Profilbild von Lesefreude_

Lesefreude_

Lesejury Star
offline

Lesefreude_ ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Lesefreude_ über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.10.2024

Warmherzig unterhaltsam und authentisch

Der Bademeister ohne Himmel
0

Hubert, der einmal Bademeister gewesen ist, ist mittlerweile sechsundachtzig Jahre alt und leidet unter Demenz. Deswegen arbeiten zwei Personen bei ihm: zum einen die Pflegerin Ewa und Linda, ein fünfzehnjähriges ...

Hubert, der einmal Bademeister gewesen ist, ist mittlerweile sechsundachtzig Jahre alt und leidet unter Demenz. Deswegen arbeiten zwei Personen bei ihm: zum einen die Pflegerin Ewa und Linda, ein fünfzehnjähriges Mädchen, das unter Depressionen leidet und mit Selbstmordgedanken zu kämpfen hat. Für Linda ist Hubert eine Art Halt, denn wenn sie in seine Welt taucht, dann ist immer etwas zu tun. Huberts Demenz ist bereits fortgeschritten und so kommt es zu allerhand bizarren Alltagssituationen, wie z.B. dass er Angst vor der Person im Spiegel hat oder Karotten toastet.

Petra Pellinis Schreibstil ist sehr warmherzig. Sie erzählt von den Auswirkungen, die eine Demenz hat, bringt aber immer wieder einen lockeren Ton mit hinein, sodass sich das Buch trotz der schweren Themen nicht belastend angefühlt hat. So fragt z.B. Linda Hubert nach der Unterschrift für eine Klassenarbeit und er unterschreibt, natürlich ohne zu verstehen, was genau. Dass Petra Pellini selber in der Pflege demenzkranker Personen tätig war, merkt man den sehr authentischen Schilderungen der Krankheit an. Das Buch ist in sehr kurzen Kapiteln gehalten und erzählt so von ganz vielen unterschiedlichen Situationen, die bei einer Demenz auftreten können. Insgesamt ein wirklich berührendes Buch, das sich auf authentische Weise dem Thema Demenz widmet.

Veröffentlicht am 14.10.2024

Spannender Familienrechtsstreit in historischem Setting

Im Nordwind
0

Hamburg, 1913: Alice hat eine schwierige Vergangenheit hinter sich, doch mit harter Arbeit versucht sie ihrer Tochter Rosa eine gute Kindheit zu ermöglichen. Doch Alice Mann Henk macht das Leben von Alice ...

Hamburg, 1913: Alice hat eine schwierige Vergangenheit hinter sich, doch mit harter Arbeit versucht sie ihrer Tochter Rosa eine gute Kindheit zu ermöglichen. Doch Alice Mann Henk macht das Leben von Alice sehr beschwerlich: immer wieder blickt er zu tief ins Glas und wendet infolgedessen Gewalt gegen Alice an oder vergisst gar ihre Tochter Rosa in der Schenke. Und auch das Geld, das Alice mühsam in einer Fabrik, die Wolle verarbeitet verdient, geht auf seinen Alkohohl drauf, sodass das Geld hinten und vorne fehlt. Eines Tages wendet Henk so stark Gewalt gegen sie an, dass Alice nicht mehr kann und sich an einen Rechtsanwalt wendet. Alice möchte sich von ihrem Mann scheiden lassen, aber auch nicht das Sorgerecht für ihre Tochter Rosa verlieren. Ein fast unmögliches Anliegen zur damaligen Zeit…

Miriam Georg gelingt es, die damalige Zeit realistisch einzufangen. Das Buch spielt hierfür an verschiedenen Orten: in den Fabriken und der Brauerei, wo wir einen Einblick in die Arbeitsbedingungen, aber auch die sich formierende Arbeiterschaft bekommen. Mit John Reevens Familie wird auch der Klassenunterschied deutlich: während seine Familie in wohlhabenden Verhältnissen lebt, kann sich Alice nichtmals einen Arzttermin leisten. Durch ihre verschiedenen Ecken und Kanten sind die erschaffenen Charaktere allesamt sehr lebendig. Wie es in einer Familie nicht unüblich ist, gibt es auch weniger sympathische Charaktere, die das Buch erst richtig spannend machen.

Georgs Schreibstil hat eine gute Mischung aus Unterhaltung und historisch eingearbeiteten Details. Besonders spannend war es natürlich John Reeven bei den Gerichtsverhandlungen zu verfolgen, aber auch die Erklärungen zum damaligen Familienrecht waren bereichernd. Da die Geschichte noch nicht zu Ende erzählt wurde, bin ich schon jetzt sehr gespannt auf den zweiten Teil. Insgesamt kann ich das Buch nur wärmstens weiterempfehlen, mich hat es total in den Bann gezogen. Für alle die gut recherchierte, spannende historische Romane mögen, ist dieses perfekt.

Veröffentlicht am 14.10.2024

Eindrücklich

Das Lied des Propheten
0

Paul Lynch schreibt in seinem 2023 mit dem Booker Prize ausgezeichneten Buch „Das Lied des Propheten“ über ein totalitäres System, das völlig ungebremst immer stärker die Rechte ihrer Bürger einschränkt.
Das ...

Paul Lynch schreibt in seinem 2023 mit dem Booker Prize ausgezeichneten Buch „Das Lied des Propheten“ über ein totalitäres System, das völlig ungebremst immer stärker die Rechte ihrer Bürger einschränkt.
Das Buch begleitet den Alltag von Eilish Stack, deren Mann Larry sowie ihren vier Kindern. Larry, der Gewerkschaftler ist wird wegen dieser Aktivität zunächst angehört und verschwindet dann vom einen auf den anderen Tag. Wie bei einem solchen System nicht anders zu erwarten, wird ihm wird kein Anwalt an die Seite gestellt und auch seine Familie wird nicht darüber informiert, wie es ihm geht. Doch Eilish lässt sich von dem immer brutaler vorgehenden System nicht einschüchtern und ist eine der einzigen, die sich gegen den Staat auflehnt.

Lynch beschreibt sehr eindrücklich, wie stark sich ein System in einer relativ kurzen Zeit mithilfe von Verordnungen, der Polizei und einem Sicherheitsdienst ändern kann. Auch wenn es für mich sehr erschreckend war zu lesen, in was für einer grausamen Realität Eilish leben muss, so muss ich leider doch sagen, dass die beschriebenen Entwicklungen mit Blick auf die deutsche Vergangenheit realistisch sind. Durch Lynch stark einnehmenden Schreibstil war ich schnell in der Geschichte drin und habe dann kaum mehr das Buch aus der Hand legen wollen. Eilish Alltag wird sehr bewegend und ausführlich beschrieben, sodass man sich die gegebenen Umstände gut bildlich vorstellen kann. Durch ihre taffe Art macht es Spaß zu verfolgen, inwieweit Eilish sich gegen das System auflehnt. Gerade mit Blick auf aktuelle Wahlergebnisse erschreckt einen das Buch nur umso mehr und ist hoffentlich ein Weckruf für viele. Dementsprechend ein sehr empfehlenswertes Buch, das nochmals unseren Blick auf aktuelle Entwicklungen schärft und gerade zur aktuellen Zeit wichtiger denn je ist.

Veröffentlicht am 11.10.2024

Packender Schreibstil

Signum
0

„Signum“, der zweite Teil der Mittsommertrilogie setzt von der Handlung direkt dort an, wo „Refugium“ geendet hat. Dementsprechend ist es auf jeden Fall empfehlenswert, mit „Refugium“ zu beginnen. In diesem ...

„Signum“, der zweite Teil der Mittsommertrilogie setzt von der Handlung direkt dort an, wo „Refugium“ geendet hat. Dementsprechend ist es auf jeden Fall empfehlenswert, mit „Refugium“ zu beginnen. In diesem Teil der Trilogie hat Kim Ribbing, den Plan, seinen ehemaligen Peiniger, den Nervendoktor Martin Rudbeck zu kidnappen, in die Tat umgesetzt. Julia Malmros ermittelt derweil im Umfeld der rechtsextremen Partei „Die wahren Schweden“ und findet dabei heraus, dass auch Kim zu dieser Partei gehört. Was wird Julia mit dieser Information anfangen und wie loyal ist sie tatsächlich Kim gegenüber?John Lindqvists Schreibstil hat mir wieder richtig gut gefallen. Es gelingt ihm, aktuelle politische Themen spannend zu verarbeiten und durch die wechselnden Perspektiven die Spannung aufrechtzuerhalten. Besonders interessant ist es auch, die Charakterentwicklungen zu verfolgen, da Lindqvist sehr interessante und teils schlecht durchschaubare Charaktere kreiert hat. Durch die Fülle an Personen hat Lindqvist verschiedene Themen und Lebensrealitäten in den jeweiligen Perspektiven aufgegriffen und damit einen super aktuellen und spannenden Thriller geschrieben. Ich bin gespannt, was uns ins Teil 3 erwarten wird.

Veröffentlicht am 27.09.2024

Gelungener Reihenabschluss

Four Secrets to Share (Breaking Waves 4)
0

Im letzten Band der Breaking Waves Reihe erfahren wir endlich, was es mit Josies Verschwinden auf sich hat. Auch wenn man nicht zu viel von der finalen Auflösung erwarten darf, passt es doch zu den Hintergründen, ...

Im letzten Band der Breaking Waves Reihe erfahren wir endlich, was es mit Josies Verschwinden auf sich hat. Auch wenn man nicht zu viel von der finalen Auflösung erwarten darf, passt es doch zu den Hintergründen, die wir aus den letzten Bänden erfahren haben und hat sich dadurch für mich nach einer passender Auflösung angefühlt. Wie schon in den letzten Bänden wird die Amtmosphäre des Ortes Harbour Bridge und die Surfstimmung wieder toll eingefangen. Auch dieses Mal steht im Zentrum der Geschichte mit Lee eine weitere der fünf Freundinnen. Lee ist im Gegensatz zu den anderen diejenige, die unter den ärmsten Bedingungen aufwachsen musste und dementsprechend schon jung gelernt hat sich durchzumogeln. In Rückblicken erfahren wir mehr über diese Zeit und ihre Vergangenheit mit Parker. Dadurch war Lee sehr greifbar für mich. Parker bleibt demgegenüber etwas weniger gut charakterisiert. Dennoch mochte ich Parkers unterstützende und liebevolle Art und habe mich dadurch über die Sprünge in die Gegenwart, in denen sich Lee in Parkers Ferienhaus einquartiert hat und die beiden sich wieder näher kommen, gefreut. Insgesamt ein gelungener Reihenabschluss.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere