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Veröffentlicht am 15.09.2016

Ein zwiespältiger Roman über Mobbing und seine Konsequenzen

Das wirst du bereuen
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Worum geht's?
Emma Putnam ist tot – und Sara und ihre beste Freundin Brielle sind schuld daran. Sie haben Emma mit ihren Demütigungen in den Selbstmord getrieben und sollen sich nun vor Gericht für ihre ...

Worum geht's?
Emma Putnam ist tot – und Sara und ihre beste Freundin Brielle sind schuld daran. Sie haben Emma mit ihren Demütigungen in den Selbstmord getrieben und sollen sich nun vor Gericht für ihre Taten rechtfertigen. Absoluter Unsinn, wie Sara findet. Schließlich hat sich Emma nicht umgebracht, weil alle sie für eine Schlampe hielten – sondern weil sie eine war. Dass Emma da den einen oder anderen Denkzettel von Brielle und Sara erhalten musste, versteht sich doch von selbst. Und dass sie sich schließlich umbringen wollte, ist doch ihre eigene Entscheidung gewesen. Emmas Entscheidung ganz allein…

Meine Meinung:
Es gibt unzählige Bücher über Mobbing und es gibt wohl niemanden, der noch keines gelesen hat. In der Schule zählen sie mittlerweile zu den Pflichtlektüren, um die Schüler über das Thema aufzuklären und vor den Konsequenzen zu warnen. Amanda Maciel schlägt mit ihrem Debüt, dem Jugendthriller „Das wirst du bereuen“, die gleiche Richtung ein – und ist doch ganz anders als die Mobbing-Bücher, die man sonst in den Buchhandlungen finden kann. Die Autorin beschäftigt sich nämlich nicht, wie sonst typisch, mit dem Opfer, sondern mit den Tätern. Sie beleuchtet in ihrem Roman genau die Seite, die man sonst klischeehaft als bösartig abstempelt und nicht genauer untersucht. „Du wirst bereuen“ ist ein Roman, der sich mit der Gegenseite beschäftigt und zeigen will, warum es überhaupt erst zum Mobbing kommen muss.

Amanda Maciel erzählt die Geschichte auf zwei Zeitebenen: dem „Davor“ und dem „Danach“. Während man Sara einerseits in der fiktiven Gegenwart, also nach dem Selbstmord ihrer Mitschülerin Emma, bis zu ihrem Gerichtstermin begleitet, springen einige Kapitel zurück in die Vergangenheit, in der Emma noch gelebt hat. Man erlebt, wie sich Saras Leben durch Emmas Tod verändert hat, wie sie sich selbst verändert hat, und welche Konsequenzen sie nun zu erwarten hat – oder auch nicht. Durch die Rückblicke erfährt man zudem Stück für Stück, was Emma in den Selbstmord getrieben hat, und diese Kapitel haben es wirklich in sich.

Protagonistin Sara ist absolut keine Hauptfigur, mit der man sympathisieren kann. Sie und ihre beste Freundin Brielle gehören zu jenen Mädchen, die sich stets für etwas Besseres halten. Arrogant, überheblich und auf eine ungesunde Weise von sich selbst überzeugt haben sie sich an die Spitze der Hackordnung ihrer Schule gekämpft, indem sie andere schikanieren, beleidigen und demütigen. Es macht ihnen Spaß, ihre Macht zu demonstrieren, und sie lassen keine Gelegenheit aus, Späße aus Kosten anderer zu machen. Sara und Brielle sind grausam und eiskalt – und machen sich damit weder bei ihren Mitschülern (obwohl sie natürlich nie wagen würden, es zuzugeben) noch bei ihren Lesern beliebt.

Saras Grausamkeit und ihre felsenfeste Ansicht, keine Schuld an der Tragödie zu tragen, machen es wirklich unmöglich, sie ins Herz zu schließen. Selbst nach Emmas Selbstmord pocht sie darauf, dass ihre „kleinen Späße“, die in Wahrheit viel tiefer gehen als man es sich vorstellen mag, stets lustig gewesen seien. Egoistisch, wie sie ist, regt sie sich sogar darüber auf, dass sich nun alle nur noch um Emma scheren und sich niemand darum kümmert, wer Emma wirklich gewesen ist. Sara ist auf ihre Weise eine Protagonistin, die einen so sehr abstößt, dass man unweigerlich fasziniert von ihr ist. Fassungslos klebt man an den Seiten, weil man nicht fassen kann – oder eher nicht fassen will -, dass ein solches Verhalten an manchen Schulen tatsächlich Gang und Gäbe ist.

Im Verlauf der Geschichte wird sehr deutlich, dass hinter Sara viel mehr steckt als ein oberflächliches Mädchen, das sich keiner Schuld bewusst ist. Je mehr Zeit man mit ihr verbringt, je näher man sie kennenlernt, desto deutlicher wird, wieso sie sich so ekelhaft verhalten hat. Sympathiepunkte sammelt Sara damit nicht und die Gründe entschuldigen ihr Verhalten auch nicht, aber Amanda Maciel schafft es tatsächlich, dass man ihre Protagonistin auf gewisse Weise verstehen kann. Man kann ihre Wut, ihre Abscheu gegenüber Emma nachvollziehen, und ertappt sich so manches Mal sogar selbst dabei, dass man das verstorbene Mädchen in einem schlechten Licht betrachtet. „Das wirst du bereuen“ geht mit seiner Thematik definitiv unter die Haut und bewegt zum Nachdenken.

Was mir bis zur letzten Seite gefehlt hat, war eine klare Darstellung von Emma Putnam, dem Opfer in der Geschichte. Wer war dieses Mädchen wirklich? Was hat sie zu ihren Entscheidungen und Handlungen bewegt, bevor sie in ihren Selbstmord getrieben wurde? Wie verlief ihr Leben, bevor sie an die Elmwood High kam? Für mich war Emma ein einziges Rätsel und ich hätte gerne mehr von ihr erfahren. Nicht nur aus Neugierde, sondern auch, um ihre endgültige Entscheidung besser nachvollziehen zu können. Während der Rückblenden macht Emma einen insgesamt toughen, manchmal etwas schwächelnden, aber niemals einen selbstmordgefährdeten Eindruck auf mich. Emma war für mich leider nicht der komplexe Charakter, den ich erwartet hätte.

Der Abschluss der Geschichte wirkte auf mich leider viel zu gestellt und zu gewollt. Das Verhalten, das Sara vor Gericht schließlich an den Tag legt, passt überhaupt nicht zu ihr und ihrer Persönlichkeit, die man im Verlauf der Geschichte kennengelernt hat. Vielmehr scheint es so, als würde Amanda Maciel ihrer Protagonistin um jeden Preis noch ihren Seelenfrieden schenken wollen. Ob sie es verdient oder nicht, sei an dieser Stelle dahingestellt, aber die plötzliche Erkenntnis Saras hat der Geschichte leider einiges an Glaubwürdigkeit geraubt.

Fazit:
„Das wirst du bereuen“ von Amanda Maciel ist ein schockierender Roman über Mobbing und seine Konsequenzen, der sich im Gegensatz zu den vielen anderen Büchern zu diesem Thema mal nicht mit dem Opfer, sondern mit dem Täter beschäftigt. Auf erschreckende und realistische Art zeigt Maciel in ihrem Debüt, was die junge Sara gemeinsam mit ihrer besten Freundin Brielle dazu bewegt, ein anderes Mädchen nach allen Regeln der Kunst zu demütigen – und sogar in den Selbstmord zu treiben. Es ist ein Roman, der es verdient hat, gelesen und beachtet zu werden. Der zum Nachdenken bewegt. Trotzdem hätte Maciel an einigen Stellen mehr aus ihrem Debüt herausholen können: Emmas Charakter war mir zu blass und das Ende der Geschichte hat dem Roman in meinen Augen leider viel Glaubwürdigkeit geraubt. Für „Das wirst du bereuen“ vergebe ich gute drei Lurche.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Mochte ich es – oder mochte ich es nicht?

Der Ozean am Ende der Straße
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Worum geht's?
Es war nur ein Ententeich, ein Stück weit unterhalb des Bauernhofs. Und er war nicht besonders groß. Lettie Hempstock behauptete, es sei ein Ozean, aber ich wusste, das war Quatsch. Sie behauptete, ...

Worum geht's?
Es war nur ein Ententeich, ein Stück weit unterhalb des Bauernhofs. Und er war nicht besonders groß. Lettie Hempstock behauptete, es sei ein Ozean, aber ich wusste, das war Quatsch. Sie behauptete, man könne durch ihn in eine andere Welt gelangen. Und was dann geschah, hätte sich eigentlich niemals ereignen dürfen … (Quelle: Eichborn)

Meine Meinung:
In „Der Ozean am Ende der Straße“ entführt Neil Gaiman seine Leser in ein modernes Märchen für Erwachsene: Man begleitet einen Mann, der zu einer Beerdigung in seine Heimatstadt zurückkehrt, auf eine phantastische Reise in die Vergangenheit. Um für einen Moment für sich allein zu sein, geht er zu dem Ententeich am Ende der Straße, den er als siebenjähriger Junge als Ozean bezeichnet hat – nein, den Lettie Hempstock so genannt hat! Lettie, das starke Mädchen, mit dem er Dinge erlebt hat, die einem nicht in der uns bekannten Welt zustoßen würden.

Nach der betrübten Einleitung, die einen in keiner Weise auf den Handlungsverlauf vorbereitet, springt Neil Gaiman zurück in die Kindheit seines Protagonisten. Gemeinsam mit dem Jungen, dessen Namen man nicht erfährt, entdeckt man die Magie in unserer realen Welt. Es ist keine schöne Magie, auf die man trifft, aber auch keine, die man einfach in Gut und Böse unterteilen kann. Es ist eine skurrile Magie, wie man sie von Neil Gaiman kennt.

Stellenweise hatte ich jedoch das Gefühl, dass der Roman tiefer gehen wollte als es die Geschichte hergab. „Der Ozean am Ende der Straße“ greift Themen auf, schneidet Mythen und Legenden an, die den Eindruck erwecken, groß und bedeutsam zu sein, ohne diesem Anspruch – zumindest zwischen den Buchdeckeln – gerecht zu werden.

Die Frage, die sich mir dabei aufdrängte, war natürlich, ob Neil Gaiman dies auch überhaupt will. Will er über die phantastische Traumszenerie hinaus? Will er den entstehenden Erwartungen gerecht werden? Ich unterstelle ihm, dass er als Autor mehr will als seine Leser zu unterhalten – und das, Erwartungshaltung hin oder her, ist ihm bei mir nur mäßig gelungen.

Für mich war „Der Ozean am Ende der Straße“ schlichtweg nicht rund genug. Während ich mich einerseits absolut von Gaimans besonderem Schreibstil verzaubern, mich in seine fantastische Welt entführen lassen konnte, wurde ich von Kapitel zu Kapitel unfreiwillig von mehr Fragen und Gedanken begleitet, die die magische Leseatmosphäre erheblich gestört haben. Ein „Mal so, mal so“, dass mich nach der letzten Seite in einer Zweckmühle sitzen ließ: Mochte ich es nun, oder mochte ich es nicht?

Dass Neil Gaiman ein besonderer und talentierter Autor ist, steht wohl völlig außer Zweifel. Er schreibt mit einer einzigartigen Magie, einer Intensität, die er in jedes seiner Worte legt. Die Poesie seiner Schreibe strahlt eine besondere und träumerische Atmosphäre aus, die perfekt zu der traumhaften Handlung passt. Fans von phantastischer Literatur, die eine ganz eigene Welt in der unseren erschafft, die etwas Skurriles und Neues in das Unbekannte einfließen lässt, ja, die unserem Leben das Unnatürliche und Magische hinzufügt, kommen bei Neil Gaiman stets auf ihre Kosten.

Fazit:
Mochte ich es – oder mochte ich es nicht? Diese Frage zu beantworten fällt mir im Fall von „Der Ozean am Ende der Straße“ von Neil Gaiman tatsächlich nicht leicht. Einerseits hat mich Gaiman mit seiner außergewöhnlichen Schreibe und seiner skurrilen Magie absolut in seinen Bann gezogen, andererseits war der Roman für mich in einigen Punkten nicht rund genug. Es waren vor allem die mich unfreiwillig begleitenden Fragen und Gedanken, die sich von Kapitel zu Kapitel dominanter in meinem Kopf auftürmten, die mir die einzigartige Leseatmosphäre und somit auch den Lesespaß vermiesten. Nichtsdestotrotz hat „Der Ozean am Ende der Straße“ definitiv einen gewissen Reiz auf mich ausgeübt, den ich nicht verleugnen kann. Für „Der Ozean am Ende der Straße“ vergebe ich daher unentschlossene drei Lurche.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Eine mitreißende, emotionale und erschreckend ehrliche Suche nach der Wahrheit

Mit Rosen bedacht
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Worum geht's?
Es war alles perfekt: In wenigen Tagen wollte Wanda ihren Verlobten Karim heiraten. Mit ihm zusammen die neue gemeinsame Wohnung beziehen. Den Rest ihres Lebens glücklich an seiner Seite ...

Worum geht's?
Es war alles perfekt: In wenigen Tagen wollte Wanda ihren Verlobten Karim heiraten. Mit ihm zusammen die neue gemeinsame Wohnung beziehen. Den Rest ihres Lebens glücklich an seiner Seite verbringen. Doch dann geschah der Unfall – und nun liegt Wandas Welt in Trümmern. Karim wurde schwer verletzt und liegt im Koma. Die Ärzte geben ihm kaum noch Chancen, jemals wieder aufzuwachen. Als Wanda sich darum bemüht, Karims Angelegenheiten zu klären, stößt sie auf unerwartet viele Fragen und Ungereimtheiten. Seine persönlichen Unterlagen fehlen und sowohl Karims Vermieterin als auch sein Chef konfrontieren Wanda mit Daten, die unmöglich stimmen können – oder? Hat ihr Verlobter ihr etwa die ganze Zeit etwas vorgemacht? Sein wahres Ich hinter einem dichten Netz aus Lügen verborgen? Aber warum? Wanda kommt Karims Geheimnis gefährlich nah – und bringt damit einen Stein ins Rollen, der sie selbst zu überwältigen droht.

Meine Meinung:
Die deutsche Autorin Jennifer Benkau hat sich durch ihre bisher erschienenen Romane bereits einen Namen gemacht. Sowohl ihre paranormalen Liebesgeschichten als auch ihre phantastischen Jugendromane wurden mit vielen Lobeshymnen überschüttet. Auch ich zähle mich seit „Dark Canopy“, „Himmelsfern“ und „Marmorkuss“ zu ihren Fans. Mit ihrem neuen Werk „Mit Rosen bedacht“ wagt sich Jennifer Benkau jedoch in neue Gefilde. Sie erzählt eine Geschichte ganz ohne übernatürliche Wesen oder erschreckende Zukunftsszenarien, aber auf ihre eigene Magie – die Magie ihrer Worte – verzichtet sie keinesfalls.

„Mit Rosen bedacht“ ist eine spannende und aufregende Liebesgeschichte mit aufwühlenden Thriller-Elementen. Es wird schaurig, mysteriös und mitreißend – und tiefsinnig, emotional und bewegend, wie man es von der Autorin kennt. Sie erzählt die Geschichte auf zwei Wegen: Während jedes Kapitel mit einem Ereignis aus der Gegenwart beginnt, das Wanda näher an die Wahrheit heranrücken lässt, endet es mit einer Erinnerung Wandas an ein Erlebnis mit Karim aus den vergangenen vier Jahren, in welchen sie ihren Verlobten kennen und lieben gelernt hat. „Mit Rosen bedacht“ ist auf den ersten Seiten zunächst sehr ruhig und still, in Anbetracht der schrecklichen Geschehnisse schon melancholisch, entwickelt aber recht schnell eine unheimliche Atmosphäre, die einem einen Schauer über den Rücken laufen lässt.

Jennifer Benkau hat sich für ihre Geschichte einen komplexen und undurchschaubaren Plot ersponnen, der einen als Leser mit jeder Faser des eigenen Körpers an die Seiten bannt. Was hatte Karim zu verbergen? Kann es wirklich sein, dass der sympathische junge Mann, den man durch Wandas Erinnerungen kennenlernt, nicht derjenige war, der er vorgab zu sein? Es fällt einem von Kapitel zu Kapitel schwerer ein Urteil zu fällen. Mit jedem Puzzleteil, das Wanda entdeckt, wird das Gesamtbild nur noch verworrener und seltsamer, bis einem ganz plötzlich alles wie Schuppen von den Augen fällt. Oder man es zumindest glaubt. Jennifer Benkau beweist mal wieder mit Leichtigkeit, welch ein Schreibtalent sie ist und dass an ihren Geschichten nichts so einfach und leicht ist, wie es zunächst scheinen mag.

Der Fokus der Geschichte liegt ganz klar auf Wanda und Karim. Während man Wanda, die einen auch als Erzählerin durch die Seiten begleitet, vor allem durch ihre persönlichen Gedanken und Gefühle kennen und verstehen lernt, tritt Karim in erster Linie nur durch ihre Erinnerungen in Erscheinung. Zugegeben: Wandas Erinnerungen liest man mit einem besonders wachsamen Auge. Man sucht nach Hinweisen, Andeutungen, die Wanda durch die rosarote Brille vielleicht übersehen hat. Doch schnell wird einem klar, dass die Charaktere einiges mit der Handlung gemein haben. Sie sind ebenso komplex und tiefgründig, voller Emotionen und dabei trotzdem realistisch und authentisch. Sie sind Figuren wie aus dem echten Leben, mit Stärken und Schwächen, Talenten und Fehlern. Man will sie ergründen, sie verstehen, das Gesamtkonstrukt begreifen – und genau das macht den Reiz des Buches aus.

Es gibt nur eine Handvoll Nebencharaktere in „Mit Rosen bedacht“ und sie alle spielen eine mehr oder weniger große Rolle innerhalb der Handlung. Tatsächlich beleuchtet sie Jennifer Benkau allerdings nur dann genauer, wenn sie für das geheimnisvolle Wirrwarr um Wanda und Karim einen entscheidenden Hinweis liefern. Obwohl ich in den Nebencharakteren oft die heimlichen Helden der Geschichte entdecke und deshalb großen Wert darauf lege, dass Autoren mehr aus ihnen machen, war ich dieses Mal erstaunlicherweise nicht enttäuscht darüber, dass sich Jennifer Benkau sehr auf ihre Hauptfiguren konzentriert. Ihre Nebencharaktere stehen selten im Rampenlicht des Romans und dennoch strahlen sie eine Intensität aus, die sie niemals so wirken lassen, als wären sie nur kleine Sprechrollen.

Fazit:
Mit „Mit Rosen bedacht“ wagt sich die talentierte Autorin Jennifer Benkau in neue Gefilde: Hierbei handelt es sich keinesfalls um ein Jugendbuch, sondern um einen spannenden, ja, fast schon thrilligen belletristischen Roman! Und Frau Benkau beweist mit Leichtigkeit und schonungsloser Ehrlichkeit, dass ihr Schreibtalent sich nicht auf ein Genre festsetzen lässt. „Mit Rosen bedacht“ ist anders als ihre anderen Bücher, ganz klar, aber auf ihre einzigartige Magie hat die Autorin keinesfalls. Jennifer Benkau fesselt ihre Leser mit jedem Kapitel mehr an ihre Seiten und bietet ihnen eine mitreißende, emotionale und erschreckend ehrliche Suche nach der Wahrheit. Eine ganz klare Leseempfehlung! Für „Mit Rosen bedacht“ vergebe ich sehr gute 4 Lurche.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Meerestiefenschwarz.

Welche Farbe hat die Angst?
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Worum geht's?
Als die fünfzehnjährige Katta bei einem Malwettbewerb den ersten Platz erzielt und einen Kunstkurs bei dem renommierten Künstler Josef Wild gewinnt, kann sie ihr Glück kaum fassen. Sogar ...

Worum geht's?
Als die fünfzehnjährige Katta bei einem Malwettbewerb den ersten Platz erzielt und einen Kunstkurs bei dem renommierten Künstler Josef Wild gewinnt, kann sie ihr Glück kaum fassen. Sogar Alex, der Mädchenschwarm ihrer Schule, ist dadurch auf sie aufmerksam geworden! Doch der Malkurs verläuft ganz anders, als erwartet: Als Josef Wild in ihren Bildern den Stil seiner verstorbenen Schülerin Miriam wiedererkennt, beginnt Katta mit Nachforschungen. Sie glaubt nicht daran, dass jemand wie Miriam, der mit so viel Leidenschaft und Lebensfreude gemalt hat, tatsächlich Selbstmord begangen haben soll! Gemeinsam mit Alex, der sie auf ihrer Suche nach der Wahrheit unterstützt, entdeckt Katta immer mehr versteckte Nachrichten von Miriam, die ihre Theorie bestätigen. Dabei merkt sie nicht, dass die dem wahren Täter immer näher kommt – und plötzlich schwebt Katta selbst in großer Gefahr.

Meine Meinung:
„Welche Farbe hat die Angst?“ aus der Feder von Barbara Rose ist ein Buch, auf das ich ehrlicherweise erst aufmerksam geworden bin, als es überraschend in mein Regal eingezogen ist. Es kam genau zur rechten Zeit, denn ich hatte mal wieder Lust auf einen Jugendthriller und der Klappentext hat mich auf Anhieb neugierig gemacht. Kaum hatte ich mit dem Lesen begonnen, hatte mich Barbara Rose auch schon fest in ihrer Hand: Die Geschichte um die junge Künstlerin Katta, deren Stil der verstorbenen Kunstschülerin Miriam erstaunlich ähnlich ist, hat mich mit ihrer Farbgewalt sofort in ihren Bann gezogen.

Protagonistin der Geschichte ist die fünfzehnjährige Katharina, genannt Katta. Katta hat ein ganz besonderes Talent, eine große Leidenschaft, für die ihr Herz brennt: die Malerei! Wenn sie Pinsel und Stift in die Hände bekommt, dann malt sie nicht einfach nur; Katta füllt ihre Bilder mit Leben! Und mit dieser speziellen Leidenschaft schafft das junge Mädchen es in Windeseile, auch die Leser für die Malerei zu begeistern. Allerdings steckt in Katta noch viel mehr als eine begabte Künstlerin. Sie ist eine mutige und starke Protagonistin, die niemals den Kopf in den Sand steckt. Nichts und niemand kann sie aufhalten! Das beweist Katta mit der Entwicklung, die sie in „Welche Farbe hat die Angst?“ vollzieht, mehr als deutlich. Unscheinbar? Von wegen!

Für Jugendthriller-Fans wie mich, die eigentlich schon um ein paar Jahre aus der Altersempfehlung herausgewachsen sind, ist „Welche Farbe hat die Angst“ leider etwas zu vorhersehbar. Die Auflösung des Geheimnisses, die Wahrheit hinter Miriams Tod ist für aufmerksame Leser schnell ersichtlich. Für jüngere Leser, die das Genre vielleicht auch erst für sich ausprobieren möchten, ist der Roman dagegen ideal. Barbara Rose hat für sie genau die richtige Portion „Thriller“ in das Jugendbuch einfließen lassen, sodass sie voll und ganz auf ihre Kosten kommen werden.

Zwar habe ich den Täter schnell entlarven können, aber an Spaß und Spannung hat die Geschichte für mich trotzdem nichts verloren. „Welche Farbe hat die Angst?“ hat so viele andere tolle Facetten, dass ich darüber getrost hinwegsehen konnte. Neben der süßen Liebesgeschichte, die sich zwischen Katta und Alex entwickelt und durch Schmetterlinge im Bauch und junge Naivität definiert, an die sich nicht nur Leser in Kattas Alter erinnern können werden, bietet die Geschichte spannende Irrungen und Wirrungen unter den Charakteren.

Mein persönliches Highlight an der Geschichte war jedoch Barbara Roses Umsetzung des Künstlerthemas. Die Autorin hat hervorragende Recherchearbeit geleistet und die einzelnen Aspekte der Malerei, die Katta von Josef Wild erlernt, so realistisch in die Geschichte eingewoben, dass man sich beinahe selbst so fühlte, als würde man an einem Kunstkurs teilnehmen. Besonders gelungen ist Rose aber die Einbindung der Farben. Farben in all ihren Nuancen spielen eine große Rolle in „Welche Farbe hat die Angst?“ – nicht nur aus künstlerischer Sicht. Sie verleihen dem Roman eine malerische Atmosphäre. Sogar die einzelnen Kapitel sind nach Farbtönen benannt, die die Stimmung der jeweiligen Szene zusammenfassen.

Barbara Rose hat einen sehr angenehmen, leichten und flüssigen Schreibstil, der dafür sorgt, dass sich die Seiten ruckzuck lesen lassen. Dadurch gerät man schnell in einen Lesefluss, der einen stetig zum Weiterlesen animiert. Man möchte nach jedem Kapitel „nur noch schnell ein weiteres“ lesen, aber ehe man sich versieht, ist man schon auf der letzten Seite angekommen! Was an Roses Schreibstil besonders auffällt, sind die lebendigen Dialoge der Charaktere, die mit einer sehr jugendlichen Sprache miteinander kommunizieren. Jüngere Leser werden sich dadurch noch besser mit den Figuren identifizieren können.

Fazit:
„Welche Farbe hat die Angst?“ von Barbara Rose ist ein farbgewaltiger Jugendthriller – im wahrsten Sinne des Wortes. Auch wenn das Geheimnis hinter der Identität des wahren Mörders für aufmerksame Leser schnell ersichtlich ist, kann der Roman seine Leser mit seiner besonderen Atmosphäre mitreißen. Farben spielen in der Geschichte um die junge Künstlerin Katta, die den Tod der Malerin Miriam aufklären möchte, eine wichtige Rolle und sorgen für eine ganz intensive Stimmung, die man einfach erleben muss. Für „Welche Farbe hat die Angst?“ vergebe ich 4 Lurche.
(P.S.: Meine Farbe der Angst? Meerestiefenschwarz!)