Crashkurs moderner Beziehungsformen
Open HeartsNachdem sich Mistys Verlobter nach einer langjährigen Beziehung von ihr trennt, zieht Misty zunächst zu ihrer Mutter, um wieder auf die Beine zu kommen. Als sie wieder mit dem Daten beginnt, trifft sie ...
Nachdem sich Mistys Verlobter nach einer langjährigen Beziehung von ihr trennt, zieht Misty zunächst zu ihrer Mutter, um wieder auf die Beine zu kommen. Als sie wieder mit dem Daten beginnt, trifft sie auf Christopher, bei dem ihr erst auf den zweiten Blick bewusst wird, dass er eine offene Beziehung führt. Sie lässt sich darauf ein, auch um ihr eigenes Verhalten in Partnerschaften zu hinterfragen und lernt dabei viel über sich selbst und das Leben in einer modernen Gesellschaft.
Ich verstehe, dass diese Art Roman polarisieren soll und die Meinungen sehr weit auseinander gehen können. Tatsächlich bin ich etwas hin- und hergerissen, weil mir die Idee und meistens auch die Protagonistin gut gefallen haben, es für mich aber insgesamt nicht stimmig war. Daher gibt es heute meine Bemerkungen in Pro und Kontra aufgeteilt:
Pro:
Misty ist für mich zumindest am Anfang ein sehr sympathischer und humorvoller Mensch. Sie hat keine Schwierigkeiten sich selbst nicht zu ernst zu nehmen und besitzt einen interessanten Freundeskreis. Ihre Einstellungen innerhalb von Beziehungen sind teilweise sehr fragwürdig, aber auch das finde ich für den Roman in Ordnung. Ich denke jeder kennt das Gefühl, dass man sich bis zu einem gewissen Grad anpassen muss, die Frage ist nur, wie weit darf es gehen?
Der Roman zeigt viele verschiedene Möglichkeiten, von ganz traditionellen Beziehungen, wie Vater-Mutter-Kind, bis zu offenen Partnerschaften, Polyamorie, queere… Er regt zum Nachdenken an, was man für sich selbst wirklich möchte und was uns nur von der Gesellschaft als richtig suggeriert wird.
Der Schreibstil ist an sich angenehm zu lesen, auch wenn die häufigen Fehler den Schreibfluss durchaus stören können.
Kontra:
Leider war mir Christopher schlicht und ergreifend unsympathisch. Er hat Misty mit einer gewissen Regelmäßigkeit spüren lassen, dass sie für ihn zu ungebildet ist und sogar sein Sohn mehr Wörter als sie kennen würde. Auch seine offene Beziehung hat in mir immer mehr den Eindruck hinterlassen, dass es sich eher um einen Freifahrtschein zum Fremdgehen gehandelt hat als alles andere, weil es eindeutig an emotionaler Nähe zu seiner festen Partnerin fehlte. Und damit geht für mich auch der Sinn des Romans verloren. Bis jetzt weiß ich nicht, was die Botschaft des Buches sein soll und wenn man schon einen polarisierenden Roman schreibt, dann sollte es auch irgendeine Aussage geben und den Leser, in diesem Fall mich, nicht völlig verwirrt zurück lassen. Hinzu kommt, dass Misty zwar eine Entwicklung ihrer Persönlichkeit durchmacht hat, aus der sie auch gestärkt herausgeht, aber leider gleichzeitig völlig humorlos wird. So mochte ich ihr am Ende auch nicht mehr besonders gerne zuhören.
Fazit:
Ich fand die Idee des Romans an sich sehr gut, denn jeder sollte darüber nachdenken, was er wirklich im Leben möchte und sich nicht nach den klassischen gesellschaftlichen Erwartungen richten. Trotzdem haperte es für mich an der Umsetzung. Während der Anfang mir durch seine humorvolle Art sehr gut gefiel, war ich am Ende nur noch verwirrt und teilweise auch etwas gelangweilt.