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Veröffentlicht am 08.10.2017

Ein kluger, erbaulicher Roman über die elementaren Dinge des Lebens

Acht Berge
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Dieses Buch hat mich in mehrerlei Hinsicht förmlich angezogen. Da ist zum einen das wunderschöne Cover mit einer fast magischen Ausstrahlung. Es zeigt das Aquarell einer wilden Berglandschaft, gekrönt ...

Dieses Buch hat mich in mehrerlei Hinsicht förmlich angezogen. Da ist zum einen das wunderschöne Cover mit einer fast magischen Ausstrahlung. Es zeigt das Aquarell einer wilden Berglandschaft, gekrönt von einem Meer glitzernder Sterne. Auf einem Hügel unterhalb der verschneiten Berggipfel liegt eine einsame Hütte neben einer großen Lärche. Schon in diesem Bild kann man regelrecht versinken.
Die vielen begeisterten Stimmen und der Hinweis, dieses Buch könnte für die Leser von Robert Seethalers Romanen interessant sein, haben mich letztendlich dazu bewogen, es lesen zu wollen.
Es beginnt mit Kindheitserinnerungen des Ich-Erzählers. Er lebte mit seinen Eltern in Mailand, aber sein Vater, ein Einzelgänger und Eigenbrötler, fühlte sich nie wohl in der Stadt. In seiner Freizeit erobert er die Bergwelt,und von seinem Sohn fordert er Leistungen, die dieser nicht erfüllen kann. Während eines Aufenthalts in dem kleinen Bergdorf Grana lernt der damals ca. zehnjährige Pietro den fast gleichaltrigen Bruno kennen, und die beiden Jungen freunden sich an. Aus dieser Kameradschaft entsteht eine Freundschaft fürs Leben.
Es ist eine eher ruhige, erdende Geschichte, die nicht von großer Spannung getragen wird, sondern von ihrer schönen, bildhaften Sprache lebt, welche klar ist wie ein stiller Bergsee.
Hier geht es um die elementaren Dinge des Lebens, um die Schönheit der Natur, um Freundschaft, Liebe und die Facetten einer nicht einfachen Eltern-Kind-Beziehung. Bruno und Pietro führen Gespräche, die pragmatisch und philosophisch zugleich sind.
Es ist ein Entwicklungsroman und zugleich die Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft, die ein Leben lang anhält.
Paolo Cognettis Roman hat autobiographische Züge, obwohl vieles in seinem Leben völlig anders ist als bei seinem Protagonisten. Eingebracht hat er jedoch auf jeden Fall seine Liebe zu den Bergen und seine Achtung vor der Natur und ihrer Gewalten.
Dass ich keine vollen fünf Sterne vergebe, liegt daran, dass ich weder Pietro noch Bruno und auch den anderen Charakteren im Lauf der Geschichte nicht wirklich nahe gekommen bin. Es blieb immer eine gewisse Fremdheit und Distanz.

Veröffentlicht am 06.10.2017

Ich vermisse Mabel und Victor

Auf Eis gelegt
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Die Cornwall-Krimis um die sympathische Heldin Mabel Clarence und den etwas kauzigen Tierarzt Victor habe ich sehr genossen und bis auf die beiden zuletzt erschienenen gelesen. Diese werden aber auf jeden ...

Die Cornwall-Krimis um die sympathische Heldin Mabel Clarence und den etwas kauzigen Tierarzt Victor habe ich sehr genossen und bis auf die beiden zuletzt erschienenen gelesen. Diese werden aber auf jeden Fall auch noch folgen, denn ich möchte wissen, wie es zur heutigen Situation auf Higher Barton kam. Das Anwesen wurde inzwischen verkauft, und Mabel tritt nur noch am Rand, bei einem Telefonat, in Erscheinung. Sie weilt, zusammen mit Victor, im Ausland.
Aber zurück zu Higher Barton. Das Haus befindet sich in der Endphase der Renovierung, und in Kürze soll es als Romantik-Hotel wieder eröffnen. Als Harris Garvey, der neue Geschäftsführer des Hotels, spurlos verschwindet und mit ihm 10.000 Pfund, gehen zuerst alle davon aus, dass der Mann mit dem Geld getürmt ist. Aber dann wird Garvey in der Gefriertruhe des Kühlhauses gefunden. Wer hat ihn ermordet und dort verstaut? Der erste Verdacht fällt auf seine Assistentin Sandra Flemming, denn sie wird von ihrer Firma als Garveys Nachfolgerin benannt und hätte somit das größte Interesse, ihn aus dem Weg zu haben. Auch gab es in der Vergangenheit so einige Differenzen zwischen ihr und dem nun toten Geschäftsführer, der sich nach und nach als gewaltiger Unsympath entpuppt.
Der Schreibstil ist, wie immer bei Rebecca Michéle, sehr schön und kurzweilig. Auch dieser neue Krimi hat wieder einiges an Lokalcolorit zu bieten, und man begegnet „alten Bekannten“ aus den früheren Bänden mit Mabel als Protagonistin. Sandra, die neue Hauptfigur, findet schnell Freunde und Verbündete in dem kleinen beschaulichen Ort in Cornwall. Sie ist ein völlig anderer Typ, so dass sich mit ihr auch die Atmosphäre der Higher-Barton-Krimis verändert. Der Kriminalfall entwickelt sich mit einigen Überraschungen, aber irgendwie hat mir etwas gefehlt. Higher Barton ohne Mabel und Victor, das war für mich sehr gewöhnungsbedürftig. Ich werde die Reihe zwar weiterhin verfolgen, aber an das „Dreamteam“ Mabel und Victor kommen die neuen Protagonisten leider (bisher) nicht heran.

Veröffentlicht am 30.09.2017

Der unsichtbare Feind

Christine Bernard. Der unsichtbare Feind
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Nachdem ich vor etwas mehr als einem Jahr mit „Eisrosenkind“ den ersten Krimi von Michael E. Vieten gelesen habe und das Buch mein Monatsfavorit im Juni 2016 war, habe ich mich nun aktuell in den Folgeband ...

Nachdem ich vor etwas mehr als einem Jahr mit „Eisrosenkind“ den ersten Krimi von Michael E. Vieten gelesen habe und das Buch mein Monatsfavorit im Juni 2016 war, habe ich mich nun aktuell in den Folgeband „Der unsichtbare Feind“ vertieft. Es ist schon der dritte Fall für die sympathische Kommissarin Christine Bernard, die ich bereits bei „Eisrosenkind“ ins Herz geschlossen habe, weil sie eine so natürliche und liebenswürdige Art hat. Diesmal hat sie es mit Gefahren zu tun, die nicht wirklich greifbar sind, da sie aus der virtuellen Welt kommen. Entsprechend schwierig kann sich Christine auch dagegen schützen. Sie muss mehrmals um ihr Leben bangen, und es passieren in ihrem Umfeld die ungeheuerlichsten Dinge. Da sie den Feind nicht kennt und nicht weiß, wer ihr nach dem Leben trachtet, erhält sie Personenschutz und ist auf die Hilfe von Spezialisten angewiesen, die sich als wahre Computernerds herausstellen.
Die Story ist sehr spannend und faszinierend. Ich habe gestaunt, was alles machbar ist und habe beim Lesen ständig darauf gewartet, was Christine als nächstes widerfährt. Aber sie ist eine totale Kämpfernatur. Auch als das Landeskriminalamt die Ermittlungen aufnimmt und Christines Abteilung von dem Fall abzieht, gibt die junge Kommissarin nicht auf, denn sie weiß nicht, was sie getan hat, um diese brutale Zerstörungswut auf sich zu ziehen, und sie will ihrem Feind ins Gesicht sehen.
Mein „Problem“ mit derartigen Krimis ist, dass ich mich völlig in der Handlung festbeiße und erst wieder loslassen kann, wenn ich das Ende erfahren habe. So war es auch hier, und „Der unsichtbare Feind“ ist auf jeden Fall ein würdiger Nachfolger zum „Eisrosenkind“. Mit einer gut ausgewogenen Mischung zwischen kleinen, liebenswerten Episoden aus Christines eher beschaulichem Privatleben und Einblicken in ihren gefährlichen Beruf, diesmal auch ein wenig in einen anderen Fachbereich, mit dem eingängigen und kurzweiligen Schreibstil und nicht zuletzt mit glaubwürdigen Charakteren konnte mich der Autor auch diesmal wieder begeistern. Ich hoffe, dass noch mehr „Christine-Bernard-Krimis“ folgen, denn ich mag die Protatonistin, ihr Umfeld und bin fasziniert von der spannungsgeladenen Atmosphäre dieses Romans.

Veröffentlicht am 26.09.2017

Die Salbenmacherin und die Hure

Die Salbenmacherin und die Hure
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Dies ist bereits der dritte Band um die Salbenmacherin Olivera.
Es beginn in Nürnberg, im Sommer 1409. Gleich auf der ersten Seite wird man mit einem grausigen Fund konfrontiert. Am Ufer der Pegnitz wurde ...

Dies ist bereits der dritte Band um die Salbenmacherin Olivera.
Es beginn in Nürnberg, im Sommer 1409. Gleich auf der ersten Seite wird man mit einem grausigen Fund konfrontiert. Am Ufer der Pegnitz wurde eine Leiche angespült, die brutal verstümmelt ist. Weder Kopf noch Hände sind noch vorhanden, außerdem wurde der Tote ausgeweidet. Die Nürnberger glauben, ein Werwolf sei hier am Werk gewesen. Olivera und ihr Mann Götz zweifeln jedoch daran. Sie sind der Meinung, hier sei ein Mensch äußerst brutal vorgegangen. Die Bevölkerung Nürnbergs leidet nicht nur unter der anhaltenden Hitze und Trockenheit, sondern zu allem Überfluss geht auch ein Fieber in der Stadt um, an dem immer mehr Menschen erkranken. Von daher liegen bereits die Nerven der Bevölkerung blank. Die Sache mit der kopflosen Leiche versetzt die Nürnberger in Panik. Als ein vermeintlicher Mörder festgenommen wird, sind sich fast alle einig, dass es sich bei ihm um den Werwolf handelt. Für Olivera ist schon nach kurzer Zeit klar, dass hier ein Unschuldiger verurteilt werden soll. Aber als Frau hat ihr Wort beim Rat der Stadt kein Gewicht. Auch muss sie sich selbst und ihr ungeborenes Kind schützen, denn nicht alle in der Stadt sind ihr wohlgesinnt.

Ich habe Oliveras Schicksal schon vom ersten Band an verfolgt, und entsprechend leicht fiel mir der Einstieg in die Geschichte. Es war schön, neben Olivera und Götz auch Bekannten aus den vorherigen Büchern wieder zu begegnen, so beispielsweise dem ehemaligen Betteljungen Jona und seinem Freund Casper. Die beiden Jungen spielen auch diesmal wieder eine wichtige Rolle im Geschehen und bringen sich erneut in große Gefahr. Außerdem geht es diesmal um Gerlin und Eva, zwei junge Frauen, die im Hurenhaus leben und ihre Dienste anbieten. Beide sind nicht glücklich mit ihrem Schicksal und träumen davon, eines Tages ein anderes Leben führen zu können. Jede versucht, ihre Zukunftspläne auf ihre eigene Weise voranzutreiben, was zum Teil nicht ungefährlich ist und so manches Opfer fordert.
Die Romane der Autorin haben alle ein düsteres, mystisches Flair, das durchaus dazu angetan ist, einem den Schlaf zu rauben. Auch diesmal habe ich mir so manche nächtliche Stunde um die Ohren geschlagen, weil ich völlig gebannt von der Handlung war und einfach nicht mit dem Lesen pausieren konnte oder wollte.
Wie ich es gar nicht anders von Silvia Stolzenburg kenne, so charakterisiert sie ihre Protagonisten auch hier wieder sehr lebendig und klar. Auch die Handlungsorte sind brillant beschrieben, und da ich schon oft in Nürnberg war und mir die Örtlichkeiten vertraut sind, konnte ich mich in viele Situationen der Handlung besonders intensiv hinein versetzen. Wie schon die Vorgängerbände, so ist auch dieses dritte Buch um die Salbenmacherin äußerst kurzweilig zu lesen und bietet Hochspannung von der ersten bis zur letzten Seite, ja sogar darüber hinaus, denn am Ende ebbt die Spannung nur geringfügig ab, und es gibt einen gewaltigen Cliffhanger, der eine Fortsetzung verspricht. Hierfür werden die Leser jedoch arg auf die Folter gespannt, denn voraussichtlich wird es mindestens ein Jahr dauern, bis wir in den Genuss von Band 4 der Salbenmacherin kommen.

Veröffentlicht am 23.09.2017

Ein Büchlein mit kleinen Geschichten, die gut tun

Ein Schutzengel an deiner Seite
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Dieses kleine, hübsch und hochwertig gebundene Büchlein enthält eine bunte Sammlung kurzer Geschichten, Episoden und Segenswünsche. Keiner der enthaltenen Beiträge ist länger als zwei Seiten, und jede ...

Dieses kleine, hübsch und hochwertig gebundene Büchlein enthält eine bunte Sammlung kurzer Geschichten, Episoden und Segenswünsche. Keiner der enthaltenen Beiträge ist länger als zwei Seiten, und jede Erzählung, jeder Spruch und jeder Segen dreht sich, wie könnte es bei diesem Titel auch anders sein, in irgendeiner Form um das Thema „Schutzengel“.
Es sind einfühlsame Geschichten, die nachdenklich machen und alle eine tiefere Weisheit in sich tragen. Jede Seite des Büchleins ist zusätzlich mit der Illustration eines kleinen Engels verziert. Dabei wiederholen sich im Buch die Motive, die auch schon auf dem Einband zu sehen sind.
Dieses Büchlein ist ein Kleinod, das man selbst genießen, mit dem man aber auch einem lieben Menschen eine Freude bereiten kann. Die kompakte, fest gebundene Form und die liebevolle Ausstattung machen das Bändchen zu einem wunderschönen kleinen Präsent, mit dem Hintergrund, nicht nur einfach ein Buch zu verschenken, sondern verbunden auch mit dem Wunsch nach Schutz und Glück für den Empfänger.

Dabei ist dieses Engel-Büchlein keineswegs weihnachtlich, obwohl es sich selbstverständlich auch zu diesem Fest als kleine Gabe eignet, sondern man kann es zu allen möglichen Gelegenheiten verschenken, sei es zu einem Geburtstag, Namenstag oder einfach nur so, um jemandem zu zeigen, dass man an ihn denkt und sich um ihn sorgt.