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Janine2610

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.09.2016

Verlies der Kindheit

Die unterirdische Sonne
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Wie das Lachen ging, wussten sie nicht mehr. Lieber sterben, als SO weiterleben, nein, existieren, zu müssen. Genau so haben die Jugendlichen gedacht. - Für mich absolut verständlich. Ich möchte es mir ...

Wie das Lachen ging, wussten sie nicht mehr. Lieber sterben, als SO weiterleben, nein, existieren, zu müssen. Genau so haben die Jugendlichen gedacht. - Für mich absolut verständlich. Ich möchte es mir gar nicht ausmalen, in einer derartigen Situation zu sein. Auch wenn man gar nicht wirklich erfahren hat, was mit jedem einzelnen von den Fünfen dort oben genau passiert ist. Das war gar nicht unbedingt notwendig. Am Verhalten und an ihren bedrückenden Gedanken konnte ich mir das sowieso denken. Im Grunde ist es auch nicht wichtig. Wichtig ist, dass Noah den anderen Hoffnung gegeben hat, Hoffnung auf Rettung, auf ein Weiterleben. Und dass dadurch dann alles ganz schnell ging, hat mich nicht mehr verwundert.

Ein ganz einzigartiges Buch über ein Thema, das in der Gesellschaft viel zu wenig, und wenn, dann nicht lange, Beachtung bekommt: Kindesentführung. Wie abgründig und krank Gedanken und Taten von Erwachsenen sein können, zeigt sich durch die Kinder in diesem Buch sehr gut. Aber auch, dass Hoffnung, Vertrauen und Glaube in solchen Situationen nicht nur enorm wichtig, sondern auch lebensrettend sein können, wird vermittelt. Ein Buch, das wirklich nachdenklich stimmt und wenn man sich darauf einlässt, auch in einem selbst etwas in Bewegung setzen kann.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Das unfassbar geniale Leben des Allan Karlsson

Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand
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Der Roman besteht aus abwechselnden Kapiteln aus der Gegenwart (2005) und dem 20. Jahrhundert, wo man als Leser, nach und nach, alle wichtigen Stationen aus Allan Karlssons Lebensgeschichte erzählt bekommt.
Alles ...

Der Roman besteht aus abwechselnden Kapiteln aus der Gegenwart (2005) und dem 20. Jahrhundert, wo man als Leser, nach und nach, alle wichtigen Stationen aus Allan Karlssons Lebensgeschichte erzählt bekommt.
Alles fängt damit an, dass der hundertjährige Allan aus dem Fenster, aus einem Seniorenheim in Malmköping in Schweden, steigt. Er hat es satt. - Wenn er noch am Leben bleiben muss, dann will er sich wenigstens nicht an die dämlichen Altersheimregeln, die ihm die Giftspritze (Schwester Alice) vorgebetet hat, halten. Und er will gefälligst seinen Schnaps haben. Also haut er einfach ab, also zuerst mal zum Busbahnhof. Und ab da nehmen die Dinge ihren (unfassbaren) Lauf.

Allan ist ein wahnsinnig herzerwärmender, alter Mann, der in seinem Leben schon so viele Orte dieser Erde gesehen hat (wenn auch nicht immer ganz freiwillig), so viele große Persönlichkeiten kennengelernt und mit ihnen Freundschaft geschlossen hat, und so viel unfassbar Absurdes erlebt hat, das es, wenn man es liest, einfach unglaublich ist. Unglaublich deshalb, weil Allan nicht nur der größte Glückspilz weit und breit sein dürfte, nein, er hat sich mit seiner humorvollen, gelassenen Art und seiner Einstellung zum Leben auch immer wieder aus so mancher scheinbar wirklich aussichtslosen Situation erfolgreich hinausmanövriert.

Ich als Leser wurde auf so gut wie fast jeder Seite prächtig unterhalten. Zwar habe ich ein paar Seiten gebraucht, bis ich mich eingelesen hatte, aber diese herrlich einfallsreiche und amüsante Geschichte hat mich schon sehr bald nicht mehr losgelassen und mich dermaßen oft zum Schmunzeln gebracht, wie es bei mir schon lange kein Buch mehr geschafft hat. Allan Karlsson, dieser listige Hund, wird mir wohl noch lange in Erinnerung bleiben.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Im JETZT ankommen

Illusion oder Realität?
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Das Buch Illusion oder Realität? ist aus dem Genre - Bereich Lebenshilfe & Ratgeber und ist unterteilt in die großen Kapitel Sicherheit, Beziehungen, Ziele und Zeit.
Das Autorenehepaar Egli behandelt darin ...

Das Buch Illusion oder Realität? ist aus dem Genre - Bereich Lebenshilfe & Ratgeber und ist unterteilt in die großen Kapitel Sicherheit, Beziehungen, Ziele und Zeit.
Das Autorenehepaar Egli behandelt darin die großen Themen des Lebens. Es geht um das Leben, den Tod, um die Liebe, ums Loslassen, um das Ego, um dass Hier und Jetzt. Ganz einfach darum, was im Leben tatsächlich nur Illusion und was Realität ist.
Beherzigt man nun all das, was in diesem Buch immer und immer wieder wiederholt wird (für mich ein bisschen viel der Wiederholung) und versucht es in sein Leben zu integrieren, dann kann ich mir vorstellen, dass man ein durchaus zufriedener und vom Glück verfolgter Mensch wird.

Leider haben mich die ewigen Wiederholungen nach einer Zeit dann schon ziemlich gelangweilt und auch die Größe des Buches (A4-Format) und das Gewicht (1239 g!) empfand ich als sehr störend. Gelungen sind jedoch die vielen Illustrationen vom kleinen und großen ICH, die auf fast jeder, ja doch sehr großen, Seite, aufgetaucht sind.

Leuten, die sich gerne mit Lebensthemen beschäftigen und auch solchen, die sich in diese Materie gerne einlesen würden, ist Illusion oder Realität? aus meiner Sicht sehr zu empfehlen. Die Grundaussage des Buches ist nämlich ganz klar: Glücklichsein durch die Liebe zu sich selbst und durchs Ankommen im Augenblick. - Und allein deshalb ist der Inhalt schon wertvoll.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Was für ein unguter Schluss ...

Ein ganzes halbes Jahr
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Die Liebesgeschichte zwischen Lou und Will ist etwas ganz Besonderes.
Als Lou Will zum ersten Mal getroffen hat, hat es jedoch zuerst ganz und gar nicht danach ausgesehen, als würden sie jemals miteinander ...

Die Liebesgeschichte zwischen Lou und Will ist etwas ganz Besonderes.
Als Lou Will zum ersten Mal getroffen hat, hat es jedoch zuerst ganz und gar nicht danach ausgesehen, als würden sie jemals miteinander zurecht kommen. Da Lou aber eine von Grund auf gütige und liebevolle Frau mit einem etwas gewöhnungsbedürftigen Kleidungsgeschmack ist, der sie nebenbei erwähnt in meinen Augen total sympathisch gemacht hat, war mir schon klar, dass der wegen seiner Tetraplegie depressive und zornige Will für Lou bald ebenfalls eine tiefe Zuneigung empfinden wird.
Lous unermüdliche Suche nach Dingen, die Will wieder einen Lebenswillen geben könnten, und ihre damit verbundenen Bemühungen, was zum Beispiel die schwierigen Ausflüge mit dem Rollstuhl betrifft, war für mich ein Zeichen, dass Wills Leben für Lou eine enorme Wichtigkeit bekommen hat.

Ich muss ehrlich gestehen, dass ich, also nachdem, was ich alles über Jojo Moyes' Bestseller gehört und gelesen habe, etwas mehr erwartet habe.
Tetraplegie, Leben und Sterben haben darin einen so großen Stellenwert bekommen, dass das Thema Liebe für mich ein bisschen zu sehr in den Hintergrund gerückt ist. Ich meine, ich war in jeder Lesesekunde begeistert von diesem tollen Schreibstil, wo man irgendwie automatisch aufmerksam gelesen hat, und auch von den vielen einzigartig individuell beschriebenen Charakteren, die zu beiden Teilen wirklich sympathisch, aber auch echt unsympathisch waren und ich selbst würde nichts Besseres schreiben können, aber ich bin wahrscheinlich generell eher ein Mensch, der auf Happy Ends steht und das war, so sehr wie ich es mir bis zur letzten Seite gewünscht habe, hier ja leider nicht der Fall.

Trotzdem ein sehr schönes, schnell und flüssig leicht zu lesendes Buch, mit einer traurig - tragischen Liebesgeschichte über zwei Menschen, die sich zwar gefunden haben, aber leider nicht mehr viel Zeit miteinander verbringen konnten, nämlich nur mehr ein ganzes halbes Jahr.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Für Interessierte, Betroffene und deren Angehörige

Die heimliche Sucht, unheimlich zu essen
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Dieser Ratgeber ist eine gute und umfangreiche Informationsquelle bezüglich Essstörungen. Allen voran wird hier viel Aufklärungsarbeit zu Bulimia nervosa, oder kurz Bulimie, geleistet. Die Ess-Brech-Sucht ...

Dieser Ratgeber ist eine gute und umfangreiche Informationsquelle bezüglich Essstörungen. Allen voran wird hier viel Aufklärungsarbeit zu Bulimia nervosa, oder kurz Bulimie, geleistet. Die Ess-Brech-Sucht ist eine mittlerweile weit verbreitete Erkrankung, die wohl, durch die Gesellschaft bedingt, immer mehr "um sich greifen" wird. Maja Langsdorff hat es (sogar als Nichtbetroffene) gut hinbekommen, dem Leser einen eindrucksvollen Einblick in diese, bei manchen Menschen mitunter Unverständnis hervorrufende, Krankheit zu gewähren. Sie bringt Betroffenen, Angehörigen, oder aber einfach auch nur Interessierten, in ihrem Buch, Themen wie Krankheitsentstehung, Auslöser, Trigger, Ausbruch, Rückfälle, Symptomatik, Therapieansätze, Hilfsangebote, usw. näher. Zusätzlich gibt es einen Teil, und der war für mich persönlich der interessanteste, in dem Betroffene, bzw. ehemals Betroffene selbst zu Wort kommen, ihren Krankheitsverlauf schildern, Dinge, die ihnen bei ihrer Gesundwerdung geholfen haben, kundtun und erzählen, wie sie schlussendlich aus der Suchtspirale des ewigen (Fr)essens und Erbrechens ausbrechen konnten.
Gut, ich muss gestehen, einige Kapitel waren interessanter als andere, aber das lag wohl daran, dass sich der Inhalt des Buches an eine breiter gefächerte Leserschaft wendet und nicht nur an die rein Interessierten, so wie ich es einer bin. Ein größerer Teil darin beschreibt auch schon ganz konkrete (auch akute) Hilfsangebote, die mir für meinen Geschmack schon etwas zu sehr ins Detail gingen und die ich dann auch nur überflogen habe.

Alles in allem ist es ein einleuchtend und verständlich geschriebener Ratgeber, der, da bin ich mir ziemlich sicher, Betroffenen, sofern sie Hilfe wirklich annehmen wollen, helfen und vor allem Mut machen kann. Und Leute, die sich für Erkrankungen der menschlichen Psyche interessieren, kommen hier sowieso auf ihre Kosten.