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Veröffentlicht am 04.04.2023

Eine willensstarke, mutige, junge Frau bricht aus den Fängen des Alltags aus

Die Radfahrerin
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Eine junge Frau in den Zwanzigern, die sich in ihrer kleinen Welt im Judenviertel von Boston eingesperrt fühlt. Als Annie von einer Wette erfährt, die besagt, dass es einer Frau niemals gelänge mit einem ...

Eine junge Frau in den Zwanzigern, die sich in ihrer kleinen Welt im Judenviertel von Boston eingesperrt fühlt. Als Annie von einer Wette erfährt, die besagt, dass es einer Frau niemals gelänge mit einem Fahrrad um die Welt zu fahren, ergreift sie die Möglichkeit und beschließt aller Welt das Gegenteil zu beweisen. So entkommt sie der Gefangenschaft ihres Lebens für 15 Monate und gewinnt genug Geld um ihre Familie aus dem Judenviertel zu holen.

Erschwerend zum Verlassen ihrer Familie und dem Fakt, dass sie auf sich gestellt um die Welt radeln soll, kommen zusätzliche merkwürdige Wettbedingungen auf Annie zu. So darf sie nur eine Garnitur Unterwäsche zum Wechseln mitnehmen und muss unterwegs 5000 Dollar verdienen, ohne jedoch Geschenke annehmen zu dürfen.
Unterwegs erwarten Annie verschiedenste Gefahren und Zweifel. Gleichzeitig lernt sie die Liebe kennen und wächst über sich hinaus. Man erfährt viel aus Annies Erzählungen, ihrem Reisetagebuch und Zeitungsartikeln - wirklich beeindruckend was sie alles erlebt und wie sie sich auf der doch sehr beschwerlichen Reise schlägt.

Mir hat es wirklich sehr gut gefallen, Einblicke in die damalige Welt durch Annies Augen zu bekommen. Dabei waren, neben den Problemen und Vorurteilen gegenüber einer (jüdischen) Frau im Allgemeinen, vor allem die daraus resultierenden Folgen für Annies Reise interessant. Annie fährt zum Beispiel wegen ihrer jüdischen Abstammung nicht unter ihrem eigenen Nachnamen Kopchovsky, sondern nimmt den Namen Annie Londonderry an. Erst recht wird sie schräg angeschaut und teilweise abstoßend behandelt als sie sich anstelle ihres Kleides mit Korsett eine fahrradtauglichere Garnitur zulegt.
Außerdem ist es viel spannender eine Geschichte, die in der Vergangenheit spielt, zu lesen, wenn man weiß, dass sie (zumindest größtenteils) wirklich so geschehen ist.

Der Schreibstil von Susanna Leonard hat mir gut gefallen. Ich habe vor mir auch andere ihrer Romanbiografien vorzunehmen . Obwohl es nicht viel geschichtliche Grundlage von und über Annie Londonderry gibt, wirkt das Buch sehr authentisch. Annie erwarten immer neue Hindernisse und Gefahren auf ihrem Weg. Es bleibt immer spannend wie sie damit zurecht kommt und was als nächstes wohl geschehen wird. Es gibt einen stetigen Wechsel zwischen Annies Erzählungen, Einträgen aus Annies Reisetagebuch und Situationen bei den Dowes in Amerika - ein sehr abwechslungsreicher Erzählstil also.

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Veröffentlicht am 23.03.2023

Ein sehr kurzes Vergnügen

Katz und Maus
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Dr. David Hunter findet vor seiner Haustür in Taschen abgelegte Leichenteile. Es gilt herauszufinden, wem der abgetrennte Fuß gehört und wer ihn vor Davids Haustür abgelegt hat.
Es handelt sich um eine ...

Dr. David Hunter findet vor seiner Haustür in Taschen abgelegte Leichenteile. Es gilt herauszufinden, wem der abgetrennte Fuß gehört und wer ihn vor Davids Haustür abgelegt hat.
Es handelt sich um eine Kurzgeschichte von 56 Minuten Länge. Der Weg der Ermittlung ist dementsprechend recht kurz und führt über wenige Verdächtige und ohne viele Umwege oder Irreführungen zur Auflösung. Interessant, aber kein typischer Hunter-Thriller - einfach zu kurz für eine überraschende Wendung, schätze ich.
Dennoch lernt man wie in der zugehörigen Reihe auch hier etwas neues über den Verwesungsprozess und den Einfluss der Umgebung auf diesen.

Veröffentlicht am 23.03.2023

Das Geheimnis des St. Jude

Die ewigen Toten
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Ein schauriger Tatort mehrerer Morde. Dunkel und seit langem verlassen liegt das stillgelegt Krankenhaus St. Jude im Wald im Norden Londons. Natürlich wird Dr. David Hunter zu Rate gezogen als in der Tiefe ...

Ein schauriger Tatort mehrerer Morde. Dunkel und seit langem verlassen liegt das stillgelegt Krankenhaus St. Jude im Wald im Norden Londons. Natürlich wird Dr. David Hunter zu Rate gezogen als in der Tiefe des Dachbodens eine mumifizierte schwangere Frauenleiche gefunden wurde. Bei der genaueren Untersuchung der Leiche bricht der Rechtsmediziner durch den morschen Boden des Dachbodens in das darunter liegende Geschoss durch. Das St. Jude ist ein riesiges Labyrinth, der Mediziner scheint von unten nicht auffindbar zu sein und die Einsatzkräfte müssen von oben anrücken. Dabei stellt sich heraus, dass sich noch mehr Leichen in einem komplett geschlossenen und nachträglich entstandenen Raum befinden, die David noch mehr Rätsel aufgeben.

Typisch für die David Hunter-Reihe laufen auch hier wieder mehrere parallele Handlungen am Schluss zusammen und ergeben eine Mordermittlung mit teilweise unerwarteter Wendung am Ende. Wieder bringt sich David des öfteren in Lebensbedrohliche Situationen, wobei auch Grace erneut mit von der Partie ist.

Die grausige dunkle Atmosphäre kommt gut an und baut zusammen mit der Rätselhaftigkeit der Morde und Davids (erneut) nach hinten losgehenden Barmherzigkeit eine Spannung auf, die bis zur Auflösung erhalten bleibt - nicht zuletzt dank dem Leser Johannes Steck.

Veröffentlicht am 19.03.2023

Wettrennen gegen die Flut

Totenfang
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Wieder ein spannender Thriller der David Hunter-Reihe, in der David öfter denn je in (Lebens)Gefahr schwebt. In diesem Buch lernt man mehr über die Verwesung im und um das Wasser herum - auch sehr spannend. ...

Wieder ein spannender Thriller der David Hunter-Reihe, in der David öfter denn je in (Lebens)Gefahr schwebt. In diesem Buch lernt man mehr über die Verwesung im und um das Wasser herum - auch sehr spannend. Außerdem wieder eine neue Romanze mit Rachel, die sich allerdings zunehmend verkompliziert.

Dieses Mal führt David seine Arbeit als forensischer Anthropologe in die Backwaters, wo eine Wasserleiche gefunden wurde, die vielleicht oder vielleicht auch nicht einst der verschwundene Sohn Leo Villiers eines einflussreichen Mannes der Gegend war.
Auf dem Weg zur Obduktion nimmt David einen Umweg auf sich. Da er nicht ortskundig ist und die Flut schneller kommt als gedacht, steckt er mit seinem Wagen mitten in der Landschaft im Wasser fest. Nachdem der schroffe Andrew Trask Davids Wagen aus dem Wasser gezogen und zu sich nach Hause abgeschleppt hat, erfährt David, dass sich in näherer Zukunft kein Abschleppdienst anfordern lässt. So beschließt er, sich bei den Trasks in ihrem Bootshaus einzuquartieren, während er das Rätsel um Leo Villiers zu lösen versucht und die Schwester der vermissten Mrs. Trask näher kennenlernt.

Mal wieder kommt es nicht wie gedacht und die Auflösung ist trotz etwaiger Vermutungen immer noch spannend - auch wenn man bereits gut mit dem Stil von Simon Beckett vertraut ist und weiß, dass es immer eine unerwartete Wendung gibt  .

Auch diesen Band liest Johannes Steck - und das wie immer sehr gut  .

Veröffentlicht am 13.03.2023

Schrecken im Dartmoor

Verwesung
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Wieder ein guter Thriller mit und über David Hunter. Endlich erfährt man mehr über seine Vergangenheit, seine Familie und was genau geschehen ist.

David Hunter wird zu einem Fall in Dartmoor hinzugezogen. ...

Wieder ein guter Thriller mit und über David Hunter. Endlich erfährt man mehr über seine Vergangenheit, seine Familie und was genau geschehen ist.

David Hunter wird zu einem Fall in Dartmoor hinzugezogen. Nachdem vier junge Frauen ermordet wurden, wurde Jerome Monk wegen Mordes verhaftet, der später alle vier Morde gestand. Bisher hatte Monk ein Geheimnis aus den Orten der Gräber der Mädchen gemacht und behauptet sogar sich nicht an die Morde erinnern zu können, doch nachdem Tina Williams im Dartmoor gefunden wurde, scheint er sich kooperativ zu zeigen.
David versucht mithilfe der psychologischer Beraterin Sophie und seinem alten Bekannten Terry Conner die Gräber der ermordeten Bennett-Zwillinge zu finden, jedoch vergeblich.
Acht Jahre später bricht Monk aus dem Hochsicherheitsgefängnis aus und scheint sich an allen rächen zu wollen, die damals an der Ermittlung teilgenommen haben.

In diesem Band lag der Fokus, meiner Meinung nach, etwas weniger auf der Forensik, wie man es eigentlich von David Hunter gewohnt ist. Das mag zum einen daran liegen, dass lediglich eine Leiche gefunden wurde, zum anderen wurde die Leiche die zudem durch den Moor konserviert. Das macht das Buch zwar in dieser Hinsicht weniger lehrreich, allerdings keineswegs weniger spannend .
Im Gegensatz zu Band 3 „Leichenblässe“ der David Hunter-Reihe, bekommt der Leser dieses Mal keinen Einblick in die Gedanken des Mörders. Dafür lernt man David besser kennen, dadurch dass der Anfang vor dem ersten Band spielt als Davids Frau Kara und seine Tochter Alice noch am Leben sind.
Wieder geraten David und Menschen in seinem Umfeld in spannende Gefahr. Wie es typisch ist für Simon Beckett, finden sich auch in diesem Thriller mehrere Plottwists - manche wirklich unvorhergesehen, andere eventuell etwas berechenbar  .
Spoiler
Wie in vorherigen Bänden findet sich der Mörder in Davids momentanem Umfeld. Das ist keineswegs schlecht oder gar langweilig, macht allerdings Wendungen in der Handlung etwas vorhersehbarer.
Ab hier wieder spoilerfrei

Wie gewohnt liest Johannes Steck auch diesen Band - und das wie immer sehr gut  .