Profilbild von Lavendelknowsbest

Lavendelknowsbest

Lesejury Star
offline

Lavendelknowsbest ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Lavendelknowsbest über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 02.05.2018

This is not a lovestory!

Alles Begehren
0

Kate ist 22 als sie den 17 Jahre älteren Callum kennenlernt und verführt. Callum ist Lehrer, zweifacher Vater und mit seiner schwangeren Frau sehr glücklich. Dennoch betrügt er sie, nicht nur einmal. Als ...

Kate ist 22 als sie den 17 Jahre älteren Callum kennenlernt und verführt. Callum ist Lehrer, zweifacher Vater und mit seiner schwangeren Frau sehr glücklich. Dennoch betrügt er sie, nicht nur einmal. Als ihnen ihr aller Leben um die Ohren fliegt, scheint alles verloren, doch die Wogen glätten sich. Bis Kate und Callum sich nach 17 Jahren wiedersehen...

Ich wusste nicht, ob "Alles Begehren" aufgrund seiner Thematik ein Buch für mich sein könnte. Nachdem ich die Leseprobe mir ansah, wollte ich der Geschichte aber gerne eine Chance geben. Warum ist ganz leicht erklärt.

Ruth Jones hat das Talent dich sofort in ihr erschaffenes Umfeld zu ziehen. Ich konnte mir alles sehr gut vorstellen. Die Geschichte zu lesen, war wie einen kurzweiligen, dramatischen Sonntagabend-Film zu sehen. Die Seiten flogen nur so dahin und ich befand mich in einem Sog, dank dem ich den Charakteren gerne dabei zusah, wie sie in ihr Unglück rannten.

Dies ist keine Liebesgeschichte! Es ist eher die Geschichte von zerstörten Beziehungen. Dabei sollte man meinen, das Kate und Callum mit dem was sie haben sehr glücklich sind. Dennoch lassen sie sich aufeinander ein, was wir als Leserschaft, nicht nachvollziehen müssen/können.

Das Buch spielt hauptsächlich auf zwei Zeitebenen. Im Jahr 1985 erleben wir mit, wie Callum und Kate sich erstmalig begegnen und ihre Affäre beginnen. Sie fliegen auf, was Kate zerrüttet, während Callum zurück zu seiner Frau geht.
2002 begegnen sie sich schließlich zufällig wieder und der Rausch von damals beginnt erneut.

Mittlerweile ist Callum Mitte 50 und immernoch glücklich verheiratet. Kate ist eine erfolgreiche Schauspielerin in ihren 30ern, verheiratet samt kleiner Tochter. Sie wissen, dass ihr Betrug falsch ist, dennoch tun sie es aus selbstsüchtigen und narzistischen Gründen.
Ich fand ihre Liebesgeschichte keinesfalls romantisch, das soll sie auch gar nicht sein. Ihre Verbindung hat etwas düsteres und dramatisches, da wir ganz genau die Familien der beiden kennen und alles mit einem wertenden Blick verfolgen.

Für mich sind die Nebenfiguren die wahren Helden dieser Geschichte, da es sie nicht zerstören konnte, was ihre Partner ihnen antaten. Belinda ist eine tolle Frau, die mehrfach den Betrug ihres Mannes übersteht. Die mit Größe daraus hervorgeht. Auch Matt mit seinen Freunden und seiner Tochter erkennen die neuen Chancen.

Wer eine romantische Liebesgeschichte sucht, nimmt "Alles Begehren" von Ruth Jones lieber gar nicht erst in die Hand. Wer wie ich, gerne mal Voyeurin ist und das Drama anderer verfolgt, der kann sich gerne in diesem etwas anderen Roman verlieren.

Veröffentlicht am 20.04.2018

Wirklich enttäuschend

Nichts ist gut. Ohne dich.
0

Jana und Leanders Leben trennte eine große Tragödie. Als er sechs Jahre später bei ihrer Arbeit vorbeischneit, beginnt ein großes Gefühlschaos. Kann Jana dem Jungen, der ihrem Bruder das Leben nahm, eine ...

Jana und Leanders Leben trennte eine große Tragödie. Als er sechs Jahre später bei ihrer Arbeit vorbeischneit, beginnt ein großes Gefühlschaos. Kann Jana dem Jungen, der ihrem Bruder das Leben nahm, eine neue Chance geben?

Lea Coplin ist das Pseudonym einer deutschen Autorin, die mich bereits als Alexandra Pilz mit ihrer Holly Hill Trilogie bestens unterhalten konnte. Ich war daher so gespannt, was es neues aus ihrer Feder geben würde.
Beim Blick in die Klappenbroschüre wird schnell klar, dass der Verlag diesen Titel als besseren und emotionaleren deutschen Roman à la Colleen Hoover vermarkten will. Warum diese Rechnung niemals aufgehen kann, erkläre ich gern.

Colleen Hoover ist wohl die Königin gefühlvollen und dramatischen Lovestories. Ich habe bisher nur eines ihrer Bücher gelesen, dennoch weiß ich wie sehr ihre Figuren und deren Geschichten dich packen können.
Jana und Leander taten das nicht! Es ist auch nicht ganz fair, die beiden für die Verkaufszahlen mit der Königin schlechthin zu vergleichen, denn dem halten die beiden Stand wie ein Streichholz in einer Feuersbrunst!

Ich hatte wahnsinnige Schwierigkeiten mit den Protagonisten. Dies hielt auch leider bis zum Ende an. Leander war mir dabei noch der sympathischere von beiden. Der 22-Jährige fuhr illegal Auto und verunglückte, dabei starb sein bester Freund und Janas Bruder. Aus heiterem Himmel erscheint er nach 6 Jahren wieder auf der Bildfläche, was er eigentlich von Jana will, weiß er wohl am allerwenigsten.

Jana ist für mich seit langem mal wieder eine ziemlich unausstehliche Protagonistin. Jana ist eigenbrödlerisch, draufgängerisch, ohne Prinzipien, selbstsüchtig, dumm und kindisch. Als sie sich zu Beginn des Buches daneben benahm, wollte ich es noch darauf schieben, dass sie es nach dem Verlust ihres Bruders nicht leicht hatte. Doch Jana scheint wegen allen möglichen Dingen total neben der Spur zu laufen und das hörte leider nicht auf. Ich glaube auch nicht, dass die Einsicht des letzten Kapitels von Dauer sein kann.
Sie hat keine Skrupel offen eine Affäre einzugehen, von der sie weiß, dass damit einer anderen das Herz gebrochen wird. Überhaupt überraschte mich der Sex in diesem Buch. Das Cover verspricht eine jüngere und süßere Geschichte, als sie im Endeffekt ist.

Leander und Jana ergeben eine selbstzerstörerische und unreife Kombination. Ich finde es gut, wenn Protagonisten ihre Probleme haben und nicht immer so agieren, wie man es von ihnen erwarten würde, doch muss das ganze glaubhaft passieren und ich muss sie spüren können. Leider hat die Autorin das mit den beiden nicht geschafft. Ich fühlte sie einfach nicht, weder ihren Schmerz, noch ihre Liebe füreinander. Die Autorin zeigte uns einfach viel zu wenig, was sie auseinanderbrachte und wie sie wieder zusammenfanden. Dafür standen Zankerein und unnötige Aktionen zu sehr im Vordergrund. Das finde ich einfach so schade, weil ich vielmehr von dieser Geschichte erwartet hatte.

Aber irgendwie lief alles schief. Ich fand die Enthüllungen um den Unfall total unnötig. Es fehlte die Leidenschaft. Die Protagonisten waren einfach keine Sympathieträger und auch die Nebencharaktere nehmen keine positive Wendung. Es ist auch bezeichnend, wenn das Liebesleben der Schwester viel aufregender ist, als das unserer Hauptfiguren...

Einzig positiv war für mich der Schreibstil. Lea Coplin kann wirklich schreiben. Sie findet passende und außergewöhnliche Beschreibungen und ich konnte ihren Sätzen sehr flüssig folgen. Doch leider braucht es so viel mehr für ein gutes Buch!

"Nichts ist gut. Ohne dich." von Lea Coplin besticht leider mit vielen negativen Aspekten. Von einer kaltschnäuzigen und selbstsüchtigen Protagonistin bis zu einem blassen Helden bleiben leider viele Erwartungen unerfüllt. Auch auf der Handlungsebene enttäuschte mich das Buch. Das mit dem Colleen Hoover Vergleich hätte sich dtv lieber noch mal anders überlegt...

Veröffentlicht am 14.04.2018

1 Dorf, 2 Geschichten und 3 Todesfälle

Die Morde von Pye Hall
0

Susan Ryeland, Lektorin eines englischen Verlags, hat den siebten Teil einer Erfolgskrimireihe auf dem Schreibtisch. Beim Arbeiten muss sie allerdings feststellen, dass das Manuskript unvollständig ist ...

Susan Ryeland, Lektorin eines englischen Verlags, hat den siebten Teil einer Erfolgskrimireihe auf dem Schreibtisch. Beim Arbeiten muss sie allerdings feststellen, dass das Manuskript unvollständig ist und dessen Autor auf tragische Weise ums Leben kam. Nun gilt es nicht nur die Morde von Pye Hall aufzuklären, sondern auch herauszufinden, wie deren Autor ums Leben kam.

Ich lese so selten Krimis, wenn doch muss mich der Klappentext einfach gebannt haben. Hier fiel mir direkt der außergewöhnliche Ansatz des Buches auf. Denn "Die Morde von Pye Hall" sind eine Geschichte innerhalb einer Geschichte.
Im ersten Kapitel machen wir es uns mit Susan gemütlich, als sie das Manuskript zu lesen beginnt. Gemeinsam tauchen wir ein in ein englisches Dorf in den 50er Jahren. Dort kommt eine Haushälterin bei der Arbeit ums Leben und ein paar Tage später wird ihr Arbeitgeber brutal ermordet aufgefunden. Privatdetektiv Atticus Pünd soll in einem Dorf voller Verdächtiger herausfinden, wer für die Morde von Pye Hall verantwortlich ist.

Ich wurde direkt in die Kriminalfälle hineingesogen. Es war alles so wunderbar englisch, das kleine Dörfchen, die Leute und auch die Art der Ermittlung. Mir gefiel das Setting so gut und ich liebte es zusammen mit Atticus Pünd zu ermitteln. Dabei vergass ich immer wieder, dass ich ja eigentlich durch Susans Augen ein Manuskript las.

Nach 300 Seiten kam dann der Break. Wir springen zurück in die "Realität", wo Susan sich mit der Unvollständigkeit des Buches konfrontiert sieht. Dessen Autor Allan Conway soll Selbstmord begangen haben und Lektorin Susan macht sich auf die Suche nach den letzten Seiten. Dabei stellt sie fest, dass irgendwas an Conways Tod nicht stimmen kann.
Ich hatte ein wenig befürchtet im zweiten Handlungsstrang des Romans in ein Loch zu fallen, doch auch dieser Part war sehr spannend und fesselnd erzählt. Ich konnte mir zwar recht früh denken, wer der Mörder war, dennoch tat dies meinem intensiven Leseerlebnis keinen Abbruch.

Wie am Ende auch die Morde von Pye Hall aufgeklärt wurden, war sehr clever gemacht. Überhaupt ist dieser Roman so außergewöhnlich. Er ist grandios und intelligent erzählt, geizt nicht mit atmosphärischen Beschreibungen und authentischen Charakteren. Und auch die Idee eines Romans innerhalb eines Romans konnte mich absolut begeistern.

Ich habe zuvor noch kein Buch von Anthony Horowitz gelesen, aber er versteht sein Handwerk absolut. Für mich waren "Die Morde von Pye Hall" ein Highlight, an das ich noch gerne zurückdenken werde.

Veröffentlicht am 28.03.2018

Von Gänsehaut bis Vorhersehbarkeiten

Wenn Martha tanzt
0

Martha ist jung als sie in den Zwanziger Jahren als eine der ersten StudentInnen am Bauhaus in Weimar zu studieren beginnt. Eine aufregende Zeit voller Künste und beginnenden Gräuel steht ihr bevor.
2001 ...

Martha ist jung als sie in den Zwanziger Jahren als eine der ersten StudentInnen am Bauhaus in Weimar zu studieren beginnt. Eine aufregende Zeit voller Künste und beginnenden Gräuel steht ihr bevor.
2001 fliegt ihr Urenkel nach New York um Marthas Tagebuch voller Zeichnungen von Kandinsky, Klee und Feininger versteigern zu lassen. Es ist Millionen wert, doch birgt es nicht das Geheimnis, warum sich Marthas Spur auf der Flucht vor den Nazis verlor...

Das ungekürzte Hörbuch fasst 7h und wurde von Barnaby Metschurat und Anne Ratte-Polle eingelesen. Mir persönlich gefällt es immer sehr gut, wenn mehrere SprecherInnen am Werk sind. Beide haben eine sehr angenehme Stimme, welche unaufdringlich und atmosphärisch die Geschichte erzählte.

Das Buch umfasst zwei Handlungsstränge. Der Erste spielt 2001 in New York als Thomas das Tagebuch seiner Urgroßmutter versteigern lässt. Es wechselt anonym für 45 Millionen Dollar den Besitzer. Am Abend soll er schließlich die Meistbietende kennenlernen.

Den größten Part macht allerdings Marthas Lebensgeschichte aus. Sie wurde 1900 in Pommern geboren. Als Tochter von Musikern hat sie allerdings eine andere Begabung geerbt. Diese findet sie in ihrer aufregenden Zeit am Bauhaus in Weimar. Doch mit dem Aufschwung der Nationalsozialisten nimmt Marthas Leben eine neue Wende.

Meine Schwester studierte am Bauhaus in Weimar, daher kenne ich die Stadt ein wenig. Außerdem interessiere ich mich sehr für Kunst und die Lebensgeschichte von Künstlern. Daher war ich sofort Feuer und Flamme für diese Geschichte.
Der Beginn des Buches mit Marthas Kindheit in Pommern war ein wenig müßig. Dafür liebte ich umso mehr den Abschnitt in Weimar. Was mir daran besonders gut gefiel war, dass Tom Saller historische Persönlichkeiten, die mit dem Bauhaus verbunden sind, natürlich auch in seine Geschichte übertrug. Das war so spannend und clever erzählt, dass es mich sehr faszinierte. Dafür liebe ich diesen Roman. Ich fand es auch sehr gut, dass er zwischen den Kapiteln historische Fakten der Handlungszeit aufführte.

Mit den Figuren wurde ich nicht immer warm, aber das muss ich bei solch einem Roman auch nicht. Ich beobachte einfach, was sie tun. Wie sich die Figuren der Vergangenheit schließlich mit den Geschehnissen 2001 verwoben, fand ich gut. Auch wenn die Konstellationen der Charaktere für mich sehr vorhersehbar war. Das Buch konnte mich jedoch einmal sehr überraschen.

"Wenn Martha tanzt" von Tom Saller ist ein außergewöhnliches und interessantes Debüt, welches von einer unglaublichen Lebensgeschichte erzählt. Das Hörbuch bereitete mir eine Gänsehaut, daher kann ich es nur weiterempfehlen.

Veröffentlicht am 10.03.2018

Ungewöhnliche junge Fantasy!

Die drei Opale 1: Über das tiefe Meer
0

Maus liebt die Abenteuer auf dem Segelschiff ihrer Großmutter. Eines Tages wird sie die Kapitänin der Jägerin sein. Doch dann kommt ein neuer Steuermann auf das Schiff, ihr Vater verschwindet, ihrem Bruder ...

Maus liebt die Abenteuer auf dem Segelschiff ihrer Großmutter. Eines Tages wird sie die Kapitänin der Jägerin sein. Doch dann kommt ein neuer Steuermann auf das Schiff, ihr Vater verschwindet, ihrem Bruder geht es immer schlechter und das Leben auf der Jägerin nimmt eine drastische Wende.

Ab dem ersten gesprochenen Wort ist das Hörbuch ein Genuss. Laura Maire hat so eine einzigartige und angenehme Stimme. Einigen wird sie als Synchronstimme der Alice Cullen aus Twilight bekannt sein.
In "die drei Opale" konnte sie ihre Stimme die unterschiedlichsten Facetten geben.Ob unserer 13-jährigen Protagonisten, einem kleinen Jungen, einer alten Dame einem zwielichten Kerl oder Tierwesen - es war einfach immer stimmig. Für mich macht Laura Maire das Hörerlebnis erst aus.

Die Geschichte ist kein Kinderbuch! Teilweise wird sie darin gelistet, aber mir ist sie dafür definitiv zu grausam und brutal. Ich würde sie als junge Fantasy ab 13 Jahren einordnen. Mir gefiel Sarah Drivers fantastischer Weltenentwurf. Alles ist so einzigartig und toll durchdacht. Ich mochte das Setting auf dem Schiff und die putzigen Tierwesen.
Die Wahl der Namen ist gewöhnungsbedürftig, bzw. die Übersetzung nicht immer günstig gewählt. So irritierte mich "Oma Schneekönig" schon im Klappentext.

Wichtig zu wissen, ist, dass das Hörbuch mit knapp vier Stunden eine gekürzte Lesung ist! Das merkt man leider auch. So gab es inhaltliche Sprünge, die schon stark auffielen.

"Die drei Opale. Über das tiefe Meer" von Sarah Driver ist eine fantasievolle Geschichte für jüngere Leserinnen. Das wahre Highlight war jedoch ganz klar, die Stimme von Laura Maire, die die Geschichte perfekt vertont.