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Veröffentlicht am 11.01.2026

Gänsehaut 2.0

Ignael
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Als ihr Ehemann David gerade unterwegs ist, um sein neues Buch vorzustellen, muss Rebecca vor einer gefährlichen Figur aus ihrer Vergangenheit fliehen. Ihre einzige Möglichkeit: eine Parallelwelt, die ...

Als ihr Ehemann David gerade unterwegs ist, um sein neues Buch vorzustellen, muss Rebecca vor einer gefährlichen Figur aus ihrer Vergangenheit fliehen. Ihre einzige Möglichkeit: eine Parallelwelt, die von ihrem Mann erschaffen wurde und voller Gefahren steckt. Um den Ausgang zu finden, begibt sie sich auf eine Reise, die sie mit ihren ureigenen Ängsten konfrontiert. Gleichzeitig begibt sich David ebenfalls dorthin, um seine Frau wiederzufinden und sie zurück nach Hause zu bringen.

Anfangs habe ich mich etwas schwer getan in die Geschichte zu kommen. Es gab sehr viele verschiedene lose Fäden, die für mich noch keinen Sinn ergeben haben und die ich auch nicht wirklich einordnen konnte. Dazu kam der Schreibstil, der aus irgendeinen Grund für mich zunächst eher holprig war, einige Sätze musste ich öfters lesen und ich kam nicht wirklich in einen Lesefluss rein. Je länger ich jedoch in die Geschichte eingetaucht bin, desto mehr hat mich die Parallelwelt gefangen genommen. Sie ist so voller Überraschungen, bildhafter Eindrücke und fantasievoller Ideen, dass für mich das Buch auch gerne noch länger hätte gehen können. Ab und zu leiden vielleicht die Charaktere etwas darunter, da sie praktisch zum Spielball dieser Welt geworden sind und gar nicht so viele Möglichkeiten haben sich frei zu entscheiden. Für mich war das aber gar nicht so relevant, da ich David und Rebecca trotz allem gerne mochte und gerade den trockenen Humor und die pragmatische Art von letzterer sehr geschätzt habe.

Ich habe als Jugendliche sehr gerne Bücher mit ein paar Horror-Elementen gelesen, jedoch als Erwachsene gemerkt, dass die meisten Bücher aus dem Genre mir einfach zu brutal sind, als müsste ein Mangel an Ideen durch besonders blutige Beschreibungen kompensiert werden. Bei „Ignael“ habe ich dagegen seit sehr langer Zeit zum ersten Mal wieder ein Buch erlebt, dass zwar durchaus Horror-Szenen beschreibt, die auch etwas heftiger sein können, insgesamt den Gänsehaut-Faktor aber eher durch die beeindruckenden Beschreibungen und die bedrückende Atmosphäre erzeugt. Es sind die Details gewesen, die mich zum Nachdenken gebracht haben. Oft wurden alltägliche Dinge zu etwas Verstörendem verändert oder ich konnte mich nicht entscheiden, ob ich mich vor den Wesen der Parallelwelt eher gruseln oder sie bemitleiden sollte, weil sie zu diesem Schicksal verdammt sind. Jedes Mal, wenn ich dachte, das Szenario kenne ich schon, hat sich die Situation doch noch so verändert, dass sie für mich völlig neu und überraschend wurde.

Zum Schluss, auch wenn es eigentlich ganz am Anfang kommt: das Cover. Ich finde es sehr schwierig zu beurteilen, da das Bild zwar sehr gut zum Buch passt und auch wunderschön aussieht, aber leider nur den Fantasy-Anteil repräsentiert. Dabei steckt noch so viel mehr in der Story.

Insgesamt hat mich das Buch nach einem etwas holprigen Start mit seiner Mischung aus Fantasy und Horror in seinen Bann gezogen. Viele der Szenen werden noch lange in meinem Gedächtnis bleiben und ich hoffe wirklich, dass es noch eine Fortsetzung geben wird, weil ich mich gerne erneuert auf eine Reise in diese andere Welt begeben möchte.

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Veröffentlicht am 31.12.2025

Düster und erschreckend

Dark Places - Gefährliche Erinnerung
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Libby hat als kleines Kind die Ermordung ihrer Familie erlebt, ihr großer Bruder wird als Mörder verhaftet. Jetzt, als erwachsene Frau, führt sie ein einsames und unglückliches Leben, welches noch immer ...

Libby hat als kleines Kind die Ermordung ihrer Familie erlebt, ihr großer Bruder wird als Mörder verhaftet. Jetzt, als erwachsene Frau, führt sie ein einsames und unglückliches Leben, welches noch immer durch das Trauma ihrer Kindheit geprägt ist. Da es aber immer mehr Personen gibt, die an der Schuld ihres Bruders zweifeln, beginnt sie über die Ermordung ihrer Familie nachzuforschen.

Das Buch ist in zwei Zeitebenen aufgebaut, einmal aus Libbys Sicht in heutiger Zeit, die versucht die Ereignisse, die zum Mord geführt haben, zu rekonstruieren. Zum anderen Rückblicke in die Vergangenheit aus Sicht der Familie selbst.

Libby war mir anfangs sehr unsympathisch. Obwohl mittlerweile über 30 sieht sie sich immer noch als das kleine traumatisierte Kind von damals, schafft es kaum ihr Leben in den Griff zu bekommen und erwartet, dass andere ihre Probleme lösen. Im Laufe des Romans jedoch wird Libby jedoch immer menschlicher, vielleicht nicht wirklich nett, aber man merkt, dass sie auch gute Seiten an sich hat.

Insgesamt sind die Charaktere sehr schwierig. Obwohl man viele Handlungen nachvollziehen kann, sind viele Reaktionen stark an der Grenze zum Erträglichen oder es geht sogar darüber hinaus. Es handelt sich um keine an sich netten Personen, sondern um Menschen die sich im Grenzbereich der Gesellschaft aufhalten und mit allen Mitteln versuchen ihren Platz zu finden oder ihn zumindest zu halten.

Obwohl es sicher brutalere Thriller gibt, habe ich durch die bedrückende Atmosphäre des Buches jede grausame oder unangenehme Szene wesentlich stärker wahrgenommen. Es waren tatsächlich manchmal einfach kleine Details, die es mir ermöglicht haben, die Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit der einzelnen Personen nachzuempfinden.

„Dark Places“ hat mir gezeigt, wie durch ein paar schlechte Entscheidungen, die Dynamik einer Kleinstadt und die Vorurteile gegenüber einer Familie nahe an der Armutsgrenze, eine Situation völlig eskalieren kann. Ich habe mich während des Lesens oft gefragt, ob es in einem anderen Setting überhaupt zu den Morden hätte kommen können.

Besonders bedrückend war es vor allem für mich, dass man die Rückblicke aus der Sicht von Libbys Mutter und ihrem Bruder miterlebt hat. Man konnte die Familie mit all ihren Fehlern, aber auch ihren Hoffnungen und Bemühungen kennen lernen und wusste trotzdem von Anfang an, dass sie ein brutales und tragisches Ende nehmen würden.

Zeitweise war mir der Thriller zwar etwas zu langatmig und zu sehr auf das Selbstmitleid und Trauma von Libby fixiert. Trotzdem war es für mich insgesamt spannend, da ich mir während des Lesens wirklich nie ganz sicher sein konnte, wer der Mörder war und am Ende fast jeden einmal im Verdacht hatte. Auch wenn es für mich nicht der beste Thriller von Gillian Flynn ist, wurde ich doch regelmäßig auf falsche Fährten gelockt, sodass das Ende für mich überraschend kam.

Für mich war es ein faszinierendes Buch, welches mir die Abgründe, aber die Stärken der menschlichen Seele aufgezeigt hat. Es war düster, beklemmend und vermittelte mir eine ganz neue Dimension von Hoffnungslosigkeit, die mich in ihrer Endgültigkeit erschreckt hat. Bis auf ein paar langatmige Abschnitte, gerade zu Anfang, hat das Buch mich insgesamt in seinen Bann gezogen und mein Gehirn ordentlich durcheinander gewirbelt, wie ich es bereits von Gillian Flynn kenne.

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Veröffentlicht am 29.12.2025

Zuckersüß und witzig

Rival Darling
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Violet hat ihre eigene goldene Regel gebrochen und ist mit einem Sportler zusammen gekommen. Als die Beziehung mit Jeremy auf unangenehme Weise endet, sucht sie einen Weg, um ihm deutlich zu machen, dass ...

Violet hat ihre eigene goldene Regel gebrochen und ist mit einem Sportler zusammen gekommen. Als die Beziehung mit Jeremy auf unangenehme Weise endet, sucht sie einen Weg, um ihm deutlich zu machen, dass sie auch in Zukunft keine Chance haben. Ihre Lösung ist eine Fake-Beziehung mit Reed, einem weiteren Hockeyspieler, einzugehen. Doch leider ist es schwerer als gedacht sich an seine eigene goldene Regel zu halten, wenn Gefühle ins Spiel kommen…

Die Story an sich ist nicht wirklich überraschend, es handelt sich halt um eine YA Romance, aber dafür punkten die Charaktere umso mehr. Ich habe Violet und Reed einfach in mein Herz geschlossen. Sie sind sympathisch, haben eine gute Portion Humor und können dabei auch über sich selbst lachen. Besonders Reed zeigt immer wieder, dass er vor allem nach außen ein Devil Darling ist, innerlich aber einen ganz "marshmallow"-weichen Kern hat. Manchmal möchte man die beiden zwar schütteln, weil sie sich so sehr selbst im Weg stehen, aber lange kann man den beiden nicht böse sein.

Aber nicht nur die beiden machen das Buch so unterhaltsam, sondern auch die tollen Nebencharaktere. Sowohl Violets Onkel als auch Reeds Familie sind sehr herzlich, machen es mit ihrer Art und den ständigen kleineren Wortgefechten zu einem sehr unterhaltsamen Buch. Ich freue mich, dass in den folgenden Bänden Reeds Brüder verkuppelt werden und ich alle noch einmal treffen kann.

Das Buch kommt ohne spicy Szenen aus, sorgt aber trotzdem für genügend Schmetterlinge im Bauch. Besonders das Happy End war einfach eine geniale Idee, die mich sowohl zum Lachen als auch zum Dahinschmelzen gebracht hat.

„Rival Darling“ ist eine supersüße Romance, die man am liebsten in einem Stück durchlesen möchte. Auch wenn ich einige Entwicklungen bereits habe kommen sehen, hat es mir durch die witzigen Wortgefechte und die sehr sympathischen Figuren wirklich Spaß gemacht und ein rosarotes glückliches Gefühl in mir hinterlassen.

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Veröffentlicht am 21.12.2025

Subtile Frauenpower

Die Kryptografin
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Margot studiert als eine von wenigen Frauen Mathematik und wird aufgrund ihrer außergewöhnlichen Fähigkeiten als Mitarbeiterin für den Vorläufer des Bundesnachrichtendienstes angeworben. Die anfangs verheißungsvolle ...

Margot studiert als eine von wenigen Frauen Mathematik und wird aufgrund ihrer außergewöhnlichen Fähigkeiten als Mitarbeiterin für den Vorläufer des Bundesnachrichtendienstes angeworben. Die anfangs verheißungsvolle Stelle birgt jedoch seine eigenen Herausforderungen.

Margot muss sich mit Vorurteilen, Mobbing und ihrem eigenen Seelenleben auseinander setzen, welches noch vom zweiten Weltkrieg traumatisiert ist. Dabei hilft ihr einerseits ihre Freundin Sue, welche selbst gerne eine erfolgreiche Journalistin werden möchte, jedoch stattdessen verzweifelt versucht ihren kleineren verwaisten Geschwistern ein sicheres Zuhause zu bieten, auch wenn es sie fast an ihre Belastungsgrenze bringt. Und natürlich Willi, welcher mit seiner sanften und verständnisvollen Art einer meiner Lieblingscharaktere ist.

Der Roman beeindruckt durch seine sanften Töne. Die Story an sich ist nicht wirklich überraschend, mir hat sie jedoch einen völlig neuen Blickwinkel auf die Nachkriegszeit eröffnet. Es sind so viele Frauen gewesen, die durch ihre Stärke geholfen haben, dass es weitergehen konnte. Stellvertretend Margot, die ihren Weg geht und sich langsam selbst akzeptieren lernt und ihre Kriegstraumata überwindet. Aber auch Sue, die alles in ihrer Macht stehende für ihre Familie tut. Sie möchte Geschwistern ein Zuhause bieten, muss aber gleichzeitig für den Lebensunterhalt sorgen. Es sind hier nicht die großen Töne der Männer, die Karriere machen und damit alle beindrucken, sondern Frauen, die durch ihre subtile Art alles zusammen halten und damit neue Perspektiven ermöglichen.

Genauso wie Margot ist das Buch eher ruhig und zeigt auf subtile Art, was Frauen leisten können, wenn sie zusammen halten und sich erlauben ihre Träume zu leben. Die Story birgt vielleicht nicht viele Überraschungen und es hätte für mich etwas mehr von der Kryptografie handeln können, trotzdem hat es mich durchweg interessiert, wie es weitergeht und die einzelnen Personen ihre Probleme lösen. Insgesamt hat mir der Roman ein gutes und hoffnungsvolles Gefühl gegeben, denn in uns allen steckt mehr Positives und Besonderes, als man auf den ersten Blick vielleicht erkennen kann.

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Veröffentlicht am 21.11.2025

Wenig überraschend…

Atlas - Die Geschichte von Pa Salt
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Die sieben Schwestern treffen sich, um sich gemeinsam von ihrem Vater zu verabschieden. Dabei erfahren sie durch Pa Salts Tagebücher seine bewegende Lebensgeschichte und wie es zu ihrer Adoption kam.

Genauso ...

Die sieben Schwestern treffen sich, um sich gemeinsam von ihrem Vater zu verabschieden. Dabei erfahren sie durch Pa Salts Tagebücher seine bewegende Lebensgeschichte und wie es zu ihrer Adoption kam.

Genauso wie bei den Bänden der Reihe, bin ich auch beim letzten Buch hin- und hergerissen. Ich weiß nicht, ob es daran lag, dass Lucinda Rileys Sohn das Buch zu Ende schreiben musste oder ob es an der Thematik an sich lag, aber mir hat einiges an Spannung gefehlt. Natürlich wurden zum einen viele schöne, emotionale Momente beschrieben und ich habe mich sehr gefreut alle sieben Schwestern noch einmal wiederzusehen. Doch auf der anderen Seite gab es in dem Roman kaum überraschende Entwicklungen, da man ja bereits die anderen Bände kennt und gelesen hat, wie es zu den Adoptionen kam. Natürlich war es faszinierend, welche Rolle Pa Salt jeweils gespielt hat, aber so außergewöhnlich war sein Wirken meistens nicht, dass es für ein wirkliches Aha-Erlebnis gesorgt hätte.

Für mich persönlich lag auch der Abstand zu den ersten Bänden zu weit zurück. Gerade durch die vielen Figuren viel es mir teilweise schwer mich zu erinnern, wer jetzt genau wer war und wie sie mit den Schwestern zusammenhingen. Eigentlich müsste man noch einmal alle vorherigen Bände lesen, um wirklich zu erkennen, wie verknüpft alles miteinander ist.

Trotzdem finde ich es beeindruckend wie die alte Mythologie der sieben Schwestern ins Moderne übertragen wurde und wie sich alles im letzten Buch findet und zu einem Ende kommt.

Ich bin froh den Roman gelesen zu haben, da er einen guten Abschluss für die Reihe gebildet hat und ich mich von jeder Figur noch einmal verabschieden konnte. Trotzdem war er mir zeitweise viel zu langatmig und ich hätte mir mehr Szenen gewünscht die nur Pa Salt erlebt hat. So jedoch wurde vieles aus den vorherigen Bänden wiederholt und es wirkte zeitweise sehr konstruiert, nur um eine Verbindung zu allen sieben Schwestern herzustellen.

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