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Veröffentlicht am 02.07.2025

Ziemlich schräg

Jesus, der Hund muss raus
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Jonas Goebel ist Pfarrer. Er und seine Frau Trixi leben in einer sehr ungewöhnlichen Wohngemeinschaft mit Jesus und Martin Luther. Nun ist auch noch ein Hund namens James dazu gekommen. Wie es zu dieser ...

Jonas Goebel ist Pfarrer. Er und seine Frau Trixi leben in einer sehr ungewöhnlichen Wohngemeinschaft mit Jesus und Martin Luther. Nun ist auch noch ein Hund namens James dazu gekommen. Wie es zu dieser Wohngemeinschaft kam, wird wohl in den ersten beiden Bänden erzählt. Diese kenne ich nicht, sondern habe nur Band 3 gelesen.

Hier schildert der Autor nun sehr real, wie er sich ein Zusammenleben mit Jesus und Martin Luther in unserer heutigen Zeit vorstellt. Der Autor hat die beiden historischen Figuren in unsere Zeit verfrachtet, und was dabei herauskommt, ist echt schräg. irgendwie komme ich mit einem Jesus, der vor dem Fernseher abhängt und "Germanys next Topmodel" schaut, der in der Sauna Aufgüsse macht und sich ein Tattoo stechen lässt, gar nicht gut zurecht. Auch wenn Martin Luther, bei einem gemeinsamen Besuch der Wartburg, James anfeuert, er solle doch 95 Hundehaufen hinterlassen (in Anlehnung an seine 95 Thesen), ist mir das alles ziemlich suspekt.

Ich vermute mal, ich bin für diese Art christlichen Humor mittlerweile zu alt und gehöre nicht zur eigentlichen Zielgruppe. Dass Jonas Goebel mit seinen Geschichten junge Menschen erreicht und ihnen vielleicht sogar damit den christlichen Glauben näher bringen kann, halte ich durchaus für möglich. Aber mein Bild von Jesus und auch von Martin Luther ist im Lauf der Jahrzehnte wohl ziemlich festgefahren, und irgendwie fehlt mir das Vorstellungsvermögen, sie in unsere heutige Zeit zu verfrachten, zumindest in der Art wie es hier im Buch geschieht. Wie gesagt, mein 30 Jahre jüngeres Ich hätte sich vielleicht mit der Geschichte anfreunden können. Es werden ja durchaus tiefgründige Themen angesprochen, die junge Christen interessieren, und der locker-flockige Schreibstil ist wirklich kurzweilig. Tut mir leid, aber meinen Humor und mein Weltverständnis trifft es nicht.

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Veröffentlicht am 02.07.2025

Ein sehr besonderer Schreibstil

Wachs
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Sowohl Marie Biheron als auch Madeleine Basseporte sind reale historische Charaktere, die im 18. Jahrhundert in Frankreich lebten.

Die Autorin beschreibt die Geschichte der beiden Frauen auf verschiedenen ...

Sowohl Marie Biheron als auch Madeleine Basseporte sind reale historische Charaktere, die im 18. Jahrhundert in Frankreich lebten.

Die Autorin beschreibt die Geschichte der beiden Frauen auf verschiedenen Zeitebenen. Zum einen erfahren wir, wie sich die beiden kennenlernten, später wurden sie, wenn man der Autorin glauben darf, ein Liebespaar. Daneben erlebt man Marie Biheron als alte Frau, die von ihrem Enkel versorgt wird und nicht müde wird, am Leben teilzuhaben.

Die in der Kurzbeschreibung erwähnte Liebesgeschichte läuft im Roman nur am Rande mit, wird erwähnt aber nicht ausgeschmückt. Man erfährt eigentlich recht wenig darüber. Ausführlich erlebt man jedoch die beruflichen Tätigkeiten der beiden Frauen mit. Beide sind Künstlerinnen, jede auf ihre Art. Während Madeleine Blumen und Pflanzen malt, schneidet Marie schon in jungen Jahren Leichen auf und modelliert die inneren Organe in Wachs. Zwei interessante Frauen, ihre untypischen Berufe, die sie nicht ohne Probleme ausüben konnten, eine außergewöhnliche Liebe und das alles zu Zeiten der Französischen Revolution.

Christine Wunnicke schreibt gut und schildert Stimmungen und Ereignisse sehr treffend, aber sie schreibt auch zwischen den Zeilen...

Das Buch ist anders als ich dachte, an den besonderen Schreibstil musste ich mich erst gewöhnen, aber am Ende hat mir der Roman gut gefallen.

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Veröffentlicht am 24.06.2025

Hat lange gedauert, bis ich mich darauf einlassen konnte

Im Labyrinth der Fugger
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Bei diesem historischen Roman bin ich sehr zwiegespalten, was meine Meinung dazu angeht. Generell lese ich sehr gerne historische Romane, vor allem die Fugger interessieren mich sehr, da ich bisher noch ...

Bei diesem historischen Roman bin ich sehr zwiegespalten, was meine Meinung dazu angeht. Generell lese ich sehr gerne historische Romane, vor allem die Fugger interessieren mich sehr, da ich bisher noch nicht viel über diese Familie wusste. Im Roman geht es um die Nachkommen von Anton Fugger, insbesondere um Anna Jakobäa Fugger und ihre Familie. Sie lebt mit ihren Eltern und Geschwistern in Augsburg. Ihr Vater ist Alchimist, und Anna geht ihm gerne bei seinen Versuchen zur Hand. Es kommt zu einigen seltsamen Geschehnissen im Haus der Familie, und die abergläubischen Menschen damals wussten nicht recht, wie sie diese in ihr Weltbild einordnen sollten. Lediglich Anna durchschaut sehr früh, dass es sich hier um ein abgekartetes Spiel zwischen ihrem Onkel Christoph und dem Domprediger Petrus Canisius handelt. Christoph Fugger möchte die Zahl der Erben verkleinern, und deshalb sollen Anna und ihre Geschwister in einem Kloster verschwinden. Annas Mutter, ursprünglich Protestantin, lässt sich von Canisius zum katholischen Glauben bekehren. Ich muss sagen, Canisius' Beschreibung ist nicht dazu angetan, ihn in irgendeiner Weise anziehend zu finden. Dass Ursula Fugger sich derart auf seine Vorschläge einließ, ihm in gewisser Weise fast hörig war, ist mir daher schleierhaft. So recht sympathisch war sie mir nach den Schilderungen jedenfalls nicht, und ihre Handlungen konnte ich auch nicht nachvollziehen. Annas Vater dagegen ist gutmütig, aber seine ganze Leidenschaft gehört der Alchimie, und ich hatte das Gefühl, es interessiert ihn wenig bis gar nicht, was in der Familie vorging. Ihm war es wichtig, seine Bücher vor Canisius' Säuberungsaktionen in Sicherheit zu bringen.
Neben der Fugger-Familie und ihrem Umfeld erhält man auch Einblick in das Leben des Kürschners Kellenbenz und seiner Tochter. Als die Kleine eines Tages spurlos verschwindet, ist der Mann verzweifelt und begibt sich auf eine mühevolle und hoffnungslose Suche, die von Missverständnissen geprägt ist.
Ich muss gestehen, dass ich lange gebraucht habe, bis ich in die Handlung hineingefunden habe. Die ersten 200 Seiten haben sich ziemlich gezogen, und vieles, was hier stattfand, war ziemlich verwirrend und chaotisch. Erst nach und nach wurden mir die Zusammenhänge klar, wobei bis zuletzt viele Fragen für mich offen blieben. Ungefähr ab der Hälfte hatte mich die Geschichte dann gepackt, und ich habe sie zügig zu Ende gelesen.
Es gibt einige Zeitsprünge, von denen ich mir gewünscht hätte, sie wären als solche gekennzeichnet, denn wenn man so nahtlos weiterliest, ist man doch ziemlich irritiert, sich plötzlich in einer anderen Zeit wiederzufinden. Weitgehend ist der Schreibstil so, dass er zum 16. Jahrhundert passt, aber häufig bin ich über einzelne Begriffe gestolpert, die mir doch zu modern vorkamen

Die beschriebenen Charaktere hat es zwar zum Großteil wirklich gegeben, aber was an der Handlung real ist und was fiktiv, weiß ich nicht, denn dazu findet man kaum etwas im Internet. Die Teufelsaustreibungen des Jesuiten waren gruselig zu lesen, und wie gesagt, mir ist nicht klar, ob damals Derartiges stattfand. Annas Schicksal im Buch ist heftig und dramatisch, und auch hier würde mich interessieren, inwieweit es sich mit der Realität deckt. Nach Lektüre dieses Romans habe ich den Eindruck, dass die Fugger ein ziemlich chaotischer, rücksichtsloser und bigotter Haufen ohne Gewissen waren.
Die Aufmachung des Buches, mit der Karte von Augsburg vorne und diversen Erläuterungen, einem Verzeichnis der historisch belegbaren Personen und einem umfangreichen Literaturverzeichnis gefällt mir gut.
Da es aber so viel (für mich) Irritierendes im Roman gab, hat es leider nur für eine durchschnittliche Bewertung meinerseits gereicht.

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Veröffentlicht am 15.06.2025

Balsam für die Seele

Der Garten der kleinen Wunder
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Toja, die Ich-Erzählerin, lebt in einem alten Haus mit einem wundervollen Garten. Eines Tages merkt sie, dass sie von einem jungen Mädchen auf dem Nachbargrundstück beobachtet wird. Als sie das Mädchen ...

Toja, die Ich-Erzählerin, lebt in einem alten Haus mit einem wundervollen Garten. Eines Tages merkt sie, dass sie von einem jungen Mädchen auf dem Nachbargrundstück beobachtet wird. Als sie das Mädchen anspricht, erfährt sie, dass es Vica heißt. Dieser Kurzname geht auf den gleichen Namen zurück wie ihr eigener, nämlich Victoria. So recht glücklich ist Vica nicht mit ihrem Namen, denn sie fühlt sich ganz und gar nicht als Siegerin. Toja spürt, dass sie mehr mit dem jungen Mädchen verbindet als der gemeinsame Name.
Sowohl Toja als auch Vica sind introvertierte Menschen, die in der lauten, hektischen Welt oft ihre Probleme haben. Durch ihre eigenen Erfahrungen kann Toja dem Mädchen helfen. Ein weiterer liebenswerter Charakter ist Bär, der mit Toja im Haus wohnt. Auch bei ihm findet Vica Verständnis, das sie bei ihrem Vater vermisst, der ein eher nüchterner Typ ist und sein Haus sowie den Garten sehr steril eingerichtet hat. Aber auch er kann sich mit der Zeit dem Zauber des Gartens von Toja und Bär nicht entziehen. Und dann ist da noch Wille, der das Haus ursprünglich gehörte und die mittlerweile verstorben ist, deren guter Geist jedoch immer noch nachwirkt. Wille war schwer krank aber bis zuletzt von einer unbändigen Lebenslust erfüllt. Bei ihrem Namen kam mir gleich der Satz in den Sinn: "Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg", denn genau das trifft auf sie zu. Obwohl sie auf den Rollstuhl angewiesen war, fand sie stets Mittel und Wege, mit Hilfe von Toja und Bär trotzdem tolle Abenteuer zu erleben und ihre Zeit zu genießen.
Ich liebe die Naturbeschreibungen der Autorin, und auch diesbezüglich wurden meine Erwartungen wieder voll erfüllt. Zudem ist die Geschichte vollgepackt mit wunderschönen Momenten. Aber sie geht auch tiefer, denn es werden Probleme angesprochen, die introvertierten oder hochsensiblen Menschen das Leben schwer machen. Betroffene fühlen sich, als hätten sie einen Makel, nur weil sie zu leise für die Welt sind. Wie die Autorin so schön schreibt, gibt es die rätselhafte Daseinsform namens "man", und "man" macht dies nicht und tut das nicht, und so manches findet "man" nicht gut. Das beginnt schon in der Schule, wie Vica am eigenen Leib erfahren muss. Für ihr Problem, Referate zu halten, hat sie eine gute Idee, die jedoch von der Lehrerin abgelehnt wird. Wie kann "man" mit einem Referat so ein Problem haben??? Mit Hilfe ihrer lieben Nachbarn und inzwischen auch Vertrauten sowie ihres Vaters findet sich aber eine Lösung, wie ich sie mir auch für meine Schulzeit gewünscht hätte. Ich konnte in dieser Geschichte versinken und den wundervollen gemeinsamen Sommer mit Vica, Toja, Bär, Florian und Micki sowie mit ganz vielen phantastischen Wesen und Pflanzen, in einem zauberhaften Garten, genießen. Das ist definitiv für mich ein Sommer-Highlight.

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Veröffentlicht am 07.06.2025

Historischer Roman nach einer wahren, faszinierenden Geschicte

Träume aus Asche und Eisen
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Johanna und Adolf Mohr, die Protagonisten, im Roman Hanna und Dolf genannt, hat es wirklich gegeben. Dolf Mohr ist als Robin Hood des Ruhrpots in die Geschichte eingegangen, und seine Frau Hanna hat ihn ...

Johanna und Adolf Mohr, die Protagonisten, im Roman Hanna und Dolf genannt, hat es wirklich gegeben. Dolf Mohr ist als Robin Hood des Ruhrpots in die Geschichte eingegangen, und seine Frau Hanna hat ihn tatkräftig und mutig unterstützt. wenn nicht sogar die Initiative von ihr ausging. Über das Leben dieses außergewöhnlichen Paars erzählt die Autorin, wobei man das meiste aus Hannas Sicht erfährt. Aus den mündlich überlieferten Geschichten und den damals dokumentierten Fakten hat die Autorin einen fesselnden historischen Roman kreiert. Die Handlung bezieht sich sehr häufig auf reale Episoden, wobei die Autorin auch viele Fiktive Elemente dazu genommen hat.
Alles beginnt mit dem Kennenlernen des Paars auf dem Schützenfest, als Dolf Hanne vor den Zudringlichkeiten ihres Dienstherrn rettet. Schon nach kurzer Zeit heiraten die beiden und gründen eine Familie. Aber das Leben auf dem Sommerberg ist schwer, und im Hungerwinter 1845 stirbt der kleine Sohn der Mohrs. Hunger und Elend werden immer schlimmer, und die preußische Obrigkeit tut nichts, um die Not der armen Menschen zu mildern. Hanna fasst einen Entschluss, denn so kann es nicht weitergehen. Zusammen mit ihrem Mann geht sie auf Raubzüge zu den Reichen und verteilt das Diebesgut an die Ärmsten und Notleidenden. Für die Menschen auf dem Sommerberg werden sie bald zu Helden, aber Hanna und Dolf schenken Menschen ihr Vertrauen, die es absolut nicht verdienen, und so sind nicht nur die Bestohlenen und Mächtigen hinter dem Paar her, sondern es gibt auch Neider und Rachsüchtige in ihrem direkten Umfeld. Die Situation spitzt sich zu, die Überfälle werden immer gewagter und gefährlicher, und das Schicksal nimmt seinen Lauf...
Mehr möchte ich zur Handlung gar nicht verraten. Wer sich in der Dortmunder Geschichte auskennt und schon einmal vom Räuberhauptmann Mohr gehört hat, wird wissen, wie alles endet. Aber bis dahin passiert sehr viel. Die Charaktere und ihre Entwicklung sind detailliert und fesselnd dargestellt. Hanne und Dolf lernt man als sympathisches, liebendes Paar kennen, aber auch ihre Beziehung leidet bald unter dem Fortgang der Ereignisse. Auch die Antagonisten haben reale Vorbilder, so zum Beispiel Carl Thalberg, arroganter Geschäftsmann und Politiker und Hannas ehemaliger Arbeitgeber oder auch Elsabena Mühr, Hannas verbitterte Schwester.
Die Rolle der Polizei in der ganzen Sache ist transparent und realistisch beschrieben, denn gerade für Gendarm Franz Mönkebüscher hängt sehr viel davon ab, die Räuberbande und insbesondere Dolf dingfest zu machen.
Insgesamt hat mir der Roman richtig gut gefallen, nur zwischendurch gab es ein paar kleinere Irritationen, die ich aber auf Druckfehler zurückführe, denn es war immer mal ein Satz dabei, der für mich keinen rechten Sinn ergab.
Irritiert hat mich auch der Epilog. Eigentlich bin ich nicht schwer von Begriff, aber was da geschildert wird, konnte ich so gar nicht nachvollziehen. Ich habe schon gerätselt, was mir dieser kurze Abschnitt noch sagen soll, aber obwohl ich ihn mehrfach gelesen habe, blieb mir die Erkenntnis bisher verwehrt.

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