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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.08.2024

Über Agathas junge Jahre

Agatha Christie
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Agatha Christie wächst zusammen mit ihrer Mutter als Agatha Miller auf. Ihre Mutter ermutigt sie immer wieder dazu, Geschichten zu schreiben. Agatha denkt aber nicht im Traum daran, dass sie Schriftstellerin ...

Agatha Christie wächst zusammen mit ihrer Mutter als Agatha Miller auf. Ihre Mutter ermutigt sie immer wieder dazu, Geschichten zu schreiben. Agatha denkt aber nicht im Traum daran, dass sie Schriftstellerin sein könnte und beginnt so eine Ausbildung zur Musikerin. Im Zuge des ersten Weltkriegs meldet sie sich als Krankenschwester und arbeitet später in einer Apotheke mit Giften, woraus spätere Ideen für ihre Krimis entstehen. Mehr aus Spaß schreibt sie weiter bis sich ganz überraschend doch noch ein Verleger bei ihr meldet. Ihr erster Krimi wird dann 1920 veröffentlicht, doch wegen eines für sie sehr schlechten Vertrages verdient sie quasi nichts an dem Werk.

Susanne Lieder arbeitet in ihrem Roman heraus, wie Agatha Christie zu der Schriftstellerin werden konnte, die sie später wurde. Der Roman beleuchtet hierbei insbesondere Agathas junge Jahre intensiv. Neben ihrem schriftstellerischen Weg geht es auch viel um Agathas erste Liebe zu Archibald Christie, aber auch um die Scheidung von ihm sowie um die Beziehung zur ihrer Mutter. Gekonnt verwebt Lieder die bibliographischen Details zu einer flüssig zu lesenden Geschichte. So nimmt Lieder uns z.B. auf eine Reise mit, aus der Agathas spätere Idee zum Orientexpress stammte. Durch die sich abwechselnde Erzählung von Agathas Liebesleben und ihrem schriftstellerischen Weg, blieb der Roman stets spannend. Offen blieb allerdings, wie es dann in Agathas Leben nach der Scheidung von ihrem ersten Mann weiterging, genauso wie ihr weiterer Weg als Autorin nicht mehr behandelt wird. Ich empfehle den Roman deswegen vor allem an jene, die gerne wissen wollen, wie Agathas junge Jahre verliefen.

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Veröffentlicht am 27.08.2024

Starke weibliche Ermittlerin

Das falsche Blut (Ishikli-Caner-Serie 2)
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Ishikli Caner, Agentin des MAD, wird auf einen neuen Fall angesetzt. Dieses Mal geht es um ein stummes Mädchen, dessen Mutter gestorben ist und das aufgrund seines Wissens gleich für mehrere, verschiedene ...

Ishikli Caner, Agentin des MAD, wird auf einen neuen Fall angesetzt. Dieses Mal geht es um ein stummes Mädchen, dessen Mutter gestorben ist und das aufgrund seines Wissens gleich für mehrere, verschiedene Parteien von höchstem Interesse ist. So beginnt ein Wettlauf um die Zeit, wer das Mädchen zuerst erwischt. Wird es Ishikli gelingen, das Mädchen zu retten?

Philipp Gravenbach hat mit „Das falsche Blut“ einen spannenden Thriller mit einer starken weiblichen Ermittlerin geschrieben. Ishikli Caner hat das richtige Maß aus Warmherzigkeit gegenüber dem Kind und Skrupellosigkeit, wenn es darum geht, Verbrecher zu erwischen. Neben Ishikli lernen wir noch andere Ermittler aus Ishiklis Team kennen, die ihr helfen, das Mädchen zu retten. Die Dynamik zwischen den Ermittlern ist mal locker, mal ernst und hat mir dadurch gut gefallen. Der Roman beginnt direkt actiongeladen, man wird mitten ins Geschehen geschmissen und muss sich zunächst erstmals zurecht finden. Auch im weiteren Verlauf überschlägt sich ein Ereignis nach dem anderen und so haben wir nicht nur eine aufregende Verfolgungsjagd, sondern die Spannung wird durch intensive Wettläufe um die Zeit ständig aufrechterhalten. Mir hat der Thriller insgesamt insbesondere wegen der starken weiblichen Ermittlerin und der spannenden Handlung gut gefallen.

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Veröffentlicht am 25.08.2024

Leider nicht ganz wie erhofft

Nach uns der Sturm
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Vanessa Chan erzählt in „Nach uns der Sturm“ über die Zeit als Malaya noch zuerst von britischen, dann von japanischen Kolonialisten besetzt wurde. Da ich bisher nichts über die Geschehnisse in Malaya ...

Vanessa Chan erzählt in „Nach uns der Sturm“ über die Zeit als Malaya noch zuerst von britischen, dann von japanischen Kolonialisten besetzt wurde. Da ich bisher nichts über die Geschehnisse in Malaya während des 2. Weltkriegs wusste, hat mich das Buch direkt angesprochen und umso spannender fand ich es, etwas über diese Zeit von einer malaysischen Autorin zu lesen. Leider war das Buch im Endeffekt nicht ganz wie erhofft.

Malaya, seit der Unabhängigkeit Malaysia genannt, hat eine harte Zeit hinter sich. Nach der britischen Besatzung, besetzen die Japaner das Land und stellen die Bevölkerung vor eine innere Zerreißprobe. In Rückblicken erfahren wir, wie es soweit kommen konnte. Denn Cecily hat durch ihre Arbeit als Spionin für die Japaner einst selbst daran mitgewirkt, dass diese an die Macht kamen. Doch was damals niemand wissen konnte, ist, wie brutal die Japaner die malaiische Bevölkerung behandeln würde. Wie die japanische Besatzung in all ihrer Brutalität abgelaufen ist, erfahren wir aus der Sicht von Cecilys drei Kindern. Hautnah erleben wir mit, welche erschreckenden Ereignisse in der Zeit der Besatzung passiert sind. So verschwindet z.B. von einem auf den anderen Tag einer von Cecilys Söhnen.

Geschrieben ist das Buch aus vier verschiedenen Perspektiven: da wäre zum einen Cecily Alcantar, dann ihr verschwundener Sohn Abel, der in ein Gefangenenlager verschleppt wird sowie ihre alter Tochter Jujube, die in einem Teehaus arbeitet und die jüngere Jasmin, die sich im Keller versteckt, um nicht als Guniang verschleppt zu werden. An den vielen Perspektiven liegt auch meine Kritik. Jede Perspektive hat eine eigene, sehr harte Geschichte zu erzählen. So behandelt das Buch z.B. Themen wie Gewalt in Gefangenenlagern, Mord, Vergewaltigung,… Weil diese Themen so hart sind, wäre es meiner Ansicht nach besser gewesen, sie nicht alle in ein Buch zu packen, sondern sich eher auf ein bis zwei Themen und Persepktiven zu fokussieren, sodass man zu dem jeweiligen Thema und Charakter eine bessere Verbindung hätte aufbauen können. Insgesamt habe ich somit zwar einen guten Überblick über das ganze Geschehen in Malaya zu dieser Zeit bekommen, konnte jedoch zu keinem Charakter eine richtige emotionale Verbindung aufbauen. Dennoch hat mir das Buch gut gefallen, um besser zu verstehen was die Bewohner Malaysias bis zur Unabhängigkeit alles ertragen mussten.

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Veröffentlicht am 25.08.2024

Rechtsmedizin spannend vermittelt

Mit kaltem Kalkül
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Der achtjährige Yasser lebt mit seiner Mutter in der Neuköllner High-Deck-Siedlung, bis er spurlos verschwindet. Doch seine Mutter traut sich nicht die Polizei zu rufen, da sie und Yasser ohne Aufenthaltsbewilligung ...

Der achtjährige Yasser lebt mit seiner Mutter in der Neuköllner High-Deck-Siedlung, bis er spurlos verschwindet. Doch seine Mutter traut sich nicht die Polizei zu rufen, da sie und Yasser ohne Aufenthaltsbewilligung illegal in Deutschland leben. So beauftragt sie den jordanischen Ex-Geheimdienstler Khalaf. Dieser findet heraus, dass aus der Siedlung vor vier Jahren schonmals ein Kind verschwunden ist. Schließlich wird auch Dr. Sabine Yao in den Fall involviert, als sie einen Toten der mit dem Verschwinden zu tun haben könnte, zu untersuchen hat. Wird es ihnen gelingen, Yasser rechtzeitig zu finden?

In seinen neusten Thriller verarbeitet Prof. Dr. Tsokos wieder spannende Fälle aus der rechtsmedizinischen Praxis. Neben dem Hauptfall rund um Yasser wird noch ein weiterer Fall am Rande eingearbeitet. Indem der Roman abwechselnd aus Yassers, Khalafs und Sabine Yaos Perspektive geschrieben ist, gelingt der Wechsel zwischen Ermittlungs- und rechtsmedizinischer Arbeit perfekt. Speziell bei diesem Thriller empfand ich die Vermittlung der rechtsmedizinischen Inhalte über die Fragen der Praktikantin und die geduldigen Antworten von Dr. Yao sehr verständlich gelungen und dabei dennoch vertieft. Die Kapitel sind wie gewohnt kurz gehalten und sorgen durch Cliffhanger immer wieder für Spannung.

Somit gelingt Tsokos mal wieder die ideale Abwechslung zwischen der Vermittlung von rechtsmedizinischem Wissen und der Aufrechterhaltung von Spannung. Perfekt für alle Fans der Rechtsmedizin.

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Veröffentlicht am 19.08.2024

Guter Roman über Eheprobleme und jüdische Identität

Juli, August, September
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Lou und Sergej stammen aus der Sowjetunion, leben mittlerweile in Berlin und sind beide jüdisch. Doch was bedeutet es heutzutage eigentlich jüdisch zu sein und vor allem wenn man als Jude in Deutschland ...

Lou und Sergej stammen aus der Sowjetunion, leben mittlerweile in Berlin und sind beide jüdisch. Doch was bedeutet es heutzutage eigentlich jüdisch zu sein und vor allem wenn man als Jude in Deutschland lebt? Diese Frage wird umso relevanter für Lou und Sergej als ihre Tochter größer wird und sie vor der Frage stehen, wie sie ihrer fünfjährigen Tochter die Shoah begreiflich machen sollen ohne dass diese davon verstört wird. Mit der Zeit werden auch die Schwierigkeiten in Lous und Sergejs Ehe immer deutlicher. Während Lou nach Costa Rica zu einem Familientreffen reist, versucht Sergej alles, um an seine Erfolge als Pianist anzuknüpfen. Als Lou sich dann mit dem, was sie auf Gran Canaria erfahren hat, mit Sergej auseinandersetzen will, hat dieser keine Zeit für sie. Da er für eine Reportage mit einer Journalistin herumreist, ist für Lou gleich klar, dass er sie betrügt. Um mehr über ihre eigene Familiengeschichte herauszufinden, reist sie schließlich nach Tel Aviv. Ob Lou und Sergej es schaffen können, trotz ihrer Entfremdung und Meinungsverschiedenheiten, wieder zueinander zu finden, müsst ihr selber lesen.

Olga Grjasnowa setzt sich in ihrem neuen Werk intensiv damit auseinander, wie sich zwei Menschen entfremden können. Lous und Sergejs Auseinanderleben beginnt zunächst klein mit Meinungsverschiedenheit bezüglich der Erziehung ihrer Tochter und wird mit der Zeit immer gravierender bis Lou ihrem Mann nicht mehr vertraut. Der Roman setzt sich auch mit jüdischer Identität auseinander. Auf Gran Canaria erfahren wir dann auch, welche harte Vergangenheit Lous Mutter in der Sowjetunion erlebt hat. Der ganze Roman ist aus Lous Perspektive geschrieben, weswegen man schnell einen Zugang zu ihr findet. Doch auch die anderen Personen haben alle prägende Charaktereigenschaften, weswegen man sie gut auseinanderhalten kann. Grjasnowas Schreibstil ist sehr pointiert und eindringlich. Dadurch werden die angesprochenen Themen sehr präzise auf den Punkt gebracht. Einzigen Kritikpunkt den ich habe, ist dass ich mir eine noch intensivere Auseinandersetzung mit der jüdischen Identität gewünscht hätte. In der Hinsicht hatte ich zwischenzeitlich das Gefühl, dass der Fokus hierauf etwas verloren ging.

Insgesamt ein guter Roman, von dem ich mir aber eine noch intensivere Auseinandersetzung mit der jüdischen Identität gewünscht hätte.

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