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Veröffentlicht am 16.03.2026

Von Odesa nach Deutschland

Zugwind
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Trotz der Schwere des Inhaltes hat mich dieses Buch sofort interessiert.

Zuerst hat mich das Titelbild – die Löwenzahnfrau, die sierrafarbene Coverfarbe – und der Titel Zugwind angesprochen (was hat ...


Trotz der Schwere des Inhaltes hat mich dieses Buch sofort interessiert.

Zuerst hat mich das Titelbild – die Löwenzahnfrau, die sierrafarbene Coverfarbe – und der Titel Zugwind angesprochen (was hat es mit diesem Zugwind auf sich?). Doch dann 'beschwerte' mich das Buch so, dass ich Seite für Seite ganz langsam las. Weglegte. Wieder in die Hand nahm. Weglegte. Und so weiter. So ging das ständig.
Der Krieg in der Ukraine, die täglichen Nachrichten dazu, Putins Angriffskrieg (etwas, von dem ich annahm, hoffte, dass ich es nie zu meinen Lebzeiten aus Europa zu lesen hatte). Und die vielen Menschen aus der Ukraine in meiner Heimatstadt.

Mira lebt mit Mann und Tochter in Deutschland. Doch tagtäglich geht ihr Sinnen, ihr Denken zurück in die Heimat Odesa. Und plötzlich ist Odesa auch in ihrem ganz nahen Umfeld – in ihrer Praxis als Ärztin tauchen zunehmend mehr Patient:innen aus der Heimat auf.

Und der Zugwind der nistet sich in ihrer Halsgrube ein: Es ist nicht einfach zu lesen, dieses Buch. Das ahnte ich natürlich bereits beim Klappentext. Und der als Fiktion angekündigte Roman ist doch mehr oder weniger autobiografisch.
Zeitaktuell, und es wird immer aktueller. Jetzt auch noch Trumps Krieg gegen den Iran. Was macht das mit den Menschen? Wie dankbar können wir sein, dass wir in unserem Land nicht in einem Kriegsgebiet leben müssen, aber wir spüren die Auswirkungen jeden Tag, durch die Ankommenden, durch die Nachrichten, durch Veränderungen auch unseres Alltags.

Lesbar mit viel Zeit! Der Schwere der Worte Raum geben, die Emotionen fassen und verstehen lernen.

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Veröffentlicht am 16.03.2026

Tomer Gardi und sein neues Werk

Liefern
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Das Buch tut weh! Es fängt an mit Fil, der in Israel lebt, in Tel Aviv und fürchterlich ausgenutzt wird. Aus seiner Heimat Eritrea ist er geflohen. Seine schwangere Frau musste er zurücklassen. Und weil ...

Das Buch tut weh! Es fängt an mit Fil, der in Israel lebt, in Tel Aviv und fürchterlich ausgenutzt wird. Aus seiner Heimat Eritrea ist er geflohen. Seine schwangere Frau musste er zurücklassen. Und weil ihr geliebter Mann nun in Israel lebt, in Sicherheit, nennt sie ihr neugeborenes Mädchen 'Israel'. (Das wird später im Buch wieder aufgegriffen, denn die Familie ist christlich und das Mädchen wird gehänselt, in Berlin, und nennt sich lieber Izzi).
Fil braucht Arbeit, er will, er muss seine Familie, Frau und die kleine Tochter, unterstützen, die nach Berlin geflohen sind. Also lässt er sich von den örtlichen Mafia Strukturen anheuern für die Lieferantendienste. Sein rauher Alltag wird geschildert, aber auch die Solidarität unter den gleich Leidenden.

Ich habe noch nie in meinem Leben Essen bestellt (und werde es nach diesem Buch sowieso auch nie tun, um nicht dieses ausbeuterische System zu unterstützen). Für mich ist 'Essen' eine fast schon heilige Angelegenheit: Entweder bereite ich das Essen selbst zu oder ich gehe in ein Restaurant, wo ich bedient werde und für diese Dienstleistung anständiges Geld bezahle. Natürlich kenne ich die Einrichtung des dabbawalla in Indien, doch in diesem riesigen Land mit der größten Menschenmenge der Welt ist es Tradition, dass die Ehefrauen ihren Männern in den großen Städten Essen zur Arbeit schicken lassen. Der dabbawalla kommt täglich, holt das extra gekennzeichnete Geschirr (die dabbas), bringt seinem Kunden das Essen und trägt das leere Geschirr wieder zurück. Eine auf Respekt basierende Dienstleistung, gut angesehen und gut bezahlt.
Diese, im Buch beschriebene, Essen auf Räder' Dienstleistung ist jedoch eine große Umweltverschmutzung mit viel Abfall. Riders werden sie genannt. In China soll das ganz schlimm sein, darüber habe ich schon Dokus gesehen. Und diese Riders werden überall ausgenutzt.

Wir werden im Buch mit 'Riders' in Tel Aviv, in Berlin, in New Delhi, in Buenos Aires, in Istanbul konfrontiert. Doch gut ist, diese Riders werden eben als Menschen dargestellt, mit ihren Problemen, mit ihren Ängsten, mit ihrem Leiden. Und das ist nicht ohne!

Interessant ist auch die Geschichte von Nina (auch Nunu genannt), die nach Indien für ein Projekt fährt. Ebenfalls sehr berührend. Und trotz dass sich die junge Frau weltoffen gibt, wird ihr vom Autor unterstellt, dass sie nicht weiß, dass die Swastika und indisches Symbol für Glück von den Nazi gestohlen wurde, verdreht um Grade und als Hakenkreuz weltweit bekannt ist. (Es gibt andere Symbole, die ebenfalls von Gruppierungen gestohlen wurden und als die ihre ausgegeben werden, nehmen wir z.B. die 'dreadlocks'. Nein, die Rastas haben das nicht erfunden, die Filzhaare gibt es seit Jahrtausenden, bei den Sadhus, bei den Wikingern...).

Dann die Geschichte des Ich – Erzählers und Ronen: „Später zu Hause, trank ich ein Glas Wasser und noch eins, und dann füllte ich das Glas nochmal und stellte die Rose hinein. Soll sie auch was trinken, die Kenianerin“.
Aus dem Kontext gerissen, lässt sich das Zitat nicht verstehen, doch durch die Erzählung auf jeden Fall. Bemerkenswert die gelungene Verbindung der Worte.

Mich hat in erster Linie der Autor Tomer Gardi, ein Israeli, interessiert: Israelische Autor:innen nehmen sich gerne brisanter Themen an. Ich bin nicht enttäuscht worden.

Die Aufmachung, Cover, ist schon auffallend, aber nicht unbedingt schön. Das Buch selbst ist gut lesbar, doch erscheint eher wie eine Essay - Zusammenstellung. Doch manche Geschichten bringen lose Enden zusammen und werden fortgeführt. Andere lassen einem in der Luft hängen. Und da wäre schon schön den handelnden Personen wieder zu begegnen. Die Neugierde verlangt einfach Befriedigung, wie ergeht es ihnen weiterhin und was machen sie aus ihrem Leben? Wie geht die Geschichte weiter... (soll ich mir da als Lesende selber Gedanken dazu machen?)

Lesenswert, jedoch mit viel Nachdenklichkeit.

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Veröffentlicht am 14.01.2026

Glimmer versus Trigger

Glimmer
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Mein zweiter Versuch, beim ersten Mal war alles weg … ich habe mich aber von dem IT Problem nicht triggern lassen, sondern versucht alles positiv zu sehen. Der Glimmer hat mein Herz zum Brennen gebracht. ...

Mein zweiter Versuch, beim ersten Mal war alles weg … ich habe mich aber von dem IT Problem nicht triggern lassen, sondern versucht alles positiv zu sehen. Der Glimmer hat mein Herz zum Brennen gebracht.

Natürlich hat mich als erstes bei dem Buch der Begriff 'Glimmer' sehr neugierig gemacht. Ebenfalls die farbige Gestaltung des Covers: Dieses zarte Grün, dazu orangene Tupfen, die sich wie Seifenblasen über den Einband ziehen und in den fetten 'Glimmer' Titel kumulieren. Das Buch ist sehr handlich, praktisch zum Mitnehmen, für unterwegs im ÖPNV. Und bei dem Begriff 'Glimmer' gucken viele aufmerksam, konnte dadurch auch das eine oder andere Gespräch führen. Während der Begriff 'Trigger', der jetzt in so gut wie jedem Buch aufgeführt werden muss, diese Seiten überblättere ich in der Regel schnell. Denn auf der Rückseite und im Klappentext wird mir ja schon vorgeführt in Kurzform worum es geht und dann lasse ich mich darauf ein oder lege das Buch weg.

Und während ich in der Regel mich nicht 'triggern' lasse, habe ich mich jetzt aber 'glimmen' lassen. So wie wenn ich ein tolles appetitliches angerichtetes Foto von einer interessanten Mahlzeit sehe – das glimmt mich, dann bekomme ich Appetit darauf. Positive Menschen sehen gerne das Positive in einer Situation, das Lächeln im Zug, ein schöner Mensch, der gekonnt gekleidet ist, ein sonniger Winternachmittag, die Eisblumen an meinem Fenster. Das alles ergreift mich mit einem herzlichen Glimmer. Bernhard Tewes weiß genau mit seinem wertvollen Büchlein das in Wort und Schrift zu setzen und gibt weitere wichtige Tipps für meinen Alltag.

Mich hat das Büchlein richtig angeheizt, der Glimmer hat sich festgesetzt. So wie ein aufregendes Bild von einer Region, die ich unbedingt besuche möchte. Jetzt besuche ich meine Herzregionen!
Danke!

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Veröffentlicht am 14.01.2026

Äußerst nützliches Buch!

Smart & Steady – Erfolgreich sein, ohne sich zu verbiegen
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Für mich ist es ein gutes Handbuch: Um immer wieder darin zu blättern und einzelne Kapitel zu lesen. Gut finde ich das praktische Format mit dem stabilen Einband, sowie auch die ansprechend gemachten Illustrationen ...

Für mich ist es ein gutes Handbuch: Um immer wieder darin zu blättern und einzelne Kapitel zu lesen. Gut finde ich das praktische Format mit dem stabilen Einband, sowie auch die ansprechend gemachten Illustrationen im Buch. Es wirkt so modern und schlichtweg schön. Es ist einfach auf die Leserschaft perfekt zugeschnitten und schön gestaltet mit den Grafiken, Textstellen der Exkurse - rundum mit einer guten Struktur.

Ich mag den Schreibstil der Autorin, mutmachend und aufbauend. Ich finde mich rundum verstanden von Sophia Thora. Im Gegensatz zu vielen Ratgebern, wo ich das Gefühl habe, da wird mal eben etwas geschrieben, denn der Markt gibt es her und eine gewissen Käuferschicht (vor allem Frauen) kaufen sowieso, fühle ich bei diesem Buch eine gewisse Verbundenheit, Autorin – Leserschaft.

'Smart & Steady spricht mich an, weil ich gerne vom schlichten Funktionieren wegkommen möchte und mir mehr Stille und Ruhe wünsche (nicht nur jetzt in der Weihnachtszeit, sondern auch zu anderen hektischen Zeiten). Die Verbindung von kurzen Abschnitten zur Theorie mit Fragen zur Reflexion und Übungen, die mich sehr nachdenklich machen, beeindruckt mich. Die Erkenntnis (körperlichen Symptome - unerfüllte Bedürfnisse) war für mich wie ein Blitzstrahl, dieses 'aha – Erlebnis', jetzt endlich begreife ich so manches, allein dafür hat sich die intensive Lektüre des Ratgebers gelohnt. Vieles sehe ich jetzt aus einem anderen, neuen, Blickwinkel. Die Übungen werden mich auch weiterhin begleiten und ich hoffe, sie in meinen Alltag gut integrieren zu können.

Einfach ein hochwertiges Buch. Dank an die Autorin. Kein Buch zum schnellen Lesen, sondern ein ständiger Begleiter.

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Veröffentlicht am 14.01.2026

Ein tolles Buch, ein schwieriges Buch!

Mo & Moritz
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Eine Liebe, die nicht sein darf und doch so ist!

Romeo und Julia, nur dass die beiden Liebenden Mo(jad) und Mo(ritz) heißen. Der eine ist Muslim, der andere Jude. Die Eltern des jüdischen Teils sind tolerant ...

Eine Liebe, die nicht sein darf und doch so ist!

Romeo und Julia, nur dass die beiden Liebenden Mo(jad) und Mo(ritz) heißen. Der eine ist Muslim, der andere Jude. Die Eltern des jüdischen Teils sind tolerant gegenüber der homosexuellen Neigung des Sohnes. Die Eltern des muslimischen Teils verharren in ihrer konservativen Welt und sind nicht in Wien angekommen.

Doch es kommt noch schlimmer, der ältere Sohn der muslimischen Familie entpuppt sich als Islamist, wobei sein Verhalten der Mutter und der Schwester gegenüber schon auf so etwas hindeuten. Dieser Sohn hat Schlimmes in der alten Heimat erlebt, doch nun überträgt er seine Unfähigkeit zu abstrahieren auf seine neue Umgebung und lehnt daher die westliche Welt ab. (Irgendjemand muss eben den Sündenbock spielen, in dem Fall wieder mal vereinfacht der Westen und die Juden).

Sehr interessante Beschreibung! Taylor Swift Konzerte Wien – sind tatsächlich wegen terroristischer Gefahr abgesagt worden. Die Autorin hat diesen Hintergrund genommen, um eine Fiktion aufzubauen um den älteren Sohn der Familie. Es wird nicht davon gesprochen aus welchem Land sie geflohen sind, vor welchem blutdürstigen Tyrann. Es wird auch nicht, weder bei der jüdischen noch bei der muslimischen Familie davon gesprochen, ob sie religiös sind.

Auf den über knapp 200 Seiten entwickelte die Autorin ein Szenario, in dem alles drin steckt... der Terror in der Heimat, Flucht, Aufbau eines neuen Lebens, der Holocaust, der Schmerz, der Verlust, Wien im 21. Jahrhundert, Homosexualität, Freiheitswillen der jungen Generation, politischer Irrläufer. Mit feinen subtilen Worten wird dieses Szenario beschrieben und wie Mo darunter leidet sich zu verlieben und sich bewußt zu werden, dass er anders ist.

Die junge Generation muss immer ihren eigenen Weg finden. Einige von ihnen driften in die falsche Richtung. Und da ist es gut, wenn es eben eine 'blaue Fee' oder einen Herrn Franz gibt!
Ich möchte sagen, es ist ein Mutmacherbuch. Geht euren eigenen Weg, versöhnt euch mit euch selbst.

Das Cover ist so subtil wie der Inhalt: Fein gezeichnet und in einer angenehmen Farbhaltung.

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