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Veröffentlicht am 15.09.2016

KateundTully

Immer für dich da
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Ich habe schon länger kein Buch mehr gelesen, das mich so sehr berühren konnte. Mein erstes Buch von Kristin Hannah erzählt die Geschichte von zwei Freundinnen, die im frühen Teenageralter zueinander gefunden ...

Ich habe schon länger kein Buch mehr gelesen, das mich so sehr berühren konnte. Mein erstes Buch von Kristin Hannah erzählt die Geschichte von zwei Freundinnen, die im frühen Teenageralter zueinander gefunden haben und es seither nur im Doppelpack gibt. So eng war ihre Freundschaft, dass man sogar ihre Namen immer in einem Zug gesagt hat: KateundTully.
Beide Freundinnen haben mit ihren eigenen Problemen zu kämpfen, aber gemeinsam geben sie sich gegenseitig Halt und Kraft und sind füreinander da, wenn es drauf ankommt.

»Wir sind für immer beste Freundinnen. Einverstanden?«
»Du meinst, du wirst immer für mich da sein?«
»Immer«, bestätigte Kate. »Was auch kommen mag.«

(S. 73)

Vor allem Tullys schwierig traurige Kindheit und das daraus hervorgehende Verhalten als Erwachsene hat uns in der Leserunde, in der ich das Buch gelesen habe, viel Stoff zum Nachdenken, Plaudern und Diskutieren gegeben. Obwohl Tully bei manchen scheinbar sehr egoistisch und unnahbar rübergekommen ist, war sie für mich eher eine Frau, für die ich Mitleid aufgebracht habe - einfach, weil ich mich sehr gut in sie hineinversetzen konnte.
Kate hingegen kam mir oftmals wie das genaue Gegenteil von Tully vor, aber vielleicht war das ja auch genau das, was die beiden zu einem so guten Zweiergespann werden hat lassen? Diese perfekte gegenseitige Ergänzung: das waren Tully und Kate - und das hat diese Geschichte so lesenswert gemacht.

»Was würde ich nur ohne dich machen, Katie?«, sagte Tully und lehnte sich an sie.
»Darüber wirst du dir nie Gedanken machen müssen.«

(S. 344)

Man begleitet Kate und Tully hier als Leser also von deren frühen Jugendjahren an, bis weiter ins Erwachsenenalter hinein, wo eine der beiden dann schon ihre eigene Familie hat. Währenddessen leidet und freut und hofft und bangt man ganz gespannt mit den beiden mit. Als Leser fühlt man sich Kate und Tully so verbunden, denn die Autorin schreibt wirklich eindringlich und sehr nahegehend. Ich habe jede Seite, bis zum Schluss, genossen. Und am Ende geweint, wie eine, die schon ewig nicht mehr geweint hat.

»Ich glaube, es war Mutter Teresa, die gesagt hat, Einsamkeit sei die schlimmste Form von Armut.«
(S. 413)

Zu diesem Buch gibt es auch einen Folgeroman (Wie ein Stern in der Nacht). Wer den auch lesen mag, sollte, gerade wenn man Immer für dich da noch nicht gelesen hat, davon nicht vorher schon die Buchbeschreibung lesen, denn: die Spoiler sind verheerend!

Für mich war dieses Buch ein Highlight auf ganzer Linie, ich habe nämlich absolut nichts zu bekriteln. Ganz im Gegenteil: ich war von der durchdachten Story mit all seinen Begebenheiten der Vergangenheit und ihren authentischen Auswirkungen in der Zukunft und diesen großen Themen wie Freundschaft und Liebe, wirklich begeistert. Also in meinen Augen ein absolutes Weiterempfehlungs-Buch!

Veröffentlicht am 15.09.2016

Direkt aus dem Leben gegriffen

Die letzten Tage von Rabbit Hayes
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Rabbit Hayes, Mutter einer 12-jährigen Tochter, hat Krebs. Schon vor Jahren hat sie erfahren, dass der Knoten in ihrer Brust bösartig ist - und seitdem kämpft sie.
Eine Zeit lang hat es so ausgesehen, ...

Rabbit Hayes, Mutter einer 12-jährigen Tochter, hat Krebs. Schon vor Jahren hat sie erfahren, dass der Knoten in ihrer Brust bösartig ist - und seitdem kämpft sie.
Eine Zeit lang hat es so ausgesehen, als hätte sie diese oftmals tödlich endende Krankheit endlich besiegt, doch dann bricht sich Rabbit ein Bein und bekommt die niederschmetternde Diagnose, dass die Krebszellen gestreut haben und nun in ihren Knochen sind. Ab diesem Zeitpunkt geht es mit Rabbit stetig bergab und schon bald muss sie der Wahrheit ins Auge blicken: sie wird sterben. Allerdings ist Rabbit eine Kämpfernatur und hat nicht vor, ihre Tochter Juliet alleine zu lassen ...

Vor zwei Wochen hatte sie noch mit Krebs gelebt, jetzt hieß es, sie
würde daran sterben und ihre zwölf Jahre alte Tochter im Stich lassen.

(S. 30)

Wie lange wird sich Rabbit noch gegen ihr Schicksal wehren? - Das habe ich mich immer wieder gefragt. Rabbits positives und kämpferisch eingestelltes Wesen habe ich von Anfang an bewundert. Eine so starke Frau und Mutter, wie sie in dieser Geschichte dargestellt wird, lernt man sicher nicht so häufig kennen. Sich mit einem solchen Schicksal konfrontiert zu sehen und bis zum Schluss nicht aufzugeben, seinen Mut und seine Stärke beizubehalten und alles Menschenmögliche dafür zu tun, damit die eigene Tochter nicht beunruhigt wird, ist erstaunlich.

Ja, Rabbit ist schon eine bemerkenswerte Frau, aber verwunderlich ist das nicht, schließlich ist sie eine Hayes. Die ganze Familie Hayes ist einzigartig und jedes Familienmitglied ist auf seine Weise stark.
Besonders einmalig ist allerdings Molly, Rabbits Mutter. Molly ist selbstbewusst und scheint niemals aufzugeben. Auch ihr Humor, den sie bis zuletzt, auch in so einer schweren Zeit, zum Ausdruck bringt, ist Balsam für die Seele ihrer sterbenden Tochter und vermittelt ihr und allen Angehörigen eine gewisse Normalität, die sie in so einer Situation scheinbar dringend benötigen ...

In Gedanken waren sie beide bei ihrer Tochter und bei der Frage,
wie lange sie noch so tun konnten, als würde alles wieder gut.

(S. 211)

Einerseits fand ich diese gespielte Sorglosigkeit und das so-Tun-als-wäre-alles-gar-nicht-so-schlimm in Ordnung, also in Ordnung im Sinne von Krisenbewältigung bzw. nicht anders mit einer traurigen Situation umgehen zu können. Andererseits war es schade, oder hat mich manchmal sogar etwas genervt, dass die gesamte Familie Hayes, zumindest in Rabbits und Juliets Anwesenheit, permanent ihre negativen Gefühle runtergeschluckt und niedergelächelt hat. Manchmal hätte ich mir mehr Mut von den Charakteren gewünscht: der Wahrheit ins Auge zu blicken, über Rabbits nahenden Tod zu reden, den belastenden Gefühlen einfach freien Lauf zu lassen und beispielsweise zu weinen, wenn ihnen zum Weinen zumute war. Die "Friede-Freude-Eierkuchen-Maske" einfach mal fallen zu lassen.

»Sei nicht so scheißdramatisch, Rabbit!«
Rabbit drehte sich um und sah ihre Mutter an. »Sei nicht so scheißdramatisch? Ich sterbe, verdammt noch mal, Ma! Wenn ich jetzt nicht dramatisch sein darf, wann denn dann?«

(S. 333)

Abgesehen vom Verhalten so mancher Familie Hayes - Mitglieder, das mir nicht immer verständlich war, bin ich sehr begeistert von diesem Buch. Die Geschichte ist authentisch erzählt, wirkt wie direkt aus dem Leben gegriffen, regt zum Nachdenken über die Endlichkeit des körperlichen Daseins nach und konnte mir wegen all den nahe gehenden Momenten zum Schluss sogar ein paar Tränen entlocken.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Ein überraschend mitreißender Krimi!

Marie spiegelt sich
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Wenn ihr euch die Buchbeschreibung durchlest, bekommt ihr schon einen sehr guten Eindruck von Isabella Archans Schreibstil. Dieser Stil, also diese kurzen beschreibenden Sätze, ziehen sich durch große ...

Wenn ihr euch die Buchbeschreibung durchlest, bekommt ihr schon einen sehr guten Eindruck von Isabella Archans Schreibstil. Dieser Stil, also diese kurzen beschreibenden Sätze, ziehen sich durch große Teile des Buches - vor allem in den beiden Erzählsträngen, in denen man die 13-jährige Marie und ihren Entführer kennenlernt, fand ich diesen Stil sehr ausgeprägt.
Einerseits schafft diese Art zu schreiben eine unheimlich spannende Atmosphäre, und teilweise wollte ich das Buch deswegen gar nicht aus den Händen legen. Andererseits ... wenn es dann so spannend ist und ich gerne schnell erfahren wollte, wie es weitergeht/endet, kamen mir diese kurzen Sätze etwas hinderlich vor. Schnell und flüssig lesen war bei so vielen Punkten dann eher nicht der Fall. - Ein derartiger Stil hat eben seine Vor- und Nachteile.

Vermisst.
Das klang nach Mist. Nach großem allumfassenden Mist.

(S. 174)

In diesem Buch geht es hauptsächlich um die Entführung der 13-jährigen Marie. Es gibt einige Erzählstränge bzw. Sichtweisen, aus denen erzählt wird. Aber die drei Hauptstränge waren wohl: Marie, Maries Entführer und die ermittelnde Polizistin Willa Stark. Der ständige Wechsel der Erzählstränge hat zusätzlich Spannung in die Geschichte gebracht, von Zeit zu Zeit waren mir diese often Wechsel dann aber doch anstrengend, denn jedesmal musste ich mich von Neuem an einen anderen Erzähler gewöhnen.

»Haben Sie schon mal etwas so gewollt, dass sie dafür gestorben
wären, und als es dann da war, es stattdessen sterben lassen?«

(S. 284)

Als ich Marie kennengelernt habe, habe ich sie sofort ins Herz geschlossen. Es wird so viel über ihr Innenleben, ihre Ängste, Sorgen und bedrückende Gedanken verraten. Also dieses völlige Öffnen einer Person finde ich sehr liebenswert. Hinzu kommt, dass dieses junge Mädchen sehr authentisch dargestellt wurde, weswegen mich ihre zum Teil schönen poetischen Zeilen, die sie auf ihrem Netbook festhält, auch richtig berühren konnten.

Willa Stark, die ermittelnde Polizistin, ist eigentlich Grazerin und arbeitet zur Zeit bei der Kölner Kripo. Auch sie ist eine angenehme Persönlichkeit, von der ich gerne gelesen habe - und die eigentlich so gar nicht wie eine Kripobeamte rüberkommt ...

Und Maries Entführer, das Neutrum oder auch einfach nur Es, wie es im Buch beschrieben wird, ist ein eigenartiges Wesen, das bei mir erst mal große Fragezeichen entstehen hat lassen. Ich hatte lange Zeit gar keine Ahnung, wer der Entführer sein könnte oder gar ob er männlich oder weiblich ist. Dieses Nichtwissen hat bei mir jedenfalls zu jeder Menge Rätselraterei geführt.
Was ich leider bis zuletzt nicht verstanden habe, war, warum genau Marie vom Neutrum entführt wurde. Aber gut ... bei Psychopathen versteht man die genauen Gründe, warum sie etwas machen, wahrscheinlich oft nicht.

Etwas geschieht in deiner Kindheit, etwas, das du nicht fassen oder
emotional verarbeiten kannst, es kann in der Realität kleiner oder
größer sein, aber in deinem Inneren wird eine kranke Saat gesät. In
deinem Herzen wächst ein Baum, dessen Äste dich irgendwann erdrücken.

(S. 302)

Alles in allem ein sehr guter Krimi, der mich doch überrascht hat. Ich hätte nicht gedacht, dass er mich streckenweise so mitreißen könnte.
Lediglich etwas unangenehm fand ich, dass mein schneller Lesefluss durch den markanten Schreibstil manchmal gestört wurde. Und auch, dass ich das genaue Warum von Maries Entführung nicht verstanden habe.
Ein wenig Luft nach oben gibt es in meinen Augen also noch. Nichtsdestotrotz möchte ich auf alle Fälle Isabella Archans ersten Band (Helene geht baden) um Willa Stark beizeiten auch noch lesen!

Veröffentlicht am 15.09.2016

„Na, wie ist heute die Luft da oben?“

Die Luft da oben
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Ziemlich dünn ist die Luft da oben, zumindest für Lena mit ihrer Körpergröße von 182 cm. Seit Lena denken kann und ihr bewusst ist, dass sie so eine „Latte“ von Mensch ist, verurteilt sie sich und leidet ...

Ziemlich dünn ist die Luft da oben, zumindest für Lena mit ihrer Körpergröße von 182 cm. Seit Lena denken kann und ihr bewusst ist, dass sie so eine „Latte“ von Mensch ist, verurteilt sie sich und leidet unter diesem Umstand. Für mich persönlich ist die Verurteilung ihrer 1,82m erst mal unverständlich, da ich selbst gerne so groß wäre. Ich meine, ich bin auch nicht gerade klein, aber wenn man diese Maße hat, kann das durchaus auch seine Vorteile haben, so eine Größe kann man positiv nutzen. Lena aber konzentriert sich scheinbar nur auf das Negative ...

Als ich dann aber Lenas Familie und ihre „Freundin“ (diese Bezeichnung hat sie echt nicht verdient) Verena kennengelernt habe, ist mir klar geworden, warum Lena kaum Selbstbewusstsein hat und sich selbst gedanklich immer wieder runterzieht.

Andere sind all das, was ich nicht bin! Andere sind froh, dankbar,
tüchtig, sparsam, ordentlich, selbstständig und schlafen am Wochenende
nicht bis ultimo. Von klein auf wurde das in mein Hirn eingemeißelt.

(S. 75)

Ihre Familie ist schrecklich, sie haben alle ständig irgendetwas an ihr auszusetzen und geben ihr trotz all ihrer Erfolge das Gefühl eine Versagerin zu sein. Nichts kann man ihnen recht machen.
Ich an Lenas Stelle wäre schon auf und davon, denn ganz ehrlich: so eine Familie, die mir das Gefühl gibt, der letzte Dreck zu sein, brauche ich wirklich nicht!
Aber das schlimmste an der ganzen Sache ist ja, dass Lena durch all das, was sie gesagt bekommt, (unbewusst) sogar anfängt, sich selbst einzureden, dass sie versagen wird, dass sie nichts erreicht hat, dass sie nichts kann, ... und es dann natürlich auch zu glauben beginnt. Mit anderen Worten: Lena ist unglücklich, unsicher und weiß nicht, was sie will.

Für mich ist es heutzutage gar nicht mehr vorstellbar, wie eine Familie derart konservativ, überhaupt nicht einfühlsam, oberflächlich, nur auf schnellen Erfolg, viel Geld und Achtung bedacht sein kann. Wie kann es sein, dass tatsächlich noch Eltern existieren, denen es scheißegal ist, was ihre Tochter interessiert, was ihr wichtig ist?

Und wenn mir noch so viele Professoren nach den mündlichen Prüfungen die Hand geschüttelt und gratuliert haben, für meine Familie bin und bleibe ich die geborene Enttäuschung.
(S. 17)

Diese Geschichte ist also das beste Beispiel dafür, wie man einen Menschen verunsichern, ängstlich, ratlos, sich selbst verabscheuend und vor allem unglücklich machen kann. Wenn man es aber aus eigener Kraft schafft, sich aus so einem Umfeld zu lösen und anfängt positiv über sich und sein eigenes Leben zu denken, dann kann man nur den Hut ziehen. Denn unter solchen Umständen, wie sie Lena betreffen, ist das wahrlich nicht ganz einfach.

In anderen Rezensionen zu diesem Buch habe ich gelesen, dass das Ende als etwas „komisch“ empfunden wurde. Dem muss ich aber widersprechen, ich fand das Ende sehr erhellend und schön. Es findet ein recht großer Wandel in Lena statt, einerseits kam mir das auch ein wenig zu plötzlich, aber als unwahrscheinlich empfand ich es auch nicht. Denn: wenn man jahrelang durch äußere und innere Erniedrigungen in seiner Handlungsfreiheit eingeschränkt ist, und sich das immer mehr zur Unerträglichkeit aufstaut, dann ist aus meiner Sicht so ein plötzlicher Wandel/Befreiungsschlag, wie bei Lena am Schluss, in meinen Augen durchaus authentisch.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Nicht meine Welt!

Wassermusik
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Also, wenn T. C. Boyle in all seinen Romanen so ausschweifend und verschachtelt schreibt, war die Wassermusik hier nun definitiv mein erstes und letztes Buch von ihm.
Der Klappentext verrät eigentlich ...

Also, wenn T. C. Boyle in all seinen Romanen so ausschweifend und verschachtelt schreibt, war die Wassermusik hier nun definitiv mein erstes und letztes Buch von ihm.
Der Klappentext verrät eigentlich noch nicht wirklich viel und da der Autor recht bekannt und, wie mir scheint, teilweise auch hochgelobt wird, war ich anfangs noch sehr erpicht auf diese Geschichte.
Aber schon nach kurzer Zeit habe ich gemerkt, dass es mir wohl sehr schwer fallen wird, in der Story anzukommen, da ich durch Boyles andauernder Fabuliererei zu oft gedanklich abgeschweift bin.

Immer noch über die Schulter blickend, sieht er, dass alle neun ihn schweigend und
respektvoll anstarren, als wäre das Pinkeln in Unterhosen gegen eine Mauer dem
Weihen einer Hostie oder der Verwandlung von Wasser in Wein vergleichbar.

(S. 500)

Aufgegeben habe ich dennoch nicht.
Im Groben hat diese Geschichte für mich nicht so recht einen Sinn gemacht. Die Handlung findet etwa Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts statt. Es gibt zwei Erzählstränge, die (sehr viel) später aber zusammenführen. In einem lernen wir Mungo Park kennen; er ist sogenannter Entdeckungsreisender, abenteuerlustig und hat es sich, trotz Ailie, die Zuhause auf ihn wartet, zum Ziel gemacht, den Niger (Fluss) in Afrika zu entdecken. Und dann gibt es da noch im zweiten Erzählstrang den Trunkenbold und Pechvogel/Glückspilz Ned Rise; er verbringt den Großteil des Buches in England/London, um ... ja, gute Frage. Vermutlich lebt er dort einfach nur, versucht sich an diesem und jenem, stiehlt, säuft, betrügt, lügt, macht sich Feinde, usw.

Soviel dazu. Um ehrlich zu sein, ist die Handlung für mich ein wenig untergegangen zwischen all den Ausschweifungen und dem detaillierten Geschreibsel. Und das Wenige, das ich aktiv von der Handlung mitbekommen habe, war in meinen Augen irgendwie völlig ohne Sinn, ich hatte fast nie das Gefühl, als würde das zu irgendetwas Spannendem führen.

Die ganze Welt stinkt nach Kompost und schleichender Fäulnis.
(S. 463)

Ein eher enttäuschendes Leseerlebnis also. Hinzu kommt, dass ich viele Wörter auch einfach nicht gekannt habe und wenn es dann mal so weit kommt, dass man ein paar Wörter pro Seite googeln muss, ist das auch nicht mehr witzig ...
Wenigstens das Ende war in Ordnung. Hätte zwar von mir aus gerne auch etwas schöner und hoffnungsfroher enden können, aber wenn man dann mal den Stil des Autors und den Verlauf der Geschichte kennt, war es fast zu erwarten.
Lesern, die gerne ausschweifende und verschachtelte Geschichten lesen und sich auch gerne in Details verlieren (bzw. wiederfinden) sollte dieses Buch zu empfehlen sein.
Leuten wie mir, die sowas einfach nur anstrengend und zum Abschweifen finden, und auch der Ansicht sind, dass die Handlung dadurch untergeht, würde ich eher raten, die Finger davon zu lassen.