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Veröffentlicht am 29.05.2026

Schmetterlinge, ein Jahr und die Natur

Das Jahr der Schmetterlinge
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Lea Korsgaard will alle dänischen Schmetterlinge innerhalb eines Jahres kennenlernen. Ein ehrgeiziges Vorhaben für jemand, die noch nie mit Schmetterlingen zu tun hatte.

Zuerst fiel mir das bunte wunderschöne ...

Lea Korsgaard will alle dänischen Schmetterlinge innerhalb eines Jahres kennenlernen. Ein ehrgeiziges Vorhaben für jemand, die noch nie mit Schmetterlingen zu tun hatte.

Zuerst fiel mir das bunte wunderschöne Cover auf, dann der Text: Wobei ich mich fragte, geht die Autorin Lea Korsgaard nicht etwas naiv an ihr persönliches Projekt heran? Sie hatte Null Ahnung von Schmetterlingen. Doch die Vorgehensweise hat mich dann mitgenommen, zuerst Fachleute befragen, Bücherlesen, nachforschen und entdecken! Ihre Freude bei jedem neu entdeckten Exemplar.
Mir hat es bei ihrem Experiment mit den fünf Schmetterlingseier und dem Ergebnis leicht den Magen umgedreht. Denn ich war immer von Schmetterlingen umgeben (Landei!). Die Flatterwesen gehörten zu meinem Alltag. Und auf einmal sind sie so wenig geworden. Ich weiß natürlich wieso. Bei den Schmetterlingssammler:innen früherer Generationen, die die armen Dingers aufspießten (natürlich habe ich solche Sammlungen auch schon gesehen) wird’s einem schon ein bißchen anders, angesichts dessen, dass sie heute so wenige geworden sind. Zumindest haben wir jene, die bereits ausgerottet wurden. Auch das wird natürlich intensiv angesprochen.
Die Autorin öffnet jedoch auf ihre (anfängliche) naive Art die Augen für die Naturprobleme im 21. Jahrhundert.

Also, eine etwas außergewöhnliche Reise zu sich selbst, zum Selbstverständnis des Menschen und zum besseren Verständnis der Natur!

Das Cover ist sehr schön und einfangend: Wer sich für die Natur interessiert, bleibt sofort daran hängen. Schön bunt und toll gestaltet.

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Veröffentlicht am 29.05.2026

H.C. Andersen, Henriette Wulf und die 'Austria'

Die Liste der Lebenden
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Eine Frau treibt nackt auf einer Tür im Atlantik, sieht von ferne das rauchende Schiff, sieht Menschen, die sich auf der Bugspitze drängen und hoffen von einer französischen Bark gerettet zu werden. Auch ...

Eine Frau treibt nackt auf einer Tür im Atlantik, sieht von ferne das rauchende Schiff, sieht Menschen, die sich auf der Bugspitze drängen und hoffen von einer französischen Bark gerettet zu werden. Auch die nackte Frau erlebt Glücksgefühle als sie die Barke sieht. Aber die Bark sieht sie nicht, denn das Meereswasser ist unendlich und sie ist nur ein Staubkorn in diesem Wasser.

Allein die Vorstellung, dass es so gewesen sein könnte. Der Autor Stefan Kutzenberger (ein österreichischer Autor, mehrfach ausgezeichnet für seine innovative Form der Schreibe) versetzt sich fiktiv in die Gedankenwelt der auf der Tür treibenden Henriette (Jette) Wulf, die sich in einem Dialog (gedanklich) mit ihrem Freund H.C. Andersen auseinandersetzt. Die beiden haben immer lange und intensive Briefe ausgetauscht und sie stellt sich vor, dass er auch jetzt – denn bestimmt hat er bereits von dem Unglück gehört – sich mit ihr und ihrer Rettung auseinandersetzt.
Tut er, denn er bekam die Liste der Lebenden, vier Menschen befanden sich auf 'Austria', die er kannte.Und er überlegte sich Konstellationen wer überlebt haben könnte. (Seine Jette natürlich schon). Es gibt sechs Möglichkeiten. Welche trifft zu. Er will es nicht wissen, obwohl es bereits bekannt ist. Er klammert sich an ihr Überleben, seine Jette soll überleben.

H.C. Andersen war echt, Henriette Wulf war echt, und die Katastrophe mit der 'Austria' am 13. September 1857 war echt. Verbrannt vor Neufundland, weil für die Landung fünf Tage später eine Desinfektion vorgesehen war. Voraussetzung für die Landung. Diese sollte durch eine Teerausräucherung passieren, die preisgünstigste Methode. Auf einem Dampfer aus Holz, was wunderbar brennt, wenn ein Funke übertritt.
Der Kontakt zwischen Andersen und Wulf war vorhanden. Der Rest ist Fiktion! Allerdings natürlich gut recherchiert.Doch die Dialoge (einseitig? Weil nur in der Vorstellung von Jette) sind höchst interessant zu lesen und erlaubt einen Blick auf das Seelenleben von Jette, einer emanzipierten und recht selbständigen Frau in ihrem besten Alter (53) des 19. Jahrhunderts.

Lediglich 89 Reisende (Passagiere und Besatzung) wurden gerettet, von der herbei eilenden Bark Maurice und dem Segelschiff Catarina. 456 Menschen verloren ihr Leben. Eines der schlimmsten Seekatastrophen zur Zeit der großen Auswanderungen nach Amerika. Wobei diese Auswanderungsschiffe sowieso schon berüchtigt waren für die schlechten Reisebedingungen. Dass ein großer Teil der Auswander:innen nicht lebending ihr Ziel erreichten, war damals üblich. Doch das große Unglück des HAPAG Dampfers aus Hamburg setzte Veränderungen in Gang (so wie jedes große Unglück das nach sich zieht).

Die Buchidee ist gelungen, denn obwohl der innige Kontakt zwischen dem berühmten Autor Andersen und Jette bekannt ist, wurde nie ein Buch über sie geschrieben. Und hier ist es! Endlich!

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Veröffentlicht am 16.03.2026

Von Odesa nach Deutschland

Zugwind
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Trotz der Schwere des Inhaltes hat mich dieses Buch sofort interessiert.

Zuerst hat mich das Titelbild – die Löwenzahnfrau, die sierrafarbene Coverfarbe – und der Titel Zugwind angesprochen (was hat ...


Trotz der Schwere des Inhaltes hat mich dieses Buch sofort interessiert.

Zuerst hat mich das Titelbild – die Löwenzahnfrau, die sierrafarbene Coverfarbe – und der Titel Zugwind angesprochen (was hat es mit diesem Zugwind auf sich?). Doch dann 'beschwerte' mich das Buch so, dass ich Seite für Seite ganz langsam las. Weglegte. Wieder in die Hand nahm. Weglegte. Und so weiter. So ging das ständig.
Der Krieg in der Ukraine, die täglichen Nachrichten dazu, Putins Angriffskrieg (etwas, von dem ich annahm, hoffte, dass ich es nie zu meinen Lebzeiten aus Europa zu lesen hatte). Und die vielen Menschen aus der Ukraine in meiner Heimatstadt.

Mira lebt mit Mann und Tochter in Deutschland. Doch tagtäglich geht ihr Sinnen, ihr Denken zurück in die Heimat Odesa. Und plötzlich ist Odesa auch in ihrem ganz nahen Umfeld – in ihrer Praxis als Ärztin tauchen zunehmend mehr Patient:innen aus der Heimat auf.

Und der Zugwind der nistet sich in ihrer Halsgrube ein: Es ist nicht einfach zu lesen, dieses Buch. Das ahnte ich natürlich bereits beim Klappentext. Und der als Fiktion angekündigte Roman ist doch mehr oder weniger autobiografisch.
Zeitaktuell, und es wird immer aktueller. Jetzt auch noch Trumps Krieg gegen den Iran. Was macht das mit den Menschen? Wie dankbar können wir sein, dass wir in unserem Land nicht in einem Kriegsgebiet leben müssen, aber wir spüren die Auswirkungen jeden Tag, durch die Ankommenden, durch die Nachrichten, durch Veränderungen auch unseres Alltags.

Lesbar mit viel Zeit! Der Schwere der Worte Raum geben, die Emotionen fassen und verstehen lernen.

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Veröffentlicht am 16.03.2026

Tomer Gardi und sein neues Werk

Liefern
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Das Buch tut weh! Es fängt an mit Fil, der in Israel lebt, in Tel Aviv und fürchterlich ausgenutzt wird. Aus seiner Heimat Eritrea ist er geflohen. Seine schwangere Frau musste er zurücklassen. Und weil ...

Das Buch tut weh! Es fängt an mit Fil, der in Israel lebt, in Tel Aviv und fürchterlich ausgenutzt wird. Aus seiner Heimat Eritrea ist er geflohen. Seine schwangere Frau musste er zurücklassen. Und weil ihr geliebter Mann nun in Israel lebt, in Sicherheit, nennt sie ihr neugeborenes Mädchen 'Israel'. (Das wird später im Buch wieder aufgegriffen, denn die Familie ist christlich und das Mädchen wird gehänselt, in Berlin, und nennt sich lieber Izzi).
Fil braucht Arbeit, er will, er muss seine Familie, Frau und die kleine Tochter, unterstützen, die nach Berlin geflohen sind. Also lässt er sich von den örtlichen Mafia Strukturen anheuern für die Lieferantendienste. Sein rauher Alltag wird geschildert, aber auch die Solidarität unter den gleich Leidenden.

Ich habe noch nie in meinem Leben Essen bestellt (und werde es nach diesem Buch sowieso auch nie tun, um nicht dieses ausbeuterische System zu unterstützen). Für mich ist 'Essen' eine fast schon heilige Angelegenheit: Entweder bereite ich das Essen selbst zu oder ich gehe in ein Restaurant, wo ich bedient werde und für diese Dienstleistung anständiges Geld bezahle. Natürlich kenne ich die Einrichtung des dabbawalla in Indien, doch in diesem riesigen Land mit der größten Menschenmenge der Welt ist es Tradition, dass die Ehefrauen ihren Männern in den großen Städten Essen zur Arbeit schicken lassen. Der dabbawalla kommt täglich, holt das extra gekennzeichnete Geschirr (die dabbas), bringt seinem Kunden das Essen und trägt das leere Geschirr wieder zurück. Eine auf Respekt basierende Dienstleistung, gut angesehen und gut bezahlt.
Diese, im Buch beschriebene, Essen auf Räder' Dienstleistung ist jedoch eine große Umweltverschmutzung mit viel Abfall. Riders werden sie genannt. In China soll das ganz schlimm sein, darüber habe ich schon Dokus gesehen. Und diese Riders werden überall ausgenutzt.

Wir werden im Buch mit 'Riders' in Tel Aviv, in Berlin, in New Delhi, in Buenos Aires, in Istanbul konfrontiert. Doch gut ist, diese Riders werden eben als Menschen dargestellt, mit ihren Problemen, mit ihren Ängsten, mit ihrem Leiden. Und das ist nicht ohne!

Interessant ist auch die Geschichte von Nina (auch Nunu genannt), die nach Indien für ein Projekt fährt. Ebenfalls sehr berührend. Und trotz dass sich die junge Frau weltoffen gibt, wird ihr vom Autor unterstellt, dass sie nicht weiß, dass die Swastika und indisches Symbol für Glück von den Nazi gestohlen wurde, verdreht um Grade und als Hakenkreuz weltweit bekannt ist. (Es gibt andere Symbole, die ebenfalls von Gruppierungen gestohlen wurden und als die ihre ausgegeben werden, nehmen wir z.B. die 'dreadlocks'. Nein, die Rastas haben das nicht erfunden, die Filzhaare gibt es seit Jahrtausenden, bei den Sadhus, bei den Wikingern...).

Dann die Geschichte des Ich – Erzählers und Ronen: „Später zu Hause, trank ich ein Glas Wasser und noch eins, und dann füllte ich das Glas nochmal und stellte die Rose hinein. Soll sie auch was trinken, die Kenianerin“.
Aus dem Kontext gerissen, lässt sich das Zitat nicht verstehen, doch durch die Erzählung auf jeden Fall. Bemerkenswert die gelungene Verbindung der Worte.

Mich hat in erster Linie der Autor Tomer Gardi, ein Israeli, interessiert: Israelische Autor:innen nehmen sich gerne brisanter Themen an. Ich bin nicht enttäuscht worden.

Die Aufmachung, Cover, ist schon auffallend, aber nicht unbedingt schön. Das Buch selbst ist gut lesbar, doch erscheint eher wie eine Essay - Zusammenstellung. Doch manche Geschichten bringen lose Enden zusammen und werden fortgeführt. Andere lassen einem in der Luft hängen. Und da wäre schon schön den handelnden Personen wieder zu begegnen. Die Neugierde verlangt einfach Befriedigung, wie ergeht es ihnen weiterhin und was machen sie aus ihrem Leben? Wie geht die Geschichte weiter... (soll ich mir da als Lesende selber Gedanken dazu machen?)

Lesenswert, jedoch mit viel Nachdenklichkeit.

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Veröffentlicht am 14.01.2026

Glimmer versus Trigger

Glimmer
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Mein zweiter Versuch, beim ersten Mal war alles weg … ich habe mich aber von dem IT Problem nicht triggern lassen, sondern versucht alles positiv zu sehen. Der Glimmer hat mein Herz zum Brennen gebracht. ...

Mein zweiter Versuch, beim ersten Mal war alles weg … ich habe mich aber von dem IT Problem nicht triggern lassen, sondern versucht alles positiv zu sehen. Der Glimmer hat mein Herz zum Brennen gebracht.

Natürlich hat mich als erstes bei dem Buch der Begriff 'Glimmer' sehr neugierig gemacht. Ebenfalls die farbige Gestaltung des Covers: Dieses zarte Grün, dazu orangene Tupfen, die sich wie Seifenblasen über den Einband ziehen und in den fetten 'Glimmer' Titel kumulieren. Das Buch ist sehr handlich, praktisch zum Mitnehmen, für unterwegs im ÖPNV. Und bei dem Begriff 'Glimmer' gucken viele aufmerksam, konnte dadurch auch das eine oder andere Gespräch führen. Während der Begriff 'Trigger', der jetzt in so gut wie jedem Buch aufgeführt werden muss, diese Seiten überblättere ich in der Regel schnell. Denn auf der Rückseite und im Klappentext wird mir ja schon vorgeführt in Kurzform worum es geht und dann lasse ich mich darauf ein oder lege das Buch weg.

Und während ich in der Regel mich nicht 'triggern' lasse, habe ich mich jetzt aber 'glimmen' lassen. So wie wenn ich ein tolles appetitliches angerichtetes Foto von einer interessanten Mahlzeit sehe – das glimmt mich, dann bekomme ich Appetit darauf. Positive Menschen sehen gerne das Positive in einer Situation, das Lächeln im Zug, ein schöner Mensch, der gekonnt gekleidet ist, ein sonniger Winternachmittag, die Eisblumen an meinem Fenster. Das alles ergreift mich mit einem herzlichen Glimmer. Bernhard Tewes weiß genau mit seinem wertvollen Büchlein das in Wort und Schrift zu setzen und gibt weitere wichtige Tipps für meinen Alltag.

Mich hat das Büchlein richtig angeheizt, der Glimmer hat sich festgesetzt. So wie ein aufregendes Bild von einer Region, die ich unbedingt besuche möchte. Jetzt besuche ich meine Herzregionen!
Danke!

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