mit Mungo mit. Das Ende kam dann zu schnell und ließ zu viele Fragen offen. Insgesamt ist das Buch zwar gut geschrieben und zeigt erneut einen interessanten Blick in die schottische Arbeitergesellschaft und in eine Kindheit mit einer alkoholkranken Muttter, aber leider hat es mich nicht vollends überzeugen können.

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