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Veröffentlicht am 27.12.2016

✎ Michael Tsokos & Andreas Gößling - Dr. Fred Abel 1 Zerschunden

Zerschunden
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Ich war mega gespannt auf diese Geschichte. Zum einen wird Tsokos immer wieder in einem Atemzug mit Fitzek genannt. (einer meiner Lieblingsautoren) Zum anderen stehe ich total auf wahre Begebenheiten.

Die ...

Ich war mega gespannt auf diese Geschichte. Zum einen wird Tsokos immer wieder in einem Atemzug mit Fitzek genannt. (einer meiner Lieblingsautoren) Zum anderen stehe ich total auf wahre Begebenheiten.

Die Ernüchterung kam jedoch ziemlich schnell. Ich habe von "einem authentischen Fall und echten Ermittlungen" nichts gespürt. Der Fall an sich mag so geschehen sein - es gibt genug kranke Menschen da draußen. Aber einen Abel? Das mag ich so nicht hinnehmen. Manches klang für mich einfach zu überspitzt.

Da es blutig und teilweise mega ekelig wird, würde ich zartbesaiteten Lesern hier abraten. Ich kann sowas (normalerweise) gut aushalten - und wenn es toll in eine Handlung eingewebt ist, verursacht es mir Gänsehaut. Im vorliegenden Fall jedoch war es einfach nur da. Ich habe mir zwar immer wieder ins Gedächtnis gerufen, dass dies wohl tatsächlich so geschehen ist, aber das konnte den Spannungsbogen auch nicht aufrecht erhalten.

Gar nicht verstanden habe ich das Persönliche am Schluss von Abel. Wird darauf in den Folgebänden noch eingegangen? Oder welche Bedeutung hat(te) dies? Es hat nichts zur Geschichte beigetragen, hat keinen tieferen Sinn. War einfach da.

Was mich persönlich auch noch interessiert hätte, wäre gewesen, was genau an der Geschichte jetzt wahr und was Fiktion ist. Vielleicht wird das im Print / eBook getan - beim Hörbuch hat es jedoch gefehlt..

Der zweite Teil der Trilogie wird gerade gehört - ich hatte ihn mir bereits besorgt. Aber ansonsten bin ich jetzt nicht so angefixt, dass ich noch mehr True-Crime-Thriller vom Autor haben müsste. Seine Sachbücher dagegen werde ich mir mal genauer anschauen - vielleicht ist dort ja etwas Spannendes dabei..

©2016

Veröffentlicht am 26.12.2016

✎ Val McDermid - Das Moor des Vergessens

Das Moor des Vergessens
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Von Val McDermid kenne ich schon 'Alle Rache will Ewigkeit', was mir damals ziemlich gut gefallen hat. Seitdem wollte ich immer mal wieder etwas von der Autorin lesen - was ich hiermit getan habe.

Leider ...

Von Val McDermid kenne ich schon 'Alle Rache will Ewigkeit', was mir damals ziemlich gut gefallen hat. Seitdem wollte ich immer mal wieder etwas von der Autorin lesen - was ich hiermit getan habe.

Leider fand ich die Lektüre nicht sonderlich interessant. Und ich bin auch fast sicher, dass ich es nicht zu Ende gelesen hätte. Da ich mich hier aber mal wieder für die Hörbuchversion entschieden hatte, war es ok.

Ich hatte das Gefühl, dass es wirklich lange brauchte, ehe es überhaupt mal anfing, ein wenig spannender zu werden. Wobei das der falsche Ausdruck ist, denn die Spannung hat teilweise komplett gefehlt.

Auch fand ich es irgendwie unnötig, dass man zwei Handlungsstränge hatte, die man aufklären musste. Beim einen Fall weiß der Leser sowieso mehr als die handelnden Personen, beim anderen ist alles sooo vorhersehbar, dass ich mich manchmal fragte, ob die Autorin uns Leser hier veräppeln mag.

Für mich klang alles zu konstruiert, zu unplausibel. Vielleicht ist es wirklich nur für Leser geschrieben, die die Geschichte um Fletcher Christian, den sagenumwobenen Meuterer auf der Bounty, und den Dichter Wordsworth kennen bzw sich dafür interessieren. Ich gehöre scheinbar nicht dazu.

Ein Pluspunkt gibt es hier dennoch: Der Sprecher ist toll. An ihm lag es zumindest nicht, dass mich das Buch nicht überzeugen konnte.
Ich gebe daher eine Empfehlung in Richtung Dietmar Bär, aber keine in Richtung dieser Lektüre.

©2016

Veröffentlicht am 24.12.2016

✎ Julie Lawson Timmer - Fünf Tage, die uns bleiben

Fünf Tage, die uns bleiben
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Dieses Buch stand auch schon etwas länger auf meiner Wunschliste.. und ich dachte, es passt genau in die Zeit, die wir derzeit haben: Eine Zeit, in der man vielleicht mehr nachdenkt als an anderen Tagen, ...

Dieses Buch stand auch schon etwas länger auf meiner Wunschliste.. und ich dachte, es passt genau in die Zeit, die wir derzeit haben: Eine Zeit, in der man vielleicht mehr nachdenkt als an anderen Tagen, weil es die Zeit der Ruhe war / ist..

Während ich diese Lektüre gelesen habe, musste ich erfahren, dass eine Frau eines Kollegen meines Freundes die Tage verstorben ist. Ich kenne sie nur flüchtig, wir haben uns nur mal hier und dort gesehen. Dennoch geht mir das Schicksal ein wenig nahe, denn sie war Mitte / Ende 30 und hinterlässt 2 kleine Kinder, von denen eins noch nicht einmal zur Schule geht..

Somit passte die vorliegende Geschichte auch noch genau zu meinem Gemütszustand..

Julie Lawson Timmer hat einen tollen, beschreibenden Stil, der stellenweise jedoch recht einfach gehalten ist. Stellenweise hat er dennoch mein Herz berührt, hat mich innehalten und nachdenken lassen - vor allem über die Hektik in unserer Zeit.

"Zu wissen, dass dieses Mädchen die einzelnen Momente wahrscheinlich mehr zu schätzen gewusst hätte, [...] Stattdessen hatte Mara stets schon das nächste große Ziel vom Kopf gehabt, [...]" (S. 264)

Was nicht direkt aus dem Klappentext hervorgeht, dennoch wichtig ist zu wissen, ist, dass der Titel zwei Geschichten von zwei unterschiedlichen Menschen enthält: Mara und Scott.
Ich war erst erstaunt, was es damit auf sich hat, weil ich das vorher nicht wusste. Allerdings noch erstaunter, wie alles seinen Lauf nimmt.

Beide Ereignisse sind interessant, beide beleuchten andere Winkel des Lebens. Oder doch die gleichen, allerdings aus einer anderen Perspektive? Man sollte sich hier seine eigene Meinung bilden.
Mir haben die Parallelgeschichten absolut gefallen. Auch wenn ich hin und wieder das Gefühl hatte, dass manchmal was auf der Strecke zu bleiben scheint, bin ich doch erstaunt, welche Tiefe geschaffen wurde. Man hätte locker 2 Bücher bei diesen Schicksalen schreiben können, diese Zusammenfassung hat mir persönlich jedoch gut gefallen.

Die Autorin spielt sehr mit meinen Gefühlen / Gedanken, denn immer wieder bringt sie Einschübe, die mich hoffen lassen, dass das Buch anders endet, als der Klappentext es darstellt..

"[...] selbst wenn sie sich am Ende doch noch umentscheiden sollte." (S. 273)

Aber es bringt mich wieder mal zum Nachdenken über das selbstbestimmte Leben / Sterben an sich. Über die Frage, wie ich reagieren würde - egal, auf welcher Seite ich stehe.

Scott sollte man während dieser ganzen Überlegungen nicht vergessen. Denn in seiner Geschichte geht es um Adoption und eigene Familie. Hier bin ich ebenso voll im Thema drin, denn jemand aus unserer Familie versucht seit Jahren schwanger zu werden und denkt nun über eine Adoption nach..

Und das Ende? Hat mich überrascht! Oder doch nicht? Doch!
Es hat sich sogar eine kleine Träne davongestohlen - und das nicht wegen Mara..

Was ich nicht verstehe, ist, warum man jetzt (teilweise, also scheinbar in manchen Ausgaben) das Cover geändert hat. Für mich hat es im Bezug auf die Geschichte gar keine Aussagekraft mehr - das war vorher anders.

Ich kann und möchte "Fünf Tage, die uns bleiben" weiterempfehlen - all denjenigen, die mit solchen Geschichten umgehen können, denn eine leichte Lektüre ist es gewiss nicht..

©2016

weitere Zitate:

"Sie hätte so vieles tun sollen." (S. 9)

"»Rationalität und Logik haben wohl nichts zu melden, wenn man plötzlich mit der Diagnose ›unheilbar krank‹ klarkommen muss.«" (S. 87)

"»[...] Dann fandest du, dass ›anders‹ eben nur ›anders‹ bedeutet und nichts Schlimmes ist.«" (S. 271)

"»Sich mal bewusst machen, wem man was verdankt. Und das demjenigen auch gleich sagen. [...]«" (S. 282)

"»Es ist leicht, sich den weißen Gartenzaun und die perfekten Kinder vorzustellen, [...] Aber das ist vielleicht gar nicht das Leben, das ich wirklich führen möchte.«" (S. 321)

Veröffentlicht am 23.12.2016

✎ Rebecca Mascull - Die sieben Sinne der Adeliza Golding

Die sieben Sinne der Adeliza Golding
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Das Buch las ich aufgrund einer begeisterten Stimme und weil mich der Klappentext absolut angesprochen hat. In diesem Fall hat sogar das Cover sein Übriges getan.
Ich mag historische Romane und Bücher, ...

Das Buch las ich aufgrund einer begeisterten Stimme und weil mich der Klappentext absolut angesprochen hat. In diesem Fall hat sogar das Cover sein Übriges getan.
Ich mag historische Romane und Bücher, in denen viel Gefühl vorkommt - beides in Kombination wäre nahezu perfekt.
Von genau solch einer Lektüre ging ich aus, als mir Klappentext und Rezension präsentiert wurden..

Rebecca Mascull hat einen unglaublich beschreibenden und (dadurch) lebendigen Schreibstil. Manchmal hätte ich mir wahrscheinlich gewünscht, dass sie nicht so ins Detail gegangen wäre - gerade was die Operation betraf.

"[...] dann wird er mit einem sehr scharfen Messer einen kleinen Schnitt in jedes Auge machen [...]" (S. 51)

Aber dadurch wären einige Ereignisse und Gefühle auf der Strecke geblieben. (also Augen zu und durch an manchen Stellen) Sie fängt nämlich wunderbar Adelizas Charakter ein, der sich im Laufe des Geschehens absolut wandelt. Das kommt sicher auch dadurch, dass es aus der Ich-Erzählweise geschildert wird, die hier absolut passend ist, denn so lernt man einige Dinge neu verstehen..

"Nun gilt es, eine ganze Welt kennenzulernen. [...] Ich habe die Welt neu erfunden." (S. 62)

"Ich begreife, wie viel mir entgangen ist, das ständige Hin und Her der Kommunikation, das Sprache und Sehen ermöglichen, die kleinen Gesten und Blicke, [...]" (S. 66)

Die Schriftstellerin hat mich mit ihren Worten teilweise innehalten lassen, weil ich mir immer wieder vor Augen geführt habe, wie selbstverständlich ich es doch hinnehme, dass ich sehen kann. Klar habe ich ein gewisses Mitleid mit Mitmenschen, die nicht sehen können. Und trotzdem bewundere ich sie zumeist, wie sie ihr Leben mit dieser Einschränkung meistern.
Aber nie, wirklich niemals habe ich je darüber nachgedacht, wie es wohl für jemanden ist, der (fast) blind geboren wurde und irgendwann auf einmal all die Farben und Formen betrachten kann.

"Die Proportionen, die ich vom Tasten her kenne, scheinen nicht mit dem Gesehenen übereinzustimmen." (S. 62)

"Ich betrachte meine Haut, meine Brust und die Stelle zwischen meinen Beinen, verstört von den absurden Formen." (S. 70)

Es wird einfach jedes Empfinden eingefangen. Nichts wird ausgelassen. Und trotzdem fehlte mir manchmal so der kleine Funken. Oder hier und dort kommen auch mal kleinere Längen vor.

Obwohl die Autorin tatsächlich versucht, eine spannende Atmosphäre zu schaffen, in der sie ein blind-taubes Mädchen zu einer taffen Frau reifen lässt, uns die Möglichkeiten der Kommunikation aufzeigt und die Geschichte in einer Zeit spielen lässt, die die Fantasie toll verarbeiten kann, bin ich nicht vollkommen überzeugt.

Ich habe lange hin und her überlegt, in welches Genre ich diese Geschichte packen würde. Das Einfachste wäre wahrscheinlich Roman, jedoch spielt sie in einer Zeit, die in die Historik passt - und dann ist da noch die Mystery. Dieser Anteil war auch derjenige, mit dem ich so leider gar nichts anfangen konnte..

Im Englischen lautet der Titel "The visitors", welcher meiner Meinung nach auch einiges mehr aussagt und vor allem darauf hinweist, was uns im Buch zu erwarten hat. Ich hatte durch den Klappentext und den Titel andere (hohe) Erwartungen - und die konnten teilweise nicht erfüllt werden.

Trotzdem werde ich weiterhin ein Auge auf Frau Mascull haben, denn ihr Schreibstil ließ mich die ein oder andere Stunde im Alltag vergessen. ..und wer kein Problem mit nicht ganz alltäglichen Dingen hat, dem kann ich das Buch auch empfehlen.

©2016

weitere Zitate:

"Ich habe diesen Gegenstand schon tausendmal berührt, aber seine Abbildung sagt mir nichts." (S. 63)

"Mir wird klar, dass das Sehen Freiheit bringt, und mein Herz lacht ob all der Möglichkeiten." (S. 71)

"[...] würde ich mit jedem Menschen sprechen, der je gelebt hat. Wie soll ich mir sonst ein Bild von der Welt machen?" (S. 82)

Veröffentlicht am 18.12.2016

✎ Maeve Binchy - Herzenskind

Herzenskind
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Ich habe von Maeve Binchy bereits 'Wege des Herzens' und 'Cathys Traum' gelesen. Beide fand ich (damals) recht gut und daher ist auch 'Herzenskind' auf die Wunschliste gewandert. Nun habe ich es davon ...

Ich habe von Maeve Binchy bereits 'Wege des Herzens' und 'Cathys Traum' gelesen. Beide fand ich (damals) recht gut und daher ist auch 'Herzenskind' auf die Wunschliste gewandert. Nun habe ich es davon befreit - und bin sehr enttäuscht.

Schon den Einstieg fand ich eher mühsam. Aber wenn ich mich recht erinnere, hatte ich auch bei ihren anderen Büchern diesen Eindruck.

Ein Merkmal der Autorin scheint zu sein, dass man in ihren Werken immer wieder Bekannte aus den anderen Geschichten begegnet. So war es auch hier. Und obwohl es 2 und mehr als 5 Jahre her ist, dass ich ihre anderen Romane gelesen habe, konnte ich mich noch gut an die Leute erinnern.
Das wäre in soweit toll, wenn sich die Autorin dafür auf die neuen Charaktere gestürzt hätte - diese bleiben mir jedoch viel zu oberflächlich teilweise.

Die ganze Story über wollte sich bei mir kein richtiges (Mit)Gefühl breit machen - aber genau darauf hatte ich hier gehofft. Immerhin wird dies von anderen Lesern auch ständig angepriesen.

Ich bin keine, die grundsätzlich sagt, dass Geschichten real klingen müssen. Ich mein, nachvollziehbar sollten sie sein, aber es darf auch ruhig ein wenig Kitsch drin vorkommen und man darf auch mal die rosarote Brille aufziehen. Hier jedoch empfand ich es an manchen Stellen ein wenig übertrieben..

Wenigstens hat Maeve Binchy einen Scheibstil ohne besonderen Anspruch. Man kann das Werk also lesen, dann vielleicht liegen lassen und wenn man mag, irgendwann mal wieder drin blättern.

Leider war dieses Buch absolut nicht so, wie ich es erwartet habe.
Der Buchtitel spielt eine viel zu nebensächliche Rolle. Es kommen viel zu viele Themen drin vor. Viel zu wenig Themen werden wirklich intensiviert.

Von mir gibt es daher an dieser Stelle keine Weiterempfehlung.

©2016