Spannend aber emotional manchmal wenig
Töchter der verlorenen Heimatm Anfang fand ich das Buch echt mega spannend und total gut geschrieben ich konnte’s kaum aus der Hand legen. Auch die ganzen historischen Sachen fand ich voll interessant. Über die richtig harte Vergangenheit ...
m Anfang fand ich das Buch echt mega spannend und total gut geschrieben ich konnte’s kaum aus der Hand legen. Auch die ganzen historischen Sachen fand ich voll interessant. Über die richtig harte Vergangenheit von Südtirol wusste ich nämlich vorher eigentlich fast gar nichts. Deshalb hab ich total gespannt verfolgt, wie sich die Geschichte in der Region entwickelt. Dieses krasse Misstrauen gegenüber allem Neuen und der Hass auf Fremde kam richtig heftig rüber. Auch die Beschreibung vom Italien der 60er fand ich cool, weil man sich heute gar nicht mehr vorstellen kann, wie anders das früher alles war.
Trotzdem hat mich die Story emotional irgendwie nicht so erreicht. Die Gefühle der Figuren waren mir zu oberflächlich beschrieben, alles wirkte so nüchtern. Selbst Johannas schlimme Erlebnisse fand ich zwar schockierend, aber ich konnte irgendwie nicht wirklich mitfühlen.
Was ich gar nicht verstanden hab: Warum hat Johanna eigentlich geschwiegen? Spätestens nachdem sie sich von Georg getrennt hat und wieder ins Dorf zurück ist, hätte sie doch die Wahrheit sagen können. Vielleicht hätte sie dann ja noch eine kleine Chance gehabt, wieder bei ihrer Familie aufgenommen zu werden. Und warum hat sie ihrer Ehe nicht wenigstens eine Chance gegeben? Auch wenn es nicht die große Liebe war ein gutes Leben mit Georg wäre ja möglich gewesen. Er hat sie sogar vor seiner Mutter verteidigt, was ja auch nicht selbstverständlich ist. Damals haben viele Frauen Ehen geführt, die mehr so Zweckgemeinschaften waren. Irgendwie wollte Johanna immer mehr vom Leben, was für eine Frau zu der Zeit halt mega schwierig war.
Paula tat mir ehrlich gesagt eher leid. Johanna war nie wirklich liebevoll zu ihr, deshalb hatte sie bestimmt keine leichte Kindheit. Trotzdem ist sie voll die starke, mutige Frau geworden. Gleichzeitig war sie für mich aber total widersprüchlich: Einerseits die unabhängige Frau, die keinen Mann an sich ranlassen will, andererseits hat sie dann nach ein paar Tagen gleich was mit Toni am Laufen und ist plötzlich total verliebt? Irgendwie hat das für mich nicht so gepasst. Auch ihre Briefe am Ende fand ich komisch: Erst schreibt sie „in Liebe“ und dann plötzlich nur noch „liebe Grüße“, als wäre Toni irgendein Bekannter. Da wirkte sie wieder total abgeklärt. Und dann kommt sie nach einem Jahr zurück zu ihm und fühlt sich sofort wieder super wohl das ging mir alles zu schnell.
Gegen Ende hatte ich generell das Gefühl, dass die Geschichte irgendwie gehetzt war, so als wollte man sie schnell zu Ende bringen. Johannas Geheimnis wird fast nebenbei aufgelöst, und Paulas plötzliche Entscheidung, doch mit Toni in Südtirol zu bleiben, fand ich auch nicht wirklich nachvollziehbar. Am meisten gestört haben mich aber die mehrmaligen Verwechslungen von Paula und Johanna im Text das hat mich beim Lesen voll rausgebracht.