Toll geschrieben, offene Fragen am Schluss laden zum philosophieren ein
Die Bibliothek der Wahren LügenPfuh schwierig, ob ich der Geschichte 4 oder 5 Sterne geben soll. Ich habe schon lange kein Buch mehr gelesen, dass mich so hin- und hergerissen hat. Meine 10-jährige Tochter hat es zeitgleich gelesen ...
Pfuh schwierig, ob ich der Geschichte 4 oder 5 Sterne geben soll. Ich habe schon lange kein Buch mehr gelesen, dass mich so hin- und hergerissen hat. Meine 10-jährige Tochter hat es zeitgleich gelesen und mir teilweise ganz neue Blickwinkel auf die Geschichte gegeben. Das war wirklich sehr spannend zu hören, wie ihre Auffassung von einigen Handlungssträngen so ganz von meinen abweicht.
Aber mal von vorne – wir durften das Buch im Zuge einer Leserunde lesen. Ich fand den Titel sehr neugierig machend und das Cover unsagbar schön. So richtig mystisch. Und in real ist es noch viel schöner ebenso der Farbschnitt, der dem ganzen Buch nochmals des besondere etwas gibt.
Inhaltlich hat mich "Die Bibliothek der Wahren Lügen" hat mich so ziemlich von der ersten Seite an gefesselt. Der Schreibstil und die Wortwahl des Autors hat mir persönlich sehr gut gefallen. Ebenso hat mir die Gestaltung der Charaktere richtig gut gefallen. Einige umgab immer eine mysteriöse Aura (z.B. November), bei anderen konnte man so richtig die Charakterentwicklung mitverfolgen (Oskar). Und dann gab es noch den Sonnenscheincharakter des Buches, die Raupe Melodie. Sie fand ich einfach nur entzückend.
Ich bin so richtig in die Story reingekippt und konnte mich gut in die Geschichte einfühlen. Der Mix zwischen der "realen" Welt, in der Herr Bruma Oskar etwas über das Schreiben beibringt und Oskars Fantasygeschichte, hat mir gut gefallen. Auch das sich Oskars Geschichte manchmal eher flach anfühlt, hatte für mich einen gewissen Charme. Ich fand es super eingefangen, dass dieser Teil der Geschichte von einem Kind geschrieben wird. Teilweise war die Geschichte gruselig und es gab auch viele Kämpfe aber spannenderweise hat meine Tochter das ganz anders empfunden wie ich. Auch einige andere Stellen hat sie komplett anders interpretiert wie ich (hierzu mehr im Spoiler am Schluss). Dennoch hat uns beiden das Buch sehr gut gefallen - auch wenn wir es beide anders wahrgenommen haben.
Ich empfinde die Bibliothek der Wahren Lügen als ein Buch, auf das man sich voll einlassen muss. Es gibt einige Passagen, die sehr verwirrend sind und man bleibt mit vielen offenen Fragen zurück, womit aber die eigene Vorstellungskraft angeregt wird. Bei vielen Fragen finde ich das gut, hier erlaubt der Autor dem Leser sich einen eigenen Abschluss zu bilden. Ich mag es sehr gerne, wenn ich über Ideen und Möglichkeiten philosophieren kann und mir meine eigene Welt aufbauen kann.
Allerdings gibt es auch eine handvoll Fragen, die ich gerne beantwortet gehabt hätte oder zumindest hätte ich gerne die Idee oder den Hintergedanken vom Autor verstanden.
SPOILER:
Was ich faszinierend fand, war wie sie das Ende der Geschichte wahrgenommen hat. Meiner Meinung nach stirbt November am Ende. Ihrer Meinung nach verlässt November unsere Welt und wechselt zurück in "ihre" Welt.