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Veröffentlicht am 25.11.2019

Abgebrochen und weggelegt - fantastische Geschichte, übel verschandelt

Schwarzer Leopard, roter Wolf
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Inhalt
Sucher ist ein Ausgestossener, ein Jäger mit einer besonderen Begabung: Mit seiner Nase kann er allerhand verschwundene Dinge, Tiere und Menschen wiederfinden. Einmal einen Geruch aufgenommen, führt ...

Inhalt
Sucher ist ein Ausgestossener, ein Jäger mit einer besonderen Begabung: Mit seiner Nase kann er allerhand verschwundene Dinge, Tiere und Menschen wiederfinden. Einmal einen Geruch aufgenommen, führt ihn dieser zum Gesuchten. Nun soll er gemeinsam mit anderen einen Jungen aufspüren, der vor drei Jahren spurlos verschwunden ist. Die Fährte führt die Gruppe durch Steppe, Wälder, Städte, zu Gestaltwandlern, Hexen und Flussgeistern. Die Suche bringt sie an ihre Grenzen und so langsam stellt sich die Frage: Wer ist dieser Junge und warum ist er verschwunden?

Meine Meinung

Vorwort zu meiner Rezension
An dieser Stelle wäre wohl eine Triggerwarnung angebracht. Wer zartbesaitet ist, sich nicht mit schlimmen Dingen und üblen Worten auseinandersetzen mag oder kann, dem rate ich ab, 1. zu diesem Buch zu greifen und 2. meine Rezension zu Ende zu lesen.

Auf das Buch habe ich mich gefreut, seit mich das Cover im Original verzaubert hat. Vorab habe ich auf Instagram eine Bewertung gesehen, von jemandem, der das Buch abgebrochen hat, weil es zu brutal und derb war. Ich dachte mir: Es erscheint bei Heyne Hardcore und wird mit Game of Thrones verglichen, das nun ja auch nicht wirklich ohne ist. Da weiss man doch was kommt! Nun, 250 Seiten später, entschuldige ich mich in aller Form. Nein, man weiss nicht was kommt, geschweige denn, wie heftig... Aber von Anfang an:

Poetische Worte
Durch das erste Kapitel musste ich mich richtig kämpfen. Also richtig richtig. Es ist wahnsinnig poetisch geschrieben, sodass ich absolut null, nada, niente Ahnung hatte, was ich denn da lese! Aber ich habe mich durchgekämpft. Und langsam, ganz langsam lichtet sich alles. Der Schreibstil bleibt indes recht poetisch, was ich stellenweise als sehr schön und andernorts als sehr störend empfand - gerade weil da eben nicht genau steht, was denn nun passiert, sondern weil man sich das selber zusammenreimen muss. Der Schreibstil hat auf jeden Fall was, ob das einem zusagt oder nicht, sollte man vorgängig in der Leseprobe für sich selbst entscheiden.

Fantastisches Setting und spannende Charaktere
Als Setting hat sich Marlon James ein alternatives, fantastisches Afrika ausgesucht. Eines, das mich angesprochen hat, mich fasziniert, und das noch nicht ausgemerzt ist. Es geht übel zu und her - Stammeskämpfe, Sklavenhandel, Auseinandersetzungen. Aber es passt. Ich habe zwar nicht immer alles auf Anhieb verstanden, aber gefallen hat mir das Setting allemal. Wassergeister, Hexen, Gestaltwandler, Meerjungfrauen, Buschfeen. Allein wenn ich das hier schreibe, wünschte ich mir, es wäre alles anders umgesetzt worden...

Auch die Charaktere haben mich fasziniert. Da wären zum einen Sucher, der nicht so recht weiss, wer er ist. Ihm wird immer wieder gesagt, er habe auch einen Teil Frau in sich, und gleichzeitig ist er ein offen homosexueller Charakter. In einem Fantasybuch. Wunderbar! Dann gibt es den Leoparden, einen Gestaltwandler mit seltsamem Humor, ebenfalls (mindestens) bisexuell, etwas übersexualisiert und ein ziemlicher Eigenbrötler. Irgendwie mochte ich den Typen richtig gerne. Als Team waren die beiden echt cool, sowas habe ich auf jeden Fall (leider) noch nicht gelesen.

Derbe Sprache
Was mich von Anfang an ein wenig und dann nach und nach immer mehr gestört hat ist indes die derbe Sprache. Ja, wenn es "Hardcore" steht, geht es hardcore zu. Meine eigenen Worte. Aber das habe ich nicht kommen sehen. Denn sie dient nicht nur der Untermalung der Geschichte sondern taucht x-fach auf pro Kapitel, ja gar Seite: Die derbe, gar abartige Sprache. Es wird gefurzt, geschissen, gepisst, gefickt und das oft und immer und regelmässig und irgendwann war es mir genug. Folgender Satz spiegelt das schön bildlich für euch wieder:

Das Tuch [...] hatte noch den Geruch seines Schweisses, seiner Scheisse und seiner Pisse an sich. Ich sagte ihr nicht, dass zwei Arten von Scheisse an dem Tuch waren - seine eigene und die von jemandem, dessen Arsch er verwöhnt hatte. (S. 237)

Soll das Poesie sein? Ein Ausnahmetalent unter Autoren? Ist das wirklich nötig? Ich bin nicht zartbesaitet, aber wenn sich ein solcher Stil zieht, immer wieder auftaucht, und auch in - wie hier zitiert - unnötigen Situationen, dann ist es selbst mir zu viel.

Tabuthemen
Ja, es mag sein, dass es manchmal nützlich und oft unbedingt nötig ist, Tabuthemen anzugehen. Aber nicht so. Wem die derbe Sprache noch nicht als Warnung genügt hat: Es geht in der Geschichte auch mal um Beschneidung, Vergewaltigung, Folter, Sklavenhandel, Missbrauch, Kinderschändung, Sodomie. Das anzusprechen ist wichtig. Es passt auch gewissermassen in die Geschichte - sie spielt nun einmal in einem fantastischen Afrika lang vergangener Zeiten. Aber muss denn wirklich noch ausführlich beschrieben werden? Ich finde nicht. Vor allem nicht ohne Triggerwarnung. Ein detailliertes Beispiel erspare ich euch hier.

Es hätte so gut sein können
Tatsächlich fällt es mir hier aber äusserst schwer, das Buch abzubrechen. Denn wenn die Geschichte nur einen kleinen Teil der derben Sprache hätte, die vielen unnötigen Beschriebe von abartigen Dingen auf ein Minimum beschränkt würden, dann hätten wir hier ein wirklich geniales Buch: Eine Geschichte von einem Aussenseiter mit einer besonderen Begabung, der mit einem Werleoparden diese faszinierende afrikanische Fantasywelt bereist, auf Geister und Hexen trifft, ausgestossene Kinder und verlorene Dinge rettet und dabei zu sich selbst findet. Das klingt doch eigentlich wirklich toll. Könnte es auch sein. Schade, dass der Autor seine so wunderbare Geschichte selbst so unglaublich verschandelt hat, dass sich zig Leser dazu entscheiden, es wegzulegen. Zu Recht, wenn ihr mich fragt.

Fazit
Die Geschichte an sich wäre faszinierend, fantastisch, ein wahres Abenteuer. Aber der Autor hat sie mit einer unnötig derben Sprache, ekligen Worten und zu vielen zu detailliert beschriebenen Abartigkeiten dermassen verschandelt, dass ich hier entschieden habe aufzugeben. Meinem Seelenheil zuliebe.

Veröffentlicht am 17.11.2019

A Dragon's Soul / Zane & Sky

A Dragon's Soul (The Dragon Chronicles 2)
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Band 2 von 4!

Inhalt
Ravens Welt ist erschüttert, seit ihr offenbart wurde, dass sie den Clan der Drachen anführen soll - und dass ihr leiblicher Vater ihr nach dem Leben trachtet. Gemeinsam mit ihrem ...

Band 2 von 4!

Inhalt
Ravens Welt ist erschüttert, seit ihr offenbart wurde, dass sie den Clan der Drachen anführen soll - und dass ihr leiblicher Vater ihr nach dem Leben trachtet. Gemeinsam mit ihrem Zwillingsbruder Zane und ihren Freunden versteckt sie sich auf dem alten Herrschersitz und schmiedet Pläne für die Zukunft der Drachen. Bis eines Tages Sky und Cain auftauchen, zwei Assassinen, deren Auftrag der Tod ihres Vaters ist - doch sie haben ihre Rechnung nicht mit Zane gemacht, in dem das Feuer der Rache heiss brennt.

Meine Meinung
Band 1 hatte mir wirklich gut gefallen und so ist es klar, dass auch der zweite Teil meinen Reader beziehen darf. Der Schreibstil ist genauso locker und gut, wie im Vorgänger, die Kapitel wechseln ab zwischen den Protagonisten, was mir gut gefällt. Neu mit von der Partie sind die Assassinen Sky und Cain - hallo? Assassinen! Ja bitte!

Raven hat sich mit ihren Freunden zurückgezogen in den alten Familiensitz der Blacks. Dort soll sie sich auf ihre erste Verwandlung vorbereiten und darauf, den Clan der schwarzen Drachen anzuführen. An ihrer Seite: Ihr Partner Elion und ihr Zwillingsbruder Zane, in dem der Drang nach Rache an ihrem brutalen Vater hart wütet. Als die Assassinen Sky und Cain auftauchen, die besagten Vater eliminieren sollen, wird Zane auf eine harte Probe gestellt: Seinen Rachedurst stillen oder seine Familie schützen? Und warum zum Teufel schlägt sein Herz schneller, wann immer Sky in seiner Nähe ist?

Band 2 widmet sich nun also Zane und Sky, was mich erst etwas betrübt hat. Aber schnell war klar, dass auch Raven und Elion nicht zu kurz kommen, denn alle erhalten Gelegenheit, etwas an die Geschichte beizutragen. A Dragon's Soul ist anders als sein Vorgänger: Düsterer, verzweifelter und härter. Der Charme der vielen verschiedenen Wesen ist damit etwas abhanden gekommen, denn nun sind vor allem die Drachen Thema Nummer 1. Was ich auch toll finde, weil Drachen! Gleichzeitig spielt die Geschichte nun (laut Band 1) in Wales resp. (laut Verlag) in den Highlands - wobei man davon nicht viel mitbekommt. Dafür ist das Thema Akademie nun vom Tisch, was ich eigentlich ganz gut finde. Bücher über magische Akademien gibt es ja schon genügend.

Der Leser begleitet nun also Raven auf ihrem schweren Weg zu ihrer ersten Verwandlung, Zane auf seinem Weg der Genesung - oder eben nicht - vom Erlebten aus Band 1. Die beiden sind mir recht ans Herz gewachsen, sie haben eine gute Teamdynamik, einen tollen Zusammenhalt, trotz verschiedener Ansichten. Elion, dem ich in Band 1 noch nachgesabbert habe, hat einiges an Sexyness eingebüsst. Er macht nun einen auf braven, überfürsorglichen Hausmann. Und George ist immer noch derselbe Geheimniskrämer, den man gerne einfach nur schütteln möchte. Mit den Assassinen Sky und Cain wird die Truppe um zwei Freunde reicher und die Geschichte oft etwas aufgelockert. Obschon gerade Sky ein sehr schweres Schicksal hat. Aber lest am besten selbst.

Auf jeden Fall war Band 2 um einiges spannender und ereignisreicher als Band 1. Dies, weil man die Welt nun kennt, und die Gefahr von Taranis immer grösser wird. Aber immer noch macht es unglaublich Spass, der Geschichte zu folgen - ich habe sie innert weniger Tage weggesuchtet und freue mich sehr auf den dritten Teil, der zum Glück demnächst erscheint.

Fazit
Ein spannender, rasanter Band 2 um die Werdrachen Raven und Zane. Dramatischer, tragischer und düsterer als Band 1 konnte er mich wieder packen und begeistern und ich freue mich auf die Fortsetzung!

4.5 Cupcakes

Veröffentlicht am 29.10.2019

Grandiose Idee, habe ich so noch nie gelesen - I love it!

Golden Dust. Der Kuss der Todesfee
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Inhalt
Eir Lys ist ihr Name, ihr Haar ist schneeweiss und den einzigen Gegenstand, den sie auf sich trägt ist eine alte, kaputte Taschenuhr. Wer sie ist, weiss niemand, auch sie selbst nicht. Doch sie ...

Inhalt
Eir Lys ist ihr Name, ihr Haar ist schneeweiss und den einzigen Gegenstand, den sie auf sich trägt ist eine alte, kaputte Taschenuhr. Wer sie ist, weiss niemand, auch sie selbst nicht. Doch sie kann die Auren der Menschen sehen - eine Gabe, die sie besser für sich behält, hält man sie doch so schon für seltsam genug. Während sie versucht herauszufinden, wer - oder besser gesagt was - sie ist, wird sie hin und her gerissen von Nate, der sie in ihren Träumen heimsucht, und Alex, der ihr tagsüber im Park Kaffee verkauft und ihr immer ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Bis eines Tages ein weiteres Mädchen mit weissem Haar und ohne Erinnerung auftaucht...

Meine Meinung
Schon lange folge ich der Autorin auf Instagram, ihre Bücher reizen mich sehr und so habe ich mich mit Freuden auf Golden Dust gestürzt - das übrigens bereits im selfpublishing unter dem Titel Von Goldstaub in Traumfängern erschienen ist, einem äusserst passenden Titel. Der Schreibstil der Autorin ist richtig toll. Er lässt sich flüssig lesen, ist kreativ und ihr Humor ist einfach klasse. Ich musste mehrfach schmunzeln und lachen und es hat mir so viel Spass gemacht, das Buch zu lesen.

Lys kämpft sich so durch, leidet unter ihrer Amnesie und unter den nächtlichen Träumen, in denen der goldäugige Mann, zu dem sie sich seltsam zugehörig fühlt, immer gewalttätiger und hinterlistiger wird. Gleichzeitig muss sie lernen Vertrauen zu fassen, Freunde zu finden - dies in Form von Alex und dessen Schwester Maia (die ich zugegeben recht lange nicht mochte). An ihrer Seite der treue schwarze Terrier Os, der sein ganz eigenes Geheimnis hütet (und Leute: Os ist der wahre Star der Geschichte!) und der für ordentlich Lacher sorgt.

Hach, was für ein sagenhaftes, originelles und tolles Buch! Ich lese ja wirklich schon lange und viel Fantasy, aber das, was die Autorin hier niedergeschrieben hat, habe ich noch nirgends gelesen. Der Titel greift meiner Meinung nach zu weit voraus, indes lohnt es sich wirklich, in der Story zu versinken, denn sie bietet einem unglaublich viel. Ich könnte euch hier noch ganz viel erzählen, aber dann würde ich euch um ein paar tolle Lesestunden bringen. Die Geschichte von Lys ist wunderbar, teilweise wahnsinnig spannend, oft mysteriös und vor allem im letzten Drittel ein echter Page-Turner, den man nicht mehr aus der Hand legen möchte.

Fazit
Originelle Fantasy-Geschichte, mysteriös, spannend und herzlich. Mir hat es unglaublich viel Spass gemacht Lys auf ihrer Reise zu begleiten. Wer mal etwas anderes aus dem Genre lesen möchte ist hier genau richtig!

Veröffentlicht am 26.10.2019

Konnte mich nicht abholen

Die Astronautin - In der Dunkelheit wird deine Stimme mich retten
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Inhalt
Weihnachten 2067: Commander May Knox wacht auf dem verlassenen und halb zerstörten Raumschiff auf, mit dem sie eine Mission angeführt hat. Sie scheint die letzte Überlebende zu sein, doch ihr fehlt ...

Inhalt
Weihnachten 2067: Commander May Knox wacht auf dem verlassenen und halb zerstörten Raumschiff auf, mit dem sie eine Mission angeführt hat. Sie scheint die letzte Überlebende zu sein, doch ihr fehlt jegliche Erinnerung an die letzten Stunden. Ihre einzige Chance zurück auf Kurs zu kommen: Eine Funkverbindung zur NASA herzustellen. Ausgerechnet ihr Ex-Mann, dem sie das Herz gebrochen hat, lotst sie zurück und bringt ihr jetzt noch Hoffnung in der alles verschluckenden Leere des Alls.

Meine Meinung
Mal ehrlich: Eine Sci-Fi-Romanze, die als "die schönste Liebesgeschichte des Universums" beworben wird, zieht die Aufmerksamkeit einfach auf sich. Und es hatte gut angefangen: Toller Schreibstil, teilweise romantisch-poetisch, eine erfolgreiche Frau, die es ins Weltall geschafft hat und das grosse Rätselraten, was denn nun mit der Crew und dem Raumschiff passiert ist.

Lange hat mir diese Geschichte Spass gemacht, ich wollte immer mehr, vor allem die Szenen im Jetzt, 2067, wo May Knox sich mit der KI des Raumschiffs unterhält und am ermitteln ist, davon wollte ich lesen. Aber immer mehr haben sich die Rückblenden in den Vordergrund gedrängt. Immer mehr geht es um May und ihren Ex-Mann, einen etwas verschrobenen Wissenschaftler, um ihre Mutter, selbst Pilotin und vom Leben so gezeichnet, dass sie zur Zynikerin wurde, um Freundschaften in und um die NASA. Erst hat mir auch dies Spass gemacht. Aber irgendwann in der Mitte der Hälfte wollte ich nicht mehr. Nein, ich hatte einfach keine Lust mehr auf die Rückblenden, auf die genervte Mutter, auf die Liebesgeschichte, die ich nicht fassen konnte.

Und so habe ich mich entschieden, May im Weltall alleine zu lassen. Ja tatsächlich hat sich mein Interesse an der Auflösung sozusagen in Luft aufgelöst.

Fazit
Meine erste Sci-Fi-Geschichte, die ich nicht beendet habe, weil ich leider das Interesse verloren habe. Zu viele Rückblenden und zu viel unnötiges Klimbim. Wer auf ausführliche Romanzen mit einem Schuss Sci-Fi steht, kann hier fündig werden. Ich bin eher der Typ ausführliche Sci-Fi mit einem Schuss Romanze.

Veröffentlicht am 24.10.2019

Flucht in die Virtual Reality

The Electric State
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Inhalt
Amerika, 1997: Nach einem Drohnenkrieg gleicht das Land einem gigantischen postapokalyptischen Friedhof. Die Überlebenden streifen wie ferngesteuert durch das Land, die Maschinen liegen ausgeschlachtet ...

Inhalt
Amerika, 1997: Nach einem Drohnenkrieg gleicht das Land einem gigantischen postapokalyptischen Friedhof. Die Überlebenden streifen wie ferngesteuert durch das Land, die Maschinen liegen ausgeschlachtet am Wegesrand und aus den Ruinen der Welt erhebt sich etwas, das keinen Namen hat. Durch all dieses Chaos kämpft sich Michelle, an ihrer Seite ihr Roboter Chip, auf der Suche nach ihrem Bruder, der irgendwo in einem verschlafenen Örtchen an der Küste hilflos an das Virtual Reality-Netz angeschlossen ist, das die Menschheit versklavt hat.

Meine Meinung
Ich hatte noch nie etwas von Künstler und Autor Simon Stålenhag gehört. Aber als ich die Verlagsvorschau durchgesehen habe, war ich sofort gefesselt. Ein illustrierter Roman der ein postapokalyptisches Szenario im Amerika der 90er-Jahre thematisiert? Wow, das muss ich mir genauer ansehen!

Die Illustrationen von Stålenhag sind beinahe unbeschreiblich. Düster, bedrohlich, intensiv. Sie lassen ein ungutes Gefühl in der Magengegend zurück, eine Beklemmung, und doch faszinieren sie einen unglaublich.

Seine Geschichte um das Mädchen Michelle, das mit einem Roboter einen Roadtrip durch dieses irre Szenario macht, um ihren Bruder zu finden, steht seinen Illustrationen in nichts nach. Sie ist ebenso bedrückend und düster, traurig und gewaltig.

Die Thematik Virtual Reality, die die Menschen abhängig macht und versklavt, ist eine beunruhigende, ist sie doch durchaus möglich in unserer Zukunft, denkt man nur mal an die heutige Abhängigkeit der Menschen von Smartphone und Co. Unglaublich atmosphärisch umgesetzt, gibt diese Thematik in The Electric State ordentlich Stoff zum denken. Auch die Anspielungen auf dieses Etwas, das sich aus den Drohnen und der Virtual Reality geschaffen hat und sich daraus erhebt, ist beängstigend und hinterlässt ein flaues Gefühl.

Phasenweise hätte ich mir ein paar (oder gar 100) Seiten mehr gewünscht, ein paar mehr Ausführungen und Erklärungen. Aber Stålenhag verlässt sich auf den Leser, lässt ihn mitdenken und ihn seine eigene Fantasien einfliessen. Und das ist ihm wunderbar gelungen.

Fazit
Für mich war The Electric State ein sehr gefühlsintensives Buch. Die Reise mit Michelle und Skip war emotional und hat mich zum Nachdenken angeregt, die Bilder haben mich gleichermassen verzaubert und verstört. Ein Must-Read.