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KatharinaD

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Veröffentlicht am 04.06.2026

Funkelndes Rubinglas eingefasst in einem literarischen Juwel

Träume aus Feuer
1

Im 17. Jahrhundert war das Erschaffen von Gold der Traum eines jeden Alchemisten. Johannes Kunckel hatte aber bereits zu diesem Zeitpunkt erkannt, dass dieser Wunsch eine Illusion bleiben würde und verschrieb ...

Im 17. Jahrhundert war das Erschaffen von Gold der Traum eines jeden Alchemisten. Johannes Kunckel hatte aber bereits zu diesem Zeitpunkt erkannt, dass dieser Wunsch eine Illusion bleiben würde und verschrieb sich so der Glaskunst, in der er seine eigene Magie einzufangen schien. Durch die Gunst des Kurfürsten von Brandenburg bekam er die Möglichkeit dieser auf seiner eigenen Insel, der Pfaueninsel, nachzugehen. Die Verstrickungen mit dem Leben am Hofe konnten aber selbst damit nicht verhindert werden und so sah sich Kunckel mit immer wieder neuen Herausforderungen konfrontiert, die sein eigenes Bestehen gefährden.

Florian Illies erweckt in seinem Roman „Träume aus Feuer“ beeindruckend das Wirken des Johannes Kunckel zum Leben. Als Kunsthistoriker, Journalist und Bestsellerautor ist er bekannt für seine historischen Romane und seine Erzählkunst. Realistisch arbeitet Illies die tatsächlichen Ereignisse auf und führt sie zu einer einnehmenden Geschichte zusammen.

Johannes Kunckel, der neben seiner herausragenden Glasmacherei auch Bekanntheit durch seinen naturwissenschaftlichen Ansatz erlangt hat, tritt als umsichtiger, zurückhaltender und bedachter Charakter auf. Er steht im starken Kontrast zu den exzentrischen Persönlichkeiten des brandenburgischen Hofes. Als Leserin konnte ich so ein vielschichtiges Bild der Dynamiken dieser Zeit aufbauen und das Gefühl bekommen, diese auch wirklich zu verstehen, indem ich sie in ihrer Entwicklung mitverfolgen konnte. Gleichzeitig besticht der Roman durch die poetische Zeichnung der Landschaften und Natur und die faszinierenden Schilderungen der Abläufe in den Glaswerkstätten, durch die ich tief in Kunckels Leben abgetaucht bin und es in jedem Moment vor Augen sehen konnte.

„Träume aus Feuer“ hat mich vor allem durch seine atmosphärische Dichte gefesselt, durch die ich die Geschichte sehr intensiv beobachten konnte. Beim Lesen habe ich sehr genossen in dieser Atmosphäre versinken und abschalten zu können. Die enorm entschleunigende und erholsame Wirkung des Erzählens, die gleichzeitig aber auch einen Sog entwickelt hat, durch den ich den Roman nicht mehr weglegen wollte, ist für mich einzigartig.

Illies ist es gelungen die leuchtende und wertvolle Welt der Glasmacherkunst und des farbigen Glases in ebenso farbenfrohe Worte zu verpacken und letztendlich sein eigenes Prosa-Juwel zu erschaffen. Ein Buch, bei dem ich traurig war, dass es schon wieder vorbei ist, da es aus meiner Sicht gerne etwas länger hätte sein dürfen.

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Veröffentlicht am 23.03.2026

Ein Abend wie ein ganzes Leben

Die Dinner Party
1

Eine verhängnisvolle Dinnerparty wird zum Wendepunkt in Francas Leben. Ein Abend, an dem Menschen zusammenkommen, die nicht unterschiedlicher sein könnten und der genug Krisen für ein ganzes Leben enthält. ...

Eine verhängnisvolle Dinnerparty wird zum Wendepunkt in Francas Leben. Ein Abend, an dem Menschen zusammenkommen, die nicht unterschiedlicher sein könnten und der genug Krisen für ein ganzes Leben enthält. Doch wie soll Franca danach weitermachen, wenn sie sich an den entscheidenden Moment „mit dem Messer“ einfach nicht erinnern kann? Gemeinsam mit ihrer Therapeutin Stella versucht sie sich den Geschehnissen des Abends anzunähern und erlebt dabei, wie Bruchstücke aus Erinnerungen und Gefühlen ihrer Vergangenheit sich nach und nach zusammensetzen.

Mit beispielloser Tiefe und Eindringlichkeit gibt Viola van de Sandt mit dem Roman „Die Dinner Party“ ihr Debüt in deutscher Sprache. Eine Geschichte über Wut und Verletzung, aber auch female empowerment und das Infragestellen der eigenen und gesellschaftlichen Vorstellungen. Auch ihr persönlicher Hintergrund des Studiums der vergleichenden Literaturwissenschaft und der Englischen Literatur in London findet sich in ihrem Buch wieder und bereichert mit realistischen, interessanten Diskussionen die Handlung.

Franca tritt als verängstigte junge Frau auf, die versucht nach diesem alles verändernden Abend Kontrolle über ihr Leben und ihre Stärke wiederzuerlangen. Ich habe jeden Moment des Buches aus ihren Augen gesehen und alles mit ihr gemeinsam durchlebt. Es ist beeindruckend, wie es der Autorin gelungen ist, mich als Leserin mit Franca auf der emotionalen Ebene verschmelzen zu lassen. Eine derartige Nähe zur Protagonistin, in der sich ihr Innerstes nicht nur offenbart, sondern gefühlt für einen Moment in mein Eigenes übergeht, habe ich selten so empfunden. Wenn auch zum Teil schwer zu ertragen, macht es diesen Roman einzigartig und echt und für mich zu einem Lesehighlight.

Nicht nur Franca stellt eine starke und komplexe Frauenrolle dar, auch alle anderen Personen sind enorm vielschichtig. Jeder Charakter hat sein eigenes Päckchen, das dazu beiträgt, dass der Abend aus dem Ruder läuft, egal ob schon initial eng verstrickt, wie ihre Mutter und ihr Verlobter oder eigentlich unbekannt und von symbolischer Bedeutung, wie der selbstgerechte, frustrierte Gerald. Auch sie werden aus verschiedenen Blickwinkeln in den Phasen von Francas Verarbeitung betrachtet, was mich während des Lesens immer wieder aufs Neue dazu gebracht hat meine Einstellungen zu überdenken.

Der Roman überzeugt zudem durch einen vernichtend ehrlichen Schreibstil, der Francas Wahrnehmung und Verstörung spiegelt und keine andere Wahl lässt, als in ihre Gefühlswelt abzutauchen. So habe auch ich als Leserin mich mit Franca permanent entwickelt. Da sich das gesamte Buch um den Verlauf dieses einen Abends dreht, habe ich mit ihr so immer wieder neue Perspektiven auf die Ereignisse eingenommen. Das macht „Die Dinner Party“ für mich sehr überraschend und unvorhersehbar, voller Schicksale und einer Wendung, die ich nicht habe kommen sehen.

Intensiv, ehrlich, skurril. Ein Buch, das unter die Haut geht und mich nicht mehr losgelassen hat. Viola van de Sandt lässt die Grenzen von Realität und Vorstellung verwischen. „Aber die Geschichte ist ja nur der Anfang eines Buches. Und ein Buch endet erst dann, wenn es nicht mehr gelesen wird.“, beschreibt Franca in einem Moment der Geschichte (S. 315), während zeitgleich Viola van de Sandt ebendies in ihrem Roman eindrucksvoll demonstriert. Absolute Empfehlung (dabei bitte die Triggerwarnung beachten)!

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