Ungewöhnlich
UltramarinUltramarin ist inhaltlich auf jeden Fall eine interessante und ungewöhnliche Lektüre. Besonders spannend fand ich die Auseinandersetzung mit Macht, Abhängigkeit und Begehren innerhalb vermeintlich freier, ...
Ultramarin ist inhaltlich auf jeden Fall eine interessante und ungewöhnliche Lektüre. Besonders spannend fand ich die Auseinandersetzung mit Macht, Abhängigkeit und Begehren innerhalb vermeintlich freier, moderner Lebensentwürfe. Der Roman zeigt auf eine ziemlich schonungslose Weise, dass auch in offenen, queeren und unkonventionellen Beziehungen alte, destruktive Dynamiken weiterwirken können. Man bekommt ein gutes Gespür für die sommerlich-flirrende Atmosphäre, für dieses scheinbar leichte Zusammensein in dem Ferienhaus, das nach und nach kippt.
Was mir jedoch das Lesen deutlich erschwert hat, ist der Schreibstil. Vor allem in den Dialogen. Wörtliche Rede wird praktisch nie in Anführungszeichen dargestellt, sondern ausschließlich über Konstruktionen wie „sagte er“ oder „sagte sie“. Diese ständigen Wiederholungen wirken monoton und nehmen den Gesprächen viel an Lebendigkeit und Emotion. Gerade in einem Roman, der so stark von zwischenmenschlichen Spannungen lebt, fand ich das schade, weil es die Intensität eher abschwächt und den Lesefluss teilweise stockend macht.