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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.02.2026

Die Einschlafbegleitung und ihre Herausforderungen

Familienreihe 1: Ich bin noch gar nicht müde!
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Eine typische Situation in einer Familie: Es ist Abend und Mika, das Kleinkind, soll ins Bett. Aber Mika ist doch noch gar nicht müde! Und er muss er noch was trinken, spielen, Monster vertreiben...
„Ich ...

Eine typische Situation in einer Familie: Es ist Abend und Mika, das Kleinkind, soll ins Bett. Aber Mika ist doch noch gar nicht müde! Und er muss er noch was trinken, spielen, Monster vertreiben...
„Ich bin noch gar nicht müde!“ ist ein liebevoll geschriebenes und bedürfnisorientiertes Bilderbuch. Die meisten Kinder werden sich mit einigen der beschriebenen Szenen identifizieren können. Was das Buch besonders macht: Es enthält Absätze mit Erklärungen und praktischen Tipps für Eltern. Dazu kommen konkrete Fragen an die Kinder, z.B:. „Was machen Mama oder Papa besonders gut, wenn sie dich ins Bett bringen?“ Gerade die Infos für Eltern und die Fragen an die Kinder haben mir richtig gut gefallen. Das Buch ist liebevoll illustriert und die Erzählung kindgerecht.
Mein einziger Kritikpunkt: Die Geschichte ist relativ lang und verlangt recht viel Aufmerksamkeit von den Kindern. Das könnte man natürlich umgehen, indem man einzelne Seiten oder Sätze weglässt. Insgesamt ein sehr empfehlenswertes Buch, das typische abendliche Probleme in Familien mit Kleinkindern hilfreich thematisiert.

Veröffentlicht am 04.02.2026

Ungemütlich, mitreißend, berührend

Half His Age
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Waldo wächst mit einer vernachlässigenden Mutter in ärmlichen Verhältnissen in Alaska auf. Sie versucht, die Lücken in ihrem Leben mit Sex und Konsum zu stopfen. Mit ihrem neuen Englischlehrer Mr. Korgy ...

Waldo wächst mit einer vernachlässigenden Mutter in ärmlichen Verhältnissen in Alaska auf. Sie versucht, die Lücken in ihrem Leben mit Sex und Konsum zu stopfen. Mit ihrem neuen Englischlehrer Mr. Korgy scheint es endlich jemanden zu geben, der Waldo wirklich sieht.
Ich habe Jennette McCurdys Memoir geliebt und mich daher sehr auf ihr Romandebüt gefreut. Umso mehr freut es mich, dass es mir richtig gut gefallen hat. Es ist ein Buch, das verstört, aber zugleich sehr intelligent Themen wie Konsum und Klassismus verhandelt – und trotz all der Düsternis immer wieder überraschend witzig ist.
Waldo ist eine faszinierende Protagonistin. Sie musste viel zu früh zu viel Verantwortung übernehmen und sieht vieles klarer als Gleichaltrige. Ihren exzessiven Konsum von Fast Fashion und Make-up ordnet sie selbst eindeutig als Bewältigungsstrategie ein. Sie reflektiert darüber, wie sie – und viele andere Frauen – versuchen, sich durch Kleidung und Kosmetik Selbstwert zu erkaufen. Oder darüber, wie sie sich an männliche Gegenüber anpassen, um ihnen zu gefallen. Waldo ist intelligent, beobachtet scharf und treffend, durchschaut vieles, schafft es aber trotzdem nicht, aus ihren eigenen Mustern auszubrechen. Ziemlich klar erkennt sie die leeren Phrasen und hohlen Versprechungen von Mr. Korgy – und verfällt ihm dennoch.
„Half his age“ tut weh beim Lesen, gerade weil es so ehrlich und unbequem ist. Ein Buch, das lange im Kopf bleibt.

Veröffentlicht am 24.09.2025

Unterhaltsame und kluge Reflexionen über das Leben als Frau

Ja, nein, vielleicht
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Die namenlose Ich-Erzählerin ist in ihren 50ern und führt ein gutes, erfülltes Leben zwischen ihrer Stadtwohnung in Wien und einem kleinen Haus auf dem Land. Ihre Zwillinge sind ausgezogen, sie hat einen ...

Die namenlose Ich-Erzählerin ist in ihren 50ern und führt ein gutes, erfülltes Leben zwischen ihrer Stadtwohnung in Wien und einem kleinen Haus auf dem Land. Ihre Zwillinge sind ausgezogen, sie hat einen guten Freundeskreis und arbeitet als Autorin. Dann trifft sie ihren alten Bekannten Friedrich zufällig im Supermarkt. Soll sie ihre Zufriedenheit wirklich riskieren und sich nochmal auf einen Mann einlassen?

Dieses Buch war so eine Wohltat. Wie ein langes, gutes Gespräch mit einer Freundin, ehrlich, tröstlich und witzig. Die Erzählerin lässt uns tief in ihre Gedankenwelt eintauchen. Sie denkt über ihr Leben nach, erinnert sich an vergangene Beziehungen, plant die Hochzeit ihrer Freundin, sucht stundenlang im Internet nach passenden Socken, macht sich Sorgen um ihre Schwester. Sie resümiert über ihr ungesundes Beuteschema und toxische Ex-Partner, baut nebenbei Luftschlösser mit einem Mann, dem sie nach langen Jahren nur kurz im Supermarkt begegnet ist und schämt sich dafür. Sie beleuchtet das Dating– und Beziehungsverhalten vieler Frauen präzise: Wie man sich oft in Beziehungen anpasst oder gar verliert, wie man sich ständig mit den Augen der Datingperson sieht, wie man ständig an eine mögliche Zukunft denkt und dabei 500 Schritte zu weit voran prescht. Genauso treffend schreibt Doris Knecht über das Älter- und damit einhergehende Unsichtbarwerden, Freundschaften und Alleinerziehende. Das alles ist überhaupt nicht selbstmitleidig, sondern reflektiert und witzig.

„Ja, nein, vielleicht“ kommt ohne große Dramen aus, aber zeigt die kleinen, alltäglichen Sorgen, die uns beschäftigen. Ich fand das sehr überzeugend und habe gerne Zeit in dieser Welt und mit dieser Frau verbracht. Große Empfehlung.

Veröffentlicht am 19.09.2025

Welches Leben ist das Richtige?

Im Leben nebenan
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Toni ist Anfang dreißig, lebt zusammen mit ihrem Freund Jakob in Hamburg und arbeitet in einer Werbeagentur. Eines Tages wacht sie in einer Art Parallelversion ihres Lebens auf. In diesem anderen Leben ...

Toni ist Anfang dreißig, lebt zusammen mit ihrem Freund Jakob in Hamburg und arbeitet in einer Werbeagentur. Eines Tages wacht sie in einer Art Parallelversion ihres Lebens auf. In diesem anderen Leben ist Antonia mit ihrer Jugendliebe verheiratet, wohnt im Einfamilienhaus in der Heimatstadt und hat plötzlich ein Baby. Wir begleiten nun beide Lebensstränge für mehrere Monate.

„Im Leben nebenan“ ist ein nachdenkliches, ruhiges und introspektives Buch, das trotzdem sofort einen Sog erzeugt. Und das ganz viel mit mir gemacht, viele Gedanken angestoßen hat. Wie soll man sich bloß für ein Leben entscheiden, wo es doch so viele Optionen gibt? Eine Frage, die mich schon lange umtreibt, tue ich mir doch schon immer schwer mit Entscheidungen und liebe „Was wäre wenn…“-Gedankenspiele.

Anne Sauer gelingt es, beide Lebenswelten mit ihren Höhen und Tiefen und ohne Wertung darzustellen. Eine große Stärke ist die Darstellung weiblicher Erfahrungen und gesellschaftlicher Erwartungen. Außerdem ist das Buch voller schöner Alltagsbeobachtungen. Zwischenmenschliche Töne werden sehr gelungen eingefangen.

Ein absolut lesenswerter Roman, bittersweet, traurig und tröstlich zugleich.

Veröffentlicht am 19.09.2025

Zwischen Schwere und Schwerelosigkeit

Himmel ohne Ende
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Charlie ist 15 und fühlt sich irgendwie verloren in der Welt. In der Schule ist sie eher eine Außenseiterin. Als sich dann auch noch ihre beste Freundin von ihr abwendet und ihre alleinerziehende Mutter ...

Charlie ist 15 und fühlt sich irgendwie verloren in der Welt. In der Schule ist sie eher eine Außenseiterin. Als sich dann auch noch ihre beste Freundin von ihr abwendet und ihre alleinerziehende Mutter einen neuen Partner kennenlernt, scheint alles zu zerbrechen. Doch mit dem Auftauchen von Pommes, der neu in ihre Klasse kommt, beginnt sich etwas zu verändern.

Was kommt heraus, wenn man eine Portion Coming-of-Age, eine Prise "Gilmore Girls" und jede Menge Millennial-Referenzen mischt? „Himmel ohne Ende“. Julia Engelmann fängt dieses typisch jugendliche Lebensgefühl ein – ein ständiges Schwanken zwischen Schwere und Schwerelosigkeit.
Zugegeben, manchmal war’s mir etwas zu viel. Einige Wendungen waren für mich zu vorhersehbar (und nicht notwendig), manche Lebensweisheiten hätten gerne subtiler verpackt sein dürfen.
Und doch hab ich es sehr gerne gelesen. Diese kleinen Details – Kurbelfenster, Soaps, iPods, Tagträumen im Bus oder die Lotto spielende Oma – geben dem Buch ein warmes, nostalgisches Gefühl. Und vor allem: Die wunderbare Freundschaft zwischen Charlie und Pommes, das Herzstück der Geschichte.
Insgesamt ein empfehlenswerter Coming-of-Age-Roman – solide, berührend, stellenweise vielleicht ein wenig kitschig, aber mit Herz. Er erfindet das Genre nicht neu und hat das auch gar nicht nötig.