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Veröffentlicht am 02.09.2024

In den dunkelsten Ecken Malmös

Tode, die wir sterben
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Bei diesem Krimi hat das Cover direkt mein Interesse geweckt. Es ist in den Farben der schwedischen Flagge gehalten, aber zugleich wirkt es durch die Abendstimmung leicht düster. Die gelbe Schrift ist ...

Bei diesem Krimi hat das Cover direkt mein Interesse geweckt. Es ist in den Farben der schwedischen Flagge gehalten, aber zugleich wirkt es durch die Abendstimmung leicht düster. Die gelbe Schrift ist aufgesetzt und hat eine leicht rauhe Haptik, was das Cover edler wirken lässt.

Es handelt sich hierbei um den ersten Fall der Ermittler:innen Jon Nordh und Svea Karhuu. Beide bringen einige Probleme mit. Kommissar Jon Nordh hat gerade erst seine Frau bei seinem Verkehrsunfall verloren und zugleich auch einen Freund und Kollegen, mit dem sie ihn anscheinend betrogen hat. Svea Karhuu, Kommissarin mit Migrationshintergrund, kam aus dem schwedischen Norden nach Malmö, weil interne Ermittlungen gegen sie laufen, da sie im Einsatz einen Kollegen erschossen hat. Beide sind recht verschieden, ergänzen sich mit der Zeit aber immer besser.

In dem Kriminalfall geht es unter anderem um die Aktivitäten ausländischer Gangs in einem Malmöer Viertel, ein dreizehnjähriger Junge scheint zwischen die Fronten geraten zu sein. Gleichzeitig spielen aber auch politische Interessen und die Schwierigkeiten, mit denen Menschen mit Migrationshintergrund auch in Schweden zu kämpfen haben, eine Rolle. Sehr aktuelle Themen also. Und auch die Einblicke ins Seelenleben der beiden Ermittelnden spielen eine große Rolle, sodass man sich gut in die Situationen und die Protagonist:innen hineinversetzen kann. Auch der Schreibstil war gut lesbar.

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Veröffentlicht am 02.09.2024

Verschiedene Welten

Pi mal Daumen
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Oscar ist 16, hochbegabt, aus einer wohlhabenden adeligen Familie und weist definitiv autistische Züge auf. Er hat sich für ein Studium der Mathematik eingeschrieben und begegnet im Hörsaal Moni Kosinsky, ...

Oscar ist 16, hochbegabt, aus einer wohlhabenden adeligen Familie und weist definitiv autistische Züge auf. Er hat sich für ein Studium der Mathematik eingeschrieben und begegnet im Hörsaal Moni Kosinsky, die bereits Oma ist, neben dem Studium mehrere Jobs hat und von Schulmathematik wenig Ahnung. Dennoch lernen sie sich nach und nach besser kennen und profitieren sogar voneinander, indem sie sich in den Dingen unterstützen, die dem jeweils anderen so gar nicht liegen.

Das Cover des Romans hat mich angesprochen, so richtig passt es, nun im Nachhinein betrachtet, aber nicht zur Geschichte. Mir hat das Buch gut gefallen. Die Hauptpersonen sind alles andere als gewöhnlich und haben definitiv ihre Ecken und Kanten, aber sie sind dennoch sehr liebenswert. Moni mit ihrer liebevollen und zupackenden Art, die sich in ihrem Alter noch den Traum vom Mathematikstudium erfüllen möchte und Oscar, der so gut wie immer gerade heraus sagt, was er denkt und möchte, auch wenn er damit aneckt. Es gab auch immer wieder humorvolle Situationen, in denen aber nie zu plump irgendwas ins Lächerliche gezogen wurde. Ein Buch, das Mut macht, auch Menschen, die auf den ersten Blick etwas anders sind, eine Chance zu geben und sich auch mal etwas zuzutrauen, das andere Menschen als aussichtslos bezeichnen würden. Der Schreibstil der Autorin war gewohnt gut lesbar und sie hat es geschafft, dass ich mich gut in ihre beiden Hauptpersonen hineinversetzen konnte, auch wenn ich wenig mit ihnen gemeinsam habe.

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Veröffentlicht am 24.08.2024

Braucht es ein Kind zum vollkommenen Glück?

Glück
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Zunächst muss ich sagen, dass die Covergestaltung mich auf den ersten Blick nicht besonders angesprochen hat, da ich aufgrund der Abbildung zunächst einen historischen Roman vermutet habe und keinen, der ...

Zunächst muss ich sagen, dass die Covergestaltung mich auf den ersten Blick nicht besonders angesprochen hat, da ich aufgrund der Abbildung zunächst einen historischen Roman vermutet habe und keinen, der ausschließlich in der Gegenwart, bzw. nahen Zukunft spielt. Die Thematik hat dann aber doch mein Interesse geweckt, nachdem ich mir den Klappentext durchgelesen hatte.

Die beiden Protagonistinnen des Romans sind Marie-Claire, kurz MC, (RadiModeratorin von Beruf und die erfolgreiche Politikerin mit Migrationshintergrund Anahita. Beide sind knapp 40 und bis jetzt kinderlos und aktuell auch nicht in einer festen Beziehung. Ihnen selbst ist bewusst, dass ihre biologische Uhr tickt und auch von ihrem Umfeld bekommen sie das immer wieder mehr oder weniger direkt vermittelt. Im leicht fiktiven Teil des Romans geht es zudem um ein neues Medikament, das die Fruchtbarkeit der Frau verlängern soll, sodass auch Frauen sich, ebenso wie Männer, mehr Zeit mit dem Kinderkriegen lassen können.

Ich konnte mich gut in die beiden Frauen und insbesondere in MC hineinversetzen, da mir die Thematik nicht fremd ist und ich mich in einigen der im Roman geschilderten Situationen wiedergefunden habe. Auch die Erzählweise hat mir gut gefallen, da neben der ernsthafteren Thematik der (ungewollten) Kinderlosigkeit auch immer wieder Passagen mit recht scharfzüngigem Humor enthalten sind, beispielsweise, wenn es um unangenehme Situationen mit Familien im Bekanntenkreis oder im Ruheabteil im ICE geht. Im Verlauf des Romans schweift mir die Handlung aber teilweise zu sehr ab, indem immer wieder weitere Frauen eingeführt werden, die in irgendeiner Verbindung zu den beiden Protagonistinnen stehen und auch deren Leben genauer beleuchtet wird. Dafür wird der medizinische Aspekt mit dem Verlängern der Fruchtbarkeit der Frau eher nur angerissen. Auch das Ende hat mich so nicht vollkommen zufriedengestellt.

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Veröffentlicht am 23.08.2024

Bücher, die verbinden

Wir treffen uns im nächsten Kapitel
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Bei diesem Buch haben mich das fröhlich-bunt gestaltete Cover und auch der Klappentext direkt angesprochen. Alles beginnt damit, dass die 30-jährige Erin Bücher aussortiert und in einen öffentlichen Bücherschrank ...

Bei diesem Buch haben mich das fröhlich-bunt gestaltete Cover und auch der Klappentext direkt angesprochen. Alles beginnt damit, dass die 30-jährige Erin Bücher aussortiert und in einen öffentlichen Bücherschrank in London einstellt. Aus Versehen hat sie aber auch ihr Lieblingsbuch, in dem sich eine Postkarte mit einem letzten Gruß ihrer an Krebs verstorbenen besten Freundin befindet, mit in den Bücherschrank gestellt. Zum Glück bekommt sie es wieder, findet darin aber nun zusätzliche Notizen eines vermeintlich Fremden und die "Einladung" vor, sich in einem anderen Buch aus diesem Bücherschrank "wiederzutreffen". Diese Nachrichten stammen von James, den sie eigentlich aus ihrer Jugend kennt, mit dem sie aber im Streit auseinander gegangen ist. Das ahnt aber zunächst keine:r der beiden und so entspinnt sich eine Kommunikation durch den Austausch von Lieblingsbüchern mit persönlichen Botschaften aneinander versehen.

An sich ist das eine sehr schöne Geschichte und es gibt auch eine Dosis Tiefgang, durch die jeweilige Lebensgeschichte und familiäre Situation der beiden Hauptpersonen. Allerdings wirkt insbesondere Erin durch ihr Verhalten sehr unreif auf mich, eher wie Anfang 20 als 30. Sie ist auch sehr nachtragend, sowohl James als auch ihrer Mutter gegenüber und versucht selbst nach langer Zeit nicht, über die Auslöser der Differenzen zu sprechen, sondern schaltet lieber auf stur. Dadurch wurde ich nicht so recht warm mit ihr. Zudem sollte die Liebesgeschichte meiner Meinung nach etwas mehr Raum in der Handlung einnehmen, damit nachvollziehbar wird, was Erin und James abgesehen von den Botschaften in den Büchern und der Liebe zur Literatur verbindet.

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Veröffentlicht am 11.08.2024

Jüdisch sein heute

Juli, August, September
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Die Eltern der Kunstexpertin Lou kamen mit ihr aus der ehemaligen Sowjetunion nach Deutschland, als sie ein Kind war. Ihre verstorbene Großmutter Rosa hat als jüdisches Mädchen den Holocaust überlebt und ...

Die Eltern der Kunstexpertin Lou kamen mit ihr aus der ehemaligen Sowjetunion nach Deutschland, als sie ein Kind war. Ihre verstorbene Großmutter Rosa hat als jüdisches Mädchen den Holocaust überlebt und landete dann mit ihrer Schwester bei Verwandten in Baku, später siedelten Teile der Familie nach Deutschland, andere nach Israel über. Lou ist nun mit Sergej verheiratet, einem recht erfolgreichen Pianisten, der ebenfalls Jude ist. Allerdings pflegen sie einen sehr säkularen Lebensstil und die gemeinsame Tochter Rosa hat noch nie eine Synagoge betreten. Dann reist Lou auf Wunsch ihrer Mutter mit ihr und der kleinen Rosa in ein All Inklusive Hotel auf Gran Canaria, um dort den 90. Geburtstag von Maya, der Schwester ihrer Oma zu feiern. Dazu reisen auch die Familienmitglieder an, die seit Jahrzehnten in Israel leben. Man begegnet sich teils mit einer ordentlichen Dosis Skepsis, ist sich trotz des Verwandtschaftsgrads ziemlich fremd, versucht sich aber auch gegenseitig zu übertrumpfen und es kommt immer wieder zu heiklen Situationen. Und Lou weiß nicht wirklich, ob sie sich ihnen zugehörig fühlen soll, ob sie sich selbst überhaupt noch als Jüdin sieht, wie es mit den russischen Wurzeln aussieht und was von der Geschichte ihrer Oma überhaupt stimmt. Schließlich führt sie diese Erfahrung nach Tel Aviv.

Der Titel des Buches hat meine Neugierde geweckt und, auch wenn auf den ersten Blick nicht ersichtlich, steht dieser im Zusammenhang mit Lous Geschichte, da der Roman nach den Monaten Juli, August und September in drei Bereiche eingeteilt ist. Im Juli geht es um Lous Leben in Berlin, im August um die Reise nach Teneriffa und im September ist der Handlungsort dann Tel Aviv. Ich fand die Lektüre dann auch sehr interessant, da ich mehr über das Leben säkularer Jüd:innen erfahren habe und ich auch den Konflikt, in dem Lou steckt, gut nachvollziehen konnte. Der Schreibstil war gut lesbar, teils auch etwas ins sarkastische gehend, sodass der Roman trotz manch ernster Hintergründe auch humorvolle Passagen aufwies, insbesondere, wenn es um Konflikte in der Familie geht, die jede:r von uns kennt, egal aus welchem Kulturkreis man stammt.

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