Platzhalter für Profilbild

LiberteToujours

aktives Lesejury-Mitglied
offline

LiberteToujours ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit LiberteToujours über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.05.2020

Weihnachtsphobie - wer hat denn sowas?

Schneekind
0

Weihnachtsphobie - wer hat denn sowas? Hebamme Anne leidet tatsächlich unter dieser seltsamen Art von Phobie, sie fürchtet sich vor allem, was mit Weihnachten zu tun hat, kann bestimmte Lieder nicht hören, ...

Weihnachtsphobie - wer hat denn sowas? Hebamme Anne leidet tatsächlich unter dieser seltsamen Art von Phobie, sie fürchtet sich vor allem, was mit Weihnachten zu tun hat, kann bestimmte Lieder nicht hören, bestimmt Gerüche nicht riechen und Farben nicht aushalten, ohne eine Panikattacke zu bekommen. Ihr Psychiater rät ihr schon seit längerem, diese Sache endlich mal in Angriff zu nehmen und so fährt Anne mit ihrem Verlobten Alex zu dessen Eltern, um ihr erstes Weihnachtsfest seit langem zu feiern. Doch leider ist nichts mit besinnlich - der plötzliche Erstickungstod seines Vaters wirft dunkle Schatten über das Fest. Unfall? Mord? Was in dieser Familie gespielt wird, bleibt lange im Dunkeln..

Was mir sofort positiv ausfiel war Silke Nowaks angenehm zu lesender Schreibstil. Ich hatte keinerlei Probleme, mich in die Geschichte einzufinden, die Sätze hatten die richtige Länge und ich konnte problemlos auch mal nebenher lesen, ohne den Faden zu verlieren.

Auch hat es die Autorin spielerisch geschafft, den Leser im Dunkeln tappen zu lassen. Was wirklich in Alex Familie vorgeht, was die Gründe für Annes Weihnachtsphobie sind und wer Alex Vater auf dem Gewissen hat, weiß der Leser sehr lange nicht. Dafür gibt es von mir als Hobby - Sherlock Holmes einen riesen Pluspunkt. Ich habe viel gerätselt und kombiniert, auf die richtige Spur bin ich dennoch nicht gekommen. Die Auflösung hat mich überrascht und der Geschichte eine unerwartete Wendung gegeben.

Ein Sternchen Abzug gibt es für die Länge des Romans - einige Seiten mehr hätten nicht geschadet, dann hätte man eventuell etwas näher auf die Polizeiliche Ermittlungsarbeit eingehen können. Hier findet alles nebenher statt, nur selten bekommt man die Polizei als Leser zu Gesicht und wie diese zu ihren Erkenntnissen kommt, bleibt auch im Nachhinein ein wenig unklar.

Das zweite Sternchen gibt es für einige kleine Logikfehler, die sich mir auch nach der Lektüre nicht ganz erschlossen haben. Anne kann bestimmte Farben nicht ertragen, trägt sie aber selbst am Körper? Ich mag pedantisch wirken, aber sowas trübt mein Lesevergnügen doch erheblich.

Alles in allem ein gelungener Kurzkrimi, der mir trotz kleiner Defizite einige vergnügliche Stunden bereitet hat. Das wird definitiv nicht mein letztes Buch von Silke Nowak sein, denn ich bin der Meinung, dass die Autorin eine Menge Potential hat. Da ist noch Luft nach oben!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 01.05.2020

Von tapferen Männern, klugen Schachzügen und dem Weg eines Jungen zum Mann..

Das Schwert des Normannen
0

Wir befinden uns im 11 Jahrhundert und dürfen die Familie Hauteville auf ihrem Weg begleiten - allen voran Robert Guiscard, das Schlitzohr. Als er aus seiner Heimat fliehen muss, beschließt er sein Glück ...

Wir befinden uns im 11 Jahrhundert und dürfen die Familie Hauteville auf ihrem Weg begleiten - allen voran Robert Guiscard, das Schlitzohr. Als er aus seiner Heimat fliehen muss, beschließt er sein Glück in Süditalien zu versuchen, wo sein Bruder Drogo bereits ein kleines Fürstentum besitzt. Gilbert, eigentlich nicht direkt mit den Hautevilles verwandt und nur ein einfacher Schweinehirt, von ihnen allerdings wie ein Sohn aufgenommen, begleitet Robert auf seinem langen, beschwerlichen Weg. Viele Hindernisse begegnen den beiden und ihren Gefährten auf ihrer Reise, viele Steine werden ihnen auch später noch in den Weg gelegt - doch Robert ist ehrgeizig und schlau und auch Gilbert wird mit jedem Tag weniger ein Jüngling und mehr ein Krieger..

Ich bin bekennender Freund von historischen Romanen, deshalb lese ich eigentlich jeden, den ich in die Finger bekommen kann. Normalerweise brauche ich allerdings einige Seiten, um in die Geschichte rein zu kommen - in welcher Epoche befinde ich mich? Wer bekriegt wen? Und um wen geht es nochmal zwei Seiten vorher? Hier war das nicht der Fall. Ich war sofort mitten im Geschehen, konnte mit allen Handelnden mitfühlen und war voll dabei. Zu Beginn lernt man einige Personen auf einmal kennen, doch auch ohne Personenregister konnte ich mich gut zurecht finden.

Ulf Schiewe hat es geschafft, seine Normannenhorde so realitätsnah und doch liebenswürdig darzustellen, dass ich für jeden von ihnen nur das Beste hoffte. Sicher, die Normannen waren alles andere als nett und kuschelig - aber so schreibt es die Geschichte nun einmal. Zu keinem Zeitpunkt hatte ich das Gefühl, sie würden grausam handeln. Schiewe lässt trotz wiederholter Kampfhandlungen die Brutalität nie in den Vordergrund treten, Gewaltakte werden eher nebenbei geschildert - für die Normannen war ein Mord keine große Sache, für den Leser wird er es also auch nicht.

Schiewe setzt in seinem Roman auf historisch fundiertes Wissen und verpackt es so gekonnt in eine wundervoll zu lesende Sprache, dass der Leser nicht anders kann, als mitgerissen zu werden.

In meinen Augen eines der besten Bücher, die ich 2013 gelesen habe!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 27.04.2020

Ich wurde positiv überrascht!

Boy Nobody (Boy Nobody 1)
0

Er ist jung, er ist effizient, er ist kalt - er ist ein Auftragsmörder. Boy Nobody - so nennt er sich selbst, denn einen Namen hat er nicht - erledigt seine Aufträge stets schnell und ohne große Komplikationen, ...

Er ist jung, er ist effizient, er ist kalt - er ist ein Auftragsmörder. Boy Nobody - so nennt er sich selbst, denn einen Namen hat er nicht - erledigt seine Aufträge stets schnell und ohne große Komplikationen, er schleicht sich über die Kinder seiner Zielobjekte an diese heran und mordet ohne großes Aufsehen zu erregen - doch dieses mal soll alles anders kommen. Er beginnt sich zu verlieben, lernt Gefühle kennen die er so noch nicht kannte und die ihm auf seiner Mission so einige Probleme bereiten.

Das Cover von Boy Nobody hat sofort meine Aufmerksamkeit erregt und war auch der Grund, weshalb ich das Buch gelesen habe. Dass es sich um ein Jugendbuch handelt, wusste ich vorher nicht und stelle im Nachhinein fest, dass es auch gut von Erwachsenen Thriller Fans gelesen werden kann. Boy Nobody ist wenig blutig, dafür umso spannender.

Allan Zadoffs Schreibstil liest sich angenehm und flüssig, die Kapitel sind kurz und man denkt sich nach jedem einzelnen "Ach, eins geht schon noch", was bei mir dazu geführt hat, dass ich das Buch in einem Rutsch durchgelesen habe. Über weite Strecken ist der Schreibstil eher distanziert, relativ kurze Sätzen prägen das Bild - nur an den Stellen, an denen Ben (so nennt er sich während seiner aktuellen Mission) langsam seine eigenen Gefühle kennen lernt wird Zadoff emotionaler, was ich als mehr als gelungen empfinde.

Der Protagonist ist perfekt entworfen, man kann seine inneren Konflikte mitfühlen und steht sofort auf seiner Seite - man will, dass Boy Nobody seinen Auftrag erfolgreich abschließt, auch wenn das bedeutet, dass unschuldige Menschen ihr Leben lassen, noch lieber natürlich, dass er einen Gewaltfreien Ausweg findet, aber keinesfalls dass er scheitert. Auch die anderen Handelnden sind liebevoll gezeichnet, kein Charakter wirkt zweidimensional und platt.

Am Ende von Teil eins bleiben einige Fragen offen, die hoffentlich in folgenden Teilen geklärt werden. Dafür gibt es auch das einzige Sternchen Abzug (eigentlich ist es nur ein halbes) - gegen offene Fragen habe ich prinzipiell nichts, hier waren es mir nur einen Tick zu viele. Ich hatte am Ende des Buches nicht wirklich das Gefühl, schlauer zu sein als am Anfang, was meiner Lesefreunde aber keinen Abbruch getan hat. Ich freue mich auf Teil 2 - und hoffentlich auf einige Antworten.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 26.04.2020

Und das Universum lacht sich einstweilen in eines seiner vielen Fäustchen..

Die Farbe des Kraken
0

Kurts Enkel ist auf der Beerdigung seines Großvaters mehr als verwirrt. Warum sind nur alle so fröhlich, ist doch gerade jemand von ihnen gegangen? Als Antwort darauf erzählt ihm seine Großmutter eine ...

Kurts Enkel ist auf der Beerdigung seines Großvaters mehr als verwirrt. Warum sind nur alle so fröhlich, ist doch gerade jemand von ihnen gegangen? Als Antwort darauf erzählt ihm seine Großmutter eine Geschichte, denn Kurt weiß ganz genau, was ihn nach dem Sterben erwartet, war er doch schon einmal in dieser skurrilen Welt, die der unseren in so vielen Punkten ähnelt und doch grundverschieden ist..

Normalerweise gehören Novellen nicht zu meinem bevorzugten Lesestoff, bei dieser wollte ich allerdings einmal eine Ausnahme machen, machte mich die Thematik doch mehr als neugierig - bereut habe ich diesen Entschluss auf keiner Seite. Volker König beschreibt mit einem bissigen, angenehm zu lesenden Schreibstil und voller Humor ein mögliches Leben nach dem Tod. Für Satire - Liebhaber ist dieses Buch definitiv ein muss. Nicht nur die Religion wird ein wenig auf die Schippe genommen, auch die Trauerarbeit selbst, Beerdigungen, Bürokratie und vieles mehr müssen dran glauben.

Ich habe mich mit diesem Buch köstlich amüsiert, mehr als einmal musste ich schmunzeln über treffend beschriebene Sachverhalte. Dieses Buch brachte mich aber auch mehr als einmal ein wenig ins Grübeln, denn es steckt doch mehr Wahrheit in den Seiten, als man es vielleicht auf den ersten Blick vermuten mag.

Das eine Sternchen Abzug gibt es nur, weil mir alles ein wenig zu schnell vorbei war. Ein paar Seiten mehr hätte dieses Büchlein durchaus noch vertragen können - ansonsten war ich rundum zufrieden!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 19.04.2020

Auch für Romantikmuffel zu empfehlen!

Das Bildnis der Fortuna
0

Das Leben verläuft selten in den Bahnen, in denen wir uns das ausmalen. Marie ist das nur Recht - je turbulenter und abwechslungsreicher, desto besser. Doch langsam fällt auch ihr auf, dass sie eigentlich ...

Das Leben verläuft selten in den Bahnen, in denen wir uns das ausmalen. Marie ist das nur Recht - je turbulenter und abwechslungsreicher, desto besser. Doch langsam fällt auch ihr auf, dass sie eigentlich etwas vermisst, die Menschen in ihrem Umfeld sind allesamt sesshaft geworden und haben ihr Glück gefunden. Sesshaft werden, das will Marie sicher nicht! Aber bietet das Leben nicht vielleicht doch mehr, als das, was sie bereits kennt?


Als bekennender Romantikmuffel lasse ich von typischer Frauenliteratur ja eher die Finger - weil ich meinen Horizont allerdings mal wieder etwas erweitern wollte, habe ich mich dennoch auf diesen Roman eingelassen. Und ich wurde nicht enttäuscht. Auch wenn ich normalerweise Blut und Hochspannung vorziehe hat mich Maries Geschichte schnell in ihren Bann gezogen.

Ich konnte mich sofort in der Protagonistin wiederfinden, ich konnte mit ihr fühlen, lachen und ab und an auch mal den Kopf schütteln. Aber auch die anderen Figuren dieses Romans sind liebevoll gestaltet, die Beweggründe der Handlung sind durchweg nachvollziehbar - selbst Maries Bruder, der an manchen Stellen etwas grob wirkt, kann der Leser irgendwie verstehen. Ursi Breidenbach besticht mit einem lockeren, angenehm zu lesenden Schreibstil. Auch wenn mich der Druck auf den ersten paar Seiten zunächst Irritiert hat, tat das meiner Lesefreude keinen Abbruch.


Dieses Buch bringt zum lachen, macht verregnete Tage etwas heller, regt den Leser zum Nachdenken an, ist tief berührend - und das, ohne auch nur einen einzigen Moment überzogen, gestellt oder kitschig zu wirken.

In Zukunft werde ich vielleicht sogar öfter zu Frauenliteratur greifen - dieses Buch hat mich erfolgreich von einigen Vorurteilen befreit. Definitiv lesenswert!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere