Viele abwechslungsreiche Wendungen, aber melodramatisch
Das romantische Château in Frankreich – Ein Neuanfang für ÉlodieDie Inhaltsangabe des Verlags kreiert eine Situation, die nicht viel mit dem Roman zu tun hat. Erstens gibt es im Buch keine Dreiecksgeschichte und zweitens scheint das Dorf aus bloß sechs Einwohnern zu ...
Die Inhaltsangabe des Verlags kreiert eine Situation, die nicht viel mit dem Roman zu tun hat. Erstens gibt es im Buch keine Dreiecksgeschichte und zweitens scheint das Dorf aus bloß sechs Einwohnern zu bestehen, von denen gerade mal eine (oder zwei) bei dem Dreh dabei sein möchte/n. Zumal es auch etwas dauert, bis Élodie in ihrem Heimatdorf ankommt. 1,5 Kapitel werden aufgewendet, um Élodies Lage klarzumachen: eine Jura-Studentin in Paris, die zum dritten Mal das Examen verkackt hat und nun aufs Land zu den Eltern flieht. Dort will sie für den vierten Anlauf lernen und die Eltern hat sie sowieso zwei Jahre lang schon nicht mehr gesehen. Der Vater ist den ganzen Roman entlang entsprechend angesäuert und ruppig. Das Hotel der Eltern ist überraschend voll, denn im Schloss wird ein Film gedreht. Die Geschichte, wie Élodie zum Filmdreh kommt, ist etwas umständlich und ich hatte insgesamt den Gedanken, dass die Geschichte verschleppt wird. In den ersten Kapiteln hat mich gestört, dass Claire Bonnett viele Nebensächlichkeiten beschreibt wie unbedeutsame Gesten oder Hintergrundgeräusche. Die Szenen werden wie für einen Film geschildert. Es dauert lange, bis die Autorin mehr ins Erzählen kommt. Die Gefühle und Stimmungen sind kaum spürbar. Gestört hat mich zudem die pubertäre Sicht der Hauptfigur, aus deren Augen heraus die Story erzählt wird. Vieles hat eine übertriebene Bedeutsamkeit, die ich nicht nachvollziehen kann. Deshalb habe ich die letzten drei Kapitel nur noch überfolgen, nachdem mir die letzte Wendung zu melodramatisch und unrealistisch war. Vorher habe ich bereits nicht begriffen, wieso Élodie einen Vorwand braucht, um zum Schloß zu gehen und ihrem Jugendfreund einen Besuch abzustatten; wieso es so schwer ist, mit ihm zu reden. Es gibt viel meines Erachtens künstliches Drama, welches rein durch Élodies Bewertung entsteht. Dabei wurde mir aber nicht klar, wie sie zu dieser Bewertung kommt. Andererseits ist das vielleicht nicht so schlecht in einem Feel-Good-Roman, dass man als Leser*in die ganzen negativen Dinge wie die Angst, im Examen zu versagen, oder den Frust, bereits so oft versagt zu haben, nicht wirklich abbekommt. Den Versuch, französischen Flair zu verbreiten, indem französische Redewendungen verwendet wurden, fand ich misslungen. Ich finde diesen Kunstgriff grundsätzlich billig. Als positiv kann man anführen, dass die Story viel Abwechslung enthält. Es passiert einiges. Trotzdem fand ich es mühsam, das Buch zu lesen, obwohl es sprachlich in Ordnung ist. Ich gebe diesem Roman 3 Sterne.