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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.03.2025

Venedig ist mehr als nur der Markusplatz

Essen, Trinken, Erleben – Venedig
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In diesem kleinen kompakten Büchlein stellt der Autor zahlreiche Genusstempel in der Lagunenstadt vor. Das Taschenbuch ist genau das: Ein Buch, das man gut in die Tasche stecken und mitnehmen kann.
In ...

In diesem kleinen kompakten Büchlein stellt der Autor zahlreiche Genusstempel in der Lagunenstadt vor. Das Taschenbuch ist genau das: Ein Buch, das man gut in die Tasche stecken und mitnehmen kann.
In Stadtteile aufgegliedert mit malerischen Fotos geschmückt ist der kulinarische Führer wirklich ein Augenschmaus. Zahlreiche Restaurants, Cafés, Bars – sowie auch Konditoreien und Eisdielen sind mit treffenden Texten beschrieben. Auch preislich werden alle fündig: Vom Sternelokal bis zur gemütlichen Trattoria ist für jeden etwas dabei. Zusätzlich sind noch die Websites oder Facebook-Accounts, sowie E-Mail-Adressen für Reservierungen drin, übersichtlich und in ansprechender Weise gestaltet. Die Texte sind informativ und interessant. Mein Mann und ich machen fast in jedem Jahr einen Abstecher nach Venedig, doch sehr viele Orte, die in diesem Ratgeber vorkommen, kennen wir nicht. Das wird sich ändern, das Büchlein wird uns in den nächsten Jahren der wichtigste Begleiter sein.

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Veröffentlicht am 11.03.2025

Kein gemeinsamer Weg für zwei Liebende

Die Frau im weißen Kimono
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Gegenwart: Toris Vater liegt im Sterben und übergibt seiner Tochter Tori einen Brief. Offenbar hatte er vor der Hochzeit mit ihrer Mutter bereits eine Frau geliebt, in Japan. Nach seinem Tod durchforscht ...

Gegenwart: Toris Vater liegt im Sterben und übergibt seiner Tochter Tori einen Brief. Offenbar hatte er vor der Hochzeit mit ihrer Mutter bereits eine Frau geliebt, in Japan. Nach seinem Tod durchforscht Tori seine Unterlagen und findet eine alte Heiratsurkunde. Sie macht sich auf die Suche nach der Frau und deren Tochter, ihrer Halbschwester.

1957: Naoko lebt in einer traditionellen japanischen Familie während der amerikanischen Besatzungszeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Sie verliebt sich in einen US-Soldaten, der ihr verspricht sie zu heiraten. Doch ihre Liebe steht unter keinem guten Stern: Japanerinnen, die sich mit Amerikanern einlassen, werden von ihrer Familie verstoßen. Soldaten, die heiraten wollen, brauchen die Genehmigung ihres Kommandanten.

Der Roman wird in zwei Zeitebenen aus den Blickwinkeln von Tori und Naoko erzählt, der Schreibstil ist bildgewaltig und flüssig, die Beschreibungen der japanischen Familientraditionen hautnah und spannend. Naoko ist trotz ihrer Jugend ein selbstbewusster Charakter, die sich für ihre Liebe entscheidet, Jim, den sie Hajime nennt, ist wesentlich unreifer. Der historische Teil hat mich beeindruckt und gefesselt, viele Szenen machen wütend oder rühren zu Tränen, beispielsweise das Entbindungsheim, das Mütter von unerwünschten Babys »befreien« soll. »Hier schreien nur die Mütter, nicht die Babys«. Mischlingskinder waren unwillkommen, deren Mütter geächtet.
Toris Geschichte in der Gegenwart beschäftigt sich mit der Aufklärung. Ihr wird erst jetzt bewusst, dass ihr Vater seine Erinnerungen an Japan in Geschichten verpackt hat, und versucht nun, seine Botschaften zu entschlüsseln.
Im Buch erlebt man ihn als jungen Soldaten sowie als Sterbenden, die Zeit dazwischen bleibt unklar. Damit kämpft auch seine Tochter: Der liebende Vater hat offenbar in seiner Jugend eine Frau schwanger sitzen gelassen.
Die Story hat mich gefesselt und tief berührt, das Ende ist schlüssig, selbst wenn ein paar Dinge von der Autorin vermutlich bewusst im Dunkeln gelassen wurden. Eine bewegende Geschichte, die noch lange im Gedächtnis bleiben wird.

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Veröffentlicht am 10.03.2025

Eine zweite Chance in der Heimat

Middletide – Was die Gezeiten verbergen
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Elijah hat einst seinen Heimatort verlassen, um ein berühmter Schriftsteller zu werden. Zurück blieb seine Jugendliebe Nakia, eine Samijohla, die im Reservat lebt. Als er Jahre später desillusioniert zurückkommt, ...

Elijah hat einst seinen Heimatort verlassen, um ein berühmter Schriftsteller zu werden. Zurück blieb seine Jugendliebe Nakia, eine Samijohla, die im Reservat lebt. Als er Jahre später desillusioniert zurückkommt, ist Nakita Witwe. Doch eine zweite Chance scheint es nicht zu geben, denn Nakita liebt immer noch ihren verstorbenen Mann. Elijah datet kurzfristig eine Ärztin Erin, sieht jedoch ein, dass es nur ein schaler Ersatz für Nakita wäre. Als Erin ermordet wird, gerät Elijah in Verdacht ...

Die Geschichte spielt in verschiedenen Zeitebenen, daher war es für mich nicht leicht, der Handlung zu folgen. Ich musste auch etliche Male zurückblättern. Meist war es aus der Sicht von Elijah geschrieben, einige Kapitel sind aus dem Blickwinkel der Ermittler, die den Mord an Erin aufklären.
Obwohl mich die Geschichte zeitweise fesselte, konnte mich das Gesamtpaket nicht restlos überzeugen, weil für mich ein paar Dinge unglaubwürdig sind. Da ist einmal die Hauptperson Elijah, die in die Ferne zieht, um Bestseller Autor zu werden. Tatsächlich wir ein Buch von ihm veröffentlich, dass jedoch auf dem Markt floppt, wegen einer einzigen schlechten Kritik. Sein väterlicher Freund Chitto ist eine interessante Figur, leider stirbt er viel zu früh. Nakita lebt in einem Reservat, man erfährt zu wenig über das Leben dort und die Bräuche der (fiktiven) einheimischen, sodass sie auch eine Weiße hätte sein können, ohne dass es die Handlung beeinträchtigt hätte. Die Aufklärung am Schluss ist für mich leider ebenfalls an den Haaren herbeigezogen.
Gut gefallen haben mir das Ambiente der Natur, die Landschaft, das Leben im Dorf und Nakita, die ein starker Charakter ist, im Gegensatz zur Ärztin Erin, deren Handeln mir in keiner Weise nachvollziehbar erschien.
Fazit: Ein Genre-Mix aus Krimi, Liebe und gemütlichem Leben in der Natur – der mir persönlich zu wenig Tiefgang hat, ich gebe 3.5 Sterne, da ich keine halben Sterne geben kann, runde ich auf.

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Veröffentlicht am 28.02.2025

»Wie bedauerlich, dass die Jugend immer nur an Jugendliche verschwendet wird.«

Flusslinien
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Margrit ist 102 Jahre alt, lebt in einer Seniorenresidenz und lebt für Augenblicke des Glücks, wenn ihre Enkelin Luzie sie besucht oder ihr Fahrer Arthur mit ihr an die Elbe fährt. Von dort hat sie einen ...

Margrit ist 102 Jahre alt, lebt in einer Seniorenresidenz und lebt für Augenblicke des Glücks, wenn ihre Enkelin Luzie sie besucht oder ihr Fahrer Arthur mit ihr an die Elbe fährt. Von dort hat sie einen guten Blick auf die Landschaft. Obwohl sie nur mehr wenig sieht, und kaum was hört ist sie nicht negativ eingestellt, und sie erinnert sich. Enkelin Luzie muss sich nach dem Schlimmsten, was einer Frau passieren kann, wieder fangen und Boden unter die Füße bekommen und auch Arthur kämpft mit einem schweren Verlust. Scheinbar haben die drei wenig gemeinsam und doch sind sie verbunden ...

Der bildhaft niveauvolle Schreibstil der Autorin trug mich förmlich durch das Buch wie auf einer Daunendecke. Ihre Wortwahl und das Spiel mit der Sprache sind außergewöhnlich und das habe ich sehr genossen. Nach und nach taucht man in die Welt der drei Hauptpersonen ein und fühlt sich mit ihnen verbunden.
Margrit weiß, dass in ihrem Alter der Körper nicht mehr alles tut, was sie möchte. Durch ihre Gedanken erfährt man viel aus ihrem Leben. Ihr Sohn lebt weit weg in Australien, hat kleine Kinder in zweiter Ehe, die sie nur von Fotos kennt. Sie vermisst ihn und ist dankbar, dass Frieders erste Ehefrau mit Tochter Luzie nach Deutschland gekommen ist. Margrit hat so viele und vieles überlebt. Nun bleibt ihr nur noch der Wunsch, dass ihre Enkelin Luzie, trotz dem Schrecklichen, das ihr widerfahren ist, wieder einen Weg für sich findet. Und glücklich wird.
Luzie hat sich zurückgezogen, nicht nur vor der Welt, sondern auch in sich selbst. Ihr Schicksal, dass sich nach und nach entblättert, berührt und macht zornig zugleich. Vor allem die Reaktionen ihrer Freundin, der Schulkameradinnen, des übergriffig schmierigen Lehrers – eine Ohnmacht, aus der sie sich befreien muss. Damit nicht der Täter gewinnt.
Und Arthur, der trauert und Schuldgefühle hat. Eine schlimme Mischung. Der Autorin gelingt es, diese drei Personen, deren Einsamkeit greifbar ist, einander näher zu bringen.
Eine Geschichte, die nicht zu Ende erzählt wird und auch nicht kann, die nachdenklich stimmt und nachklingt, mitreißt und im Gedächtnis bleibt. Literatur vom Feinsten und von mir eine klare Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 28.02.2025

Tiefgründiger Jugendroman

Ganz aus Splittern
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Christine ist 16 und lebt bei ihrer Mutter und deren gewalttätigem Freund. Ihr Halt ist Tjard, ein »Bad Boy« mit Tätowierungen und blauen Haaren, der ihr brüderlicher Beschützer ist, und in dessen Familie ...


Christine ist 16 und lebt bei ihrer Mutter und deren gewalttätigem Freund. Ihr Halt ist Tjard, ein »Bad Boy« mit Tätowierungen und blauen Haaren, der ihr brüderlicher Beschützer ist, und in dessen Familie sie mehr zu Hause ist, als bei der ihren. Sie möchte aus ihrem Leben etwas machen und ist aus diesem Grund eine ausgezeichnete Schülerin, obwohl sie nur eine Gesamtschule mit schlechtem Ruf besuchen kann. Plötzlich erhält sie die Möglichkeit, im Rahmen eines Sozialprogramms an das renommierte Heinrich Heine Gymnasium zu wechseln, doch sie zögert. Kann sie als Kind aus dem Slum sich in der »Bonzenschule« behaupten? Und offenbar ist auch an diesem »Schüleraustauschprogramm« faul.

Das Erstlingswerk der sehr jungen Autorin hat mich sofort fesseln können. Die Sprache ist bildhaft und man wird ohne Schnörkel hautnah in die Umgebung von Christine geworfen. Die Story lebt durch deren unheimlich starke Persönlichkeit, neben einer schwachen, labilen Mutter, die sich mit Tabletten das Leben schön redet, vor allem ihren gewalttätigen Partner. Freilich werden ein paar Klischees bedient. So beispielsweise die faulen desinteressierten Assi-Schüler im Gegensatz zu den reichen arroganten Schülern oder die hochnäsige Direktorin, die Dreck am Stecken hat. Dennoch ist die Story gut aufgebaut, besticht durch einen jugendlich lockeren Schreibstil und auch der Spannungsbogen wird hochgehalten. Christines Stiefvater Marcel lauert während der gesamten Geschichte wie ein schwarzer Schatten im Hintergrund, das fand ich richtig gut und bedrückend. (Die Lederjacke hing nicht am Haken.) Nach der Vorgeschichte hätte es die Eskalation am Schluss für mich nicht gebraucht und ich habe mich gefragt, ob Christine dem nicht ausweichen hätte können. Das Verhalten der Mutter war für mich wie ein Guss mit Eiswasser. Die zahlreichen Nebenfiguren, der Beschützer-Freund Tjard, dessen Mutter Sonia und natürlich die süß aufgebaute Liebesgeschichte bilden einen ausgefeilten Rahmen für die tiefgehende Story.
Das Ende driftet ein wenig ins märchenhafte – aber warum nicht? Unter dem Strich eine tolle Geschichte für Jugendliche und ein beachtenswertes Debüt.

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