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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.11.2025

Greg in Feierlaune

Gregs Tagebuch 20 - Bock auf Party?
2

Jeff Kinneys Comicromanreihe „Gregs Tagebuch“ feiert die 20. Ausgabe – und Protagonist Greg Heffley seinen Geburtstag. Das hat er zumindest vor. Sein bevorstehender Jubeltag steht im Mittelpunkt des neuen ...

Jeff Kinneys Comicromanreihe „Gregs Tagebuch“ feiert die 20. Ausgabe – und Protagonist Greg Heffley seinen Geburtstag. Das hat er zumindest vor. Sein bevorstehender Jubeltag steht im Mittelpunkt des neuen Bandes. Alles dreht sich in seinen Gedanken um diesen Tag: Was soll er sich wünschen – das Samurai-Schwert oder doch den Weltfrieden? Und wie läuft das Wünschen eigentlich technisch korrekt ab, sodass die Wünsche auf jeden Fall in Erfüllung gehen? Wie lassen sich die unangenehmen Begleiterscheinungen effektiv reduzieren? Greg kommen wie üblich die abgefahrensten Ideen, um die Dankesschreiben für Geschenke und lästige Verwandtentelefonate auf das Minimum zu reduzieren.
Greg durchschaut oft genial, wie das Leben funktioniert – und wie seltsam sich die Erwachsenenwelt manchmal verhält. Gleichzeitig tappt er mindestens genauso oft in sämtliche Fettnäpfchen, die ebendieses Leben am Wegesrand aufstellt. Die Leserinnen und Leser dürfen gespannt sein, wie die Überraschungsparty abläuft, die er aufgeregt an seinem Ehrentag erwartet.
Jeff Kinney gelingt es auch im Jubiläumsband, skurrile Situationen zu entwerfen, die in Wort und Bild das Lachzentrum unmittelbar angreifen. Beim genaueren Nachdenken ist jedoch oft das groteske Geschehen gar nicht so weit von der Wirklichkeit entfernt.
Mir persönlich hat dieser Band wieder sehr gut gefallen, auch wenn er nicht auf Platz 1 aller Bände landet. Dazu kreisten die Gedanken und Geschehnisse etwas zu stark um das Geburtstagsthema.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Humor
Veröffentlicht am 17.09.2025

England vor 1000 Jahren: Mit hohem Blutdruck durchs pralle Leben!

Rabenthron
5

Das einfache Volk im England des Jahres 1013 lebt kein wohliges und behagliches Leben: Die Dänen suchen immer wieder England heim und lassen eine Spur der Gewalt und Verwüstung zurück. Ethelred, der Mann ...

Das einfache Volk im England des Jahres 1013 lebt kein wohliges und behagliches Leben: Die Dänen suchen immer wieder England heim und lassen eine Spur der Gewalt und Verwüstung zurück. Ethelred, der Mann auf dem englischen Thron, kann seinem Volk da keine wirkliche Stütze sein. Planlos und energielos sitzt er viele Dinge aus; Erfolg in Krieg und Politik sind nicht gerade sein Forte. Emma, die Frau an seiner Seite, hat dagegen kluge Ideen, wird aber von ihrem Gatten nicht beachtet. Nicht nur deswegen erscheint sie todunglücklich in ihrer Ehe.

In dieses trostloste historische Setting hinein setzt Rebecca Gablé die fiktive Hauptperson des Ælfric von Helmsby. Von edlen Werten und der liebevollen Beziehung zu seinem Sohn Penda getragen gerät er ins Umfeld von Königin Emma und weiß sich dort bald als geschätzter Freund und Berater zu behaupten. So erlebt er und damit auch die Leserin und der Leser die Ränke am Hof, das Ringen um die Besetzung des englischen Throns, der nicht nur einmal neu ausgeschrieben wird, und die Schlachten in den Auseinandersetzungen zwischen Dänemark und England mit.

Die Jahre von 1013 bis 1041, welche der Roman abbildet, sind prall gefüllt mit historischen Ereignissen. Man vermag kaum Atem zu holen bei der Dichte der dargestellten Geschehnisse. Der Roman versteht es, die zahlreichen Fakten nicht einfach nüchtern abzuarbeiten, sondern durch die zahlreichen gut gezeichneten Figuren und zwischenmenschlichen Beziehungen lebensecht wirken zu lassen. Nicht zuletzt durch Ælfric wähnt man sich mittendrin in der englischen Geschichte, erlebt keinen trockenen Geschichtsunterricht, stattdessen das rotwangige Leben auf und abseits der historisch wichtigen Schauplätze.

Auch wenn der grundsympathische Ælfric mit dem Mönch Eilmer of Malmesbury und dem Dänen Hakon zwei interessante Figuren an die Seite gestellt bekommt, bleiben diese im Vergleich zu ihm jedoch relativ blass. Zweifellos ist das Scheinwerferlicht auf die historischen Fakten und Ælfric mit seiner Familie, seinen Nachkommen und seine Heimat Helmsby gerichtet.

Neben England ist aber auch die Normandie immer wieder Schauplatz des Geschehens. Königin Emmas Wiege hat dort gestanden und die Beziehungen zwischen ihrem Heimatland und England spielen eine nicht zu unterschätzende Rolle.

Das große Arsenal an Figuren und Schauplätzen mag zu Beginn etwas verwirrend wirken, aber mit Hilfe des Personenverzeichnisses zu Beginn und eines beherzten Hineinlesens in den Roman eröffnet sich eine reiche und spannende vergangene Welt. Zugegeben: Nicht jeder Handlungsstrang wird auserzählt, nicht jede Motivation einer Figur im Detail dargelegt. Manche Fragen bleiben offen, manches auch unverständlich. Das Große und Ganze ist aber überaus gelungen: Gablé fegt ein weiteres Mal den Staub von der mittelalterlichen Geschichte! Gut und gerne hätte ich auch noch einige Seiten mehr in diesem Stil gelesen, nicht nur knapp 1000!

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Atmosphäre
  • Cover
Veröffentlicht am 14.07.2025

Extrem spannend, aber eben auch extrem

Der Nachtgänger
5

Sie können kein Blut sehen? Und davon lesen geht auch nicht? Dann sollten Sie den neuesten Band aus der Reihe um den Schweden-Ermittler Joona Linna erst gar nicht aufschlagen. Das Blut trieft hier von ...

Sie können kein Blut sehen? Und davon lesen geht auch nicht? Dann sollten Sie den neuesten Band aus der Reihe um den Schweden-Ermittler Joona Linna erst gar nicht aufschlagen. Das Blut trieft hier von vielen Seiten, eine dezente Zurückhaltung in der Beschreibung der Opfer und ihrer verstreuten Einzelteile legt das Autoren-Duo Lars gerade nicht an den Tag.

Der dringend Tatverdächtige junge Hugo wacht beispielsweise zu Beginn sehr verwirrt auf dem abgetrennten Arm des Opfers auf. Um ihn herum ist alles in Blut getaucht und zwei leicht überforderte Polizisten befinden sich am Tatort. Hugo (Hobby: Schlafwandeln) behauptet, sich an nichts zu erinnern.

Wenn dagegen eine spannungsgeladene Atmosphäre (und der Beginn ist nur ein Beispiel hierfür), actionreiche Szenen mit gar nicht so leichtem Hang zur Übertreibung und ein detailreich gezeichnetes Personal Ihr Ding sind, dann passt dieser Roman auf fast jeder Seite wie die Faust aufs Auge bzw. die Axt aufs Opfer zu Ihnen.

Der Einzige, der nicht so intensiv gezeichnet ist, ist der Protagonist Joona Linna selbst. Der Selbige erkennt oft mit einem einzigen Blick, was Sache ist, hat – natürlich besonders am Ende bei der Auflösung – plötzlich die richtige Intuition und ist auch körperlich wirklich fit. James Bond und manch anderer Filmheld wären wahrscheinlich blass vor Neid.

So treten die anderen Figuren in den Vordergrund: die Opfer, Zeugen und Verdächtigen nämlich. Es wird ein dichtes Bild des Tat-Umfeldes entworfen. Dies macht es leicht, sich im aktuellen Feld zurechtzufinden, auch wenn man die Vorgänger-Bände nicht kennt. Und dieses Figuren-Personal ist ziemlich groß, da ziemlich viele Menschen durch die Axt des Täters oder der Täterin ihr Ende finden.

Die Motivation zu diesen Taten schält sich für die Leserschaft immer mehr wie aus einem Kokon. Trotzdem bleiben viele Fragen offen, die einen durch die Seiten des Romans treiben. Bewerber für die Täter-Rolle gibt es immer wieder, man kann aber trefflich spekulieren, wer es wirklich ist.

In einem apokalyptischen Finale wird dann alles stimmig, aber doch überraschend aufgelöst.

Fazit: ein blutiges, sehr spannendes Spektakel nach allen Regeln der Thriller-Kunst, das einige Male ins Extreme abgleitet

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  • Charaktere
  • Cover
  • Spannung
Veröffentlicht am 22.11.2024

Köstliche Verwicklungen

Gregs Tagebuch 19 - So ein Schlamassel!
1

Wenn eine in Gregs Familie weiß, wie man den Rest der Sippe um den Finger wickelt, ist das Gregs Oma. Ihre unangefochtene Machtposition beruht auf ihren legendären Fleischbällchen. Das Rezept dieser Pasta-Beilagen ...

Wenn eine in Gregs Familie weiß, wie man den Rest der Sippe um den Finger wickelt, ist das Gregs Oma. Ihre unangefochtene Machtposition beruht auf ihren legendären Fleischbällchen. Das Rezept dieser Pasta-Beilagen hält sie streng geheim. Was sie kocht, wird gegessen, was sie anschafft wird erledigt. So ist’s kein Wunder, dass sich die Familie ohne Diskussion von ihr dazu dirigieren lässt, einen gemeinsamen Sommerurlaub im Strandhaus zu verbringen. Denn schließlich war das früher bei Gregs Mutter und ihren Schwestern der Standardurlaub. Nostalgie kann nicht verkehrt sein – so bestimmt es Oma.

Dass sich Mama Heffley und ihre Schwester gar nicht verstehen, Greg überhaupt nicht gern am Strand urlaubt und die Zwillinge von Tante Gretchen unausstehliche Plagen sind, bietet beste Voraussetzungen für ein höchst unterhaltsames Buch und Verwicklungen der amüsantesten Art.

Das Cover illustriert dies aufs Beste: Greg steckt in einem Berg Nudeln mit Fleischbällchen und ist darin genauso hoffnungslos gefangen wie in den familiären Verstrickungen während des Verwandtschaftsurlaubs.
Die lustigen Episoden erinnern immer wieder an Situationen, die aus der eigenen Familie bekannt sind – obschon oder gerade weil sie natürlich extrem überzeichnet geschildert und gezeichnet sind.

So muss die gesamte Urlaubsbande auf Anordnung von Gregs Mutter ein gemeinsames Event bestreiten. Ob die Leuchtturmführung, die es am Ende wird, wirklich so vielen Familienmitgliedern Spaß bereitet, bleibt fraglich.
Ein Spieleabend mit einer Monopoly-Version zieht sich über Stunden, die Regeln sind hochkompliziert und zum Teil umstritten und wird schließlich durch Gregs Mama mit einem Randale-Akt beendet.

Erneut trifft Jeff Kinney mit seiner Comic-Erzählung genau ins Schwarze: Er weiß, wie Familie funktioniert oder nicht funktioniert und übersetzt dies in überspitzte Situationen und Bilder. Die einzelnen Episoden fügen sich zu einer flüssig in einem Rutsch zu lesenden Story mit der Garantie zum Dauer-Schmunzeln.
Was am Anfang noch bedauerlich zu sein scheint, dass nämlich Oma selbst nicht am Urlaub teilnimmt, löst die Schlusspointe gekonnt auf
.
Und übrig bleibt: Familie ist das Beste und Schlimmste zugleich!

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  • Thema
Veröffentlicht am 14.09.2024

Ein gelungener Auftakt - aber auch nicht mehr

Im Labyrinth der Rache
0

Francis Ackerman junior, der berühmteste Serienmörder der Welt, wird zum Exportschlager. Nachdem er bisher nur in den USA gemordet und anschließend für das FBI Mörder gefangen hat, wirkt er in diesem Band ...

Francis Ackerman junior, der berühmteste Serienmörder der Welt, wird zum Exportschlager. Nachdem er bisher nur in den USA gemordet und anschließend für das FBI Mörder gefangen hat, wirkt er in diesem Band erstmals außerhalb der USA.

Auch seine Jobbeschreibung ist eine neue: Die Arbeitsstelle als Serienmörder hat er sowieso seit einiger Zeit gekündigt, aber auch die Anstellung beim FBI ist nicht mehr aktuell: Nachdem Demon, sein Gegenspieler aus dem letzten Ackerman-Band, in den Medien enthüllt hat, dass ein Kapitalverbrecher dem FBI zuarbeitet, muss Ackerman jr. flüchten.

Ebendieser Demon, seines Zeichens Vorsitzender eines kriminellen Imperiums, ist nicht mehr am Leben. Er hat jedoch ein heiß begehrtes digitales Büchlein hinterlassen, in dem die Namen und Untaten zahlreicher Verbrecher verzeichnet sind. Francis und Demons Tochter können nur gemeinsam den Zugriff auf die Liste erlangen. Genau das ist das Ziel von Ackermans Reise nach Glasgow, die gleichzeitig den Auftakt der neuen Hüter-Reihe bildet.
Man merkt dem Band durchaus an, dass er ein Auftakt sein soll: Ein ganzes Kaleidoskop von Figuren wird eingeführt oder wieder aufgefrischt. Und als Leser oder Leserin kann man sich nicht sicher sein, wer in den nächsten Bänden eine Rolle spielen wird. Der ominöse Hüter dagegen spielt zunächst kaum eine Rolle. Erst gegen Ende betritt er die Bühne.

Diese Vielzahl von Handlungsfäden und Personen bremst meiner Meinung nach anfangs den Spannungsbogen etwas aus, dann aber entwickelt sich die gewohnte Ethan-Cross-Dynamik. Ackerman und seine Team entwickeln originelle Einfälle, um die kniffligen und meist lebensbedrohlichen Situationen zu lösen. Geschickt eingesetzt werden hier unter anderem ein Ohrring samt einem Teil des Ohrläppchens und ein Bagger, der mit Gaffer-Tape effektiv aufgerüstet wird. Im erwähnten Team befindet sich Markus, Ackermans Bruder im Krankenstand und trotzdem im Einsatz, sowie der zum Teil wie ein Agenten-Praktikant anmutende Jesse Gibson. Von den USA aus arbeitet Nadia Shirazi zu.

Nadia und Francis sind noch nicht lange Zeit ein Paar. In einer Beziehung zu sein, stellt Francis fast vor größere Herausforderungen als sein Job in Glasgow. Die Dialoge zwischen Nadia und dem beziehungsunerfahrenen Francis entlocken einem das eine oder andere Schmunzeln. Generell ist die Sprache eine Stärke des Romans: Der Gegensatz zwischen brutalsten Aktionen und einer sehr gewählten Ausdrucksweise von Francis machen einfach Spaß.

Gewöhnungsbedürftig ist dagegen das in meinen Augen etwas zu offene Ende. Hoffen wir auf ein baldiges Erscheinen des nächsten Hüter-Bandes: Denn dramaturgisches Potenzial für eine Fortsetzung ist mit „Im Labyrinth der Rache“ mehr als angelegt.

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