Funkelndes Rubinglas eingefasst in einem literarischen Juwel
Träume aus FeuerIm 17. Jahrhundert war das Erschaffen von Gold der Traum eines jeden Alchemisten. Johannes Kunckel hatte aber bereits zu diesem Zeitpunkt erkannt, dass dieser Wunsch eine Illusion bleiben würde und verschrieb ...
Im 17. Jahrhundert war das Erschaffen von Gold der Traum eines jeden Alchemisten. Johannes Kunckel hatte aber bereits zu diesem Zeitpunkt erkannt, dass dieser Wunsch eine Illusion bleiben würde und verschrieb sich so der Glaskunst, in der er seine eigene Magie einzufangen schien. Durch die Gunst des Kurfürsten von Brandenburg bekam er die Möglichkeit dieser auf seiner eigenen Insel, der Pfaueninsel, nachzugehen. Die Verstrickungen mit dem Leben am Hofe konnten aber selbst damit nicht verhindert werden und so sah sich Kunckel mit immer wieder neuen Herausforderungen konfrontiert, die sein eigenes Bestehen gefährden.
Florian Illies erweckt in seinem Roman „Träume aus Feuer“ beeindruckend das Wirken des Johannes Kunckel zum Leben. Als Kunsthistoriker, Journalist und Bestsellerautor ist er bekannt für seine historischen Romane und seine Erzählkunst. Realistisch arbeitet Illies die tatsächlichen Ereignisse auf und führt sie zu einer einnehmenden Geschichte zusammen.
Johannes Kunckel, der neben seiner herausragenden Glasmacherei auch Bekanntheit durch seinen naturwissenschaftlichen Ansatz erlangt hat, tritt als umsichtiger, zurückhaltender und bedachter Charakter auf. Er steht im starken Kontrast zu den exzentrischen Persönlichkeiten des brandenburgischen Hofes. Als Leserin konnte ich so ein vielschichtiges Bild der Dynamiken dieser Zeit aufbauen und das Gefühl bekommen, diese auch wirklich zu verstehen, indem ich sie in ihrer Entwicklung mitverfolgen konnte. Gleichzeitig besticht der Roman durch die poetische Zeichnung der Landschaften und Natur und die faszinierenden Schilderungen der Abläufe in den Glaswerkstätten, durch die ich tief in Kunckels Leben abgetaucht bin und es in jedem Moment vor Augen sehen konnte.
„Träume aus Feuer“ hat mich vor allem durch seine atmosphärische Dichte gefesselt, durch die ich die Geschichte sehr intensiv beobachten konnte. Beim Lesen habe ich sehr genossen in dieser Atmosphäre versinken und abschalten zu können. Die enorm entschleunigende und erholsame Wirkung des Erzählens, die gleichzeitig aber auch einen Sog entwickelt hat, durch den ich den Roman nicht mehr weglegen wollte, ist für mich einzigartig.
Illies ist es gelungen die leuchtende und wertvolle Welt der Glasmacherkunst und des farbigen Glases in ebenso farbenfrohe Worte zu verpacken und letztendlich sein eigenes Prosa-Juwel zu erschaffen. Ein Buch, bei dem ich traurig war, dass es schon wieder vorbei ist, da es aus meiner Sicht gerne etwas länger hätte sein dürfen.