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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 24.08.2024

Eine bewegende Geschichte über Freundschaft, Verlust und Hoffnung

Ich komme nicht zurück
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Hanna, Zeyna und Cem lernen sich als Kinder in den 80er Jahren kennen. Auch ihre Familien verstehen sich gut miteinander und so wachsen sie in enger Verbindung auf. Doch irgendwann driftet die langjährige ...

Hanna, Zeyna und Cem lernen sich als Kinder in den 80er Jahren kennen. Auch ihre Familien verstehen sich gut miteinander und so wachsen sie in enger Verbindung auf. Doch irgendwann driftet die langjährige Freundschaft auseinander. Was ist passiert? Aus dem Blickwinkel von Hanna gehen wir auf Spurensuche.

Dieses Buch hat mich von der ersten Seite an völlig eingenommen. Es steckt ganz viel Schönheit, Wahrheit und Schmerz in diesen Zeilen. Rasha Khayat beschreibt Situationen und Gefühle intensiv und authentisch. Verluste und Todesfälle, Flucht, die Einsamkeit während der Pandemie oder die Auswirkungen des 11. Septembers spielen eine Rolle und ich fand das sehr eindringlich. Es geht um Freundschaften und Familienbande und wie sie sich im Laufe des Lebens ändern können, so lebendig dargestellt, dass ich viel an meine eigenen Erfahrungen denken musste. Immer wieder habe ich Sätze markiert, weil sie mich so berührten.

„Ich komme nicht zurück“ ist ein Buch, das ich irgendwann unbedingt noch einmal lesen möchte. Ich bin gespannt, wie es dann auf mich wirken wird. Rasha Khayats Gedanken zu Trauer, Freundschaft, Familie und Verlorensein treffen ins Herz und regen zum Nachdenken an. Trotz der teils sehr schweren Thematik konnte ich auch viel Hoffnung und Trost schöpfen. Von mir gibt es also eine große Empfehlung für dieses bewegende Buch, das jetzt schon eines meiner Jahreshighlights ist.

Veröffentlicht am 24.08.2024

Auf der Suche

Taumeln
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Vor über zwei Jahren verschwand Hannah, Anfang zwanzig, spurlos. Während anfangs noch unzählige freiwillige Helfende den an Hannahs Elternhaus grenzenden Wald durchkämmten, sind es jetzt nur mehr acht ...

Vor über zwei Jahren verschwand Hannah, Anfang zwanzig, spurlos. Während anfangs noch unzählige freiwillige Helfende den an Hannahs Elternhaus grenzenden Wald durchkämmten, sind es jetzt nur mehr acht Menschen, die sich jeden Samstag treffen und stoisch weitersuchen. Da ist etwa Hannahs kleine Schwester Luisa, die Wortführerin Inge oder der stille Sanitäter Frank.

Nach und nach werden die Perspektiven einiger Mitglieder der Suchtruppe beleuchtet und wir lernen ihre Beweggründe für die Teilnahme an der Suche kennen. Sie taumeln nicht nur durch den Wald, sondern auch durch ihr Leben, denn jede*r für sich ist irgendwie verloren und auf der Suche nach Halt. Nicht alle Perspektiven berührten mich gleich stark. Während etwa Frank und Inge mir sehr nah kamen, blieben andere Charaktere distanzierter und deren Handlungsstränge weniger intensiv.

Ich habe „Taumeln“ trotzdem gerne gelesen. Mit allzu viel Traurigkeit in Büchern tue ich mir schwer, mit Kitsch aber auch. Sina Scherzant gelingt die schwierige Balance zwischen Schwere und Hoffnung. Gerade die Ausführungen zu Einsamkeit und dem Wunsch nach Verbundenheit fand ich sehr berührend.

Wer gerne ruhige, melancholische und introspektive Geschichten liest, ist hier richtig. Auch das Ende fand ich sehr passend. Ein Buch, an das ich seit dem Beenden immer wieder denken muss.

Veröffentlicht am 23.08.2024

Berührende Geschichte einer Frau

Ava liebt noch
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Ava ist 43, Ehefrau, Mutter von drei Kindern und hat sich im letzten Jahrzehnt irgendwie selbst verloren. Als sie dem 19 Jahre jüngeren Kieran begegnet, ist sie sofort Feuer und Flamme. Sie beginnt eine ...

Ava ist 43, Ehefrau, Mutter von drei Kindern und hat sich im letzten Jahrzehnt irgendwie selbst verloren. Als sie dem 19 Jahre jüngeren Kieran begegnet, ist sie sofort Feuer und Flamme. Sie beginnt eine Affäre mit ihm, was nicht folgenlos bleibt.

Ich fand es sehr erfrischend, einen Roman aus der Perspektive einer Mittvierzigerin mit mehreren Kindern zu lesen. Nachvollziehbar schildert die Autorin, wie es zur Affäre kommt, ohne dies zu entschuldigen. Doch dabei bleibt der Text nicht stehen. Wir begleiten Ava über viele Jahre hinweg und entgegen der möglichen Klischees bei einer solchen Erzählung kam es zu einigen Entwicklungen, die ich nicht vorher gesehen habe und ich war immer gespannt, was wohl noch passieren würde.

Vera Zischke fängt im Buch so viele Momente im Leben einer Mutter ein, mit denen ich mich identifizieren konnte. Sie beschreibt den Alltag mit Kindern und warum dieser häufig so schlaucht. Sie benennt die Mehrfachbelastung und ungleiche Verteilung von Aufgaben, den Mental Load, das ständige Einfordern der eigenen Aufmerksamkeit, die vielen Unterbrechungen bei Tätigkeiten oder Gedanken. Wie man unsichtbar wird für andere Menschen.

Hätte ich Kierans Perspektive und seinen Hintergrund gebraucht? Nicht unbedingt, denn für mich ist es weniger eine Liebesgeschichte als die Geschichte von Ava, einer relativ „normalen“ (ja, über den Begriff kann man lange diskutieren) Frau, die ihr Leben lebt, Höhen und Tiefen begegnet, viele Fehler macht, sich mehrfach verliert und wieder findet. Ein Buch, das ich gern gelesen habe.

Veröffentlicht am 25.07.2024

Von Monstern in Familien

Kleine Monster
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Pia erhält diesen einen Anruf aus der Schule, den alle Eltern fürchten: Es gab einen Vorfall, in den ihr siebenjähriger Sohn Luca involviert war. Diese Nachricht versetzt Pia und ihren Mann Jakob in Aufruhr ...

Pia erhält diesen einen Anruf aus der Schule, den alle Eltern fürchten: Es gab einen Vorfall, in den ihr siebenjähriger Sohn Luca involviert war. Diese Nachricht versetzt Pia und ihren Mann Jakob in Aufruhr und führt zum kritischen Hinterfragen ihrer Erziehungsstile. Gleichzeitig denkt Pia immer mehr über ihre eigene Vergangenheit und insbesondere ihr Aufwachsen in ihrer Herkunftsfamilie nach. Was führte zum Bruch der Familie mit ihrer Schwester Romi und zum Tod ihrer Schwester Linda?

„Kleine Monster“ ist ein Roman, der sich mit den komplexen und häufig schwierigen Dynamiken innerhalb von Familien auseinandersetzt. Besonders eindrucksvoll ist für mich, wie Jessica Lind die Perspektive von Pia als Mutter und Tochter schildert. Als Lesende erleben wir ihre Ängste, Zweifel und die tiefgehende Reflexion über ihre eigene Kindheit. Die Autorin baut eine dichte Atmosphäre des subtilen Horrors auf. Die Spannung steigt kontinuierlich, während sich Pia zunehmend immer unsicherer wird, wie zuverlässig ihre Erinnerungen sind.

Diese Mischung aus spannender Handlung und tiefgehender Reflexion zu Familiensystemen machen "Kleine Monster" zu einem sehr empfehlenswertes Buch.

Veröffentlicht am 22.07.2024

Familiengeschichte mit Märchenelementen

Cascadia
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Elena und Sam sind Schwestern, Ende zwanzig und leben zusammen mit ihrer schwer kranken Mutter auf einer idyllischen Insel im Nordosten der USA. Die Familie ist durch die Krankheit der Mutter und die Folgen ...

Elena und Sam sind Schwestern, Ende zwanzig und leben zusammen mit ihrer schwer kranken Mutter auf einer idyllischen Insel im Nordosten der USA. Die Familie ist durch die Krankheit der Mutter und die Folgen der Pandemie verschuldet. Sams Job auf einer Fähre und Elenas Arbeit in einem Golfclub reichen kaum aus, um sie über Wasser zu halten. Eines Tages taucht ein Bär auf der Insel auf. Auch Sam und Elena begegnen ihm, und ihre unterschiedlichen Reaktionen darauf bringen alles aus dem Ruder.

"Cascadia" hat märchenhafte Züge und nutzt reichlich Symbolik. Schon zu Beginn wird aus "Schneeweißchen und Rosenrot" zitiert. Die Kindheit der Schwestern, in der sie die malerische Natur erkundeten und sich in ihrer Fantasie verloren, wird immer wieder thematisiert. Typische Motive wie die schöne Mutter, ein Leben in Armut und ein möglicher Retter tauchen ebenfalls auf. Und natürlich der Bär, der für die eine Schwester Hoffnung und für die andere eine Bedrohung darstellt.

Die Autorin nimmt sich Zeit, die märchenhafte Atmosphäre aufzubauen, und steigert erst gegen Ende das Tempo.
Ich hatte einen anderen Abschluss der Geschichte erwartet und bin mir nicht ganz sicher, wie ich das tatsächliche Ende finde. Insgesamt habe ich das Buch gerne gelesen, denke aber selten daran zurück.

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