Atlantis der Nordsee
RungholtMystisch, düster, gefährlich. Das Buch ist wie das Meer.
Ich finde das Buch lebt schon ein wenig davon, wie es geschrieben ist. Malerisch und als würde Gefahr hinter der nächsten Welle liegen. Es dauert ...
Mystisch, düster, gefährlich. Das Buch ist wie das Meer.
Ich finde das Buch lebt schon ein wenig davon, wie es geschrieben ist. Malerisch und als würde Gefahr hinter der nächsten Welle liegen. Es dauert zwar immer wieder ein wenig, bis man damit im Geschehen angekommen ist, weil der Schreibstil auch etwas komplexer und altmodischer anmutet, aber das gehört ja auch zum Charme von historischen Romanen dazu.
Was mir außerordentlich gut gefallen hat: Man merkt, hierfür wurde gut recherchiert. Bis zu diesem Buch wusste ich nicht, dass wir ein Atlantis der Nordsee haben. Umso spannender fand ich alle Details zur Stadt, von dem Aussehen der Gebäude bis hin zur Bedeutung ihrer Handelsruten übers Meer. Im Nachwort gibt es von der Autorin auch noch eine kleine Aufschlüsselung über Fakten und Legenden von Rungholt.
Im Prinzip liefert uns die Autorin zwei Sichtweisen, die beide in vergangenen Jahrhunderten spielen. Janna verliert sich in den Worten eines alten Tagebuches aus Rungholt. Ein Ort, der mehr als Legende, als Wahrheit anmutet. In den Einträgen von Leonore erkennt sie sich selbst wieder, fühlt und leidet mit ihr. In einer Familie voller düsterer Menschen und Wesen, entführt Leonore in eine unterschwellig spannende Geschichte.
Was für Charaktere. Sehr aus dem Leben gegriffen und ich habe mich bis zum Ende gefragt, wer sich als liebevoll gegenüber den zwei weiblichen Hauptfiguren herausstellt oder sich gegen sie wendet. Ich habe mit ihnen gefühlt und oft gebangt. Mein kleiner Charakterfavorit war jedoch Lara, die zierliche Frau mit spitzen Zähnen und sirenenartiger Stimme. Auf ihre Geheimnisse, ihre Geschichte und Fähigkeiten wurde man regelrecht angeheizt.
Ann-Kathrin Wasle verbindet historische Elemente mit einer herzschmerzenden Familiengeschichte und webt eine eigene Legende. Dabei bekommt das Meer eine besondere Rolle und macht fantastischen Elementen Platz. Eine Kombination, die ich im mystischen Deckmantel gerne gelesen habe. Hinzu kommt eine gewisse Dramatik, die mich an der Stange gehalten haben.
Fazit:
Den Schreibstil fand ich nicht immer leicht zu lesen, aber er ist sehr malerisch und mystisch, was zum vergangenen Zeitalter und einer Meereslegende sehr gut passt. Die Geschichte bietet historische Fakten in Kombination mit Legenden und Sagen zum Meer und dramatische Familiengeschehnisse, die mich an den Seiten festgehalten haben.