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Veröffentlicht am 11.10.2018

Spannung Fehlanzeige

Pfad der Lügen
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Sally lebt mit Matthew, ihrem Mann und ihren Kindern Chloe und Theo zusammen. Eine Familie wie im Bilderbuch, denkst du? - Da täuschst du dich. Da Theo sehr wenig schläft und gefühlt ewig zum Einschlafen ...

Sally lebt mit Matthew, ihrem Mann und ihren Kindern Chloe und Theo zusammen. Eine Familie wie im Bilderbuch, denkst du? - Da täuschst du dich. Da Theo sehr wenig schläft und gefühlt ewig zum Einschlafen benötigt, wird Sally immer angespannter. 4 Stunden Schlaf? – Für sie ein Traum. Da ist Matthew ihr auch keine Hilfe, ganz im Gegenteil: Nett gemeinte Gesten führen zu noch mehr Stress für Sally. Sie hat das Gefühl, bald unter der Last zusammenzubrechen. Und dann wacht sie eines Nachts in Cornwall am Rand von Klippen auf und alles deutet drauf hin, dass sie Selbstmord begehen hat wollen. Für sie selbst ist jedoch klar: Sie würde das ihren Kindern niemals antun. Wer also hat alles so eingerichtet, dass es wie ein Selbstmord aussah? Und die viel wichtigere Frage: Warum?


So spannend sich das alles vielleicht anhören mag, ich möchte gleich vorwegnehmen: Spannung hatte ich in diesem Buch wenig und auch die Handlung hat mir nicht gefallen.

Klar, irgendwie war sie ja schon außergewöhnlich und verworren und tragisch und…ja. Aber irgendwie konnte mich all das nicht mitreißen.

Vielleicht liegt das daran, dass ich mich mit keiner der Personen identifizieren konnte. Keine lieb gewinnen konnte. Im Gegenteil, eine Person unsympathischer als die andere. Immer dieses oberflächliche Gelaber von wegen „Wir kriegen das schon alle zusammen hin“, oder „Ich helfe dir“. Und die Gedanken von Sally sind auch nicht gerade besonders…interessant.

Auf den ersten 150 Seiten drehen sich diese permanent um Theo und wie sie es bloß mit ihm aushalten soll. Nun könnte man argumentieren, dass es wichtig war, darzustellen, wie schlecht es ihr ging – aber ehrlich, ich hätte das nicht in dem Ausmaß gebraucht. Für mich war da einfach zu wenig Bewegung in der Hautperson. Die meiste Zeit war sie einfach daheim und hat immerzu dasselbe gedacht, mit Personen um sich herum, die sich meistens übertrieben höflich verhielten (was mir als Leser mit der Zeit ziemlich auf die Nerven ging.)

Das Ende war das einzige, was mich noch ansatzweise irgendwie berührt hat. Aber dann habe ich das Buch zur Seite gelegt und mir gedacht: War ja irgendwie klar, so was in der Art.

Enttäuschung. Meine Vermutung: Das liegt einfach daran, dass die Autorin ihre Charaktere dem Leser so gestaltet hat, dass man gar kein Interesse daran hat, wie es mit ihnen weitergeht, denn sie sind einem weder sonderlich sympathisch noch übertrieben unsympathisch.

Auch wenn es da natürlich Kelly gibt. Aber selbst da wollte sich keine große Unsympathie bei mir breitmachen – vermutlich, weil da nicht genug Sympathie für Sally war.

Deshalb schließe ich mit dem Fazit:
An sich vielleicht keine schlechte Idee, aber gewiss ausbaufähig. Besonders, was Spannung angeht.

Veröffentlicht am 03.09.2018

So abwechslungsreich wie die Geschichtsschreibung, ist auch dieses Buch

Land im Sturm
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Auf über 900 Seiten durchlaufen wir die Geschichte von 955 im Welschen in den Alpen bis 1848 in Deutschland. 5 Teile, die aufeinander aufbauen und zentrale Wendepunkte der Geschichte markieren.
„Land im ...

Auf über 900 Seiten durchlaufen wir die Geschichte von 955 im Welschen in den Alpen bis 1848 in Deutschland. 5 Teile, die aufeinander aufbauen und zentrale Wendepunkte der Geschichte markieren.
„Land im Sturm" von Ulf Schiewe war für mich ein Glücksgriff.

Ich gebe zu, 925 Seiten Buchlänge mögen zunächst erschreckend wirken. Bei diesem Buch braucht man jedoch wirklich nicht in Sorge sein:
Der flüssige Schreibstil und die handlungsreiche Geschichte lassen einen schnell jegliche anfängliche Sorge vergessen.
Deshalb meine Bitte: Wendet euch nicht wegen der Seitenzahl gleich von diesem Buch ab, bevor ihr Näheres wisst oder die ersten 3 Kapitel gelesen habt:
Gebt diesem Buch eine Chance.

Inhaltsübersicht:

Teil 1:
955. Kleines Dorf, von Welschen, Nachkommen romanisierter Kelten, bewohnt. Genauer: In einer Familie eines Hufschmieds, dessen Erbe Arnulf antreten wird. Sein älterer Bruder Volkmar möchte Bauer werden. Wie es das Schicksal will, wirft die Vogtstochter ein Auge auf Arnulf. Und dann ist da noch die Angst vor den Ungarn, die jeden Moment einziehen und alle Dörfer plündern könnten. Die Probleme nehmen ihren Lauf...

Teil2:
Lüneburg/Lümborg, 1146. Wieder in einer Schmiedsfamilie, bestehend aus Arnulf und Gero, vermutlich Nachkommen des Arnulfs aus Teil1. Außerdem im Wendenland bei deren Schwester Irmhild, die mit Erik zusammen ist. Dieser, einst ein sächsischer Fischerssohn, versucht nun sein Glück als Seefahrer und Kaufmann.
Kein Leben in Frieden: Die Angst und Unsicherheit plagen sie. Denn die Sachsen werfen begehrliche Blicke auf das heidnische Wendenland, Herzog Heinrich der Löwe bereitet schon einen Kreuzzug gegen dieses vor.
Zu allem Unglück geraten Gero und Arnulf auch noch in eine Schlägerei, deren Konsequenzen Gero bis in den Tod hinein verfolgen...

Teil3:
1647. Ein Krieg jagt schon seit beinahe 30 Jahren übers Land und „hinterlässt eine breite Schneise des Schreckens und des Elends". Das Volk leidet unter den Machtkämpfen der Fürsten. Wir begleiten eine Schwadron unter der Leitung von Ewalt Freiherr von Billung, deren Vorfahren uns in in den Teilen zuvor als Nebenpersonen begegnet sind.
Doch in der Schwadron rumort es. Noch mehr in Ewalts Herz: Er hat genug vom Krieg und nicht übel Lust, zu desertieren. Wenn nötig, mit der ganzen Truppe...

Teil4:
„Januar 1813. Napoleon hat eine empfindliche Niederlage erlitten. (...) Niemand denkt daran, die Monarchie abzuschaffen, und doch muss sie erneuert werden." Die preußische Armee ist geschlagen und wird neu organisiert.
Der König zögert: Er hat Angst, durch seine Entscheidung sein ganzes Land zu verlieren.
Wir sind in einer Familie, Nachfahren der Schmiedsfamilie. Noch stehen sie finanziell gut. Wir begleiten Hedwig, die die meiste Zeit auf ihrer Arbeit bei den Buschardts als Magd verbringt.
Alles gut so weit, wäre nicht eines Tages der Freiherr Ewalt von Billung bei den Buschardts zu Gast gewesen und hätte er kein Auge auf Hedwig geworfen...

Teil5:
Februar 1848.
Hedwigs Sohn Ewalt ist "ein fähiger Ingeneur" geworden. "Fabriken wachsen aus dem Boden und verdrängen die kleinen Handwerksbetriebe".
Deshalb steigt die Arbeitslosigkeit.
Hedwigs Familie gehört jedoch zu „den Gewinnern der industriellen Entwicklung". Aus der kleinen Hammerschmiede ist die Schmitt-Werke geworden, die sich nun auf den Bau von Dampfmaschinen und Gleisen konzentriert.
Ob das jedoch so bleibt, ist fraglich, denn die Konkurrenz ist hart...

Familiennamen tauchen immer wieder auf, so besonders die Namen Hedwig, Arnulf, Gero, Ewalt und von Billung. Im Prinzip begleitet man das komplette Buch über die gleichen Familien, sodass sich ein besonderer Effekt herausbildet: Man wird Zeuge einer Familiengeschichte. Verwechslungsgefahr besteht meiner Meinung nach jedoch nicht.

Auch hat man keine Schwierigkeiten, sich in die jeweilige Zeit mit ihren wirtschaftlichen und politischen Problemen einzufinden, da der Autor vor jedem Teil zwischen 1 und 3 Seiten die aktuelle Lage kurz und anschaulich geschildert hat.

Das Buch ist gespickt mit zahlreichen Dialogen, aber auch die Beschreibungen der Umgebungen und Arbeitstechniken sowie die Gesellschaft zu dieser Zeit bewegende Themen kommen nicht zu kurz.
Aber auch hier braucht man nicht in Sorge zu sein: Der Autor versteht es wunderbar, wahre Begebenheiten mit Fiktion zu vermischen, ohne, dass sich der Leser dabei langweilt. Im Gegenteil, in mir ist zumindest mein geschichtliches Interesse wieder vollends aufgeblüht!

Ich denke, die Inhaltsübersicht zeigt zur Genüge auf, wie abwechslungsreich die Handlungen des Buches sind. Es wird einem nie langweilig, da der Autor immer gekonnt alles, was das Leserherz begeht, miteinander vermischt. Nichts kommt zu kurz, nichts ist zu lang.

Politik, Wirtschaft, Handwerk, Militär, Kampf, Waffen – Langeweile? Sicherlich nicht.
Wer wirklich an nichts von alledem Interesse hat – den interessiert vielleicht die Art zu leben der Menschen an sich, die Ängste, die sie plagten oder die Art, wie mit Krankheiten umgegangen wird.
Selbst (tragische) Liebschaften und Tode kommen hier nicht zu kurz. Das nur, um zu zeigen, was für Themen in diesem Buch unterschwellig mit aufgegriffen werden.

Zu den Figuren lässt sich sagen: Sie sind mir sehr stark ans Herz gewachsen, was sicherlich auch der Tatsache geschuldet ist, dass man eine Familiengeschichte miterleben durfte. Dabei sind die Charaktere ebenso abwechslungsreich wie die Handlung. Und findet man mal eine Ähnlichkeit zwischen den Verwandten – so freut man sich, diese wieder miterleben zu dürfen.

Mein Fazit:
Ein Buch, das ich niemals vergessen werde. Der Autor hat es geschafft, mich nicht nur für seine Werke, sondern auch für die wahren Begebenheiten, die dahinterstecken, zu öffnen.
Meine Empfehlung: Lesen, mitfiebern und faszinieren lassen!

Veröffentlicht am 02.07.2018

Zurückversetzt in die Zeit um 1682 – ein absolutes Highlight

Das Mätressenspiel
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Ein unglaublich gelungener historischer Roman von Anfang bis Ende – „Das Mätressenspiel“ von Martha Sophie Marcus.
1682, Hannover. Helenas Familie ereilt die schockierende Nachricht, dass ihr Zwillingsbruder ...



Ein unglaublich gelungener historischer Roman von Anfang bis Ende – „Das Mätressenspiel“ von Martha Sophie Marcus.
1682, Hannover. Helenas Familie ereilt die schockierende Nachricht, dass ihr Zwillingsbruder Lorentz umgekommen ist. Als ob das nicht schon schlimm genug ist, beansprucht ihr Onkel Roderik nun das gesamte Familienerbe für sich, da er der einzige verbliebene männliche Nachfahre der Familie Brünneck-Minnigerode ist.
Hinzu kommt die noch immer währende Verschuldung der Familie. Alle setzen nun auf Helena: Diese soll Adrian von Schwanewede heiraten und würde so das Gut Minnigerode sichern. Doch es kommt anders.
So muss sich Helena auf den Weg zu Hofe begeben. Ihre einzige Hoffnung – einen Ehemann zu finden, der ihrer Familie aus der Patsche helfen könnte.
Dass sie dabei jedoch in ein gefährliches Intrigenspiel der herzoglichen Mätresse gerät, damit hätte sie sicherlich nicht gerechnet.

Zu Anfang möchte ich gleich erwähnen: Das war mein erster historischer Roman und er konnte mich von Anfang an durchweg begeistern.
Die Autorin hat es durch den etwas altmodischen Redestil der Figuren geschafft, mich sofort in die Zeit des 17. Jahrhunderts zurückzuversetzen.

„Dein Urteilsvermögen in diesen Dingen ist über jeden Zweifel erhaben(S. 32).“

Wie eine Herzogin auf einem Schloss durfte ich mich dank zahlreicher nebensächlichen Komponenten fühlen: Die der Zeit angepassten Wortwahl, die (Schloss-)Gärten, die ungeschriebenen Regeln zu Hofe und die Art der Kleidung.
Was ich garantieren kann: Eine Spannung, die sich durch das gesamte Werk zieht, in einem stetigen Anstieg. Nur auf den letzten Seiten findet sich ein leichter Abfall, aber selbst da will man wissen: Und, wie geht es nun weiter?
All das nicht nur der interessanten Handlung wegen, viel mehr wegen der einfallsreichen Charaktere, die diese Autorin geschaffen hat. Diesen hat die Schriftstellerin nämlich eine solch realistische Form verliehen, auch im Hinblick auf den historischen Hintergrund, ihren jeweiligen Stand und ihre derzeitige Situation, dass man gar nicht anders konnte, als mit ihnen mitzufiebern.
Martha Marcus hat es geschafft, Emotionen so zu vermitteln, dass sie bis in mein Herz gedrungen sind.
„Die Spätsommersonne kämpfte mit den Wolken, so wie Helena mit den Wolken in ihrer Seele kämpfte(S. 435).“

Man kann gar nicht anders, als durch diese Wortwahl Helenas Leid am eigenen Leibe zu verspüren.
Fragen wie „Wird Helena das Gut retten könnnen?“ oder, ob sie es schafft, sich geschickt aus dem Intrigenspiel zu ziehen, erhalten die Spannung bis zum Ende.

Mich hat sehr beeindruckt, wie Helena trotz allem Haltung bewahrt. Das macht sie einem als Leser besonders sympathisch, fast schon zu einem Vorbild, zu einer Heldin.

„Ihr fühlt euch so sicher in Eurem Spinnennetz, dass ihr vergesst, wozu jemand in der Lage sein könnte, der nichts mehr zu verlieren hat(S. 423).“ Das trifft Helenas Situation gegen Ende recht gut.

Zudem habe ich mit diesem Buch einen informativen Einblick in die damalige Zeit bekommen, insbesondere, wie es zu Hofe zuging, was für eine Macht eine Mätresse innehaben konnte und vor allem, wie die Mentalität damals war. Die Umgangsformen.
Das einzige, was ich zu bemängeln hätte, wären möglicherweise einige Ereignisse in den letzten Kapiteln. Auch wenn es dazu beitrug, das Ende der Geschichte maßgeblich zu begründen, leider zum Leidwesen der Glaubhaftigkeit. Allerdings möchte ich an dieser Stelle nicht allzu viel verraten, da ich sonst spoilern müsste.

Fazit:

Durch und durch gut umgesetzt. Ein gelungener Kompromiss zwischen stetig ansteigender Spannung; Gedanken, die einem mitgegeben wurden, und einem ersten Einblick in das Leben zu Hofe um 1682/84.
Martha Marcus hat mich mit diesem Buch so überzeugt, dass ich es kaum erwarten kann, auch ihre anderen Werke zu lesen.

[Herzlichen Dank für das Rezensionsexemplar von Bastei Lübbe. Auch vielen Dank für die Leserunde, in der ich die Autorin näher kennenlernen durfte – eine rundum sympathische Frau!]

Veröffentlicht am 03.09.2018

Ich bin zu sentimental

Ein Fiebelkorn
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„Ein Fiebelkorn" von Matthias Lanin ist eine außergewöhnliche fiktive Liebesgeschichte zwischen Johanna und Wilfried, die beide den 2. Weltkrieg noch miterlebt haben und nun alt sind.
Dabei beherbergt ...

„Ein Fiebelkorn" von Matthias Lanin ist eine außergewöhnliche fiktive Liebesgeschichte zwischen Johanna und Wilfried, die beide den 2. Weltkrieg noch miterlebt haben und nun alt sind.
Dabei beherbergt dieses Buch von Grund auf eine trübe Stimmung. Die aus der Sicht des alten Ehepaars erzählte Geschichte zeugt von einer Haltung, die mit dem Leben bereits abgeschlossen hat. Es scheint darauf hinauszulaufen, dass jetzt der Tod kommt. Dabei werden auch immer wieder die Schmerzen thematisiert, seelische wie physische.



Wer Action sucht, der ist mit diesem Werk nicht gut beraten, denn von krasser Spannung kann hier an keiner Stelle die Rede sein. Es ist viel mehr eine subtile.

Mir persönlich gefällt gerade diese subtile Spannung sehr gut. Bei diesem Buch hatte ich jedoch immer zu kämpfen. Anfangs war mir der Schreibstil etwas zu ungewöhnlich, die Sätze zu abgehackt. Während ich mich an die Schreibweise jedoch allmählich gewöhnt habe, wuchs meine Erwartung an die Handlung. Da in diesem Roman auf der Handlungsebene nicht großartig etwas passiert, blieb diese aus.

Womit er dann seine 266 Seiten füllt, fragst du dich? Nun ja, in der Fachsprache nennt sich das Stream of consciousness, was hier passiert. Assoziationen der Protagonisten. Und diese wechseln sich mit der Beschreibung der Umgebung und ein paar Dialogen ab.
Man kann sich das so vorstellen: Ein Stuhl wird beschrieben, sie sieht diesen und assoziiert ihn mit einem Brand in ihrer Vergangenheit. Dann verbindet sie das weiter mit dem gesamten Erlebnis an diesem Tag, was sie wiederum in die Gegenwart zu ihrem Ehemann Wilfried zurückholt, wo ihre Gedanken dann wieder zu sich selbst schweifen, was für Schmerzen sie doch hat und was sich doch alles geändert hat, seit sie alt ist und die Töchter aus dem Haus sind.

So ungefähr läuft dieses Buch ab. Für mich war es, wie man sicherlich raushören konnte, zu viel des Guten. Zu viele Assoziationen, zu wenig Handlung.

Und dann diese Stimmung. Ich gebe zu, ja, der Autor hat es gut drauf, Emotionen hochkommen zu lassen. Aber genau das hat sich hier negativ auf mich ausgewirkt, obwohl es eigentlich eine positive Eigenschaft ist.

Das Schlimmste an der ganzen Geschichte war für mich diese Distanz zum Leben. Ich musste bei diesem Buch so weinen, weil mir genau das so nahe ging. Ich habe mich gefragt: Warum nur seid ihr so drauf? Wie könnt ihr nur? Was muss passiert sein, dass ihr so sehr schon mit eurem Leben abgeschlossen habt? Diese Distanz ist tief in mein Herz gekrochen und hat sich dort festgesetzt. Lange habe ich das nicht ausgehalten.

Ich hatte eine schöne Liebesgeschichte erwartet. Ein wenig romantisch in die Vergangenheit zurückblickend. Stattdessen das.
Ich kann nur sagen, dieses Buch hat mich erschüttert und regelrecht fertig gemacht.
Ab der Hälfte des Buches habe ich die Seiten nur noch überfliegen können, mit Tränen in den Augen und einem Herzen, das so sehr vor Schmerz gebrannt hat, ich habe Stunden geheult!

Mein Fazit:
Wahrscheinlich bin ich zu sentimental für diesen Roman.
Mir ist er jedenfalls ziemlich an die Nerven gegangen. Viel zu nahe.
Objektiv gesehen kann ich dadurch schließen, dass dieses Buch nichts für schwache Nerven ist. Wer intensive, sich langsam aufbauende Gefühle jedoch geradezu genießt, der sollte sich dieses Buches annehmen.

Veröffentlicht am 03.09.2018

Erfolgreich mit Geld umgehen

Die Psychologie des Geldes
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Der Ratgeber "Die Psychologie des Geldes" von Ruedinger Dahlke verspricht ein "erfolgreicher[es] und glücklicher[es Leben] mithilfe der Lebensgesetzte". Hält er dieses auch?



Der Ratgeber regt zunächst ...

Der Ratgeber "Die Psychologie des Geldes" von Ruedinger Dahlke verspricht ein "erfolgreicher[es] und glücklicher[es Leben] mithilfe der Lebensgesetzte". Hält er dieses auch?



Der Ratgeber regt zunächst an, die eigenen Glaubenssätze zu entlarven, um einen dann mit dem Resonanz- und Polaritätsgesetz vertraut zu machen - 2 Gesetzte, die einem nicht nur im Umgang mit Geld, sondern auch im Leben weiterhelfen.

Der uns allen bekannte Spruch "Zeit ist Geld." wird auch näher unter die Lupe genommen.
Dabei wird diese Gleichung hinterfragt. "Wenn Zeit Geld ist, muss Geld auch Zeit sein, denn es ist die grundlegende Bedingung einer Gleichung, dass sie umkehrbar ist(S. 77)."

Außerdem wird ein Bezug zwischen Geld und Gefühlen, nicht zuletzt mithilfe einer Geldkurve, geschaffen. Diese beschreibt unsere Lebensqualität in Abhängigkeit von unserer Geldmenge, die wiederum in verschiedene Zonen, wie z.B. "Aufbaubereich" und "Luxuszone" aufgeteilt wird. Die Frage, der hier nachgegangen wird, ist, ob unsere Lebensqualität sich wirklich proportional zu unserer Geldmenge verhält. Hierbei kommt es vor allem auf die Begründung an: Warum dieser Gedanke, an den sich viele Menschen aus Existenzangst klammern, eben nicht aufgeht und wie wir mit dieser Erkenntnis umgehen können.

Erbschaften, Zinseszins, Immobilien- und Börsenspiele - alle diese Themen rückt der Autor in ein für mich neues Licht. Dies geschieht insofern, dass der Autor vom Kleinen aufs Große überträgt. Wenn wir Immobilien aufkaufen und wieder verkaufen oder mit Aktien handeln, sehen wir meistens nur unseren Weg. Wir sind fokussiert auf das, was wir benötigen, um Erfolg zu gernerieren. Dabei verlieren wir den Blick für die weitreichenderen Folgen unseres Handelns (nicht nur unsere persönliche Gewinnmaximierung oder eben unser Verlust). Und eben diese Konsequenzen zeigt uns dieses Buch auf und erschafft so ein Bewusstsein für eine Art Geldkreislauf, auf den zumindest ich vorher nicht gekommen bin.

Der Aufbau des Buches unterliegt einem nachvollziehbaren System: Jedes Kapitel beginnt mit einem Text (optional zuvor noch mit einem Zitat) und endet mit Fragen, die der Selbstreflexion dienen. Damit ist es dem Autor gelungen, den Leser nicht nur zu "belehren", sondern auch aktiv werden zu lassen. Er kann das allgemeine Thema nun individuell auf sich selbst beziehen. Ein Prozess, der den der Selbstfindung merklich unterstützt und ein neues Bewusstsein gegenüber Geld und v.a. gegenüber dem Umgang mit Geld oder materiellen Gütern schafft.

Leider konnte ich diese Fragen für mich manchmal nicht nutzen, da sie mehr auf Leute ausgelegt sind, die bereits Geld verdienen und ausgeben, für ihren eigenen Lebensunterhalt sorgen müssen.
Da ich momentan jedoch noch zur Schule gehe, konnte ich meine Geldausgaben und -einnahmen nicht groß hinterfragen, da diese nicht oder nur in geringem Maße existent sind.
Dennoch ist die Intention des Buches auch bei mir angekommen: Ein neues Bewusstsein dem Geld gegenüber hat sich in mir entwickelt. Ich habe gelernt, welche Folgen das Einnehmen und Ausgeben von Geld hat. Indirekte Folgen, an die man nicht gleich denken würde.

Und ich denke, vielleicht ist es sogar ganz gut, das Buch gelesen zu haben, schon bevor man groß in das Geldthema eingestiegen ist, da man durch das neue Bewusstsein an die Sache ganz anders herangehen würde als ein Mensch, der dieses Buch nicht gelesen hat. Ich möchte fast behaupten, dass dieses Buch eine gute Wappnung darstellt. Eine Wappnung vor einem Umgang mit Geld, den man (vielleicht) später bereuen würde.

Trotz der Tatsache, dass die Intention des Buches gelungen ist, waren einige Themen dabei, die mir schon bekannt waren. Diese hat der Autor jedoch so aufbereitet, dass ich eine neue Perspektive diesen gegenüber gewinnen konnte, sodass mich persönlich auch die "selbstverständlicheren Themen" nicht gestört haben.

Der Schreibstil des Autors hat meinen Lesefluss nicht beeinträchtigen können.

Mein Fazit:
Ein Buch, welches ein neues Bewusstsein im Umgang mit Geld schafft. Ob dieses dann letztendlich wirklich zum Glück führt, weiß ich (noch) nicht. Dennoch halte ich das Buch für eine wirksame Stütze auf dem Weg hin zum Glück. Wer gerne Selbstreflexion betreibt, dem sei dieses Buch jedenfalls ans Herz gelegt.
Außerdem möchte ich dieses Buch allen empfehlen, die von Reichtum träumen oder gar bereits reich sind, denn dieser Ratgeber eröffnet eine neue Perspektive auf das Geldthema, welche gerade den Menschen mit viel Besitz oder dem Traum von viel Besitz nicht unbekannt sein sollte.